Unfallschutz im Homeoffice

 

In Zeiten von Corona wird das Arbeiten von zu Hause aus für viele zum Alltag. Was die meisten nicht wissen: Im Homeoffice gelten beim Versicherungsschutz eigene Regeln.

 

Der digitale Fortschritt macht es möglich: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erledigen ihren Job in der aktuellen Situation von zu Hause aus. Was die Betriebsorganisation in Corona-Zeiten erleichtert, erschwert bei Unfällen das Klären der Versicherungsfragen. Denn die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem sind im Homeoffice fließend und selbst Gerichte kommen hierbei manchmal ins Straucheln.

 

Arbeitnehmer ist grundsätzlich gesetzlich versichert

 

Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz greift nicht nur im Büro, sondern auch im Homeoffice. Denn es spielt keine Rolle, an welchem Ort in Deutschland sich der Arbeitsplatz befindet. So besteht Versicherungsschutz bei allen Tätigkeiten, die im Arbeitsvertrag genannt werden. Dazu zählen Arbeiten, die zu erledigen sind, um die beruflichen Aufgaben erfüllen zu können. Deswegen werden auch Unfälle von Tele- oder Heimarbeitern berücksichtigt, die sich beim Instandsetzen oder Aufstellen von Arbeitsgeräten im Arbeitszimmer zu Hause ereignen – wie etwa beim Auffüllen von Druckerpapier oder Anschließen eines Arbeits-PCs.

 

Gesetzlicher Versicherungsschutz nur direkt im Homeoffice

 

Schwierig gestaltet sich mitunter die Frage, wie es um die gesetzliche Unfallversicherung (GUV) bei Wegen von privaten Räumen in das für das Homeoffice vorgesehene Zimmer und umgekehrt verhält. „Daheim greift der GUV-Schutz nur bei einem Arbeitsunfall direkt am heimischen Arbeitsplatz oder auf dem unmittelbaren Weg dorthin“, erklärt Peter Meier von der Nürnberger Versicherung. Ein Aufenthalt in der Küche ist nicht versichert. Kocht ein Arbeitnehmer sich daheim einen Tee und verletzt sich dabei oder auf dem Weg in die Küche, sind weder der Arbeitgeber noch die GUV zu einer Leistung verpflichtet. „Alle Räume, in denen man nicht seiner eigentlichen Berufstätigkeit nachgeht, gelten als Privatbereich. Sobald die Arbeitnehmer die versicherte Beschäftigung unterbrechen, sind sie in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr über die GUV versichert“, weiß Meier.

 

Private Bereiche müssen zusätzlich versichert werden

 

Wer auch bei einem Zwischenstopp im Kinderzimmer oder in der Küche versichert sein möchte, kommt ohne privaten Unfallschutz nicht aus. „Die private Ergänzung zur GUV leistet nämlich ebenso bei Unfällen in der Freizeit, beim Sport, zu Hause und eben im Homeoffice. Sogar bei Invalidität oder Unfalltod werden die in der Versicherungspolice für diese Fälle vereinbarten Summen geleistet“, begründet der Experte.

 

Gesetzliche Vorgaben greifen auch im Homeoffice

 

Insgesamt sollte beachtet werden, dass daheim die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie bei der Arbeit direkt im Unternehmen gelten. So sollte etwa die Arbeitszeit daheim nicht länger sein als im Büro. Das ist wichtig, weil Übermüdung und Überanstrengung selbst im Homeoffice zu Arbeitsunfällen führen können. Pausen einhalten: Wer mehr als sechs Stunden am Tag arbeitet, muss für eine halbe Stunde unterbrechen. Die Ausstattung des heimischen Büros hat den Arbeitsschutzbestimmungen zu entsprechen. Das fängt bei der Raumgröße an und gilt für Beleuchtung sowie Möbel. All das muss der Arbeitgeber überprüfen können, weshalb die Mitarbeiter in der Regel verpflichtet sind, ihm den Zutritt zur Wohnung zu erlauben.

 

Unfallversicherung:  Oft ist ein Tarifwechsel sinnvoll

 

Und schon ist es passiert: Die Leiter kippt, es gibt eine Stichflamme oder man stürzt. 10 Millionen solcher Unfälle passieren jedes Jahr in Deutschland, die meisten gehen glimpflich aus. Aber wenn nicht? Wenn gesundheitliche Schäden zurückbleiben, die nie wieder heilen? Dann greifen Unfallversicherungen. Die Stiftung Warentest hat für die Oktober-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest 117 Tarife untersucht. Das Ergebnis: Es gibt 11 sehr gute und viele gute, darunter auch preiswerte.

 

„Eine private Unfallversicherung ist sinnvoll, bedenken Sie aber, dass Sie damit lediglich bleibende Unfallfolgen absichern. Einen Schutz gegen die finanziellen Folgen von Krankheiten bietet diese Versicherung nicht“, so Projektleiter Michael Nischalke. Nach dem aktuellen Test können die Experten von Finanztest aber eine Reihe von Unfallversicherungen empfehlen, die im Falle eines Falles gute oder sehr gute Leistungen bieten. Dazu gehört, dass bei Vollinvalidität mindestens 500.000 Euro gezahlt werden, bei einer Invalidität von 50 Prozent sollten es mindestens 100.000 Euro sein.

 

Insgesamt 26 Millionen Unfallversicherungspolicen gibt es in Deutschland. Aber nicht jeder Vertrag erfüllt die Anforderungen von Finanztest. Wer bereits unfallversichert ist, sollte seinen aktuellen Vertrag mit der Checkliste im Artikel überprüfen – und gegebenenfalls wechseln.

 

Die Untersuchung zeigt: Verbraucher haben die Wahl zwischen sehr gutem, aber eher teurem Schutz oder guten und preisgünstigen Tarifen ab einem Jahresbeitrag von 69 Euro.

 

Wegeunfall und Alkohol - Einstandspflicht der Gesetzlichen Unfallversicherung

Wer einen Arbeitsunfall erleidet, wird aus der Gesetzlichen Unfallversicherung entschädigt. Sie finanziert sich allein aus den Beiträgen der Arbeitgeber. Schon deshalb haften die Berufsgenossenschaften nur bei Unfällen, die durch die Arbeitstätigkeit verursacht sind. Abschlägige Entscheidungen der Unfallversicherungsträger betreffen immer wieder Unfälle auf dem Weg zur und von der Arbeit. Zur Anerkennung eines Wegeunfalls, bei dem über eine alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit als wesentliche Unfallursache zu entscheiden war, hat das Bayerische Landessozialgericht einen instruktiven Fall veröffentlicht.

 

Ausgangspunkt

 

Auf dem Heimweg von der Arbeit im gemeindlichen Bauhof war der Kläger mit seinem Wagen von der Straße abgekommen und verunfallt. Über fünf Stunden später suchte er ein Krankenhaus auf. Dort stellte man einen Bruch der Halswirbelsäule fest - aber auch eine BAK von 1,5 Promille. Die zuständige Berufsgenossenschaft lehnte die Feststellung eines Arbeitsunfalls ab, denn der Unfall sei wesentlich durch alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit verursacht. Der Zusammenhang mit einer versicherten Arbeit trete dahinter zurück. Das Sozialgericht hatte diese Entscheidung bestätigt.

 

Die Entscheidung

 

In der Berufung entschied das Bayer. Landessozialgericht anders. Die Angabe des Klägers, er habe nach dem Unfall Schnaps getrunken, schließe eine Rückrechnung der BAK von 1,5 Promille auf den Unfallzeitpunkt aus. Wie viel Alkohol der Kläger vor und nach dem Unfall getrunken hatte, sei trotz umfangreicher Beweisaufnahme nicht mehr aufklärbar gewesen. Die Aussagen der einvernommenen Arbeitskollegen hätten keinen entsprechenden Nachweis erbracht. Ein medizinisches Sachverständigengutachten habe verneint, dass ein jahrelanger überhöhter Alkoholkonsum die erhebliche Alkoholisierung des Klägers im Unfallzeitpunkt beweise. Allein bewiesen sei deshalb der Unfall auf dem versicherten Nachhauseweg. Für den Einwand, der Unfall sei entscheidend auf die Alkoholisierung des Klägers zurückzuführen, sei die Berufsgenossenschaft im Ergebnis beweislos geblieben. Ein Arbeitsunfall sei deshalb anzuerkennen.

 

Auswirkungen der Entscheidung

 

Die Entscheidung des Bayerischen Landessozialgerichts zeigt erneut, wer die Verteilung der Feststellungslast bei Wegeunfällen trägt. Unfälle auf dem Wege zur und von der Arbeit sind grundsätzlich unfallversichert. Wird eingewandt, dass ein Wegeunfall alkoholbedingt ausnahmsweise nicht dem gesetzlichen Versicherungsschutz unterfällt, trägt die Beweislast die Berufsgenossenschaft. Ist die alkoholbedingte Verkehrsuntüchtigkeit nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nachweisbar, bleibt es bei der Einstandspflicht des Unfallversicherungsträgers.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Verbraucherfinanzen-Deutschland.de