Früher in Rente:  Tipps für die Rente mit 63

Viele Menschen möchten früher in Rente gehen und können sich das auch leisten. 

 

Um ihren Ausstieg optimal zu planen, sollten Versicherte zunächst prüfen, welche Rentenoption für sie in Frage kommt: Für viele Arbeitnehmer ist Altersteilzeit eine Option, über den Betrieb früher in Rente zu gehen. Wer 45 Jahre gearbeitet hat, kann ohne Kürzungen früher aussteigen. 2018 kann der Jahrgang 1955 mit 63 Jahren und 6 Monaten ohne Abschläge in Rente gehen und sollte dies laut Finanztest auch tun: Wer länger arbeitet, bekommt insgesamt nicht mehr Geld.

 

Wer 35 Jahre gearbeitet hat, kann frühestens mit 63 Jahren in Rente gehen, muss aber mit deutlich gekürzter Rente planen. Eine Möglichkeit ist dann der Hinzuverdienst, der jedoch teilweise auf die Rente angerechnet wird. Für alle Varianten gibt Finanztest Tipps, beschreibt, worauf zu achten ist und zeigt mit Musterrechnungen, wie hoch die jeweiligen Abschläge sein können. Wie hoch die individuellen Einbußen sind, kann bei einer kostenlosen Beratung der Rentenversicherung ermittelt werden.

 

Eine Leserbefragung von Finanztest unter Frührentnern ergab, dass die meisten Rückmeldungen positiv waren. Viele freuten sich über gewonnene Zeit und konnten die finanziellen Einbußen verkraften, weil sie oder ihr Arbeitgeber zusätzlich vorgesorgt hatten.

 

Höhere Renten ab 1.Juli 2018

Startschuss für gleiches Rentenrecht in Ost und West

 

Der 1. Juli 2018 ist in doppelter Hinsicht eine wichtige Wegmarke in der gesetzlichen Rentenversicherung: Erstens steigen die Renten für die über 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner spürbar – nämlich in Westdeutschland um 3,22 Prozent und in den neuen Ländern um 3,37 Prozent. Der aktuelle Rentenwert (Ost) erreicht damit rund 95,8 Prozent des aktuellen Rentenwerts (West). Zweitens tritt das in der vergangenen Legislaturperiode vom BMAS initiierte Gesetz über den Abschluss der Rentenüberleitung (Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz) in Kraft.

 

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil:

 

"Der 1. Juli verspricht nicht nur in meteorologischer Hinsicht ein schöner Tag zu werden – auch die Rentnerinnen und Rentner können sich freuen. Für sie steigen die Auszahlungen aus der Rentenversicherung spürbar. Die gute Lohnentwicklung und Arbeitsmarktlage kommt bei allen an: Den Beschäftigten, darunter auch denen, die von einem steigenden gesetzlichen Mindestlohn profitieren, und eben auch den Ruheständlern, die sich nach einem langen Arbeitsleben zurecht auf ihre Rente und die Teilhabe an der guten Konjunktur verlassen können. Der 1. Juli markiert aber noch einen weiteren Baustein für ein verlässliches, belastbares und gerechtes Rentensystem: Mit der diesjährigen Rentenanpassung beginnend werden wir die vollständige Angleichung der aktuellen Rentenwerte schrittweise bis spätestens 2024 erreichen. Für die Rentenberechnung in Deutschland werden dann ab 2025 einheitliche Rechengrößen gelten. Damit schaffen wir spätestens 2025 die Deutsche Einheit auch in der Rentenversicherung."

 

Einzelheiten:

 

Grundlage der Rentenanpassung ist die Lohnentwicklung, bis zur Rentenangleichung die Lohnentwicklung im jeweiligen Rechtskreis. Neu in der diesjährigen Anpassung ist, dass für die neuen Bundesländer die Regelungen des Rentenüberleitungsabschlussgesetzes zu beachten sind. Der aktuelle Rentenwert (Ost) ist in diesem Jahr mindestens so anzupassen, dass er 95,8 Prozent des Westwerts erreicht. Verläuft die Angleichung unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung in den neuen Ländern jedoch günstiger, als es die im Gesetz fixierte Angleichungsstufe vorsieht, sichert die Anpassungsformel die höhere Anpassung. Das ist in diesem Jahr der Fall, denn der mit der Lohnentwicklung in den neuen Ländern berechnete aktuelle Rentenwert (Ost) fällt um einen Cent höher aus als dies nach der ersten festgelegten Angleichungsstufe im Gesetz der Fall wäre.

 

Ab dem 1. Juli 2018 beträgt der aktuelle Rentenwert 32,03 Euro und der aktuelle Renten-wert (Ost) 30,69 Euro.

 

Mit dem Rentenüberleitungsabschlussgesetz wurde geregelt, dass der aktuelle Rentenwert (Ost) in sieben Schritten im Verhältnis zum Westwert angehoben wird und spätestens am 1. Juli 2024 100 Prozent erreicht. Ab dann gilt in ganz Deutschland ein einheitlicher aktueller Rentenwert.

 

Neben der schrittweisen Angleichung der aktuellen Rentenwerte werden auch die Beitragsbemessungsgrenzen und die Bezugsgrößen in sieben Schritten auf das jeweilige Westniveau angehoben. Die Ost-Verdienste werden entsprechend ab 2025 bei der Rentenberechnung nicht mehr hochgewertet. Durch die im Gesetz bestimmte Angleichung in Stufen entfällt die Hochwertung der Ost-Verdienste nicht abrupt, sondern wird langsam abgeschmolzen. Die bis Ende 2024 hochgewerteten Verdienste bleiben auch für eine spätere Rentenberechnung erhalten, so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

 

Studie: Jeder fünfte Deutsche versteht bei der Renteninformation nur Bahnhof

21 Prozent der Berufstätigen halten die jährliche Renteninformation für unverständlich

 

Einmal pro Jahr erhalten Berufstätige eine Renteninformation der Gesetzlichen Rentenversicherung. Doch nur zwei von drei Berufstätigen (65 Prozent) helfen die Angaben dabei, die Höhe ihrer späteren Rente einzuschätzen. Jeder Fünfte (21 Prozent) hält die Renteninformation für unverständlich. Das zeigt eine aktuelle Studie von Fidelity International unter 1.000 Berufstätigen, durchgeführt von Kantar Emnid.

 

Ein weiteres Ergebnis: Mehr als jeder zweite Berufstätige (55 Prozent) hält es für sehr wichtig oder wichtig, einen Online-Zugang zu einem System zu haben, das die individuellen Altersvorsorgeeinkünfte aus allen drei Säulen (gesetzliche, private und betriebliche Rente) komplett abbildet. Am wichtigsten ist mit Abstand eine verständliche Sprache der Renteninformation. 94 Prozent halten dies für sehr wichtig oder wichtig. Beispielrechnungen dagegen finden nur zwei Drittel (69 Prozent) der Befragten sehr wichtig oder wichtig.

 

Alexander Leisten, Leiter des Deutschlandgeschäfts von Fidelity International, sagt: „Wir brauchen dringend mehr Transparenz in der Altersvorsorge. Eine säulenübergreifende Renteninformation ist deshalb ein sinnvoller Schritt. Aber das reicht nicht aus. Die Information muss eingängig aufbereitet sein. Jeder Arbeitnehmer muss sofort erkennen, warum es für ihn persönlich notwendig ist, vorzusorgen und welche Maßnahmen er ergreifen kann. Politik und Finanzdienstleister stehen hier gleichermaßen in der Verantwortung, an Lösungen zu arbeiten.“

 

Rentenberatung: Beratung der Deutschen Rentenversicherung sinnvoll

Nicht nur für Menschen kurz vor der Rente, sondern auch für Junge, die fürs Alter vorsorgen wollen, ist die kostenlose Beratung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sinnvoll. Denn sie ist verpflichtet so zu informieren, dass jeder seine Rentenansprüche ausschöpfen kann. Der Versicherte soll zum Beispiel wissen, ob er mit oder ohne Abschläge vorzeitig in Rente gehen kann, es Anspruch auf die Mütterrente gibt oder welche zusätzliche Vorsorge sinnvoll ist. Das berichtet die Stiftung Warentest. Die Finanztest-Experten haben sich bei der DRV Berlin-Brandenburg beraten lassen. In den 200 Auskunfts- und Beratungsstellen der DRV haben sich im Jahr 2013 fast 3,9 Millionen Menschen beraten lassen. Wer ein persönliches Gespräch möchte, aber keine Beratungsstelle in der Nähe findet, kann sich auch an einen Versicherungsältesten wenden. Diese ehrenamtlichen Berater sind Teil der demokratisch organisierten Selbstverwaltung der gesetzlichen Rentenversicherung. Im ganzen Bundesgebiet gibt es rund 5.000 Versicherungsälteste. Die Berater gaben in der kleinen Stichprobe umfassend Auskunft. Nur einmal hat sich der Berater bei einem Finanztest-Mitarbeiter vertan: Er addierte die voraussichtlichen Einkünften aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente falsch. Seine Berechnung des geschätzten Einkommens im Alter nach Abzug von Steuern fiel 200 Euro zu hoch aus.

 

Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung Bund zu aktuellen Medienberichten über Altersarmut

Zu aktuellen Medienberichten, wonach laut Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) auch langjährig versicherte Vollzeitbeschäftigte künftig in hohem Maße von Altersarmut bedroht seien, nimmt die Deutsche Rentenversicherung Bund wie folgt Stellung:

 

- Die vorgelegten Zahlen beziehen sich laut Ministerium auf Fallgestaltungen, in denen Beschäftigte 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, keine Erwerbsunterbrechungen und weder Kindererziehungszeiten noch Pflegezeiten aufweisen. Damit bleiben aber bei einer Regelaltersgrenze von aktuell bereits über 65 Jahren wenigstens weitere zehn Jahre der Erwerbsbiografie nicht berücksichtigt. Allenfalls könnte es sich dabei um Personen handeln, die in den verbleibenden Jahren im erwerbsfähigen Alter arbeitslos waren oder einer selbständigen Erwerbsarbeit nachgingen. Wenn dies jedoch der Fall ist, sollte Versorgungsdefiziten zielgerichtet durch eine bessere rentenrechtliche Absicherung dieser Tatbestände entgegengewirkt werden.

 

- Mit den Rentenreformen von 2001 und 2004 hat der Gesetzgeber eine langfristige Senkung des Rentenniveaus eingeleitet, um die Beitragsbelastung der künftigen Erwerbstätigen zu begrenzen. Zugleichwurden staatliche Fördermaßnahmen eingeführt, mit denen der Aufbau einer individuellen ergänzenden kapitalgedeckten Altersvorsorge subventioniert wird. Damit soll gezielt auch Arbeitnehmern mit niedrigen Einkommen der Aufbau einer kapitalgedeckten Zusatzvorsorgeermöglicht werden. Sofern Versicherte diese Förderung nutzen, wird - nach den Berechnungen der Bundesregierung, wie sie im Rentenversicherungsbericht 2011 veröffentlicht wurden - im Alter zwar ihr Rentenniveau geringer, das Niveau ihrer Alterseinkünfte aus gesetzlicher Rente und Zusatzvorsorge insgesamt aber sogar höher ausfallen als heute. Das Rentenniveau (vor Steuern) sinkt danach zwarim Zeitraum von 2008 bis 2025 von 50,5 Prozent auf 46,2 Prozent, das Versorgungsniveau (vor Steuern) einschließlich Riester-Rente steigt aber auf 51,3 Prozent an (Übersicht B 8 im Rentenversicherungsbericht 2011).

 

- In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass eine niedrige gesetzliche Rente nicht zwangsläufig mit Armut im Alter gleichzusetzen ist. Hierauf hat auch die Bundesregierung in der Vergangenheit zu Recht immer wieder hingewiesen; so etwa ausdrücklichim Alterssicherungsbericht 2008. Armut ist zudem stets im Haushaltskontext zu sehen: Von Armut im Alter kann man nicht sprechen, wenn zwar das eigene Einkommen eines Versicherten niedrig ist, sein Ehepartner jedoch über ein entsprechend hohes Alterseinkommen verfügt. Der Zusammenhang zwischen Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und Altersarmut ist deshalb weitaus komplexer, als es überschlägige Betrachtungen von Rentenzahlbeträgen auf Individualebene nahelegen.

 

- Die jetzt vorgelegten Berechnungen sind als zusätzliche Argumentation zu Gunsten der Einführung einer Zuschussrente nicht geeignet. Die Zahlenbeispiele gehen laut Annahmen ausdrücklich davon aus, dass die Versicherten neben der gesetzlichen Rente keine zusätzliche Vorsorge haben. Bei Umsetzung der Pläne des Ministeriums bestünde in diesen Fällen allerdings auch kein Anspruch auf eine Zuschussrente, da diese langjährige Zusatzvorsorge und im Übrigen 45 Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung voraussetzt.

 

- Es ist davon auszugehen, dass es bei Einführung der Zuschussrente zu Mehrbelastungen käme, die von den künftigen Steuerzahlern und auch von den Beitragszahlern finanziert werden müssten. 

 

Pflegezeit ist Arbeitszeit: Rentenansprüche richtig geltend machen

Wer einen Angehörigen pflegt, kann in dieser Zeit oft nur eingeschränkt oder gar nicht arbeiten. Um mögliche Nachteile für die Rente auszugleichen, werden Pflegezeiten bei der Berechnung der gesetzlichen Rente berücksichtigt - allerdings müssen Betroffene selbst aktiv werden. Darauf weist die Aktion "Finanzwissen für alle" der Fondsgesellschaften hin. Die Rentenversicherungsbeiträge übernimmt in dieser Zeit unter bestimmten Voraussetzungen die zuständige Pflegekasse. Dazu muss der "Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen" bei der Beratungsstelle der Kranken- oder Pflegekasse oder des Rentenversicherungsträgers ausgefüllt werden. Der Anspruch auf Entrichtung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ist an mehrere Bedingungen geknüpft: Dazu gehört, dass die Pflegeperson den Angehörigen nicht erwerbsmäßig und wenigstens 14 Stunden wöchentlich in der häuslichen Umgebung pflegt. Neben der Pflege darf sie nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein.

 

Außerdem muss die Notwendigkeit der Pflege vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen oder der Gesellschaft für medizinische Gutachten festgestellt werden. Um wie viel höher die gesetzliche Rente dann später einmal ausfällt, hängt vom zeitlichen Aufwand und der Pflegestufe ab.

 

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