Vorsicht vor Studienfinanzierung über private Anbieter

 

Der Beginn des Wintersemesters 2021/22 rückt näher. Viele Studierende machen sich derzeit Gedanken, wie das kommende Semester finanziert werden soll. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Auch private Anbieter sogenannter Studien- oder Bildungsfonds bieten ihre Leistungen an. Doch hier ist Vorsicht angebracht, denn es handelt sich nicht um eine öffentliche Förderung. „Das Gegenteil ist der Fall“, warnt Susanne Götz, Finanzjuristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Diese Angebote unterliegen keiner staatlichen Kontrolle. Es gilt, was vertraglich vereinbart wird und das birgt Gefahren.“

 

Die Anbieter finanzieren Studierende, die sehr gute Schulnoten mitbringen und ehrgeizig erscheinen. Zudem wählen sie Fachrichtungen, bei denen eine spätere Karriere sehr wahrscheinlich ist. „Sobald es um die Rückzahlung geht, kann es für Studierende jedoch teuer werden“, warnt Susanne Götz. Der Grund dafür liegt im vereinbarten Zinssatz. Dieser orientiert sich bei Studienfonds privater Anbieter nicht wie bei einem Bankkredit am Darlehensbetrag, sondern am späteren Bruttoeinkommen. Das bedeutet: Wer gut verdient zahlt viel zurück. „Der Vertrag lässt sich später schwer angreifen, auch wenn die Verzinsung im Wucherbereich liegt“, erläutert die Expertin. „Hier gelten nicht die gesetzlichen Regelungen wie für ein Verbraucherdarlehen“.

 

Beworben wie ein Studium

 

Ein weiteres Problem sieht Susanne Götz in den Vertragsbedingungen. Diese nennen sich „Förderrichtlinien“ und erwecken den Eindruck, es handele sich um eine Art Begabtenförderung wie bei einem Stipendium. Studierende rechnen deshalb möglicherweise nicht mit einer hohen Belastung nach Abschluss ihres Studiums. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, die sogenannten Förderrichtlinien genau zu studieren. Ein Studienkredit bei der Bank oder die staatliche Förderung durch Bafög können die bessere Wahl bei der Finanzierung des Studiums sein.

 

Studie der Finanztip Stiftung offenbart große Defizite bei praktischem Finanzwissen in Deutschland

 

Egal ob bei Krediten, Versicherungen oder bei der Geldanlage - wer Finanzprodukte verstehen will, benötigt dafür praktisches Finanzwissen. Das ist jedoch bei einem großen Teil der Bevölkerung nur mangelhaft ausgeprägt, wie eine aktuelle repräsentative Studie der Finanztip Stiftung zeigt. Bei der groß angelegten Untersuchung wurden mehr als 3.000 Menschen im Alter von 16-69 Jahren zu konkreten alltäglichen Finanzentscheidungen befragt. Umgerechnet in Schulnoten, hätte dabei rund jeder Zweite mit einer Vier minus oder schlechter abgeschnitten.

 

Insgesamt bekamen die Studienteilnehmer zwölf Fragen zu alltäglichen Finanzthemen wie etwa Versicherungen, Kredite oder Aktien gestellt. "Wir haben genau solches Finanzwissen erfragt, das nötig ist, um ganz alltägliche Finanzprodukte richtig zu beurteilen", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip. "Wir wollten etwa wissen, wann bei einem Girokonto Dispozinsen anfallen." Das Ergebnis: Jeder Zweite weiß nicht, dass Dispozinsen sofort anfallen. Rund 25 Prozent sind stattdessen der Meinung, dass der Dispo kostenlos ist, wenn das Konto am Monatsende wieder ausgeglichen wird. Wer alle Fragen richtig beantwortet hat, konnte maximal 12,5 Punkte erreichen. Mehr als die Hälfte schaffte jedoch maximal 6 Punkte - in der Schule wäre das eine Vier minus oder schlechter.

 

Erfahrungswissen macht den Unterschied

 

Die Studie zeigt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen schlechter abschneiden als andere. So erreichen nur rund 38 Prozent der unter 30-Jährigen 6,5 Punkte oder mehr. Zum Vergleich: Bei den über 30-Jährigen beträgt der Anteil rund 52 Prozent. Beim Einkommen ist es ähnlich: Von den Haushalten, die im Monat nur bis zu 1.500 Euro zur Verfügung haben, erreichen lediglich rund 30 Prozent mindestens 6,5 Punkte, bei Haushalten mit mehr als 3.800 Euro sind es rund 69 Prozent. "Erfahrunsgwissen macht einen echten Unterschied", erklärt Tenhagen. "Wer mal einen Kredit aufgenommen hat, kennt sich eher mit Zins und Tilgung aus, als diejenigen, die sich noch nie Geld von der Bank geliehen haben." Jüngere stehen meist am Anfang ihres Berufslebens und beginnen erst, größere finanzielle Entscheidungen zu treffen. Und wer wenig Geld zur Verfügung hat, der hat sich oft noch nicht mit Sparprodukten für die Altersvorsorge beschäftigt.

 

Unter 30-Jährige setzen vor allem auf Aktien

 

Auffällig ist, dass die unter 30-Jährigen zwar grundsätzlich weniger über Finanzen wissen als die älteren Jahrgänge, sie aber beim Thema Aktien punkten. So wissen fast 54 Prozent der Jüngeren, dass ein weltweiter Aktienfonds grundsätzlich ein geringeres Risiko darstellt als die Investition in eine Einzelaktie oder in einen Fonds mit Unternehmen aus nur einem Land. Bei den über 30-Jährigen wissen das nur rund 46 Prozent. "Die unter 30-Jährigen sind mit stetig sinkenden Zinsen und einem langanhaltenden Boom an den Aktienmärkten groß geworden", erklärt Tenhagen. "Hinzu kommen neue Apps wie Trade Republic, die den Zugang zu den Börsen nicht nur günstiger, sondern auch einfacher machen." Allerdings sind die Jüngeren zu unbedarft im Umgang mit Aktien. So würden rund 38 Prozent auch dann in Aktien investieren, wenn sie wissen, dass sie ihr Geld nach zwei Jahren wieder benötigen. "Das kann gutgehen, birgt aber ein Verlustrisiko, wenn die Kurse genau dann in den Keller gehen."

 

Frauen wissen weniger über Finanzen als Männer

 

Die Studie zeigt auch, dass Frauen im Vergleich zu Männern weniger über Finanzen wissen. So erreicht fast jede vierte Frau nur maximal drei Punkte. Bei den Männern sind das nur rund 20 Prozent. Auf der anderen Seite kommen mehr als die Hälfte der Männer auf mehr als 6 Punkte. Bei den Frauen schaffen das nur knapp 43 Prozent. "Auch hier spielt geringeres Erfahrungswissen eine Rolle, denn noch immer verdienen Frauen weniger Geld als Männer", sagt Tenhagen. "Hinzu kommt, dass sich im traditionellen Rollenbild der Mann auch um die Finanzen kümmert. Dieses Rollenbild verliert zwar immer mehr an Bedeutung, doch auch jüngere Studien zeigen, dass Finanzangelegenheiten in vielen Haushalten noch immer Männersache sind."

 

Corona: Die richtige Maske zum Schulstart

 

Die gesetzliche Unfallversicherung gibt Eltern Hinweise und Tipps, was beim Tragen von Masken in der Schule zu beachten ist.

 

Das neue Schuljahr naht oder hat gerade begonnen, die Inzidenzen steigen und nur sehr wenige Kinder und Jugendliche haben einen vollständigen Impfschutz. Damit alle Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien gesund und sicher lernen können, müssen sie im Schulalltag die Hygienemaßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion beachten. Dazu zählen vor allem gründliches Händewaschen, das Einhalten der Husten- und Niesetikette sowie das Wahren des Abstands von mindestens 1,5 Metern. Im Präsenzunterricht wird dieser Mindestabstand aber oft unterschritten. Dann ist es wichtig, Mund und Nase mit einer Maske zu bedecken.

 

"Um Infektionen zu vermeiden, sollten Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen eine medizinische Gesichtsmaske im Schulgebäude tragen", sagt Annette Michler-Hanneken, Leiterin des Fachbereichs Bildungseinrichtungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Neben den medizinischen Gesichtsmasken sind weitere Maskenarten im Umlauf. Welche Maskenart in welcher Form schützt, zeigt dieser Überblick:

 

Mund-Nasen-Schutz (MNS, medizinische Gesichtsmaske): geprüftes und zertifiziertes Medizinprodukt. Schützt andere vor Tropfen in der Ausatemluft der tragenden Person (Fremdschutz) und die tragende Person vor Schleimhautkontakt mit den eigenen, eventuell kontaminierten Händen.

FFP2-Maske (filtrierende Halbmaske oder Atemschutzmaske): geprüft und zertifiziert als Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) für Erwachsene. Schützt die tragende Person vor dem Einatmen von Tröpfchen, Aerosolen und kleinster luftgetragener Partikel (Eigenschutz) und ohne Ausatemventil auch andere (Fremdschutz). Es gibt sie auch für kleinere Gesichtsformen. Sowohl FFP2 als auch MNS müssen ein CE-Kennzeichen tragen.

Mund-Nase-Bedeckung (MNB, auch Alltagsmaske): textile, nicht geprüfte und nicht zertifizierte Maske. Hierzu zählen auch Maskenüberzieher aus Vlies die vermehrt verkauft werden. Die Barrierewirkung nach außen sowie der Fremd- und Eigenschutz vor einer SARS-CoV-2 Infektion sind aufgrund unterschiedlicher Beschaffenheit (z. B. Art des Stoffs, Anzahl der Lagen) und fehlender Untersuchungen von MNB unbekannt. Aus diesem Grunde wird das Tragen von MNB aktuell nicht mehr empfohlen.

Mitunter werben Hersteller kleinerer FFP2-Masken mit Kindergesichtern auf der Verpackung und weisen sie als ideale Maske für Kinder aus. "FFP2-Masken werden ausschließlich für den Arbeitsschutz von Erwachsenen geprüft und als PSA zugelassen," stellt Annette Michler-Hanneken klar. "FFP2-Masken in kleineren Größen wurden für erwachsene Personen mit einer kleineren Gesichtsform zertifiziert. Für Kinder und Jugendliche gibt es schlicht keine Prüfszenarien."

 

Das sollten Eltern beim Kauf und bei der Anwendung von Masken generell beachten:

 

Größe und Passform: Die Maske sitzt dann gut, wenn sie Mund und Nase vollständig bedeckt, eng anliegt und beim Einatmen ein wenig angesogen wird.

Auf- und Absetzen: Bevor Kinder eine Maske verwenden, sollten sie sich die Hände gründlich waschen. Beim Auf- und Absetzen sollten weder die Innenseite noch der Dichtrand berührt werden. Wird die Maske nach dem Einsatz gut belüftet aufbewahrt, kann sie auch wiederholt kurzzeitig und über mehrere Tage benutzt werden. Wie eine Maske richtig verwendet wird, erklärt dieses Video kindgerecht.

Tragen und Wechsel: Im Schulalltag ist es oft möglich, die Masken situationsbedingt und für kurze Zeit abzunehmen, ohne dabei sich und andere zu gefährden. Grundsätzlich gilt: Ist die Maske durchfeuchtet oder kontaminiert, muss sie gewechselt werden. Daher gibt man am besten mehrere Masken mit in die Schule.

"Hin und wieder erreichen uns Anfragen von Eltern, die sich sorgen, dass das Tragen von Masken der Gesundheit schaden könnte", sagt Annette Michler-Hanneken. "Sicher ist es so, dass Kinder Masken nicht immer als angenehm empfinden. Den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen liegen aktuell jedoch nach wie vor keine Informationen vor, die belegen, dass die für Kinder und Jugendliche empfohlenen Masken die Atmung in einem gesundheitsgefährdenden Maße beeinträchtigen."

 

Das Tragen von Masken ist nur ein Baustein von verschiedenen Schutzmaßnahmen, die zum Schutz einer SARS-CoV-2 Infektion beitragen. Das gesamte Maßnahmenkonzept für allgemein- und berufsbildende Schulen ist im SARS-CoV-2- Schutzstandard Schule formuliert. Empfehlungen für Tragezeiten finden Sie in den FAQs des Schutzstandard Schule im Corona-Informationsportal der gesetzlichen Unfallversicherung.

 

Privatschulen: Eltern bezahlen im Schnitt 2 000 Euro pro Jahr für einen Platz

 

Die Schulen in Deutschland sollen nach den Sommerferien zum Regelbetrieb zurückkehren - auch die Privatschulen. In der Zeit der Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie mussten Eltern von Privatschülerinnen und -schülern in den meisten Fällen das Schulgeld weiterbezahlen. Es ist Bestandteil der Schulverträge und ein wichtiges Element der Finanzierung dieser Schulen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Basis einer Sonderauswertung der Lohn- und Einkommensteuerstatistik mitteilt, bezahlten Eltern im Jahr 2016 im Durchschnitt 2 000 Euro jährlich für einen kostenpflichtigen Privatschulplatz ihrer Kinder. Für einen Großteil (59 %) dieser Kinder kostete der Platz weniger als 1 500 Euro an Schulgebühren und für ein knappes Viertel (23,5 %) sogar weniger als 500 Euro im Jahr.

 

Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf die 562 000 Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 23 Jahren, die eine kostenpflichtige Privatschule besuchten und deren Eltern das Schulgeld in der Steuererklärung des Jahres 2016 angegeben haben. Diese Zahl entspricht etwa 57 % aller Kinder, die in Deutschland eine Privatschule besuchten. Die restlichen 43 % der Privatschülerinnen und -schüler waren entweder auf kostenfreien Privatschulen, aus bestimmten Gründen vom Schulgeld befreit oder die Eltern haben das Schulgeld steuerlich nicht geltend gemacht. Weitere Informationen zum Thema stellt das Statistische Bundesamt (Destatis) in dem Dossier "Privatschulen in Deutschland - Fakten und Hintergründe" zur Verfügung.

 

Zahl der Privatschulen steigt seit vielen Jahren

 

Allgemeinbildende und berufliche private Schulen in Deutschland erfahren einen starken Zulauf: Ihre Zahl hat sich seit 1992/93 um 80 % auf 5 811 Privatschulen bis zum Schuljahr 2018/19 erhöht. Entsprechend ist die Zahl der Privatschülerinnen und -schüler gestiegen - absolut, wie auch anteilig. Im Schuljahr 2018/19 besuchten rund 1,0 Millionen Schülerinnen und Schüler von insgesamt 10,8 Millionen eine Privatschule, das sind 9,3 % der gesamten Schülerschaft. 1992/93 hatte der Anteil noch bei 4,9 % gelegen (574 000 Privatschüler/-innen von insgesamt 11,8 Millionen Schüler/-innen). Das liegt vor allem daran, dass in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin nach der deutschen Vereinigung ein Aufholprozess eingesetzt hat. Dagegen reduzierte sich dort seit 1992/93 die Zahl der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen von 12 400 auf 6 700 bis zum Schuljahr 2018/19. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die im Osten allgemeinbildende Privatschulen besuchten, stieg in diesem Zeitraum von 0,9 auf 10,3 %, im Westen von 6,1 auf 8,9 %.

 

Die Privatschullandschaft in Deutschland ist sehr vielfältig und umfasst nicht nur Gymnasien. So entfällt ein Großteil der Neugründungen auf Grundschulen. 1992/93 gab es in Deutschland nur 226 private Grundschulen, ihre Zahl erhöhte sich auf 894 im Schuljahr 2018/19. In diesem Zeitraum stieg der Anteil der Grundschülerinnen und Grundschüler, die eine Privatschule besuchten, von 0,8 auf 3,6 %. Aktuell besuchen 100 300 Grundschulkinder Privatschulen.

 

Die Ausgaben für kostenpflichtige Privatschulen variieren regional stark Auf Kreisebene war das steuerlich geltend gemachte Schulgeld 2016 im Rhein-Kreis Neuss mit jährlich durchschnittlich 7 400 Euro je Kind am höchsten. Es folgten die Stadt Düsseldorf (6 600 Euro) und der Hochtaunuskreis (6 300 Euro). Am niedrigsten war das durchschnittlich steuerlich geltend gemachte Schulgeld im Landkreis Unterallgäu mit rund 400 Euro.

 

Die großen regionalen Unterschiede sind unter anderem auf landesrechtliche Besonderheiten zurückzuführen, da die Regelungen zur Schulgeldpraxis in die Zuständigkeit der Bundesländer fallen. So erhalten beispielsweise Privatschulen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nur dann staatliche Zuschüsse in vollem Umfang, wenn sie kein Schulgeld erheben. Daher verzichten viele Privatschulen in diesen Ländern auf Gebühren. Bei denen, die es dennoch tun, sind sie durch fehlende staatliche Zuschüsse verhältnismäßig hoch. In den Kreisen dieser Bundesländer waren dementsprechend die Anteile der Kinder mit steuerlich geltend gemachtem Schulgeld an der gleichaltrigen Bevölkerung eher gering: Im Rhein-Kreis Neuss lag er bei 1,4 % aller dort lebenden Kinder, in Köln bei 1,6 % und in Neustadt an der Weinstraße bei 2,8 %. Anders sieht es in vielen Kreisen im Süden und Osten Deutschlands aus, in denen es überwiegend kostenpflichtige Privatschulen gibt. In der kreisfreien Stadt Schwerin sowie im Landkreis Oder-Spree lag der Anteil mit 11,8 % beziehungsweise 11,7 % bundesweit am höchsten, gefolgt vom Landkreis Dachau (11,2 %) und dem Hochtaunuskreis (10,9 %).

 

Karliczek: Wir unterstützen Studierende in Not

 

Bundesbildungsministerium stellt Überbrückungshilfe für Studierende in pandemiebedingten Notlagen bereit

 

Die Corona-Pandemie stellt viele Studierende vor finanzielle Herausforderungen. Zwei Drittel der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Viele von ihnen haben ihre Jobs infolge der aktuellen Corona-Pandemie verloren. Das stellt viele vor finanzielle Engpässe. Für solche Fälle stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Überbrückungshilfe bereit. Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

 

"Viele Studierende haben im Zuge der Corona-Pandemie ihre Studentenjobs verloren. Die betroffenen Studierenden stellt dies vor finanzielle Engpässe. Sehr viele Studierende sind neben dem Studium erwerbstätig. Etwa zwei Drittel aller Studierenden arbeiten neben dem Studium, bei den ausländischen Studierenden sind es sogar drei Viertel. Für viele dieser Studierenden, die Einkommensverluste ausgleichen müssen, kommt nun eine BAföG-Förderung in Betracht.

 

Betroffen sind aktuell aber auch Studierende, die nicht BAföG-förderfähig sind und keine anderen Einkünfte wie zum Beispiel ein Stipendium oder eine Förderung als Erasmus-Studierende erhalten. Wenn ihr Erwerbseinkommen wegbricht, stehen sie aktuell häufig vor finanziellen Problemen.

 

In den zurückliegenden Tagen habe ich Schreiben von Studierenden erhalten, die mir in dieser Ausnahmesituation ihre Not geschildert haben. Mir ist wichtig, dass diese betroffenen Studierenden nun rasch eine Überbrückungshilfe erhalten können. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Corona-Pandemie Studierende in den Abbruch oder die Aufgabe ihres Studiums treibt.

 

Wir haben in der Bundesregierung und der Koalition in den letzten Tagen intensiv über Lösungsansätze diskutiert. Ich freue mich, dass wir heute ein ausgewogenes Konzept für die Betroffenen vorstellen können. Es berücksichtigt, dass weitere Hilfen in dieser Ausnahmesituation notwendig sind. Gleichzeitig werden die finanziellen Belastungen für künftige Generationen berücksichtigt.

 

Nicht alle betroffenen Studierenden können ihre bisherigen Einkünfte kurzfristig durch anderweitige Arbeitsgelegenheiten ausgleichen. Diesen Studierenden steht nun die Möglichkeit offen, ein in der Startphase zinsloses Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu beantragen.

 

Dabei stützen wir uns auf den langbewährten KfW-Studienkredit, der mit Blick auf die voraussichtlich noch länger dauernde Krisenzeit bis zum 31. März 2021 zinslos gestellt wird. Dies gilt sowohl für neue Antragsteller, die ab dem 8. Mai hinzukommen, als auch für die Studierenden, die zwischen Mai 2020 und März 2021 in dieser Zeit bereits laufende Kredite ausgezahlt bekommen. Für die aktuell besonders betroffene Gruppe der ausländischen Studierenden werden wir von Juli 2020 bis März 2021 den Studienkredit öffnen.

 

Konkret: Studierende können ab Anfang Mai bei der KfW ein zinsloses Darlehen beantragen. Das zinslose Darlehen hat eine Höhe von bis zu 650 Euro im Monat. Das Darlehen kann unbürokratisch online beantragt werden. Das ist ein faires, schnelles und wirksames Angebot für die betroffenen Studierenden. Ich bin der KfW dankbar für ihre Unterstützung. Damit steht den betroffenen Studierenden ein bewährtes Instrument bereit, mit dem die Überbrückungshilfe rasch betroffene Studierende erreicht. Insgesamt kann damit ein Darlehensvolumen von bis zu einer Milliarde Euro aktiviert werden.

 

Neben der Hilfe über die KfW werden wir darüber hinaus dem Deutschen Studentenwerk 100 Millionen Euro für die Nothilfefonds der Studierendenwerke vor Ort zur Verfügung stellen. Mit diesem Geld soll denjenigen Studierenden in nachweislich besonders akuter Notlage geholfen werden, die ganz unmittelbar Hilfe benötigen und keine andere Unterstützung in Anspruch nehmen können. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den Studierendenwerken im ganzen Land für die Studierenden da sind, danke ich von Herzen für ihren Einsatz.

 

Diese Maßnahme ergänzt die bereits ergriffenen Initiativen des Bundesbildungsministeriums zur Unterstützung von Studierenden in der aktuellen Ausnahmesituation. Wir haben beim BAföG und bei Stipendien der Begabtenförderungswerke bereits zahlreiche Erleichterungen vorgenommen. Damit unterstützen wir bisherige BAföG-Empfänger, aber auch besonders die Studierenden, die nun neue Anträge stellen. Allen übrigen Studierenden stehen die neuen Hilfen offen."

 

Dr. Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, sagt: "Mit dem Studienkredit hat die KfW seit Einführung im Jahr 2006 das Ziel verfolgt, ein Hochschulstudium unabhängig vom finanziellen Hintergrund zu ermöglichen und so einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu leisten. In schwierigen Zeiten ist diese Unterstützung wichtiger denn je: Alle Studierenden, die Auszahlungen im KfW-Studienkredit erhalten, können ihr Studium in der Corona-Krise dank der zinsfreien Phase aufnehmen bzw. fortführen, auch bei Wegbrechen der Nebenjobs oder geringerer Unterstützung durch Eltern, die möglicherweise ebenso in Schwierigkeiten stecken."

 

Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW), erklärt: "Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Bundesregierung, explizit Frau Bundesministerin Karliczek, eine Nothilfe für Studierende bereitstellt. Für die Umsetzung dieser Hilfen über die Studenten- und Studierendenwerke werden wir jetzt zügig mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Verfahren für die konkrete Umsetzung entwickeln. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Hilfe rasch bei den betroffenen Studierenden ankommt."

 

Weiterbildung jetzt steuerbefreit

 

Bildung muss nicht mehr rein im Interesse des Arbeitgebers liegen

 

Technische Entwicklungen schreiten in einem rasanten Tempo voran und die Corona-Krise beschleunigt die Ausbreitung der digitalen Kommunikation und digitaler Arbeitsprozesse zusätzlich. Um am Puls der Zeit und als Arbeitnehmer weiterhin attraktiv zu bleiben, ist lebenslanges Lernen unerlässlich. Finanzieren Arbeitgeber neuerdings Weiterbildungen für Mitarbeiter, die keinen Bezug zu deren Arbeitsplatz haben, aber dennoch deren allgemeine Beschäftigungsfähigkeit verbessern, so müssen Arbeitnehmer die Kosten des Arbeitgebers nicht mehr als Arbeitslohn versteuern, berichtet die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Mit dem Jahressteuergesetz 2019 ist die Neuregelung am 1.1.2020 in Kraft getreten, gilt aber rückwirkend bereits ab dem 1.1.2019.

 

Bisher war die Steuerfreiheit von Fort- und Weiterbildungen nur gegeben, wenn diese Bildungsmaßnahmen rein im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers lagen. Vermittelten Weiterbildungen allgemein nützliche Kenntnisse und Fähigkeiten wurde regelmäßig ein geldwerter Vorteil für den Arbeitnehmer festgesetzt, der vom Arbeitslohn einbehalten wurde. Nun wurden die Möglichkeiten für Weiterbildung gesetzlich erweitert. Alle Bildungsmaßnahmen, die die Chancen für Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt verbessern, sind ab sofort garantiert steuerfrei, sofern es sich nicht um eine Belohnung für den Mitarbeiter handelt.

 

Unter die neuen steuerfreien Weiterbildungsmaßnahmen können z.B. allgemeine PC- und Softwareschulungen fallen, die nicht für den Arbeitsplatz benötigt werden, aber auch Benimm- oder Sprachkurse oder jegliche Fortbildungen, die die Persönlichkeit des Arbeitnehmers entwickeln. Hat der Arbeitgeber für eine derartige Weiterbildung im Jahr 2019 Lohnsteuer und Sozialabgaben einbehalten, können Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2019, die zu viel bezahlten Steuern zurückholen, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

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