Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen? Und wie viel?

 

Ab wann müssen Rentnerinnen und Rentner Steuern zahlen? Was hat es mit dem Rentenfreibetrag auf sich? Und wie berechnet man den steuerpflichtigen Teil der Rente? Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) mit den Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Rente und Steuern inklusive Rechenbeispielen.

 

Seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. Januar 2005 werden Renten in Deutschland nachgelagert besteuert. Doch nicht jeder, der Rente bezieht, ist auch zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

 

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?

 

Rentnerinnen und Rentner sind dann zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn der steuerpflichtige Teil ihrer Jahresbruttorente zuzüglich anderer steuerpflichtiger Einkünfte und abzüglich absetzbarer Kosten den Grundfreibetrag übersteigt. Der Grundfreibetrag liegt 2021 für Alleinstehende bei 9.744 Euro pro Jahr. Für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner gilt der doppelte Wert, also 19.488 Euro.

 

Wird die komplette Rente besteuert?

 

Dank des sogenannten Rentenfreibetrags bleibt ein gewisser Teil der Rente bislang steuerfrei. Entscheidend für die Höhe des Rentenfreibetrags ist das Jahr des Rentenbeginns. Wer 2021 in Rente geht, dem steht ein Rentenfreibetrag von 19 Prozent zu. Das heißt: 19 Prozent der Rente bleiben steuerfrei, 81 Prozent der Rente müssen allerdings versteuert werden. Der Rentenfreibetrag ist ein fester Eurobetrag, der in den Folgejahren grundsätzlich unverändert bleibt.

 

Der steuerfreie Teil der Rente wird für zukünftige Rentner in den kommenden Jahren immer kleiner, bis 2040 alle Renten zu 100 Prozent versteuert werden müssen.

 

Wie wird der steuerfreie Teil der Rente errechnet?

 

Grundlage für die Berechnung des Rentenfreibetrags ist die volle Jahresbruttorente. Die meisten Rentnerinnen und Rentner gehen allerdings unterjährig in Rente, sprich: Die Rente wird im ersten Jahr in der Regel für weniger als zwölf Monate gezahlt. Deshalb wird der Rentenfreibetrag erst im zweiten - und damit vollen - Rentenbezugsjahr ermittelt.

 

Ein Beispiel:

 

Harald ist am 1. April 2014 in Rente gegangen. Damit steht ihm ein Rentenfreibetrag von 32 Prozent zu. Der volle Rentenfreibetrag wird jedoch erst aus der Jahresbruttorente des zweiten Rentenbezugsjahrs errechnet.

 

Haralds Jahresbruttorente 2015 betrug 24.000 Euro. Sein Rentenfreibetrag in Höhe von 32 Prozent liegt damit also bei 7.680 Euro. Dieser einmal ermittelte Rentenfreibetrag bleibt in den Folgejahren unverändert - auch wenn die Rente durch Rentenanpassungen steigt.

 

Der Rentenfreibetrag wird für jeden Rentner zu Beginn der Rente individuell festgelegt. Die jährlichen Rentenerhöhungen, die im Laufe der Rente folgen, müssen in voller Höhe versteuert werden.

 

Wird man nach der Rentenanpassung steuerpflichtig?

 

Jedes Jahr zum 1. Juli erhöht die Bundesregierung die Renten, die sogenannte Rentenanpassung. Am 1. Juli 2020 konnten sich die Rentnerinnen und Rentner im Westen über 3,45 Prozent mehr Geld freuen, im Osten stieg die Rente um 4,20 Prozent.

 

Zum 1. Juli 2021 sind die Renten in Ostdeutschland um 0,72 Prozent gestiegen. Die Rentnerinnen und Rentner in Westdeutschland erhielten keine Erhöhung ihrer Bezüge. Grund ist die Corona-Pandemie, die negative Auswirkungen auf die Lohnentwicklung hat. Der für die neuen Bundesländer maßgebliche aktuelle Rentenwert steigt damit auf 33,47 Euro. Für die westdeutschen Bundesländer beträgt der Rentenwert weiterhin 34,19 Euro.

 

Einige Rentnerinnen und Rentner fürchten Jahr für Jahr, dass sie durch die Rentenerhöhung plötzlich Steuern zahlen müssen. Doch diese Sorge ist meistens unbegründet. Werden durch die Rentenanpassung doch Steuern fällig, sind diese zunächst marginal.

 

Ein Beispiel:

 

Rita ist alleinstehend und wohnt in Mannheim. Bisher blieb sie mit dem steuerpflichtigen Teil ihrer Rente unter dem Grundfreibetrag und musste keine Steuern zahlen.

 

Im Sommer 2019 wurden allerdings die Renten für die alten Bundesländer um 3,18 Prozent angehoben. Mit der Rentenerhöhung bekommt Rita nun jeden Monat mehr Rente und übersteigt jetzt den Grundfreibetrag um 100 Euro. Rita müsste nun 14 Euro Einkommensteuer zahlen. Aufgrund einer gesetzlichen Regelung (156 AO) wird das Finanzamt aber von der Festsetzung der Einkommensteuer absehen.

 

Auslandsrentner sind per se benachteiligt. Das muss nicht sein!

 

240.000 deutsche Rentner haben der Heimat den Rücken gekehrt und verbringen ihren wohlverdienten Ruhestand im Ausland. Obwohl sie ihren inländischen Wohnsitz aufgegeben haben, sind sie in der Regel weiterhin in Deutschland steuerpflichtig. Infolgedessen steigt die Steuerlast an. Durch den Umzug ins Ausland sind diese Rentner nämlich von der unbeschränkten in die beschränkte Steuerpflicht umgruppiert worden. Das bedeutet eine erweiterte Steuerpflicht und den Verlust von Steuervergünstigungen. Gerade für Senioren mit einer geringen Rente ist dies fatal. Doch es gibt einen Weg aus dem Dilemma: In vielen Fällen können Rentner die unbeschränkte Steuerpflicht wieder beantragen, berichtet die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Antrag auf Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger

 

Wer seine Rente oder andere Einkünfte im Alter in Deutschland versteuern muss, sollte überprüfen, ob ein Wechsel von der beschränkten in die unbeschränkte Steuerplicht möglich ist. Wird ausschließlich Einkommen aus Deutschland bezogen, geht das problemlos.

 

Gibt es ausländische Einkünfte, so darf es sich nur um kleine Nebeneinkünfte handeln. Sie müssen unter der Zehn-Prozent-Marke in Relation zu den Gesamteinkünften bleiben. Der Fiskus verlangt, dass 90 Prozent der Einkünfte in Deutschland zu versteuern sind, damit Steuervergünstigungen zum Tragen kommen. Alternativ reicht es, wenn die ausländischen Einkünfte unter dem jährlichen Grundfreibetrag liegen. In den Ländern der EU entspricht er in seiner Höhe dem deutschen Grundfreibetrag. Außerhalb der EU wurde er an die dortigen Lebenshaltungskosten angepasst und kann somit geringer ausfallen.

 

Selbiges trifft auf Kapitalerträge zu. Sie dürfen zusammen mit anderen ausländischen Einkünften nicht die Zehn-Prozent-Grenze oder den geltenden Grundfreibetrag übersteigen. Denn Zinsen und Dividenden werden unabhängig davon, in welchem Land das Depot unterhalten wird, immer im Wohnsitzstaat besteuert. Es handelt sich hierbei um ausländische Einkünfte, auch wenn das Depot bei einer Bank in Deutschland liegt. Klingt komisch, ist aber so. Dem Antrag auf eine unbeschränkte Steuerpflicht ist ein Nachweis der ausländischen Einkünfte beizulegen. Das kann bei einer ausländischen Rente ein Beleg über die Auszahlung oder in anderen Fällen der Steuerbescheid aus dem Ausland sein.

 

Vorteile der unbeschränkten Steuerpflicht

 

Während Auslandsrentner mit der beschränkten Steuerpflicht ihre Rente ab dem ersten Euro versteuern müssen, kommen erfolgreiche Wechsler wieder in den Genuss des Grundfreibetrags. Im Jahr 2021 werden 9.744 Euro pro Person steuerfrei gestellt. Rentnerehepaare können wieder vom Ehegattensplitting profitieren. Hierfür müssen sie sowohl Staatsangehörige eines Mitgliedstaats der EU oder des EWR sein, als auch einen Wohnsitz in einem dieser Staaten haben. Zudem dürfen sie die Einkünftegrenzen nicht überschreiten.

 

Um die Steuerlast weiter zu reduzieren, lässt sich wieder eine Menge absetzen. Da sind z.B. die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die berücksichtigt werden. Wer hohe Ausgaben für seine Gesundheit über der Belastungsgrenze getätigt hat, kann Krankheitskosten absetzen. Auch Handwerkerlöhne oder Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen, wie die Putzhilfe zu Hause, werden vom Finanzamt im Rahmen der Steuererklärung anerkannt. Zumindest dann, wenn diese Leistungen in einem Haushalt in der EU oder dem EWR erbracht werden. Liegt ein Behinderungsgrad von über 20 Prozent vor, kommt der Behindertenpauschbetrag zum Tragen. Unterhaltsaufwendungen für Angehörige und der Freibetrag fürs Kind, sofern es sich noch in der Ausbildung befindet, ergänzen die wiedergewonnenen Steuervergünstigungen.

 

Mit der unbeschränkten Steuerpflicht ist ein Rentner im Ausland einem Inlandsrentner steuerlich wieder gleichgestellt. Er muss nicht mehr Steuern abführen, als er es müsste, wenn er seinen Wohnsitz in Deutschland behalten hätte.

 

Steuernachzahlungen den Wind aus den Segeln nehmen

 

Auch rückwirkend ist ein Wechsel in die unbeschränkte Steuerpflicht noch möglich. Kommt es zu hohen Steuernachforderungen für zurückliegende Jahre seitens des Finanzamts, ist dies eine gute Möglichkeit, die Steuerlast nachträglich zu drücken. Voraussetzung ist aber, dass man innerhalb eines Monats gegen den Bescheid vom Finanzamt Einspruch einlegt. Vorhandene ausländische Einkünfte müssen dann in der Steuererklärung angegeben werden. Diese bleiben in Deutschland unbesteuert, werden jedoch zur Berechnung des Steuersatzes in ihrer Höhe miteinbezogen und können so den Steuersatz für die deutschen Einkünfte erhöhen, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Renten-Doppelbesteuerung: Rentner müssen nicht zweimal zahlen, aber Nachweise aufheben

 

2005 gab es die große Rentenform. Diese führt möglicherweise dazu, dass Rentnerinnen und Rentner doppelt Steuern zahlen müssen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat jetzt geprüft, ob das Rentengesetz gegen die Verfassung verstößt. Heute, am 31. Mai 2021, hat er sein Urteil veröffentlicht. Er hat bestätigt: Eine Doppelbesteuerung darf es nicht geben. Und das oberste deutsche Finanzgericht legt die Berechnungsgrundlage für die Rentenbesteuerung fest. Ecovis-Rentenberater Andreas Islinger weiß, was zu tun ist.

 

Was versteht man unter Doppelbesteuerung?

 

Bezogen auf die Rente bedeutet Doppelbesteuerung, dass eine Person zweimal Steuern zahlt. Einmal auf die Rentenversicherungsbeiträge, so lange die Person noch arbeitet. Das zweite Mal auf die ausgezahlte Rente. Eine Doppelbesteuerung liegt nicht vor, wenn der steuerfreie Teil der Rente größer ist als die ursprünglich gezahlten und nicht abzugsfähigen Rentenbeiträge während des Erwerbslebens.

 

Worum genau geht es in den Fällen, über die der BFH entscheiden musste?

 

In den beiden Fällen geht es um die Details, wie genau sich eine Doppelbesteuerung berechnen lässt. Strittig waren zum Beispiel die Fragen: Wann kann das Finanzamt eine Öffnungsklausel anwenden und ob sich Grundfreibeträge beim steuerpflichtigen Anteil der Rente anrechnen lassen oder nicht.

 

Die Rentenreform von 2005 – vielleicht der Grund für die Doppelbesteuerung?

 

Der Grund für die Rentenreform 2005 war ein Bundesverfassungsgerichtsurteil. Es hatte die vorgelagerte Rentenbesteuerung als verfassungswidrig erklärt. Die Besteuerung war damals vorgelagert, also zahlten Arbeitnehmer ihre Beiträge zur Rentenversicherung aus bereits versteuertem Einkommen, also aus dem Nettoeinkommen. Daher war später das Gros der Rente steuerfrei.

 

Mit der Rentenreform 2005 wurde die Rentenbesteuerung schrittweise umgestellt auf nachgelagerte Besteuerung. Das heißt: Nach und nach steigt der Teil der Rente, der zu versteuern ist. 2040 sind es schließlich 100 Prozent. Als Ausgleich können Steuerpflichtige seit 2005 höhere Beiträge für die Rentenversicherung als Sonderausgaben steuerlich geltend machen.

 

Was genau hat jetzt der BFH entschieden?

 

Der BFH hält daran fest, dass der Systemwechsel durch die Rentenreform 2005 verfassungskonform ist. Im konkreten Einzelfall darf es aber nicht zu einer doppelten Besteuerung von Rentenbeiträgen und Renten kommen.

 

Berechnungsgrundlage: So hat der BFH entschieden:

Eine Geldentwertung ist nicht zu berücksichtigen. Es bleibt beim Nominalwertprinzip. Wertsteigerungen der Renten lassen sich also besteuern.

Zum steuerfreien Rentenbezug sind nicht nur die jährlichen Rentenfreibeträge des Rentenbeziehers zu rechnen, sondern auch die eines möglicherweise länger lebenden Ehegatten aus dessen Hinterbliebenenrente.

Alle anderen Beträge, die die Finanzverwaltung ebenfalls als „steuerfreien Rentenbezug“ in die Vergleichsrechnung einbeziehen möchte, bleiben laut BFH unberücksichtigt. Damit bleibt insbesondere auch der Grundfreibetrag bei der Berechnung des „steuerfreien Rentenbezugs“ außen vor.

Für die Ermittlung des aus versteuertem Einkommen aufgebrachten Teils der Rentenversicherungsbeiträge hat der X. Senat ebenfalls konkrete Berechnungsparameter formuliert.

Unterlagen wie Steuerbescheide und Versicherungsverlauf unbedingt aufbewahren!

„Das Urteil birgt wirklich Sprengstoff: Wenn Rentnerinnen und Rentner die Doppelbesteuerung nachweisen sollen, dann müssen sie auch alle Unterlagen bereithalten. Damit gilt weiterhin: Versicherungsverlauf und Steuerbescheide unbedingt aufbewahren“, rät Andreas Islinger, Steuerberater und Rentenberater bei Ecovis in München.

 

Gesetzliche Rente: Wege in die frühe Rente

 

Alle ab 1964 Geborenen können regulär erst mit 67 Jahren in Rente gehen. Es ist aber auch möglich, sich früher aus der Arbeitswelt zu verabschieden. In einigen Fällen geht dies sogar abschlagsfrei. Welche Modelle es gibt, worauf Arbeitnehmer achten sollen und wie hoch die Abschläge bei einer früheren Rente sind, beschreibt die Zeitschrift Finanztest in ihrer Juni-Ausgabe.

 

Nach 45 Jahren Versicherungszeit können „besonders langjährig Versicherte“ abschlagsfrei in Rente gehen. Im Jahr 1956 Geborene müssen dafür mindestens 63 Jahre und acht Monate alt sein, für Jüngere steigt die Altersgrenze stufenweise. Wer 63 Jahre alt ist und mindestens 35 Jahre Versicherungszeit vorweist, kann mit Abschlägen in Rente gehen. Für jeden Monat vor dem regulären Rentenalter wird die Rente um 0,3 Prozent gekürzt. Um die Kürzung auszugleichen, können Ausgleichszahlungen an die Rentenversicherung gezahlt werden. Diese Zahlungen kann man von der Steuer absetzen.

 

Frührente ist auch vor einem Alter von 63 Jahren möglich, wenn Angestellte mit ihrem Arbeitgeber Altersteilzeit vereinbaren, so dass ihr aktives Arbeitsleben zum Beispiel schon mit 61 Jahren endet. Auch wer voll erwerbsgemindert oder schwerbehindert ist, kann nach besonderen Regeln früher mit der Arbeit aufhören.

 

Finanztest hat die Rente bei unterschiedlichem Rentenbeginn in vier Fällen berechnet, listet auf, wie hoch die Abschläge für eine Frührente sind und gibt Tipps für den Ausstieg aus dem Job schon vor dem 63. Geburtstag.

 

Die ausführliche Analyse zu Wegen in die frühe Rente findet sich in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und ist online unter www.test.de/frueher-in-rente abrufbar.

 

Grundrente ab 2021 - Was Rentner jetzt wissen müssen

 

Grundrente für alle – wirklich alle?

 

Sinn und Zweck des von der Bundesregierung eingeführten Gesetzes ist es, Rentnerinnen und Rentnern zu helfen, die zwar jahrelang gearbeitet, aber unterdurchschnittlich verdient haben. Doch wer gehört dazu? ROLAND-Partneranwältin Bettina Maurer klärt auf: „Anspruch auf die Grundrente haben ab dem 1. Januar 2021 alle, die eine Alters-, Erwerbsminderungs-, Erziehungs- oder Hinterbliebenenrente beziehen.“ Es profitieren daher auch Menschen, deren Rentenantrag schon länger zurückliegt. Um die Grundrente in voller Höhe zu erhalten, muss eine Versicherungszeit von mindestens 35 Jahren erfüllt sein. Bei der Berechnung werden laut Rechtsexpertin bestimmte Zeiten, die sogenannten Grundrentenzeiten, angerechnet: „Beiträge aus Berufstätigkeit oder Selbstständigkeit, Zeiten für Kindererziehung und Angehörigenpflege, Zeiten der Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation sowie sogenannte Ersatzzeiten, wie zum Beispiel Kriegsdienst.“ Welche Beiträge und Zeiten werden hingegen nicht angerechnet? „Nicht berücksichtigt werden freiwillige Beiträge, Zeit mit Bezug von Arbeitslosengeld I und II oder Zeiten der Schulausbildung“, erklärt Bettina Maurer.

 

Anträge, Formulare, Papierkram?

 

Für alle, die befürchten, für den Grundrente-Antrag erst einmal stapelweise Papierberge und Formulare durchzugehen, hat Rechtsanwältin Bettina Maurer eine gute Nachricht: „Der Staat prüft den Anspruch und die Höhe automatisch und zahlt entsprechend aus. Die Rentnerinnen und Rentner müssen also keinen Antrag stellen.“ Allerdings muss man sich darüber bewusst sein, dass die Auszahlungen voraussichtlich noch nicht direkt ab dem 1. Januar 2021 starten, da die vorbereitenden Maßnahmen andauern können. Realistisch ist eher eine Auszahlung ab Juli 2021. Aber: „Dafür werden die Ansprüche auch rückwirkend wirksam und entsprechend nachgezahlt“, so die Partneranwältin von ROLAND Rechtsschutz.

 

Berechnungsgrundlage und Höhe

 

Wer bekommt nun wie viel von der Grundrente? Rechtsanwältin Bettina Maurer weiß, wie diese berechnet wird: „Wie hoch die Grundrente ausfällt, hängt von der Höhe des Verdienstes innerhalb der Grundrentenzeiten ab. Der Verdienst, der in die Berechnung einfließt, darf nicht weniger als 30 Prozent und nicht mehr als 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen haben.“ Aus diesen Verdienstzeiten ergeben sich sogenannte Entgeltpunkte, wonach sich die Höhe der Grundrente individuell für Rentnerinnen und Rentner berechnet. „Im Maximum kann man so etwa 420 Euro zusätzlich erhalten“, so die Rechtsexpertin. Auch die Lebensleistung wirkt sich positiv aus. Auch hier gilt: Wer mehr Entgeltpunkte erwirtschaftet hat, erhält einen höheren Zuschlag.

 

Gestaffelter Grundrentenzuschlag: Was heißt das?

 

Wer die Grundrentenzeit von mindestens 35 Jahren noch nicht erreicht, aber mindestens 33 Jahre voll hat, erhält einen gestaffelten Zuschlag der Grundrente. Diese sieht nach Rechtsanwältin Bettina Maurer wie folgt aus: „Rentnerinnen und Rentner mit mindestens 33 Jahren Grundrentenzeit haben einen Anspruch auf eine Aufstockung ihrer Rente. Diese steigt mit jedem Monat bis zu dem Zeitpunkt, an dem mit 35 Jahren die Höhe der vollen Grundrente erreicht ist.“

 

Grundrentenbedarf und Einkommensprüfung

 

Um den Grundrentenbedarf zu ermitteln, sieht der Staat vor, das Einkommen der in Deutschland lebenden Rentnerinnen und Rentner zu prüfen. Hierfür tauschen sich Finanzbehörden und Rentenversicherung miteinander aus. Laut ROLAND-Partneranwältin wird das monatliche Einkommen auf die Grundrente angerechnet: „Der Einkommensfreibetrag liegt für Alleinstehende bei 1.250 Euro im Monat, für Ehe- bzw. Lebenspartner bei 1.950 Euro. Liegt das monatliche Einkommen darüber, erfolgt eine 60-prozentige Anrechnung auf die Grundrente. Ab 1.600 Euro pro Monat bei Alleinstehenden und 2.300 Euro monatlich bei Ehepaaren bzw. Lebenspartnern wird das Einkommen vollständig, also zu hundert Prozent, angerechnet.“ Doch welche Einkünfte werden als Einkommen gezählt? Bettina Maurer hat auch hierauf eine Antwort: „Sowohl die Nettorente als auch zu versteuerndes Einkommen und Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrags werden angerechnet. Steuerfreie Einnahmen hingegen nicht.“

 

Ehrenamtliche Versichertenberaterinnen und -berater der Rentenversicherung helfen auch in Corona-Zeiten weiter

 

Rund 2.600 Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich als Versichertenberaterinnen und -berater der Deutschen Rentenversicherung Bund. Bundesweit erteilen sie Auskünfte zu allen Fragen der Rentenversicherung, helfen dabei, Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu beantragen und das Versicherungskonto zu aktualisieren. "Auch in der derzeitigen Corona-Pandemie wird dieser wichtige Service angeboten", sagt der Vorstandsvorsitzende Hans-Werner Veen. Corona-bedingt erfolgen die Beratungen in aller Regel telefonisch. Hierauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund zum morgigen Tag des Ehrenamtes hin.

 

"Die Versichertenberaterinnen und -berater sind mit ihrer Arbeit ein wichtiges Bindeglied zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und den Versicherten sowie Rentnerinnen und Rentnern in der Region", so Veen. Ihr Service wird kostenlos angeboten. Über 1,2 Millionen individuelle Beratungen werden von den Versichertenberaterinnen und -beratern jedes Jahr durchgeführt und etwa 211.000 Rentenanträge aufgenommen.

 

Die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater sind selbst Versicherte oder Rentnerinnen und Rentner. Gewählt werden sie von der Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung Bund. Sie setzt sich zu gleichen Teilen aus Vertreterinnen und Vertretern von Versicherten und Arbeitgebern zusammen.

 

Die Kontaktdaten einer Beraterin oder eines Beraters in Wohnortnähe gibt es in den Auskunfts- und Beratungsstellen, am kostenlosen Servicetelefon unter 0800 1000 48070 sowie online unter www.deutsche-rentenversicherung.de.

 

VdK: 1,8 Millionen Rentner können auf Nachschlag hoffen

 

Das Bundessozialgericht lässt in diesem Musterstreitverfahren um die Erwerbsminderungsrente (BSG Az.: B 13 R 100/20 B) nun eine Revision zu, wie der Sozialverband VdK gegenüber der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag) erklärte. "1,8 Millionen Rentner dürfen auf höhere Renten hoffen, wenn die Stichtagsregelung fallen sollte", sagte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, der Redaktion.

 

Früher hatte die Rentenversicherung die Höhe der Erwerbsminderungs-Rente berechnet, indem sie unterstellte, dass der Betroffene bis zum 60. Lebensjahr weiterarbeitet. Seit 2019 unterstellt sie, dass er bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze tätig ist, also maximal bis zum 67. Lebensjahr. Die Ungerechtigkeit aus Sicht des VdK: Nur wer nach dem Stichtag die Leistung beantragt hat, profitiert von höheren Zurechnungszeiten. Nach neuem Recht würde der Kläger, der aus Mülheim an der Ruhr stammt, etwa 100 Euro mehr Rente pro Monat bekommen als derzeit.

 

"Die Erwerbsminderungs-Rentner sind in den vergangenen Jahren mehrfach leer ausgegangen. Wir hoffen auf eine Grundsatzentscheidung im Sinne unseres Klägers", sagte Adolf Bauer, Chef des SoVD, der die Klage ebenfalls begleitet. "Das Bundessozialgericht kann einen Fehler der Bundesregierung korrigieren."

 

Neu ab 2021: Die Grundrente

 

Ab dem 1. Januar 2021 gibt es die Grundrente. Für rund 1,3 Millionen Menschen heißt das, sie müssen ihre kleine Rente nicht mehr mit Hartz IV aufstocken. Stattdessen erhalten Rentnerinnen und Rentner, die wenig Rente bekommen, automatisch einen finanziellen Zuschlag. Doch wer ist berechtigt? Wann sind Steuern fällig? Welche Fallstricke gibt es bei der Einkommensprüfung? Und was sollten Grundrenten-Berechtigte jetzt tun? Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) mit den Antworten sowie einem Tipp für Rentnerinnen und Rentner mit niedrigem Einkommen.

 

Neu ab 2021: Die Grundrente

 

 

Was ist die Grundrente?

 

Die Grundrente ist eine Art Rentenzuschlag. Wer viele Jahre nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt hatte, bekam bislang auch nur eine sehr niedrige Rente – teilweise noch unter dem Niveau der Grundsicherung. Die Große Koalition hat im Sommer 2020 beschlossen, dieses Problem mit der sogenannten Grundrente zu lösen: Rentnerinnen und Rentner sollen ab dem 1. Januar 2021 so viel Geld bekommen, dass sie über der Grundsicherung liegen.

 

Wer bekommt die Grundrente?

 

Rentnerinnen und Rentner, die mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt, aber trotzdem nur ein geringes Einkommen haben, können die Grundrente erhalten. Dabei zählen sowohl die Zeiten der Berufstätigkeit wie auch der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen mit hinein.

 

Einen Anspruch auf die Grundrente haben Rentnerinnen und Rentner, wenn sie eine Altersrente beziehen, die im Jahresdurchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten liegt. Laut Bundesregierung werden das im Startjahr 2021 etwa 1,3 Millionen Menschen sein, davon 70 Prozent Frauen.

 

Die Höhe des Grundrenten-Zuschlags soll gestaffelt werden und bei 35 Jahren Einzahlung die volle Höhe erreichen. Allerdings: Nur wer mit seinem Einkommen unterhalb bestimmter Grenzen bleibt, bekommt den Grundrenten-Zuschlag.

 

Wie hoch sind die Einkommensgrenzen?

 

Eine alleinstehende Rentnerin oder ein alleinstehender Rentner hat dann den vollen Anspruch auf die Grundrente, wenn der steuerfreie Anteil der Altersrente plus das weitere Einkommen insgesamt höchstens 1.250 Euro monatlich betragen. Bei Paaren liegt diese Grenze bei 1.950 Euro. Was darüber liegt, wird zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet.

 

Ein Beispiel: Steht einer alleinstehenden Rentnerin ein Einkommen von 1.300 Euro im Monat zur Verfügung, werden 50 Euro zu 60 Prozent angerechnet – die Grundrente fällt 30 Euro niedriger aus.

 

Liegt das Einkommen eines alleinstehenden Rentners bei mehr als 1.600 Euro und eines Rentnerpaares bei mehr als 2.300 Euro, wird der darüber liegende Teil zu 100 Prozent auf den Grundrentenzuschlag angerechnet. Hat ein Alleinstehender zum Beispiel 1.750 Euro oder ein Ehepaar beispielsweise 2.450 Euro Einkommen, vermindert sich die Grundrente jeweils um 150 Euro.

 

Welche Fallstricke gibt es bei der Ermittlung des Einkommens?

 

Keine Rentnerin und kein Rentner muss selbst aktiv werden und die Aufstockung der Rente beantragen. Stattdessen prüft das Finanzamt anhand der Daten der Rentenversicherung, ob einem Rentner oder einer Rentnerin die Grundrente zusteht. Das Ganze nennt sich "automatische Einkommensprüfung". Grundlage dieser Prüfung ist das zu versteuernde Einkommen. Der daraus berechnete Wert wird für jedes Jahr mit dem Durchschnittseinkommen in Deutschland verglichen. Wer dann am Ende der Rechnung deutlich unter dem Schnitt liegt, dessen Rentenanspruch wird aufgewertet.

 

Das Problem: Die Einkommensprüfung wird in vielen Fällen nicht möglich sein, da die meisten Geringverdiener selten eine Steuererklärung abgeben oder abgeben müssen. Rentner sind nur dann zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn der steuerpflichtige Teil ihrer Rente den Grundfreibetrag übersteigt. Der Grundfreibetrag für das Jahr 2020 liegt bei 9.408 Euro für Alleinstehende und 18.816 Euro für Ehe- oder Lebenspartner.

 

Von eben diesen Geringverdienern sind sehr wahrscheinlich keine Daten bekannt. Außerdem liegen die Angaben über das zu versteuernde Einkommen in der Regel lediglich für das vorvergangene Jahr vor – Neurentner bekommen die Grundrente im ersten Jahr somit möglicherweise erst einmal nicht. Die Einkommensprüfung soll allerdings einmal jährlich wiederholt werden.

 

Tipp der VLH: Steuererklärung abgeben und Berechnung der Grundrente ermöglichen

 

Rentnerinnen und Rentner, für die aufgrund ihres niedrigen Einkommens die Grundrente in Frage kommt, sollten ihre Steuererklärung für das Jahr 2019 abgeben. Und zwar auch dann, wenn sie dazu gar nicht verpflichtet sind. Denn die Prüfung des Grundrentenanspruchs basiert voraussichtlich auf dem Steuerbescheid 2019.

 

Übrigens: Wie andere Rentenbeträge auch, kann die Grundrente dazu führen, dass eine Steuererklärung abgegeben werden muss.

 

Kurz zusammengefasst: Wer hat Anspruch auf die volle Grundrente?

 

Rentnerinnen und Rentner,

 

die 33 oder mehr Jahre rentenversichert waren,

die eine Rente beziehen, die im Durchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten pro Jahr liegt, und

die nicht mehr Einkommen haben als 1.250 Euro monatlich (1.950 Euro für Ehe- oder Lebenspartner)

haben einen Anspruch auf Grundrente.

 

51.000 Rentner müssen 2020 wegen Rentenerhöhung erstmals Steuern zahlen

 

Durch die Rentenerhöhung zum 1. Juli werden nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums rund 51.000 Rentnerinnen und Rentner im laufenden Jahr erstmals steuerpflichtig. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine schriftliche Frage des FDP-Bundestagsbgeordneten Markus Herbrand hervor, die der Düsseldorfer "Rheinischen Post" vorliegt.

 

Die Bezüge der 21 Millionen Rentner sind Mitte des Jahres um 3,45 Prozent in Westdeutschland und 4,2 Prozent in Ostdeutschland gestiegen. Für mehr als 50.000 Rentenbezieher bedeutet dies, dass sie im Veranlagungsjahr 2020 erstmals Einkommensteuer bezahlen müssen. Das könnte in Einzelfällen dazu führen, dass Ruheständler unter dem Strich weniger Geld zur Verfügung haben als ohne die Rentenerhöhung, warnte die FDP. "51.000 neue Einkommensteuerpflichtige sind eine gute Nachricht für den Bundesfinanzminister.

 

Für die Betroffenen bedeutet es im schlimmsten Fall, dass die Rentenerhöhung unterm Strich von der Steuerlast aufgefressen wird", sagte Herbrand. Das Ministerium weist in seiner Antwort darauf hin, dass die Steuerpflicht nicht nur dadurch entstehen kann, dass der steuerpflichtige Teil der gesetzlichen Rente erstmals den Grundfreibetrag von 9408 Euro übersteigt. Auch andere steigende Einkünfte - etwa Mieteinnahmen, Betriebsrenten oder Kapitaleinkünfte - könnten dazu beitragen, dass Ruheständler steuerpflichtig würden.

 

Gesetzliche Rente: Mit Sonderzahlungen Rente aufbessern und gleichzeitig Steuern sparen

 

Mit zusätzlichen Zahlungen in die Rentenkasse ihre spätere Rente aufbessern und dabei gleichzeitig Steuern sparen – diese Möglichkeit haben Beschäftigte ab 50 Jahren, wenn sie bis zum Rentenbeginn 35 Versicherungsjahre vorweisen können. Je nach Einkommen können sich Steuerzahler einen erheblichen Teil der Sonderzahlung über die Steuererklärung zurückholen. Das zeigen die Experten der Stiftung Warentest in der aktuellen August-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest.

 

Dass Arbeitnehmer mit zusätzlichen Beiträgen in die gesetzliche Rentenkasse Steuern sparen können, gilt noch als Geheimtipp. Der Spartrick ist möglich, seit Rentenabschläge durch einen früheren Rentenbeginn ab 63 ausgeglichen werden können. Denn die Sonderzahlungen dürfen bis zu einem bestimmten Betrag als Altersvorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Wer die Sonderzahlungen auf mehrere Jahre verteilt, bekommt so je nach Einkommen einen erheblichen Teil des Betrags über die Steuerersparnis zurück.

 

Doch die Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse lohnen sich nicht nur steuerlich. Das zeigt der Vergleich mit einer klassischen privaten Rentenversicherung. Wird in beide Versicherungsformen der gleiche Einmalbetrag eingezahlt, erhalten die gesetzlichen Rentner am Ende netto deutlich mehr Monatsrente als diejenigen, die den Weg über eine private Rentenversicherung gewählt haben.

 

Für alle über 50 Jahre, die etwas Geld auf der hohen Kante haben und überlegen, wie sie damit am besten fürs Alter vorsorgen, können Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse ein attraktives Investment sein. Allerdings steht das Geld dann nicht mehr bei einer kurzfristigen finanziellen Notlage zur Verfügung. Finanztest erläutert Vor- und Nachteile einer Sonderzahlungen, erklärt, unter welchen Voraussetzungen diese möglich sind und zeigt in sieben Schritten, wie es geht.

 

Rente und Steuern: Der Ruhestand im Ausland

 

Als Rentner dort leben, wo andere Urlaub machen - für viele Arbeitnehmer ein Zukunftstraum. Doch was ist mit der Rente? Wo wird sie versteuert, im Ausland oder in Deutschland? Gibt es einen Freibetrag? Was muss man bei der Steuererklärung beachten? Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) präsentiert die wichtigsten Informationen zum Thema Rente und Steuern im Ausland.

 

Fast 1,8 Millionen Renten überwies die Deutsche Rentenversicherung (DRV) im Jahr 2018 ins Ausland und damit beinahe sieben Prozent aller Rentenzahlungen. Viele der Zahlungen gingen dem Rentenatlas 2019 der DRV zufolge nach Österreich und Spanien, in die Schweiz oder nach Frankreich.

 

Doch auch im Ausland sind Bezieher einer deutschen Rente durchaus zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Seit dem Alterseinkünftegesetz 2005 werden sämtliche Auslandsrentner nach und nach erfasst und angeschrieben.

 

Übrigens: Wie viele Rentner zwischen zwei Ländern pendeln, lässt sich nicht erfassen. Wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, muss sich für den Sommer in Griechenland oder das Überwintern in Italien nirgendwo abmelden.

 

Auslandsrentner sind "beschränkt steuerpflichtig"

 

Deutsche Rentner, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, sind in Deutschland "beschränkt steuerpflichtig". Diese Bezeichnung beschreibt einen Nachteil: Den deutschen Rentnern im Ausland steht kein steuerfreier Grundfreibetrag zu.

 

Stattdessen müssen sie den steuerpflichtigen Teil ihrer Rente vom ersten Euro an versteuern - schon bei einer kleinen Rente fallen also Steuern an. Zum Vergleich: Ab 2020 darf ein allein lebender Rentner in Deutschland 9.408 Euro jährlich steuerfrei beziehen, das sind immerhin 784 Euro im Monat. Für verheiratete oder verpartnerte Rentner ist der doppelte Betrag steuerfrei.

 

Antrag auf "unbeschränkte Steuerpflicht" stellen

 

Unter bestimmten Voraussetzungen können Auslandsrentner einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen. Das Formular dazu gibt es entweder auf den Internetseiten des zuständigen Finanzamts zum Download, oder das Finanzamt schickt auf Nachfrage das Formular per Post. Wenn dem Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stattgegeben wird, wird der Auslandsrentner vom Fiskus genauso behandelt, als würde er in Deutschland leben - und ihm steht der Grundfreibetrag zu.

 

Das sind die Voraussetzungen, um die unbeschränkte Steuerpflicht zu erhalten:

 

Der Auslandsrentner besteuert sein Einkommen entweder zum weitaus größten Teil - nämlich 90 Prozent - in Deutschland und hat daneben nur kleine Einkünfte. Oder aber seine Einkünfte aus dem Ausland, die nicht in Deutschland versteuert werden, liegen nicht über dem Grundfreibetrag in Höhe von 9.408 Euro. In diesem Fall sollte der Auslandsrentner seinem Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht einen Nachweis darüber beilegen, wie viele Einnahmen er außerhalb Deutschlands tatsächlich bezieht. Ist das zum Beispiel eine Rente aus dem Land, in dem er aktuell wohnt, muss dieser Nachweis von der Auszahlungsstelle dieses Landes kommen.

 

Aber Achtung: Das Bundesfinanzministerium hat die Staaten außerhalb der EU in sogenannte Ländergruppen eingeteilt. Je nach Ländergruppe wird der Grundfreibetrag angepasst, da das Finanzamt davon ausgeht, dass in anderen Ländern ein anderes Einkommensniveau herrscht und damit in der Regel auch die Lebenshaltungskosten nicht den deutschen Verhältnissen entsprechen. So wird auf den Philippinen beispielsweise der Grundfreibetrag um 75 Prozent gekürzt. In welcher Höhe der Grundfreibetrag im jeweiligen Land gekürzt wird, lässt sich dem Amtlichen Einkommensteuer-Handbuch des Finanzministeriums entnehmen.

 

Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Staaten

 

Mit bestimmten Ländern hat Deutschland ein Abkommen geschlossen, Rentner nicht doppelt zu besteuern. Durch das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) ist geregelt, ob entweder der alte Heimat- oder der neue Wohnsitzstaat die Steuer erheben darf. So müssen Bezieher einer gesetzlichen Rente in Deutschland Steuern zahlen, wenn sie zum Beispiel in folgenden Ländern ihren neuen Wohnsitz haben:

 

-  Belgien

-  Dänemark

-  Großbritannien

-  Irland

-  Italien

-  Kroatien

-  Österreich

-  Polen 

 

Wer beispielsweise in Griechenland oder in den USA lebt, muss keine Steuern in Deutschland zahlen. Allerdings ist die deutsche Bundesregierung daran interessiert, beim Abschluss neuer Abkommen ihre Besteuerungsrechte möglichst auszuweiten.

 

Rentner im Ausland schicken ihre Steuererklärung nach Neubrandenburg

 

Das Finanzamt Neubrandenburg ist die zentrale steuerrechtliche Behörde für Auslandsrenten. Auslandsrentner schicken ihre Steuererklärung - für alle steuerpflichtigen Rentner ist das die Anlage R - deshalb an folgende Adresse:

 

Finanzamt Neubrandenburg, Postfach 110 140, 17041 Neubrandenburg

 

Nicht zuständig sind die Neubrandenburger Finanzbeamten für Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, die Auslandsrentner aus Deutschland beziehen. Hierfür müssen sie die Anlage V ausgefüllt an das Finanzamt schicken, in dessen Bereich die Immobilie liegt.

 

Höhere Renten ab 1. Juli und die Steuerfolgen

 

Die große Mehrheit der Rentner kann sich über monatlich mehr Geld freuen.

 

Die Rentenbestimmungsverordnung tritt am 1. Juli in Kraft. Sie beinhaltet die erfreuliche Nachricht für alle Rentner, dass ihre Rente spürbar ansteigen wird. Die Krux dabei ist, dass dadurch mehr Rentner den gesetzlichen Grenzwert überschreiten, steuerpflichtig werden und erstmals in der Rente eine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben müssen. Sollte ein kleiner Teil der Rente als Steuer fällig werden, könnte das die Rentenerhöhung aufheben. Dem können nur noch Ausgaben in der Steuererklärung entgegengesetzt werden, um die Steuerlast zu verringern.

 

Rentenerhöhung in der Corona-Krise?

 

Auch in der Corona-Zeit gibt es eine Erhöhung der Bezüge für Rentner. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hat sich die Wirtschaft im vergangenen Jahr noch gut entwickelt und die Lohnentwicklung sowie die Entwicklung der Versichertenbeiträge für die gesetzliche Rentenversicherung sind im Jahr 2019 angestiegen. Zum anderen ist das Verhältnis von Rentnern zu aktiven Beitragszahlern um 0,17 Prozent höher als im Jahr zuvor ausgefallen. Da die gesetzliche Rente in erster Linie an diese Faktoren gekoppelt ist, wird sie nun angeglichen. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind bei der Rentenerhöhung am 1. Juli also noch nicht berücksichtigt und werden sich erst frühestens im nächsten Jahr auswirken.

 

So viel haben Rentner bald mehr

 

Die Rentenzahlungen werden nicht einheitlich angehoben. In den alten Bundesländern betragen sie 3,45 Prozent mehr, im Osten 4,20 Prozent. Umgerechnet auf 1000 Euro monatliche Rente macht das 34,50 Euro im Westen bzw. 42,00 Euro im Osten. Somit fiel die Anhebung im Osten höher aus als die tatsächliche Lohnentwicklung 2019 in den neuen Bundesländern. Weshalb? Durch die größere Anhebung im Osten erreicht der aktuelle Rentenwert Ost nun erstmals 97,2 Prozent des Rentenwerts West. In vier Jahren wird er, wie gesetzlich vorgeschrieben, bei 100 Prozent liegen und damit auf demselben Niveau der Westrente sein.

 

51.000 Rentner rutschen in die Steuerpflicht

 

Unter den 21 Millionen Rentnern, die sich über mehr Rente freuen können, führt die Erhöhung aber laut dem Bundesfinanzministerium für 51.000 Rentner zu einer erstmaligen Steuerpflicht. Ob und wie viel von der Rente versteuert werden muss, hängt einerseits von der Höhe des steuerpflichtigen Gesamteinkommens und andererseits vom Jahr des Renteneintritts, das den Besteuerungsanteil bestimmt, ab. 2020 beträgt der steuerpflichtige Anteil 80 Prozent für Neurentner. Wer in den Vorjahren in Rente gegangen ist, muss einen geringeren Prozentsatz versteuern. Der andere Teil der Rente, der nicht steuerpflichtig ist, wird als Rentenfreibetrag bezeichnet und von Bestandsrentnern lebenslänglich beibehalten. Übersteigt die aktuelle Jahresbruttorente die Höhe des Rentenfreibetrags gemeinsam mit dem allgemeinen Grundfreibetrag, wird normalerweise eine Steuerklärung fällig.

 

Bestandsrentner, die aufgrund der Rentenerhöhung in die Steuerpflicht rutschen, sollten sich jedoch nicht darauf verlassen, dass sie zeitnah vom Finanzamt eine Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung erhalten. Die Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. (Lohi) rät, sich aktiv zu informieren, ob eine Steuererklärung notwendig ist. Ansonsten kann es passieren, dass das Finanzamt Jahre später Steuererklärungen rückwirkend einfordert und es zu einer unerwarteten Steuernachzahlung kommt.

 

Bundesweiter Vergleich: Kaufkraft der Rente klafft je nach Wohn­ort um gut die Hälfte auseinander

 

Die Kaufkraft der Renten in Deutschland variiert regional um bis zu 52 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos für die Initiative „7 Jahre länger“ erstellt hat.

 

Die Kaufkraft der Rente variiert innerhalb Deutschlands erheblich: Besonders teuer ist das Leben für Rentner in Bayern.

 

Die Kaufkraft der Renten in Deutschland variiert regional um bis zu 52 Prozent. So haben 1.000 Euro für Rentner in München – dem teuersten Altersruhesitz – eine Kaufkraft von 760 Euro. Im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster – dem bundesweit günstigsten Wohnort – liegt der reale Wert dagegen bei 1.160 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos für die Initiative „7 Jahre länger“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft erstellt hat.

 

„Der Wohnort hat großen Einfluss auf die Lebenshaltungskosten und damit den Wohlstand im Alter“, sagt Studienautor Heiko Burret. Teurere Gegenden müssten jedoch nicht zwangsläufig unattraktiver sein, da die Löhne und somit auch die Renten dort tendenziell höher seien als in günstigeren Regionen. „Einbußen beim Lebensstandard drohen überall dort, wo die Alterseinkünfte im Verhältnis zum regionalen Preisniveau sehr niedrig ausfallen“, so Burret.

 

Süden Deutschlands ist teuer, Norden und Osten preiswert

 

Besonders teuer ist das Leben für Rentner in Bayern. Gleich sieben der bundesweit zehn teuersten Altersruhesitze befinden sich im Freistaat. Hinter der Landeshauptstadt liegen die Landkreise München und Starnberg auf den weiteren Plätzen im deutschlandweiten Ranking. Generell ist der wirtschaftsstarke Süden der Republik eher kostenintensiv: Gleich 40 der 50 teuersten Regionen verteilen sich auf Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

 

Preiswert ist das Rentnerleben dagegen meist in Nord- und Ostdeutschland, wo nur vier (Hamburg, Nordfriesland, Berlin, Potsdam) der 50 teuersten Regionen liegen. Günstigstes Bundesland ist Sachsen-Anhalt: In allen 14 Kreisen und kreisfreien Städten liegen die Lebenshaltungskosten unter dem Bundesdurchschnitt, elf davon liegen gar um mehr als zehn Prozentpunkte darunter. Kein anderes Land hat einen so hohen Anteil besonders günstiger Regionen.

 

Kaufkraftvergleich basiert auf Warenkorb von Senioren

 

Für die Auswertung hat Prognos die Lebenshaltungskosten der Rentner in 401 Kreisen und kreisfreien Städten verglichen. Eigens dafür passte das Institut die Gewichtung des allgemeinen Warenkorbs des Statistischen Bundesamtes an das Konsumverhalten der über 65-Jährigen an. Gesundheitsausgaben und Mieten haben in dieser Altersgruppe beispielsweise ein höheres Gewicht. Kosten für Bildung spielen dagegen eine geringere Rolle.

 

Lebenskostenplaner gibt Überblick über typische Alltagsausgaben

 

Wie hoch die Lebenshaltungskosten nicht nur im Alter sind, können viele Menschen nur grob abschätzen. Hilfe bietet dabei der Lebenskostenplaner auf 7jahrelaenger.de. Das Tool listet die durchschnittlichen Ausgaben der Deutschen für 24 alltägliche Dienstleistungen und Produkte auf und ermittelt die Gesamtausgaben für einen Zeitraum von einem Jahr bis maximal 35 Jahre.

 

Rentenpräsidentin: Trotz Corona-Krise Renten-Auszahlung gesichert

 

Trotz der Corona-Krise erwartet die Rentenversicherung vorerst keine finanziellen Nachteile für die Rentner in Deutschland durch einen Einbruch der Beitragseinnahmen. "Im Moment erwarte ich, dass das Minus überschaubar ist", sagte Rentenpräsidentin Gundula Roßbach im Interview mit dem "Tagesspiegel". Die Bundesagentur für Arbeit zahle ja weiter Beiträge an die Rentenversicherung, selbst wenn Menschen in Kurzarbeit seien oder arbeitslos würden. Eine genaue Einschätzung dazu sei zurzeit aber "sehr schwierig".

 

Mit einer Nachhaltigkeits-Rücklage von rund 40 Milliarden Euro gehe die Rentenversicherung "finanziell gut ausgestattet in die Krise", sagte Roßbach: "Die Auszahlung der Renten ist gesichert." Die Rentenpräsidentin versicherte, dass die Renten im Sommer 2021 auf keinen Fall gekürzt würden. Dies sei gesetzlich festgelegt. "Minusrunden kann es also nicht geben."

 

Renten steigen zum 1. Juli im Westen um 3,45 Prozent, im Osten um 4,20 Prozent

 

Gute Lohnentwicklung sichert den Rentnerinnen und Rentnern höhere Renten

 

Nach den nun vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung Bund steht die Rentenanpassung zum 1. Juli 2020 fest: In Westdeutschland steigt die Rente um 3,45 Prozent, in den neuen Ländern um 4,20 Prozent. Der aktuelle Rentenwert (Ost) steigt damit auf 97,2 Prozent des aktuellen Rentenwerts West (bisher: 96,5 Prozent). Das Rentenniveau beträgt 48,21 Prozent.

 

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil:

 

Es gilt das Grundprinzip, dass die Renten den Löhnen folgen. In guten wie in schlechten Zeiten. Auch in ungewissen Zeiten steht die Rentenversicherung für Verlässlichkeit. Die aktuelle Rentenanpassung sichert den Rentnerinnen und Rentnern ihre Teilhabe an der Lohnentwicklung und sorgt so für höhere Renten. Sie folgt der guten wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2019. Auch die Angleichung der Rentenwerte in Ost und West schreitet weiter voran. Auf die Rentenversicherung ist Verlass, auch in Krisenzeiten.

 

Einzelheiten:

 

Grundlage für die Rentenanpassung ist die Lohnentwicklung. Die für die Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt 3,28 Prozent in den alten Ländern und 3,83 Prozent in den neuen Ländern. Sie basiert auf der vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Lohnentwicklung nach den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR), wobei der Einfluss der Arbeitsgelegenheiten mit Entschädigungen für Mehraufwendungen ("Ein-Euro-Jobs") außer Acht bleibt. Darüber hinaus wird die beitragspflichtige Entgeltentwicklung der Versicherten berücksichtigt, die für die Einnahmensituation der gesetzlichen Rentenversicherung entscheidend ist.

 

Neben der Lohnentwicklung wird durch den Nachhaltigkeitsfaktor die Entwicklung des zahlenmäßigen Verhältnisses von Rentenbeziehenden zu Beitragszahlenden bei der Anpassung der Renten berücksichtigt. In diesem Jahr wirkt sich der Nachhaltigkeitsfaktor mit + 0,17 Prozentpunkten leicht positiv auf die Rentenanpassung aus. Außerdem wird durch den sogenannten Faktor Altersvorsorgeaufwendungen die Veränderung der Aufwendungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beim Aufbau ihrer Altersvorsorge auf die Anpassung der Renten übertragen. Da der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung des Jahres 2018 (18,6 Prozent) gegenüber dem Jahr 2019 (18,6 Prozent) unverändert geblieben ist und die sogenannte "Riester-Treppe" seit 2014 nicht mehr zur Anwendung kommt, wirkt sich der Faktor Altersvorsorgeaufwendungen in diesem Jahr nicht auf die Rentenanpassung aus.

 

Mit der Prüfung der Niveauschutzklausel des RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetzes wird sichergestellt, dass in der Zeit bis zum 1. Juli 2025 das Rentenniveau von 48 Prozent nicht unterschritten wird. Das Rentenniveau (im Gesetz als Sicherungsniveau vor Steuern bezeichnet) beschreibt den Verhältniswert aus einer verfügbaren Standardrente und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt, beides ohne Berücksichtigung der darauf entfallenden Steuern. Das Rentenniveau beträgt für das Jahr 2020 mit dem nach der bisherigen Rentenanpassungsformel errechneten aktuellen Rentenwert 48,21 Prozent. Damit wird das Mindestsicherungsniveau von 48 Prozent eingehalten. Die Niveauschutzklausel kommt somit nicht zur Anwendung.

 

Bei der Rentenanpassung für die neuen Bundesländer sind die im Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz festgelegten Angleichungsschritte relevant. In diesem Jahr ist der aktuelle Rentenwert (Ost) mindestens so anzupassen, dass er 97,2 Prozent des Westwerts erreicht. Mit dieser Angleichungsstufe fällt die Rentenanpassung Ost höher aus, als nach der tatsächlichen Lohnentwicklung Ost.

 

Auf Basis der vorliegenden Daten ergibt sich damit ab dem 1. Juli 2020 eine Anhebung des aktuellen Rentenwerts von gegenwärtig 33,05 Euro auf 34,19 Euro und eine Anhebung des aktuellen Rentenwerts (Ost) von gegenwärtig 31,89 Euro auf 33,23 Euro. Dies entspricht einer Rentenanpassung von 3,45 Prozent in den alten Ländern und von 4,20 Prozent in den neuen Ländern.

 

Grundsicherung: Hohe Rate der Nichtinanspruchnahme deutet auf hohe verdeckte Altersarmut

 

Rund 60 Prozent der anspruchsberechtigten Seniorinnen und Senioren nehmen Grundsicherung nicht in Anspruch – Einkommen würden bei voller Inanspruchnahme im Schnitt um 30 Prozent steigen – Antragsverfahren müssten vereinfacht und Bürokratie abgebaut werden

 

Mehr als die Hälfte der Seniorinnen und Senioren, denen Grundsicherung im Alter zusteht, nehmen diese nicht in Anspruch. Dies ergibt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die vom Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert wurde.

 

Verdeckte Altersarmut lässt sich nur schwer quantifizieren. Die DIW-Ökonom,Innen Peter Haan, Hermann Buslei, Johannes Geyer und Michelle Harnisch haben den Versuch gewagt. Anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) haben sie in unterschiedlichen Szenarien geschätzt, wie vielen Haushalten in der älteren Bevölkerung die Grundsicherung im Alter zustünde. Mithilfe der Angaben über den tatsächlichen Leistungsbezug ließ sich die Gruppe identifizieren, die zwar einen Anspruch hätte, diesen aber nicht geltend macht: Im Basisszenario sind es knapp 62 Prozent oder hochgerechnet etwa 625 000 Privathaushalte, die ihren Anspruch nicht wahrnehmen.

 

Besonders hoch ist die Quote bei Personen, die älter als 76 Jahre (73 Prozent) oder verwitwet (77 Prozent) sind. Auch ein niedriger Bildungsstatus geht damit einher, dass die Grundsicherung seltener in Anspruch genommen wird. Vor allem aber nehmen diejenigen, die monatliche Beträge bis 200 Euro aus der Grundsicherung zu erwarten haben, diese häufig nicht in Anspruch (80 Prozent). „Vielen ist das Verfahren vermutlich zu aufwendig – gerade bei kleinen Beträgen – oder sie wissen gar nicht, dass sie den Rechtsanspruch haben“, vermutet Studienautor Hermann Buslei. Auch die Angst, als „Almosenempfänger“ abgestempelt zu werden, könne eine Rolle spielen.

 

Altersvorsorgepolitik ist nur scheinbar erfolgreich

 

Um durchschnittlich rund 30 Prozent würde das Einkommen der Haushalte steigen, wenn sie Grundsicherung in Anspruch nähmen. Dies entspricht einer absoluten durchschnittlichen Einkommensänderung von 2 650 Euro pro Jahr oder etwa 220 Euro im Monat. Profitieren würde erwartungsgemäß vor allem die untersten zehn Prozent der Einkommen. Nähmen tatsächlich alle Grundsicherungsberechtigten ihre Ansprüche wahr, würde dies den Staat rund zwei Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich kosten, haben die DIW-ÖkonomInnen errechnet.

 

„Viele Menschen wissen nicht, dass sie anspruchsberechtigt sind oder erwarten nur geringe Beträge. Andere trauen sich nicht zuzugeben, dass sie bedürftig sind, und wieder anderen ist das Verfahren zu bürokratisch und aufwendig“ Peter Haan

 

„Verdeckte Altersarmut ist ein weitverbreitetes Phänomen, dem man eigentlich mit der Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 entgegenwirken wollte“, berichtet Studienautor Johannes Geyer. Tatsächlich hat sich die Zahl der GrundsicherungsbezieherInnen seitdem von 260.000 auf 566.000 im Juni 2019 mehr als verdoppelt. Allerdings ist die Quote mit nur gut drei Prozent aller Personen ab der Regelaltersgrenze weiterhin niedrig. „Die niedrige Grundsicherungsquote ist schon deswegen kein guter Indikator für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung, weil die Nichtinanspruchnahme der Grundsicherungsleistungen hoch ist“, ergänzt Geyer.

 

Gleicher Job, weniger Rente: Frauen erhalten 26 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer

 

Von wegen Gleichberechtigung: 26 Prozent – so hoch ist die zu erwartende durchschnittliche Rentenlücke von Frauen im Vergleich zu Männern in Deutschland. Das heißt: Frauen erhalten mehr als ein Viertel weniger gesetzliche Rente vom Staat als ihre männlichen Kollegen.

 

In absoluten Zahlen bedeutet das: Im Schnitt hätte eine Frau, die mit 67 Jahren in den Ruhestand geht, nach heutiger Berechnung im Monat 140 Euro weniger gesetzliche Rente als ein Mann. Bezieht diese Frau noch 15 Jahre Rente, fehlen ihr demnach rund 25.000 Euro. Das ist das Ergebnis der wissenschaftlichen Studie „The Gender Pension Gap in Germany“ von Prof. Alexandra Niessen-Ruenzi, Universität Mannheim, und Prof. Christoph Schneider, Tilburg University, im Auftrag von Fidelity International.

 

Um die geschlechtsspezifische Rentenlücke zu berechnen, haben die Professoren eine repräsentative Datenbank des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herangezogen und basierend hierauf die gesetzlichen Rentenansprüche von über 1,8 Millionen Arbeitnehmern berechnet. Somit konnten die Autoren die bisher umfangreichste Analyse der unterschiedlichen gesetzlichen Rentenansprüche von Frauen und Männern in Deutschland durchführen.

 

Ab 35 Jahren öffnet sich die Rentenschere

 

Je nach Alter sind Frauen unterschiedlich stark vom „Gender Pension Gap“ betroffen: Bis zum Alter von 35 Jahren gibt es kaum einen Unterschied bei den erwarteten Rentenansprüchen von Frauen und Männern. Die geschlechtsspezifische Rentenlücke beträgt bei den 26- bis 35-Jährigen nahezu 0 Prozent. Doch ab etwa 35 Jahren öffnet sich die Schere (vgl. Grafik 1). Danach erwerben Männer deutlich mehr Rentenpunkte als Frauen und erwarten später folglich höhere Rentenzahlungen. In der Altersgruppe der 36- bis 45-jährigen Frauen liegt die geschlechtsspezifische Rentenlücke bei 15 Prozent, bei den 46- bis 55-Jährigen sogar bei 27 Prozent.

 

Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Corporate Governance an der Universität Mannheim, sagt: „Der wahrscheinlichste Grund für diese Entwicklung ist, dass viele Paare in den Dreißigern eine Familie gründen. Da Frauen häufiger als Männer nach der Geburt eines Kindes ihre Arbeitszeiten reduzieren, beginnt sich das geschlechtsspezifische Lohngefälle genau in dieser Altersgruppe zu entwickeln – mit drastischen Folgen für die Finanzen von Frauen und ihre spätere Rente. In der Literatur hat sich hierfür der Begriff ,Motherhood Penalty‘ durchgesetzt.“

 

Die gute Nachricht: Der „Gender Pension Gap“ lässt sich mit zusätzlicher privater Vorsorge schließen: Eine 40-jährige Frau müsste bei einer erwarteten Rendite von 3 Prozent und einer jährlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent beispielsweise 77 Euro jeden Monat zusätzlich zurücklegen. Bei einer erwarteten Rendite von 5 Prozent reduziert sich der monatliche Vorsorgebetrag auf 57 Euro. Das entspricht 2,3 Prozent des Bruttojahresgehalts.

 

Claudia Barghoorn, Leiterin Privatkundengeschäft bei Fidelity International, sagt: „Es gibt noch immer große Defizite bei der finanziellen Gleichberechtigung unter den Geschlechtern – trotz der Bemühungen in Gesellschaft, Politik und Unternehmen. Dafür gibt es Gründe, die unmittelbar mit den Lebensverläufen vieler Frauen zusammenhängen. Frauen müssen sich bewusst sein, dass sie diese Unterschiede stärker kompensieren müssen als Männer. Deshalb wollen wir Frauen dazu ermutigen, zu investieren und sie auf dem Weg zur finanziellen Absicherung begleiten. Die Botschaft: Fangt mit kleinen Schritten an.“

 

Rentenberatung im Test: Altersvorsorgeberatung mit großen Mängeln

 

Die Beratung der Deutschen Rentenversicherung zur Altersvorsorge zeigt deutliche Schwächen. „Das Ergebnis hat nicht überzeugt. Mehr als ein Ausreichend konnten wir nicht vergeben“, sagte der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus, bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin. „Das muss im Interesse der 55 Millionen gesetzlich Rentenversicherten besser werden“. 80 Tester hatten Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung aufgesucht, um sich zu ihrer Altersvorsorge beraten zu lassen.

 

Rentenversicherte haben einen Anspruch darauf, sich von der gesetzlichen Rentenversicherung kostenlos zu allen Renten beraten zu lassen. Dazu gehören neben den gesetzlichen auch Riester- und Rürup-, betriebliche sowie private Rentenanwartschaften. Versicherte sollen so die Möglich­keit bekommen, ihre Renteneinkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben einzuschätzen und Auskünfte erhalten, wie sie darüber hinaus Rentenlücken schließen können.

 

Es waren vor allem die Informationen zum eigenen gesetzlichen Rentenanspruch, die im Test noch akzeptabel waren. Viel zu selten ermittelten die Berater aber das Gesamtrenteneinkommen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge und gaben Rat zum Ausbau der Renten­ansprüche. Den Teilbereich „Lösen des Beratungsanliegens“ bewerteten die Tester deshalb mit mangelhaft. In 80 Beratungen bezogen nur 15 Berater alle Renten – gesetzlich, betrieblich, privat – mit in die Analyse ein, benutzten nur 15 Berater für die systematische Erfassung der Rentenansprüche den hauseigenen Analysebogen, sprachen nur 14 Berater überhaupt das Thema Rentenlücke an.

Alternativen zur Beratung durch die Rentenversicherung gibt es allerdings kaum. Die Stiftung Warentest rät, sich vor dem Beratungstermin selbst ein Bild über die eigene Vorsorge zu machen und gibt konkrete Anleitungen dazu in der Oktober-Ausgabe von Finanztest.

 

Früher in Rente: Wer wann in Rente gehen kann

 

Mehr als die Hälfte aller Neurentner verlassen jedes Jahr vor dem regulären Rentenalter ihren Job. Wer lange genug gearbeitet hat, kann in vielen Fällen ohne Kürzung früher aufhören. Die Zeitschrift Finanztest erklärt, welche Zeiten dafür angerechnet werden. Außerdem rechnen die Finanzexperten vor, wie hoch die Abschläge bei Rentnern sind, die noch nicht genug Versicherungsjahre haben und trotzdem eher aufhören möchten zu arbeiten.

 

Wer 45 Versicherungsjahre vorweist, kann heute mit 63 Jahren und 8 Monaten vorzeitig ohne Kürzung in den Ruhestand gehen, ab dem Jahrgang 1964 erst mit 65 Jahren. Noch früher geht es nur mit Abschlag. Für die Rente angerechnet werden dafür neben den Pflichtbeiträgen auch die Zeiten für Wehr- und Zivildienst, die Pflege anderer, Erziehung bis zum 10. Lebensjahr des Kindes oder Übergangsgeld.

 

Mit 63 in Rente gehen kann jeder, wenn er auf die Mindestversicherungszeit von 35 Jahren kommt. Allerdings muss man dann Abschläge hinnehmen. Wie hoch die Kürzung ausfällt, hängt vom Geburtsdatum ab. Eine Tabelle listet die Höhe der Abschläge für die Geburtsjahre 1954 bis 1964 und folgende auf. Die 60 Jahre alte Musterrentnerin von Finanztest bekommt netto 194 Euro monatlich weniger, wenn sie mit 63 anstatt regulär mit 66 Jahren und zwei Monaten in den Ruhestand geht.

 

In vielen Fällen lohnt es sich, solche Abschläge durch freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse zu vermeiden. Die Musterrentnerin würde eine Rente von 1127 Euro bekommen. Mit freiwilligen Zahlungen kann sie aber die volle Rente in Höhe von 1321 Euro erhalten. Dafür muss sie insgesamt 40.964 Euro an die Rentenkasse überweisen und bekommt etwa ein Viertel durch Steuererstattung wieder zurück, wenn sie in Raten überweist. Nach knapp 13 Jahren hat sie die Ausgleichszahlungen wieder heraus.

 

Fast ein Drittel der Frauen geht später als geplant in den Ruhestand

 

Ältere erwerbstätige Frauen planen zwar im Durchschnitt einen etwas früheren Ausstieg aus dem Arbeitsleben als Männer, arbeiten dann aber häufig doch länger als geplant. Dies zeigt eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Altersfragen mit Daten mehrerer Befragungswellen des Deutschen Alterssurveys.

 

Wie groß ist die Übereinstimmung von zuvor geäußerten Ruhestandsplänen und tatsächlichem Übergangsalter in den Ruhestand? Zu dieser Frage vergleicht die Studie die Ruhestandspläne von 55- bis 64-jährigen Berufstätigen im Jahr 2008 mit dem tatsächlichen Alter des Austritts aus dem Arbeitsleben bis zum Jahr 2014.

 

Dabei zeigt sich: Die Chancen, die Dauer ihres Arbeitslebens wie geplant zu gestalten, sind nicht für alle gleich. Sowohl ein schlechter Gesundheitszustand als auch ein geringes Ausbildungsniveau erhöhen die Wahrscheinlichkeit, früher als geplant aus dem Berufsleben auszuscheiden.

 

Hingegen ist das Risiko länger als geplant erwerbstätig zu sein, je nach Geschlecht unterschiedlich. Im Vergleich zu Männern haben Frauen dieser Generationen eine höhere Wahrscheinlichkeit länger zu arbeiten als geplant. Während von den Männern nur 18 Prozent über den ursprünglich geplanten Zeitpunkt hinaus erwerbstätig blieben, haben von den Frauen 28 Prozent länger als beabsichtigt weitergearbeitet.

 

Heribert Engstler, Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Altersfragen und Autor der Studie, benennt mögliche Gründe hierfür. Bei den befragten Frauen handelt es sich um jene Jahrgänge, die von der Anhebung der Altersgrenzen und dem Wegfall der speziellen vorgezogenen Altersrente für Frauen betroffen waren. Sie weisen seltener mindestens 35 Rentenversicherungsjahre auf als Männer und erfüllen damit auch seltener die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente. Zugleich verfügen die Frauen durchschnittlich über geringere Rentenanwartschaften als Männer. Die Notwendigkeit und der Anreiz aus finanziellen Gründen länger zu arbeiten und Rentenabschläge zu vermeiden oder klein zu halten, sind deswegen wahrscheinlich stärker ausgeprägt. Diese rentenrechtlichen und finanziellen Gründe tragen wahrscheinlich dazu bei, dass Frauen häufiger als Männer feststellen, dass sie ihre Ausstiegspläne revidieren müssen und länger als geplant erwerbstätig bleiben.

 

Insgesamt zeigt die Studie, dass die Hälfte (50%) der Befragten ihre zeitlichen Ausstiegs- oder Weiterarbeitspläne ziemlich genau (+- 6 Monate) verwirklichte; besonders gut gelang dies Personen im Beamtenstatus (61%). 23 % aller älteren Erwerbstätigen arbeiteten länger als geplant und 27% waren mindestens sieben Monate früher als geplant ausgeschieden, im Durchschnitt mehr als 3 Jahre früher.

 

Ruhestand unter Palmen

 

Mallorca, Toskana, Teneriffa: Immer mehr Ruheständler entscheiden sich dafür, ihren Lebensabend jenseits der deutschen Grenzen zu genießen.

 

Doch was muss man tun, damit man im Ruhestandsparadies auch auf die Rente aus Deutschland zugreifen kann?

 

Die gute Nachricht: Gesetzliche Renten werden in jedes Land der Welt überwiesen. Wer in Deutschland rentenversichert war, steht vor der freien Wahl, wo er seinen Ruhestand verbringen möchte. Laut Deutscher Rentenversicherung beziehen aktuell rund 1,5 Millionen im Ausland lebende Rentner Altersbezüge aus der gesetzlichen Rentenkasse. Wie hoch diese im Ausland ausfallen, hing lange davon ab, ob der Rentner vorübergehend oder dauerhaft außerhalb Deutschlands lebt. Doch diese Zeiten sind seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2013 vorbei. Rentner, die in Deutschland Ansprüche haben, erhalten ihre Rente auch bei dauerhaftem Umzug ins Ausland in voller Höhe. Einschränkungen bestehen lediglich bei Erwerbsminderungsrenten und Rentenansprüchen, die außerhalb der Bundesrepublik erworben worden sind.

 

Rechtzeitig informieren

 

Wird die Rente auf ein Konto innerhalb Europas überwiesen, hat der Empfänger dank SEPA-Verfahren keinerlei Nachteile. Die Kosten für die Überweisung übernimmt die Rentenversicherung. Außerhalb der EU können allerdings Zeitverzögerungen, Gebühren oder Verluste durch Wechselkurse entstehen, die der Empfänger zahlen muss. Stefan Haag von der Postbank erklärt: „Die Währungskurse schwanken und man erhält stets den Kurs, der am Tag des Zahlungseingangs gilt.“ Damit die Überweisung reibungslos läuft, braucht die Rentenversicherung rechtzeitig die neue Anschrift, die internationale Kontonummer (IBAN) und die internationale Bankleitzahl (BIC) des Empfängers.

 

Auf die Kosten achten

 

Rentner, die regelmäßige Einnahmen oder Ausgaben in Deutschland haben, sollten ein Konto in Deutschland behalten, um eine unkomplizierte und schnelle Zahlungsabwicklung zu gewährleisten, auch wenn sie dauerhaft im Ausland leben. „Das Konto bei einer deutschen Bank kann man in der Regel auch behalten, wenn man seinen Wohnsitz dauerhaft und komplett ins Ausland verlagert hat“, so Stefan Haag. „Auch ein Zweitwohnsitz in Deutschland ist dafür nicht nötig.“ Hebt man mit der Giro- oder Kreditkarte der deutschen Bank die Rente an einem ausländischen Geldautomaten ab, können allerdings Kosten entstehen: Die eigene Bank verlangt meist Gebühren, der Betreiber des Geldautomaten ebenso und auch beim Umrechnen in eine fremde Währung können Kosten entstehen. Stefan Haag rät: „Für Rentner kann sich deshalb die Eröffnung eines zweiten Kontos im Aufenthaltsland lohnen.“

 

Neue Studie zur Rente: Ein Fünftel der langjährig Versicherten hat geringe Ansprüche, westdeutsche Frauen besonders betroffen

 

20 Prozent der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung haben trotz langjähriger Versicherungszeiten nur geringe Rentenansprüche, zeigt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Veröffentlichung. 90 Prozent davon sind Frauen, viele haben lange in Teilzeit gearbeitet und zwischenzeitlich die Berufstätigkeit unterbrochen.

 

Welche Gruppen besonders häufig Niedrigrenten beziehen, obwohl sie lange Versicherungszeiten aufweisen, haben Prof. Dr. Martin Brussig und Lina Zink vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen mithilfe von Datensätzen von Rentenversicherung und Arbeitsagentur analysiert. Genauer: Wer von den zwischen 1940 und 1947 Geborenen nach wenigstens 30 Versicherungsjahren – die auch beitragsfreie oder beitragsgeminderte Zeiten enthalten können – eine Rente bekommt, die nicht wenigstens zehn Prozent über dem Existenzminimum liegt.

 

Das ist bei insgesamt jedem Fünften der langjährig Versicherten der Fall. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Bei westdeutschen Frauen sind niedrige Rentenansprüche vor allem eine Folge von langen Kindererziehungszeiten, oft in Kombination mit Minijobs oder langjähriger Teilzeit. Bei ostdeutschen Versicherten beruhen sie oft auf langer bzw. wiederholter Arbeitslosigkeit in den Jahren nach 1990. Weitere Risikofaktoren sind diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die durch späte Berufseinstiege, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Kindererziehungszeiten geprägt sind. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto höher der Anteil der geringen Rentenansprüche. So liegt in einer relativ kleinen Gruppe von westdeutschen Frauen, bei denen langjährige Teilzeitbeschäftigung in geringem Umfang, Arbeitslosigkeit oder Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit nach der Kinderbetreuungsphase zusammenkommen, der Anteil der Niedrigrenten bei 93,5 Prozent – trotz mindestens 30 Versicherungsjahren.

 

Studie: Jeder fünfte Deutsche versteht bei der Renteninformation nur Bahnhof

21 Prozent der Berufstätigen halten die jährliche Renteninformation für unverständlich

 

Einmal pro Jahr erhalten Berufstätige eine Renteninformation der Gesetzlichen Rentenversicherung. Doch nur zwei von drei Berufstätigen (65 Prozent) helfen die Angaben dabei, die Höhe ihrer späteren Rente einzuschätzen. Jeder Fünfte (21 Prozent) hält die Renteninformation für unverständlich. Das zeigt eine aktuelle Studie von Fidelity International unter 1.000 Berufstätigen, durchgeführt von Kantar Emnid.

 

Ein weiteres Ergebnis: Mehr als jeder zweite Berufstätige (55 Prozent) hält es für sehr wichtig oder wichtig, einen Online-Zugang zu einem System zu haben, das die individuellen Altersvorsorgeeinkünfte aus allen drei Säulen (gesetzliche, private und betriebliche Rente) komplett abbildet. Am wichtigsten ist mit Abstand eine verständliche Sprache der Renteninformation. 94 Prozent halten dies für sehr wichtig oder wichtig. Beispielrechnungen dagegen finden nur zwei Drittel (69 Prozent) der Befragten sehr wichtig oder wichtig.

 

Alexander Leisten, Leiter des Deutschlandgeschäfts von Fidelity International, sagt: „Wir brauchen dringend mehr Transparenz in der Altersvorsorge. Eine säulenübergreifende Renteninformation ist deshalb ein sinnvoller Schritt. Aber das reicht nicht aus. Die Information muss eingängig aufbereitet sein. Jeder Arbeitnehmer muss sofort erkennen, warum es für ihn persönlich notwendig ist, vorzusorgen und welche Maßnahmen er ergreifen kann. Politik und Finanzdienstleister stehen hier gleichermaßen in der Verantwortung, an Lösungen zu arbeiten.“

 

Rentenberatung: Beratung der Deutschen Rentenversicherung sinnvoll

Nicht nur für Menschen kurz vor der Rente, sondern auch für Junge, die fürs Alter vorsorgen wollen, ist die kostenlose Beratung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sinnvoll. Denn sie ist verpflichtet so zu informieren, dass jeder seine Rentenansprüche ausschöpfen kann. Der Versicherte soll zum Beispiel wissen, ob er mit oder ohne Abschläge vorzeitig in Rente gehen kann, es Anspruch auf die Mütterrente gibt oder welche zusätzliche Vorsorge sinnvoll ist. Das berichtet die Stiftung Warentest. Die Finanztest-Experten haben sich bei der DRV Berlin-Brandenburg beraten lassen. In den 200 Auskunfts- und Beratungsstellen der DRV haben sich im Jahr 2013 fast 3,9 Millionen Menschen beraten lassen. Wer ein persönliches Gespräch möchte, aber keine Beratungsstelle in der Nähe findet, kann sich auch an einen Versicherungsältesten wenden. Diese ehrenamtlichen Berater sind Teil der demokratisch organisierten Selbstverwaltung der gesetzlichen Rentenversicherung. Im ganzen Bundesgebiet gibt es rund 5.000 Versicherungsälteste. Die Berater gaben in der kleinen Stichprobe umfassend Auskunft. Nur einmal hat sich der Berater bei einem Finanztest-Mitarbeiter vertan: Er addierte die voraussichtlichen Einkünften aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente falsch. Seine Berechnung des geschätzten Einkommens im Alter nach Abzug von Steuern fiel 200 Euro zu hoch aus.

 

Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung Bund zu aktuellen Medienberichten über Altersarmut

Zu aktuellen Medienberichten, wonach laut Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) auch langjährig versicherte Vollzeitbeschäftigte künftig in hohem Maße von Altersarmut bedroht seien, nimmt die Deutsche Rentenversicherung Bund wie folgt Stellung:

 

- Die vorgelegten Zahlen beziehen sich laut Ministerium auf Fallgestaltungen, in denen Beschäftigte 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, keine Erwerbsunterbrechungen und weder Kindererziehungszeiten noch Pflegezeiten aufweisen. Damit bleiben aber bei einer Regelaltersgrenze von aktuell bereits über 65 Jahren wenigstens weitere zehn Jahre der Erwerbsbiografie nicht berücksichtigt. Allenfalls könnte es sich dabei um Personen handeln, die in den verbleibenden Jahren im erwerbsfähigen Alter arbeitslos waren oder einer selbständigen Erwerbsarbeit nachgingen. Wenn dies jedoch der Fall ist, sollte Versorgungsdefiziten zielgerichtet durch eine bessere rentenrechtliche Absicherung dieser Tatbestände entgegengewirkt werden.

 

- Mit den Rentenreformen von 2001 und 2004 hat der Gesetzgeber eine langfristige Senkung des Rentenniveaus eingeleitet, um die Beitragsbelastung der künftigen Erwerbstätigen zu begrenzen. Zugleichwurden staatliche Fördermaßnahmen eingeführt, mit denen der Aufbau einer individuellen ergänzenden kapitalgedeckten Altersvorsorge subventioniert wird. Damit soll gezielt auch Arbeitnehmern mit niedrigen Einkommen der Aufbau einer kapitalgedeckten Zusatzvorsorgeermöglicht werden. Sofern Versicherte diese Förderung nutzen, wird - nach den Berechnungen der Bundesregierung, wie sie im Rentenversicherungsbericht 2011 veröffentlicht wurden - im Alter zwar ihr Rentenniveau geringer, das Niveau ihrer Alterseinkünfte aus gesetzlicher Rente und Zusatzvorsorge insgesamt aber sogar höher ausfallen als heute. Das Rentenniveau (vor Steuern) sinkt danach zwarim Zeitraum von 2008 bis 2025 von 50,5 Prozent auf 46,2 Prozent, das Versorgungsniveau (vor Steuern) einschließlich Riester-Rente steigt aber auf 51,3 Prozent an (Übersicht B 8 im Rentenversicherungsbericht 2011).

 

- In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass eine niedrige gesetzliche Rente nicht zwangsläufig mit Armut im Alter gleichzusetzen ist. Hierauf hat auch die Bundesregierung in der Vergangenheit zu Recht immer wieder hingewiesen; so etwa ausdrücklichim Alterssicherungsbericht 2008. Armut ist zudem stets im Haushaltskontext zu sehen: Von Armut im Alter kann man nicht sprechen, wenn zwar das eigene Einkommen eines Versicherten niedrig ist, sein Ehepartner jedoch über ein entsprechend hohes Alterseinkommen verfügt. Der Zusammenhang zwischen Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und Altersarmut ist deshalb weitaus komplexer, als es überschlägige Betrachtungen von Rentenzahlbeträgen auf Individualebene nahelegen.

 

- Die jetzt vorgelegten Berechnungen sind als zusätzliche Argumentation zu Gunsten der Einführung einer Zuschussrente nicht geeignet. Die Zahlenbeispiele gehen laut Annahmen ausdrücklich davon aus, dass die Versicherten neben der gesetzlichen Rente keine zusätzliche Vorsorge haben. Bei Umsetzung der Pläne des Ministeriums bestünde in diesen Fällen allerdings auch kein Anspruch auf eine Zuschussrente, da diese langjährige Zusatzvorsorge und im Übrigen 45 Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung voraussetzt.

 

- Es ist davon auszugehen, dass es bei Einführung der Zuschussrente zu Mehrbelastungen käme, die von den künftigen Steuerzahlern und auch von den Beitragszahlern finanziert werden müssten. 

 

Pflegezeit ist Arbeitszeit: Rentenansprüche richtig geltend machen

Wer einen Angehörigen pflegt, kann in dieser Zeit oft nur eingeschränkt oder gar nicht arbeiten. Um mögliche Nachteile für die Rente auszugleichen, werden Pflegezeiten bei der Berechnung der gesetzlichen Rente berücksichtigt - allerdings müssen Betroffene selbst aktiv werden. Darauf weist die Aktion "Finanzwissen für alle" der Fondsgesellschaften hin. Die Rentenversicherungsbeiträge übernimmt in dieser Zeit unter bestimmten Voraussetzungen die zuständige Pflegekasse. Dazu muss der "Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen" bei der Beratungsstelle der Kranken- oder Pflegekasse oder des Rentenversicherungsträgers ausgefüllt werden. Der Anspruch auf Entrichtung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ist an mehrere Bedingungen geknüpft: Dazu gehört, dass die Pflegeperson den Angehörigen nicht erwerbsmäßig und wenigstens 14 Stunden wöchentlich in der häuslichen Umgebung pflegt. Neben der Pflege darf sie nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein.

 

Außerdem muss die Notwendigkeit der Pflege vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen oder der Gesellschaft für medizinische Gutachten festgestellt werden. Um wie viel höher die gesetzliche Rente dann später einmal ausfällt, hängt vom zeitlichen Aufwand und der Pflegestufe ab.

 

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