Ehrenamtlich Tätige können auch Verluste geltend machen

 

Etwa 14 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich; auch Unternehmerinnen und Unternehmer sind aktiv. Dafür bekommen sie manchmal eine Aufwandsentschädigung. Das Steuerrecht gewährt dafür Freibeträge in Form der Übungsleiter- oder Ehrenamtspauschale. Doch welche Pauschalen gibt es wofür genau? Und können ehrenamtlich Tätige damit auch Verluste erzielen und in ihrer Steuer geltend machen? Das erläutert Ecovis-Steuerberater Rainer Sievert in Lichtenfels.

 

Arbeitnehmer müssen auf alle Einkünfte Einkommensteuer zahlen, also auch auf ihre Einkünfte für die Arbeit in einem gemeinnützigen Verein. Manche Vereine bezahlen Aufwandsentschädigungen. „Damit das Engagement auch steuerlich attraktiv ist, gewährt der Gesetzgeber ehrenamtlich Tätigen Freibeträge“, erklärt Ecovis-Steuerberater Rainer Sievert in Lichtenfels. Bei der Übungsleiterpauschale sind Einnahmen bis zu 2.400 Euro steuerfrei; bei der Ehrenamtspauschale bis zu 720 Euro.

 

Wofür es die Übungsleiterpauschale gibt

 

Die Übungsleiterpauschale bekommt, wer nebenberuflich für eine gemeinnützige Gesellschaft als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer arbeitet, eine künstlerische Tätigkeit ausübt, alte, kranke oder behinderte Menschen pflegt oder

wie ein Honorarprofessor für eine juristische Person wie eine Uni lehrt.

 

Wofür es die Ehrenamtspauschale gibt

 

Für die Ehrenamtspauschale reicht die reine Tätigkeit für eine gemeinnützige Gesellschaft wie Rasen mähen, Schriftführer, Kassenwart aus.

 

Sind Aufwendungen abziehbar?

 

Mit jeder Tätigkeit sind Kosten verbunden, wie Fahrtkosten, Verpflegung, Fachbücher oder Arbeitsmittel. Meistens sind diese Kosten überschaubar. Wenn sich aber ein Musiker für sein Orchester zum Dirigenten fortbildet oder jemand einen Trainerschein macht, kann das schnell mehrere Hundert Euro kosten. Und dann stellt sich die Frage: Darf der ehrenamtlich Tätige diese Kosten bei seiner Einkommensteuer als Aufwand angeben?

 

Rechtsprechung und Verwaltung halten sich an diese drei Fallkonstellationen:

 

Fall 1: Die Kosten liegen unter den Einnahmen, sind aber höher als der Freibetrag:

Alle Kosten die über den Freibetrag hinausgehen und nachgewiesen wurden, lassen sich voll abziehen. „In diesem Fall lassen sich die Freibeträge von 2.400 oder 720 Euro allerdings nicht mehr als Freibetrag nutzen“, sagt Steuerberater Sievert.

 

Fall 2: Die Kosten liegen unter den Einnahmen und unter dem Freibetrag:

Zu versteuern sind Einnahmen minus Freibetrag. Bleiben die Einnahmen unter dem Freibetrag, betragen die Einkünfte, die in der Steuererklärung anzugeben sind, null Euro. „In diesem Fall bringen die angegebenen Kosten keine Steuerermäßigung, dennoch sollte man sie sammeln“, rät Steuerberater Sievert.

 

Fall 3: Die Ausgaben sind höher als die Einnahmen:

Hier sind die Kosten voll abzugsfähig. „In diesem vom Bundesfinanzhof entschiedenen Fall wirkt sich der entstandene Verlust in der Steuererklärung steuermindernd aus“, sagt Ecovis-Experte Sievert, „allerdings mit der Einschränkung, dass langfristig eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt.“

 

Vollzeitbeschäftigte arbeiteten 2018 im Durchschnitt 41 Stunden pro Woche

 

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit vollzeitbeschäftigter Erwerbstätiger lag im Jahr 2018 in Deutschland bei 41 Stunden. Teilzeitbeschäftigte arbeiteten 19 Stunden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai nach ersten Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung weiter mitteilt, lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Voll- und Teilzeiterwerbstätigen zusammengenommen bei 35 Stunden.

 

Seit 1991, dem ersten Jahr, in dem Ergebnisse für Gesamtdeutschland aus dieser Erhebung vorliegen, blieb die Wochenarbeitszeit vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weitestgehend stabil bei durchschnittlich 40 Stunden. Selbstständige in Vollzeit gaben durchweg höhere Arbeitszeiten an als abhängig Beschäftigte, allerdings gingen sie seit 1991 im Mittel um gut 6 Stunden von 54 auf 48 Wochenstundenstunden zurück.

Firmenwagen im Minijob kann zur Steuerfalle werden

 

Die Fahrzeugüberlassung an nahestehende Personen mit Minijob hält Fremdvergleich nicht stand.

 

„Ein Arbeitgeber würde einem familienfremden Minijobber keinen Firmenwagen zur privaten Nutzung überlassen; die hierdurch entstehenden Kosten wären nicht kalkulierbar“ erläutert Marcel Radke, Steuerberater und Gesellschafter bei der Regensburger Steuerberatungsgesellschaft WW+KN.

 

Im entschiedenen Fall war die Lebensgefährtin eines selbstständig tätigen Ingenieurs im Hauptberuf als Sekretärin tätig. Daneben schloss sie mit ihrem Partner einen weiteren Arbeitsvertrag, wonach sie wöchentlich sechs Stunden für ihn tätig sein sollte. Zu ihren Aufgaben gehörten Belegsortierung, Kontrolle und Vorbereitung der Zahlung von Eingangsrechnungen, Kontrolle von Zahlungseingängen der Ausgangsrechnungen sowie sonstige mit der kaufmännischen Organisation des Ingenieurbüros zusammenhängende Arbeiten. Die Tätigkeit sollte als geringfügige Beschäftigung ausgeübt werden.

 

In einem Nachtrag zum Anstellungsvertrag vereinbarte der Ingenieur mit seiner Partnerin, dass ihr ein Firmenwagen zur privaten Nutzung zur Verfügung gestellt werde, deren Kosten er übernehme. Der steuer- und sozialversicherungspflichtige Gegenwert der Fahrzeugüberlassung für private Zwecke sollte gegen den baren Vergütungsanspruch aufgerechnet werden.

 

Dienstwagen im Minijob hält Fremdvergleich nicht Stand: Das Finanzamt erkannte das Arbeitsverhältnis nicht an und versagte dem Ingenieur den Abzug für den Arbeitslohn der Lebensgefährtin und die Kosten des ihr zur Verfügung gestellten Fahrzeugs. Grund war, dass der zwischen dem Ingenieur und seiner Lebensgefährtin bestehende Arbeitsvertrag einem Fremdvergleich nicht standhalte.

 

Gefährliche Praxisfalle: Dienstwagen im Minijob nicht anerkannt. Klage und Nichtzulassungsbeschwerde blieben auch beim Bundesfinanzhof ohne Erfolg. Nach Auffassung der Richter würde ein Arbeitgeber einem familienfremden geringfügig Beschäftigten regelmäßig kein Fahrzeug überlassen, da sich durch eine umfangreiche Privatnutzung des Pkw die Vergütung für die Arbeitsleistung in erhebliche - und für den Arbeitgeber unkalkulierbare - Höhen steigern könnte.

 

Schlupfloch: erhebliche betriebliche Nutzung des Firmenwagens: Noch vor kurzem hatte das Finanzgericht Niedersachsen anders entschieden und den Dienstwagen trotz Minijob anerkannt (vergleiche Finanzgericht Niedersachsen, Urteil vom 16. November 2016, 9 K 316/15). Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs war der Sachverhalt jedoch nicht vergleichbar, weil er eine "ehemalige nichteheliche Lebensgemeinschaft" betraf und außerdem eine erhebliche betriebliche Nutzung des überlassenen Pkw gegeben war.

 

Alternativen zum Dienstwagen: Zulässige Gehaltsextras im Minijob

 

Im Ergebnis führt die Entscheidung des Bundesfinanzhofs dazu, dass die Bereitstellung eines Dienstwagens an geringfügig Beschäftigte zur privaten Nutzung erheblichen Unsicherheiten unterliegt. Es gibt aber eine ganze Reihe alternativer Möglichkeiten, die Entlohnung von Aushilfen - sogar über die Verdienstgrenze von 450 Euro hinaus - aufzubessern, ohne die Abgabenpauschalierung zu gefährden. Spielraum dazu bieten Steuerbefreiungen und weitere Pauschalierungsregelungen.

 

Folgende steuerfreie oder pauschalbesteuerte Leistungen sind bei Aushilfen zulässig:

 

Sachzuwendungen bis zu 44 Euro monatlich; Sachgeschenke aus der Produktpalette des Arbeitgebers bis 1.080 Euro jährlich; Erstattungen für Reisekosten, Jobtickets, Umzugskosten, doppelte Haushaltsführung; Sachbezüge aufgrund der Privatnutzung arbeitgebereigener Telekommunikationsmittel und Personalcomputer; Pauschal mit 15 Prozent versteuerte Fahrtkostenzuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte; Pauschal mit 25 Prozent versteuerte Mahlzeiten bzw. Essenszuschüsse oder Vorteile aus der Übereignung von Personalcomputern.

 

Auch bei Gehaltsumwandlung: Dienstfahrrad wird steuerlich attraktiver

 

Seit Anfang des Jahres gibt es umfassende Steuererleichterungen für Dienstfahrräder: Stellt der Chef das Rad seinem Arbeitnehmer zusätzlich zum Lohn zur Verfügung, muss der Mitarbeiter für private Fahrten keinen geldwerten Vorteil mehr versteuern. Nun profitieren auch Arbeitnehmer, die ihr Dienstfahrrad im Rahmen einer Gehaltsumwandlung erhalten. Wie das geht, erklärt der Verbraucher-Ratgeber Finanztip.

 

Experten schätzen, dass derzeit mehr als 200.000 Dienstfahrräder in Deutschland im Einsatz sind. "In den meisten Fällen least der Arbeitgeber das Rad und der Mitarbeiter ist in Form einer Gehaltsumwandlung daran beteiligt", erklärt Udo Reuß, Steuerexperte bei Finanztip. Wird das Rad erstmals im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis Ende 2021 zur Verfügung gestellt, greift nun auch bei einer Entgeltumwandlung eine Steuervergünstigung: Arbeitnehmer müssen dann nur noch den halben Bruttolistenpreis des Rads als geldwerten Vorteil versteuern. Das gestattet ein aktueller Erlass der obersten Finanzbehörden der Länder vom 13. März 2019.

 

Bemessungsgrundlage halbiert sich

 

"Beim Leasing-Modell vereinbaren Arbeitnehmer in der Regel mit ihrem Chef eine Barlohnumwandlung", sagt Reuß. "Statt einen Teil des Gehalts ausbezahlt zu bekommen, erhalten sie ein Dienstrad, das sie auch privat nutzen dürfen." Meistens zieht der Arbeitgeber vom monatlichen Bruttolohn die Leasingrate und die Versicherungsprämie ab, oft abzüglich eines Zuschusses . Grundsätzlich kommt dann ein Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil für die Privatnutzung dazu. Mit dem aktuellen Erlass halbiert sich die Bemessungsgrundlage. "Das führt in der Praxis nur zu einer 0,5-prozentigen Besteuerung." Insgesamt sinkt damit die Berechnungsgrundlage für Lohnsteuer und Sozialversicherung, die Arbeitnehmer zahlen weniger Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Und auch der Chef profitiert: "Arbeitgeber zahlen aufgrund der geringeren Bemessungsgrundlage etwas weniger für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung."

 

Verfall von Urlaubsansprüchen - Obliegenheiten des Arbeitgebers

 

Der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub erlischt in der Regel nur dann am Ende des Kalenderjahres, wenn der Arbeitgeber ihn zuvor über seinen konkreten Urlaubsanspruch und die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat.

 

Darauf verweist der Stuttgarter Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Henn, Präsident des VDAA - Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e. V. mit Sitz in Stuttgart, unter Hinweis auf die Mitteilung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) zu seinem Urteil vom 19.02.2019 - Az. 9 AZR 541/15 -.

Arbeitskleidung mit Steuerbonus – was akzeptiert das Finanzamt?

 

Ein immer wieder aktuelles Thema in der Lohn- und Einkommensteuer ist die Arbeitskleidung. „Bei der Arbeitskleidung handelt es sich um Kleidung, die von Arbeitnehmern getragen wird, um ihre private Kleidung zu schonen. Typisches Beispiel ist der weiße Kittel eines Arztes“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart. Davon abzugrenzen ist die Dienstkleidung. Diese wird aufgrund von Dienstinteressen des Arbeitgebers zur Kenntlichmachung während der Arbeit getragen, z. B. die Uniform eines Polizisten oder Feuerwehrmanns.

 

Überlassung durch den Arbeitgeber

 

Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt typische Berufskleidung, z. B. die Uniform eines Polizisten, so ist dies steuerfrei. Auch die Bereitstellung der typischen Berufskleidung, die im Eigentum des Arbeitgebers bleibt, z. B. Schutzbrillen, Helme usw., ist steuerfrei. Schwieriger wird es jedoch, wenn die Berufskleidung auch zu privaten Anlässen getragen werden kann, etwa der schwarze Anzug eines Oberkellners, der auch zu feierlichen privaten Anlässen passend ist.

 

Die Finanzverwaltung definiert die typische Berufskleidung, die dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber steuerfrei überlassen werden kann, wie folgt:

 

Die Kleidungsstücke müssen

 

als Arbeitsschutzkleidung auf die jeweils ausgeübte Berufsstätigkeit zugeschnitten sein oder

nach ihrer z. B. uniformartigen Beschaffenheit bzw. dauerhaft angebrachten Kennzeichnung durch ein Firmenlogo objektiv eine berufliche Funktion erfüllen, sodass ihre private Nutzung so gut wie ausgeschlossen ist.

Danach sind normale Schuhe und Unterwäsche keine typische Berufskleidung.

 

Bereitstellung von Zivilkleidung

 

Die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung von Zivilkleidung oder auch bürgerlicher Kleidung führt grundsätzlich zu steuerpflichtigem Arbeitslohn. Hier sind die Abgrenzungskriterien schwieriger. So hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einer Entscheidung ein eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers an der Überlassung bürgerlicher Kleidung bestätigt und damit das Vorliegen steuerpflichtigen Arbeitslohns verneint, in dem ein im Lebensmitteleinzelhandel tätiger Arbeitgeber seinem Verkaufspersonal einheitliche bürgerliche Kleidung (Strickjacken, Hemden/Blusen, Krawatten/Halstücher) zur Verfügung gestellt hat.

 

Was kann der Arbeitnehmer als Werbungskosten absetzen?

 

Generell kann der Arbeitnehmer selbst getragene Aufwendungen für Arbeitsmittel, so auch typische Berufskleidung, steuermindernd als Werbungskosten von seiner Einkommensteuer absetzen. Dazu gehören z. B. auch die Kosten für die Reinigung. Dabei ist die Abgrenzung zu den nicht abzugsfähigen allgemeinen Kosten der Lebensführung jedoch im Einzelfall, insbesondere in der Abgrenzung zwischen Arbeitskleidung und bürgerlicher Kleidung, schwierig.

 

Handelt es sich jedoch um typische Berufskleidung und ist der Angestellte durch eine Dienstvorschrift verpflichtet, die Dienstkleidung bei Ausübung seiner Tätigkeit zu tragen, so sind die Aufwendungen als Werbungskosten abzugsfähig.

 

In einer älteren Entscheidung hat der Bundesfinanzhof (BFH) geurteilt, dass die Aufwendungen eines Oberkellners für die Anschaffung, Reinigung und Instandhaltung eines schwarzen Anzugs (hochwertiger Frack/Smoking) dann als Werbungskosten abziehbar sein können, wenn er nach einer Dienstvorschrift verpflichtet ist, bei seiner Tätigkeit einen schwarzen Anzug zu tragen.

 

Auf der anderen Seite hat der BFH die Kosten eines Trachtenanzugs des Geschäftsführers eines im bayerischen Stil gehaltenen Lokals in Nürnberg nicht zum Werbungskostenabzug zugelassen, obwohl der Geschäftsführer verpflichtet gewesen ist, diesen zu tragen. Die Begründung des BFH: Die auch private Nutzung der Trachtenkleidung als sogenannte bürgerliche Kleidung erscheint angesichts des Arbeitsortes nicht ausgeschlossen.

 

Zudem nicht zum Werbungskostenabzug zugelassen hat der BFH Kosten für die Sportkleidung eines Sportlehrers, die weiße Kleidung eines Masseurs, weiße Schuhe, Hemden oder Socken bei Ärzten sowie die Kleidung einer Instrumentalsolistin – die Kosten eines schwarzen Anzugs für einen Geistlichen und einen Leichenbestatter dagegen schon. Diese Unterscheidungen sind nicht immer unmittelbar einsichtig.

 

Fazit

 

Wie zu sehen ist, gibt es zwar Leitlinien, in Grenzfällen muss jedoch eine genaue Unterscheidung zwischen einer typischen, steuerlich zu berücksichtigenden Berufskleidung und einer nicht absetzbaren bürgerlichen Kleidung getroffen werden. Hier sollte der Rat eines Steuerberaters eingeholt werden.

 

Deutsche haben 2019 rund 763 Euro mehr zur Verfügung 

 

Laut GfK Kaufkraftstudie wird die Kaufkraft der Deutschen im Jahr 2019 auf 23.779 Euro pro Kopf ansteigen. Dies entspricht einem rechnerischen Plus von nominal 3,3 Prozent und 763 Euro mehr pro Kopf.

 

Für Deutschland prognostiziert GfK für das Jahr 2019 eine Kaufraftsumme von 1.968,7 Milliarden Euro. Das sind pro Kopf 763 Euro mehr als im Vorjahr, basierend auf der revidierten Vorjahresprognose. Im Jahr 2019 steht den Deutschen demnach eine durchschnittliche pro-Kopf-Kaufkraft von 23.779 Euro für Konsumausgaben, Wohnen, Freizeit oder Sparen zur Verfügung.

 

Unter Kaufkraft versteht man das nominal verfügbare Nettoeinkommen der Bevölkerung inklusive staatlicher Transferzahlungen wie Renten, Arbeitslosen- und Kindergeld. Die für 2019 prognostizierte positive Kaufkraftentwicklung stützt sich auf steigende Löhne in vielen Branchen und den stabilen Arbeitsmarkt. Auch bei den Renten wird 2019 ein Anstieg erwartet. Wie viel vom nominalen Kaufkraftzuwachs real übrig bleibt, hängt allerdings davon ab, wie sich 2019 die Verbraucherpreise entwickeln werden.

 

September 2018: Erstmals mehr als 45 Millionen Erwerbstätige

 

Im September 2018 waren nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) knapp über 45,0 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig, so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Damit wurde erstmals die 45-Millionen-Marke bei den Erwerbstätigen überschritten. Gegenüber September 2017 nahm die Zahl der Erwerbstätigen um 1,3 % zu (+557 000 Personen). Erwerbslos waren im September 2018 rund 1,4  Millionen Personen, 124 000 weniger als ein Jahr zuvor.

 

Im Vormonatsvergleich stieg die Zahl der Erwerbstätigen im September 2018 nach vorläufigen Ergebnissen der Erwerbstätigenrechnung um 216 000 Personen oder 0,5 %. Dies entspricht in etwa dem durchschnittlichen Zuwachs gegenüber dem Vormonat der letzten fünf Jahre (+212 000 Personen). Saisonbereinigt, das heißt nach rechnerischer Ausschaltung der üblichen jahreszeitlich bedingten Schwankungen, stieg die Erwerbstätigenzahl im September 2018 gegenüber August 2018 um 39 000 Personen oder 0,1 %.

 

Neben der Erstberechnung der Erwerbstätigenzahl für September 2018 wurden auch die vorläufigen monatlichen Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit für das Jahr 2018 neu berechnet. Hierbei wurden alle zum jetzigen Berechnungszeitpunkt zusätzlich verfügbaren erwerbsstatistischen Quellen einbezogen. Aus der Neuberechnung resultierten für die monatlichen Erwerbstätigenzahlen Vorjahresveränderungsraten, die in fast allen Monaten des Jahres 2018 jeweils um 0,1 Prozentpunkte niedriger liegen als die bisher veröffentlichten Ergebnisse.

 

Nach Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung lag die Zahl der Erwerbslosen im September 2018 bei 1,43 Millionen Personen. Im Vergleich zum Vormonat nahm sie um 2,7 % oder 44 000 Personen ab. Bereinigt um saisonale und irreguläre Einflüsse betrug die Zahl der Erwerbslosen 1,45 Millionen Personen. Sie war damit um rund 8 000 Personen niedriger als im Vormonat. Die bereinigte Erwerbslosenquote lag im September 2018 bei 3,4 %.

 

Top- und Flop-Berufe 2018: Gehaltsdifferenzen von bis zu 93.400 Euro jährlich

In welchen Berufen gibt es die lukrativsten Gehälter - und in welchen erhalten Beschäftigte das geringste Einkommen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben die Analysten von Gehalt.de insgesamt 21.846 Datensätze von Fachkräften ohne Personalverantwortung untersucht. Das Ergebnis: Neben des Einkommens eines Oberarztes (115.300 Euro) dominieren vor allem Gehälter aus der Finanzbranche die Liste der Top-Berufe. Am wenigsten verdienen Küchenhilfen. Sie kommen auf 21.900 Euro.

 

Laut Auswertung von Gehalt.de beziehen Oberärzte mit einem jährlichen Einkommen von 115.300 Euro das höchste Gehalt. Mit circa 99.600 Euro jährlich folgt das Einkommen eines Beschäftigten im Bereich "Mergers and Acquistions". Im Fondsmanagement sind die Gehälter ebenfalls verhältnismäßig hoch: 83.600 Euro verdienen hier Angestellte ohne Personalverantwortung. "Bei der Auswertung wird der starke Einfluss des Bildungsstandes deutlich: Unter den Top-Berufen finden wir nur Tätigkeiten vor, die in der Regel einen Studienabschluss erfordern", so Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

 

Küchenhilfen verdienen 21.900 Euro jährlich

 

Das geringste Gehalt beziehen Restaurant- und Küchenhilfen. Das Bruttojahreseinkommen liegt hier bei 21.900 Euro - somit erhalten Beschäftigte in diesem Bereich jährlich fast 93.400 Euro weniger als Oberärzte. Es folgen die Gehälter von Friseuren (23.200 Euro) und Kellnern (23.600 Euro). "Das Prinzip von Angebot und Nachfrage wirkt sich auf die Gehälter aus: In der Gastronomie und der Dienstleistungsbranche beispielsweise sind die Berufe leicht zugängig, wodurch eine hohe Bewerberanzahl entsteht und die Gehälter somit verhältnismäßig gering sind", erklärt Bierbach.

 

Berufe im Mittelfeld: Architekt, Mechatroniker und Beschäftigte im Vertriebsinnendienst

 

Die Gehälter von Beschäftigten im Sekretariat (35.900 Euro), in der Mechatronik (36.800 Euro) und im Vertriebsinnendient (38.100 Euro) liegen im Mittelfeld dieser Auswertung. Zudem erhalten auch Architekten mit 41.600 Euro und Beschäftigte im technischen Kundendienst mit 42.900 Euro ein mittelmäßiges Einkommen.

 

Gehalt für Pflegekräfte ist unattraktiv

 

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Pflegekräfte tauchen ebenfalls in der Flop-Zehn-Liste auf. 2017 war das noch nicht der Fall. "Pflegekräfte werden immer bedeutender für die Gesellschaft, vergütungstechnisch verlieren sie dagegen zunehmend an Attraktivität", so Bierbach. Mit einem Durchschnittsgehalt von 30.357 Euro befinden sich Pflegeberufe noch hinter Berufskraftfahrern. Letztere verdienen mit 30.467 Euro leicht mehr.

 

Arbeitskosten 2016 in Ostdeutschland um 23,5 % unter Westniveau

Im Jahr 2016 betrugen in Deutschland die Arbeitskosten je geleistete Stunde durchschnittlich 33,09 Euro. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, lagen in Ostdeutschland die Arbeitskosten mit 26,14 Euro um 23,5 % unter dem Niveau Westdeutschlands einschließlich Berlin (34,19 Euro je geleistete Stunde).

 

Der größte Abstand zwischen Ost und West bestand mit - 36,4 % im Verarbeitenden Gewerbe, das in besonderem Maße dem Standort- und Produktwettbewerb ausgesetzt ist. Kurz nach der deutschen Vereinigung (1992) hatte der Abstand in dieser Branche bei - 53,4 % gelegen. Bis 1996 war die Lücke kräftig bis auf - 42,7 % gesunken. Seitdem hat sich die Annäherung verlangsamt.

 

Im Jahr 2016 waren im Verarbeitenden Gewerbe die Arbeitskosten großer Unternehmen (1 000 und mehr Beschäftigte) sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland etwa doppelt so hoch wie die Arbeitskosten kleiner Unternehmen (10 bis 49 Beschäftigte). Jedoch arbeitete im Westen mit gut einem Drittel der Beschäftigten (36 %) ein deutlich größerer Anteil in einem großen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes als im Osten (15 %).

 

Der geringste Abstand der Arbeitskosten in ostdeutschen Betrieben zum Westniveau bestand 2016 in den vom öffentlichen Dienst geprägten Wirtschaftsabschnitten "Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung" (- 4,5 %) sowie "Erziehung und Unterricht" (- 6,8 %).

 

Familie und Beruf: Deutschland muss kräftig aufholen

Umfrage: Flexible Arbeitszeiten nur an jedem vierten Arbeitsplatz - 56 Prozent bieten keine Teilzeit in den Betrieben an

 

Trotz vieler Angebote der Politik (Elterngeld, Anspruch auf Kita-Platz) kommt viel zu wenig aus den Unternehmen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Andere Länder wie Norwegen, Dänemark oder auch Frankreich bieten mehr Möglichkeiten, Kind und Karriere in einer modernen Arbeitswelt zu kombinieren. Lediglich 44 Prozent aller Betriebe hierzulande haben Modelle für Teilzeitarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der ManpowerGroup Deutschland, für die 1.010 Bundesbürger befragt wurden.

 

Die Zahlen sprechen für sich: Mitarbeiter mit Kindern können nur in 24 Prozent aller Betriebe flexible Arbeitszeiten mit dem Chef vereinbaren. Dieser Wert hat sich im Vergleich zur Befragung im vergangenen Jahr um drei Prozentpunkte verschlechtert. Immerhin gibt es für 32 Prozent der Teilzeitkräfte die Möglichkeit, nach einiger Zeit wieder in eine Vollzeitposition zu wechseln. "Wir müssen auf Seiten der Arbeitnehmer und auch der Arbeitgeber neu denken. Die Zeiten der "Nine to Five"-Jobs sind vorbei." sagt Herwarth Brune, der Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. "Die Arbeitnehmer wollen flexible Modelle, die sich ihren Gewohnheiten anpassen lassen."

 

Mehr als jeder fünfte Mann geht in Elternzeit

 

Schlecht sieht es allerdings aus, wenn es um die Betreuung der Kinder im Unternehmen geht. Nur in elf Prozent aller Betriebe gibt es dafür geeignete Möglichkeiten. Und nur jede zehnte Firma unterstützt Familien mit einem Zuschuss zur Kinderbetreuung. "Hier verschenken die Unternehmen Chancen, das Potenzial von gut ausgebildeten Frauen und Männern zu nutzen", sagt Brune. "Gerade die Möglichkeit, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, ist für viele Berufstätige heute einer der wichtigsten Faktoren bei der Jobsuche geworden." Wenn aus Mitarbeitern Eltern werden, gibt es in vielen Betrieben gute Programme und Möglichkeiten. In den Unternehmen gehört es zur Kultur, dass Frauen und Männer mit Kindern gefördert werden. In 21 Prozent der Firmen nehmen auch viele Männer den Anspruch auf Elternzeit wahr. In fast jedem fünften Betrieb (19 Prozent) gibt es Programme zur Wiedereingliederung der Mitarbeiter nach der Elternzeit. In neun Prozent aller Firmen werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Suche nach einem Betreuungsplatz unterstützt. "Das Homeoffice könnte schon jetzt in vielen Bereichen sehr hilfreich sein. Eine Möglichkeit, die sich viele Arbeitnehmer wünschen. Doch dafür müssen die Arbeitgeber auch Vertrauen haben und loslassen können," so Herwarth Brune, der Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland.

 

Mehr als die Hälfte der nicht-erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter wünscht sich Arbeit

27 % der alleinerziehenden Mütter mit mindestens einem minderjährigen Kind waren 2017 ohne eine Beschäftigung. Mehr als die Hälfte (55 %) dieser nicht-erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter war allerdings an der Aufnahme einer Arbeit interessiert. Familiäre oder persönliche Gründe wurden von ihnen am häufigsten als Hinderungsgrund angegeben. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, hatten im Vergleich dazu in einer Partnerschaft lebende nicht-erwerbstätige Mütter deutlich seltener den Wunsch, eine Arbeit aufzunehmen (29 %).

 

Die finanzielle Situation von Alleinerziehenden ist immer wieder Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Dazu sagte Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes: "Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet. Finanziell stehen sie nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben. Für sie sind deshalb familienpolitische Maßnahmen eine besonders wichtige Unterstützung." Die Armutsgefährdungsquote für Personen in Alleinerziehenden-Haushalten lag 2016 bei 33 % (Bevölkerungsdurchschnitt: 16 %). Darüber hinaus hatten knapp zwei Drittel der Personen in Alleinerziehenden-Haushalten (63 %) nicht die finanziellen Mittel, unerwartete Ausgaben von knapp 1 000 Euro zu bestreiten (Bevölkerungsdurchschnitt: 30 %).

 

Im Jahr 2017 gab es insgesamt 8,2 Millionen Familien, in denen mindestens ein minderjähriges Kind lebte. Das waren 1,2 Millionen Familien weniger als noch vor 20 Jahren. Dagegen stieg die Zahl der Alleinerziehenden in diesem Zeitraum um 200 000 auf gut 1,5 Millionen Familien. Damit hatte knapp jede fünfte Familie mit mindestens einem minderjährigen Kind (19 %) im Jahr 2017 eine alleinerziehende Mutter oder einen alleinerziehenden Vater. Mit einem Anteil von 70 % bestand die große Mehrheit der Familien jedoch nach wie vor aus Ehepaaren mit Kindern.

 

BAföG-Statistik 2017: 782 000 Geförderte in Deutschland

Im Jahr 2017 erhielten in Deutschland 782 000 Personen Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, waren das etwa 41 000 weniger als 2016 (-5,0 %). Unter den Geförderten waren 2017 rund 225 000 Schülerinnen und Schüler sowie 557 000 Studierende. Die Zahl der geförderten Schülerinnen und Schüler ging im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 % zurück, die Zahl der geförderten Studierenden fiel um 4,6 %.

 

Die Förderung erstreckte sich zum Teil nicht über das volle Jahr. Im Durchschnitt wurden je Monat 503 000 Personen (139 000 Schülerinnen und Schüler, 364 000 Studierende) gefördert (-4,2 %).

 

49 % der BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger (384 000) erhielten eine Vollförderung, also den maximalen Förderbetrag. Die Höhe des Förderbetrages ist abhängig von der Ausbildungsstätte (zum Beispiel Berufsfachschule oder Hochschule) und der Unterbringung (bei den Eltern oder auswärts). Eine Teilförderung, die geleistet wird, wenn das Einkommen der Geförderten oder der Eltern bestimmte Grenzen übersteigt, erhielten 51 % der BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger (398 000). Die Zahl der Vollgeförderten sank im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2,7 %, die Zahl der Teilgeförderten um 7,1 %.

 

Ab 2015 hat der Bund die volle Finanzierung der Leistungen nach dem BAföG übernommen. Im Jahr 2017 betrugen die Ausgaben 2,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die gesamten Ausgaben für die BAföG-Leistungen um rund 70 Millionen Euro oder 2,4 %. Für die Schülerförderung wurden knapp 0,8 Milliarden Euro (-12 Millionen Euro) bereitgestellt und für die Studierendenförderung 2,2 Milliarden Euro (+82 Millionen Euro). Die gestiegenen Ausgaben für die Studierendenförderung trotz rückläufiger Zahlen bei den Geförderten waren durch gestiegene Pro-Kopf-Förderbeträge bedingt. Im Durchschnitt erhielten 2017 geförderte Studierende 499 Euro pro Person (+35 Euro), geförderte Schülerinnen und Schüler 456 Euro pro Person (+21 Euro).Nahezu 70 000 BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger wurden elternunabhängig gefördert. Voraussetzung hierfür waren bestimmte Kriterien, wie zum Beispiel der Besuch von Abendschulen, fünf Jahre Erwerbstätigkeit nach dem 18. Lebensjahr oder drei Jahre Erwerbstätigkeit nach einer beruflichen Erstausbildung. 

 

Gehaltsbiografie 2018: So unterschiedlich sind die Lebenseinkommen in Deutschland

Wie viel Geld verdienen Arbeitnehmer in ihrem gesamten Berufsleben? Welchen Einfluss hat plötzliche Arbeitslosigkeit auf die Entwicklung des restlichen Lebenseinkommens? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die neue Studie "Gehaltsbiografie 2018" des Hamburger Vergleichsportals Gehalt.de. Für die Untersuchung wurden 217.867 Datensätze von Fach- und Führungskräften aus den letzten 12 Monaten analysiert. Das Ergebnis: Wer 45 Jahre Arbeitslosengeld II (ALG II) bezieht, häuft bis zum 65. Lebensjahr rund 485.500 Euro an. Mindestlohnempfänger erhalten im gleichen Zeitraum 846.400 Euro - Vertriebsleiter mit akademischem Hintergrund verdienen wiederum über drei Millionen Euro in ihrer Karriere.

 

So viel verdienen Fach- und Führungskräfte bis zum Renteneintritt

 

Berufseinsteiger in Deutschland verdienen durchschnittlich 30.056 Euro im Jahr. Mit 60 Jahren können sie ihr Einkommen mit 58.229 Euro fast verdoppeln. Im Durchschnitt erhalten Fachkräfte 45.839 Euro und Führungskräfte rund 109.202 Euro jährlich. "Hochgerechnet auf das ganze Berufsleben entstehen je nach Beruf Gehaltsunterschiede in Höhe von mehreren Millionen Euro. Vielen ist der Gesamtbetrag ihrer Lebenseinkommen gar nicht bewusst", sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

 

Über drei Millionen Euro für den Vertriebsingenieur

 

Der Vertriebsingenieur gehört beispielsweise zu den am besten verdienenden Beschäftigten in Deutschland: Sein Gehalt summiert sich im Laufe seiner Karriere auf über drei Millionen Euro. Zum Vergleich: Die eher gering vergüteten Rezeptionisten kommen auf ein Lebenseinkommen von rund 1,2 Millionen Euro.

 

Lebensszenario: 656.217 Euro weniger durch Jobverlust

 

Doch wie verändert sich die Höhe des Lebenseinkommens, wenn Beschäftigte arbeitslos werden? Wie stark sich ein Jobverlust auswirken kann, zeigt die fiktive Einkommensentwicklung eines Altenpflegers: Im regulären Karriereverlauf verdient dieser bis zum Renteneintrittsalter 1,3 Millionen Euro. Wird er beispielsweise mit 40 Jahren arbeitslos und zum ALG II-Bezieher, ohne wieder ins Berufsleben zurückkehren zu können, sinkt sein Lebenseinkommen auf 651.612 Euro. Der Verlust des Berufes kostet den Altenpfleger somit knapp die Hälfte seines gesamten Lebensgehalts. "Das Abrutschen in ALG II hat massive finanzielle Einbußen zur Folge. Der Weg aus der Erwerbslosigkeit sollte oberste Priorität haben", so Bierbach weiter.

 

ALG II vs. Mindestlohn Darüber hinaus haben die Experten von Gehalt.de das Einkommen zwischen ALG II- und Mindestlohnempfängern verglichen. In beiden Fällen beginnt der Bezug im Alter von 20 und endet mit 65. Das Ergebnis: Über die gesamte Zeit ergibt sich ein Einkommensunterschied von 360.916 Euro. Der ALG II-Empfänger erhält insgesamt 485.484 Euro, im Mindestlohn-Szenario sind es 846.400 Euro.

 

Wochenendarbeit in Deutschland: 45 Prozent der Beschäftigten arbeiten auch am Samstag – rund ein Viertel am Sonntag

Immer öfter haben Geschäfte sonntags auf, immer mehr Ältere sind rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Auch deshalb haben viele Menschen den Eindruck, dass die Erwerbstätigkeit am Wochenende zunimmt. Das ist aber nicht der Fall, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt. Im Jahr 2015 arbeiteten fast 45 Prozent aller Erwerbstätigen, sprich 19,3 Millionen Beschäftigte, regelmäßig oder gelegentlich an einem Samstag. Im Jahr 2011 waren es noch drei Prozentpunkte oder 600.000 Personen mehr. Die Zahl der am Sonntag aktiven Erwerbstätigen hat ebenfalls abgenommen, um eine halbe Million. Dabei ergibt sich ein uneinheitliches Bild: In bestimmten Wirtschaftszweigen, bei denen Wochenendarbeit besonders verbreitet ist – etwa dem Handel, der Gastronomie und dem Bereich Gesundheit und Soziales  –  wächst die Beschäftigung kräftig. Dagegen wirkt, dass sich in der Summe der Wirtschaftsbereiche der Personaleinsatz eher weg vom Wochenende hin zu den üblichen Werktagen verschiebt. Das ist zum Beispiel in der Bauwirtschaft, in den Bereichen Verkehr sowie Information und Kommunikation und zum Teil in der Industrie der Fall.

„Obwohl man diesen Eindruck haben kann, ist es insgesamt nicht so, dass Arbeitskräfte zunehmend gezwungen sind, am Wochenende zu arbeiten“, erläutert Studienautor Karl Brenke. „Schon früher haben viele samstags und sonntags gearbeitet, zum Beispiel im Schichtdienst in der Fabrik, aber das war nicht so sichtbar wie das zum Beispiel in der Gastronomie der Fall ist und deswegen vielen nicht bewusst“.

 

Jüngere häufiger als Ältere, im Osten mehr als im Westen

 

Insgesamt gilt: Selbständige arbeiten häufiger am Wochenende als abhängig Beschäftigte, Jüngere öfter als Ältere und im Osten wird am Samstag und Sonntag öfter gearbeitet als im Westen. Am Samstag arbeiten vergleichsweise viele Beschäftigte, die keine Berufsausbildung haben. „Das betrifft viele einfache Jobs im Dienstleistungssektor, zum Beispiel  Helfertätigkeiten im Handel“, so Brenke. Arbeit am Sonntag ist indes am stärksten unter Hochqualifizierten mit Hochschulabschluss verbreitet. Dazu zählen etwa Klinikärztinnen und –ärzte oder Lehrkräfte, die an diesem Tag Arbeiten korrigieren.

 

Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung in Deutschland nahezu unverändert

20,0 % der Bevölkerung in Deutschland – das sind 16,1 Millionen Menschen – waren im Jahr 2015 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Seit dem Jahr 2008 ist dieser Anteil damit nahezu unverändert. Dies ist ein Ergebnis der Erhebung LEBEN IN EUROPA (EU-SILC). Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, lag der Anteil armer oder sozial ausgegrenzter Menschen in der gesamten Europäischen Union im betrachteten Zeitraum stets deutlich höher als in Deutschland (2015: 23,7 %).

Eine Person gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze (die Person ist also von Einkommensarmut bedroht), ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen, oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung (bezogen auf die Erwerbsbeteiligung von Personen im Alter von 18 bis 59 Jahren). Für jede dieser Lebenssituationen kann jeweils der Anteil der Personen in der Bevölkerung ermittelt werden, auf den diese Situation zutrifft.

 

Mit 16,7 % der Bevölkerung war jede sechste Person in Deutschland im Jahr 2015 von monetärer Armut bedroht. Das entsprach rund 13,4 Millionen Menschen. Der Anteil der armutsgefährdeten Personen ist damit genau so hoch wie 2014, so das Statistische Bundesamt.

 

Vollzeitbeschäftigte arbeiteten 2015 im Durchschnitt 40,5 Stunden pro Woche

In Deutschland arbeiteten im Jahr 2015 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer Vollzeittätigkeit im Mittel 40,5 Stunden pro Woche. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, hat sich die durchschnittliche gewöhnliche Wochenarbeitszeit sowohl vollzeit- als auch teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den letzten 20 Jahren um eine halbe Stunde erhöht.

 

Die Arbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten unterlag in dieser Zeit jedoch größeren Schwankungen: Von 1996 bis 2005 ist sie zunächst um gut eine Stunde auf den bisherigen Tiefststand von 17,7 Stunden pro Woche gesunken. Seither stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit Teilzeitbeschäftigter um 1,6 Stunden pro Woche an und lag im Jahr 2015 bei 19,3 Stunden.

 

Selbstständige mit einer Vollzeittätigkeit arbeiteten im Jahr 2015 mit durchschnittlich 48,9 Stunden pro Woche deutlich mehr als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Wochenarbeitszeit der vollzeiterwerbstätigen Selbstständigen hat sich in den vergangenen 20 Jahren jedoch um sechs Stunden verringert. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Selbstständigen in Teilzeit hat dagegen seit 1996 von 15,8 auf 16,4 Stunden pro Woche zugenommen, so das Statistische Bundesamt.

 

Deutschlands Studenten sind gestresst

Studierende in Deutschland sind überdurchschnittlich gestresst. Das geht aus einer repräsentativen Online-Befragung des Lehrstuhls für Marketing der Universität Potsdam und des Lehrstuhls für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim unter mehr als 18.000 Hochschülern hervor. Die Untersuchung, die im Auftrag des AOK-Bundesverbandes durchgeführt wurde und bisher die umfassendste rund um die Belastung von Studierenden ist, zeigt auch: Weibliche Studierende leiden mehr unter den Anforderungen als ihre männlichen Kommilitonen, an staatlichen Universitäten ist man gestresster als an privaten Hochschulen, und Bachelorstudenten fühlen sich mehr belastet als Studierende anderer Abschlussarten.

 

Studienleiterin Prof. Dr. Uta Herbst von der Universität Potsdam erklärt: "Es ist vor allem der Stress, der durch Zeit- und Leistungsdruck sowie die Angst vor Überforderung entsteht, was Studierenden das Leben schwer macht. 53 Prozent geben ein hohes Stresslevel an, damit rangieren sie sogar vor anderen Bevölkerungsgruppen." Wie eine vergleichbare Studie aus dem  Jahr 2015 gezeigt hat, lag der Anteil der in der Arbeitswelt Beschäftigten mit hohem Stresslevel mit 50 Prozent knapp darunter. Ein Grund für dieses hohe Belastungsgefühl sieht Studienleiter Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in den Folgen der so genannten Bologna-Reform. Im Jahr 1999 hatten sich insgesamt 29 europäische Staaten auf die Schaffung eines einheitlichen Hochschulraumes verständigt. Dies hatte unter anderem eine stärkere Reglementierung und eine erhöhte Prüfungsbelastung zur Folge.

 

Ständige Erreichbarkeit im Job: Auch der Partner leidet mit

Dienstliche E-Mails nach Feierabend, der Chef ruft am Wochenende an: Von rund einem Viertel der Berufstätigen wird erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar sind. Doch diese erweiterte Erreichbarkeit kann sich negativ auf die Leistungsfähigkeit und auf die Gesundheit auswirken - selbst wenn sie von den Beschäftigten freiwillig gewählt ist, positiv empfunden oder als notwendig angesehen wird. Das zeigt eine wissenschaftliche Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). Demnach leiden Berufstätige, die auch in ihrer Freizeit für den Job auf Abruf bereitstehen, häufiger unter schlechterem Schlaf. Der Anteil der Beschäftigten, die wegen der permanenten Erreichbarkeit nicht zur Ruhe kommen, sich schlecht erholen oder gedanklich von der Arbeit lösen können, ist signifikant größer als bei Berufstätigen mit klar abgegrenzter Freizeit.

 

Ein Grund für die Negativfolgen ständiger Erreichbarkeit ist, dass Erholungsphasen durch Phasen der Arbeit unterbrochen oder verkürzt werden. Zudem fällt es den Betroffenen schwerer, sich in der Freizeit ausreichend von ihrem Job zu distanzieren und abzuschalten. Doch die Vermischung von Arbeit und Privatleben belastet auch die Partnerinnen und Partner: 68 Prozent gaben an, durch die Erreichbarkeit ihres Lebensgefährten beeinträchtigt zu sein. Betroffen davon sind unter anderem familiäre Verpflichtungen, die gemeinsame Urlaubsgestaltung, aber auch die eigenen Schlaf- und Erholungszeiten. Bei den Ergebnissen spielt es keine Rolle, ob die Befragten die Erreichbarkeit ihres Partners außerhalb der regulären Arbeitszeiten begrüßen oder ablehnen. Was die Trennung von Arbeit und Freizeit betrifft, äußerten viele Befragte das Bedürfnis nach klareren Grenzen: Ein Großteil der befragten Erreichbaren (60 Prozent) wünscht sich gesetzliche oder betriebliche Regelungen für die Erreichbarkeit. Bei ihren Partnern liegt die Quote bei 83 Prozent. Fast 70 Prozent der Lebensgefährten gaben an, Erreichbarkeit nach der Arbeit sollte komplett entfallen, so die Studie.

 

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