Weniger Steuern und neue Steuererleichterungen für Arbeitnehmer in 2021

 

Die Lohnsteuerhilfe Bayern klärt auf:

 

Mobilitätspauschale

 

Die Mobiliätspauschale ist auch für Auszubildende interessant

 

Während sich die Steuererleichterungen der vergangenen Jahre auf den Einzelnen nur minimal ausgewirkt haben, bleibt 2021 deutlich mehr vom Gehalt übrig. Die geänderten Steuerregelungen können bei Durchschnittsverdienern Auswirkungen im dreistelligen Bereich bringen, bei Gutverdienern sogar im vierstelligen. Den entscheidenden Beitrag zu mehr Gehalt auf dem Konto leistet der zurückgefahrene Solidaritätszuschlag. Fünfeinhalb Prozent auf die Einkommensteuer stehen am Monatsende bei den meisten Beschäftigten auf dem Lohnzettel nun mehr drauf, denen der Soli vorher abgezwackt wurde. Was hat sich für Arbeitnehmer im neuen Jahr noch geändert?

 

Einkommensteuertarif angepasst

Der Grundfreibetrag beläuft sich ab dem 1. Januar auf 9.744 bei Alleinstehenden und 19.488 Euro bei Ehepaaren. Bis zu dieser Grenze bleibt das Einkommen steuerfrei. Zudem wurden die Eckwerte erhöht, so dass sich die Einkommensgrenzen verschieben, bei denen der nächsthöhere Steuersatz zum Tragen kommt. Dadurch wird sichergestellt, dass man trotz einer Lohnerhöhung nicht plötzlich weniger Geld auf dem Gehaltskonto, wegen eines höheren Steuersatzes, vorfindet.

 

Die Steuergrenzen werden regelmäßig an die Inflation angepasst, jedoch fiel die aktuelle Anpassung besser aus, weil die den neuen Steuergrenzen zugrunde gelegte allgemeine Preissteigerung in der Realität durch Corona geringer ausfiel. Das führt zu einer kleinen Steuerentlastung für die Bürger. Durch die Verschiebung der Eckwerte zur Berechnung des Steuersatzes wurden die Grenzen für den Spitzensteuersatz von 57.052 Euro auf 57.919 Euro und den Reichensteuersatz von 270.501 Euro auf 274.613 Euro angehoben.

 

Höhere Altersvorsorge-Beiträge absetzbar

 

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, berufsständischen Versorgungseinrichtungen, landwirtschaftlichen Alterskassen und Rürup-Renten können bis zu neuen Höchstbeträgen steuerlich abgesetzt werden. Werden die Höchstgrenzen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammengerechnet nicht ausgeschöpft, kann der Arbeitnehmer freiwillige Zahlungen in die Rentenversicherung vornehmen, welche bis zur Höchstgrenze steuerbegünstigt sind. Die neuen jährlichen Höchstgrenzen liegen bei 25.787 Euro für Alleinstehende und 51.574 Euro für Ehepaare. Von diesem Maximalbeträgen wirken sich derzeit allerdings nur 92 Prozent als Sonderausgaben steuermindernd aus.

 

Entfernungspauschale neu geregelt

 

Bis zum zwanzigsten Kilometer des einfachen Arbeitsweges bleibt die Entfernungspauschale unverändert bei 30 Cent je Kilometer. Liegt die Arbeitsstätte also im näheren Umkreis, ändert sich nichts. Ab dem einundzwanzigsten Kilometer steigt sie seit 1. Januar jedoch auf 35 Cent an. Diese Erhöhung kommt Fernpendlern mit längeren Arbeitswegen zugute. Das gilt unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel, so dass auch beispielsweise Bahnfahrer steuerlich davon profitieren können. Ebenfalls Nutzen ziehen können Beschäftigte, die bei doppelter Haushaltsführung an den Wochenenden zu ihrer Familie nach Hause fahren. Der jährliche Höchstbetrag für die Entfernungspauschale bleibt unverändert bei 4.500 Euro, wenn man nicht mit dem eigenen Auto in die Arbeit fährt.

 

Mobilitätsprämie neu eingeführt

 

Geringverdiener, die mit ihrem Einkommen unter dem jährlichen Grundfreibetrag liegen und somit keine Einkommensteuer zahlen, haben von der Entfernungspauschale nichts. Müssen sie einen längeren Weg zur Arbeitsstätte zurücklegen, so können sie ab 1. Januar 2021 die neue Mobilitätsprämie nutzen und werden damit vom Fiskus gefördert. Interessant ist die Mobilitätsprämie ebenfalls für Auszubildende, die noch keine Steuern zahlen. Der Antrag kann mit der Steuererklärung für 2021 erstmals 2022 gestellt werden. Die Prämie gilt vorerst befristet bis Ende 2026.

 

Ihre Berechnung ist recht kompliziert. Dafür muss die übliche Entfernungspauschale berechnet und geprüft werden, inwieweit die 1.000-Euro-Arbeitnehmerpauschale überschritten wird. Nur der Betrag, der darüber liegt, fließt in die weitere Berechnung mit ein. Danach wird die Differenz des Einkommens zum Grundfreibetrag betrachtet. Um die Bemessungsgrundlage für die Mobilitätsprämie zu berechnen, muss dann vom Werbungskostenüberhang die Differenz zum Grundfreibetrag abgezogen werden. Ist das Ergebnis noch positiv, machen von dieser Bemessungsgrundlage nun 14 Prozent den endgültigen Betrag der Mobilitätsprämie aus.

 

Neue Pauschale für Homeoffice

 

Wer von zu Hause aus arbeitet, benötigt täglich mehr Heizung, mehr Wasser und mehr Strom für Notebook, Monitore und Smartphone. Dazu entgeht Arbeitnehmern die tägliche Entfernungspauschale, da die Fahrten ins Büro entfallen. Steuerpflichtige, die während der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeiten und kein gesondertes Arbeitszimmer haben, wären nach der bisherigen Regelung leer ausgegangen. Hier schafft die neue Homeoffice-Pauschale für die beiden Jahre 2020 und 2021 Abhilfe. Sie gilt auch für diejenigen, die ihre Arbeit in einer kleinen Arbeitsecke oder vom Wohnzimmer aus erledigen, und beträgt fünf Euro pro Arbeitstag. Für jedes Veranlagungsjahr ist sie auf 600 Euro beschränkt, so dass maximal 120 Arbeitstage im vertrauten Heim gefördert werden. Da die neue Homeoffice-Pauschale genau wie die Entfernungspauschale unter die Werbungskosten fällt, bringt sie aber erst dann einen Vorteil, wenn die jährlichen Werbungskosten die Tausender-Marke überschritten haben, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Kurzarbeit: Achtung vor Steuernachzahlung

 

Wer Kurzarbeitergeld erhält, muss erstens eine Steuererklärung abgeben und hat zweitens mit Steuernachzahlungen zu rechnen. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) gibt Tipps, wie sich mögliche Steuernachzahlungen abmildern lassen.

 

Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt

 

Im Frühjahr 2020 hat die Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie die Regelungen für das Kurzarbeitergeld verbessert. Seither bekommen Arbeitnehmer schneller, leichter und auch etwas mehr Kurzarbeitergeld, und zwar zunächst befristet bis 31. Dezember 2021. Doch Vorsicht: Das Kurzarbeitergeld gehört zu den sogenannten Lohnersatzleistungen, die zwar grundsätzlich steuerfrei sind. Aber für Kurzarbeitergeld gilt nach wie vor Folgendes:

 

1.  Wer in einem Jahr Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro erhält, der ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

2.  Der Bezug von Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Erhält ein Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, wird dieses Geld am Ende des Jahres zur Ermittlung des Steuersatzes auf sein Einkommen hinzugerechnet. Das ursprünglich steuerfreie Kurzarbeitergeld erhöht also den persönlichen Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen versteuert wird. Obwohl das Kurzarbeitergeld steuerfrei ist, werden doch mehr Steuern fällig. 

 

Kurzarbeitergeld erhöht den Progressionsvorbehalt - ein Rechenbeispiel

 

Ein Arbeitnehmer ist kinderlos und verdient netto normalerweise 1.332 Euro. Sein Arbeitgeber beantragt für einen Monat Kurzarbeit und streicht die Hälfte der Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche. Der Nettolohn des Arbeitnehmers sinkt damit auf beispielsweise 777 Euro, also 555 Euro weniger. Die Bundesagentur übernimmt 60 Prozent des entgangenen Nettolohns, also 333 Euro. Zusammen kommt der Arbeitnehmer auf 1.110 Euro. Somit verdient er 222 Euro weniger. Ohne Kurzarbeitergeld würde er 555 Euro weniger verdienen.

 

Die 333 Euro Kurzarbeitergeld aus dem Rechenbeispiel sind für den Arbeitnehmer steuerfrei. Aber der persönliche Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen versteuert werden muss, erhöht sich. Das bedeutet: Bekommt ein Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, wird dieses auf sein zu versteuerndes Einkommen zur Ermittlung des (höheren) Steuersatzes hinzugerechnet. Am Ende zahlt er dann mehr Steuern, obwohl das Kurzarbeitergeld selbst steuerfrei ist.

 

VLH-Tipp: Abmildern kann diese Auswirkung nur, wer Kosten wie beispielsweise Dienst- und Handwerkerleistungen, Vorsorgeaufwendungen oder Spenden hatte - und diese Kosten in seiner Steuererklärung angibt. Ebenfalls zur Abmilderung beitragen können hohe Werbungskosten, dazu gehören zum Beispiel die Fahrtkosten und andere Ausgaben rund um den Beruf.

 

Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner kann es in einigen Fällen sinnvoll sein, von der steuerlichen Zusammenveranlagung zur getrennten Veranlagung zu wechseln. Ob sich das lohnt, sollte ein Einkommensteuerexperte wie zum Beispiel ein Beratungsstellenleiter der VLH im Einzelfall durchrechnen.

 

Übrigens: Seit 1. Januar 2021 gelten deutlich höhere Behindertenpauschbeträge. Doch Menschen, denen aufgrund ihrer Behinderung ein Behindertenpauschbetrag zusteht und die Kurzarbeitergeld beziehen gilt: Der Pauschbetrag wird durch den höheren Steuersatz schnell aufgezehrt.

 

Verdienste nach Berufen: Interaktiver Gehaltsvergleich ist online

 

Neue interaktive Anwendung berücksichtigt auch den Einfluss von Branche, Berufserfahrung und weiteren Faktoren auf den Verdienst

 

Die Berufswahl hängt von vielen Faktoren ab. Fest steht auf jeden Fall, dass sie maßgeblich die Höhe des künftigen Verdienstes bestimmt. Wer beispielsweise zwischen einer Friseurausbildung und einer Ausbildung in Mechatronik schwankt, sollte wissen, dass vollzeitbeschäftigte Friseurinnen und Friseure im Jahr 2018 im Schnitt 1 813 Euro brutto pro Monat verdienten, während Mechatronikerinnen und Mechatroniker mit durchschnittlich 3 106 Euro fast 1 300 Euro mehr erhielten. Doch auch innerhalb eines Berufes unterscheiden sich die Verdienste mitunter stark. Einflussfaktoren wie die Branche, die Ausbildung oder die mit dem Alter gewonnene Berufserfahrung spielen ebenfalls eine Rolle. Der neue interaktive Gehaltsvergleich des Statistischen Bundesamtes (Destatis) https://www.destatis.de/DE/Service/Statistik-Visualisiert/Gehaltsvergleich/_inhalt.html berücksichtigt solche Faktoren und liefert dadurch individuell zugeschnittene Informationen zu den Verdiensten einzelner Berufe.

 

Die interaktive Anwendung wurde anhand der Daten der Verdienststrukturerhebung 2018 konzipiert und gibt für individuelle Profile Schätzungen des Bruttomonatsverdienstes aus. So können die Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel sehen, ob sie mit ihrer Ausbildung in einer anderen Branche mehr verdienen würden, oder ob es sich lohnt, eine Meisterprüfung anzustreben. Auch welche Berufswahl besonders vorteilhaft ist oder ob eine langjährige Unternehmenszugehörigkeit angemessen bezahlt wird, können sie mit Hilfe des Gehaltsvergleichs überprüfen. Dazu werden zunächst für Beruf, Branche, Ausbildungsabschluss und andere stellen- und personenbezogenen Merkmale die passenden Ausprägungen ausgewählt. Für das individuelle Profil zeigt die Anwendung dann den geschätzten durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst an.

 

Die Nutzung des Gehaltsvergleichs des Statistischen Bundesamtes ist kostenlos und anonym. Es werden keine personenbezogenen Daten gespeichert.

 

Ist Autowerbung für den Arbeitgeber steuerfrei?

 

Wer seine Autofläche für Werbung vermietet wird zum Unternehmer

 

Manche Arbeitgeber kommen auf die Idee, ihre Mitarbeiter für Firmenwerbung auf deren privaten Pkws zu gewinnen. Während sich einige Arbeitgeber einen Freundschaftsdienst von ihren Angestellten erhoffen, sind andere Firmen bereit, ihre Mitarbeiter dafür zu vergüten. Damit dieser Obolus für die Angestellten steuerfrei ist, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, berichtet die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Wird mit dem Mitarbeiter kein spezieller Vertrag über die Anmietung einer Werbefläche auf seinem privaten Pkw geschlossen, geht das Finanzamt davon aus, dass die Werbeeinnahmen des Mitarbeiters seinem Arbeitsverhältnis unterzuordnen sind. In Folge muss der Mitarbeiter diese Zusatzeinkünfte regulär als Arbeitslohn versteuern. Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben darauf müssen aber nicht sein, es gibt noch eine andere Möglichkeit, ebensolches zu gestalten.

 

Ein gesonderter Vertrag ist notwendig

 

Um die Einnahmen vom Lohn zu entkoppeln, ist ein gesonderter Mietvertrag aufzusetzen, der ausschließlich die Autowerbung zum Inhalt hat. Dabei muss der werbliche Nutzen für das Unternehmen erklärt werden. Bei bestimmten Regelungen, wie einem werbewirksamen Abstellen des Fahrzeugs, einer Mindestanzahl an gefahrenen Kilometern pro Jahr oder einem Ausschluss weiterer Werbepartner für den Pkw, kann dies in der Regel angenommen werden. Zudem sollte die Werbung großflächig und gut sichtbar sein. Ein winziger Aufkleber mit dem Firmenlogo wirkt für die Finanzbehörden oft nicht glaubwürdig. Die Vertragsinhalte sollten optimalerweise mit den am freien Werbemarkt üblichen Bedingungen mithalten können.

 

Die Höhe der Miete macht’s aus

 

Für die Werbemaßnahme wird in der Regel eine monatliche Mietgebühr vereinbart, die der Chef auf das Konto seines Mitarbeiters überweist. Steuerlich gesehen handelt es sich jetzt nicht mehr um Lohn, sondern um sonstige Einkünfte. Eine weitere Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist die Höhe der Mietgebühr. Sonstige Einkünfte dürfen bis zu einem Höchstbetrag von 256 Euro im Jahr steuerfrei bleiben. Was darüber liegt, muss der Empfänger versteuern. Aus diesem Grund legen Arbeitgeber gerne 21 Euro im Monat als Mietgebühr fest. Somit bleiben die gesamten Zahlungen in einem Kalenderjahr unter der Höchstgrenze. Die Steuerfreiheit der Autowerbung funktioniert aber nur dann, wenn der Mitarbeiter keine weiteren sonstigen Einkünfte bezieht. Ansonsten werden diese vom Finanzamt zusammengerechnet, es gilt nämlich eine gemeinsame Höchstgrenze.

 

Rechtssichere Gestaltung der Werbemaßnahme

 

Das Unternehmen sollte sich dahingehend absichern, dass die Mietgebühr für die Pkw-Werbung nicht überhöht ist und den Marktpreisen standhalten kann. Idealerweise bietet der Betrieb eine derartige Werbung zusätzlich für unternehmensfremde Personen an und beschränkt sich nicht auf den Kreis der Mitarbeiter. Dann fällt es dem Finanzamt schwer, eine Angriffsfläche zu finden. Um als Arbeitnehmer auf Nummer sicher zu gehen, sollten bei der Einkommensteuerklärung der Vertrag sowie ein Foto der Kfz-Werbung als Nachweise vorgehalten werden.

 

Beratungsbefugnis für Lohnsteuerhilfevereine endet

 

Aus umsatzsteuerlicher Sicht stellt der Mietvertrag eine nebenberufliche unternehmerische Tätigkeit des Angestellten dar. Infolgedessen darf sich der Angestellte aufgrund der gesetzlichen Beratungsbefugnis gemäß dem Steuerberatungsgesetz die Einkommensteuererklärung nicht mehr von einen Lohnsteuerhilfeverein anfertigen lassen. Das gilt, obwohl die Werbeeinkünfte von der Einkommensteuer befreit sind und auch keine Umsatzsteuer aufgrund der Kleinunternehmerregelung abgeführt werden muss, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Ost- und West-Gehälter: gleiche Bedingungen, 3.600 Euro weniger Gehalt

 

30 Jahre nach der Wiedervereinigung verdienen ostdeutsche Arbeitnehmer*innen nach wie vor weniger als ihre westdeutschen Kolleg*innen. Doch lässt sich dieses Gefälle anhand von Faktoren wie Lebenshaltungskosten, Gender Pay Gap oder Branchen erklären? Die Analyst*innen von Gehalt.de sind dieser Frage anhand von 143.953 Datensätzen nachgegangen. Laut der Auswertung beträgt das Gefälle rund 7.440 Euro im Jahr (16,9 Prozent). Lediglich ein Bruchteil der Lücke lässt sich begründen. So verdienen Ostdeutsche trotz vergleichbarer Arbeit jährlich 3.600 Euro (8,1 Prozent) weniger. Außerdem sticht im Branchen- und Berufsvergleich vor allem der Industriesektor mit hohen Gehaltsdifferenzen zwischen Ost und West hervor.

 

Laut der Analyse von Gehalt.de beträgt das Einkommen für Beschäftigte in Westdeutschland 43.900 Euro, Arbeitnehmer*innen in Ostdeutschland erhalten einen Jahreslohn in Höhe von 36.500 Euro. Demnach beträgt die Lohnlücke insgesamt 7.400 Euro (16,9 Prozent).

 

8,1 Prozent weniger Gehalt - trotz nahezu identischer Arbeit

 

Diese Lücke lässt sich zum Teil durch bestimmte Faktoren erklären: 595 Euro (1,4 Prozent) sind auf die Firmengröße und 576 Euro (1,3 Prozent) auf die Branche zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist die Berufswahl - sie macht einen Unterschied von 244 Euro aus (0,6 Prozent). "Im Vergleich zum Osten sind im Westen größere Unternehmen und lukrativere Branchen vertreten, die höhere Gehälter zahlen. Die strukturellen Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern erklären, warum mehr als drei Prozent des Lohngefälles auf die Faktoren Firmengrößen, Branchen und Berufe zurückzuführen sind", so Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

 

Der Einfluss der DDR-Historie ist immer noch spürbar

 

Zudem spielt das Geschlecht eine Rolle: 150 Euro (0,3 Prozent) stehen hiermit in Zusammenhang. Dazu Philip Bierbach: "Die DDR-Historie prägt Ostdeutschland bis heute, denn immer noch sind in den neuen Bundesländern traditionell mehr Frauen berufstätig als in den alten. Da in Deutschland Frauen bei gleicher Arbeit immer noch niedrigere Gehälter als Männer beziehen, bestärkt dies den Gehaltsunterschied zwischen Ost und West."

 

Lebenshaltungskosten erklären 5,3 Prozent der Lücke

 

Darüber hinaus haben die Analyst*innen von Gehalt.de die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, die laut des Instituts für Wirtschaftsforschung[1] im Osten und Westen stark voneinander abweichen. So lassen sich 2.300 Euro (5,3 Prozent) des Gehaltsunterschieds auf diesen Faktor zurückführen. Andere Faktoren wie Ausbildung, Berufserfahrung oder die Position haben einen sehr geringen Einfluss - zusammengefasst kommen sie auf 0,02 Prozent.

 

Kleinere Lohnlücken unter Führungskräften

 

Die Lohnlücken variieren zudem danach, ob Beschäftigte Personalverantwortung tragen oder nicht. Unter Fachkräften beträgt die Lohnlücke insgesamt rund 6.400 Euro (15,6 Prozent), wovon sich 8,4 Prozent auf den regionalen Faktor zurückführen lassen. Bei Führungskräften hingegen ist die Lohnlücke kleiner und liegt unbereinigt bei rund 11.300 Euro (12,3 Prozent). Rund 2.400 Euro (2,6 Prozent) lassen sich hier auf den regionalen Unterschied zurückführen.

 

Fast 25 Prozent Lohnunterschied innerhalb der Metallindustrie

 

Im Branchenvergleich sticht vor allem die Metallindustrie hervor: Hier liegt die unbereinigte Lücke bei 24,5 Prozent. Beschäftigte im Osten verdienen 32.500 Euro und damit rund 10.600 Euro weniger im Jahr als Westdeutsche (43.100 Euro). "Die Metallbranche gehört zum Industriesektor und ist damit ein Bereich, dessen Vergütungsstrukturen wenig mit öffentlichen oder vergleichbaren Tarifverträgen zu tun haben", so Bierbach. Zum Vergleich: In der Dienstleistungsbranche liegt die Lücke bei 14,4 Prozent und in Krankenhäusern bei 14,2 Prozent. In der Forschung ist sie vergleichsweise gering (8,8 Prozent).

 

Unter den Berufsgruppen fällt die Lücke bei Zerspannungsmechaniker*innen (23,2 Prozent) und den Elektriker*innen (19,8) vergleichsweise hoch aus. Niedrig ist sie zum Beispiel unter Redakteur*innen mit 7 Prozent.

 

"30 Jahre nach der deutschen Einheit ist die Bundesrepublik in vielen Dingen vereint. Hinsichtlich der Gehaltsstrukturen stellen wir jedoch immer noch große Differenzen zwischen Ost und West fest, die sich nur teilweise durch strukturelle Bedingungen begründen lassen. Der regionale Faktor spielt beim Thema Gehalt offensichtlich noch immer eine große Rolle", so Bierbach abschließend.

 

Pendlerpauschale und Mobilitätsprämie: So funktioniert's ab 2021

 

Das Klima muss gerettet werden, deshalb erhöht der Staat ab 2021 die Pendlerpauschale. Das ist, etwas verkürzt wiedergegeben, einer der Klimaschutz-Beschlüsse der Bundesregierung. Heißt: Ab 1. Januar 2021 steigt die Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer von 30 auf 35 Cent für jeden Kilometer der einfachen Fahrt zur Arbeit. Und: Für Geringverdiener gibt es die Mobilitätsprämie. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, was das konkret bedeutet und was es Geringverdienern bringt.

 

Ab 2021 bis 2026: Mehr Geld für Pendler

 

Mitte Dezember 2019 einigten sich der Bund und die Bundesländer auf eine Erhöhung der Pendlerpauschale: "Als Teil des Klimaschutzprogramms 2030 soll die Pendlerpauschale ... ab 2021 um 5 Cent auf 35 Cent pro Kilometer steigen", so die Formulierung auf den Internetseiten des Bundesrates. Außerdem: Drei Jahre später, also 2024, soll die Pendlerpauschale auf 38 Cent erhöht werden, ebenfalls ab dem 21. Kilometer.

 

Die erhöhte Pendlerpauschale soll zunächst bis 2026 gelten.

 

Erhöhte Pendlerpauschale für Arbeitnehmer: Ein Rechenbeispiel

 

Frau Meyer fährt an 220 Tagen 40 Kilometer zur Arbeit. Sie errechnet ihre Pendlerpauschale ab 2021 folgendermaßen:

 

220 Arbeitstage x 20 Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro Pendlerpauschale = 1.320 Euro

 

220 Arbeitspage x 20 Kilometer einfache Fahrt x 0,35 Euro Pendlerpauschale = 1.540 Euro

 

Insgesamt steht Frau Meyer für das Jahr 2021 eine Pendlerpauschale in Höhe von 2.860 Euro zu.

 

Mobilitätsprämie: Ausgleich für Geringverdiener mit längerem Arbeitsweg

 

Geringverdiener, die mit ihrem zu versteuernden Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags liegen und deshalb keine Steuern zahlen müssen, profitieren nicht von der erhöhten Pendlerpauschale. Sie erhalten deshalb ab 2021 die sogenannte Mobilitätsprämie. Ebenso wie die erhöhte Pendlerpauschale ist die Mobilitätsprämie bis 2026 befristet.

 

Konkret bedeutet das: Geringverdiener, deren einfacher Weg zur Arbeit länger als 20 Kilometer ist, erhalten ab dem 21. Kilometer 14 Prozent der erhöhten Pendlerpauschale - also 4,9 Cent. Laut Bundesfinanzministerium werden davon rund 250.000 Beschäftigte profitieren. Aber: Wer mit seinem zu versteuernden Einkommen unterhalb des Eingangssteuersatzes liegt - so die steuerliche Umschreibung für "Geringverdiener" - und nur bis zu 20 Kilometer zur Arbeit fährt, der geht leer aus.

 

Die Mobilitätsprämie: Ein Fallbeispiel

 

Herr Schmidt ist Single und hat ein zu versteuerndes Einkommen von 8.000 Euro. Damit liegt er unter dem Grundfreibetrag (im Jahr 2021 für Singles 9.696 Euro und für Ehepaare 19.392 Euro). Aus diesem Grund muss er keine Einkommensteuer zahlen, erhält allerdings auch keine Pendlerpauschale. Herr Schmidt fährt an 150 Tagen im Jahr zur Arbeit, nämlich jeweils 40 Kilometer hin und 40 Kilometer zurück. Damit er steuerlich trotzdem entlastet wird - obwohl er keine Pendlerpauschale erhält -, erhält Herr Schmidt künftig die Mobilitätsprämie.

 

Wichtig: Normalerweise müsste Herr Schmidt keine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben, da sein Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt und er deshalb keine Steuern zu zahlen hat. Will er aber die Mobilitätsprämie erhalten, muss er diese mit seiner Steuerklärung beantragen. Wie das konkret aussieht, wird sich voraussichtlich im Frühjahr 2021 zeigen, wenn die Formulare für das Steuerjahr 2021 erstellt werden. Fest steht: Beides, also die Einreichung der Steuererklärung und die Beantragung der Mobilitätsprämie, ist verpflichtend, um in den Genuss dieser finanziellen Förderung zu kommen.

 

Und wie viel bringt's? Eine Rechnung

 

Das Ergebnis vorneweg: Herrn Schmidt steht eine Mobilitätsprämie von 147 Euro zu. Der Rechenweg ist komplex:

 

-  Das zu versteuernde Einkommen von Herrn Schmidt liegt bei 8.000 Euro.

-  Seine sonstigen Werbungskosten betragen 0 Euro.

-  Die Entfernungspauschale für die ersten 20 Entfernungskilometer beträgt 900 Euro: 

150 Tage x 20 Kilometer x 0,30 Euro = 900 Euro

 

Die erhöhte Entfernungspauschale (ab dem 21. Kilometer), die Herr Schmidt beanspruchen könnte, liegt bei 1.050 Euro:

 

150 Tage x 20 Kilometer x 0,35 Euro = 1.050 Euro

 

Die Werbungskosten insgesamt belaufen sich damit auf 1.950 Euro (900 Euro + 1.050 Euro).

 

-  Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag (auch Werbungskostenpauschale genannt) liegt bei 1.000 Euro. Darauf hat jeder Arbeitnehmer Anspruch, unabhängig von der Höhe seiner tatsächlichen Ausgaben. Der Pauschbetrag wird von Herrn Schmidt um 950 Euro überschritten. Diese 950 Euro entfallen somit auf die erhöhte Entfernungspauschale (ab dem 21. Kilometer) und werden für die Berechnung der Mobilitätsprämie herangezogen.

-  Das zu versteuernde Einkommen in Höhe von 8.000 Euro unterschreitet den Grundfreibetrag (9.696 Euro für das Jahr 2021) um 1.969 Euro.

-  Die erhöhte Entfernungspauschale von 1.050 Euro liegt innerhalb des Betrages, um den das zu versteuernde Einkommen den Grundfreibetrag unterschreitet.

-  Die Bemessungsgrundlage für die Mobilitätsprämie beträgt somit 1.050 Euro. Und da die Prämie bei 14 Prozent liegt, erhält Herr Schmidt eine Mobilitätsprämie von 147 Euro. 

 

Lebenseinkommen: So viel verdienen wir in unserem Berufsleben

 

Wie viel Gehalt verdienen wir in unserem gesamten Berufsleben? Und ab wann zahlt sich ein Bachelor- oder Masterabschluss gegenüber einer nicht-akademischen Ausbildung aus? Die Vergütungsexpert*innen von Gehalt.de haben auf Basis von 740.984 Datensätzen die Brutto-Lebenseinkommen von Beschäftigten nach Qualifikation, Geschlecht und Führungsverantwortung analysiert. Zusätzlich haben sie ausgewählte Branchen und Berufe betrachtet. Die Ergebnisse: Frauen erhalten von Karrierestart bis Renteneintritt fast 700.000 Euro weniger als Männer. Akademiker*innen verdienen über eine Million Euro mehr als Nicht-Akademiker*innen.

 

Die Höhe des Lebenseinkommens ist eine Frage des Geschlechts. Über das gesamte Berufsleben gerechnet verdienen Männer rund 2,36 Mio. Euro. Frauen kommen im selben Zeitraum auf rund 1,66 Mio. Euro. Die Gehaltsentwicklung bei Frauen stagniert ab dem 35. Lebensjahr. Weibliche Beschäftigte verdienen ab diesem Zeitpunkt jährlich rund 38.000 Euro. "Im fortgeschrittenen Alter ist der Faktor Personalverantwortung ausschlaggebend für das weitere Lohnwachstum. Da der Anteil der weiblichen Führungskräfte nach wie vor deutlich geringer ist, erreichen die Gehälter für Frauen mit Anfang 40 ein Plateau", so Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de.

 

Ein Studium zahlt sich schnell aus

 

Andererseits ist die Höhe des kumulierten Lebenseinkommens abhängig vom Bildungsweg. Laut der Analyse von GEHALT.de verdienen Akademiker*innen im Alter von 24 und 30 Jahren rund 45.500 Euro jährlich. Beschäftigte ohne akademischen Abschluss verdienen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren zwar weniger (30.500 Euro), beziehen allerdings auch früher ihr erstes Gehalt. Im Alter von 35 Jahren haben Akademiker*innen bereits 593.000 Euro verdient und damit Beschäftigte ohne akademischen Abschluss überholt (574.000 Euro).

 

Ein Masterabschluss rechnet sich ab dem 40. Lebensjahr

 

Beschäftigte mit Bachelorabschluss verdienen bei Berufseinstieg rund 40.500 Euro jährlich. Masterstudent*innen beginnen ihre Karriere später, beziehen in den ersten Berufsjahren jedoch ein Gehalt von 48.400 Euro. Mit 40 Jahren haben Masterabsolvent*innen ein Lebenseinkommen von 910.100 Euro angehäuft und damit die Bachelorabsolvent*innen (894.000 Euro) überholt. Vergleichen die Analyst*innen die Lebenseinkommen zu Karriereende, so haben Masterabsolvent*innen insgesamt rund 300.000 Euro mehr verdient als Bachelorabsolvent*innen.

 

Ausnahmen: Hohes Gehalt auch ohne Studium

 

Doch auch mit einer Ausbildung können Beschäftigte gut verdienen, mit Führungsverantwortung sogar mehr als Akademiker*innen. Leiter*innen in der Logistik, die schon früh Personalverantwortung übernehmen, können in ihrer Karriere insgesamt bis zu 3,9 Millionen Euro verdienen. Auch Key-Account Manager*innen kommen mit 3,1 Millionen Euro auf ein lukratives Lebenseinkommen. Im Gegensatz dazu erhalten Erzieher*innen mit rund 1,6 Millionen Euro vergleichsweise wenig.

 

"Stellen, die einen akademischen Abschluss erfordern, werden grundsätzlich höher vergütet, da sie komplexer sind und häufig Personal- und Umsatzverantwortung beinhalten. Doch auch Beschäftigte nach einer Ausbildung können lukrative Gehälter erzielen - insbesondere in Führungspositionen", so Bierbach.

 

Lebenseinkommen in Automobilbranche und Hotels- und Gaststätten

 

Auch der Einfluss der Branche, in der Arbeitnehmer*innen beschäftigt sind, ist immens: Die Gehälter in Hotels und Gaststätten sind traditionell niedrig. Berufseinsteiger*innen beziehen in ihren ersten Jahren rund 26.000 Euro jährlich. Zum Renteneintritt beträgt ihr kumuliertes Lebenseinkommen 1,3 Millionen Euro. Beschäftigte in der Automobilbranche starten dagegen mit einem lukrativeren Einstiegsgehalt von rund 40.800 Euro jährlich. Bereits mit 45 Jahren haben sie mit 1,39 Millionen Euro mehr verdient als Beschäftigte in der Hotels- und Gaststättenbranche in ihrem gesamten Berufsleben. Bei Renteneintritt beträgt das Lebenseinkommen von Beschäftigten aus der Automobilbranche rund drei Millionen Euro.

 

Drei Viertel der 18- bis 64-Jährigen leben von ihrer eigenen Erwerbstätigkeit

 

Im Jahr 2019 bestritten 74 % der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch ihre eigene Erwerbstätigkeit. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand von Ergebnissen des Mikrozensus weiter mitteilt, waren das 37,8 Millionen Personen. Unterschiedlich hoch waren die Anteile bei Männern und Frauen: 80 % der Männer und 68 % der Frauen zwischen 18 und 64 Jahren lebten überwiegend von ihrer Erwerbstätigkeit.

 

9 % aller 18- bis 64-Jährigen (4,4 Millionen) lebten 2019 hauptsächlich von öffentlichen Leistungen (ohne Renten und Pensionen). 12 % nannten als Haupteinkommensquelle Einkünfte von Angehörigen (zum Beispiel von Partnerin beziehungsweise Partner oder den Eltern). Das traf auf 6 % der Männer und 18 % der Frauen zu. Insgesamt waren das 6,1 Millionen Personen.

 

Für Personen im Alter ab 65 Jahren waren im Jahr 2019 Renten- und Pensionszahlungen die Haupteinkommensquelle (89 % oder 15,3 Millionen Personen). Bei den Männern waren es 92 %, bei den Frauen 87 %. Fast jede zehnte Frau (9 %) in diesem Alter bestritt ihren Lebensunterhalt vorwiegend durch Einkünfte von Angehörigen (Männer: 0,5 %).

 

Immer mehr Frauen leben überwiegend von eigener Erwerbstätigkeit

 

Der Anteil der 18- bis 64-Jährigen, die nach eigenen Angaben überwiegend von ihrer eigenen Erwerbstätigkeit leben, hatte im Jahr 2000 noch bei 63 % gelegen. Das waren rund elf Prozentpunkte weniger als 2019. In dieser Altersgruppe bezogen 52 % der Frauen und 74 % der Männer im Jahr 2000 die Mittel für ihren Lebensunterhalt aus eigener Erwerbstätigkeit. Zum Jahr 2019 stiegen diese Werte folglich um sechs Prozentpunkte bei den Männern und 16 Prozentpunkte bei den Frauen.

 

Im Vergleich der Jahre 2000 und 2019 ist der Anteil der 18- bis 64-jährigen Frauen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend durch Einkünfte von Angehörigen beziehen, von 29 % auf 18 % gesunken. Der Anteil der 18- bis 64-Jährigen, die überwiegend von öffentlichen Leistungen (ohne Rente und Pensionen) leben, hat sich seit dem Jahr 2000 nicht verändert; er lag zu beiden Zeitpunkten bei rund 9 %.

 

Wenn das Geld knapp wird – Corona-Hilfspaket und andere Möglichkeiten

 

Bundestag und Bundesrat haben ein Gesetz beschlossen, das von der Corona-Krise betroffene Verbraucherinnen und Verbraucher unterstützt. Wer zum Beispiel seinen Job verloren hat oder in Kurzarbeit ist, muss ständige Rechnungen wie Strom, Gas, Wasser oder Telefon erst mal nicht zahlen. Auch bei der Miete und Kreditraten gibt es einen Zahlungsaufschub. Das gilt für April bis Juni. Grundsätzlich gilt dabei: Man muss dem Energieversorger, Vermieter, der Bank oder der Versicherung mitteilen, dass man nicht zahlen kann und belegen, dass die Ursache dafür Geldknappheit als Folge der Corona-Pandemie ist. Und, ganz wichtig: Man muss alle Zahlungen später nachholen.

 

Gerade deshalb ist eine gute Planung der Ausgaben notwendig, betont Stephanie Heise, Finanzexpertin der  Verbraucherzentrale NRW: „Für diejenigen, die den Zahlungsaufschub von Miete, Strom und weiteren regelmäßigen Ausgaben jetzt in vollem Umfang in Anspruch nehmen, könnte das schnell zum Bumerang werden. Die Verbindlichkeiten stauen sich auf und können dann auch in besseren Zeiten nur schwer abbezahlt werden.“

 

Was also tun, wenn das Geld knapp wird? Die Verbraucherzentrale zeigt Möglichkeiten auf und gibt Tipps, worauf bei der Inanspruchnahme der Hilfen zu achten ist.

 

Überblick verschaffen:

 

Erstellen Sie eine Liste der offenen Zahlungen und wählen diejenigen aus, die für Sie im Moment existenziell wichtig sind, wie Miete, Energiekosten, Telefon und Internet, Lebensmittel, Medikamente oder Unterhaltsleistungen. Lassen Sie sich dabei nicht von Gläubigern beeinflussen, die besonders drängen.

 

Miete

 

Auch wenn es beruhigend ist, dass Mietern bis Juni nicht gekündigt werden darf, wenn sie bis zu drei Monatsmieten nicht zahlen: Lassen Sie sich nicht dazu verführen, die Mietzahlung komplett einzustellen, um finanziell Luft zu haben. Denn die Mietzahlungen werden nur gestundet. Gezahlt werden muss am Ende trotzdem, spätestens bis Juni 2022. Das bedeutet, dass Sie in ein paar Monaten zusätzlich zur vollen Miete auch noch die Rückstände an Ihren Vermieter zahlen müssen. Daher sollten Sie versuchen, zumindest einen Teil der Miete zu bezahlen. Sinnvoll kann es auch sein, mit dem Vermieter über eine Nachzahlung in Raten zu sprechen, sobald wieder Geld zur Verfügung steht.

 

Strom, Gas, Wasser, Telefon, Internet

 

Von diesen Leistungen der Grundversorgung soll wegen der Corona-Pandemie niemand abgeschnitten werden. Hier haben Sie für Verträge, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurden, ebenfalls das Recht, vorübergehend bis zum 30. Juni 2020 nicht zu zahlen. Darauf müssen Sie sich aber ausdrücklich berufen und auch nachweisen, dass Ihre Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der Corona-Krise bestehen. Sie müssen darlegen, dass Ihnen ein angemessener Lebensunterhalt durch die Corona-Krise nicht mehr möglich wäre, wenn Sie zusätzlich für Strom, Gas, Wasser, Internet oder Telefon zahlen. Nehmen Sie zu Ihrem Anbieter / Versorger Kontakt auf, wenn Sie nun wegen der Corona-Krise weniger Geld zur Verfügung haben und diese Dinge nur noch teilweise oder gar nicht mehr bezahlen können. Die Verbraucherzentrale NRW bietet dazu einen Musterbrief zum kostenlosen Download an. Auch hier gilt: Die Zahlungen werden nicht erlassen, sondern nur aufgeschoben. Tauschen Sie sich daher am besten mit den Anbietern auch bereits über Zeitpunkt und Art der Nachzahlung aus.

 

Kredite

 

Mit dem neuen Gesetz können Sie für einen Raten- oder Immobilienkredit einen mindestens dreimonatigen Zahlungsaufschub erhalten, wenn Sie Zins und Tilgung nicht mehr leisten können. Das gilt für Darlehensverträge, die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen wurden. Auch hier müssen Sie gegenüber der Bank darlegen, dass Sie durch die Corona-Krise nicht mehr zahlen können. Der Kredit wird dann entsprechend nach hinten verschoben.

 

Versicherungen

 

Dass man Beiträge aussetzen kann, gilt auch für Versicherungen, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurden, allerdings nur für Pflichtversicherungen. Das sind beispielsweise private Krankenvoll- und Pflegepflichtversicherung sowie die Kfz-Haftpflicht. Kontaktieren Sie Ihren Versicherer. Bei nicht verpflichtenden Policen wie Lebens-, Hausrat- oder Berufsunfähig-keitsversicherung gilt das Gesetz nicht. Hier können Sie Ihren Versicherer dennoch nach einer Stundung der Beiträge fragen. Einige Versicherungen haben dies schon von sich aus angeboten.

 

Zusätzliche staatliche Hilfen

 

Damit sich trotz der Zahlungsaufschübe kein Schuldenberg auftürmt, erkundigen Sie sich möglichst schnell nach staatlichen Hilfen, wenn sich Ihre berufliche Situation ändert und / oder Ihnen das Geld ausgeht. Erst mit dem Antrag kann überhaupt die Auszahlung beginnen. Dauert die Bewilligung etwas länger, gibt es meist rückwirkend Geld. Wichtige Leistungen, die Sie aktuell unterstützen können sind:

 

Kurzarbeitergeld, falls Sie weiter arbeiten, nun aber weniger. Das müsste Ihr Arbeitgeber beantragen.

Arbeitslosengeld, falls Ihnen nun gekündigt wird. Dann sollten Sie sich schnell bei der Agentur für Arbeit melden.

Wohngeld, falls es nicht mehr für die Miete reicht. Das können Sie bei Ihrer Gemeinde beantragen

Aufstockungsleistungen nach SGB II / "Hartz IV" kommen in Frage, wenn Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Beantragen können es z.B. Selbstständige, die nun in Not geraten, und Angestellte, die nun unterhalb der Grundsicherung verdienen. Melden Sie sich so schnell wie möglich beim Jobcenter.

 

Ausbildung: Welche Kosten lassen sich steuerlich absetzen?

 

Die Kosten für eine Ausbildung können ganz schön ins Geld gehen. Je nach Erst- oder Zweitausbildung unterscheidet das Steuerrecht, ob man dafür Werbungskosten oder nur Sonderausgaben geltend machen kann. Dass diese Unterscheidung nicht verfassungswidrig ist, hat das Bundesverfassungsgericht jetzt noch einmal bestätigt. Welche Kosten sich absetzen lassen, und was es zu beachten gibt, das erklärt Ecovis-Steuerberaterin Teresa Geisler in Hof.

 

Aus steuerlicher Sicht ist eine Erstausbildung reine Privatsache. Für die Erstausbildung gibt es maximal 6.000 Euro Sonderausgabenabzug im jeweiligen Ausbildungsjahr. Davon profitiert aber nur, wer auch Einnahmen hat. Studiert jemand Vollzeit ohne Nebenjob, dem bringt der Sonderausgabenabzug nichts. „Der Begriff Erstausbildung ist sehr speziell“, erläutert Ecovis-Steuerberaterin Teresa Geisler aus Hof, „denn darunter fallen nur Ausbildungsberufe oder ein Studium direkt nach der Schule ohne Anstellung in einem Betrieb.“

 

Werbungskosten: Was dazu gehört und wer sie absetzen darf

 

Ist jemand Auszubildender in einem Unternehmen und daher auch angestellt, lassen sich die Ausbildungskosten als Werbungskosten absetzen. Das gilt für Azubis genauso wie für duale Studenten. Sie können Studiengebühren, Unterkunft, Fachbücher, die Kosten für den Zugang zu Datenbanken und manchmal auch Fahrtkosten bei den Werbungskosten angeben.

 

Zweitausbildung – hier sind Werbungskosten ebenfalls erlaubt

 

Die Kosten für eine zweite Ausbildung sind Werbungskosten und lassen sich absetzen. Der Masterstudiengang nach dem Bachelor ist aus steuerlicher Sicht eine Zweitausbildung. Aber auch ein Bachelorstudium kann eine zweite Ausbildung sein, wenn jemand vorher eine Lehre abgeschlossen hat.

 

Bundesverfassungsgericht: Steuerlich ungleiche Behandlung von Erst- und Zweitausbildung ist rechtmäßig

 

Dass das alles ein bisschen unlogisch ist, findet auch Steuerberaterin Teresa Geisler. Doch das Bundesverfassungsgericht hat die steuerlich ungleiche Behandlung zwischen Erst- und Zweitausbildung jetzt noch einmal am 19.11.2019 in mehreren Urteilen bestätigt und damit auch für rechtmäßig erklärt. Doch die Ecovis-Expertin hat einen Tipp zum Thema Werbungskosten: den Verlustvortrag. „Man produziert erst mal einen Verlust, den man in die nächsten Jahre mitnehmen kann“, sagt sie, „sobald man dann Geld verdient, startet man mit einer hübschen Steuerersparnis ins Berufsleben.“

 

Höhere Verpflegungsmehraufwendungen für Dienstreisende

 

2020 wurden die Verpflegungspauschalen erhöht

 

Der eine holt sich eine Wurstsemmel vom Metzger, der andere einen Burger von einer Fast-Food-Kette, wieder ein anderer bestellt sich genüsslich eine Pizza beim Italiener vor Ort und so mancher verweilt gerne in einem trendigen Restaurant und genießt eine außergewöhnliche Food-Kreation. Die Kosten für ein Mittag- oder Abendessen können stark variieren. Welche Vorliebe ein Mitarbeiter auf einer Dienstreise auch praktiziert, der Staat gewährt für Verpflegungsmehraufwendungen bei beruflich bedingten Auswärtstätigkeiten nur eine Pauschale, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Nachdem die Spesensätze sechs Jahre unverändert blieben, wurden die einzelnen Pauschbeträge in Abhängigkeit von der Abwesenheitsdauer zum 1. Januar 2020 jeweils um 16,67 Prozent bzw. zwei Euro angehoben.

 

Bei Dienstreisen von mehr als acht Stunden pro Tag können nun 14 Euro pro Tag für die Verpflegung angesetzt werden. Bei einer ganztägigen beruflich bedingten Abwesenheit mit Übernachtung verdoppelt sich die Verpflegungspauschale auf 28 Euro. Für den Anreise- und Abreisetag kommt wieder die halbierte Pauschale von 14 Euro dazu. Wer an wechselnden Arbeitsorten, z. B. als Bauarbeiter, eingesetzt wird, kann die Pauschalen ebenfalls geltend machen. Dauert ein solcher Einsatz an ein und derselben Tätigkeitsstätte jedoch länger als drei Monate, kann die Verpflegungsmehraufwendung nur für die ersten drei Monate beansprucht werden.

 

Üblicherweise zahlt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern die Verpflegungspauschale steuerfrei aus. Sollte das nicht der Fall sein, kann der Steuerpflichtige diese im Rahmen seiner jährlichen Einkommensteuererklärung als Werbungskosten absetzen. Dies kommt beispielsweise auch bei langen Anfahrten zu einem Bewerbungsgespräch oder einer privat durchgeführten Weiterbildung, die berufliche Vorteile mit sich bringt, zum Tragen. Wer die Pauschale einfordert, sollte seine beruflich bedingte Fahrt jedoch gegenüber dem Finanzamt belegen können. Das können beispielsweise Schriftstücke, Teilnahmebestätigungen, Hotelrechnungen oder Aufzeichnungen in einem Fahrtenbuch sein.

 

Im Falle höherer Ausgaben für Essen und Trinken helfen ausnahmsweise einzelne Rechnungen beim Finanzamt nicht weiter, denn die tatsächlichen Kosten können nicht berücksichtigt werden. Die neuen Verpflegungspauschalen gelten nur für das Inland. Bei Auslandsreisen gelten abhängig vom Land ganz andere Höchstsätze, die entsprechend der Lebenshaltungskosten vor Ort auch sehr viel niedriger oder höher ausfallen können.

 

Karriere nach der Ausbildung: So viel verdienen Beschäftigte ohne Studium

 

Wie entwickelt sich das Gehalt nach einer Ausbildung? Und in welchem Bundesland können Berufseinsteiger am meisten verdienen? Die Vergütungsanalysten von Gehalt.de werteten hierfür 43.642 Gehaltsdaten aus. Zudem beleuchteten sie die Einkommensentwicklung sowie die Top- und Flop-Berufe von Beschäftigten mit Ausbildungshintergrund. Das Ergebnis: Berufseinsteiger verdienen in Baden-Württemberg mit 34.400 Euro jährlich am meisten. Firmenkundenbetreuer im Bankwesen verzeichnen nach neun Jahren im Beruf den höchsten Gehaltsanstieg (+63 Prozent).

 

Laut der Auswertung von Gehalt.de beziehen Beschäftigte mit abgeschlossener Ausbildung ein Bruttojahresgehalt von rund 36.300 Euro. Zum Vergleich: Akademiker kommen auf ein Jahreseinkommen von 52.800 Euro. Im Alter von 20 Jahren verdienen Nicht-Akademiker rund 28.200 Euro. Mit 40 Jahren steigt ihr Gehalt bereits auf 37.900 Euro. Am Ende ihrer Karriere verdienen Beschäftigte mit 60 Jahren ein Gehalt von 38.700 Euro.

 

Baden-Württemberg lockt mit attraktivem Gehalt

 

Für Beschäftigte nach der Ausbildung winkt in Baden-Württemberg mit rund 34.400 Euro im Jahr das höchste Einstiegsgehalt. Auch in Bayern (32.600 Euro) und in Hamburg (32.500 Euro) beziehen sie ein lukratives Einkommen. Auf den hinteren Plätzen liegen Sachsen mit 26.300 Euro sowie Sachsen-Anhalt mit rund 26.000 Euro. Das Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern - hier erhalten Beschäftige nach der Ausbildung mit rund 25.900 Euro das niedrigste Gehalt.

 

Top-Einkommen im Bankwesen

 

Firmenkundenbetreuer in der Bank gehören zu den Top-Verdienern nach der Ausbildung. Sie bekommen ein Jahresgehalt von rund 43.900 Euro. Auch Bankkaufleute beziehen ein lukratives Einstiegseinkommen und belegen mit 38.100 Euro den zweiten Rang. Es folgen Sozialversicherungsfachangestellte (36.900 Euro), Chemikanten (34.800 Euro) und Mechatroniker (34.800 Euro). Zu den Geringverdienern zählen Friseure mit 20.200 Euro und zahnmedizinische Fachangestellte mit jährlich 21.200 Euro.

 

Starke Gehaltsentwicklungen bei Firmenkundenbetreuern und Versicherungsberatern

 

Firmenkundenbetreuer in der Bank erleben in ihrer Karriere unter allen Ausbildungsberufen statistisch den stärksten Gehaltsanstieg. Ihr Einstiegseinkommen erhöht sich nach neun Jahren von 43.900 Euro auf rund 71.600 Euro (+63 Prozent). Auf dem zweiten Rang liegt das Gehaltswachstum von Versicherungsberatern (+49 Prozent) und System- und Netzwerkadministratoren (+48 Prozent).

 

Kellner und Friseure erhalten nach neun Jahren rund 1.200 Euro mehr

 

In anderen Berufen findet kaum eine Gehaltsentwicklung statt. So können Kellner und Friseure nach neun Jahren im Beruf vergleichsweise niedrige Einkommenssteigerung vorweisen. In beiden Tätigkeiten wächst das Gehalt in diesem Zeitraum um 5 beziehungsweise 7 Prozent. Auch bei Berufskraftfahrern ergibt sich ein ähnliches Bild: Als Berufseinsteiger verdienen sie 27.700 Euro und nach neun Jahren rund 29.800 Euro (+8 Prozent).

 

"In einigen Berufen finden nur schwache Gehaltsentwicklungen statt. Wer früh genug seine Karriere vorbereitet, den Weg in Führungspositionen sucht und seinen Marktwert durch Weiterbildungen steigert, kann dem gut entgegenwirken", sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. Zum Vergleich: Eine Fachkraft mit abgeschlossener Ausbildung verdient nach ihrem 50. Lebensjahr rund 38.400 Euro. Führungskräfte mit entsprechenden Qualifikationen kommen auf 82.600 Euro im Jahr - auch ohne Studium.

 

Welche Rechte haben Heimarbeiter?

 

Eine Beschäftigung in Heimarbeit – aus rechtlicher Sicht nicht zu verwechseln mit Homeoffice – ist ein besonderes Vertragsverhältnis, für das es spezielle Regeln im Heimarbeitsgesetz gibt. Kündigt der Auftraggeber den Vertrag und vergibt keine Arbeiten mehr, können Heimarbeiter eine Urlaubsabgeltung und für die Zeit bis zum Vertragsende eine Verdienstsicherung fordern. Dies hat laut Michaela Rassat, Juristin der ERGO Rechtsschutz Leistungs-GmbH, das Bundesarbeitsgericht entschieden.

 

Worum ging es bei Gericht?

 

Ein Bauingenieur war in Heimarbeit für ein Unternehmen tätig. Er erbrachte Ingenieursleistungen und programmierte. Als das Unternehmen beschloss, den Betrieb einzustellen, kündigte es seinen Heimarbeitsvertrag und wies ihm ab sofort auch keine Aufträge mehr zu. Der Ingenieur verlangte daraufhin für den auftragslosen Zeitraum während der Kündigungsfrist die Zahlung einer Vergütung sowie eine Abgeltung von Urlaubstagen. Nachdem die Vorinstanzen ihm nur einen Teil der verlangten Beträge zugesprochen hatten, ging der Kläger vor das Bundesarbeitsgericht.

 

Das Urteil

 

Das Bundesarbeitsgericht erläuterte, dass Heimarbeitnehmer während einer auftragslosen Zeit in der Kündigungsfrist Anspruch auf eine Verdienstsicherung nach § 29 Abs. 7 des Heimarbeitsgesetzes haben. „Der Auftraggeber muss ihnen in dieser Zeit eine Vergütung bezahlen, die einem bestimmten Anteil des Gesamtbetrages entspricht, den sie in den 24 Wochen vor der Kündigung bekommen haben“, erläutert Michaela Rassat. Wie hoch dieser Anteil ist, richtet sich nach der Kündigungsfrist. Deren Dauer hängt wiederum davon ab, wie lange das Heimarbeitsverhältnis bestanden hat. Der Ingenieur im vorliegenden Fall hatte zwar Anspruch auf die anteilige Verdienstsicherung, konnte aber nichts zusätzlich verlangen. Denn: Es gab keine vertragliche Absprache, die ihm eine bestimmte Arbeitsmenge und damit einen bestimmten Verdienst zugesichert hätte. Allerdings sprach das Bundesarbeitsgericht dem Kläger eine Urlaubsabgeltung zu. Deren Höhe beruhe auf einer besonderen Regelung für Heimarbeiter in § 12 Nr. 1 des Bundesurlaubsgesetzes. Zur Ermittlung des genauen Betrages verwies das Gericht das Verfahren an die Vorinstanz zurück.

 

Was bedeutet das für Mieter?

 

Heimarbeiter sind nicht rechtlos. Das Heimarbeitsgesetz enthält viele wichtige Regelungen etwa über den Arbeitsschutz, über Entgeltfragen bis hin zum Kündigungsschutz. Es gibt jedoch wichtige Unterschiede zu einem herkömmlichen Arbeitsverhältnis. „Wer in Heimarbeit tätig werden will, sollte sich dazu genau informieren“, so Rassat. „Im Falle einer Kündigung beispielsweise muss der Auftraggeber während der Kündigungsfrist einen Teil des Verdienstes weiterzahlen, wenn er keine Aufträge mehr erteilt – aber nur anteilig in den Grenzen des Heimarbeitsgesetzes.“ Zudem haben Heimarbeitnehmer einen Anspruch auf die finanzielle Abgeltung von Urlaub, den sie wegen einer Kündigung nicht mehr nehmen können.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20. August 2019, Az. 9 AZR 41/19

 

Angestellte können trotz Krankschreibung arbeiten

 

Arbeitsunfähigkeit bedeutet nicht automatisch Bettlägerigkeit: Einkaufen oder spazieren gehen sind erlaubt - wie überhaupt alles, was die Heilung fördert, wie das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" schreibt. Nebentätigkeiten gehören allerdings nicht dazu. Wer schneller wieder arbeitsfähig ist, darf trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung arbeiten - ohne Nachteile beim Versicherungsschutz zu riskieren. Der Chef darf dieses Angebot allerdings auch ablehnen, wenn er zu dem Schluss kommt, dass der Arbeitnehmer seine Arbeit noch nicht gewissenhaft erledigen kann - das gebietet seine Fürsorgepflicht gegenüber den Angestellten.

 

Ein Attest kann der Arbeitgeber schon ab dem ersten Krankheitstag verlangen. Spätestens am vierten Tag müssen Patienten aber eine ärztliche Bescheinigung ihrer Arbeitsunfähigkeit an den Arbeitgeber und eine Kopie an die Krankenkasse schicken. Nur im Ausnahmefall darf der Arzt ein Attest rückwirkend für maximal drei Tage ausstellen. Die Bescheinigung verzeichnet die Arbeitsunfähigkeit und ihre Dauer - mehr nicht. Ursache und Art der Krankheit sind Privatsache. Der Chef darf kranke Mitarbeiter zur Kontrolle zwar besuchen. Diese müssen ihn aber weder in ihre Wohnung lassen noch Auskunft über ihre Krankheit geben. Bestehen berechtigte Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit, kann der Vorgesetzte den Medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten.

 

Beschäftigung trotz Rente – was Rentner und Arbeitgeber beachten sollten

 

Immer mehr Deutsche entscheiden sich dafür: Arbeiten über das Renteneintrittsalter hinaus. Denn für viele ist geregelte Arbeit wichtig für das Selbstwertgefühl und die Zufriedenheit. Aber auch finanzielle Gründe können den Einzelnen dazu bewegen, im Rentenalter weiter im bisherigen oder einem neuen Beruf zu arbeiten. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen händeringend nach geeigneten Fachkräften. Die Weiterbeschäftigung von Rentnern nach Erreichen der Altersgrenze scheint also eine passende Lösung zu sein, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Damit sich aber die Beschäftigung trotz Rente für die Arbeitgeber und die Rentner lohnt, gibt es nicht nur arbeitsrechtliche Besonderheiten, sondern auch bzgl. Krankenversicherung und Lohnabrechnung einiges zu beachten“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Was ist bei der (Weiter-)Beschäftigung eines Arbeitnehmers nach dem Eintritt in das Rentenalter in der Lohnabrechnung zu beachten?

 

Zuallererst ist die bis zum Jahr 2029 ansteigende Regelaltersgrenze auf 67 Jahre wichtig. Für die Lohnabrechnung muss zwischen Altersvollrentnern und Altersteilrentnern, die neben ihrem anteiligen Rentenbezug noch weiter in Teilzeit arbeiten, unterschieden werden. Grundsätzlich sind Altersvollrentner in der Krankenversicherung versicherungspflichtig, wenn auch nur mit dem ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent und damit ohne die Möglichkeit, Krankengeld zu beziehen. Für Altersteilrentner sind der volle Beitragssatz und der jeweilig geltende Zusatzbeitrag der Krankenkasse zu entrichten. In der Folge sind auch Pflegeversicherungsbeiträge zu zahlen. Arbeitslosenbeiträge sind weder vom Rentner noch (zumindest bis zum Ende des Jahres 2021 aufgrund des Flexirentengesetzes) vom Arbeitgeber zu zahlen. Arbeitgeber zahlen für Bezieher einer Altersvollrente nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin ihren Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung. Der Rentner selbst muss keine Beiträge zahlen, kann aber durch eigene Beiträge die Höhe seiner Rente günstig beeinflussen. Bezieher von Teilrenten bleiben dagegen versicherungspflichtig. Lohnsteuerrechtlich hat der Arbeitgeber auch für Altersrentner die Lohnsteuer abzuführen.

 

Was muss der Rentner selbst im Blick haben?

 

Abhängig von der jeweiligen Art des Rentenbezugs beschränken gesetzliche Grenzen die Höhe des Hinzuverdienstes. Nur Altersvollrentner können nach Erreichen des Rentenalters unbeschränkt dazuverdienen, ohne dass es zu einer Rentenkürzung kommt. Altersvollrentner zahlen gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber in der Krankenversicherung den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent und auch den kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Sie haben aber keinen Anspruch auf Krankengeld.

 

Jeder Rentner sollte aber auch die Möglichkeit prüfen, die Rente durch eigene Beiträge noch aufzustocken. Rentner müssen, wie alle anderen Bürger, Einkommensteuer zahlen. Steuerrechtlich kann der Altersrentner einen Altersentlastungsbetrag, also einen Steuerfreibetrag, in Anspruch nehmen (gem. § 24a EStG). Dieser soll bei der Besteuerung solcher Einkünfte einen Ausgleich schaffen, die nicht, wie z. B. Altersrenten, bereits steuerlich begünstigt sind.

 

Andere Lösungen: Mini-Jobber oder freier Mitarbeiter?

 

Die Gruppe der Rentner mit einem Mini-Job steigt seit Jahren kontinuierlich an. Arbeitgeber zahlen auch für Rentner immer den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent. Bezieher einer Teilrente oder aber Altersvollrentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze, Erwerbsunfähigkeits-, Witwen- oder Waisenrentner sind anders als Altersvollrentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze grundsätzlich rentenversicherungspflichtig und müssen den Eigenanteil von 3,6 Prozent entrichten. Sie können hierauf verzichten, indem sie einen Antrag auf Befreiung von der Pflicht bei ihrem Arbeitgeber stellen.

 

Wer jetzt darüber nachdenkt, statt einer Beschäftigung lieber eine freie Mitarbeit zu vereinbaren, muss aber immer auch die Gefahr der Scheinselbstständigkeit im Auge haben.

 

Fazit

 

Im Einzelfall empfiehlt es sich, vor der Weiter- oder Neubeschäftigung eines Rentners die verschiedenen Auswirkungen zu prüfen und für die Wahl einer optimalen Lösung einen Steuerberater hinzuzuziehen. 

 

Recht auf Weihnachtsgeld? Wann Arbeitnehmer mit der willkommenen Sonderzahlung rechnen dürfen

 

Für viele Arbeitnehmer ist das Ende des Novembers ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Denn dann erhalten etwas mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland Weihnachtsgeld. Ob es ein Recht auf die Sonderzahlung gibt und welche Regelungen bei Teilzeitangestellten und Minijobbern gelten, weiß Michaela Rassat, Juristin der ERGO Rechtsschutz Leistungs-GmbH.

 

Kein gesetzlicher Anspruch

 

Das Weihnachtsgeld ist eine zusätzliche – steuerpflichtige – Zahlung, die der Arbeitgeber vor Weihnachten leistet. „Ein gesetzlicher Anspruch darauf besteht nicht“, so Michaela Rassat. „Er kann aber in einem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festgelegt sein. Zudem kann er sich aus einer betrieblichen Übung oder der Gleichbehandlung im Kollegen-Kreis ergeben.“ Eine sogenannte betriebliche Übung ist ein Gewohnheitsrecht. Das heißt, es steht nicht im Gesetz, sondern basiert auf der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (bestätigt unter anderem durch das Urteil vom 23. August 2017, Az. 10 AZR 136/17). Dieses Gewohnheitsrecht gilt, wenn der Arbeitnehmer oder die Belegschaft mindestens drei Jahre lang ein Weihnachtsgeld vorbehaltlos und immer in derselben Höhe oder nach der gleichen Berechnungsmethode erhalten haben.

 

Höhe des Weihnachtsgeldes

 

Die Höhe des Weihnachtsgeldes kann, muss aber nicht vertraglich festgelegt sein. Ohne vertragliche Regelung entscheidet der Arbeitgeber, wie hoch es ausfällt. Meist entspricht die Sonderzahlung einem festen Prozentsatz des Monatseinkommens. „Der Arbeitgeber ist verpflichtet, bei der Zahlung die ganze Belegschaft im gleichen Maße zu berücksichtigen“, weiß die ERGO Rechtsexpertin. „Will er Arbeitnehmer unterschiedlich behandeln, muss er dies sachlich begründen. Bei der Höhe des Betrages kann er zum Beispiel individuelle Faktoren wie Anzahl der Kinder, Dauer der Betriebszugehörigkeit oder Erreichen von Zielvorgaben miteinbeziehen.“ Einen sachlichen Grund braucht der Arbeitgeber auch, wenn er einzelne oder Gruppen von Arbeitnehmern vom Weihnachtsgeld ausschließen will. Unterschiedlich hohe Weihnachtsgratifikationen zum Beispiel aufgrund des Geschlechts sind diskriminierend und daher nicht erlaubt. „Hier gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz“, erläutert Rassat.

 

Weihnachtsgeld bei Teilzeit, Minijob oder Befristung

 

Zahlt der Arbeitgeber generell Weihnachtsgeld, haben aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes auch Arbeitnehmer Anspruch darauf, die nicht in Vollzeit arbeiten: „Teilzeit-Mitarbeiter erhalten die vorweihnachtliche Sonderzahlung anteilig“, so die ERGO Expertin. Das gilt auch für Mitarbeiter, die auf 450 Euro-Basis arbeiten, sogenannte Minijobber. Hier richtet sich die Zahlung nach den geleisteten Wochenstunden. Wichtig zu wissen: „Minijobber dürfen maximal 450 Euro im Monat oder 5.400 Euro im Jahr verdienen. Überschreitet das Jahreseinkommen durch die Zahlung von Weihnachtsgeld diese Grenze, besteht Sozialversicherungspflicht“, weiß Rassat. Wer einen befristeten Vertrag hat, für den gelten dieselben Regelungen wie für unbefristet Beschäftigte: Es besteht grundsätzlich Anspruch auf das Weihnachtsgeld. Die Höhe richtet sich nach der Beschäftigungsdauer. Sind Arbeitnehmer also beispielsweise weniger als ein Jahr lang beschäftigt, kann der Arbeitgeber das Weihnachtsgeld entsprechend kürzen.

 

Gekündigtes Arbeitsverhältnis: Vorsicht bei einer Stichtagsregelung

 

Auch bei einer Kündigung kann dem Arbeitnehmer eine anteilige Zahlung des Weihnachtsgeldes zustehen. „In diesem Fall sollte er einen Blick in seinen Arbeitsvertrag werfen“, empfiehlt die Juristin. Einige Verträge enthalten eine sogenannte Stichtagsregelung. Der Arbeitnehmer erhält nur dann Weihnachtsgeld, wenn er sich zu dem genannten Stichtag in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befindet. Diese Regelung kann einen Arbeitnehmer aber unangemessen benachteiligen und daher unwirksam sein. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeitgeber mit der Sonderzahlung die geleistete Arbeit belohnen möchte. Will der Arbeitgeber stattdessen jedoch die Betriebstreue honorieren, ist eine Stichtagsregelung wirksam.

 

Wann verfällt eigentlich der Resturlaub?

 

Ob restliche Urlaubstage zu einem bestimmten Stichtag verfallen können, hat in der Vergangenheit immer wieder zu Streit geführt. Das Bundesarbeitsgericht hat jetzt klar vorgegeben, wie Arbeitgeber mit dem Resturlaub ihrer Mitarbeiter umgehen sollten. Mit Blick auf das Jahresende erklärt Ecovis-Arbeitsrechtsexperte Gunnar Roloff in Rostock, was Arbeitgeber beachten sollten, damit keine teuren Nachforderungen auf sie zukommen.

 

Was hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?

 

Laut Bundesurlaubsgesetz verfallen nicht genommene Urlaubstage zum 31. Dezember oder zum 31. März des Folgejahres. Das Bundesarbeitsgericht lehnt jedoch die reine Stichtagsregelung ab. Es ist der Auffassung, dass Urlaubstage nur dann verfallen, wenn Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer eindeutig und schriftlich dazu auffordern, dass sie ihren Urlaub zum 31. Dezember oder zum 31. März des Folgejahres nehmen müssen und diese ihn dann nicht nehmen.

 

Was müssen Arbeitgeber bei Minijobbern beachten?

 

Auch geringfügig Beschäftigte haben Anspruch auf Urlaub. Nehmen Minijobber ihren Urlaub nicht, kann es passieren, dass sie die 450-Euro-Grenze überschreiten. Denn nicht genommene und nicht verfallene Urlaubstage sind abzugelten. Das kann zu Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuer führen.

 

Wie können sich Arbeitgeber vor Nachforderungen schützen?

 

Weisen Sie Ihre Mitarbeiter darauf hin, dass sie ihren Urlaub nehmen müssen. „Leider ist das aufwendig“, so Ecovis-Experte Roloff. Denn Arbeitgeber müssen jedem einzelnen schriftlich mitteilen, wie viele Urlaubstage er noch hat und bis wann sie verfallen. „Am besten, Sie lassen sich von ihren Mitarbeitern per Datum und Unterschrift bestätigen, dass sie die Information bekommen haben“, rät Arbeitsrechtler Roloff.

 

Was müssen Arbeitgeber zum Jahresende 2019 beachten?

 

Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter rechtzeitig vor Jahresende 2019 auf noch bestehenden Resturlaub eindeutig und schriftlich hinweisen. Nehmen Mitarbeiter den Urlaub dann dennoch nicht, so verfällt er. Ohne den Hinweis könnten Arbeitnehmer den Urlaub noch Jahre später nachfordern. „Insbesondere bei Minijobbern kann das für Arbeitgeber richtig teuer werden“, warnt Gunnar Roloff.

 

Ehrenamt: Fiskus unterstützt Helfer

 

Etwas mehr als 40 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich beispielsweise bei der Feuerwehr, in Sportvereinen, in Kirchen sowie in kulturellen oder sozialen Einrichtungen. Dabei steht nicht der Verdienst im Vordergrund, sondern vielmehr die Freude und Sinnhaftigkeit, durch ihre Arbeit anderen helfen zu können. Davon profitiert die Gesellschaft. Doch völlig unentgeltlich ist das Ehrenamt nur in den seltensten Fällen. Häufig wird zumindest eine geringe Aufwandsentschädigung gezahlt. Durch steuerliche Anreize versucht die Politik, das soziale Engagement weiter zu fördern. „Es gibt zahlreiche steuerliche Entlastungen für ehrenamtlich tätige Menschen. Die Voraussetzungen zur Inanspruchnahme dieser steuerlichen Begünstigungen sind allerdings sehr unterschiedlich“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Übungsleiterpauschale

 

Für bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten können pro Person und Jahr 2.400 Euro (200 Euro monatlich) steuer- und sozialabgabenfrei vereinnahmt werden. Darüber hinaus ist lediglich der Anteil der Einnahmen steuerpflichtig, der die Übungsleiterpauschale übersteigt. In den Genuss der Vergünstigung können nicht nur die sogenannten Übungsleiter kommen, sondern beispielsweise auch Ausbilder und Erzieher, Trainer in einem Sportverein, Leiter eines Chores, Ausbilder bei der freiwilligen Feuerwehr sowie Lehrbeauftragte an Hochschulen und Volkshochschulen. Voraussetzung ist, dass die Person die jeweilige Tätigkeit im Dienst oder Auftrag einer öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Institution, eines gemeinnützigen Vereins, einer Kirche oder vergleichbaren Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke erbringt. Sie darf die Tätigkeit nicht hauptamtlich, sondern muss diese nebenberuflich ausüben. Dies wiederum ist dann der Fall, wenn der zeitliche Aufwand für das Ehrenamt nicht mehr als ein Drittel eines vergleichbaren Vollzeitberufes in Anspruch nimmt. Dabei können auch Personen nebenberuflich tätig sein, die im steuerrechtlichen Sinne keinen Hauptberuf ausüben, z. B. Hausfrauen, Vermieter, Studenten, Rentner oder Arbeitslose. Es spielt prinzipiell keine Rolle, ob die Tätigkeit im Inland oder europäischen Ausland ausgeübt wird.

 

Ehrenamtspauschale

 

Wenn Ehrenämtler pro Jahr weniger als 720 Euro für ihre ehrenamtliche Tätigkeit erhalten, fallen weder Steuern noch Sozialabgaben an, da die Ehrenamtspauschale in diesem Fall greift. Diese 720 Euro (60 Euro monatlich) müssen für eine nebenberufliche Tätigkeit in einer gemeinnützigen Einrichtung gezahlt werden. Auch hier gilt, dass bei weiteren Einnahmen aus ehrenamtlicher Tätigkeit und Überschreitung des Freibetrages nur der über die Pauschale hinausgehende Betrag zu versteuern ist. Auf diesen Anteil sind zudem in voller Höhe Sozialabgaben zu zahlen. Im Gegensatz zur Übungsleiterpauschale gibt es bei der Ehrenamtspauschale keine Vorgabe hinsichtlich der begünstigten Tätigkeit. Einzige Voraussetzung ist, dass das Ehrenamt im ideellen Bereich, also in der Vereinsarbeit oder in einem Zweckbetrieb ausübt wird. Das sind beispielsweise Alten- und Pflegeheime, Mahlzeitendienste, Religionsgemeinschaften, Jugendherbergen oder Werkstätten für behinderte Menschen. Die steuerliche Vergünstigung gilt für jede Art von Tätigkeit für gemeinnützige Vereine sowie kirchliche oder öffentliche Einrichtungen. Hierbei kann es sich beispielsweise um eine Tätigkeit als Vereinsvorstand, Schatzmeister, Platz- oder Gerätewart handeln. Übt eine Person die Tätigkeit als Übungsleiter und im Ehrenamt parallel aus, kann sie für dieselbe Tätigkeit nur einmal von der steuerlichen Vergünstigung Gebrauch machen.

 

Kombination der Ehrenamtspauschale mit der Übungsleiterpauschale

 

Engagiert sich eine Person in unterschiedlichen Ehrenämtern, die gesondert vergütet werden, kann sie zusätzlich zur Übungsleiterpauschale auch von der Ehrenamtspauschale Gebrauch machen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Trainer auch gleichzeitig der Kassenwart des Sportvereins ist. Die jeweiligen Pauschalen für das Ehrenamt – also den Übungsleiter- und den Ehrenamtsfreibetrag – gibt es jährlich allerdings nur einmal, auch wenn mehrere Ehrenämter parallel oder nacheinander ausgeübt werden.

 

Freibetrag für rechtliche Betreuer

 

Ist ein Mensch beispielsweise aufgrund einer Behinderung oder Krankheit nicht mehr in der Lage, rechtliche Angelegenheiten selbst zu erledigen, setzt das Amtsgericht einen rechtlichen Betreuer ein. In der Regel wird diese Aufgabe von Familienangehörigen unentgeltlich übernommen. Betreuern steht jedoch der Freibetrag in Höhe von 2.400 Euro pro Jahr zu. Zu den Begünstigten zählen ehrenamtliche rechtliche Betreuer, ehrenamtliche Vormünder sowie ehrenamtliche Pfleger. Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Vormundschaften, Betreuer und Pflegschaften sind jedoch nur steuerfrei, wenn sie zusammen mit den steuerfreien Einnahmen aus bestimmten nebenberuflichen Tätigkeiten den Freibetrag von jährlich 2.400 Euro nicht überschreiten.

 

Werbungskosten

 

Falls die im Rahmen des Ehrenamts entstandenen Aufwendungen nicht erstattet wurden, ist in eingeschränktem Umfang der Abzug von Werbungskosten oder Betriebsausgaben möglich. Dies ist grundsätzlich dann der Fall, wenn die mit dem Ehrenamt in unmittelbarem wirtschaftlichem Zusammenhang stehenden Ausgaben den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied am 20. November 2018, dass die Verluste aus einer nebenberuflichen Tätigkeit als Übungsleiter auch dann steuerlich berücksichtigt werden können, wenn die Einnahmen den Übungsleiterfreibetrag nicht übersteigen. Nach Ansicht des BFH würde der vom Gesetzgeber bezweckte Steuervorteil ansonsten in einen Steuernachteil umschlagen. Um die Verluste steuerlich berücksichtigen zu können, muss der Übungsleiter seine Tätigkeit allerdings mit Gewinnerzielungsabsicht ausüben.

 

Arbeitnehmerpauschbetrag

 

Sofern keine sonstige Anstellung besteht, sollte die ehrenamtliche Tätigkeit als Arbeitnehmer ausgeübt werden, indem mit der gemeinnützigen Organisation ein schriftlicher Arbeitsvertrag vereinbart wird. Dann kann der Ehrenämtler für diese Tätigkeit den Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr nutzen. Dieser Betrag bleibt zusätzlich zur Ehrenamtspauschale steuerfrei, sodass insbesondere Studenten oder Hausfrauen davon profitieren und als Ehrenamtliche insgesamt 1.720 Euro pro Jahr einnehmen können, ohne dafür Steuern zu zahlen.

 

Weitere steuerliche Förderung des Ehrenamts geplant

 

Die Länder-Finanzminister planen zusätzliche steuerliche Anreize für ehrenamtliches Engagement, indem die Übungsleiterpauschale um 600 auf jährlich 3.000 Euro sowie die Ehrenamtspauschale um 120 auf 840 Euro pro Jahr erhöht werden soll. Darüber hinaus soll die Freigrenze für die Besteuerung der wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe von steuerbegünstigten Körperschaften von 35.000 auf 45.000 Euro steigen.

 

Fazit

 

Bei der Vielzahl und Komplexität steuerlich anerkannter ehrenamtlicher Tätigkeiten und den unterschiedlichen Voraussetzungen sowie Kombinationsmöglichkeiten der Inanspruchnahme der Steuerbegünstigungen sollte von professionellem steuerlichem Rat Gebrauch gemacht werden.

 

Müssen Unternehmer Weihnachtsgeld zahlen?

 

Bei vielen Arbeitnehmern ist das Weihnachtsgeld fest eingeplant. Aber haben sie auch Anspruch darauf? Wann ist es auszuzahlen, und müssen Mitarbeiter das Geld zurückzahlen, wenn sie das Unternehmen verlassen? Ecovis-Arbeitsrechtler Gunnar Roloff in Rostock erklärt die Regeln für Weihnachtsgeld und 13. Gehalt.

 

Grundsätzlich sind Weihnachtsgeld oder Weihnachtsgratifikation eine freiwillige Sonderzahlung des Arbeitgebers für gute Leistung und Betriebstreue. Das 13. Gehalt dagegen ist ein vertraglich vereinbartes und festgelegtes Entgelt für bereits geleistete Arbeit. „Das wird häufig verwechselt, kann aber rechtlich einen großen Unterschied machen“, sagt Gunnar Roloff, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Ecovis in Rostock. Beide Finanzspritzen – also Weihnachtsgeld oder 13. Gehalt – werden üblicherweise mit dem Novembergehalt bezahlt und sind steuer- und sozialabgabenpflichtig.

 

Wo und wie ist die weihnachtliche Sonderzahlung geregelt?

 

Ein Recht auf Weihnachtsgeld gibt es nicht. Arbeitgeber müssen es nicht bezahlen. Das ist anders, wenn die Sonderzahlung im Arbeitsvertrag, in der Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag festgeschrieben ist. Dann können sich Arbeitnehmer immer auf das Geld zum Jahresende freuen. Und: Zahlt ein Arbeitgeber mindestens drei Jahre hintereinander eine Sonderzahlung, spricht man von einer betrieblichen Übung. Dann muss er auch künftig zahlen. „Das lässt sich vermeiden, wenn der Chef zusammen mit der Auszahlung unmissverständlich darauf hinweist, dass es sich um eine freiwillige Leistung handelt, über die er jedes Jahr neu entscheidet“, rät Ecovis-Experte Roloff.

 

Wer kriegt wie viel?

 

Ist in einem Unternehmen Weihnachtsgeld üblich, dann bekommen es alle: Also Voll- und Teilzeitbeschäftigte, Auszubildende und Minijobber. Bei Minijobbern müssen Arbeitgeber aber aufpassen, dass sie mit der Sonderzahlung nicht die Verdienstgrenze von 5.400 Euro im Jahr überschreiten. „Arbeitgeber dürfen bestimmte Gruppen von der Zahlung ausschließen. Dafür muss es allerdings einen sachlichen Grund geben. Wer beispielsweise ein leistungsabhängiges variables Gehalt erhält, muss nicht unbedingt auch noch Weihnachtsgeld bekommen“, sagt Roloff.

 

Für die Höhe der Zahlung gibt es keine Regel. Sie liegt im Ermessen des Arbeitgebers oder ist in der Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag festgelegt. Einfach ist das aber beim 13. Gehalt. Wer das bekommt, kann sich über ein zusätzliches Bruttomonatsgehalt freuen.

 

Bei Kündigung müssen Arbeitnehmer Weihnachtsgeld zurückzahlen

 

Verlässt ein Arbeitnehmer den Betrieb muss er das Weihnachtsgeld zurückzahlen – sofern das ausdrücklich beispielsweise im Arbeitsvertrag, in der Betriebsvereinbarung oder auch mündlich vereinbart ist. Das Bundesarbeitsgericht hat aber entschieden, dass Weihnachtsgeld bis 100 Euro nicht zurückgezahlt werden muss, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Für 101 Euro bis zu einem Monatsgehalt ist als Stichtag der 31. März für die Bleibe-Frist festgelegt. Bekommt ein Arbeitnehmer also im November eine Sonderzahlung und bleibt bis mindestens 31. März des Folgejahres, dann darf er das Geld behalten. Gibt es mehr als ein Monatsgehalt ist die Frist bis zum 30. Juni verlängert. Geht der Mitarbeiter früher, muss er das Weihnachtsgeld zurückzahlen.

 

Was gilt für das 13. Monatsgehalt?

 

Das 13. Gehalt ist ein zusätzliches Bruttomonatsgehalt. Das muss ein Arbeitnehmer nicht zurückzahlen. Warum? „Das 13. Gehalt ist der Dank für geleistete Arbeit“, erläutert Roloff. Der Grund liegt also in der Vergangenheit. Der Arbeitnehmer hat seine Aufgabe bereits erledigt und bekommt daher die Finanzspritze zu Weihnachten, auch wenn er das Unternehmen verlässt. „Damit bei dem komplexen Thema Weihnachtsgeld und 13. Gehalt keine Fehler passieren und sich Arbeitgeber nicht angreifbar machen, sollten sie sich den Rat eines Experten holen“, rät Ecovis-Rechtsanwalt Roloff.

 

Pendeln oder möbliertes Apartment: Auto- und Bahnfahren spart Geld, eine Zweitwohnung Zeit

 

Wer einen Job in einer anderen Stadt annimmt, steht häufig vor der Entscheidung: Pendeln oder Zweitwohnung? Ein möbliertes Apartment auf Zeit hat den großen Vorteil, dass Arbeitnehmer durch den kürzeren Arbeitsweg mehr Freizeit haben. Sie sitzen nicht stundenlang im Auto oder in der Bahn. Dadurch bleibt mehr vom Tag übrig und die Nerven werden geschont. Denn Pendler müssen zusätzlich mit Staus oder verspäteten Zügen rechnen. Doch die gewonnene Freizeit hat ihren Preis. In München zahlen Mieter für eine vollausgestattete Wohnung auf Zeit mit bis zu 40 Quadratmetern im Median 1.110 Euro Kaltmiete. Das geht aus einer aktuellen Markt-Analyse von immowelt.de hervor, für die die Kaltmieten von Wohnungen auf Zeit in 27 ausgewählten deutschen Großstädten untersucht wurden. Wohnungen auf Zeit sind komplett ausgestattet und in der Regel teurer als normale Mietwohnungen.

 

Neben der bayerischen Landeshauptstadt sind in Berlin (970 Euro) und Frankfurt am Main (900 Euro) die Mieten für möblierte Wohnungen am höchsten. Das liegt vor allem daran, dass in den drei Städten der komplette Immobilienmarkt überhitzt ist. Auch in Hamburg (770 Euro), Köln und Stuttgart (je 760 Euro) ist Wohnen für Arbeitnehmer teuer. Die niedrigsten Preise werden hingegen in Duisburg und Dresden (je 400 Euro) verlangt.

 

Autofahren zwar günstiger, aber auch zeitintensiver

 

Im Vergleich mit den Pendelkosten für ein Auto lohnt sich eine Zweitwohnung in vielen untersuchten Städten aus rein finanzieller Sicht ab einer einfachen Fahrstrecke von mehr als 100 Kilometern. Erst dann übersteigen die durchschnittlichen Kosten für ein Auto, inklusive Fixkosten für Versicherung oder Steuern und Werkstattkosten, die monatliche Miete. In Düsseldorf trifft das ab 150 Kilometern zu, in Stuttgart und Köln jeweils ab 166 Kilometern. In Frankfurt und Berlin kommt das Autofahren erst nach über 200 Kilometern teurer. Wer nach München mit dem Auto pendelt, hätte sogar erst nach 263 Kilometern den Preis für eine möblierte Wohnung egalisiert. Bei dieser Entfernung würde man sogar bis nach Norditalien kommen. Trotz der hohen Mieten überwiegen für viele Pendler allerdings auch schon bei geringeren Entfernungen die Vorteile einer Zweitwohnung direkt am Arbeitsplatz. Ihnen ist die gewonnene Freizeit, die sie für Hobbys und Entspannung nutzen können, mehr wert als die finanzielle Ersparnis.

 

Doch es gibt auch Städte, in denen sich eine Zweitwohnung schon bei weitaus geringeren Entfernungen lohnt. Besonders im Osten und im Ruhrgebiet sind die Mieten günstig, sodass sich eine Zweitwohnung in Dresden oder Duisburg schon bei 68 Kilometern lohnt. Auch in Erfurt (74 Kilometer), Leipzig (93 Kilometer) und Essen (98 Kilometer) sind die Distanzen gering.

 

Bahnfahren deutlich günstiger als Zweitwohnung

 

Ziehen Pendler die Bahn dem Auto vor, zahlen sie im Vergleich zu einem Apartment an den meisten Arbeitsorten noch weniger. In München ist die BahnCard 100 für die 2. Klasse (406 Euro auf den Monat gerechnet) gar 704 Euro günstiger als eine Wohnung auf Zeit. Auch in Berlin (564 Euro) und Frankfurt (494 Euro) können Bahnfahrer viel Geld sparen. Bedenkt man, dass viele Mieter einer Zweitwohnung am Wochenende sowieso ein Ticket in die Heimat benötigen, ist die Ersparnis noch größer. Genauso wie beim Pkw gibt es aber auch bei der Bahn Nachteile: Pendler müssen zwar nicht mit Staus, dafür aber mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Hinzu kommt, dass man wiederum erst zum Bahnhof kommen muss. Eine Zweitwohnung ist nicht nur bequemer, sondern in der Regel auch deutlich zeitsparender. In wenigen Städten kommt die Wohnung auf nahezu den gleichen Preis - in Duisburg und Dresden ist sie sogar je 6 Euro pro Monat günstiger als eine BahnCard.

 

Wann fällt Sport unter Werbungskosten?

 

Im Sommer fällt es vielen Menschen leichter, ihren inneren Schweinehund zu überwinden und Sport zu machen. Sportliche Aktivitäten im Freien, wie Nordic Walking, Wandern oder Mountainbiken machen bei schönem Wetter mehr Spaß. Einige Sportarten können unter Umständen nur im Sommer ausgeübt werden, weil es am Ort nur ein Freibad oder eine Tennisanlage im Außenbereich gibt. Je nach Sportart können die Aufwände für Ausstattung, Training und Kleidung recht hoch ausfallen. Schön wäre es, wenn diese Kosten von der Steuer absetzbar sind.

 

Berufssport ist steuerlich begünstigt

 

Aufwendungen, die für sportliche Aktivitäten anfallen, können von der Steuer abgesetzt werden, so die Lohnsteuerhilfe Bayern! Es muss nur ein beruflicher Bezug vorliegen. Für bestimmte Berufsgruppen, wie Polizisten oder Sportlehrer, ist die körperliche Fitness nämlich Voraussetzung, um den beruflichen Aufgaben nachkommen zu können. Der Fiskus erkennt den Aufwand für sportliche Aktivitäten als Werbungskosten an, wenn gewisse Kriterien erfüllt sind. Damit es sich steuerlich rentiert, sollte aber die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro überschritten werden.

 

Steuerbonus nur bei hohen Werbungskosten

 

Die berufliche Notwendigkeit muss für das Finanzamt belegt werden können. Das ist der Fall, wenn dem Sport während der Arbeitszeit nachgegangen wird oder wenn die Trainingszeit wenigstens vom Arbeitgeber als Arbeitszeit anerkannt wird. Auch eine schriftliche Dienstanweisung zur Teilnahme am Sport mit der Androhung von Sanktionen bei Missachtung oder die Ausübung auf einer betrieblichen Sportanlage sind für das Finanzamt hilfreich, damit der Betriebssport akzeptiert wird.

 

Berufsbild entscheidend

 

Die Sportart muss jedoch zum Berufsbild passen. So werden Schwimmen oder Kampfsport bei einem Polizisten vom Fiskus anerkannt. Geht ein Polizist aber in ein allgemeines Fitnessstudio oder spielt leidenschaftlich gerne Tennis, dann rechnet der Fiskus das zur privaten Lebensführung und nicht zum Beruf. In diesen Fällen ist kein Werbungskostenabzug möglich. Wird die Sportart vom Fiskus anerkannt, dann sind nicht nur die Gebühren für das Training, sondern auch die Sportbekleidung, die Kosten für die Ausstattung und Fahrtkosten zum Training als Werbungskosten absetzbar, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Privater Laptop bei beruflicher Nutzung absetzbar

 

Manchmal wird der private PC beruflich mitgenutzt

 

Vorgesetzte bieten ihren Mitarbeitern zunehmend ein begrenztes Home-Office an. So kann sich der Mitarbeiter z. B. an Tagen mit prekärer Verkehrssituation die Fahrt ins Büro sparen, zwischendurch unkompliziert einen privaten Termin wahrnehmen oder hat die Möglichkeit, neben der Arbeit ein erkranktes Kind zu Hause zu pflegen. Nicht immer wird von der Firma ein Notebook zur Verfügung gestellt.

 

Wird im Büro z. B. noch mit einem immobilen PC gearbeitet, nutzen Mitarbeiter oftmals zu Hause ihren privaten Laptop oder ihren privaten PC, um für die Firma Aufgaben zu erledigen. In diesem Fall spricht man steuerlich betrachtet von einer gemischten Nutzung, die anteilsmäßig absetzbar ist, berichtet die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Nutzungsanteile ermitteln

 

Wird der private Laptop beruflich mitgenutzt, können die Kosten der Anschaffung und des Unterhalts des eigenen Gerätes entsprechend dem Anteil des betrieblichen Gebrauchs bei der Einkommensteuer als Werbungskosten geltend gemacht werden. Das ist unter Umständen sogar möglich, wenn die Anschaffung des privaten Gerätes schon vor der betrieblichen Nutzung erfolgte. Voraussetzung ist, dass die gewöhnliche Nutzungsdauer noch nicht überschritten wurde. Die Abschreibungszeit für Notebooks, Laptops oder PCs liegt regelmäßig bei drei Jahren. Der noch nicht abgeschriebene Restwert kann noch anteilig abgesetzt werden.

 

Büroberufe haben gute Karten

 

Es gibt zahlreiche Büroberufe, bei denen eine 50-prozentige Nutzung gegeben ist. In diesem Fall werden die Kosten zur Hälfte bei der Einkommensteuer angesetzt. Ein höherer Nutzungsanteil ist z. B. bei Grafikern, Redakteuren, Lehrern oder Wissenschaftlern oft möglich. Wird der PC zu neunzig Prozent oder mehr beruflich genutzt, entfällt der private Nutzungsanteil steuerrechtlich und der PC ist zu hundert Prozent absetzbar. Schlechte Karten haben Steuerpflichtige, deren Beruf keinen PC erfordert. Nutzen beide Ehepartner gemeinsam einen PC beruflich, können beide eine anteilige Nutzung absetzen.

 

Nachweis beruflicher Nutzung

 

Um dem Finanzamt die berufliche Nutzung glaubhaft zu machen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder ist Home-Office im Arbeitsvertrag festgehalten oder es liegt diesbezüglich ein Schriftstück vom Vorgesetzten vor. Sind keine Nachweise vorhanden, muss bei der Einkommensteuer alljährlich detailliert angeführt werden, welche Aufgaben zu Hause am PC erledigt werden. Etwas aufwendiger ist das dreimonatige Führen eines Nutzungstagebuchs, das Datum, Uhrzeit, Dauer und Zweck der Nutzung dokumentiert und untermauert. Ähnlich wie bei einem Fahrtenbuch.

 

Höhe des Kaufpreises relevant

 

Liegt der Kaufpreis des Notebooks unter 952 Euro inklusive der Mehrwertsteuer, kann das Gerät im Anschaffungsjahr sofort steuerlich abgesetzt werden. Wird für das Notebook gleichzeitig noch Zubehör, wie z. B. ein Laserdrucker samt Druckpatronen, angeschafft, kann es passieren, dass der Anschaffungspreis für das Gesamtpaket über 952 Euro brutto, der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter, liegt. Dann sind die gesamten Kosten über die gewöhnliche Nutzungsdauer von drei Jahren zu verteilen, wobei sie im Jahr der Anschaffung nur anteilig nach Monaten berücksichtigt werden, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Die Top- und Flop-Berufe in Deutschland 2019

 

Welche Berufe sind in Deutschland am lukrativsten? Wo verdienen Akademiker und Beschäftigte ohne Studienabschluss am meisten beziehungsweise am wenigsten? Das Vergleichsportal Gehalt.de hat aus 224.385 Gehaltsdaten zehn Berufe mit den jeweils höchsten und geringsten Einkommen ermittelt. Das Ergebnis: Ohne akademischen Abschluss beziehen Beschäftigte als Regionalverkaufsleiter mit 73.053 Euro jährlich das höchste Gehalt. Unter Akademikern erhalten Grafiker (34.194 Euro) und Webdesigner (36.885 Euro) das geringste Einkommen. Ganz oben im Ranking liegen dagegen Oberärzte (117.545 Euro) und Fondsmanager (86.434 Euro).

 

Lukrative Gehälter für Oberärzte und Fondsmanager

 

Oberärzte erhalten in Deutschland das höchste Gehalt und beziehen 117.545 Euro jährlich. Auf dem zweiten Platz folgen Fondsmanager mit einem Einkommen von 86.434 Euro. Auch (Key)-Account-Manager (81.104 Euro) und Fachärzte (80.537 Euro) gehören zu den Top-Verdienern in Deutschland.

 

"Berufe in der Medizin- und Finanzdienstleistungsbranche werden besonders gut vergütet. Das Gehalt dient auch als Kompensation für die große Verantwortung und den hohen Arbeitsaufwand in diesen Bereichen", so Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

 

Top-Berufe für Auszubildende

 

Für Beschäftigte mit einer Ausbildung winkt das höchste Gehalt in der Regionalverkaufsleitung. Das Bruttojahreseinkommen beträgt hier 73.503 Euro. Pharma-Referenten erzielen mit jährlich 68.558 Euro ebenfalls hohe Gehälter. Zu weiteren lukrativen Berufen gehören SAP-Berater (64.909 Euro) und Filialleiter in der Bank (64.737 Euro).

 

Niedrigstes Einkommen für Berufe im Service-Bereich

 

Zu den Berufen mit dem niedrigsten Gehalt in Deutschland gehören vor allem Tätigkeiten in der Gastronomie und Dienstleistungsbranche. So verdienen Küchenhilfen mit jährlich 22.033 Euro am wenigsten. Auch die Einkommen von Friseuren (23.002 Euro) und Kellnern (23.873 Euro) bewegen sich in dem unteren Spektrum der Gehaltsskala.

 

Grafiker und Designer verdienen unter Akademikern am wenigsten

 

Grafiker erhalten unter Uni-Absolventen das geringste Gehalt. Mit einem Bruttojahreseinkommen von 34.194 Euro ist dieser Beruf für Akademiker am wenigsten lukrativ. Auch Webdesigner erhalten im Vergleich ein niedriges Gehalt. Sie beziehen im Jahr ein Einkommen von 36.885 Euro. Pädagogen (38.236 Euro) und Kulturmanager (39.814 Euro) verdienen etwas mehr. Umweltingenieure mit einem Einkommen von 46.011 Euro und Lehrer an privaten Schulen (46.649 Euro) gehören ebenfalls zu den verhältnismäßig geringer vergüteten Berufen nach der Uni.

 

Zur Methodik: Gehalt.de analysierte die jeweils zehn am besten und am schlechtesten bezahlten Berufe für Akademiker und Nicht-Akademiker in Deutschland. Die Gehaltsangaben für die Berufe basieren auf 224.385 Datensätzen. Alle Angaben stammen von Beschäftigten ohne Personalverantwortung aus den letzten 12 Monaten. Bei den Lohnangaben handelt es sich um Bruttojahresgehälter basierend auf einer 40-Stunden-Woche.

 

Incentives für Arbeitnehmer

 

Ob private Nutzung eines Firmenwagens oder die Gewährung eines Sachbezugs bis zur Höhe von maximal 44 Euro monatlich – es gibt viele Möglichkeiten für den Arbeitgeber, seine Arbeitnehmer mit zusätzlichen Incentives zu belohnen. „Incentives haben im Regelfall den Vorteil, dass der Arbeitgeber sie steuer- und sozialversicherungsbeitragsfrei gewähren kann“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Beispiel für die Vorteile von Incentives: Ein Arbeitgeber gewährt seinem Arbeitnehmer (Steuerklasse 1) eine Gehaltserhöhung von 100 Euro monatlich – bisheriges Gehalt: 1.800 Euro brutto. Der Arbeitnehmer hat keine Kinder und gehört keiner Konfession an. Die bisherige zu entrichtende Lohnsteuer (einschließlich Solidaritätszuschlag) beträgt monatlich 146,20 Euro. Hierauf entfällt ein Gesamtsozialversicherungsbeitrag für den Arbeitnehmer in Höhe von 361,35 Euro, sodass vom Bruttolohn ein Nettolohn in Höhe von 1.292,45 Euro verbleibt. Erhöht sich das Monatsbruttogehalt um 100 Euro auf 1.900 Euro, so verbleibt bei ansonsten gleichen Prämissen ein monatlicher Nettolohn in Höhe von 1.349,88 Euro. Von der Gehaltserhöhung in Höhe von 100 Euro monatlich verbleiben dem Arbeitnehmer also lediglich 57,43 Euro.

 

Dies kann dadurch vermieden werden, dass der Arbeitgeber statt der 100 Euro Gehaltserhöhung von vornherein steuer- und ggf. auch beitragsfreie Gehaltszusätze gewährt.

 

Mögliche Gehaltszusatzbestandteile

 

Das Einkommensteuergesetz sieht eine ganze Reihe von Möglichkeiten vor. Es handelt sich u. a. um die Folgenden:

 

Der Arbeitgeber kann seine Arbeitnehmer mit steuer- und beitragsfreien Fahrkostenzuschüssen für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte belohnen. Diese Möglichkeit ist kürzlich sogar noch erweitert worden auf Fahrten im öffentlichen Personenverkehr, ohne dass es auf die Wegstrecke ankommt. Diese Beträge mindern allerdings die vom Arbeitnehmer geltend zu machende Entfernungspauschale in der Einkommensteuererklärung.

Der Arbeitgeber kann ein Dienstleistungsunternehmen beauftragen, das die Arbeitnehmer in persönlichen und sozialen Angelegenheiten berät oder die Vermittlung von Betreuungspersonen für Familienangehörige übernimmt. Ein Arbeitgeber beauftragt auf eigene Kosten eine Agentur mit der Vermittlung für Kitaplätze und Kinderfrauen, um seine Attraktivität für junge Eltern zu erhöhen.

 

Der Arbeitgeber kann seinem Arbeitnehmer die private Nutzung von betrieblichen Computern, Datenverarbeitungsgeräten und Telefonen steuerfrei gestatten. Dies gilt nicht nur für die Nutzung im Büro, sondern auch für die private Nutzung zu Hause. Das Eigentum an den Geräten muss jedoch beim Arbeitgeber verbleiben und der Arbeitnehmer muss diese Geräte bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückgeben.

 

Der Arbeitgeber kann steuerfrei bis zu 500 Euro pro Arbeitnehmer im Kalenderjahr für Leistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der betrieblichen Gesundheitsförderung erbringen. Diese Leistungen müssen jedoch bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen und zertifiziert sein. Unterstützt werden kann z. B. der Besuch von Kursen zur Rückengymnastik, zur gesunden Ernährung und zur Stressbewältigung. Zuschüsse zu Beiträgen an Sportvereine oder Fitnessstudios sind dagegen nicht begünstigt.

 

Arbeitgeberzuschüsse zu den Aufwendungen der Betreuung (einschließlich Unterkunft und Verpflegung) von nicht schulpflichtigen Kindern sind steuer- und sozialversicherungsfrei (sog. Kinderbetreuungszuschuss).

Ferner kann der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltliche oder vergünstigte Parkplätze zur Verfügung stellen. Diese Leistungen werden im überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers erbracht und gehören nicht zum Arbeitslohn. Sie sind damit steuerfrei.

 

Erhält ein Arbeitnehmer Waren oder Dienstleistungen, die der Arbeitgeber produziert, gilt ein Rabattfreibetrag in Höhe von 1.080 Euro im Jahr pro Arbeitnehmer. Nur darüber hinausgehende Rabatte des eigenen Arbeitgebers müssen lohnversteuert werden und unterliegen der Sozialversicherungsbeitragspflicht. Allerdings muss die Ware oder Dienstleistung vom Arbeitgeber am allgemeinen Markt angeboten werden, also nicht nur für Arbeitnehmer produziert werden. Beispiel: Ein Lebensmittel produzierendes Unternehmen gestattet seinen Mitarbeitern, pro Monat eigens produzierte Waren im Wert von 50 Euro zu einem ermäßigten Kaufpreis von 25 Euro zu erwerben. Der jährlich anfallende Ermäßigungsbetrag pro Arbeitnehmer beträgt also 300 Euro. Da der jährliche Rabattfreibetrag in Höhe von 1.080 Euro nicht überschritten ist, fällt für diesen Vorteil keine Lohnsteuer an.

 

Fazit

 

Es bestehen diverse Möglichkeiten, Arbeitnehmer auch mit steuerfreien und ggf. beitragsfreien Zuwendungen zu belohnen. Wegen der Gestaltungsvielfalt sollte im Vorhinein auf jeden Fall die Beratung durch einen Steuerberater herangezogen werden. 

 

Studie: Gehalt und Jobsicherheit sind Arbeitnehmern am wichtigsten

 

Das Gehalt hat bei den Deutschen nach wie vor höchste Priorität bei der Jobwahl. So sehen mehr als zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) die Vergütung als Top-Arbeitgebermerkmal. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten, repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Innofact im Auftrag der TARGOBANK. Damit hat das Thema Gehalt im Vergleich zu 2017 noch weiter an Gewicht gewonnen (2017: 61 Prozent), als die Umfrage zum ersten Mal durchgeführt wurde. Auf Platz zwei der wichtigsten Arbeitsgebermerkmale landete in diesem Jahr die Jobsicherheit - die Hälfte der Befragten gibt an, dass diese eine hohe Bedeutung für sie hat. 2017 war sie den Befragten mit 60 Prozent jedoch noch wichtiger. Auch der Standort des Unternehmens hat bei den Befragten hohe Relevanz: Rund ein Drittel räumt diesem bei der Arbeitgeberwahl viel Bedeutung ein. Die Bekanntheit oder die Unternehmensgröße spielen hingegen weiterhin keine große Rolle (jeweils rund 4 Prozent).

 

Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vor allem ein Blick auf die Aussagen der Geschlechter interessant. Unterm Strich geben zwar weniger Befragte an, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Merkmal eines Arbeitgebers ist - 28 Prozent 2019 zu 37 Prozent 2017. Jedoch sind es vor allem die Männer, die diesem Thema weniger Bedeutung beimessen und so den Durchschnitt nach unten ziehen. Während die Frauen mit 39 Prozent kaum anders antworten als bei der 2017er-Umfrage (40 Prozent), halten inzwischen nur noch 27 Prozent der Männer Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ausschlaggebend (2017: 34 Prozent). Das Thema bleibt aber auch 2019 für Männer und Frauen sowie über die verschiedenen Altersgruppen Teil der Top 5-Kriterien.

 

Wie die Umfrage weiter zeigt, ist das Thema Urlaub für die Befragten in den letzten zwei Jahren wichtiger geworden. Schaffte es der Urlaub 2017 noch nicht unter die Top 5, ist er nun bereits für mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Befragten essenziell und landet dieses Jahr auf Platz 5 der wichtigsten Merkmale. "Das deckt sich mit unseren Beobachtungen im Unternehmen. Aus diesem Grund haben unsere Mitarbeiter jetzt die Möglichkeit, eine zusätzliche Urlaubswoche aus dem Bonus oder bis zu vier zusätzliche freie Wochen aus dem Gehalt zu beantragen." sagt Hermine Pöttering, Leiterin des Personalbereichs der TARGOBANK.

 

Betriebsklima als wichtiges Entscheidungskriterium

 

Neben den genannten Arbeitgebermerkmalen ist für die Befragten vor allem auch das generelle Betriebsklima sehr wichtig: Besonders Respekt sowie Wertschätzung der eigenen Person und der erbrachten Leistung stehen bei deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sehr hoch im Kurs (60 Prozent). Ein kollegiales Arbeitsumfeld ist für mehr als die Hälfte (58 Prozent) entscheidend für den Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz. Auch Teamarbeit hat für 46 Prozent eine hohe Relevanz und landet beim Fragenkomplex Betriebsklima auf Platz 3. Ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten hat jedoch im Vergleich zur Umfrage von 2017 an Bedeutung verloren (45 Prozent in 2019 zu 51 Prozent in 2017), ebenso wie das eigenverantwortliche Arbeiten (38 Prozent in 2019 zu 47 Prozent in 2017).

 

Gehalt minus Miete: In Niedersachsen bleibt am meisten in der Tasche, in Bayern am wenigsten

 

Während in deutschen Metropolen ein großer Teil des Gehalts für die Miete ausgegeben wird, bleibt Fach- und Führungskräften in gleich mehreren ländlicheren Regionen Niedersachsens nach Abzug der Miete besonders viel Geld im Portemonnaie. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Online-Jobplattform StepStone und des Immobilienportals immowelt.de. Gemeinsam haben sie die Durchschnittsgehälter und Angebotsmieten für insgesamt 384 Stadt- und Landkreise in Deutschland ins Verhältnis gesetzt. Der Stadtkreis München bildet dabei das negative Extrem: Fach- und Führungskräfte können dort zwar im Schnitt ein Jahresgehalt von 61.100 Euro erwarten. Eine Wohnung mit 80 bis 100 Quadratmeter kostet jedoch im Median auch 1.500 Euro im Monat. Vom hohen Brutto-Einkommen gehen damit 30 Prozent für die Miete drauf.

 

Wer in Bayern wohnen und arbeiten möchte, zahlt grundsätzlich einen hohen Preis dafür. Mit Blick auf die zehn Stadt- und Landkreise Deutschlands, in denen der höchste Anteil des Gehalts für die Miete aufgewendet werden muss, tauchen neben dem Stadtkreis München mit Starnberg (26 Prozent), Ebersberg (25 Prozent), Fürstenfeldbruck (24 Prozent) und Miesbach (23 Prozent) weitere vier Landkreise Bayerns in den Top Ten auf.

 

Auch in Berlin wandert ein Großteil des Gehalts an den Vermieter: In Deutschlands Hauptstadt verdienen Fach- und Führungskräfte im Schnitt 51.700 Euro, 23 Prozent davon müssen allerdings auch jährlich für eine Wohnung in der internationalen Trendstadt aufgebracht werden. "Das Leben in Metropolen wie Berlin oder München ist sehr begehrt, allerdings auch sehr teuer", sagt Immowelt-CFO Ulrich Gros. "Unternehmen, die ihren Standort in mittleren Großstädten und Kleinstädten mit günstigeren Mieten haben, können diesen Standortfaktor deshalb nutzen, um begehrte Fachkräfte für sich zu gewinnen."

 

In Holzminden gehen nur 8 Prozent des Gehalts für die Miete drauf

 

Das mit Abstand beste Verhältnis von Einkommen und Mietpreisen finden Jobsuchende im niedersächsischen Holzminden. Fach- und Führungskräfte verdienen dort im Schnitt 56.400 Euro brutto im Jahr. Eine 80 bis 100 Quadratmeter große Wohnung wird dort für 380 Euro angeboten - gerade einmal 8 Prozent des Gehalts gehen somit für die Miete drauf. In der Top Ten derjenigen Stadt- und Landkreise mit dem besten Verhältnis zwischen Gehalt und Miete ist Niedersachsen insgesamt mit gleich fünf Stadt- und Landkreisen (Holzminden, Wesermarsch, Salzgitter, Lüchow-Dannenberg und Northeim) vertreten. Auch im rheinland-pfälzischen Birkenfeld und nordrhein-westfälischen Höxter (beide 9 Prozent) bleibt nach Abzug der Miete besonders viel Geld in der Tasche.

 

Laut StepStone Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers sollten Fachkräfte bei der Jobsuche nicht nur nach dem besten Verhältnis von Gehalt und Wohnkosten Ausschau halten "Wer aus mehreren Jobangeboten wählen kann, sollte alle Faktoren bei der Entscheidung für einen Job einkalkulieren. Dazu gehört die Höhe des Gehalts genauso wie die Lebenshaltungskosten", sagt Dettmers. "Fachkräfte sollten sich aber vor allem die Frage stellen, ob ich mich beim neuen Arbeitgeber wirklich wohlfühle und der Job zu mir passt."

 

Firmenwagen im Minijob kann zur Steuerfalle werden

 

Die Fahrzeugüberlassung an nahestehende Personen mit Minijob hält Fremdvergleich nicht stand.

 

„Ein Arbeitgeber würde einem familienfremden Minijobber keinen Firmenwagen zur privaten Nutzung überlassen; die hierdurch entstehenden Kosten wären nicht kalkulierbar“ erläutert Marcel Radke, Steuerberater und Gesellschafter bei der Regensburger Steuerberatungsgesellschaft WW+KN.

 

Im entschiedenen Fall war die Lebensgefährtin eines selbstständig tätigen Ingenieurs im Hauptberuf als Sekretärin tätig. Daneben schloss sie mit ihrem Partner einen weiteren Arbeitsvertrag, wonach sie wöchentlich sechs Stunden für ihn tätig sein sollte. Zu ihren Aufgaben gehörten Belegsortierung, Kontrolle und Vorbereitung der Zahlung von Eingangsrechnungen, Kontrolle von Zahlungseingängen der Ausgangsrechnungen sowie sonstige mit der kaufmännischen Organisation des Ingenieurbüros zusammenhängende Arbeiten. Die Tätigkeit sollte als geringfügige Beschäftigung ausgeübt werden.

 

In einem Nachtrag zum Anstellungsvertrag vereinbarte der Ingenieur mit seiner Partnerin, dass ihr ein Firmenwagen zur privaten Nutzung zur Verfügung gestellt werde, deren Kosten er übernehme. Der steuer- und sozialversicherungspflichtige Gegenwert der Fahrzeugüberlassung für private Zwecke sollte gegen den baren Vergütungsanspruch aufgerechnet werden.

 

Dienstwagen im Minijob hält Fremdvergleich nicht Stand: Das Finanzamt erkannte das Arbeitsverhältnis nicht an und versagte dem Ingenieur den Abzug für den Arbeitslohn der Lebensgefährtin und die Kosten des ihr zur Verfügung gestellten Fahrzeugs. Grund war, dass der zwischen dem Ingenieur und seiner Lebensgefährtin bestehende Arbeitsvertrag einem Fremdvergleich nicht standhalte.

 

Gefährliche Praxisfalle: Dienstwagen im Minijob nicht anerkannt. Klage und Nichtzulassungsbeschwerde blieben auch beim Bundesfinanzhof ohne Erfolg. Nach Auffassung der Richter würde ein Arbeitgeber einem familienfremden geringfügig Beschäftigten regelmäßig kein Fahrzeug überlassen, da sich durch eine umfangreiche Privatnutzung des Pkw die Vergütung für die Arbeitsleistung in erhebliche - und für den Arbeitgeber unkalkulierbare - Höhen steigern könnte.

 

Schlupfloch: erhebliche betriebliche Nutzung des Firmenwagens: Noch vor kurzem hatte das Finanzgericht Niedersachsen anders entschieden und den Dienstwagen trotz Minijob anerkannt (vergleiche Finanzgericht Niedersachsen, Urteil vom 16. November 2016, 9 K 316/15). Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs war der Sachverhalt jedoch nicht vergleichbar, weil er eine "ehemalige nichteheliche Lebensgemeinschaft" betraf und außerdem eine erhebliche betriebliche Nutzung des überlassenen Pkw gegeben war.

 

Alternativen zum Dienstwagen: Zulässige Gehaltsextras im Minijob

 

Im Ergebnis führt die Entscheidung des Bundesfinanzhofs dazu, dass die Bereitstellung eines Dienstwagens an geringfügig Beschäftigte zur privaten Nutzung erheblichen Unsicherheiten unterliegt. Es gibt aber eine ganze Reihe alternativer Möglichkeiten, die Entlohnung von Aushilfen - sogar über die Verdienstgrenze von 450 Euro hinaus - aufzubessern, ohne die Abgabenpauschalierung zu gefährden. Spielraum dazu bieten Steuerbefreiungen und weitere Pauschalierungsregelungen.

 

Folgende steuerfreie oder pauschalbesteuerte Leistungen sind bei Aushilfen zulässig:

 

Sachzuwendungen bis zu 44 Euro monatlich; Sachgeschenke aus der Produktpalette des Arbeitgebers bis 1.080 Euro jährlich; Erstattungen für Reisekosten, Jobtickets, Umzugskosten, doppelte Haushaltsführung; Sachbezüge aufgrund der Privatnutzung arbeitgebereigener Telekommunikationsmittel und Personalcomputer; Pauschal mit 15 Prozent versteuerte Fahrtkostenzuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte; Pauschal mit 25 Prozent versteuerte Mahlzeiten bzw. Essenszuschüsse oder Vorteile aus der Übereignung von Personalcomputern.

 

Verfall von Urlaubsansprüchen - Obliegenheiten des Arbeitgebers

 

Der Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlten Jahresurlaub erlischt in der Regel nur dann am Ende des Kalenderjahres, wenn der Arbeitgeber ihn zuvor über seinen konkreten Urlaubsanspruch und die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat.

 

Darauf verweist der Stuttgarter Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Henn, Präsident des VDAA - Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e. V. mit Sitz in Stuttgart, unter Hinweis auf die Mitteilung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) zu seinem Urteil vom 19.02.2019 - Az. 9 AZR 541/15 -.

Arbeitskleidung mit Steuerbonus – was akzeptiert das Finanzamt?

 

Ein immer wieder aktuelles Thema in der Lohn- und Einkommensteuer ist die Arbeitskleidung. „Bei der Arbeitskleidung handelt es sich um Kleidung, die von Arbeitnehmern getragen wird, um ihre private Kleidung zu schonen. Typisches Beispiel ist der weiße Kittel eines Arztes“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart. Davon abzugrenzen ist die Dienstkleidung. Diese wird aufgrund von Dienstinteressen des Arbeitgebers zur Kenntlichmachung während der Arbeit getragen, z. B. die Uniform eines Polizisten oder Feuerwehrmanns.

 

Überlassung durch den Arbeitgeber

 

Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt typische Berufskleidung, z. B. die Uniform eines Polizisten, so ist dies steuerfrei. Auch die Bereitstellung der typischen Berufskleidung, die im Eigentum des Arbeitgebers bleibt, z. B. Schutzbrillen, Helme usw., ist steuerfrei. Schwieriger wird es jedoch, wenn die Berufskleidung auch zu privaten Anlässen getragen werden kann, etwa der schwarze Anzug eines Oberkellners, der auch zu feierlichen privaten Anlässen passend ist.

 

Die Finanzverwaltung definiert die typische Berufskleidung, die dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber steuerfrei überlassen werden kann, wie folgt:

 

Die Kleidungsstücke müssen

 

als Arbeitsschutzkleidung auf die jeweils ausgeübte Berufsstätigkeit zugeschnitten sein oder

nach ihrer z. B. uniformartigen Beschaffenheit bzw. dauerhaft angebrachten Kennzeichnung durch ein Firmenlogo objektiv eine berufliche Funktion erfüllen, sodass ihre private Nutzung so gut wie ausgeschlossen ist.

Danach sind normale Schuhe und Unterwäsche keine typische Berufskleidung.

 

Bereitstellung von Zivilkleidung

 

Die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung von Zivilkleidung oder auch bürgerlicher Kleidung führt grundsätzlich zu steuerpflichtigem Arbeitslohn. Hier sind die Abgrenzungskriterien schwieriger. So hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einer Entscheidung ein eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers an der Überlassung bürgerlicher Kleidung bestätigt und damit das Vorliegen steuerpflichtigen Arbeitslohns verneint, in dem ein im Lebensmitteleinzelhandel tätiger Arbeitgeber seinem Verkaufspersonal einheitliche bürgerliche Kleidung (Strickjacken, Hemden/Blusen, Krawatten/Halstücher) zur Verfügung gestellt hat.

 

Was kann der Arbeitnehmer als Werbungskosten absetzen?

 

Generell kann der Arbeitnehmer selbst getragene Aufwendungen für Arbeitsmittel, so auch typische Berufskleidung, steuermindernd als Werbungskosten von seiner Einkommensteuer absetzen. Dazu gehören z. B. auch die Kosten für die Reinigung. Dabei ist die Abgrenzung zu den nicht abzugsfähigen allgemeinen Kosten der Lebensführung jedoch im Einzelfall, insbesondere in der Abgrenzung zwischen Arbeitskleidung und bürgerlicher Kleidung, schwierig.

 

Handelt es sich jedoch um typische Berufskleidung und ist der Angestellte durch eine Dienstvorschrift verpflichtet, die Dienstkleidung bei Ausübung seiner Tätigkeit zu tragen, so sind die Aufwendungen als Werbungskosten abzugsfähig.

 

In einer älteren Entscheidung hat der Bundesfinanzhof (BFH) geurteilt, dass die Aufwendungen eines Oberkellners für die Anschaffung, Reinigung und Instandhaltung eines schwarzen Anzugs (hochwertiger Frack/Smoking) dann als Werbungskosten abziehbar sein können, wenn er nach einer Dienstvorschrift verpflichtet ist, bei seiner Tätigkeit einen schwarzen Anzug zu tragen.

 

Auf der anderen Seite hat der BFH die Kosten eines Trachtenanzugs des Geschäftsführers eines im bayerischen Stil gehaltenen Lokals in Nürnberg nicht zum Werbungskostenabzug zugelassen, obwohl der Geschäftsführer verpflichtet gewesen ist, diesen zu tragen. Die Begründung des BFH: Die auch private Nutzung der Trachtenkleidung als sogenannte bürgerliche Kleidung erscheint angesichts des Arbeitsortes nicht ausgeschlossen.

 

Zudem nicht zum Werbungskostenabzug zugelassen hat der BFH Kosten für die Sportkleidung eines Sportlehrers, die weiße Kleidung eines Masseurs, weiße Schuhe, Hemden oder Socken bei Ärzten sowie die Kleidung einer Instrumentalsolistin – die Kosten eines schwarzen Anzugs für einen Geistlichen und einen Leichenbestatter dagegen schon. Diese Unterscheidungen sind nicht immer unmittelbar einsichtig.

 

Fazit

 

Wie zu sehen ist, gibt es zwar Leitlinien, in Grenzfällen muss jedoch eine genaue Unterscheidung zwischen einer typischen, steuerlich zu berücksichtigenden Berufskleidung und einer nicht absetzbaren bürgerlichen Kleidung getroffen werden. Hier sollte der Rat eines Steuerberaters eingeholt werden.

 

Familie und Beruf: Deutschland muss kräftig aufholen

Umfrage: Flexible Arbeitszeiten nur an jedem vierten Arbeitsplatz - 56 Prozent bieten keine Teilzeit in den Betrieben an

 

Trotz vieler Angebote der Politik (Elterngeld, Anspruch auf Kita-Platz) kommt viel zu wenig aus den Unternehmen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Andere Länder wie Norwegen, Dänemark oder auch Frankreich bieten mehr Möglichkeiten, Kind und Karriere in einer modernen Arbeitswelt zu kombinieren. Lediglich 44 Prozent aller Betriebe hierzulande haben Modelle für Teilzeitarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der ManpowerGroup Deutschland, für die 1.010 Bundesbürger befragt wurden.

 

Die Zahlen sprechen für sich: Mitarbeiter mit Kindern können nur in 24 Prozent aller Betriebe flexible Arbeitszeiten mit dem Chef vereinbaren. Dieser Wert hat sich im Vergleich zur Befragung im vergangenen Jahr um drei Prozentpunkte verschlechtert. Immerhin gibt es für 32 Prozent der Teilzeitkräfte die Möglichkeit, nach einiger Zeit wieder in eine Vollzeitposition zu wechseln. "Wir müssen auf Seiten der Arbeitnehmer und auch der Arbeitgeber neu denken. Die Zeiten der "Nine to Five"-Jobs sind vorbei." sagt Herwarth Brune, der Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. "Die Arbeitnehmer wollen flexible Modelle, die sich ihren Gewohnheiten anpassen lassen."

 

Mehr als jeder fünfte Mann geht in Elternzeit

 

Schlecht sieht es allerdings aus, wenn es um die Betreuung der Kinder im Unternehmen geht. Nur in elf Prozent aller Betriebe gibt es dafür geeignete Möglichkeiten. Und nur jede zehnte Firma unterstützt Familien mit einem Zuschuss zur Kinderbetreuung. "Hier verschenken die Unternehmen Chancen, das Potenzial von gut ausgebildeten Frauen und Männern zu nutzen", sagt Brune. "Gerade die Möglichkeit, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, ist für viele Berufstätige heute einer der wichtigsten Faktoren bei der Jobsuche geworden." Wenn aus Mitarbeitern Eltern werden, gibt es in vielen Betrieben gute Programme und Möglichkeiten. In den Unternehmen gehört es zur Kultur, dass Frauen und Männer mit Kindern gefördert werden. In 21 Prozent der Firmen nehmen auch viele Männer den Anspruch auf Elternzeit wahr. In fast jedem fünften Betrieb (19 Prozent) gibt es Programme zur Wiedereingliederung der Mitarbeiter nach der Elternzeit. In neun Prozent aller Firmen werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Suche nach einem Betreuungsplatz unterstützt. "Das Homeoffice könnte schon jetzt in vielen Bereichen sehr hilfreich sein. Eine Möglichkeit, die sich viele Arbeitnehmer wünschen. Doch dafür müssen die Arbeitgeber auch Vertrauen haben und loslassen können," so Herwarth Brune, der Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland.

 

Ständige Erreichbarkeit im Job: Auch der Partner leidet mit

Dienstliche E-Mails nach Feierabend, der Chef ruft am Wochenende an: Von rund einem Viertel der Berufstätigen wird erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar sind. Doch diese erweiterte Erreichbarkeit kann sich negativ auf die Leistungsfähigkeit und auf die Gesundheit auswirken - selbst wenn sie von den Beschäftigten freiwillig gewählt ist, positiv empfunden oder als notwendig angesehen wird. Das zeigt eine wissenschaftliche Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). Demnach leiden Berufstätige, die auch in ihrer Freizeit für den Job auf Abruf bereitstehen, häufiger unter schlechterem Schlaf. Der Anteil der Beschäftigten, die wegen der permanenten Erreichbarkeit nicht zur Ruhe kommen, sich schlecht erholen oder gedanklich von der Arbeit lösen können, ist signifikant größer als bei Berufstätigen mit klar abgegrenzter Freizeit.

 

Ein Grund für die Negativfolgen ständiger Erreichbarkeit ist, dass Erholungsphasen durch Phasen der Arbeit unterbrochen oder verkürzt werden. Zudem fällt es den Betroffenen schwerer, sich in der Freizeit ausreichend von ihrem Job zu distanzieren und abzuschalten. Doch die Vermischung von Arbeit und Privatleben belastet auch die Partnerinnen und Partner: 68 Prozent gaben an, durch die Erreichbarkeit ihres Lebensgefährten beeinträchtigt zu sein. Betroffen davon sind unter anderem familiäre Verpflichtungen, die gemeinsame Urlaubsgestaltung, aber auch die eigenen Schlaf- und Erholungszeiten. Bei den Ergebnissen spielt es keine Rolle, ob die Befragten die Erreichbarkeit ihres Partners außerhalb der regulären Arbeitszeiten begrüßen oder ablehnen. Was die Trennung von Arbeit und Freizeit betrifft, äußerten viele Befragte das Bedürfnis nach klareren Grenzen: Ein Großteil der befragten Erreichbaren (60 Prozent) wünscht sich gesetzliche oder betriebliche Regelungen für die Erreichbarkeit. Bei ihren Partnern liegt die Quote bei 83 Prozent. Fast 70 Prozent der Lebensgefährten gaben an, Erreichbarkeit nach der Arbeit sollte komplett entfallen, so die Studie.

 

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