Corona-Krise zementiert Vermögensunterschiede

 

Die Corona-Krise traf Deutschland plötzlich und mit Wucht: Im April meldeten Unternehmen 7,5 Millionen Beschäftigte für Kurzarbeit an. Berufszweigen wie der Gastronomie oder Friseurbetrieben brachen im Lockdown die Einnahmen weg. Knapp 2,8 Millionen Kinder unter sechs Jahren müssen wegen Schließung der Kindertagesstätten von ihren – oft berufstätigen – Eltern betreut werden. Welche Folgen die Corona-Krise für die Einkommen und das Sparverhalten der Bundesbürger hat, untersucht eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar Ende April im Auftrag der Postbank durchgeführt hat. Befragt wurden 1.014 Personen ab 16 Jahren.

 

Sparen in der Krise

 

Sparweltmeister Deutschland wird seinem Titel auch in der Krise gerecht: Heute bilden mehr Menschen Rücklagen als vor Ausbruch des Corona-Virus. Aktuell legen 77 Prozent der Deutschen Geld zur Seite, im Vergleich zu 74 Prozent im Juli 2019. Der hohe Anteil der Sparer überrascht, da jeder fünfte Befragte (21 Prozent) angibt, infolge der Corona-Krise von Einkommenskürzungen betroffen zu sein. 14 Prozent stufen diese Einbußen als leicht ein, vier Prozent als erheblich und knapp drei Prozent als existenzbedrohend. „Die finanziellen Verluste ziehen sich quer durch alle Bevölkerungsschichten“, erläutert Karsten Rusch, Experte für Wertpapieranlagen bei der Postbank. „Weder das Haushaltsnettoeinkommen noch der Bildungsabschluss haben einen Einfluss darauf, ob Befragte aktuell über weniger Einkommen verfügen oder nicht. Allerdings beeinflussen diese Merkmale das momentane Spar- und Anlageverhalten.“

 

Ungleiche Härte

 

19 Prozent aller Deutschen haben das Sparen angesichts der Corona-Pandemie eingeschränkt: Acht Prozent legen kein Geld mehr zurück und zehren gleichzeitig sogar ihre Ersparnisse auf, fünf Prozent bilden gar keine Rücklagen mehr und weitere fünf Prozent weniger als vor der Krise. Erstaunlich: Elf Prozent der Befragten sparen heute sogar mehr. Dies betrifft vor allem die junge Generation zwischen 16 und 29 Jahren. In dieser ohnehin schon sparfreudigen Altersklasse legt knapp jeder Sechste (18 Prozent) mehr Geld beiseite als vor der Corona-Krise. „Durch die Einschränkungen der vergangenen Wochen – geschlossene Restaurants und stornierte Urlaube – haben viele Menschen weniger ausgegeben. Diese freien Mittel werden nun genutzt, um sich ein zusätzliches finanzielles Polster anzulegen“, meint Karsten Rusch.

 

Sparen ist Luxus

 

Rücklagen zu bilden muss man sich allerdings auch leisten können. Jeder Siebte (14 Prozent) mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 2.500 Euro und höher legt heute mehr Kapital beiseite als vor der Corona-Krise. Unter den Befragten, denen monatlich weniger Geld zur Verfügung steht, spart nur jeder Zehnte (zehn Prozent) mehr als vor der Pandemie. Personen mit einem vergleichsweise geringen Einkommen stellen sogar überdurchschnittlich häufig das Sparen ein: Jeder siebte Befragte (15,4 Prozent) mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.500 Euro greift augenblicklich seine Ersparnisse an; von den Befragten, in deren Haushalt weniger als 1.500 Euro zur Verfügung stehen, betrifft dies bereits jeden Vierten (24 Prozent).

 

Menschen mit einem Einkommen von 2.500 Euro und mehr müssen dagegen derzeit nicht von ihren Ersparnissen leben – lediglich zwei Prozent geben an, dass sie aufgrund der Krise gezwungen sind, ihre Reserven anzugreifen. „Zwar trifft die Krise sämtliche Bevölkerungsschichten, finanziell Bessergestellte sind allerdings eher in der Lage, Einbußen abzufedern und Verluste auszugleichen“, meint der Postbank Experte. „Wer wenig Geld zum Sparen zur Verfügung hat, dem fehlen die finanziellen Reserven, um Geld langfristig etwa in Wertpapieren anzulegen. Chancen, die durch Kursschwankungen an der Börse entstehen, können so nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig verlieren die Ersparnisse auf dem Giro- oder Sparkonto durch die Inflation kontinuierlich an Wert, was den finanziellen Spielraum noch weiter verkleinert.“

 

Corona-Krise als Chance

 

Die sinkenden Börsenkurse ermutigen offensichtlich viele Sparer zum Kauf von Aktien und Fonds. Dies zeigt der Anteil der Wertpapierbesitzer, der im Vergleich zum Vorjahr auf dem hohen Niveau geblieben ist (30 Prozent); gleichzeitig vergrößerte sich der Anteil der besser situierten Anleger. Dies belegen die Zahlen der Vergleichsumfrage vom Juli 2019. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von über 2.500 Euro kauften 2020 bereits 41 Prozent der Befragten Fonds und Aktien. 2019 waren es nur 36 Prozent. Lag das Einkommen über 3.500 Euro, betrug der Anstieg sogar acht Prozentpunkte (2019: 37 Prozent; 2020: 45 Prozent). Bei einem Einkommen von unter 2.500 Euro investieren die Befragten mit 18 Prozent hingegen seltener in Wertpapiere (2019: 22 Prozent). Im Verlauf der Krise verlor der DAX zwischenzeitlich fast 40 Prozent an Wert – das haben Anleger mit den nötigen finanziellen Mitteln offenbar als Chance genutzt.

 

Mitten in der Krise

 

„Familien werden durch die Krise finanziell benachteiligt: Während nur 18 Prozent der Singlehaushalte finanzielle Verluste verzeichnen, haben 57 Prozent der Haushalte mit drei und mehr Personen mit Einbußen zu kämpfen“, erklärt Postbank Experte Karsten Rusch. Die Umfrage zeigt auch, dass Befragte zwischen 30 und 39 Jahren auffallend häufig finanzielle Einschränkungen hinnehmen müssen: 37 Prozent geben an, dass ihr Einkommen durch die Corona-Krise geschmälert wurde – der Durchschnitt liegt bei 21 Prozent. Jeder zehnte 30- bis 39-Jährige (zehn Prozent) berichtet von erheblichen, sieben Prozent sogar von existenzbedrohenden Einbußen. „Viele junge Familien haben bereits in normalen Zeiten ein eng kalkuliertes Budget. Durch die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen sind sie ganz besonders gefordert, Kinderbetreuung und Arbeitsalltag unter einen Hut zu bekommen – was offenbar häufig nicht ohne Einkommensverluste machbar ist“, so Karsten Rusch.

 

Umfrage: Das Geld der Deutschen liegt meist auf dem Girokonto

 

Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag von CHECK24 zeigt Einblicke in das deutsche Sparverhalten: 43 Prozent der Befragten gaben an, ihre Ersparnisse auf ihrem Girokonto angelegt zu haben. 29 Prozent legen derzeit kein Geld an und 19 Prozent halten ihr Vermögen unter anderem in Form von Bargeld.

 

Auf Tages- und Festgeldkonten greifen 24 Prozent zurück. 19 Prozent der Befragten sparen unter anderem mit Aktien und ETF-Fonds und drei Prozent in Form von (Staats-) Anleihen.*

 

"Im Zuge der Corona-Krise und den schwankenden Börsenkursen verwundert es nicht, dass viele Verbraucher ihr Geld auf dem Girokonto und unter dem Kopfkissen liegen haben", sagt Rainer Gerhard, Geschäftsführer Karten und Konten bei CHECK24. "Allerdings verlieren unverzinste Ersparnisse durch Inflation an Kaufkraft. Tages- und Festgeldkonten bieten eine echte Alternative."

 

Bestes einjähriges Festgeldkonto bietet 1,20 Prozent Zinsen

 

Unter den Laufzeiten bis ein Jahr bietet das bestverzinste Festgeldkonto im CHECK24-Vergleich Verbrauchern derzeit 1,20 Prozent Rendite: Legen sie 10.000 Euro an, erhalten sie innerhalb von zwölf Monaten eine Rendite in Höhe von 120 Euro. Für längere Laufzeiten liegen die Zinsen sogar noch höher.

 

"Sparer, die ihr Geld längerfristig und risikoarm anlegen möchten, profitieren von den zuletzt deutlich gestiegenen Festgeldzinsen", sagt Rainer Gerhard.

 

"Tagesgeld bietet die höchste Flexibilität für Anleger"

 

Für Verbraucher, die jederzeit über ihr Vermögen verfügen möchten, bieten sich Tagesgeldkonten an. Beim bestverzinsten Angebot erhalten Verbraucher 0,72 Prozent jährliche Rendite bei einer Anlagedauer von 120 Tagen und einem Anlagebetrag von 30.000 Euro unter Anrechnung von Neukundenvorteilen. Das ergibt einen Ertrag von knapp 72 Euro.

 

"Tagesgeld bietet die höchste Flexibilität für Anleger", erklärt Rainer Gerhard. "Dort können sie jederzeit auf ihr Vermögen zugreifen. Zugleich schützen von einigen Banken angebotene Zinsgarantien bis zu sechs Monate vor Zinsänderungen."

 

Top 10-Geldanlagen der Bundesbürger 2020

 

Die deutschen Sparer reagieren jetzt doch verstärkt auf die anhaltende Minizins-Situation. Das Sparbuch verliert als Geldanlageform deutlich an Attraktivität. Von der Umschichtung der Spargelder profitieren insbesondere Immobilien. Das ist das Ergebnis einer jährlichen Umfrage zum Sparverhalten der Deutschen. Kantar GmbH befragte dazu im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen erneut mehr als 2.000 Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren.

 

Vor einem Jahr legten 45 Prozent der Befragten ihr Geld auf einem Sparbuch an. Im März 2020 waren es nur noch 37 Prozent. Minus acht Prozentpunkte im Jahresverlauf: Das ist einmalig seit Start dieser speziellen Umfragereihe im Jahr 2013. Neu angelegt wurden Spargelder verstärkt in Immobilien. Hier war ein Plus von drei Prozentpunkten auf 25 Prozent zu verzeichnen. „Immobilien profitieren von ihrem Ruf als Betongold und Garant für Wertstabilität“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Christian König.

 

Wenig Bewegung gab es bei den anderen Geldanlageformen. Das Girokonto erreichte erneut 40 Prozent und rückte damit wieder auf die Spitzenposition vor. Nach dem Sparbuch auf Position 2 folgen auf den Plätzen 3 und 4 erneut Renten- und Kapitallebensversicherungen mit 28 Prozent nach 29 Prozent im Vorjahr und Bausparvertrag mit 27 Prozent nach zuvor 28 Prozent.

 

Nach Immobilien auf Platz 5 mit den erwähnten 25 Prozent nehmen kurzfristige Geldanlagen wie Tagesgeldkonten/Festgeldkonten/Termingelder mit unveränderten 22 Prozent Platz 6 ein. Platz 7 teilen sich mit 21 Prozent (2019: 22 Prozent) Investmentfonds und die Riester-Rente (2019: 20 Prozent).

 

Den vorletzten Platz belegen erneut Aktien mit 16 Prozent. Auch hier steht ein Plus von einem Prozentpunkt zu Buche. Auf dem 10. und letzten Platz stehen wie schon im Vorjahr Festverzinsliche Wertpapiere, die erneut 5 Prozent der Befragten nannten.

 

Corona-Pandemie verändert Sparverhalten der Deutschen massiv

 

"Sparen muss man sich leisten können" - was bislang eher als angestaubte Binsenweisheit galt, wird derzeit für mehr und mehr Deutsche angesichts der Corona-Pandemie und der wirtschaftlichen Folgen zur dramatischen Erfahrung. Vor wenigen Monaten im Oktober 2019 sagten noch drei Viertel der durch die norisbank bevölkerungsrepräsentativ Befragten, dass sie 2020 mehr oder zumindest genauso viel sparen wollen wie im Vorjahr. Ein Befragungsergebnis, das in den letzten drei Jahre auf hohem Niveau recht stabil war (2019: 72,6 Prozent; 2018: 74,0 Prozent; 2017: 73,7 Prozent). Und nun? Nach nur kurzer Zeit hinterlässt die Corona-Krise bei vielen deutliche Spuren: So hat in wenigen Wochen jeder sechste Deutsche offenbar seine Sparpläne aufgegeben. In einer aktuellen Befragung sagen bereits knapp 40 Prozent der Deutschen, dass sie künftig weniger oder gar nicht mehr sparen werden. Die Befragung zeigt: Der Sparwille der Deutschen sinkt erstmals seit drei Jahren und das sogar abrupt.

 

Ein wesentlicher Grund: Unsicherheit macht sich bei den Deutschen angesichts der jüngsten Erfahrungen und der noch nicht absehbaren Folgen der Corona-Pandemie breit. 45 Prozent der Deutschen, so das aktuelle Umfrageergebnis, möchten mit Blick auf ihre Finanzen erst einmal abwarten, wie sich die aktuelle Situation auf sie auswirken wird. Das hat Folgen - sowohl auf das Konsum- als auch vor allem auf das Sparverhalten. Plante vor der Krise noch jeder Fünfte eine größere Anschaffung in diesem Jahr, so tut dies aktuell nur noch jeder Sechste (www.norisbank.de/konsumplaene.html). Während im Oktober 2019 rund die Hälfte der Befragten (48,7 Prozent) noch angab, dass sie 2020 sogar mehr sparen wollen als 2019, sind es in der Corona-Krise nur noch 39,6 Prozent.

 

Bemerkenswertes weiteres Ergebnis der aktuellen Befragung: Trotz aller geäußerten Spar-Zurückhaltung und trotz der Skepsis der Befragten gegenüber künftig möglichen Wertsteigerungen bei Investitionen gewinnt die gezielte Zukunftsvorsorge wieder an Bedeutung - vor allem bei den 30- bis 39-Jährigen. Nur 25 Prozent von ihnen gaben vor der Corona-Pandemie an, mehr in ihren Vermögensaufbau (zum Beispiel Altersvorsorge, Bausparvertrag oder Aktien) investieren zu wollen. Nur wenige Monate später sind es aktuell 38,3 Prozent.

 

Sparbuch verliert in der Krise an Bedeutung

 

Die jüngste Befragung zeigt noch mehr erhebliche Veränderungen in den Köpfen der Befragten. Gefragt nach ihrer ersten Wahl bei der Anlage von Geld, gewinnt ein Investment in Aktien oder Fonds an Bedeutung: Trotz der dramatischen Entwicklungen an der Börsen in den letzten Wochen und dem historischen Börsen-Crash vor wenigen Wochen zeigt sich aktuell überraschenderweise ein leichter Anstieg von 16,9 Prozent auf 19,2 Prozent bei der Anlagebereitschaft in Wertpapiere. Und vor allem bei den 30- bis 39-Jährigen gibt es eine deutliche Steigerung - von 17,6 Prozent auf aktuell 27,9 Prozent.

 

Das Sparbuch verliert momentan hingegen deutlich an Bedeutung: Waren es im vergangenen Jahr noch 14,6 Prozent der Deutschen, die ihr Geld in diesem Jahr auf einem Sparbuch anlegen wollten, sind es angesichts der aktuellen Krise nur noch 10,6 Prozent. Besonders bei den 30- bis 39-Jährigen hat hier ein Umdenken eingesetzt: Nur noch 4 Prozent würden ihr Geld aufs Sparbuch legen - 2019 war ihre Bereitschaft noch viermal so hoch (16,5 Prozent)

 

Girokonto bleibt Nummer 1 "Geldanlage"

 

Für über ein Viertel aller Befragten (27,9 Prozent) ist und bleibt das Girokonto auch aktuell die Nummer 1 in Sachen Geldanlage - gerade in diesen Zeiten. So geben etwas weniger als die Hälfte von ihnen an, dass das aktuelle Zinsniveau ein Grund ist, ihr Geld einfach auf dem Girokonto zu belassen beziehungsweise es nicht anderweitig anzulegen (11,9 Prozent). Die andere Hälfte (16,0 Prozent) sieht in Anbetracht der Corona-Krise für sich und ihr Geld keine andere Wahl - und wohlmöglich ist vielen gerade in der aktuellen Situation die jederzeitige Verfügbarkeit des Guthabens besonders wichtig.

 

Wie sieht es bei den sparaffinen Deutschen hinsichtlich der Konsumorientierung aus? Fast halbiert hat sich in der kurzen Zeit seit Oktober letzten Jahres die Gesamtzahl derjenigen, die in 2020 weniger sparen wollen als in 2019, um sich im Alltag auch zwischendurch mehr zu gönnen (März 2020: 6,6 Prozent; Oktober 2019: 10,4 Prozent) - und das über alle Geschlechts- oder Altersgrenzen hinweg. Besonders auffällig ist die Zurückhaltung vor allem bei den 60- bis 69-Jährigen: 25,5 Prozent hatten sich noch Ende 2019 für 2020 vorgenommen, sich auch mal mehr zu gönnen. Aktuell sind es nur noch 9,1 Prozent.

 

Negativzinsen: Zahl der Banken in einem halben Jahr mehr als vervierfacht

 

Kommentar von Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH: "Eine Welle von Negativzinsen rollt übers Land. Seit dem 16. September 2019 hat sich die Zahl der Banken, die Negativzinsen in ihren Preisverzeichnissen ausweisen, mehr als vervierfacht. Damals hatte die Europäische Zentralbank (EZB) letztmals ihren Einlagezins gesenkt. Seitdem zahlen Banken auf ihre Einlagen bei der Notenbank 0,5 Prozent Strafzinsen. Immer mehr reichen diesen nun an ihre Kunden weiter.

 

Allein in diesem Jahr haben nach Verivox-Recherchen schon 35 Institute Negativzinsen eingeführt. Insgesamt verlangen derzeit mindestens 61 Banken und Sparkassen Negativzinsen.

 

Verivox recherchiert die Tagesgeldkonditionen für Privatkunden von rund 800 Banken. Das ist die größte Datenbank für aktuelle Tages- und Festgeldzinsen in Deutschland. Doch nicht alle Banken veröffentlichen Negativzinsen in ihren Preisaushängen. Einige treffen stattdessen individuelle Vereinbarungen mit ihren vermögenden Kunden. Tatsächlich dürften also sogar deutlich über 61 Banken Negativzinsen verlangen.

 

Im Oktober 2014 erhob zum ersten Mal eine Bank Negativzinsen von Privatkunden. Als die EZB im September 2019 ihre Zinsen senkte, waren es 13 Institute. Seit dem Notenbankentscheid nahm der Trend immer mehr Fahrt auf: In den dreieinhalb Monaten bis zum Jahreswechsel hatte sich die Zahl der Banken mit Negativzinsen bereits verdoppelt. In den knapp neun Wochen seit Jahresbeginn hat sie sich dann ein weiteres Mal mehr als verdoppelt.

 

Immer häufiger auch durchschnittliche Sparer betroffen

 

Lange Zeit waren ausschließlich vermögende Bankkunden mit einem Guthaben von 100.000 Euro von Strafzinsen betroffen. Doch diese Bastion ist gefallen. Inzwischen trifft es immer häufiger auch durchschnittliche Sparer. Aktuell räumen zehn Banken ihren Kunden weniger als 100.000 Euro Freibetrag auf dem Tagesgeldkonto ein - zwei davon erheben den Negativzins auf das gesamte Guthaben.

 

Sechs Institute verlangen Gebühren für das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto. Dadurch entsteht ein faktischer Negativzins - auch wenn die Banken im Preisverzeichnis einen Zinssatz von 0 Prozent ausweisen.

 

Neu eingeführte Minuszinsen gelten zunächst nur für Neukunden. Will eine Bank auch von ihren Bestandskunden Negativzinsen verlangen, muss sie dies individuell mit ihnen vereinbaren.

 

Null- und Negativzinsen sind kein Naturgesetz

 

Auch im derzeitigen Marktumfeld sind Null- und Negativzinsen kein Naturgesetz. Zwar liegt die durchschnittliche Tagesgeldverzinsung bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro mit 0,03 Prozent nur knapp über der Nulllinie. Doch Top-Anbieter zahlen immerhin 0,35 Prozent. Wer sein Geld für zwei Jahre fest anlegen kann, erhält in der Spitze 1,1 Prozent Zinsen. Damit lassen sich Kaufkraftverluste durch Inflation (Februar: 1,7 Prozent) zumindest spürbar begrenzen.

 

Die Chance auf höhere Renditen bietet der Aktienmarkt. Auf lange Sicht relativieren sich auch die Risiken. Wer in die Standardwerte des DAX investiert und seine Anteile mindestens 15 Jahre gehalten hat, musste noch nie Verluste hinnehmen und konnte sich im Schnitt über mehr als fünf Prozent Rendite pro Jahr freuen."

 

Deutschland bleibt sich treu - Sparwille auch 2020 ungebrochen

 

Wie die Deutschen auf die extreme Zinssituation reagieren

 

Auch wenn die Zahl der Sparwilligen wieder leicht sinkt - die Deutschen halten trotz der Niedrigzins-Politik der EZB eisern an ihren Sparplänen fest. Immer noch 72,6 Prozent (2018: 74,0 Prozent; 2017: 73,7 Prozent) der durch die norisbank im Rahmen der aktuellen Umfrage zum Jahresende 2019 bevölkerungsrepräsentativ Befragten wollen auch in 2020 mehr (48,7 Prozent; 2018: 51,2 Prozent; 2017: 52,6 Prozent) oder zumindest genauso viel sparen wie 2019 (23,9 Prozent; 2018: 22,8 Prozent; 2017: 21,1 Prozent) - Niedrigzins hin oder her.

 

Doch nicht einmal mehr jeder Vierte der Befragten glaubt angesichts des aktuellen Rekord-Niedrigzinsniveaus noch an Wertsteigerungen bei Investitionen in den eigenen Vermögensaufbau. Und das hat deutliche Konsequenzen auf die Akzeptanz bislang besonders bedeutender Formen der Geldanlage. Lediglich 22,2 Prozent (2018: 23,8 Prozent; 2017: 23,8 Prozent) wollen in diesem Jahr zum Beispiel in die Altersvorsorge, einen Bausparvertrag oder in Aktien investieren. Einzig die 18- bis 29-Jährigen scheinen den Gedanken an einen erfolgreichen Vermögensaufbau noch nicht aufgegeben zu haben: Mehr als ein Drittel (36,4 Prozent; 2018: 33,7 Prozent; 2017: 24,4 Prozent) möchte in diesem Jahr wieder mehr in die Altersvorsorge oder einen Bausparvertrag investieren.

 

Und auch die Konsumorientierung scheint sich zu verändern. Eine größere Anschaffung (zum Beispiel Haus-, Wohnungs- oder Autokauf) plant in diesem Jahr nur noch knapp jeder fünfte Deutsche (21,0 Prozent; 2018: 23,4 Prozent; 2017: 24,3 Prozent). Über zehn Prozent aller Befragten wollen künftig weniger sparen als 2019 und sich zum Beispiel im Alltag auch zwischendurch mehr gönnen (10,4 Prozent). Bei den Befragungen 2018 planten dies 9,5 Prozent und 2017 8,7 Prozent.

 

Skepsis gegenüber der mittelfristigen Zinsentwicklung

 

Was erwarten die Deutschen mit Blick auf die Rendite von Geldanlagen in den kommenden Jahren? Die Befragten sind nahezu unabhängig von Geschlecht und Alter skeptisch gegenüber der mittelfristigen Zinsentwicklung: Nur noch jeder Vierte (26,6 Prozent; 2018: 43,7 Prozent; 2017: 40,4 Prozent) rechnet in den kommenden fünf Jahren mit wieder steigenden Zinsen. Ernüchterung ist vor allem bei den älteren Befragten eingekehrt: Bei den 40- bis 49-Jährigen glaubt sogar nur noch jeder Fünfte (19,2 Prozent; 2018: 36,1 Prozent; 2017: 41,0 Prozent) an steigende Zinsen. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch bei den 50- bis 59-Jährigen (2019: 19,8 Prozent; 2018: 40,9 Prozent; 2017: 36,0 Prozent) sowie in noch stärkerem Ausmaß bei den 60- bis 69-Jährigen. In dieser Altersgruppe ist die Hoffnung auf steigende Zinsen mit nur 17,4 Prozent (2018: 46,9 Prozent; 2017: 37,9 Prozent) besonders gering.

 

Die Zahl derjenigen Befragten, die laut der aktuellen norisbank Umfrage von einem weiter sinkenden Zinsniveau ausgehen, erhöhte sich insgesamt sogar erheblich auf 34,4 Prozent. Ende 2018 und Ende 2017 waren dies nur jeweils knapp über 20 Prozent.

 

Das klassische Sparbuch erfreut sich weiterhin wachsender Beliebtheit

 

Trotz dieser negativen Erwartungshaltung ist das Sparbuch für mehr als jeden vierten 18- bis 29-Jährigen (25,4 Prozent) die bevorzugte Anlageform - weit vor Aktien oder Fonds (16,7 Prozent). Jedoch scheint langsam auch bei den jüngeren Befragten ein Umdenken einzusetzen: Angesichts der extremen Zinssituation, wächst die Bereitschaft in Aktien oder Fonds zu investieren sukzessive seit 2017. War damals nur jeder Zehnte (2017: 9,5 Prozent) in dieser Altersgruppe an dieser Anlageform interessiert, zeigt die Befragung zum Jahresende 2019, dass inzwischen bereits jeder Sechste 18- bis 29-Jährige Aktien und Fonds als eine wichtige Anlageform erkennt.

 

Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg sind für 16,9 Prozent der Befragten Aktien oder Fonds die Anlageoption Nummer eins, gefolgt vom Sparbuch (14,6 Prozent) und dem Tagesgeld-Konto (12,1 Prozent). Doch noch immer belassen viele Deutsche - konkret 17,2 Prozent (2018: 23,0 Prozent; 2017: 23,4 Prozent) - ihr Geld in Anbetracht des aktuellen Zinsniveaus auf dem Girokonto beziehungsweise legen es nicht anderweitig an. Und das, obwohl das Geld auf den Konten - auch mit Blick auf die stete Geldentwertung durch die Inflation - jeden Monat faktisch an Kaufkraft verliert.

 

Eine alternative Art mit der momentanen Zinssituation umzugehen, wählen 8,3 Prozent der Befragten: Sie planen ihr Geld aufgrund von drohenden Negativzinsen auf ihre Sparanlagen lieber einfach auszugeben. Vermutlich aus EZB-Perspektive mit Blick auf die Motive ihrer Zinspolitik ein erstaunlich kleiner Bevölkerungsanteil. Die Deutschen bleiben sich in ihrer Sparorientierung offenbar auch in extremen Zins-Zeiten treu.

 

Einlagensicherungsfonds mit neuer Sicherungsgrenze - Private Kunden bleiben in vollem Umfang geschützt

 

Zum 1. Januar 2020 setzt der freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes seine Reformvorhaben weiter um. Die Sicherungsgrenze wird von derzeit 20% auf 15% des jeweiligen Eigenkapitals der Bank angepasst. Da das Mindesteigenkapital einer Bank in Deutschland bei 5 Millionen Euro liegt, sind bereits in diesem Fall pro Kunde weiterhin 750.000 Euro geschützt. In den meisten Fällen liegt das Eigenkapital aber deutlich höher, so dass auch nach der Anpassung private Kunden in vollem Umfang geschützt bleiben.

 

„Der Schutz des privaten Kunden steht für den Einlagensicherungsfonds weiter im Vordergrund. Die Reformvorhaben stärken die Finanzkraft des Fonds“, sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. „Mit der geplanten Anpassung tragen wir der in den letzten Jahren deutlich gestiegen Eigenkapitalausstattung deutscher Banken Rechnung.“

 

Eine weitere Anpassung betrifft ausschließlich Firmen und institutionelle Kunden. Für diese werden ab dem 1. Januar 2020 Einlagen mit einer Laufzeit von mehr als 18 Monaten nicht mehr geschützt. Private Kunden und Stiftungen bleiben von dieser Regelung ausgenommen.

 

Die in den Jahren 2011 und 2017 beschlossenen Reformen des Einlagensicherungsfonds sind damit nahezu abgeschlossen. In einem letzten Schritt wird ab dem Jahr 2025 die Sicherungsgrenze auf 8,75 % abgesenkt. Die gesetzliche Einlagensicherung, die Guthaben bis zu 100.000 Euro schützt, bleibt von diesen Änderungen unberührt. Die Banken werden ihre Kunden in den nächsten Wochen über die anstehenden Anpassungen des Einlagensicherungsfonds informieren.

 

Jeder dritte Sparer hat sich für Aktien oder Fonds entschieden

 

Die Deutschen galten bislang als echte Börsen-Muffel. 2011 lag der Anteil der Aktien- und Fondsbesitzer bei lediglich 17 Prozent, so das Ergebnis einer Postbank Vergleichsumfrage zum Sparverhalten, die von Kantar Emnid umgesetzt wurde. Acht Jahre später knackt der Anteil der Wertpapierbesitzer erstmalig die 30-Prozent-Marke. „Dies ist eine erfreuliche Entwicklung“, meint Katrin Chrambach von der Postbank. „Im anhaltenden Niedrigzins bringen konservative Spareinlagen kaum noch Erträge. Wer Geld in Wertpapiere investiert, kann damit einen Inflationsausgleich erzielen.“ Zwar verwahrt die Mehrheit der Sparer ihr Geld nach wie vor auf dem Girokonto (49 Prozent) oder nutzt ein klassisches Sparkonto (32 Prozent) – aber Aktien und Fonds konnten auf Rang drei der beliebtesten Anlageformen vorrücken.

 

Ungenutzte Chance

 

Im Vergleich zu 2018 legen heute deutlich mehr 30- bis 39-Jährige Ersparnisse in Aktien und Fonds an: Ihre Zahl stieg von 26 Prozent auf 41 Prozent. Auch Befragte ab 60 Jahren trauen sich verstärkt an die Börse (2018: 21 Prozent; 2019: 32 Prozent). Ebenso gibt es unter den 16- bis 29-Jährigen mehr Wertpapierbesitzer. Gaben im Vorjahr lediglich sechs Prozent an, Geld in Aktien und Fonds zu investieren, sind es heute 16 Prozent. Trotz dieses großen Sprungs bleiben die jungen Befragten das Schlusslicht aller Altersgruppen. „Viele junge Sparer verschenken Chancen. Sie können mit einem langen Anlagehorizont planen und eventuell auftretende Kursschwankungen aussitzen. Daher ist eine Anlage in Wertpapieren, zum Beispiel in einem Fondssparplan, für sie besonders gut geeignet“, sagt Katrin Chrambach.

 

Kleine Beiträge, große Wirkung

 

Obwohl 16- bis 29-Jährige in der Regel über vergleichsweise geringe Einnahmen verfügen, sparen sie überdurchschnittlich häufig: 82 Prozent bilden Rücklagen, der Durchschnitt liegt bei 74 Prozent. Ihr Anlageverhalten ist jedoch nicht an Gewinnen orientiert: 64 Prozent parken das Geld auf dem Girokonto, 49 Prozent zahlen es auf ein klassisches Sparkonto ein und 36 Prozent verwahren es zu Hause. „Auch mit kleineren Beträgen kann man von den Chancen an der Börse profitieren, zum Beispiel mit einem Fondssparplan. Den kann man bereits ab einer Einzahlung von 25 Euro im Monat abschließen“, erklärt die Postbank Expertin. „Ein Fondssparplan ist flexibel, man kann die Höhe der Zahlungen an die aktuelle finanzielle Situation anpassen und zu einem beliebigen Zeitpunkt kündigen. Wichtig ist, dass nur der Teil der Ersparnisse angelegt wird, auf den man langfristig verzichten kann.“ Besonders zu empfehlen seien sogenannte Indexfonds, auch ETFs genannt. Sie bilden einen bestimmten Index ab – zum Beispiel den Deutschen Aktienindex oder die Aktien der weltweit führenden Unternehmen –, sind sehr breit gestreut und vergleichsweise günstig.

 

Heimlicher Negativzins – Realrendite seit 3 Jahren unter Null

 

„Mit der Lockerung ihrer Geldpolitik und dem erneuerten Anleihekaufprogramm zementiert die Europäische Zentralbank das historische Zinstief.

 

Realzinsindex zeigt: Negativzinsen sind längst Realität

 

Im Zuge des EZB-Entscheids hat auch die Diskussion um Negativzinsen auf private Sparguthaben wieder an Fahrt aufgenommen. Null Prozent – das ist die neuralgische Grenze, die sich noch immer kaum eine Bank zu unterschreiten wagt.

 

Psychologisch hat die Null-Prozent-Grenze für Sparer herausragende Bedeutung. Doch de facto sind Negativzinsen längst Realität. Der Verivox-Realzinsindex zeigt: Beim 10-jährigen Festgeld liegt die durchschnittliche Realrendite – also der nominelle Zins abzüglich der jeweils aktuellen Teuerungsrate – seit drei Jahren im negativen Bereich. Der Realzins von Tagesgeld und 2-jährigem Festgeld ist schon einige Monate länger negativ.

 

Ein negativer Realzins bedeutet, dass die Inflation größer als der Anlagezins ist und dass Anleger an Kaufkraft einbüßen. Der durchschnittliche Realzins für Tagesgeld liegt aktuell bei -1,35 Prozent. Wer 10.000 Euro anlegt, büßt damit in einem Jahr 135 Euro Kaufkraft ein.

 

Doch Sparer sind negativen Realzinsen nicht völlig hilflos ausgeliefert. Wer Angebote vergleicht und sein Geld bei Top-Banken anlegt, vermeidet unnötige Kaufkraftverluste.

 

Verivox hat die aktuellen Tages- und Festgeldkonditionen von rund 800 Banken recherchiert: Die bestverzinsten Tagesgelder bringen derzeit immerhin 0,8 Prozent Zinsen. Damit lassen sich Kaufkraftverluste zumindest deutlich reduzieren. Mit 2-jährigem Festgeld können Anleger sogar einen positiven Realzins erwirtschaften. Top-Angebote bringen aktuell 1,65 Prozent Zinsen – immerhin 0,25 Prozentpunkte über der Inflation.

 

Kreditnehmer sind die Nutznießer des Zinstiefs

 

Anders als Festzinssparer sind Kreditnehmer die großen Profiteure der anhaltenden Niedrigzinsphase. Der Durchschnittszins für Ratenkredite mit 4-jähriger Laufzeit liegt aktuell bei 4,62 Prozent – vor fünf Jahren waren es noch 6,02 Prozent. Bei den günstigsten Banken muss die Mehrheit der Ratenkreditnehmer für ein Darlehen über 10.000 Euro aktuell nur 2,48 Prozent Zinsen zahlen.“

 

Verbraucherzentrale: Verbot von Strafzinsen ist eine Scheinlösung

 

Statement von Klaus Müller, Vorstand des vzbv, zum möglichen Verbot von Negativzinsen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer. Nun schaltet sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein und prüft ein entsprechendes Verbot. Dazu ein Statement von Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv):

 

„Ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer ist gut gemeint, aber eine Scheinlösung. Bereits jetzt sind Negativzinsen bei bestehenden Verträgen aus Sicht des vzbv rechtswidrig. Banken und Sparkassen können dagegen Gebühren für Girokonten erhöhen, was sie bereits vielfach tun. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das, dass der effektive Zins für diese Konten heute schon oft negativ ist.

 

Dass Banken für ihre Konten Gebühren verlangen, ist legitim. Wichtig ist aber ein funktionierender Wettbewerb für die Preise von Girokonten. Verbraucher müssen bei Bedarf schnell und einfach wechseln können. Eine unabhängige Vergleichsplattform für Girokonten, wie sie eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist, fehlt bis heute. Ein weiteres Problem ist, dass die gesetzliche Kontowechselhilfe nicht ausreichend gut funktioniert.

 

Handlungsbedarf besteht darüber hinaus bei Restschuldversicherungen und Fehlanreizen durch Provisionen bei Finanzanlagen.“

 

Negativzinsen auf Einlagen: 112 Banken und Sparkassen kassieren ein "Verwahrentgelt"

 

Die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Diskussion um Negativzinsen neu entfacht. Egal ob Genossenschafts- oder Sparkassenverband - Spitzenvertreter von beiden Seiten warnten jüngst die EZB vor weiteren Zinssenkungen und schlossen flächendeckende Strafzinsen für Kleinsparer nicht mehr aus.

 

Schon jetzt erheben 30 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt für vermögende Privatkunden, zum Teil schon für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. Das ist das vorläufige Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Verbraucherportals biallo.de unter gut 1.200 Banken und Sparkassen, an der sich bislang rund 170 Geldhäuser beteiligt haben.

 

Im Firmenkundengeschäft sind es sogar 108 Institute, die hohe Kundeneinlagen mit einem Verwahrentgelt bepreisen. Da darunter auch viele Geldhäuser zu finden sind, welche Negativzinsen für Privatkunden erheben, beläuft sich die Zahl insgesamt auf 112 Banken und Sparkassen, die einem Teil ihrer Kunden Negativzinsen in Rechnung stellen. Dabei gilt meist ein bestimmter Freibetrag. Das Verwahrentgelt wird dann für den übersteigenden Betrag kassiert.

 

Die überwiegende Mehrheit - 84 Prozent der von biallo.de erfassten Geldhäuser - gibt den negativen Einlagezins der EZB in Höhe von minus 0,40 Prozent eins zu eins weiter. Das ist der Strafzins, den die Institute zahlen müssen, wenn sie kurzfristig überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Die meisten Banken und Sparkassen mit Strafzinsen finden sich in Nordrhein-Westfalen (29), Bayern (26) und Baden-Württemberg (14). 

 

Studie: Jugendliche vertrauen auch in Sachen Geldanlage auf Youtube

 

Fast Dreiviertel derjenigen, die sich online oder über soziale Medien über Themen und Trends informieren, nutzen dafür Youtube. Auch beim Thema Geldanlage hat der Kanal stark an Bedeutung gewonnen. Haben sich 2016 nur sieben Prozent auf Youtube über Bankprodukte informiert, so sind es jetzt bereits 20 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt die comdirect Jugendstudie, für die im Januar 2019 bundesweit 1.600 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt wurden.

 

Nur jeder Zweite tauscht sich im Freundeskreis zu aktuellen Themen aus

 

Online schlägt offline: Geht es darum zu erfahren, was im eigenen Umfeld oder in der Welt passiert, so informieren sich 60 Prozent der Befragten allgemein im Internet, 42 Prozent in den sozialen Medien. Nur jeder zweite Jugendliche fragt in seinem Freundeskreis nach aktuellen Themen und Trends; in der Familie spricht nicht einmal jeder Dritte darüber. Signifikant abgenommen hat die Bedeutung von Zeitungen und Zeitschriften: 2016 gaben noch 37 Prozent der jungen Menschen an, sich darüber zu informieren – aktuell tut dies nur noch jeder Vierte.

 

Bei Bankprodukten schätzen junge Frauen auch den persönlichen Dialog

 

In Sachen Geldanlage informieren sich Jugendliche nach wie vor am liebsten in der Familie. Dies gilt vor allem für junge Frauen: Sie schätzen den persönlichen Austausch zu Bankprodukten und informieren sich hauptsächlich in der Familie (42 Prozent), in der Bankfiliale (36 Prozent) sowie bei Freunden und Bekannten (31 Prozent).

 

Aber auch digitale Quellen gewinnen zunehmend an Bedeutung, insbesondere Youtube: Erwarben 2016 erst sieben Prozent der Befragten ihre Finanzkenntnisse darüber, so sind es 2019 bereits 20 Prozent. Vor allem bei den männlichen Jugendlichen findet Youtube großen Anklang (26 Prozent gegenüber 13 Prozent bei den weiblichen Befragten). Auch über Blogs informieren sich mehr als doppelt so viele junge Männer wie Frauen (19 Prozent gegenüber 8 Prozent).

 

Wissen zu Geldanlagen über möglichst viele Kanäle verbreiten

 

„Junge Menschen nutzen die ihnen vertrauten digitalen Kanäle zunehmend auch dazu, sich über Finanzthemen zu informieren“, so Arno Walter, Vorstandsvorsitzender von comdirect. „Mit unserer Website, der Online-Akademie, unserem Blog oder auch Podcasts haben wir ein breites Informationsangebot, was auch gut angenommen wird.“ Der in der comdirect Jugendstudie erkennbare Unterschied im Informationsverhalten zwischen jungen Männern und junge Frauen macht aber auch deutlich, dass es eine Vielzahl an Kanälen braucht, um möglichst viele Menschen zu erreichen. „Mit unserer Initiative finanz-heldinnen beispielsweise richten wir uns gezielt an Frauen und bieten in After Works und über Social Media die Möglichkeit zum persönlichen und digitalen Erfahrungsaustausch“, so Walter.

 

Rentner: Sinnvoll „entsparen“

 

62 Prozent der Rentner haben sich während ihres Berufslebens ein finanzielles Polster für den Lebensabend aufgebaut, so eine aktuelle Postbank Umfrage.

 

Wie legt man die Rücklagen im Alter am besten an und wie verbraucht man sie planvoll?

 

Die private Altersvorsorge wird stets genannt, wenn Berufstätige nach ihren Sparzielen gefragt werden. Daher erstaunt es nicht, dass die Mehrheit der deutschen Rentner (62 Prozent) während ihres Berufslebens Geld auf die hohe Kante gelegt hat. Dies ergibt eine aktuelle Kantar-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank unter 562 Rentnern ab 50 Jahren.

 

Wofür ausgeben?

 

Da ist er endlich, der Ruhestand – doch was tun mit dem angesparten Geld? 34 Prozent der Rentner betrachten die Ersparnisse in erster Linie als Notfallreserve, zwölf Prozent nutzen sie, um ihren Lebensabend zu genießen. Zehn Prozent leben hauptsächlich von ihren Rücklagen und sechs Prozent planen, sie ihren Nachkommen zu schenken oder zu hinterlassen. Knapp jeder zweite Rentner (47 Prozent) greift auf Teile seiner Ersparnisse zu, um alltägliche Ausgaben zu bestreiten.

 

Wie viel verbrauchen?

 

Viele Ruheständler können sich neben Guthaben auf Sparbüchern, Tages-, Festgeld- und Depotkonten über eine stattliche Auszahlung aus einer Kapitallebensversicherung freuen. Vielleicht kommt auch noch eine Erbschaft obendrauf. Egal woher das Geld stammt – möchten sie es als Zubrot zur gesetzlichen Rente verwenden, sollten Rentner klug planen, damit die Ersparnisse nicht vorzeitig aufgezehrt werden. „In jedem Fall sollte ein Teil der Ersparnisse als Notfallreserve für unvorhergesehene Ausgaben beiseitegelegt werden“, empfiehlt Karsten Rusch von der Postbank. Von einer Summe von 60.000 Euro können Senioren über einen Zeitraum von 30 Jahren zehren. Bei einer Verzinsung von null Prozent können monatlich 167 Euro abgehoben werden, bis das Ersparte verbraucht ist. Bei einer Verzinsung von zwei Prozent sind es 221 Euro, bei vier Prozent 284 Euro monatlich. Diese Berechnungen berücksichtigen allerdings noch keine steuerlichen Aspekte.

 

Wie anlegen?

 

Angesichts der derzeitigen Zinssituation ist es nicht möglich, nennenswerte Erträge mit konservativen Geldanlagen wie Festgeld- oder Tagesgeldkonten zu erzielen. „Mit zunehmendem Alter sollte Sicherheit bei der Geldanlage jedoch eine zentrale Rolle spielen. Dennoch müssen Rentner nicht auf eine Investition in Wertpapiere verzichten, falls sie über ausreichende und sichere Einnahmen verfügen“, sagt der Postbank Experte. Ein Patentrezept gebe es allerdings nicht, da die Wahl der passenden Geldanlage von der persönlichen Lebenssituation und den Vermögensverhältnissen abhängig sei. Karsten Rusch empfiehlt: „Eine interessante Option für sicherheitsorientierte Anleger kann der Abschluss einer ‚Sofortrente‘ sein.“ Knapp 14 Prozent der über 50-jährigen Rentner erhalten heute Zahlungen einer solchen sofort beginnenden Rente, bei den weiblichen Rentnern sind es sogar 19 Prozent, so die Postbank Umfrage. Dabei zahlt man einmalig Geld in die Rentenversicherung ein und erhält im Gegenzug lebenslang eine garantierte Zahlung sowie eine Überschussbeteiligung. „Wer sichergehen will, dass das Geld im Alter nicht ausgeht, sollte sich für eine Rentenversicherung mit entsprechender Garantie entscheiden“.

 

Top 10-Geldanlagen der Bundesbürger 2019 - Sparbuch wieder vor Girokonto

 

„Sicherheit zuerst“ – die Minizinsen ändern an dieser Einstellung der deutschen Sparer 2019 nichts. Das ist das Ergebnis einer jährlichen Umfrage zum Sparverhalten der Deutschen. Kantar TNS befragte dazu im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen erneut mehr als 2.000 Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren.

 

Im Unterschied zu 2018 erreicht das Sparbuch 2019 aber wieder die Spitzenposition. 45 Prozent der Befragten sparen damit Geld – nach 41 Prozent im Vorjahr. Das Girokonto, das 2018 mit 41 Prozent erstmals die Nummer 1 war, erreicht jetzt 40 Prozent. „Offensichtlich entscheiden sich trotz Minizinsen wieder verstärkt Sparer für Neuanlagen statt eine Zinswende abzuwarten“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Christian König, dieses Ergebnis. 

 

Dicht beisammen folgen auf den Plätzen 3 und 4 Renten- und Kapitallebensversicherungen mit unverändert 29 Prozent und Bausparen mit 28 Prozent nach 29 Prozent im Jahr 2018.

 

Platz 5 ist mit 22 Prozent drei Mal vergeben: Immobilien erreichen diesen Wert – verloren jedoch einen Prozentpunkt gegenüber dem im Vorjahr. Gleiches gilt für kurzfristige Geldanlagen wie Tagesgeldkonten/Festgeldkonten/Termingelder. Um einen Prozentpunkt auf 22 Prozent zulegen konnten Investmentfonds.

 

Die Riester-Rente legt einen Prozentpunkt zu und kommt jetzt auf 20 Prozent. Den vorletzten Platz belegen erneut Aktien mit 15 Prozent. Hier steht aber immerhin ein Plus von 2 Prozentpunkten zu Buche.

 

Auf dem 10. und letzten Platz stehen unverändert Festverzinsliche Wertpapiere, die nur noch 5 statt 6 Prozent der Befragten nennen.

 

Aufgeld/Agio: Im Einkauf liegt bekanntlich der Gewinn- das sollten auch Fondsanleger beachten!

 

Private Fondsanleger unterschätzen sehr oft welch ein bedeutender Kostenfaktor ein Ausgabeaufschlag darstellt. Im Durchschnitt werden 5% gefordert. Mit dem Ausgabeaufschlag werden Kosten für Gebühren, Vertrieb und Verwaltung gedeckt. Da der gezahlte Ausgabeaufschlag nicht der Fondsgesellschaft zufließt, wirkt sich das negativ aus die Rendite für den Anleger aus.

 

Ausgabeaufschlag gezahlt? Jetzt zurückfordern!

 

Wie kritische Fondsanleger eine "Zusatzrendite" erzielen können. Häufig zahlen Privatanleger für Investmentfonds Ausgabeaufschläge. Von Beginn an verlieren sie damit bis zu 5 % ihrer Investition oder mehr, die sie im Vergleich zu einer Anlage ohne diesen Ballast bisher nicht wieder aufholen konnten.

 

•             Die hier berichtende BSZ e.V. Anlegerschutzkanzlei geht für ihre Mandanten gegen diese Praxis vor und verschafft ihnen im Erfolgsfall als "Zusatzrendite" einen Ausgleich ihres Verlusts.

 

•             Nach Analyse der Gesetzeslage durch dieser Kanzlei dürfte nämlich jeder, der bei einem offenen Aktien -, Renten -, Immobilien - oder sonstigen Fonds ein solches Aufgeld/Agio gezahlt hat, vollständige Erstattung nebst Verzinsung beanspruchen können.

 

•             Gute oder schlechte Bank - oder sonstige Beratungen oder die Anschaffung aus eigenem Anlageentschluss, erfreuliche oder desillusionierende Kursentwicklungen, der Wiederverkauf der Anlage, etc., beeinflussen die Rechtslage nicht.

 

•             Anspruchsbegründend ist allein die Berechnung eines Ausgabeaufschlags, dokumentiert durch die schriftliche Bestätigung des Fondskaufs oder eine vergleichbare Unterlage. Eine zeitliche Begrenzung der Durchsetzbarkeit von Forderungen setzen von Fall zu Fall unterschiedlich lange Verjährungsfristen, etwa §§ 195 und 199 BGB.

 

Nachhaltige Geldanlage: Auch mit gutem Gewissen sind gute Renditen möglich

 

ETF liegen im Trend, doch mit diesen Fonds investiert man sein Geld auch in Rüstung, Atomkraft oder in die Tabakindustrie. Wer ethisch und ökologisch korrekt anlegen möchte, kann in  nachhaltige ETF und bei nachhaltigen Banken investieren, empfiehlt Finanztest. Mit dem passenden Portfolio waren in den letzten fünf Jahren Renditen von mehr als sechs Prozent pro Jahr möglich.

 

Groß ist das Angebot ethischer ETF noch nicht. Nur zwei nachhaltige ETF, die den Weltaktienmarkt abbilden, sind älter als fünf Jahre.

 

In diesen fünf Jahren kostete das gute Gewissen ein wenig Rendite. So ergab ein nachhaltiges Portfolio, ein Mix aus einem nachhaltigen Welt-Aktien-ETF mit nachhaltigem Tagesgeld, eine Rendite von 6,4 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Das konventionelle Welt-Aktien-Investment erbrachte gemischt mit Tagesgeld 6,7 Prozent pro Jahr. Doch das muss nicht immer so bleiben. In den letzten drei Jahren schnitt die nachhaltige Variante sogar etwas besser ab als die konventionelle.

 

Mit rund 400 bzw. 500 Werten streuen die nachhaltigen ETF ihre Anlagen nicht so breit wie der MSCI World mit gut 1600 Werten, aber die Streuung ist immer noch breit. Die beiden ETF folgen dem Best-In-Class-Prinzip: Nur die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche sind darin vertreten. Bestimmte Firmen wie Waffenproduzenten werden komplett aussortiert.

 

Die vollständigen Berechnungen, eine Übersicht über die geeigneten ETF, deren ethische Ausschlusskriterien und wo man sie günstig kaufen kann, sowie Infos zu den ethischen Banken, die Tagesgelder mit positiver Rendite anbieten, all das findet sich in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und unter www.test.de/oeko-fonds.

 

Frauen haben hohes Sicherheitsbedürfnis in der Geldanlage

 

62 Prozent der Frauen sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder sogar sehr zufrieden. „Noch nie war die finanzielle Zufriedenheit so hoch wie jetzt“, sagte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), anlässlich der Vorstellung des Vermögensbarometers 2018 in Berlin. Allerdings stehen besonders Frauen in Sachen Geldanlage vor Herausforderungen. Die Anlagepräferenzen von Frauen waren dieses Jahr Fokusthema bei der Befragung zum Vermögensbarometer.

 

Frauen tendieren zu stabilen, wenig renditestarken Anlageformen

Zwar ist bei beiden Geschlechtern die Zahl derer, die sich vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank um ihr Erspartes sorgen, deutlich gesunken. Aber lediglich 35 Prozent der Frauen haben reagiert und ihr Sparverhalten entsprechend angepasst. Bei Männern sind es 7 Prozentpunkte mehr, die Maßnahmen ergriffen haben.

 

Zudem reagierten nur 15 Prozent der Frauen auf die niedrigen Zinsen mit einem Wechsel der Anlageprodukte (Männer: 22 Prozent). Im Gegensatz zu den Männern sehen sie Investment- und Immobilienfonds eher weniger als geeignete Geldanlage in diesen Zeiten an. Ein Grund dafür könnte sein, dass 46 Prozent der Frauen, aber nur 29 Prozent der Männer ihr Wertpapierwissen als schlecht oder sogar sehr schlecht einschätzen. Für eine geeignete Geldanlage in Zeiten niedriger Zinsen halten Frauen dagegen mit 41 Prozent Immobilien – hier überragen sie die Männer um satte 18 Prozentpunkte.

 

Die Tendenz der Frauen zu weniger renditestarken Anlageprodukten spiegelt sich auch bei der Frage nach den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Geldanlage wider: Für mehr Frauen (48 Prozent) als Männer (41 Prozent) ist Sicherheit das wichtigste Merkmal. Rendite und Verfügbarkeit sind ihnen weniger wichtig als den Männern. Sie sparen im Vergleich also deutlich konservativer.

 

Dieses konservative Sparverhalten kann allerdings nicht nur in Zeiten niedriger Zinsen, sondern auch angesichts von Inflationserwartungen langfristig für Probleme sorgen. „Damit laufen Frauen insgesamt eher Gefahr, dass sie inflationsbereinigt schlicht Geld verlieren“, so DSGV-Präsident Schleweis. 

 

Unseriöse Trading-Angebote im Internet

 

Anbieter ködern Verbraucher mit lukrativen Anlagegeschäften und Kursspekulationen

 

Satte Gewinne beim Handel von Differenzkontrakten (CFD) und am Devisenmarkt (Forex-Trading) versprechen Handelsplattformen im Internet. Den Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen liegen Beschwerden zu 43 verschiedenen Plattformen vor. Oft machen Verbraucher nach anfänglichen Gewinnen nur noch Verluste, die Anbieter verzögern oder verweigern die Auszahlung der Gewinne oder reagieren schließlich gar nicht mehr. Seit Aufsichtsbehörden den Vertrieb Binärer Optionen an Privatanleger verboten haben, beobachten die Marktwächter-Experten, dass von dort bekannte Anbieter zu CFD- und Forex-Trading gewechselt sind.

 

CFD steht für Contract for Difference (Differenzkontrakt). Anleger spekulieren dabei auf die Kursentwicklung eines bestimmten Basiswerts (zum Beispiel einer Aktie oder Kryptowährung). CFDs bergen hohe Verlustrisiken. Beim Forex-Trading setzen Anleger auf Veränderungen von Wechselkursen. Depots zum Handel kann man auf verschiedenen Trading-Plattformen eröffnen.

 

Alte Masche mit neuen Produkten

 

Wie Verbraucher schildern, sind die Maschen, mit denen auf diesen Plattformen gelockt werden, oft ähnlich. Anfangs wird ein kleines Startkapital von meist 250 Euro oder Dollar gefordert. Anleger berichten, dass sie zunächst Gewinne machten und ein „persönlicher Broker“ sie überzeugt habe, mit höheren Einzahlungen mehr Gewinne zu erzielen. Die vorliegenden Fälle zeigen: Sobald dann eine höhere Summe auf dem Konto der Trading-Plattform eingegangen ist, fangen die Probleme an. „Die Auszahlung von Guthaben wird verschleppt, die ‚persönlichen Broker‘ sind dann meist nicht mehr erreichbar. Oder sie belästigen Verbraucher, die aus dem Handel aussteigen möchten, mit Telefonanrufen“, berichtet Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen.

 

Seriosität vorgetäuscht

 

Mit aufwändigen Internetseiten, die persönliche Erfolgsgeschichten erzählen, prominenten Namen oder durch die Verwendung von Logos bekannter Medien täuschen die Anbieter Seriosität vor. Ein Impressum suchen Verbraucher auf den Seiten aber meist vergeblich. Da etliche dieser Plattformen im Ausland registriert sind, haben Verbraucher kaum eine Chance, an ihr Geld zu kommen.

 

Nach Verboten weichen Anbieter auf neue Produkte aus

 

„Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA den Vertrieb von Binären Optionen an Privatanleger verboten haben, wechseln manche Anbieter offensichtlich einfach zu CFD- und Forex-Trading“, berichtet Brandes. „Teilweise begegnen uns hier dieselben Anbieternamen wieder.“ Im August hat die BaFin Verbraucher auch vor Geschäften mit Differenzkontrakten gewarnt, die auf Plattformen ohne EU-Lizenz abgewickelt werden. Ob Anbieter eine Zulassung für die EU haben, können Verbraucher in der Unternehmensdatenbank https://www.bafin.de/DE/PublikationenDaten/Datenbanken/Unternehmenssuche/unternehmenssuche_node.html%20 der BaFin erfahren.

 

Achtung: Steuersparfalle!

 

Zu den liebsten Hobbys der Deutschen zählt das Steuersparen. Diese Haltung beeinflusst auch die Entscheidung bei der Wahl einer Geldanlage. Das hat eine aktuelle Postbank Umfrage ermittelt. Doch Vorsicht: Viele dieser Steuersparmodelle sind riskant oder werfen einen unterdurchschnittlichen Ertrag ab.

 

Damit kann man Steuern sparen? Dann nehme ich es! Heftet einer Geldanlage das Etikett „Steuersparmodell“ an, ist dies für viele Anleger ein gutes Argument, sich dafür zu entscheiden: Jeder achte Deutsche (13 Prozent) hält die Möglichkeit, Steuern zu sparen, für ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl einer Anlage. Dies ergibt eine aktuelle TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank. Die Steuerlast drücken zu wollen ist ein legitimes Ansinnen – schließlich bleibt dem Durchschnittsverdiener nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben nur noch rund die Hälfte seines Bruttoeinkommens. Doch viele Anlageformen, die mit steuerlichen Vorteilen locken, sind nicht ohne Risiko. Dazu gehören auch geschlossene Fonds, die etwa in ein Einkaufszentrum, ein Containerschiff oder einen Kinofilm investieren. Fährt das Unternehmen Verluste ein oder floppt das Projekt, haftet der Anleger für Verluste bis zur Höhe seiner Einlagen. Auch der Erwerb von Anteilen an einer vermieteten Immobilie über einen offenen Immobilienfonds lockt mit steuerlichen Erleichterungen und ist für viele angesichts der aktuell niedrigen Anlage- und Darlehenszinsen attraktiv. Allerdings ist der wirtschaftliche Erfolg eines Fonds von zahlreichen Faktoren abhängig und meist schwer kalkulierbar.

 

Mehr Gewinn statt Steuern sparen

 

Durch eine Gesetzesreform werden seit Anfang des Jahres die Erträge aus Fonds steuerlich unterschiedlich hoch belastet – je nachdem, in welche Märkte der Fonds überwiegend investiert. Während beispielsweise nur 30 Prozent der Ausschüttungen eines Aktienfonds steuerfrei bleiben, sind 80 Prozent der Erträge eines ausländischen Immobilienfonds freigestellt. Doch dies ist kein Grund, Immobilienfonds nun per se zu bevorzugen: „Oftmals verpufft der Steuerspareffekt, weil die steuerbegünstigte Geldanlage unter Umständen eine geringere Rendite abwirft“, gibt Katrin Chrambach von der Postbank zu bedenken. „Bei der Anlageentscheidung sollte man daher die steuerlichen Aspekte außen vor lassen und sich an den Ertragschancen orientieren.“

 

Zum Weltspartag: Wie Sparer den Niedrigzinsen trotzen können

 

Am 30. Oktober war Weltspartag, der zum Sparen anregen soll. Noch vor wenigen Jahren gab es für Sparer ordentlich Zinsen aufs Sparbuch oder Tagesgeld. Heute ist es nicht mehr ganz so einfach, eine sichere Rendite zu erzielen. Aber es ist möglich, Sparer müssen jedoch etwas mehr dafür tun. Der gemeinnützige Verbraucher-Ratgeber Finanztip zeigt, wie es geht.

 

Dank Tagesgeld nicht in den Dispo rutschen

 

"Wer spart, tut dies auch für schlechtere Zeiten", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip. Sein Tipp: Verbraucher sollten sich ein finanzielles Polster anschaffen, um bei ungeplanten Ausgaben nicht zu straucheln. "Ich empfehle zwei bis drei Monatsgehälter auf ein Tagesgeldkonto zu packen, um nicht in den Dispo zu rutschen, wenn mal der Kühlschrank ausfällt oder das Auto kaputt geht", erklärt Tenhagen. Denn die Banken verlangen trotz Niedrigzinsen für den Dispokredit noch immer saftige Zinsen, manche mehr als 10 Prozent.

 

Mit Festgeld für Geplantes sparen

 

Aber es geht nicht nur darum, für ungeplante Ausgaben gewappnet zu sein. "Viele Anschaffungen sind planbar, etwa die neue Küche", sagt Tenhagen. "Um dafür keinen teuren Kredit aufnehmen zu müssen, empfehlen wir zwei bis drei Monatseinkommen auf einem Festgeldkonto anzulegen." Dort erhalten Sparer aktuell mehr als 1 Prozent, müssen dafür allerdings auch ihr Erspartes für eine bestimmte Zeit binden. Bei sicheren Banken gibt es aktuell für zwei Jahre 1,1 Prozent Zinsen, ab 3 Jahren 1,2 Prozent.

 

Langfristig mit Indexfonds Vermögen aufbauen

 

Wer Vermögen aufbauen möchte und das Geld längere Zeit nicht benötigt, kommt in der Niedrigzinsphase an Aktien nicht vorbei. "Um hier nicht auf das falsche Pferd zu setzen, sollten Sparer in Indexfonds investieren", sagt Tenhagen. Diese Fonds enthalten Aktien von sehr vielen Unternehmen, die in einem Index gelistet sind. So droht kein Verlust, wenn es einem einzelnen Unternehmen schlecht geht. Hinzu kommt, dass Indexfonds sehr geringe Verwaltungskosten haben. "Wichtig ist, dass Anleger mindestens 10, besser 15 Jahre Zeit haben, um in Indexfonds zu investieren", sagt Tenhagen. "Über die lange Anlagedauer können etwaige Verluste am Aktienmarkt ausgeglichen werden."

 

Riestern und dabei Förderung mitnehmen

 

Für die Altersvorsorge können Sparer auch mit einem staatlich gefördertem Produkt wie einem Riester-Sparplan sparen. "Weil der Staat etwas dazugibt, ist eine Mindest-Rendite garantiert", sagt Tenhagen. "Insbesondere Familien mit Kindern profitieren wegen des hohen Kinderzuschlags." Aber auch für Alleinverdiener mit einem Einkommen ab 40.000 Euro kann Riestern aufgrund der hohen Steuerersparnis eine lohnende Geldanlage sein. Allerdings gibt es sehr viele verschiedene Riester-Produkte. Sparer müssen sich deshalb vorab genau informieren, um ein günstiges und für sie passendes Produkt zu finden. 

 

Hebelprodukte bieten Anlegern große Chancen aber auch ein hohes Risiko

 

Hebelprodukte polarisieren wie kaum ein anderes Produkt auf den Finanzmärkten. Das liegt an den hohen Gewinnchancen auf der einen Seite und dem hohen Verlustrisiko andererseits.

 

Niemand anderes als Warren Buffett hat vor Jahren Derivate mal als finanzielle Massenvernichtungswaffen bezeichnet. Diese Einstellung muss man nicht teilen und eine differenziertere Betrachtungsweise von Derivaten und Hebelprodukten ist sicher möglich. Die Aussage des Investment-Meisters zeigt aber dennoch, dass Derivate ein äußerst risikoreiches Finanzprodukt für die Anleger sind, erklärt die Wirtschaftskanzlei GRP Rainer Rechtsanwälte.

 

Besonders Privatanleger sollten sich bewusst sein, dass ein Hebel immer in beide Richtungen wirken kann. Zwar lassen sich bei Hebelprodukten in kurzer Zeit große Beträge auf den Kapitalmärkten bewegen. Doch es besteht eben nicht nur die Aussicht auf hohe Gewinne, sondern auch ein großes Verlustrisiko. Bei Hebelprodukten mit Nachschusspflicht geht das Risiko sogar über den Totalverlust hinaus, die Anleger können einen höheren Betrag verlieren als sie eingesetzt haben.

 

Entscheidend ist die Konstruktion des Finanzprodukts. Ausgehend von einem Basiswert, das können z.B. Aktienkurse, Indizes, Devisenkurse, Zinssatz oder Rohstoffpreise sein, legt der Anbieter den Hebel und weitere Bedingungen fest. Durch den Hebel entstehen die hohen Gewinnchancen aber eben auch das große Verlustrisiko für die Anleger. Vereinfacht gesagt: Je höhe die Renditeaussichten, umso größer ist auch das Risiko. Das gilt umso mehr, wenn eine Nachschusspflicht vereinbart wurde.

 

Optionsscheine, Differenzkontrakte (CFD) oder Zertifikate sind typische Hebelprodukte, mit denen auch Privatanleger handeln. Dass diese Produkte riskant sind, haben die Finanzaufsichtsbehörden erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat beispielsweise den Handel mit CFDs mit Nachschusspflicht mit Privatanlegern schon im vergangenen Jahr verboten. Die europäische Finanzaufsicht ESMA zog jetzt nach und hat den Handel mit CFDs für Privatanleger zumindest stark eingeschränkt. Sie legte u.a. maximale Grenzen für die Hebel fest und untersagte die Nachschusspflicht.

 

Das heißt nicht, dass Hebelprodukte aufgrund ihrer hohen Risiken grundsätzlich für Privatanleger ungeeignet sind. Anleger sollten sich aber umfassend informieren und ein wachsames Auge haben, zumal es auch immer schwarze Schafe unter den Anbietern gibt, so die Wirtschaftskanzlei GRP Rainer Rechtsanwälte

Top 10-Geldanlagen der Bundesbürger 2018 - Girokonto erstmals beliebteste Geldanlage

Die andauernde Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt bei den beliebtesten Geldanlagen der Deutschen für einen neuen Spitzenreiter: Erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 liegt das „Sparen auf dem Girokonto“ auf Platz 1. Die meisten anderen Geldanlagen haben in der Gunst der Sparer verloren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage zum Sparverhalten der Deutschen. Kantar TNS befragte dazu im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen über 2.000 Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren.

 

Nullzinsen für sicheres Sparen – für die Deutschen ist das im Jahr 2018 offensichtlich der beste Grund, sich bei langfristigen Sparformen zurückzuhalten. Man geht „kurz“ und wartet vor einer Neuanlage angesichts einer vielfach beschriebenen leichten Zinswende „am langen Ende“ die weitere Entwicklung erst einmal ab. Anders ist der Aufstieg des Girokontos zur beliebtesten Geldanlage mit nun 42 Prozent der Nennungen nach 41 Prozent im Vorjahr nicht zu erklären.

 

Das Sparbuch als klassischer Spitzenreiter erreichte erstmals seit Beginn dieser speziellen Umfragereihe vor über zehn Jahren mit 41 Prozent nach zuvor 42 Prozent nur den zweiten Platz. Platz 3 teilen sich jetzt der Bausparvertrag und Renten- und Kapitallebensversicherungen mit je 29 Prozent – nach 34 bzw. 32 Prozent im Jahr 2017.

 

Auch Platz 5 ist zwei Mal vergeben: Unverändert 23 Prozent erzielen kurz­fristige Geldanlagen wie Tagesgeldkonten/Festgeldkonten/Termingelder. Auf den gleichen Wert kommen Immobilien, die 2017 allerdings noch von 26 Prozent genannt wurden. Hierbei dürften auch die preislichen Übertreibungen in Ballungsräumen eine Rolle spielen.

 

Zulegen konnten außer dem Girokonto nur noch Investmentfonds. Sie erreichen 21 Prozent nach 20 Prozent vor einem Jahr. Die Riester-Rente verlor 1 Prozentpunkt und kommt jetzt auf 19 Prozent. Den vorletzten Platz belegen erneut Aktien mit 13 statt 15 Prozent. Vermutlich schlägt sich hier auch die DAX-Entwicklung seit Ende Januar 2018 nieder. Auf dem letzten Platz der Top 10 stehen unverändert Festverzinsliche Wertpapiere, die erneut von 6 Prozent der Befragten genannt wurden. 

 

Anleger erwartet 2018 ein Flickenteppich an Informationen

Der deutsche Fondsverband BVI warnt angesichts der 2018 in Kraft tretenden MiFID-II- und PRIIPs-Regeln vor unterschiedlichen Informationen für Anleger. „Im neuen Jahr droht Fondskäufern ein Flickenteppich an widersprüchlichen Informationen“, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. „Je nach Vertriebsweg erhalten sie dann zu ein und demselben Fonds bis zu vier unterschiedliche Dokumente, deren Inhalte sich in wesentlichen Punkten widersprechen. Das wird die Verbraucher eher verwirren als aufklären.“ Auf dieses Problem hatte der BVI die Regulatoren in der Vergangenheit mehrfach hingewiesen.

Der BVI plädiert deshalb dafür, die von der EU-Kommission und den europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) erlassenen Regeln gezielt zu überarbeiten. Dazu Richter: „MiFID und PRIIPs haben 2012 als sinnvolle Vorhaben zum Verbraucherschutz begonnen, sich dann aber im weiteren Prozess zu administrativen Monstren entwickelt. Die EU-Gesetzgeber haben Maß und Ziel verloren und sollten die Auswüchse schnell korrigieren. Für PRIIPs könnte das schon bei der anstehenden Überprüfung Ende 2018 geschehen.“

Fondsgesellschaften und Berater stellen Privatanlegern heute schon das sogenannte OGAW-KIID zur Verfügung, auch bekannt als „wesentliche Anlegerinformationen“. Sie enthalten übersichtliche und vergleichbare Informationen unter anderem zu Kosten, Wertentwicklung und Risiken des jeweiligen Fonds. Zu Riester-Fonds erhält der Anleger zusätzlich ein gesetzlich vorgeschriebenes Produktinformationsblatt. Mit Januar kommen dann die neuen Informationen nach MiFID II hinzu und bei Fondspolicen ein PRIIPs-KID mit Informationen zu den einzelnen Fonds. Ein Vergleich dieser Dokumente führt oft zu absurden Ergebnissen, etwa bei den Kosten: Beim Kauf eines Fonds schreiben MiFID II und PRIIPs vor, die Produktkosten in Euro und Cent offenzulegen.

Was war die beste Geldanlage 2017?

Bereits im zweiten Jahr infolge können sich Aktienanleger über zweistellige Renditen freuen. Wer am ersten Handelstag 2017 deutsche Standardaktien (DAX-Werte) kaufte, konnte bis Anfang 2018 einen Wertzuwachs von im Schnitt etwa elf Prozent verbuchen. So wurden aus 10.000 Euro im Verlauf eines Jahres etwa 11.100 Euro.

 

Mit extrem niedrigen Zinsen mussten sich dagegen Sparer begnügen, die auf Nummer sicher gehen wollen. Sparbriefe, Spar- und Termineinlagen bei Banken verzinsten sich nur im Promille-Bereich. Wer auf Bundesanleihen setzte, musste sogar mit Verlusten rechnen, weil die Kurse der Wertpapiere an den Börsen sanken. Fünfjährige Bundesobligationen zum Beispiel verloren gut ein Prozent. Auch der Goldpreis sank (in Euro notiert) von Anfang 2017 bis Anfang 2018 um etwas mehr als ein Prozent, so der Bankenverband.

 

 

Geld aus der Lebensversicherung: Erspartes clever fürs Alter nutzen

Mehr als eine Million Kapitallebensversicherungen wurden 2017 fällig, zeigen Zahlen des Versicherungsverbands GDV. Hunderttausende Kunden stehen damit vor der Frage, was sie mit der Auszahlung machen. Das Geld einfach unverzinst auf dem Girokonto liegen zu lassen, ist keine gute Idee. Besser ist es, das Ersparte weiter für sich arbeiten zu lassen, während man monatlich Geld entnimmt – am besten mit einem Auszahlplan, in Ausnahmefällen mit einer Sofortrente. Der gemeinnützige Verbraucher-Ratgeber Finanztip hat die Möglichkeiten unter die Lupe genommen.

 

Wer sich sein Zubrot im Alter aus Aktienvermögen finanziert, hat langfristig die größte Chance auf Gewinne. Deshalb empfiehlt Finanztip diese Strategie. Viele Sparer haben aber Zweifel, wie viel und wie lange sie Geld entnehmen können – schließlich schwanken die Aktienmärkte und das Guthaben kann auch mal weniger werden. „Sparer sollten pragmatisch an die Sache herangehen und behutsam und über einen langen Zeitraum planen“, erklärt Sara Zinnecker, Expertin für Altersvorsorge bei Finanztip. „Vor allem müssen sie bereit sein, im Falle einer großen Krise auch mal einzugreifen und weniger Geld zu entnehmen“. Für die Anlage empfiehlt Finanztip günstige, weltweit ausgelegte Aktien-Indexfonds (ETFs).

 

Im schlimmsten Fall hätte der Sparer mehr als 130.000 Euro übrig

 

Finanztip-Berechnungen ergaben: Wer seit 1973 100.000 Euro angelegt und beliebige 30 Jahre lang vier Prozent im Jahr – das sind 330 Euro monatlich – entnommen hat, kam komfortabel über die Runden. Selbst im schlimmsten Fall, im Zeitraum von 1973 bis 2003, hatte der Sparer am Ende sogar 130.000 Euro übrig – mehr als zu Beginn. Im Fall zweier großer Finanzkrisen in Folge wäre das Geld dagegen nach gut 17 Jahren aufgebraucht gewesen. Zinnecker rät, in schlechten Börsenzeiten die Entnahme zu stoppen: „Läuft es an der Börse dann wieder besser, ist noch genug Kapital vorhanden, um für die nächsten Jahre ausreichend Geld zu erwirtschaften.“ Fondsanteile können Verbraucher regelmäßig selbst im Depot verkaufen oder einen Auszahlplan nutzen, wie ihn zum Beispiel der Wertpapierhändler Flatex anbietet.

 

Die Sofortrente lohnt sich nur, wenn man sehr alt wird

 

Nur wer davon ausgeht, sehr alt zu werden, sollte über eine Sofortrente nachdenken. Der Vorteil: Der Verbraucher muss sich um nichts kümmern, denn die Anlage des Einmalbetrages und die Auszahlung der Rente übernimmt eine Versicherung. „Mit der Sofortrente ist man zwar auf der sicheren Seite,“ sagt Zinnecker. „Die garantierte Rentenzahlung bis zum Lebensende lässt sich die Versicherung aber teuer bezahlen.“ Finanztip empfiehlt unter anderem günstige Online-Tarife der Direktversicherer Europa (Tarif E-SR) oder Huk24 (Tarif RS24).

 

Sichere Erträge auch mit Festgeld

 

Wer die Extreme scheut, für den bietet sich eine Kombination aus Aktien-Indexfonds und Festgeld an. „Damit können Verbraucher so planen, dass sie über 15 Jahre eine sichere Auszahlung bekommen“, sagt Zinnecker. „Dafür legen Sie ihr Geld einfach in Festgeld mit verschiedenen Laufzeiten an. Das Geld, dass Sie für das nächste Jahr benötigen, lassen Sie auf dem Giro- oder besser auf dem Tagesgeldkonto.“ Den verbleibenden Teil des Guthabens legen Verbraucher ebenso lang in ETFs an. So kann sich dieses Kapital am Aktienmarkt entwickeln. Nach den 15 Jahren können Sparer erneut überlegen, was sie mit dem restlichen Ersparten machen. 

 

Minizinsen frustrieren Anleger

Studie: 79 Prozent der Sparer gehen mit ihren Geldanlagen sehr behutsam um

 

Obwohl sie sich nur ungern mit Geldanlagen beschäftigen, gehen acht von zehn Sparern (79 Prozent) mit ihrem Vermögen sorgsam um. Immerhin 70 Prozent haben den Anspruch, auf dem neuesten Stand zu sein, was ihre finanzielle Lage angeht. Trotzdem macht sich Frust breit: 40 Prozent haben angesichts der niedrigen Sparzinsen keine Lust, die Rendite von verschiedenen Geldanlagen miteinander zu vergleichen. Erschwert wird den Sparern ihre Orientierung auch von Wissensdefiziten: Lediglich jeder Vierte (27 Prozent) behauptet von sich, dass er sich mit Geldanlagen gut auskennt. Und nicht einmal jeder Zweite hält Aktien auf lange Sicht für ertragreicher als herkömmliche Anlagen. Große Hoffnungen richten sich an die Berater. Zwei Drittel (67 Prozent) erwarten von ihnen, dass sie Anlagealternativen vorschlagen. Dabei zeigen sich Sparer durchaus aufgeschlossen für Aktien und Investmentfonds, auch wenn viele annehmen, zu wenig Geld für eine breitere Streuung zu haben. Das sind die Ergebnisse des aktuellen Anlegerbarometers von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider in privaten Haushalten.

 

Jedem zweiten Sparer (50 Prozent) in Deutschland macht es keinen Spaß, sich um seine Finanzen zu kümmern. Die anhaltend niedrigen Zinsen tun ihr Übriges dazu und führen mittlerweile zu Frust und Resignation unter den Anlegern. 37 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass es bei dem niedrigen Zinsniveau egal ist, wie lange sie ihr Geld anlegen, da sie ohnehin keine vernünftige Verzinsung bekommen. Ebenso geben 35 Prozent an, dass es ihnen momentan gleichgültig erscheint, für welche Form der Geldanlage sie sich entscheiden, da sie sowieso keine attraktive Rendite erzielen können. „Das langanhaltend niedrige Zinsniveau ändert die Mentalität der Sparer. Anfangs wollten die Menschen die Phase aussitzen, inzwischen sind die Erwartungen vieler auf den Nullpunkt gesunken. Diese Menschen dürfen wir nicht verlieren, sondern müssen aufzeigen, dass es auch in diesen Zeiten Alternativen gibt“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

 

Im Durchschnitt halten die Befragten eine Streuung ihres Vermögens ab einem Anlagebetrag von 28.500 Euro für sinnvoll

 

Vielen Befragten fehlt allerdings das erforderliche Know-how, um im derzeitigen Marktumfeld eine attraktive Anlagelösung aus der Vielzahl von Produkten ausfindig zu machen: 40 Prozent der Anleger bescheinigen sich selbst schlechte Kenntnisse in Geldanlagen und nur knapp jedem Zweiten (48 Prozent) ist bekannt, dass Aktienanlagen auf lange Sicht die höchsten Erträge bieten. Zwei Drittel der Sparer (67 Prozent) suchen deshalb auch Rat bei ihrem Berater und erwarten von ihm, dass er interessante Anlagealternativen vorschlägt und erläutert. 44 Prozent der Befragten ziehen dabei in Erwägung, Geld aus bestehenden Anlagen in Investmentfonds umzuschichten. Auch der Vermögensstreuung stehen die Anleger relativ offen gegenüber: Etwa die Hälfte (52 Prozent) gibt an, das eigene Geld auf unterschiedliche Anlageformen zu verteilen, um die Risiken zu verringern. Als sinnvoll erachten die Befragten eine Vermögensaufteilung jedoch erst ab einem Anlagebetrag von durchschnittlich 28.500 Euro. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) glaubt sogar, dafür nicht genügend Geld zu haben. „Es ist leider ein weit verbreiteter Irrglaube, dass zum Aufbau einer ausgewogenen Vermögensstruktur große Geldbeträge erforderlich sind. Wichtig für Anleger ist die Diversifizierung ihrer Ersparnisse, aber unabhängig von der Summe“, sagt Gay.

 

Besitzer von Aktien und Aktienfonds bleiben bei Kursrückgänge relativ entspannt

 

Weniger empfänglich für Aktien und Aktienfonds zeigen sich die Befragten, die selbst noch keine Aktien und Aktienfonds besitzen (60 Prozent). Die meistgenannten Gründe, weshalb sie ihre Ersparnisse nicht auf diese Weise anlegen, sind Bedenken wegen möglicher Kursschwankungen (58 Prozent), fehlender finanzieller Mittel (56 Prozent) und des Zeitaufwands, regelmäßig die Aktienkurse zu verfolgen (53 Prozent). Die Besitzer von Aktien und Aktienfonds (40 Prozent) hingegen zeigen sich relativ entspannt und zuversichtlich: 91 Prozent bleiben ruhig, wenn es bei ihren Aktien bzw. Aktienfonds zu Kursschwankungen kommt und der Kurs fällt. Denn 62 Prozent betrachten Rückgänge an den Aktienmärkten gleichzeitig als Chance, günstig nachzukaufen. Mit 96 Prozent tendieren fast alle Aktien- und Aktienfondsbesitzer dazu, bei fallenden Notierungen erst einmal die Füße still zu halten und nichts zu unternehmen. „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass viele Anleger sich überwinden müssen, ihr Geld in Aktien und Aktienfonds anzulegen. Diejenigen, die bereits investiert sind, scheinen sich damit aber recht wohl zu fühlen, weil sie das Auf und Ab an der Börse weniger als Risiko, sondern vielmehr als Chance begreifen und für ihr Durchhaltevermögen letzten Endes mit einer attraktiven Rendite belohnt werden“, so Gay.

 

Besserer Schutz für private Anleger 

Im Januar dieses Jahres ist die neue europäische Finanzmarktrichtlinie, kurz MiFID II genannt, in Kraft getreten. „Dieser Richtlinie verdanken wir neue Regeln im Wertpapierhandelsgesetz, die Verbraucher bei der Geldanlage besser schützen“, sagt Susanne Götz von der Verbraucherzentrale Bayern. „Nun fordert sogar das Gesetz, das Wertpapierdienstleistungsunternehmen wie die Banken die Anlageberatung ehrlich, redlich und professionell im bestmöglichen Interesse der Kunden erbringen müssen“, so die Finanzjuristin. Die Vergütung und Bewertung der Mitarbeiter darf mit dieser neuen Verpflichtung nicht kollidieren. Die Verbraucherschützer begrüßen das, denn schon lange fordern sie eine provisionsunabhängige Beratung. Dass sie die Verbraucher nachhaltig schützt, zeigt ein Blick in die Niederlande. Dort kann man nach fünf Jahren provisionsunabhängiger Beratung einen deutlichen Rückgang von fehlerhaften oder schlechten Finanzberatungen verzeichnen.

 

Für bemerkenswert hält die Verbraucherzentrale Bayern auch die Pflicht, Kosten sowie Zuwendungen an die Bank offenzulegen. Auszuweisen ist, wie sich die Kosten auf die Rendite auswirken. In einem sogenannten Geeignetheitsprotokoll, das das Beratungsprotokoll ablöst, hat die Bank ihre Produktempfehlung darzustellen und zu erläutern. Diese muss zu den Anlagezielen und der Risikobereitschaft des Kunden passen. „Nicht alles ist ganz neu“, sagt Susanne Götz, „denn manches davon wurde zuvor schon von der Rechtsprechung herausgearbeitet“. Das gilt beispielsweise für die Verpflichtung der Banken, eigene Zuwendungen in Form von Rückvergütungen bei der Geldanlage offenzulegen. „Trotz verbessertem Anlegerschutz sollten Verbraucher weiterhin vorsichtig sein“, sagt Susanne Götz. 

 

Performance-Szenarien in Basisinformationsblättern nicht nachvollziehbar

Basisinformationsblätter (BIB) sollen Anleger über die wichtigsten Eigenschaften der angebotenen Anlageprodukte informieren. Die dort anzugebenden Renditen für verschiedene Szenarien zur Wertentwicklung der Anlageprodukte (Performance-Szenarien) stellen für Verbraucher jedoch keine belastbare Entscheidungsgrundlage dar. Das zeigen Erkenntnisse des Marktwächter-Teams in der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu BIBs von unterschiedlichen Anbietern. Grund für die teils nicht nachvollziehbaren Angaben sind gesetzlich vorgegebene Berechnungen.

 

Seit dem 1. Januar 2018 gibt es mit der EU-Verordnung Nr. 1286/1014 eine standardisierte Informationspflicht für BIBs in Bezug auf verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIP-Verordnung). Anbieter von bestimmten Geldanlageprodukten sind dadurch verpflichtet, in ihren BIBs Angaben zu Performance-Szenarien auf Grundlage gesetzlich vorgegebener Berechnungen zu machen. Bei diesen Angaben handelt es sich um geschätzte jährliche Durchschnittsrenditen für verschiedene Laufzeiten. Die Performance-Szenarien sollen Verbrauchern eine informierte Anlageentscheidung erleichtern.

 

Keine belastbare Entscheidungsgrundlage für Verbraucher

 

Das Marktwächter-Team stellte anlässlich von Verbraucherbeschwerden fest, dass die Angaben in den Performance-Szenarien unlogisch sein können. „Die Performance-Szenarien in den BIBs der untersuchten Zertifikate stellen keine belastbare Entscheidungsgrundlage für Verbraucher dar“, sagt Benjamin Wick, Referent Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

So kann die Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Berechnungen etwa dazu führen, dass die geschätzten jährlichen Durchschnittsrenditen selbst im pessimistischen Szenario nach einem Jahr noch eine durchschnittliche Rendite von 48 Prozent erzielen können (siehe Beispiel 1 im Faktenblatt: Bonus-Zertifikat der Deka Bank).

 

Problem: Berechnungsgrundlage

 

Nicht nachvollziehbare Renditeangaben fanden die Marktwächterexperten in zahlreichen untersuchten BIBs unterschiedlicher Anbieter. „Die Berechnungsgrundlage des Gesetzgebers führt teilweise zu abwegigen Ergebnissen“, so Wick. Die Angaben zu den Szenarien werden mittels Simulationsverfahren gemäß PRIIP-Verordnung ermittelt. Hierbei fließen zwar historische Renditen der Bezugsgrößen ein, wie beispielsweise Zinssätze, Aktienkurse oder Indexstände, allerdings lediglich mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre. Die Verteilung der Renditen über diesen kurzen Zeitraum lässt aber keine validen Schlussfolgerungen über zu erwartende künftige Renditen und Risiken zu.

 

Problem bekannt, Lösung bleibt aus

 

Einige Anbieter sind offenbar schon selbst auf unplausible Angaben aufmerksam geworden. Die DZ-Bank hat beispielsweise einen Hinweis auf „nicht nachvollziehbare Zahlen“ ergänzt (siehe Beispiel 6 im Faktenblatt: Aktienanleihe der DZ Bank). Doch auch entsprechend ergänzte BIBs könnten bei Verbrauchern eher Fragen aufwerfen, als dass sie deren Anlageentscheidung erleichtern.

 

EU-Gesetzgeber muss handeln

 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert die EU-Gesetzgeber auf, die Probleme bei den Basisinformationsblättern umgehend abzustellen. „Der Blick in die Glaskugel hilft Verbrauchern bei der Geldanlage nicht. Unglaubhafte Szenarien zur Wertentwicklung können vielmehr von Vertrieben missbraucht werden, um bestimmte Produkte zu verkaufen. Kaum überprüfbare Berechnungen gehören nicht in Verbraucherinformationen“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim vzbv. Die PRIIP-Verordnung soll planmäßig bis zum Jahr 2019 von der EU-Kommission evaluiert werden. 

 

Wenn König Kunde zur Last wird

Auf vielfältige Art und Weise versuchen einige Finanzinstitute im aktuellen Niedrigzinsumfeld, Verbraucher aus langfristigen, gut verzinsten Sparverträgen zu drängen – oder diese Verträge zu kündigen. Das zeigt eine Untersuchung bundesweit erhobener Verbraucherbeschwerden durch das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auf Grund der Ergebnisse kommen die Marktwächterexperten zu dem Schluss: Die aufgezeigten Finanzinstitute stellen das Prinzip der Vertragstreue in Frage.

 

Um gut verzinste Sparverträge loszuwerden, versuchen einige Finanzinstitute Kunden zu beeinflussen. Damit diese selbst ihre Verträge beenden, heben einige beispielsweise einseitig die Nachteile der Verträge hervor, andere appellieren an die Verantwortung für das Bausparkollektiv oder drohen die Kündigung an, wenn man nicht den Tarif wechselt. In anderen Fällen legen Finanzinstitute Verträge zu Lasten der Kunden eng aus und nutzen beispielsweise eine nicht geleistete Nachzahlung der Sparbeiträge oder Anpassung der Tarife als Grundlage für eine Kündigung. Schließlich berufen sich einige auch auf im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) vorgesehene Kündigungsrechte eines Darlehensnehmers, um Sparverträge zu kündigen. „Indem Finanzinstitute versuchen, Sparverträge zu beenden, deren vertraglich vereinbarte Laufzeit noch nicht erreicht ist oder die als langfristige Geldanlage zum Beispiel zur Altersvorsorge beworben wurden, stellen sie das Prinzip der Vertragstreue in Frage“, betont Beate Weiser, Referentin Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

 

Prämiensparverträge betroffen

 

Betroffen sind neben zahlreichen Bausparverträgen in erster Linie Prämiensparverträge verschiedener Sparkassen. Diese zeichnen sich durch vergleichsweise geringe variable Sparzinsen aus, die mit zunehmender Laufzeit durch steigende Prämien ausgeglichen werden sollen. Nun, da vielfach die höchste Prämienstufe erreicht ist, versuchen einige Sparkassen, diese Verträge zu beenden.

 

„Gebot der Wirtschaftlichkeit“ als Kündigungsgrund

 

Drei Kreissparkassen begründeten die Kündigungen von Prämiensparverträgen beispielsweise damit, als Unternehmen dem „Gebot der Wirtschaftlichkeit“ zu unterliegen. Doch auch Verbraucher müssen wirtschaftlich denken und sind darauf angewiesen, rentable Verträge abzuschließen und zu behalten. „Wenn Finanzinstitute langfristige Sparverträge kündigen oder Kunden überreden, sich von diesen Verträgen zu trennen, wälzen sie die negativen Folgen des Niedrigzinsumfeldes einseitig auf die Verbraucher ab“, so Weiser. Aber nur wenige Finanzinstitute berücksichtigen die wirtschaftlichen Interessen der Verbraucher, etwa indem sie bei Beendigungen alle vereinbarten Zinsen vorab bezahlen oder Verbrauchern zumindest einen finanziellen Ausgleich anbieten.

 

Kündigungsrechte umstritten

 

In den betroffenen langfristigen Spar- und Bausparverträgen war ein Kündigungsrecht des Anbieters häufig nicht vereinbart. Um dennoch kündigen zu können, nutzen einige Anbieter die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, u. a. des Darlehensrechts. Die Verbraucherzentralen und der vzbv gehen im Wege der Verbandsklage gegen einzelne Kündigungen vor.

 

 

Dubiose Geldanlagen im Internet: Anbieter kaum zu greifen

Hohe Renditen und dauerhaftes „passives Einkommen“: dafür werben fragwürdige Anbieter in Sozialen Medien und im Internet. Selten erfahren Interessenten Konkretes über die Geschäftsmodelle, mit denen diese Gewinne erwirtschaftet werden sollen. Aber oft treffen sie auf Strukturen, die wie verbotene Schneeballsysteme aussehen. Den Verbraucherzentralen liegen Beschwerden aus elf Bundesländern zu unterschiedlichsten Anbietern vor. Die Internetseiten haben oft gar kein Impressum oder geben einen Unternehmenssitz im Ausland an.

 

Mit wenig Aufwand finanziell unabhängig werden: Dafür werben fragwürdige Investment-Anbieter verstärkt im Internet. Die Ansprache ist vielfältig: Beispielsweise nahmen Anbieter Kontakt über Jobangebote oder einen Aufruf in einem Spielsuchtforum auf. Die Recherchen des Marktwächterteams ergaben außerdem, dass bei Facebook ein Like unter einem Beitrag genügt, um direkt vom Anbieter kontaktiert zu werden. Über den Facebook-Messenger wiederum werden zum Beispiel Handynummern ausgetauscht, die Zutritt zu WhatsApp-Gruppen verschaffen.

 

Anbieter im Schadensfall kaum zu greifen

 

Die Marktwächterexperten haben sich aufgrund der Beschwerden die Internetseiten von über 50 Anbietern näher angesehen: In mehr als der Hälfte der Fälle fehlte das Impressum. „Das ist kein gutes Zeichen“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Mehr als zwei Drittel der untersuchten Internet-Domains sind im Ausland registriert, davon sogar mehrere bei ein und derselben Postfachadresse in Panama. Verbraucher hätten große Schwierigkeiten, ihre Rechte hier durchzusetzen.“

 

Oft Einzahlung als Voraussetzung

 

Auch die Geschäftsmodelle sind meist vage: Durch Klicks auf Werbeanzeigen, monatliche Einzahlungen, raffinierte Anlagestrategien des Anbieters – oft aber durch das Werben von neuen Teilnehmern sollen Nutzer viel Geld verdienen können. Dabei werden hohe Renditen in Aussicht gestellt. Häufig muss man zuvor einen „Unkostenbeitrag für Schulungen“ oder einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Im Anschluss sollen Mitglieder neue Teilnehmer werben. Ab einer bestimmten Anzahl von geworbenen Personen erhalten sie angeblich Geld – allerdings verdienen immer mehrere Ebenen von Teilnehmern an den Einzahlungen mit.

 

„Bei vielen dieser Anbieter liegt der Verdacht nah, dass es sich schlicht um verbotene Schneeballsysteme handelt“, sagt Brandes. „Auszahlungen werden dann immer nur aus den Einzahlungen neuer Mitglieder finanziert, und das System bricht zwangsläufig zusammen.“

 

Empfehlungen für Anleger von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

Grauer Markt und schwarze Schafe

 

Die Broschüre der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantwortet Fragen zum Grauen Kapitalmarkt: Woran erkennen Sie Produkte des Grauen Kapitalmarkts? Was sind die Gefahren für Sie als Anleger? Worauf müssen Sie achten, bevor Sie investieren? Nicht alle Unternehmen, die auf dem Finanzmarkt tätig sind, werden kontrolliert und stehen unter staatlicher Aufsicht: Wenn Anbieter keine Erlaubnis der BaFin benötigen und nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen, spricht man vom Grauen Kapitalmarkt. Bei Produkten, die dort angeboten werden, sollten Sie besonders vorsichtig sein! Grauer Markt und schwarze Schafe (PDF, 396KB)

Depotkosten: Anleger können oft mehrere hundert Euro sparen

Wer seine Aktien bei einer Filialbank lagert und sie dort auch handelt, kann durch den Wechsel zu einem billigeren Anbieter wie einem Onlinedepot oft hunderte Euro pro Jahr sparen. Das rechnet die Stiftung Warentest vor. Das größte Sparpotenzial ist für aktive Anleger drin. Sie sind bei ihrer Bankfiliale an der Ecke selten gut aufgehoben. Bei einem Musterdepot von 30.200 Euro war der Preis der teuersten Filialbank über 800 € teurer als das billigste Onlinedepot. Das macht einen Renditeunterschied von knapp drei Prozent.

Die meisten Anleger in Deutschland zahlen unnötig viel für Lagerung und Handel von Wertpapieren. Nur etwa 10 Prozent des Wertpapiervermögens ist bei Direktbanken deponiert, der Rest bei Filialbanken, und damit bei der teuersten Adresse.

Um die Depotgebühren und Provisionen für den Handel von Wertpapieren zu vergleichen, bildeten die Tester von Finanztest zwei Modelldepots. Das große Depot hatte ein Volumen von 101.500 Euro, das kleinere von 30.200 Euro. Für diese beiden Depots wurde bei den 44 verschiedenen Filial-, Direktbanken und Onlinebrokern jeweils eine bestimmte Anzahl von Transaktionen berechnet. Geordert wird dabei per Telefon und Internet bzw. in der Filiale. Filialkunden, die ihrer Bank treu bleiben wollen, können nach den Testergebnissen ihre Orderkosten senken, indem sie nicht den Service, sondern die Selbstbedienung wählen. Internetmuffel sind bei der Postbank gut aufgehoben. Für viele ist jedoch ein Depotwechsel eine gewinnbringende Alternative. 

 

Rendite oder Sicherheit – Zehn Tipps zur Geldanlage

Auf annähernd fünf Billionen Euro beläuft sich das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland. Nie zuvor waren die Deutschen so wohlhabend wie heute. Doch die Euro-Schuldenkrise verunsichertviele Bundesbürger. Zudem sind die Zinsen so niedrig, dass sich mancher fragt, ob Sparen überhaupt noch lohnt. Zehn Grundregeln können dafür sorgen, Geld gut und sicher anzulegen:

  • Ersparnisse und Vermögen grundsätzlich breit streuen. Niemals einseitig alles auf eine Karte setzen, auch wenn ein Angebot noch so attraktiv scheinen mag. Denn keiner kann die Zukunft sicher vorhersagen.
  • Bei anstehenden Anlageentscheidungen nicht unter Zeitdruck setzen lassen.
  • Einen „Notgroschen“ für unvorhersehbare, plötzliche Ausgaben schnell verfügbar anlegen, beispielsweise auf ein Tagesgeldkonto. Was darüber hinausgeht, kann – je nach persönlichen Anlagezielen – auch längerfristig angelegt werden.
  • Grundsätzlich gilt: Hoher Zins, hohes Risiko. Hohe Zinsangebote deshalb sorgfältig auf Risiken prüfen.
  • Bei Anlagen in fremden Währungen das Wechselkursrisiko nicht unterschätzen. Was nutzt ein hoher Zins in fremder Währung, wenn diese abwertet?
  • Bei Wertpapieren auf die Bonität des Emittenten (Zahlungsfähigkeit des Schuldners) achten. Das gilt nicht nur für Unternehmen, die Wertpapiere emittieren, sondern auch für Staaten, wie die aktuelle Schuldenkrise in Europa deutlich zeigt.
  • Viele Aktien bieten derzeit attraktive Dividenden von über vier Prozent und langfristig die Chance auf Kurssteigerungen. Aktien sind Substanzwerte, aber auch Risikopapiere. Man sollte sie nur kaufen, wenn das investierte Geld langfristig angelegt werden kann. Zudem ist eine breite Streuung auf verschiedene Aktientitel wichtig.
  • Gold wird oft als Beimischung empfohlen. Edelmetalle sind aber keine zinsbringenden Anlagen. Profitieren lässt sich nur von weiter steigenden Preisen.
  • Kapitalanlagen nicht ausschließlich unter steuerlichen Gesichtspunkten auswählen.
  • Vor undurchsichtigen Finanzangeboten sollte man sich hüten. Anleger tun gut daran, die Produkte, für die sie sich entscheiden, auch grundsätzlich zu verstehen. 

Wechsel der Geldanlage ist häufig mit Kosten verbunden und schmälert den Ertrag

Sparer sollten sich nicht von kurzlebigen Trends dazu verleiten lassen, ihre Geldanlage auf den Kopf zu stellen. Denn ein Wechsel ist häufig mit Kosten verbunden, die den Ertrag schmälern. Darauf weist die Aktion „Finanzwissen für alle“ der Fondsgesellschaften hin. Sparer riskieren möglicherweise sogar Verluste, wenn sie hektisch zwischen verschiedenen Anlagen hin- und herspringen. Kosten bei der Geldanlage entstehen, weil beim Kauf oder Verkauf Gebühren fällig werden. Diese muss die neue Geldanlage erst wieder wettmachen. Auf den Punkt bringt das die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“. Sie besagt, dass Sparer langfristig anlegen sollten. Deshalb ist auch die sorgsame Prüfung, ob eine Geldanlage zu den eigenen Zielen und Bedürfnissen passt, im Vorfeld jeder Anlageentscheidung so wichtig. Gleichwohl sollten Anleger ihre Depotentwicklung im Blick haben, denn stets entwickeln sich einige Märkte, Branchen und Anlageklassen besser als andere. Wechsel oder Ergänzungen können unter Umständen also auch sinnvoll sein.

Anlagebetrug: Warnsignale beachten – dubiose Angebote erkennen

Historisch niedrige Zinsen und kein Ende in Sicht. Auf der krampfhaften Suche nach höheren Renditen lassen sich Anleger leider immer wieder auf dubiose, vermeintlich lukrative Angebote ein. So sind die erfassten Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrugsdelikte nach Ermittlungen des Bundeskriminalamtes (BKA) 2013 gegenüber 2012 um 29 Prozent auf 6.365 gestiegen. Die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle dürfte weit höher sein. Um sich zu schützen, so der Bankenverband, sollten Anleger deutliche Warnsignale beachten:

 

Telefonkontakt: Obwohl gesetzlich verboten, knüpfen viele unseriöse Anbieter erste Kundenkontakte per Telefon. Bei solchen Anrufen gilt: Lassen Sie sich nicht auf ein Gespräch ein.

 

Gewinnversprechen: Traumhafte Renditen blenden und verleiten Anleger zu unbedachten Entscheidungen. Eine Orientierungshilfe: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren sich aktuell mit etwa ein Prozent. Deutlich höheren Renditegarantien bei ähnlichen Anlageprodukten sind mit äußerster Vorsicht zu begegnen.

 

Provisionsregelungen: Überzogene Provisionsforderungen sprechen dafür, dass der „Anlagespezialist“ eher den eigenen Gewinn als den des Kunden im Sinn hat. Zeigt sich, dass Provisionen verschleiert oder falsch ausgewiesen sind, lassen Sie unbedingt die Finger von der Offerte.

 

Auslandsadressen: Erkundigen Sie sich nach dem Geschäftssitz des Vermittlers. Befindet sich dieser in einem exotischen Land, ist Vorsicht angesagt. Dort können geschädigte Kunden rechtliche Ansprüche oft nur schwer durchsetzen.

 

Zeitdruck: Häufig setzen die schwarzen Schafe des Geldgeschäfts Anleger mit dem Argument unter Druck, nur ein sofortiger Entschluss garantiere Spitzengewinne. Doch die Erfahrung zeigt: Übereilte Entscheidungen werden oft bereut.

 

Folgegeschäfte: Um potenzielle Anleger in Sicherheit zu wiegen, schütten die vermeintlichen Geldprofis aus einem ersten Kontakt mit geringem Kapitaleinsatz stattliche Gewinne aus. Meist wird dem Kunden gleichzeitig ein neues Angebot unterbreitet, allerdings unter Einsatz einer erheblich größeren Anlagesumme. Auch hier gilt: Nicht auf solche Angebote einlassen.

 

Wenn Sie Opfer eines Anlagebetrugs geworden sind, sollten Sie umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten, rät der Bundesverband deutscher Banken.

 

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