Von zu Hause arbeiten und Steuern sparen

 

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, teilweise im Homeoffice, also von zu Hause, zu arbeiten. Wer sich dafür ein eigenes Arbeitszimmer in seiner privaten Wohnung einrichtet, kann unter Umständen Steuern sparen. „Doch nicht jeder Steuerpflichtige kann sein Heimbüro steuerlich geltend machen. Darüber, welche Aufwendungen wann und in welcher Höhe abgezogen werden dürfen, gibt es häufig Streit mit dem Finanzamt. Es gibt also einiges zu beachten“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Was ist ein häusliches Arbeitszimmer?

 

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftstellerischer oder verwaltungstechnischer bzw. organisatorischer Arbeiten dient. Er darf nicht privat bzw. nur sehr eingeschränkt (weniger als 10 Prozent private Mitbenutzung) als Wohnraum genutzt werden. Für die Beurteilung ist auch wichtig, ob der Raum von den Privatzimmern getrennt liegt und ob die Wohnung so groß ist, dass der Steuerpflichtige auf eine private Nutzung des Arbeitszimmers tatsächlich verzichten kann. Nutzt er einen Raum mit einem nicht unerheblichen Teil seiner Fläche auch privat (sog. Arbeitsecke), können die Aufwendungen auch nicht anteilig als Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt werden. Zur häuslichen Sphäre kann bei Ein- und Mehrfamilienhäusern auch ein Kellerraum gehören; ein Arbeitszimmer im Keller wäre also ein häusliches Arbeitszimmer. Bei Räumen im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, die nicht zur Privatwohnung gehören, liegt dagegen ein außerhäusliches Arbeitszimmer vor, für das die Aufwendungen ggf. in voller Höhe anerkannt werden.

 

Wann ist das häusliche Arbeitszimmer von der Steuer absetzbar?

 

Der eigentliche Grundsatz lautet, dass der Steuerpflichtige die Kosten für ein Arbeitszimmer nicht steuerlich geltend machen kann. Wenn aber für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, dürfen Steuerpflichtige im Jahr bis zu 1.250 Euro als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen. Dieser Betrag ist subjektbezogen, d. h. er verdoppelt sich, wenn zwei Personen dasselbe Arbeitszimmer nutzen. Andererseits bedeutet das auch, dass es bei der Nutzung von zwei Arbeitszimmern in verschiedenen Wohnungen durch dieselbe Person bei dem Höchstbetrag von 1.250 Euro bleibt. Der Betrag wird dann ggf. auf die beiden Arbeitszimmer aufgeteilt.

 

Ein sogenannter anderer Arbeitsplatz ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Dabei sind objektive Kriterien maßgebend. Was ein Arbeitnehmer subjektiv von der Annehmbarkeit des Arbeitsplatzes hält, spielt keine Rolle. Der Arbeitnehmer muss aber jederzeit für die dienstlich erforderlichen Büroarbeiten auf einen für ihn nutzbaren Arbeitsplatz zugreifen können. Wenn im Fall von Poolarbeitsplätzen z. B. für zehn Arbeitnehmer nur fünf Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, fehlt ein anderer Arbeitsplatz. Das gilt auch, wenn man im Rahmen von Bereitschaftsdiensten am Wochenende erreichbar sein muss, an diesen Tagen aber das Betriebsgebäude des Arbeitgebers nicht nutzen kann.

 

In Fällen, in denen das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt, dürfen alle damit verbundenen Aufwendungen in voller Höhe angesetzt werden. Das kann sogar dann gelten, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, der Arbeitnehmer aber den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausübt. Das kann bspw. bei einem Telearbeitsplatz bzw. Heimarbeitsplatz gegeben sein. Werden mehrere Tätigkeiten nebeneinander ausgeübt, dann richtet sich der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit nach dem Mittelpunkt der Haupttätigkeit.

 

Welche Kosten sind abzugsfähig?

 

Für ein häusliches Arbeitszimmer sind die Kosten für die Ausstattung voll abziehbar, also z. B. für Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen. Aufwendungen für Arbeitsmittel wie z. B. Regale, Bürostuhl oder Schreibtisch sind ebenfalls in voller Höhe abzugsfähig. Ein PC oder Laptop müsste ggf. über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Die Gebäudekosten sind anteilig zu berücksichtigen, also Miete, Gebäude-AfA (Abschreibung für Abnutzung), Renovierungskosten, Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes genutzt wurden, Wasser-, Energie- und Reinigungskosten ebenso wie Müllabfuhr und Gebäudeversicherungskosten. Der abziehbare Anteil ist nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zu der nach der Wohnflächenverordnung ermittelten Wohnfläche der Wohnung (einschließlich des Arbeitszimmers) zu berechnen.

 

Vermietung eines Arbeitszimmers an den Arbeitgeber

 

Es gibt mittlerweile vermehrt den Fall, dass der Arbeitnehmer einen Raum an seinen Arbeitgeber vermietet, z. B. dann, wenn er hauptsächlich im Homeoffice arbeitet. In so einem Fall stellt sich die Frage, wie der Arbeitnehmer mit den Einnahmen aus der Vermietung umzugehen hat. Nach Auffassung der Finanzverwaltung richtet sich dies danach, ob das Arbeitszimmer vorrangig dem betrieblichen Interesse des Arbeitgebers oder dem Interesse des Arbeitnehmers dient. Überwiegt das Interesse des Arbeitgebers, z. B. weil geeignete Räume im Betrieb fehlen, fallen die Mieteinnahmen unter die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Dann sind die mit dem Arbeitszimmer im Zusammenhang stehenden Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten bei dieser Einkunftsart steuerlich abzugsfähig, wenn im jeweiligen Fall eine Überschusserzielungsabsicht vorliegt. Wenn dagegen kein betriebliches Interesse des Arbeitgebers vorherrscht, werden die Mieteinnahmen beim Arbeitnehmer auch wie Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit behandelt. Die damit verbundenen Kosten sind somit, wie oben beschrieben, in der Regel nur beschränkt abzugsfähig.

 

Fazit

 

Rund um das häusliche Arbeitszimmer existieren viele steuerliche Fallstricke. Es lohnt sich, einen Spezialisten zu fragen, wie der eigene Fall konkret zu beurteilen ist sowie ob und welche Kosten steuerlich geltend gemacht werden können. Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst (www.stbk-stuttgart.de) bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete, Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

 

Auswertung: Nordrhein-Westfalen hat die schnellsten Finanzämter

 

Nordrhein-Westfalen hatte 2019 die mit Abstand schnellsten Finanzämter Deutschlands. Das geht aus einer Datenerhebung der führenden Online-Steuererklärung Lohnsteuer-kompakt.de hervor. "Die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen hat 2019 wohl sehr viel richtig gemacht", sagt Felix Bodeewes, Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de. "Zumindest was die Schnelligkeit der Finanzämter angeht."

 

Denn Nordrhein-Westfalen hat mit einer Bearbeitungsdauer von 47 Tagen nicht nur die im bundesweiten Durchschnitt schnellsten Finanzämter. Deutschland schnellstes Finanzamt Herne, kommt mit einer Bearbeitungsdauer von nur 26,6 Tagen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen und ist fast acht Tage schneller als das schnellste Finanzamt im Vorjahr. "Hinzu kommt, dass sieben der zehn schnellsten Finanzämter Deutschlands in Nordrhein-Westfalen angesiedelt sind", ergänzt Bodeewes.

 

Vorjahres-Sieger Saarland landete 2019 mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 48,8 Tagen auf dem zweiten Platz. Berlin, das in den vergangenen vier Jahren drei Mal den ersten und einmal den zweiten Platz belegte, landete 2019 nur noch auf dem vierten Platz. Die jeweils aktuelle Bearbeitungszeit ihres Finanzamtes finden Steuerpflichtige unter www.lohnsteuer-kompakt.de/start/finanzaemter.

 

Am längsten müssen Steuerpflichtige in Schleswig-Holstein mit 61,2 Tagen, sowie Hessen und Thüringen mit jeweils 61,5 Tagen auf eine mögliche Steuererstattung warten. Damit müssen Steuerpflichtige in diesen drei Bundesländern rund zwei Wochen länger auf ihren Bescheid warten als in Nordrhein-Westfalen.

 

Der bundesweite Schnitt liegt bei 54,7 Tagen und ist somit 1,4 Tage schneller als im Vorjahr. Im Vergleich zur bundesweiten durchschnittlichen Bearbeitungszeit im Jahr 2015 hat sich die Bearbeitungszeit dennoch um 2,2 Tage verlangsamt.

 

Deutschlands langsamstes Finanzamt kommt mit Nördlingen Außenstelle Donauwörth 2019 aus Bayern. Hier mussten Steuerpflichtige ganze 84,5 Tage auf ihren Steuerbescheid warten. Fünf der zehn langsamsten Finanzämter kommen 2019 aus Baden-Württemberg, immerhin noch drei aus Schleswig-Holstein.

 

Die Bearbeitungszeiten der Finanzämter wurden anhand von circa 400.000 über Lohnsteuer-kompakt.de im Jahr 2019 erstellten Steuererklärungen anonym erhoben. Insgesamt wurden 518 Finanzämter berücksichtigt, wobei pro Finanzamt mindestens 50 Steuererklärungen eingereicht wurden.

 

Steuertipps zum Jahresende

 

Ein Endspurt bis Silvester kann manchem Steuerzahler noch ein Geschenk vom Finanzamt bescheren. Dabei kommt es darauf an, verschiedene Posten wie teuren Zahnersatz, Ausgaben für Handwerker oder für die Karriere vorausschauend auf ihre steuerliche Wirkung zu prüfen und das Geld zum richtigen Zeitpunkt auszugeben. Die Zeitschrift Finanztest gibt in ihrer Dezember-Ausgabe zwölf Steuertipps zum Jahresende.

 

Kommen Arbeitnehmer über die 1000-Euro-Hürde für Werbungskosten, lohnt es sich, bis zum Jahresende Geld für weitere Jobkosten auszugeben. Die Hürde nimmt bereits, wer mindestens 15 Kilometer zur Arbeit fährt. Steuerlich anerkannte Ausgaben können beruflich bedingte Arbeitsmittel sein wie ein Smartphone, PC oder Schreibtisch.

 

Bis Neujahr Wohnung und Garten von Handwerkern verschönern zu lassen, kann bis zu 1200 Euro im Jahr Steuern sparen. Denn jeder Haushalt kann bis zu 6000 Euro Lohn- und Fahrtkosten pro Jahr für Handwerkarbeiten geltend machen, maximal 1200 Euro gehen direkt von der Steuerschuld ab.

 

Wer den Partner fürs Leben gefunden hat und bald heiraten will, sollte nicht bis zum nächsten Jahr warten. Denn eine Hochzeit bis Silvester bringt den Splittingtarif für das ganze Jahr, selbst wenn das Paar nur einen Tag im Jahr verheiratet war. Weitere Tipps gibt es zum Beispiel zu steuerlich absetzbaren Ausgaben für die Gesundheit, die Altersvorsorge, Spenden oder vermietetes Eigentum.

 

Lohnsteuerfreibeträge: Nur was für Wenig-Verdiener, Viel-Kostenhaber und Jahres-Endrechner

 

Kosten aufstellen, Nachweise zusammensuchen, Antrag ausfüllen, zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sein: Lohnsteuerfreibeträge eintragen zu lassen ist mit viel Aufwand verbunden und lohnt sich nur für die Wenigsten. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, wer tatsächlich davon profitiert und welche Kosten zum Freibetrag werden können.

 

Grundsätzlich eine gute Idee

 

Der Lohnsteuerfreibetrag ist ein Betrag, der vom Monatslohn abgezogen wird, bevor die Steuer dafür berechnet wird. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer für diesen Teil des Monatslohns keine Steuern bezahlen muss - ein Freibetrag entlastet ihn also finanziell.

 

Das heißt: Er muss nicht bis zur nächsten Steuererklärung auf eine Erstattung vom Finanzamt warten, sondern erhält die Steuererleichterung bereits jeden Monat.

 

Generell viele Bedingungen

 

Wer sich allerdings beim Finanzamt einen Freibetrag eintragen lassen möchte, hat einige Bedingungen zu erfüllen. Die erste ist, dass die jährlichen Ausgaben, die zum Lohnsteuerfreibetrag werden sollen, höher sind als 600 Euro. Eine Ausnahme sind die Werbungskosten, also die Ausgaben für den Beruf: Hier liegt die Grenze höher, weil jeder Arbeitnehmer automatisch die sogenannte Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro erhält. Will ein Arbeitnehmer seine beruflichen Ausgaben wie Fahrtkosten oder Kosten für die Arbeitskleidung als Freibetrag anerkennen lassen, muss er dementsprechend mehr als 1.600 Euro im Jahr dafür ausgeben.

 

Hinzu kommt: Jeder Antragsteller muss im Vorfeld selbst prüfen, ob er über die 600-Euro-Hürde bzw. über die 1.600-Euro-Hürde kommt. Die entsprechenden Nachweise müssen zusammengetragen und dann für die Einkommensteuererklärung aufbewahrt werden, falls das Finanzamt die Angaben prüfen möchte - was recht viel Arbeit bedeuten kann.

 

Die nächste Bedingung ist, dass Freibetrag-Bezieher zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind. Man kann sich Freibeträge für ein, maximal für zwei Jahre eintragen lassen. Das bedeutet: Wer sich bis zum 30. November 2019 Freibeträge für zwei Jahre eintragen lässt, muss in den Jahren 2020 und 2021 seine Steuererklärung abgeben.

 

Die letzte Bedingung: Bis zum 30. November muss man sich Freibeträge beim Finanzamt eintragen lassen, wenn sie noch im laufenden Jahr greifen sollen.

 

Für diese Gruppen lohnt sich der Aufwand

 

Wenig-Verdiener

 

Mehr Netto dank Freibetrag, das lohnt sich zum Beispiel für junge Eltern, wenn vorübergehend ein Einkommen wegfällt, weil einer von beiden in Elternzeit ist. Oder für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, bei denen einer von beiden Arbeitslosigkeit anmelden muss.

 

Viel-Kostenhaber

 

Hohe monatliche Kosten haben zum Beispiel Arbeitnehmer mit doppelter Haushaltsführung, die also aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung am Arbeitsort unterhalten. Genauso Mütter oder Väter, die hohe Unterhaltszahlungen leisten.

 

Jahres-Endrechner

 

Wer sich Freibeträge im Oktober oder spätestens bis zum Stichtag 30. November eintragen lässt, für den wirkt sich der Freibetrag allein auf die Gehaltsabrechnungen im November und Dezember aus. So bleibt mehr übrig als wenn die Summe auf zwölf Monate verteilt worden wäre. Das kann sich zum Beispiel lohnen, wenn im Dezember eine hohe Einmalzahlung wie ein Bonus ansteht: Die Lohnsteuer verringert sich mitunter so stark, dass das Weihnachtsgeld sogar ganz ohne Lohnsteuerabzüge auf das Konto überwiesen wird.

 

Für alle anderen, die nicht zu den Wenig-Verdienern, Viel-Kostenhabern oder Jahres-Endrechnern gehören, lohnt sich der Aufwand in der Regel nicht. Sie sollten stattdessen zeitnah oder pünktlich ihre Steuererklärung machen bzw. machen lassen und sich die zu viel gezahlten Steuerbeträge zurückholen.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Verbraucherfinanzen-Deutschland.de