Nachreichen von Belegen an das Finanzamt startet digital

 

Die digitale Kommunikation mit dem Finanzamt wird verbessert

 

Die Lohnsteuerhilfe Bayern klärt auf: Seit dem Jahr 2018 gibt es die Belegvorhaltepflicht bei der Steuererklärung. Das bedeutet, dass gewisse Nachweise nicht mehr mit der Steuererklärung eingereicht, sondern für die Nachfrage vom Finanzamt zu Hause aufbewahrt werden müssen. Die Steuererklärung konnte man bisher zwar digital über "Mein ELSTER" erstellen und abschicken, nachträglich eingeforderte Belege konnten bis dato jedoch ausschließlich in Papierform per Post oder per E-Mail eingereicht werden. Das ändert sich demnächst in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. „NACHDIGAL“ – das Nachreichen digitaler Anlagen zur Steuererklärung startet für "Mein ELSTER"-Nutzer voraussichtlich im November.

 

Neue Formulare in Mein ELSTER

 

Weitere Bundesländer sollen im Jahr 2021 folgen, sodass der elektronische Belegversand abgekoppelt von der Abgabe der Steuererklärung bundesweit möglich wird. Für diese technischen Erweiterungen wurden in "Mein ELSTER" neue Formulare geschaffen. Mit dem Formular „Belegnachreichung zur Steuererklärung“ können Dokumente im geschützten PDF-Format an den Sachbearbeiter im Finanzamt elektronisch übermittelt werden. Dies ist auch für zurückliegende Steuerjahre bis zum Veranlagungsjahr 2016 möglich.

 

Von Vorteil ist, dass das System die Belege unmittelbar als Unterlagen zum dazugehörigen Steuerfall speichert. Das wird bei der Übersendung per Post oder E-Mail nicht gemacht. Für die Zuordnung ist daher beim Absenden von Nachrichten und Anhängen immer die Steuernummer anzugeben. Liegen dem Steuerpflichtigen die Belege, die der Finanzbeamte im Rahmen der Bearbeitung der Steuererklärung anfordert, nicht vor, kann der "ELSTER"-Nutzer der Finanzbehörde den Sachverhalt im Freitextfeld des Formulars mitteilen.

 

Ein weiteres Formular „Sonstige Nachricht an das Finanzamt“ soll generell die Kommunikation zwischen dem Steuerpflichtigen und seiner Veranlagungsbehörde erleichtern. Es kann daher auch für Anliegen genutzt werden, die über das Angebot von "ELSTER" hinausgehen. Hier können ebenfalls Anhänge im PDF-Format mitgesendet werden. Jedoch bittet die Finanzverwaltung darum, dass die neuen Tools nicht zweckentfremdet oder präventiv zum Versand von nicht geforderten Belegen genutzt werden. Das würde dazu führen, dass die zeitnahe Bearbeitung von Steuererklärungen nicht mehr gesichert wäre, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Steuerfreier Kinderbonus: Wer profitiert davon?

 

Für jedes Kind, das im Jahr 2020 Anspruch auf Kindergeld hatte, erhalten Eltern ab September einen Bonus in Höhe von 300 Euro – steuerfrei. Geringverdiener profitieren, weil das Geld nicht mit Sozialleistungen wie Hartz IV verrechnet wird. Bei Besserverdienern wird die Bonuszahlung dagegen mit dem Kinderfreibetrag verrechnet, weshalb das Geld sich letztendlich nicht auswirkt. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, für wen sich der Kinderbonus lohnt.

 

Steuerfreier Kinderbonus: Wer profitiert davon?Kinderbonus: Erst 200, dann 100 Euro pro Kind

Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz hatte die Bundesregierung zunächst Folgendes geplant: Für jedes Kind, das im September und Oktober Anspruch auf Kindergeld hat, sollten 150 Euro an die Eltern überwiesen werden. Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages hatte aber im Juni 2020 empfohlen, im September 200 Euro und im Oktober 100 Euro zu zahlen – was von Bundestag und Bundesrat am 29. Juni 2020 so verabschiedet wurde, und zwar für jedes Kind, das in einem Monat des Kalenderjahres 2020 Anspruch auf Kindergeld hat.

 

Geringverdiener: Kinderbonus kommt voll an

 

Der Kinderbonus wird unabhängig vom Einkommen gezahlt. Wichtig für Geringverdiener ist, dass der Bonus nicht auf Familien- oder Sozialleistungen angerechnet wird. Bedeutet konkret: Wer als Eltern oder Alleinerziehender Grundsicherung oder Sozialhilfe bezieht, bekommt den Kinderbonus ohne Abzüge. Anders ist das zum Beispiel beim Kindergeld – es wird laut Beschluss vom Bundesverfassungsgericht im Jahr 2010 auf die Hartz IV-Leistungen angerechnet und der Regelsatz entsprechend gekürzt.

 

Besserverdiener: Kinderbonus wird auf Kinderfreibetrag angerechnet

 

Für Gutverdiener haben die 300 Euro Kinderbonus letztendlich keinen Effekt, weil sie auf den Kinderfreibetrag angerechnet werden. Kurz erklärt: Alle Eltern erhalten jeden Monat Kindergeld. Geben Eltern oder Alleinerziehende ihre Steuererklärung ab, prüfen die Finanzbeamten, ob sich der Kindergeldbezug oder der Kinderfreibetrag steuerlich mehr für die Erziehungsberechtigten lohnt ("Günstigerprüfung"). Denn Eltern dürfen nur eine Form der Steuererleichterung erhalten – Kindergeld oder Kinderfreibetrag.

 

Der Kinderfreibetrag für das Jahr 2020 beträgt 7.812 Euro. So viel Geld steht Erziehungsberechtigten steuerfrei zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine rein fiktive Rechengröße, die das Finanzamt rückwirkend vom zu versteuernden Jahreseinkommen der Erziehungsberechtigten abzieht. Der Kinderbonus wird mit dem Kindergeld in die Günstigerprüfung des Finanzamts eingerechnet – je nach Jahreseinnahmen und Anzahl der Kinder wird so die mögliche steuerliche Entlastung gemindert.

 

Konkret heißt das: Ein zusammenveranlagtes Elternpaar mit drei Kindern profitiert beispielsweise bis zu einem Einkommen in Höhe von 67.816 Euro in voller Höhe vom Kinderbonus für alle drei Kinder. Oberhalb dieses Einkommens schmilzt der Kinderbonus allmählich ab. Ab einem Einkommen von 105.912 Euro wird – bei gleichem Beispiel – der Kinderbonus mit den drei Kinderfreibeträgen komplett verrechnet (Einkommensteuererklärung 2020).

 

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende steigt ums Doppelte

 

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehenden wird von derzeit 1.908 auf 4.000 Euro angehoben, nämlich für 2020 und 2021. Dadurch soll dem höheren Betreuungsaufwand von Alleinerziehenden der letzten Monate Rechnung getragen werden.

 

Halbe Entfernungspauschale bei einfachem Arbeitsweg

 

Ein BFH-Urteil hat die Entfernungspauschale neu geregelt

 

Seit Einführung des Kilometer-Pauschbetrags für Pkws im Jahr 1955, dem Vorgänger der Entfernungspauschale, gab es immer wieder Urteile zum strittigen Thema, wie sie anzuwenden ist. Vor kurzem hat der Bundesfinanzhof ein verbindliches Urteil gefällt, das Arbeitnehmer betrifft, die den Hin- und Rückweg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte an unterschiedlichen Arbeitstagen, verbunden mit einer Unterbrechung der Arbeit, zurücklegen. Wird an einem Arbeitstag nur der einfache Arbeitsweg zurückgelegt, so ist die Entfernungspauschale folglich zu halbieren. Darauf verweist die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Entfernungspauschale deckt Hin- und Rückfahrt ab

 

Die meisten Arbeitnehmer fahren am selben Tag zur Arbeit und wieder nach Hause. Dafür können sie 30 Cent je einfachem Kilometer in der Steuererklärung als Werbungskosten ansetzen. Diese Pauschale von 30 Cent deckt gemäß dem Einkommensteuergesetz sowohl die Hin-, als auch Heimfahrt ab. Unerheblich ist dabei die Reihenfolge der Arbeitsfahrten. Wird von einem Nachtarbeiter am Morgen zuerst die Wohnstätte aufgesucht und am selben Abend wieder die Arbeitsstätte, kann er ebenfalls den vollen Abzug nutzen.

 

Für einfache Fahrten gilt die halbe Pauschale

 

Anders wird ab sofort gerechnet, wenn die Tätigkeit zwischen der Hin- und Rückfahrt eine mehrtägige Abwesenheit, wie bei Berufskraftfahrern oder Piloten und Flugbegleitern für Langstreckenflüge und Arbeitnehmern mit mehrtägigen Dienstreisen, mit sich bringt. Das BFH-Urteil VI R 42/17, das am 12.06.2020 veröffentlicht wurde, hat den Sachverhalt endgültig neu geregelt. Fällt an einem Arbeitstag nur die einfache Wegstrecke an, weil ein Angestellter an einem anderen Arbeitstag nach Hause zurückkehrt oder nach der Dienstreise nochmal die erste Tätigkeitsstätte vor der Heimfahrt aufgesucht wird, so dürfen nur mehr 15 Cent je Kilometer für den Arbeitsweg geltend gemacht werden.

 

Was bedeutet die Verdoppelung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende?

 

3,6 Mio. Kinder werden hierzulande von nur einem Elternteil groß gezogen

 

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit dem zweiten Corona-Maßnahmenpaket den Alleinerziehendenentlastungsbetrag vorübergehend von 1.908 Euro auf 4.008 Euro für die Jahre 2020 und 2021 erhöht. Damit soll der ungleichen Mehrbelastung der Alleinerziehenden, gerade in punkto Kinderbetreuung und Mehrausgaben während der Corona-Pandemie, Rechnung getragen werden, so die Familienministerin. Aber was hat es mit dem Entlastungsbeitrag auf sich und wie nützt er Alleinerziehenden konkret? Die Lohnsteuerhilfe Bayern klärt auf: 

 

Rund 2,6 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter ziehen in Deutschland im Durchschnitt 1,4 Kinder groß. Ihnen steht der Entlastungsbetrag zu, wenn sie als alleinstehende Erziehungsberechtigte im eigenen Haushalt ein Kind erziehen, für das Anspruch auf Kindergeld besteht. Er wird jedoch nicht gewährt, wenn der Erziehungsberechtigte mit einem Partner, einem erwachsenen und nicht mehr kindergeldberechtigtem Kind oder mit einer anderen Person in einer Haushaltsgemeinschaft zusammenlebt.

 

Das bringt der Entlastungsbetrag wirklich

 

Der Steuervorteil sieht so aus, dass der Entlastungsbetrag von derzeit 4.008 Euro pro Jahr für das erste Kind von der Summe der steuerpflichtigen Einkünfte abgezogen wird und somit die Steuerlast reduziert. Für jedes weitere berechtigte Kind steigt der Entlastungsbetrag um jeweils 240 Euro jährlich, auf 4.248 fürs zweite Kind und 4.488 fürs dritte Kind, an.

 

Bei Alleinerziehenden in der Steuerklasse 2 wird der Entlastungsbetrag bereits bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Wer die Steuerklasse 2 hat, muss nichts weiter unternehmen. Die Erhöhung von 2.100 Euro wird dann automatisch berücksichtigt. Für das Jahr 2020 wird er ab 1. Juli anteilig angerechnet. Da er rückwirkend ab 1. Januar gewährt wird, werden in diesem Jahr ab Juli monatlich 2/12 vom Arbeitgeber bei der Lohnabrechnung berücksichtigt. Der verbesserte Steuerabzug führt monatlich zu ein bisschen mehr Geld im zwei- oder dreistelligen Bereich auf dem Haushaltskonto, das die meisten alleinerziehenden Mütter und Väter in ihrer finanziell prekären Situation gut gebrauchen können.

 

Steuerklasse 2 muss beantragt werden

 

Wurde die Steuerklasse 2 bisher nicht beantragt, sind Alleinstehende üblicherweise in der Steuerklasse 1 angesiedelt. Aber auch hier ist der Entlastungsbetrag nicht verloren. Er kann alternativ rückwirkend über die Einkommensteuererklärung mit der Anlage Kind für das vergangene Steuerjahr beantragt werden. Das führt im Nachhinein in der Regel zu einer Steuerrückerstattung.

 

Wer nicht bis zum nächsten Steuerbescheid warten will, muss beim Finanzamt aktiv den Antrag auf den Wechsel in die Steuerklasse 2 stellen und sich damit bei den Steuerabzugsmerkmalen den Entlastungsbetrag hinterlegen lassen. Nur dann spült der Entlastungbetrag regelmäßig unterjährig mehr Geld in die Haushaltskasse. Geht ein Alleinerziehender eine neue Partnerschaft ein, so ist der Steuervorteil ab dem Zeitpunkt des Zusammenziehens oder einer Heirat verloren, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Stichtag 31. Juli: Wer die Steuererklärung zu spät abgibt, muss zahlen

 

Stichtag für die Abgabe der Steuererklärung ist seit 2019 der 31. Juli. Spätestens dann muss die Einkommensteuererklärung beim Finanzamt sein. Sonst drohen Verspätungszuschlag, Zwangsgeld oder gar die Steuerschätzung. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) mit den Details.

 

Stichtag 31. Juli: Wer die Steuererklärung zu spät abgibt, muss zahlenGrundsätzlich gilt: Durch eine Gesetzesänderung ist es seit 2019 deutlich schwieriger, eine Fristverlängerung zu beantragen. Die Finanzbeamten verlängern die Abgabefrist für die Steuererklärung nur noch in Ausnahmefällen, nämlich wenn der Steuerpflichtige ohne eigenes Verschulden die Abgabe versäumt. Ist das der Fall, muss das Finanzamt unbedingt schriftlich um eine Fristverlängerung gebeten werden. Stimmt das Finanzamt einer Fristverlängerung zu, erhält der Steuerpflichtige einen neuen Termin zur Abgabe der Steuererklärung – der unbedingt eingehalten werden sollte.

 

Der Verspätungszuschlag

 

Wer zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet ist und die Erklärung nicht innerhalb von 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres abgibt, für den wird ein Verspätungszuschlag festgesetzt. Während die Finanzbeamten früher selbst festlegen konnten, wie hoch der Verspätungszuschlag ausfällt, ist er seit 2019 gesetzlich festgelegt und beträgt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro pro verspätetem Monat. Maximal werden 25.000 Euro Verspätungszuschlag fällig. Wer mit einer Steuerrückerstattung rechnen darf, kann auf Nachsicht der Finanzbeamten hoffen. Denn dann kann das Finanzamt einen Zuschlag festsetzen, muss es aber nicht.

 

Das Zwangsgeld

 

Neben dem Verspätungszuschlag gibt es noch ein weiteres Mittel, worauf das Finanzamt bei einer verspäteten Abgabe zurückgreifen kann: das Zwangsgeld. In der Regel erhält der Abgabepflichtige zuerst eine Zwangsgeldandrohung per Post mit einer letzten Frist zur Abgabe der Steuererklärung. Wird die Steuererklärung innerhalb dieser Frist abgegeben, wird das Zwangsgeld nicht festgesetzt.

 

Wer allerdings auch diese Frist verstreichen lässt, wird das Zwangsgeld fällig. In der Regel liegt das Zwangsgeld zwischen 100 und 500 Euro, auch hier können maximal 25.000 Euro festgesetzt werden.

 

Die Steuerschätzung

 

Ist die Steuererklärung auch nach Erhebung des Zwangsgeldes nicht abgegeben worden, schätzt das Finanzamt schätzt die Besteuerungsgrundlage des Steuerpflichtigen und erlässt einen entsprechenden Steuerbescheid. In der Regel schätzt das Finanzamt dabei eher zu Ungunsten des Steuerpflichtigen. Das bedeutet, dass man mehr Steuern zahlen muss, als es tatsächlich der Fall wäre.

 

Steuererklärung: Was tun, wenn die Nebenkostenabrechnung zu spät kommt?

 

Es gibt Kosten, die Mieter zusätzlich zur monatlichen Wohnungsmiete zahlen und von der Steuer absetzen können. Dazu zählen zum Beispiel Wasser- oder Heizkosten, Müllabfuhr, Hausmeister- und Winterdienste, Schornsteinfeger, Reparaturen oder gar Sanierungsmaßnahmen am Haus. Diese sogenannten Betriebs- oder Nebenkosten werden einmal im Jahr abgerechnet. Aber was tun, wenn die Nebenkostenabrechnung zu spät kommt, um in der Steuererklärung angegeben zu werden? Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) gibt vier konkrete Tipps für Mieter.

 

Die meisten Vermieter oder Hausverwaltungen berechnen die Nebenkosten für den Zeitraum eines Kalenderjahres, also vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Das bedeutet im Idealfall, dass ein Mieter beispielsweise im Laufe des Jahres 2019 die Abrechnung seiner Betriebskosten für das Jahr 2018 erhält und so seine Betriebskosten in der Steuererklärung 2018 angeben kann.

 

Aber häufig warten Vermieter oder Hausverwaltungen selbst auf Berechnungen von Wasser- oder Energieversorgern, auf Rechnungen von Handwerkern oder Hausmeisterdienstleistern.

 

Kommt die Nebenkostenabrechnung aus diesen oder anderen Gründen zu spät, um die Ausgaben in der Steuererklärung einzutragen, gibt es folgende Möglichkeiten:

 

1. Kosten aus dem Vorjahr übernehmen

 

Der Mieter übernimmt die Posten aus der Nebenkostenabrechnung vom Vorjahr und trägt sie in seiner Steuererklärung ein. Das ist dann sinnvoll und effektiv, wenn es in Bezug auf den Verbrauch oder Reparaturarbeiten am Haus keine großen Abweichungen zum Vorjahr gab. Das zuständige Finanzamt sollte darüber informiert werden, dass die Vorjahresposten aufgrund der verspäteten Nebenkostenabrechnung übernommen werden. Ein formloses Schreiben genügt.

 

2. Erfolgreich Fristverlängerung beantragen

 

Eine verspätete Nebenkostenabrechnung ist grundsätzlich kein Grund für eine Fristverlängerung. Manche Finanzämter gewähren aber durchaus eine Fristverlängerung, weil sie es als Arbeitserleichterung verstehen: Lieber dem Mieter mehr Zeit einräumen, damit dann alle Unterlagen vollständig vorliegen und der Steuerfall am Stück abgeschlossen werden kann. Deshalb sollten betroffene Mieter in einem formlosen Schreiben an ihr zuständiges Finanzamt entsprechend um eine Fristverlängerung bitten.

 

3. Kosten schätzen

 

Wird keine Fristverlängerung gewährt, kann ein Mieter seine Nebenkosten schätzen - zum Beispiel anhand vorliegender Kostenvoranschläge. Das ist dann sinnvoll, wenn es zu größeren Ausgaben durch eine Fassadensanierung oder Dachreparaturen oder Ähnliches kam. Diese Vorgehensweise sollte man dem zuständigen Finanzamt in einem formlosen Schreiben mitteilen und mit der Steuererklärung einreichen, da es den Steuerbescheid dann in der Regel unter dem Vorbehalt der Nachprüfung erlässt (164 AO). Liegen die Rechnungen vor, können die korrekten Beträge nachgeliefert werden.

 

4. Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen

 

Der Steuerbescheid liegt vor, ohne dass die Nebenkostenabrechnung berücksichtigt werden konnte? Dann gibt es die Möglichkeit, Einspruch gegen den Bescheid einzulegen, nämlich mit folgender Bitte an das Finanzamt: Es möge den Einspruch erst nach Eingang der Nebenkostenabrechnung bearbeiten, damit die Aufwendungen berücksichtigt werden können.

 

Kostenbeteiligung für Corona-Rückholaktion der Bundesregierung steuerlich absetzbar

 

In den vergangenen Wochen hat das Auswärtige Amt begonnen, die ersten tausend Rechnungen für die beispielhafte und einmalige Rückholaktion aus dem Ausland zwischen dem 17. März und dem 24. April zu versenden. 67.000 Individualtouristen und Geschäftsreisende wurden mit 260 eigens dafür gecharterten Maschinen aufgrund der ausgebrochenen Corona-Pandemie aus 65 Ländern zurück nach Deutschland geholt. Nun fordert das Ministerium die damals gestrandeten Urlauber auf, sich an den Kosten des Rückflugs mit einer Pauschale zu beteiligen. Diese Kosten können als außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung angesetzt werden, erläutert die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Steuerzahler kann sich den Kosten nicht entziehen

 

Eine außergewöhnliche Belastung wird vom Finanzamt anerkannt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als den meisten anderen Steuerpflichtigen mit einem vergleichbaren Einkommen und Familienstand entstehen. Kosten sind dann zwangsläufig, wenn sich ihnen der Steuerzahler nicht entziehen kann. Die Rechnungstellung der Kosten dieser Rückholaktion basieren auf dem Konsulargesetz, das den Empfänger des Rückflugs zum Ersatz der Auslagen durch das Auswärtige Amt verpflichtet. Jeder zurückgeholte Tourist hat vor dem Rückflug ein Formblatt unterschrieben, dass er dazu bereit ist.

 

Zeitpunkt des Hinflugs entscheidend

 

Wer, nachdem eine Reisewarnung für ein Land verhängt wurde, dorthin reist und nicht mehr zurückkommt, hat dies selbst verschuldet. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden am 17. März umfangreiche Reisewarnungen ausgesprochen. Reisende, die von dieser Rückholaktion betroffen waren, haben in der Regel ihre Reise schon vorher angetreten und tragen somit nicht die Schuld für ihre Strandung. Dies setzt ein Steuerabzug voraus. Bei grob fahrlässigem Handeln ist er hingegen ausgeschlossen.

 

Kostenbeteiligung fällt fair aus

 

Die Notwendigkeit der Umstände und Angemessenheit der Kosten für den Rückflug liegen als weitere Voraussetzungen für den Steuerabzug vor. Da zum Zeitpunkt der Rückholung die Flughäfen und Grenzen der verschiedenen Länder bereits - teilweise über Nacht - geschlossen waren, standen den Touristen weder alternative noch kostengünstigere Verkehrsmittel zur Verfügung, mit denen sie hätten nach Hause kommen können.

 

Weiterhin stellt die Bundesregierung für die ihr entstandenen Kosten in Höhe von 94 Millionen Euro unbürokratisch rein anteilige Pauschalen in Rechnung. Diese untergliedern sich je nach Entfernung der Region in vier Preiskategorien. Dabei liegen die Preise zwischen 200 Euro und 1.000 Euro und orientieren sich an den günstigen Preisen für Tickets in der Economy Class verschiedener Fluggesellschaften. Die in Rechnung gestellten Kosten für die getätigten Mittel- und Langstreckenflüge sind somit durchaus fair und angemessen. Zumal die Maschinen auf dem Hinweg leer fliegen mussten und mit der Beteiligung der Passagiere nicht einmal die Hälfte der tatsächlich entstandenen Kosten abgedeckt wird.

 

Zumutbarkeitsgrenze als Hürde

 

Alle Voraussetzungen für den Abzug als außergewöhnliche Belastung sind somit erfüllt. Damit der Steuerzahler aber tatsächlich davon profitieren kann, muss er die individuelle Zumutbarkeitsschwelle überschreiten. Diese errechnet sich aus dem prozentualen Anteil am Einkommen, abhängig von der Einkommenshöhe, dem Familienstand und der Anzahl der kindergeldberechtigten Kinder und variiert zwischen ein und sieben Prozent.

 

Legt man ein Familieneinkommen von 50.000 Euro zugrunde, so liegt die Grenze bei einer Familie mit drei Kindern bei 500 Euro. Die fünfköpfige Familie überschreitet diese bei einem Rückflug von Ägypten oder den Kanaren locker. Bei selbigem Einkommen und nur einem Kind steigt die Grenze auf 1.346 Euro an. Damit der Steuerabzug erfolgreich ist, müssten sie mindestens aus Thailand oder Mexiko zurückgekommen sein. Ein kinderloses Ehepaar muss Ausgaben über 2.346 Euro haben, damit es einen Steuervorteil erlangt. Da in diesem Fall zwei Rückflüge aus Australien allein nicht reichen, müssten noch weitere Ausgaben vorliegen, die als außergewöhnliche Belastung für 2020 in Frage kommen, wie eine neue Brille oder ein Zahnersatz. Das Sammeln von Rechnungen lohnt sich in dieser Situation für alle genannten Fälle. Nur Singles scheitern in der Regel an der Zumutbarkeitsgrenze.

 

Geschäftsreisende setzen Werbungskosten an

 

Gestrandete Geschäftsreisende haben steuerlich gesehen eine andere und bessere Möglichkeit, um ihre Mehrkosten abzusetzen. Sie dürfen aufgrund der beruflichen Veranlassung die Kosten des Flugs als ganz normale Werbungskosten absetzen.

 

Grundsätzlich nichts absetzen können die rund 200.000 zurückgeholten Pauschaltouristen, da hier deren Reiseveranstalter die Kosten übernommen hat. Springt aus irgendeinem Grund eine Versicherung ein und beteiligt sich an den Kosten, mindert das den Betrag, der steuerlich absetzbar ist, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Steuerbescheide sorgfältig prüfen – Einsprüche überwiegend erfolgreich

 

Die Finanzverwaltung arbeitet auch während der Corona-Krise weiter. Mittlerweile gehen bereits viele Steuerbescheide für das Jahr 2019 ein. Wer seine Steuererklärung frühzeitig eingereicht hatte, kann sich möglicherweise schon über eine Steuererstattung auf seinem Konto freuen.

 

Dennoch sollte jeder seinen Steuerbescheid noch einmal sorgfältig auf Richtigkeit überprüfen. Bei Fehlern kann innerhalb eines Monats Einspruch eingelegt werden. Die Chancen auf eine Korrektur sind hoch. Rund zwei Drittel der Einspruchsverfahren gehen zugunsten der Steuer-bürger aus.

 

Nach einer aktuell herausgegebenen Übersicht des Bundesfinanzministeriums (BMF) erreichten 2018 fast 3,4 Millionen Einsprüche die deutschen Finanzämter. Insgesamt wurden 3,25 Millionen Einsprüche im Laufe des Jahres abschließend bearbeitet. Davon wurden 64,4 Prozent durch Abhilfe, also zugunsten der Steuerbürger entschieden. In 21,3 Prozent der Fälle wurden die Einsprüche zurückgenommen und nur in rund 14 Prozent der Fälle ergingen Einspruchsentscheidungen, die in der Regel eine Ablehnung enthielten.

 

„Die Zahlen zeigen, dass Bürger ihre Steuerbescheide nicht einfach hinnehmen, sondern gegen fehlerhafte Bescheide Einspruch einlegen sollten“, kommentiert BVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft die neue Einspruchsstatistik. Die Ursache für abweichende Steuerfestsetzungen beruht allerdings nicht ausschließlich auf Fehlern des Finanzamtes. Neben Nichtberücksichtigung von Aufwendungen und anderen Abweichungen gegenüber der Steuererklärung können auch Musterverfahren bei den Finanzgerichten oder auch die Korrektur eigener fehlerhafter Eintragungen Anlass für einen Einspruch sein.

 

Das Einspruchsverfahren erfordert einen überschaubaren Aufwand und ist kostenlos. Der Einspruch muss innerhalb eines Monats nach Zugang des Steuerbescheids schriftlich beim Finanzamt eingegangen sein. Über das Elster-Online-Portal oder ein anderes Steuerprogramm kann der Einspruch auch elektronisch eingelegt werden. Ist ein vergleichbares Verfahren beim BFH, einem anderen Bundesgericht oder beim Europäischen Gerichtshof anhängig, reicht die Berufung auf das Aktenzeichen dieses Verfahrens, um den Einspruch zu begründen und den eigenen Steuerbescheid offen zu halten.

 

Lehnt das Finanzamt den Einspruch ab, steht den Bürgern der Weg zu den Finanzgerichten der Länder offen. Diese wurden laut der BMF-Statistik 2018 rund 59.000 Mal angerufen. Finanzgerichtsverfahren sind mit größerem Aufwand und einem Kostenrisiko verbunden. Auch vor Gericht waren viele Steuerpflichtige erfolgreich. In mehr als 20 Prozent der Fälle erzielten die Steuerpflichtigen 2018 einen Erfolg oder Teilerfolg. Nicht eingerechnet in dieser Quote sind Klagen, in denen das Finanzamt im Laufe des Verfahrens den Steuerbescheid zugunsten des Steuerbürgers änderte. Diese Quote betrug 34 Prozent. Somit endeten mehr als die Hälfte aller Finanzgerichtsverfahren zugunsten der Steuerbürger, so der BVL.

 

Arbeitslosengeld und Steuererklärung: Das sollten Sie wissen

 

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus: Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind erstmals in einem April gestiegen, wie die Bundesagentur für Arbeit kürzlich berichtete (30.4.). Wichtig für Betroffene: Wer mehr als 410 Euro Arbeitslosengeld im Jahr erhalten hat, muss zwingend eine Steuererklärung abgeben. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) gibt einen Überblick und Tipps zum Steuern sparen.

 

Arbeitslosengeld und Steuererklärung: Das sollten Sie wissenWer Arbeitslosengeld 1 (I) bezieht, erhält in der Regel 60 Prozent seines Gehalts, mit Kindern sind es 67 Prozent. Für Empfänger von Arbeitslosengeld 2 (II) – auch Hartz 4 (IV) genannt – liegt der aktuelle Regelsatz bei 432 Euro monatlich. Die Kosten für Wohnung und Heizung werden von den Jobcentern nach den örtlichen Richtlinien gezahlt, und es gibt Zuschüsse für Kinder. Kurz gesagt: Für Bezieher von Arbeitslosengeld kann jeder Euro zählen, vor allem für Empfänger von Arbeitslosengeld 2.

 

Keine Steuern fällig für Arbeitslosengeld 2

 

Für das Arbeitslosengeld 2 (II), auch ALG 2 (II) oder Hartz 4 (IV) genannt, gilt: Wer es bekommt, zahlt darauf keine Steuern, da es sich um eine sogenannte Grundsicherungsleistung handelt. Das ALG 2 unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt wie zum Beispiel ALG I (1), Kurzarbeitergeld oder Mutterschaftsgeld. Somit erhöht es auch nicht den persönlichen Steuersatz.

 

Unser Tipp: Wer in einem Jahr ausschließlich Hartz 4 bezieht, kann sich Zeit, Geld und Mühe sparen, denn er muss keine Steuererklärung abgeben.

 

Steuererklärung: Nur einen Teil des Jahres arbeitslos

 

Hat ein Arbeitnehmer nicht das gesamte Kalenderjahr, sondern lediglich für ein paar Monate Arbeitslosengeld 1 bezogen und war ansonsten in Anstellung, hat er in der Regel Lohnsteuer bezahlt. Diese gezahlte Steuer kann teilweise zurückgeholt werden, wenn der Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgibt und darin alle absetzbaren Kosten aufführt.

 

Unser Tipp: Betroffene sollten alle Belege zu den beruflichen Ausgaben sammeln und die Summe als Werbungskosten in Anlage N der Steuererklärung eintragen. Dazu zählen zum Beispiel Bewerbungskosten, Fortbildungskosten, Ausgaben für Schreibmaterial oder die Fahrtkosten zu Arbeit.

 

Erstattung wird auf Hartz 4 angerechnet

 

Wer eine Steuererstattung erhält und zeitgleich Hartz 4 bezieht, dem wird das erstattete Geld auf die ALG-2-Bezüge angerechnet. Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu dem die Erstattung auf dem Konto des Arbeitslosen ankommt, und nicht, wann der Steuerbescheid per Post eintrifft.

 

Unser Tipp: Im Idealfall kommt die Steuererstattung in einem Monat, in dem keine Hartz-IV-Leistungen empfangen werden. Übrigens: Von der Abgabe der Steuererklärung bis zu Bescheid und Rückerstattung dauert es in der Regel fünf bis acht Wochen.

 

Steuererklärung für das Jahr 2019 in wenigen Wochen fällig

 

Abgabefrist Steuererklärung für 2019

Idealerweise werden alle Steuerunterlagen unterm Jahr gleich sortiert abgelegt

 

Corona-Pandemie hin oder her, die Steuererklärung für das Jahr 2019 wird für die vielen dazu gesetzlich verpflichteten Arbeitnehmer und Rentner nach derzeitigem Stand unverändert am 31. Juli fällig, wenn diese selbst erstellt wird. Die verlängerte Frist bis Ende Februar 2021 gilt nur, wenn die Abgabe über einen Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater erfolgt. Der Abgabetermin Ende Juli naht in wenigen Wochen. Es ist also an der Zeit, langsam mit der eigenen Steuererklärung zu beginnen, die Unterlagen zusammenzusuchen und sich einen freien Termin für die Erledigung der Pflicht zu setzen.

 

Das passiert, wenn die Abgabefrist überschritten wird

 

Wird die Steuererklärung nicht fristgerecht abgegeben, wird das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen. Die Höhe des anfänglichen Verspätungszuschlags bestimmt der Finanzbeamte. Wurde die Steuererklärung nach 14 Monaten immer noch nicht eingereicht, wird ab sofort automatisch ein Verspätungszuschlag fällig. Dieser beträgt pro angefangenem Kalendermonat 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer und mindestens 25 Euro pro Monat.

 

Eine Fristverlängerung für das Veranlagungsjahr 2019 ist im Regelfall nicht vorgesehen, denn mit den neuen Abgabefristen haben die Steuerpflichtigen zwei Monate mehr Zeit. Sie ist nur in Ausnahmefällen möglich, nämlich wenn den Steuerpflichtigen selbst kein Verschulden trifft. Der Verspätungszuschlag wird nicht festgesetzt, wenn die Abgabefrist durch das Finanzamt in Ausnahmefällen verlängert wurde, die Steuerlast null Euro beträgt, eine Erstattung fällig ist oder die Vorauszahlungen unter Berücksichtigung der Steuerabzugsbeträge die Steuerlast übersteigt.

 

Verlängerte Frist für 2018 läuft noch

 

In neun Bundesländern läuft derzeit noch die verlängerte Frist für noch offene Steuererklärungen für das Veranlagungsjahr 2018 bis zum 31. Mai 2020. Diese Verlängerung wurde wegen der Corona-Krise erlassen und gilt nur, wenn die Steuererklärung über einen Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater eingereicht wird. Sollte bereits ein Verspätungszuschlag festsetzt worden sein, kann dieser auf Antrag mit dem Hinweis auf die Corona-Krise erlassen werden. Für Mitglieder der Lohnsteuerhilfe Bayern geschieht das automatisch durch den Verein.

 

Steuerfreies Lohnplus - was der Fiskus in der Corona-Krise erlaubt

 

Arbeitslohn ist grundsätzlich lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. In der Corona-Krise erlaubt das Bundesfinanzministerium jetzt eine Abweichung davon. Um gerade den engagierten und besonders beanspruchten Mitarbeitern u. a. im Lebensmitteleinzelhandel, in den Drogeriemärkten und insbesondere in der Pflege und in den Krankenhäusern Anerkennung zu zollen, ist kurzfristig eine Steuerbefreiung für Sonderzahlungen zugelassen worden. „Arbeitgeber können in der Corona-Krise ihren Mitarbeitern als Bonus bis zu 1.500 Euro steuerfrei zahlen“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Voraussetzungen für steuerfreie Sonderzahlungen

 

Arbeitgeber, die sich bei ihren Mitarbeitern bedanken wollen und dies wirtschaftlich auch noch können, müssen einige wenige Voraussetzungen beachten. Sonderzahlungen sind in Form von Zuschüssen zum Gehalt oder aber als Sachbezug erlaubt. Wichtig für die Steuerfreiheit ist, dass diese Zahlungen zusätzlich zum eigentlichen Gehalt dem Arbeitnehmer zugutekommen müssen. Damit ist klar, dass die Steuerfreiheit nicht bei einer Gehaltsumwandlung greift. Steuerfrei sind also nur Sonderzahlungen bis zu einer maximalen Höhe von 1.500 Euro. Die Zahlung ist weder an eine besondere Krise im Unternehmen noch an eine erhöhte Arbeitsbelastung gebunden.

 

Sollten Unternehmen angesichts der eigenen unsicheren wirtschaftlichen Situation derzeit davon noch keinen Gebrauch machen können oder wollen, ist das kein Hindernis. Arbeitgeber können noch bis zum Jahresende „Danke“ sagen: Diese steuerfreien Zahlungen können in der Zeit vom 1. März 2020 bis zum 31. Dezember 2020 erfolgen.

 

Steuerfreiheit bis zu 1.500 Euro branchenunabhängig

 

Auch wenn Anlass dieser Regelung der Einzelhandel und die Gesundheitsberufe sind, können alle Branchen diese großzügige Neuregelung nutzen. Die Sonderzahlungen sind nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt worden. Auch Mini-Jobber können grundsätzlich diese steuerfreien Sonderzahlungen erhalten.

 

Achtung: Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld nicht steuerfrei

 

Zahlt der Arbeitgeber noch Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld, sind diese unverändert lohnsteuerpflichtig. Die neue Steuerbefreiung gilt hier nicht. Das Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei, kann sich aber später durch den Progressionsvorbehalt im Rahmen der Einkommensteuererklärung steuererhöhend auswirken.

 

Sonderzahlungen bis zu 1.500 Euro auch beitragsfrei

 

Immer dann, wenn Zahlungen zusätzlich zum Arbeitsentgelt gezahlt werden und diese lohnsteuerfrei sind, fallen auch keine Sozialversicherungsbeiträge an. Diese Bedingungen müssen auch hier erfüllt sein.

 

Fazit

 

Im Einzelfall empfiehlt es sich, vor der Auszahlung einer Sonderzahlung die verschiedenen Auswirkungen zu prüfen und für die Wahl einer optimalen Lösung einen Steuerberater hinzuzuziehen. 

 

Versicherungsbeiträge richtig von der Steuer absetzen

 

Steuerpflichtige fragen sich oft, welche Versicherungsbeiträge sie wie von der Steuer absetzen können. Beiträge werden daher in der Steuererklärung nicht bzw. nicht hinreichend als Sonderausgaben oder Werbungskosten deklariert. „Altersvorsorgeaufwendungen und Beiträge zu anderen Versicherungen haben jedoch das Potential, das zu versteuernde Einkommen und damit die individuelle Steuerlast erheblich zu verringern“, so Lothar Herrmann, Präsident der Steuerberaterkammer Hessen.

 

Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung

 

Steuerpflichtige können Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung bis zu einem bestimmten Höchstbetrag als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Unter die Basisversorgung fallen u. a. die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zur landwirtschaftlichen Alterskasse, zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen und zur sogenannten Rürup-Rente. Für das Jahr 2019 erkennt das Finanzamt 88 Prozent dieser Beiträge bis zu einer Bemessungsgrenze von maximal 21.388 Euro als Sonderausgaben an. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Betrag.

 

Beiträge zur Riester-Rente

 

Die Riester-Rente kennen viele. Diese wird in der Ansparphase durch Zulagen und Steuervorteile in Form eines Sonderausgabenabzugs vom Staat gefördert. Der Sonderausgabenabzug in Höhe von maximal 2.100 Euro wird jedoch nur gewährt, wenn er sich für den Steuerpflichtigen gegenüber der Gewährung von Zulagen als günstiger darstellt. Der Betrag verdoppelt sich auch hier bei zusammenveranlagten Ehegatten, wenn beide zum begünstigten Personenkreis gehören. Die jährliche Grundzulage beträgt bis zu 175 Euro. Die Kinderzulage beträgt bei vor 2008 geborenen Kindern 185 Euro pro Kind, bei ab 2008 geboren Kindern 300 Euro pro Kind. Die sogenannte Günstigerprüfung erfolgt dabei automatisch durch das Finanzamt. Dabei sind die gezahlten Riester-Beiträge, der individuelle Steuersatz und die Anzahl der Kinder von entscheidender Bedeutung.

 

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

 

Dem Steuerpflichtigen steht auch für sonstige Vorsorgeaufwendungen ein Sonderausgabenabzug zu. Neben der Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung fallen darunter auch Beiträge für eine Haftpflicht-, Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung. Lebens- oder Rentenversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind ebenfalls begünstigt.

 

Die absetzbare Höchstgrenze liegt hier bei 1.900 Euro pro Jahr für Arbeitnehmer und Beamte sowie 2.800 Euro für Selbstständige. Bei Verheirateten sind die für die beiden Ehepartner jeweils geltenden Beträge zu addieren. Die Höchstbeträge werden allerdings oftmals durch die Beiträge für die Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung bereits ausgeschöpft. Ein weiterer Entlastungseffekt durch die Beiträge für andere Versicherungen wird daher nur im Einzelfall eintreten.

 

Andere Versicherungen

 

Beiträge für Versicherungen, die ausschließlich berufliche Risiken abdecken, können in der Regel unbegrenzt als Werbungskosten abgesetzt werden. Dazu gehören die Berufshaftpflicht-, die Arbeitsrechtsschutz- oder eine Unfallversicherung, die nur bei Arbeitsunfällen greift.

 

Die Beiträge zu einer Hausrats- oder privat veranlassten Rechtsschutzversicherung sind hingegen nicht von der Steuer absetzbar. Letztlich muss für jede Versicherung individuell geprüft werden, ob eine steuerliche Entlastung möglich ist.

 

Fazit

Wer sich nicht sicher ist, ob und wie Versicherungsbeiträge steuerlich zu berücksichtigen sind, sollte sich Unterstützung bei der Erstellung der Steuererklärung besorgen. Bei Fragen und Unsicherheiten rund um die steuerliche Behandlung von Versicherungsbeiträgen stehen Steuerberater als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung. Steuerberater werden dabei immer auch die steuerlichen Auswirkungen in der Auszahlungsphase prüfen. Orientierungshilfe bei der Suche nach einem qualifizierten Berater gibt der Steuerberater-Suchdienst.

 

Steuererklärung in der Corona-Krise: Kein Verspätungszuschlag, zinsfreie Steuerstundung, längere Abgabefrist

 

Grundsätzlich bleibt es dabei, dass die Steuererklärung auch in Corona-Zeiten fällig wird. Allerdings erleichtern die Bundesländer aktuell vieles rund um die steuerliche Situation von Arbeitnehmern sowie die Abgabe der Steuererklärungen 2018 und 2019. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) gibt einen Überblick.

 

Die Finanzministerien des Bundes und der Länder haben am 19. März 2020 gemeinsam ein steuerliches Hilfspaket in Kraft gesetzt, um von der Corona-Pandemie Betroffene zu unterstützen. Für Arbeitnehmer gelten demnach bis Ende des Jahres 2020 folgende Erleichterungen:

 

 

   - Es gibt vereinfachte Anträge auf die Anpassung der Vorauszahlungen sowie auf die Steuerstundung, die zinsfrei ausgesprochen werden können.

   - Von Vollstreckungsmaßnahmen soll abgesehen werden.

   - Auf die Erhebung von Säumniszuschlägen soll verzichtet werden.

   - Die Finanzämter werden bei der Nachprüfung der Voraussetzungen keine strengen Anforderungen stellen.

Entsprechende Anträge sind auf den Internet-Seiten der Finanzämter oder der Finanzverwaltung der Bundesländer zu finden.

 

Fristverlängerung für die Steuererklärung 2018

 

Wer seine Steuererklärung durch einen Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater bearbeiten lässt, dessen Berater hat jetzt länger Zeit: Die Finanzämter gewähren ab sofort Fristverlängerungsanträge wegen der Corona-Krise rückwirkend ab dem 1. März 2020 bis zum 31. Mai 2020 - und zwar ohne Nennung oder Prüfung von Gründen.

 

Regulär ist der 29. Februar 2020 Stichtag für die Abgabe der Einkommensteuererklärung 2018, wenn die Steuererklärung von einem Experten gemacht wird.

 

Wichtig: Auf Antrag werden bereits festgesetzte Verspätungszuschläge in den Fällen der rückwirkenden Fristverlängerung erlassen.

 

Von zu Hause arbeiten und Steuern sparen

 

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, teilweise im Homeoffice, also von zu Hause, zu arbeiten. Wer sich dafür ein eigenes Arbeitszimmer in seiner privaten Wohnung einrichtet, kann unter Umständen Steuern sparen. „Doch nicht jeder Steuerpflichtige kann sein Heimbüro steuerlich geltend machen. Darüber, welche Aufwendungen wann und in welcher Höhe abgezogen werden dürfen, gibt es häufig Streit mit dem Finanzamt. Es gibt also einiges zu beachten“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Was ist ein häusliches Arbeitszimmer?

 

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftstellerischer oder verwaltungstechnischer bzw. organisatorischer Arbeiten dient. Er darf nicht privat bzw. nur sehr eingeschränkt (weniger als 10 Prozent private Mitbenutzung) als Wohnraum genutzt werden. Für die Beurteilung ist auch wichtig, ob der Raum von den Privatzimmern getrennt liegt und ob die Wohnung so groß ist, dass der Steuerpflichtige auf eine private Nutzung des Arbeitszimmers tatsächlich verzichten kann. Nutzt er einen Raum mit einem nicht unerheblichen Teil seiner Fläche auch privat (sog. Arbeitsecke), können die Aufwendungen auch nicht anteilig als Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt werden. Zur häuslichen Sphäre kann bei Ein- und Mehrfamilienhäusern auch ein Kellerraum gehören; ein Arbeitszimmer im Keller wäre also ein häusliches Arbeitszimmer. Bei Räumen im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, die nicht zur Privatwohnung gehören, liegt dagegen ein außerhäusliches Arbeitszimmer vor, für das die Aufwendungen ggf. in voller Höhe anerkannt werden.

 

Wann ist das häusliche Arbeitszimmer von der Steuer absetzbar?

 

Der eigentliche Grundsatz lautet, dass der Steuerpflichtige die Kosten für ein Arbeitszimmer nicht steuerlich geltend machen kann. Wenn aber für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, dürfen Steuerpflichtige im Jahr bis zu 1.250 Euro als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen. Dieser Betrag ist subjektbezogen, d. h. er verdoppelt sich, wenn zwei Personen dasselbe Arbeitszimmer nutzen. Andererseits bedeutet das auch, dass es bei der Nutzung von zwei Arbeitszimmern in verschiedenen Wohnungen durch dieselbe Person bei dem Höchstbetrag von 1.250 Euro bleibt. Der Betrag wird dann ggf. auf die beiden Arbeitszimmer aufgeteilt.

 

Ein sogenannter anderer Arbeitsplatz ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Dabei sind objektive Kriterien maßgebend. Was ein Arbeitnehmer subjektiv von der Annehmbarkeit des Arbeitsplatzes hält, spielt keine Rolle. Der Arbeitnehmer muss aber jederzeit für die dienstlich erforderlichen Büroarbeiten auf einen für ihn nutzbaren Arbeitsplatz zugreifen können. Wenn im Fall von Poolarbeitsplätzen z. B. für zehn Arbeitnehmer nur fünf Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, fehlt ein anderer Arbeitsplatz. Das gilt auch, wenn man im Rahmen von Bereitschaftsdiensten am Wochenende erreichbar sein muss, an diesen Tagen aber das Betriebsgebäude des Arbeitgebers nicht nutzen kann.

 

In Fällen, in denen das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt, dürfen alle damit verbundenen Aufwendungen in voller Höhe angesetzt werden. Das kann sogar dann gelten, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, der Arbeitnehmer aber den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausübt. Das kann bspw. bei einem Telearbeitsplatz bzw. Heimarbeitsplatz gegeben sein. Werden mehrere Tätigkeiten nebeneinander ausgeübt, dann richtet sich der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit nach dem Mittelpunkt der Haupttätigkeit.

 

Welche Kosten sind abzugsfähig?

 

Für ein häusliches Arbeitszimmer sind die Kosten für die Ausstattung voll abziehbar, also z. B. für Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen. Aufwendungen für Arbeitsmittel wie z. B. Regale, Bürostuhl oder Schreibtisch sind ebenfalls in voller Höhe abzugsfähig. Ein PC oder Laptop müsste ggf. über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Die Gebäudekosten sind anteilig zu berücksichtigen, also Miete, Gebäude-AfA (Abschreibung für Abnutzung), Renovierungskosten, Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes genutzt wurden, Wasser-, Energie- und Reinigungskosten ebenso wie Müllabfuhr und Gebäudeversicherungskosten. Der abziehbare Anteil ist nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zu der nach der Wohnflächenverordnung ermittelten Wohnfläche der Wohnung (einschließlich des Arbeitszimmers) zu berechnen.

 

Vermietung eines Arbeitszimmers an den Arbeitgeber

 

Es gibt mittlerweile vermehrt den Fall, dass der Arbeitnehmer einen Raum an seinen Arbeitgeber vermietet, z. B. dann, wenn er hauptsächlich im Homeoffice arbeitet. In so einem Fall stellt sich die Frage, wie der Arbeitnehmer mit den Einnahmen aus der Vermietung umzugehen hat. Nach Auffassung der Finanzverwaltung richtet sich dies danach, ob das Arbeitszimmer vorrangig dem betrieblichen Interesse des Arbeitgebers oder dem Interesse des Arbeitnehmers dient. Überwiegt das Interesse des Arbeitgebers, z. B. weil geeignete Räume im Betrieb fehlen, fallen die Mieteinnahmen unter die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Dann sind die mit dem Arbeitszimmer im Zusammenhang stehenden Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten bei dieser Einkunftsart steuerlich abzugsfähig, wenn im jeweiligen Fall eine Überschusserzielungsabsicht vorliegt. Wenn dagegen kein betriebliches Interesse des Arbeitgebers vorherrscht, werden die Mieteinnahmen beim Arbeitnehmer auch wie Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit behandelt. Die damit verbundenen Kosten sind somit, wie oben beschrieben, in der Regel nur beschränkt abzugsfähig.

 

Fazit

 

Rund um das häusliche Arbeitszimmer existieren viele steuerliche Fallstricke. Es lohnt sich, einen Spezialisten zu fragen, wie der eigene Fall konkret zu beurteilen ist sowie ob und welche Kosten steuerlich geltend gemacht werden können. Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst (www.stbk-stuttgart.de) bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete, Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

 

Auswertung: Nordrhein-Westfalen hat die schnellsten Finanzämter

 

Nordrhein-Westfalen hatte 2019 die mit Abstand schnellsten Finanzämter Deutschlands. Das geht aus einer Datenerhebung der führenden Online-Steuererklärung Lohnsteuer-kompakt.de hervor. "Die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen hat 2019 wohl sehr viel richtig gemacht", sagt Felix Bodeewes, Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de. "Zumindest was die Schnelligkeit der Finanzämter angeht."

 

Denn Nordrhein-Westfalen hat mit einer Bearbeitungsdauer von 47 Tagen nicht nur die im bundesweiten Durchschnitt schnellsten Finanzämter. Deutschland schnellstes Finanzamt Herne, kommt mit einer Bearbeitungsdauer von nur 26,6 Tagen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen und ist fast acht Tage schneller als das schnellste Finanzamt im Vorjahr. "Hinzu kommt, dass sieben der zehn schnellsten Finanzämter Deutschlands in Nordrhein-Westfalen angesiedelt sind", ergänzt Bodeewes.

 

Vorjahres-Sieger Saarland landete 2019 mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 48,8 Tagen auf dem zweiten Platz. Berlin, das in den vergangenen vier Jahren drei Mal den ersten und einmal den zweiten Platz belegte, landete 2019 nur noch auf dem vierten Platz. Die jeweils aktuelle Bearbeitungszeit ihres Finanzamtes finden Steuerpflichtige unter www.lohnsteuer-kompakt.de/start/finanzaemter.

 

Am längsten müssen Steuerpflichtige in Schleswig-Holstein mit 61,2 Tagen, sowie Hessen und Thüringen mit jeweils 61,5 Tagen auf eine mögliche Steuererstattung warten. Damit müssen Steuerpflichtige in diesen drei Bundesländern rund zwei Wochen länger auf ihren Bescheid warten als in Nordrhein-Westfalen.

 

Der bundesweite Schnitt liegt bei 54,7 Tagen und ist somit 1,4 Tage schneller als im Vorjahr. Im Vergleich zur bundesweiten durchschnittlichen Bearbeitungszeit im Jahr 2015 hat sich die Bearbeitungszeit dennoch um 2,2 Tage verlangsamt.

 

Deutschlands langsamstes Finanzamt kommt mit Nördlingen Außenstelle Donauwörth 2019 aus Bayern. Hier mussten Steuerpflichtige ganze 84,5 Tage auf ihren Steuerbescheid warten. Fünf der zehn langsamsten Finanzämter kommen 2019 aus Baden-Württemberg, immerhin noch drei aus Schleswig-Holstein.

 

Die Bearbeitungszeiten der Finanzämter wurden anhand von circa 400.000 über Lohnsteuer-kompakt.de im Jahr 2019 erstellten Steuererklärungen anonym erhoben. Insgesamt wurden 518 Finanzämter berücksichtigt, wobei pro Finanzamt mindestens 50 Steuererklärungen eingereicht wurden.

 

Steuertipps zum Jahresende

 

Ein Endspurt bis Silvester kann manchem Steuerzahler noch ein Geschenk vom Finanzamt bescheren. Dabei kommt es darauf an, verschiedene Posten wie teuren Zahnersatz, Ausgaben für Handwerker oder für die Karriere vorausschauend auf ihre steuerliche Wirkung zu prüfen und das Geld zum richtigen Zeitpunkt auszugeben. Die Zeitschrift Finanztest gibt in ihrer Dezember-Ausgabe zwölf Steuertipps zum Jahresende.

 

Kommen Arbeitnehmer über die 1000-Euro-Hürde für Werbungskosten, lohnt es sich, bis zum Jahresende Geld für weitere Jobkosten auszugeben. Die Hürde nimmt bereits, wer mindestens 15 Kilometer zur Arbeit fährt. Steuerlich anerkannte Ausgaben können beruflich bedingte Arbeitsmittel sein wie ein Smartphone, PC oder Schreibtisch.

 

Bis Neujahr Wohnung und Garten von Handwerkern verschönern zu lassen, kann bis zu 1200 Euro im Jahr Steuern sparen. Denn jeder Haushalt kann bis zu 6000 Euro Lohn- und Fahrtkosten pro Jahr für Handwerkarbeiten geltend machen, maximal 1200 Euro gehen direkt von der Steuerschuld ab.

 

Wer den Partner fürs Leben gefunden hat und bald heiraten will, sollte nicht bis zum nächsten Jahr warten. Denn eine Hochzeit bis Silvester bringt den Splittingtarif für das ganze Jahr, selbst wenn das Paar nur einen Tag im Jahr verheiratet war. Weitere Tipps gibt es zum Beispiel zu steuerlich absetzbaren Ausgaben für die Gesundheit, die Altersvorsorge, Spenden oder vermietetes Eigentum.

 

Lohnsteuerfreibeträge: Nur was für Wenig-Verdiener, Viel-Kostenhaber und Jahres-Endrechner

 

Kosten aufstellen, Nachweise zusammensuchen, Antrag ausfüllen, zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sein: Lohnsteuerfreibeträge eintragen zu lassen ist mit viel Aufwand verbunden und lohnt sich nur für die Wenigsten. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, wer tatsächlich davon profitiert und welche Kosten zum Freibetrag werden können.

 

Grundsätzlich eine gute Idee

 

Der Lohnsteuerfreibetrag ist ein Betrag, der vom Monatslohn abgezogen wird, bevor die Steuer dafür berechnet wird. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer für diesen Teil des Monatslohns keine Steuern bezahlen muss - ein Freibetrag entlastet ihn also finanziell.

 

Das heißt: Er muss nicht bis zur nächsten Steuererklärung auf eine Erstattung vom Finanzamt warten, sondern erhält die Steuererleichterung bereits jeden Monat.

 

Generell viele Bedingungen

 

Wer sich allerdings beim Finanzamt einen Freibetrag eintragen lassen möchte, hat einige Bedingungen zu erfüllen. Die erste ist, dass die jährlichen Ausgaben, die zum Lohnsteuerfreibetrag werden sollen, höher sind als 600 Euro. Eine Ausnahme sind die Werbungskosten, also die Ausgaben für den Beruf: Hier liegt die Grenze höher, weil jeder Arbeitnehmer automatisch die sogenannte Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro erhält. Will ein Arbeitnehmer seine beruflichen Ausgaben wie Fahrtkosten oder Kosten für die Arbeitskleidung als Freibetrag anerkennen lassen, muss er dementsprechend mehr als 1.600 Euro im Jahr dafür ausgeben.

 

Hinzu kommt: Jeder Antragsteller muss im Vorfeld selbst prüfen, ob er über die 600-Euro-Hürde bzw. über die 1.600-Euro-Hürde kommt. Die entsprechenden Nachweise müssen zusammengetragen und dann für die Einkommensteuererklärung aufbewahrt werden, falls das Finanzamt die Angaben prüfen möchte - was recht viel Arbeit bedeuten kann.

 

Die nächste Bedingung ist, dass Freibetrag-Bezieher zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind. Man kann sich Freibeträge für ein, maximal für zwei Jahre eintragen lassen. Das bedeutet: Wer sich bis zum 30. November 2019 Freibeträge für zwei Jahre eintragen lässt, muss in den Jahren 2020 und 2021 seine Steuererklärung abgeben.

 

Die letzte Bedingung: Bis zum 30. November muss man sich Freibeträge beim Finanzamt eintragen lassen, wenn sie noch im laufenden Jahr greifen sollen.

 

Für diese Gruppen lohnt sich der Aufwand

 

Wenig-Verdiener

 

Mehr Netto dank Freibetrag, das lohnt sich zum Beispiel für junge Eltern, wenn vorübergehend ein Einkommen wegfällt, weil einer von beiden in Elternzeit ist. Oder für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, bei denen einer von beiden Arbeitslosigkeit anmelden muss.

 

Viel-Kostenhaber

 

Hohe monatliche Kosten haben zum Beispiel Arbeitnehmer mit doppelter Haushaltsführung, die also aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung am Arbeitsort unterhalten. Genauso Mütter oder Väter, die hohe Unterhaltszahlungen leisten.

 

Jahres-Endrechner

 

Wer sich Freibeträge im Oktober oder spätestens bis zum Stichtag 30. November eintragen lässt, für den wirkt sich der Freibetrag allein auf die Gehaltsabrechnungen im November und Dezember aus. So bleibt mehr übrig als wenn die Summe auf zwölf Monate verteilt worden wäre. Das kann sich zum Beispiel lohnen, wenn im Dezember eine hohe Einmalzahlung wie ein Bonus ansteht: Die Lohnsteuer verringert sich mitunter so stark, dass das Weihnachtsgeld sogar ganz ohne Lohnsteuerabzüge auf das Konto überwiesen wird.

 

Für alle anderen, die nicht zu den Wenig-Verdienern, Viel-Kostenhabern oder Jahres-Endrechnern gehören, lohnt sich der Aufwand in der Regel nicht. Sie sollten stattdessen zeitnah oder pünktlich ihre Steuererklärung machen bzw. machen lassen und sich die zu viel gezahlten Steuerbeträge zurückholen.

 

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