Betriebliche Altersversorgung: Auch mit niedrigem Einkommen für den Ruhestand vorsorgen

 

57 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland haben keine betriebliche Altersversorgung (bAV) abgeschlossen. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Dabei schließt nur jeder dritte Beschäftigte mit einem monatlichen Haushaltseinkommen unter 2.000 Euro einen bAV-Vertrag ab, obwohl gerade in Zeiten des demografischen Wandels und eines steigenden Ungleichgewichts zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern die zusätzliche Altersvorsorge immer wichtiger wird.

 

„Mit der betrieblichen Altersversorgung sichern Beschäftigte nicht nur ihren Ruhestand finanziell ab, sie sparen auch noch Steuern und Sozialabgaben“, erklärt Frank Heuer von den VGH Versicherungen. Wer zum Beispiel im Monat 2.000 Euro verdient und monatlich 100 Euro in die betriebliche Altersversorgung einzahlt, hat durch die Ersparnis bei Steuern und Sozialversicherung lediglich einen Nettoaufwand von rund 56 Euro.

 

Mehr noch: Spart der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge ein, ist er durch das am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Betriebsrentenstärkungsgesetz verpflichtet, den umgewandelten Beitrag mit 15 Prozent zu bezuschussen. Damit würde sich der Beitrag auf 115 Euro erhöhen. Dies gilt allerdings nur für neu abgeschlossene Entgeltumwandlungen ab dem 1. Januar 2019, wenn der Vertrag über eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds besteht. Für bereits bestehende Entgeltumwandlungen gilt der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss erst ab 2022. Der Gesetzgeber hat den Tarifvertragsparteien allerdings die Möglichkeit eingeräumt, diese Verpflichtung in ihren Tarifverträgen auszuschließen.

 

Zusätzliche Anreize durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz

 

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz hat der Staat zusätzliche Anreize für Arbeitgeber geschaffen, die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Die Förderung gilt für Beschäftigte mit einem Einkommen bis 2.200 Euro. Liegt der Zuschuss des Arbeitgebers zwischen 240 und 480 Euro, erhält dieser im Rahmen der Lohnsteuerverrechnung vom Staat einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der Beiträge.

 

Steuerfreier Höchstbeitrag seit 2018 verdoppelt

 

Seit Januar 2002 haben Beschäftigte ein Recht auf Entgeltumwandlung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung. Dabei wandelt der Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttogehalts in eine betriebliche Altersversorgung um. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde der steuerfreie Förderrahmen verdoppelt und beträgt jetzt acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung West. Das entspricht im Jahr 2018 einem steuerfreien Höchstbetrag von monatlich 520 Euro. Die Sozialversicherungsfreiheit der Beiträge bleibt stabil bei vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze.

 

Gute Vorsorge auch mit kleinem Gehalt

 

Die YouGov-Umfrage hat ergeben, dass jeder Dritte Befragte mit einem bAV-Vertrag seine betriebliche Altersversorgung über die eigene Entgeltumwandlung bezahlt. Aber eine betriebliche Altersversorgung lässt sich auch anders finanzieren. Entweder zahlen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer jeweils einen Teil der bAV-Beiträge oder der Arbeitgeber finanziert die betriebliche Altersversorgung für seine Mitarbeiter allein.

 

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber entscheidet über seine Leistungen und die angebotenen Verträge zur betrieblichen Altersversorgung. Was die Höhe der Entgeltumwandlung betrifft, kann der Arbeitnehmer hingegen selbst entscheiden, wie viel er von seinem Bruttogehalt zurücklegen möchte. „Deshalb können auch Beschäftigte mit einem kleineren Einkommen durch eine betriebliche Altersversorgung für das Alter vorsorgen“, erklärt VGH-Experte Frank Heuer. „Denn es kann sich lohnen, auch kleinere Summen zurückzulegen – insbesondere, wenn der Arbeitgeber etwas hinzugibt.“

 

2018: Neues Betriebsrentenmodell

Mit dem Jahreswechsel wurde mit dem sogenannten Tarifpartnermodell (auch Sozialpartnermodell genannt) eine neue Variante zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) eingeführt. Das Ziel hierbei: eine Betriebsrente per Tarifvertrag, bei der es nur eine Zielrente entsprechend der eingebrachten Beiträge gibt, der Arbeitgeber aber nicht für deren Garantie haftet. Der Gesetzgeber will damit erreichen, dass aufgrund des Haftungsausschlusses mehr Unternehmen als bislang – insbesondere kleine und mittlere Firmen – eine betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung anbieten. Denn sie müssen sich nur noch verpflichten, Beiträge an externe Versorgungsträger zu zahlen, und keine Rückstellungen mehr bilden, um garantierte Renten später auch auszahlen zu können, so die Verbraucherzentrale NRW.

 

Für bAV-Verträge im Tarifpartnermodell gilt ab 1. Januar 2018:

 

Ohne Widerspruch wird automatisch gespart

Die Tarifpartner dürfen sich zukünftig auf ein sogenanntes „Opt-Out“ einigen. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer im Rahmen des neuen Sozialpartnermodells automatisch Teile ihres Einkommens sparen, solange sie dem nicht aktiv widersprechen. Bislang mussten Arbeitnehmer für einen bAV-Vertrag selbst aktiv werden.

 

Zuschuss für Geringverdiener

Arbeitgeber erhalten eine Steuervergünstigung, wenn sie die Mitarbeiter mit geringem Einkommen beim Sparen unterstützen. Für Beschäftige, die weniger als 2.200 Euro brutto im Monat verdienen, können Arbeitgeber 30 Prozent des Sparbeitrags mit ihrem Anteil an der Lohnsteuer verrechnen. Bei einem Zuschuss zwischen 240 bis 480 Euro jährlich spart der Arbeitgeber somit 72 bis 144 Euro pro Jahr. Wichtig: Für Arbeitgeber gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, diesen Zuschuss auch tatsächlich zu zahlen.

 

Ab 2019: Neuer Pflicht-Zuschuss der Arbeitgeber

Wenn Beschäftigte für die spätere Betriebsrente eigenes Geld sparen (die sogenannte Entgeltumwandlung), müssen sie auf diesen Gehaltsteil bis zu einem Höchstbetrag keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Auch das Unternehmen spart in der Ansparphase bei der Entgeltumwandlung seinen Arbeitgeberanteil – für Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sind das zurzeit etwa 19,5 Prozent.

 

Im Gegenzug müssen Arbeitnehmer die ausgezahlte Betriebsrente später versteuern, und gesetzlich Krankenversicherte müssen zudem auf die Rente sowohl den Arbeitnehmer- wie auch den Arbeitgeberbeitrag der Kranken- und Pflegeversicherung (zurzeit etwa 20 Prozent) selbst zahlen. Arbeitgeber hingegen können die Ersparnis bisher einstreichen. Sie sind nicht verpflichtet, diese an die Arbeitnehmer weiterzugeben.

 

Das ändert sich mit dem Sozialpartnermodell ab 2019: Mindestens 15 Prozent des umgewandelten bAV-Beitrags müssen die Firmen dann an die jeweilige Versorgungseinrichtung zahlen. Ob diese 15 Prozent letztlich 1:1 im Vertrag des jeweiligen Arbeitnehmers landen, hängt allerdings von der konkreten Regelung im Tarifvertrag ab.

 

Einschränkung allerdings: Beisteuern müssen Arbeitgeber diese 15 Prozent nur, falls die sozialversicherungspflichtige Beitragsbemessungsgrenze nicht überschritten wird. Diese beträgt im Jahr 2018 in der Krankenversicherung 4.425 Euro und in der Rentenversicherung (West) 6.500 Euro im Monat. Praktisch bedeutet das: Wenn Arbeitnehmer mehr als 6.500 Euro im Monat verdienen, spart der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge und muss folglich auch keinen Zuschuss zahlen.

 

Wichtig: Auch der Arbeitnehmer spart bei der Umwandlung von Entgelt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze keine Sozialabgaben; er muss im Alter aber dennoch auf die Betriebsrente Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil von Kranken- und Pflegeversicherung zahlen, so die Verbraucherzentrale NRW.

 

Studie: Deutsche wollen Betriebsrenten

Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu Verzicht zugunsten von Alterssicherung bereit

 

Wie viel ist den Deutschen eine Betriebsrente wert? Dieser Frage ist jetzt das Beratungsunternehmen Aon Hewitt mit einer repräsentativen Umfrage auf den Grund gegangen. Das Ergebnis: Arbeitnehmer und Arbeitgeber wollen in ihrer großen Mehrheit auf Konsum bzw. Gewinne verzichten, um in die Altersversorgung zu investieren. Drei Viertel der Arbeitnehmer und zwei Drittel der Arbeitgeber sind bereit, zusätzliche Zahlungen zu leisten. Ausgewertet wurden die Antworten von Mitarbeitern und Managern kleiner und mittlerer Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern.

 

Erstaunlich einig sind sich beide Gruppen bei der Höhe des Betrages. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer würde 500 Euro pro Jahr in die Absicherung stecken. Gut 40 Prozent der Arbeitgeber würden die gleiche Summe zuschießen. Damit stünden dann rund 1.000 Euro pro Jahr für den Aufbau einer Betriebsrente zur Verfügung. So lässt sich bereits eine merkbare Aufstockung der gesetzlichen Rente erzielen.

 

Auf jeden Fall lohnt es sich, früh anzufangen. Das haben die Experten von Aon Hewitt ausgerechnet. Ein Arbeitnehmer, der seine Einzahlungen im Alter von 20 Jahren beginnt, erhält eine Zusatzrente in Höhe von rund 315 Euro. Wer mit 40 Jahren startet, erhält nur noch 134 Euro pro Monat und wer bis zum 60. Lebensjahr wartet, kann sich nur noch auf 27 Euro freuen. Der Modellrechnung zugrunde gelegt wurde eine konservative Anlagestrategie.

 

"Der Wille, in die Alterssicherung zu investieren, ist auf breiter Front da. Jetzt kommt es darauf an, durch Information und Motivation der betrieblichen Altersversorgung auch bei kleinen und mittleren Betrieben zum Durchbruch zu verhelfen," stellt Fred Marchlewski, Geschäftsführer von Aon Hewitt, fest. "Für die Abwicklung stehen bewährte Outsourcing-Modelle zur Verfügung, die administrativen Aufwand auf ein Mindestmaß beschränken."

 

Deutsche legen bei bAV mehr Wert auf Sicherheit als auf Rendite

Für 72 Prozent der Deutschen ist die Alterssicherung in den vergangenen Jahren wichtiger geworden.

 

Allerdings schafft es ohne bAV nur rund ein Drittel der Befragten, die geplanten Sparziele zu erreichen. Dabei profitieren von einer bedarfsgerechten bAV sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen. Das sind die zentralen Ergebnisse der „Global Benefits Attitude“ Studie, für die Willis Towers Watson mehr als 2.000 Arbeitnehmer zu ihrer Sicht auf die bAV befragt hat.

 

Was erwarten die Deutschen von der betrieblichen Altersversorgung? Sicherheit, also eine risikofreie Anlage der bAV-Sparbeiträge, stellt mit Abstand die wichtigste Anforderung dar: 78 Prozent legen darauf den größten Wert. Auf Platz zwei: Flexibilität. 69 Prozent möchten ihre bAV bei einem Arbeitgeberwechsel fortführen. Fast genauso viele (68 Prozent) möchten bei Eintritt in die Rente flexibel zwischen einer lebenslangen Rente oder einer sofortigen Kapitalauszahlung wählen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) bevorzugt eine garantierte lebenslange Rente. Und schließlich 48 Prozent wünschen sich eine Absicherung für den Invaliditäts- oder Todesfall.

 

„Die Möglichkeit, eine höhere Auszahlung bei Berufsunfähigkeit oder Todesfall zu erhalten, spielte bisher eher eine untergeordnete Rolle. Aber nun gewinnt das Thema Risikoleistungen in der Wahrnehmung der Mitarbeiter an Bedeutung“, sagt Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson. „Bei den Arbeitnehmern steigt etwa das Bewusstsein dafür, dass psychische Erkrankungen ebenfalls zu Berufsunfähigkeit führen können.“ Immer mehr Unternehmen erkennen diesen Bedarf nach zusätzlicher Absicherung und passen die Altersvorsorge-Pläne entsprechend an.

 

Bedarfsgerechte bAV hält Mitarbeiter im Unternehmen

 

Der Wunsch nach Sicherheit steht im Gegensatz zu den Bestrebungen des Gesetzgebers: Als Antwort auf den kontinuierlichen Niedrigzins ist im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes in Tarifverträgen nun die reine Beitragszusage möglich. Das bedeutet: Das Kapital der Mitarbeiter wird flexibel angelegt, ohne Garantie, aber mit einer Chance auf höhere Rendite. Gleichzeitig ist der Arbeitgeber bei negativer Kapitalentwicklung nicht dazu verpflichtet, die Summe der für die bAV entrichteten Beiträge zu garantieren. „Unsere Studie legt nahe, dass viele Arbeitnehmer der reinen Beitragszusage skeptisch gegenüberstehen“, sagt Wilhelm-Friedrich Puschinski, Leiter General Consulting bAV bei Willis Towers Watson. „Möchten Unternehmen ihre Mitarbeiter aber davon überzeugen, so sollte der Pensionsplan intelligent gestaltet und mit Fingerspitzengefühl kommuniziert werden.“

 

Für drei Viertel (74 Prozent) der Mitarbeiter ist es wichtig, dass ihr Arbeitgeber sie bei der bAV aktiv unterstützt. Auch bei der Erläuterung der bAV sehen Mitarbeiter die Arbeitgeber in der Pflicht: 46 Prozent wünschen sich eine individuelle und persönliche Beratung zu ihrer bAV.

 

Wenn die betriebliche Vorsorge die Bedürfnisse der Mitarbeiter erfüllt, profitieren auch Unternehmen davon: Für 57 Prozent der Arbeitnehmer mit einer bedarfsgerechten bAV ist dies ein entscheidender Grund, um bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben. Sogar 72 Prozent der Befragten mit einer bedarfsgerechten bAV geben an, dass sie gerne bis zur Pensionierung bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber bleiben würden. „Spannend dabei ist, dass die Befragten unabhängig vom Alter bis zur Rente bleiben wollen – auch die jüngeren Mitarbeiter. Das zeigt einmal mehr, welch hohen Stellenwert die bAV in der Mitarbeitergewinnung und -bindung hat“, so Puschinski.

 

Vorsorgemodell mit Potenzial

 

Grundsätzlich möchte fast jeder zweite Befragte mehr sparen: 48 Prozent wären bereit, eine höhere Summe aus ihrem monatlichen Gehalt in Alterssicherung zu investieren. Doch ohne bAV erreichen nur 29 Prozent ihre Sparziele, mit bAV hingegen 45 Prozent. „Die Studie zeigt, dass die bAV ein gutes Mittel zur Alterssicherung ist: Arbeitnehmer haben Vertrauen in das Modell, sie sind bereit etwas zu tun, doch die Umsetzung gelingt noch nicht. Um die Höhe und Verbreitung der ergänzenden Altersvorsorge zu stärken, ist das BRSG ein guter erster Schritt. Doch sowohl Politik als auch Unternehmen und Mitarbeiter müssen mehr tun, damit die drei Säulen der Alterssicherung weiterhin tragfähig bleiben“, sagt Puschinski.

 

Beschäftigte investierten im Jahr 2012 rund 9,5 Milliarden Euro in betriebliche Altersvorsorge

Beschäftigte in Deutschland investierten im Jahr 2012 durchschnittlich 362 Euro in ihre betriebliche Altersvorsorge. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, waren das 0,9 % der Bruttojahresverdienste. Hochgerechnet auf alle Beschäftigten in Deutschland entsprach das einem Gesamtvolumen von 9,5 Milliarden Euro. Die Summe lag damit knapp unter den Investitionen in die „Riester-Rente“. Nach vorläufigen Angaben der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZFA) betrugen die Gesamtbeiträge für geförderte „Riester-Verträge“ für das Beitragsjahr 2012 rund 10,1 Milliarden Euro. Sie setzten sich aus Eigenbeiträgen von 7,3 Milliarden Euro und staatlichen Zulagen von 2,8 Milliarden Euro für die Zulagenberechtigten zusammen. Beschäftigte in Branchen mit hohem Verdienstniveau investierten im Durchschnitt mehr in die betriebliche Altersvorsorge als Beschäftigte in Niedriglohnbranchen. Am höchsten fiel der Umwandlungsbetrag in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen aus. Hier investierten Beschäftigte durchschnittlich 1 115 Euro, dies entsprach einem Anteil von 1,8 % am Bruttojahresverdienst. Die niedrigsten Umwandlungsbeträge wurden in der Leiharbeitsbranche - der Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften - mit 36 Euro (0,2 % des Bruttojahresverdienstes) ermittelt, gefolgt von der Gastronomie mit 59 Euro (0,3 % des Bruttojahresverdienstes). Das meiste Entgelt wurde in Direktversicherungen (3,25 Milliarden Euro) investiert. Dahinter folgten Pensionskassen (2,25 Milliarden Euro), Zusatzversorgungseinrichtungen (1,75 Milliarden Euro), Direktzusagen (1,25 Milliarden Euro) und Unterstützungskassen (0,75 Milliarden Euro). In Pensionsfonds (0,25 Milliarden Euro) wurde vergleichsweise wenig Arbeitslohn eingebracht. Bei der Entgeltumwandlung beziehungsweise Arbeitnehmerbeteiligung an der betrieblichen Altersversorgung verzichten Arbeitnehmer auf einen Teil ihres künftigen Verdienstes. Im Gegenzug erhalten sie vom Arbeitgeber eine Zusage auf eine im Rentenalter auszuzahlende Betriebsrente beziehungsweise ergänzen diese um einen Eigenanteil.

 

Versorgungswerke geraten in finanzielle Bedrängnis: Renten von rund 800.000 Freiberuflern in Gefahr

Ärzte, Apotheker, Anwälte und Steuerberater müssen sich auf drastische Kürzungen ihrer Altersvorsorge einstellen. Rund 800.000 Freiberuflern in Deutschland, die einer Kammer angehören, stehen nach Informationen des Wirtschaftsmagazins 'Capital'  Senkungen ihrer Renten bevor. Die rund 90 berufsständischen Versorgungswerke, die die Renten für die Freiberufler garantieren, haben aufgrund der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt gravierende Finanzierungsprobleme.

 

Hält die Niedrigzins-Phase an, können die Werke laut Versicherungs-Experten bald ihre Leistungsversprechen nicht mehr einhalten. "Nach meinen Informationen wackeln einige Versorgungswerke", sagte Anette Kramme, Renten-Expertin der SPD im Bundestag gegenüber 'Capital'. Die Mitglieder müssten sich auf weit niedrigere Renten einstellen, prognostiziert der unabhängige Aktuar Peter Schramm. Nach 'Capital'-Recherchen ist in Deutschland die Haftungsfrage bei der Pleite eines Versorgungswerks rechtlich völlig ungeklärt. In einer Stellungnahme des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages heißt es, die Frage, wer im Insolvenzfall für die Renten der Freiberufler aufkomme, sei "bisher nicht abschließend beantwortet worden". 

 

ÖKO-TEST Betriebliche Altersvorsorge: Dickes Minusgeschäft

Die betriebliche Altersversorgung gilt als bequem und lukrativ. Eine aktuelle Analyse des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST zeigt, dass oft das Gegenteil der Fall ist. Die Mehrheit der Tarife garantiert keinen Kapitalerhalt. Das bedeutet: Ob zu Rentenbeginn wenigstens die Summe aller Einzahlungen auf dem Betriebsrentenkonto steht, ist nicht sicher. Was für ein dickes Verlustgeschäft das sein kann, zeigt der Musterfall eines 55-jährigen Arbeitnehmers, den ÖKO-TEST durchgerechnet hat: Das Garantiekapital lag hier bis zu 1.967 Euro unter der Summe, die er einbezahlt hatte. Die meisten Arbeitnehmer hoffen, dass die garantierten Leistungen durch zusätzliche Überschüsse aufgepolstert werden. Doch angesichts der weltweiten Staatsschuldenkrise und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte können die betrieblichen Versorgungswerke kaum noch Überschüsse erwirtschaften. Dem Musterfall wurde auf Basis der prognostizierten Monatsrenten im besten Fall eine magere Rendite von 2,51 Prozent in Aussicht gestellt. Und auch für die Arbeitgeber sind betriebliche Altersvorsorgerenten riskant. Es ist nämlich fraglich, ob diese Tarife überhaupt den Vorgaben des Betriebsrentengesetzes genügen. Macht eine Versicherung Verluste, birgt das ein erhebliches Haftungsrisiko für den Arbeitgeber. Die gesetzlichen Vorgaben sehen vor, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern bei Entgeltumwandlung ein „wertgleiches“ Versorgungsangebot machen müssen. Noch wird über die Haftungsrisiken unter Juristen heftig diskutiert, doch schlimmstenfalls könnten die Arbeitsgerichte die Arbeitgeber als schadenersatzpflichtig betrachten. 

 

Betriebsrente: 4.000 Euro Rente Unterschied

Jede Firma muss eine Betriebsrente anbieten. Arbeitnehmer haben das Recht, mindestens mit einer Direktversicherung über den Betrieb zu sparen. Doch mehrere tausend Euro trennen gute und schlechte Angebote. Die Stiftung Warentest hat für die August-Ausgabe von Finanztest 33 Anbieter einer Direktversicherung untersucht und Unterschiede bis zu 4.000 Euro Rente nach 20 Jahren Ruhestand festgestellt. Die garantierte Rente ist das wesentliche Auswahlkriterium für die Auswahl eines Vertrages. Die Modellkunden, 40-jährige Frauen und Männer, investieren 27 Jahre lang jährlich 1.200 Euro von ihrem Bruttogehalt in eine Direktversicherung. Dafür bekommen sie ab dem 67. Lebensjahr eine lebenslange Rente. Beim günstigsten Anbieter Europa erhält der Modellkunde eine garantierte Monatsrente von 159 Euro, bei den Versicherern am unteren Ende der Scala sind es monatlich bis zu 18 Euro weniger. Über das Angebot entscheidet allerdings nicht der Arbeitnehmer, sondern der Arbeitgeber. Doch Arbeitnehmer können über den Betriebsrat Einfluss auf die Auswahl nehmen oder selbst Vorschläge machen. Es ist wichtig die Angebote zu vergleichen, um später eine gute Betriebsrente einstreichen zu können. Der Test von Finanztest hilft, einen kostengünstigen und renditestarken Tarif auszuwählen. 

 

Betriebliche Altersvorsorge: Unternehmen informieren zu wenig

45 Prozent der erwerbstätigen Bundesbürger beklagen, von ihrem Arbeitgeber keine Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) zu bekommen. Vor allem Berufstätige mit einem Nettoverdienst zwischen 1.000 und 2.000 Euro im Monat gehen häufig leer aus: 54 Prozent berichten, von den eigenen Personalverantwortlichen über keinerlei betriebliche Altersvorsorgemodelle informiert worden zu sein. Das, obwohl der Arbeitgeber aufgrund seiner Fürsorgepflicht informieren muss. Wird eine bAV angeboten, dann ist die Nachfrage unter den Beschäftigten groß. 85 Prozent der Arbeitnehmer, für die eine entsprechende Vorsorgemöglichkeit besteht, nehmen diese auch in Anspruch. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter 1.002 Deutschen durch das IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung im Auftrag der Hannoverschen Leben.

 

Trotz der großen Bereitschaft der Deutschen, eine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen, sind viele Befragte unzufrieden mit der Qualität ihrer bAV-Beratung. Knapp jeder zweite Berufstätige (47 Prozent) fühlt sich über die Möglichkeiten dieser Vorsorgeform nicht ausreichend informiert. Hinzu kommt: 71 Prozent der Befragten, die kein Beratungsangebot erhalten haben, wissen meist nicht einmal, dass sie einen Anspruch auf eine Entgeltumwandlung im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge haben. Vor allem Geringverdiener sind sich ihrer Rechte in der betrieblichen Altersvorsorge nicht bewusst. Während knapp die Hälfte aller Befragten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro über die Beratungspflicht ihres Arbeitgebers Bescheid weiß, sind bei den Kleinverdienern (< 1.000 Euro Netto) 80 Prozent nicht informiert. Dabei profitieren letztere ganz besonders von dieser Art der Altersvorsorge.

 

Uninformierte Arbeitnehmer verschenken Steuervorteile

 

"Angesichts der drohenden Versorgungslücke in Deutschland sind diese Zahlen ein Alarmsignal", erklärt Andreas Hülsing, bAV-Experte bei der Hannoverschen Leben. "Die betriebliche Altersvorsorge zählt für die Arbeitnehmer zu den attraktivsten Möglichkeiten, um die erodierende staatliche Rente zu kompensieren. Die Entgeltumwandlung ist ein Muss für jeden Arbeitnehmer." Denn: Jeder Mitarbeiter hat heute die Möglichkeit, die betriebliche Altersvorsorge direkt aus dem eigenen Bruttoeinkommen zu finanzieren. Der gängigste und flexibelste Durchführungsweg hierfür ist die betriebliche Direktversicherung. Der gewünschte Beitrag wird automatisch vom Bruttogehalt einbehalten und in eine Rentenversicherung eingezahlt - und zwar steuer- und sozialversicherungsfrei. Anders als bei vielen gängigen Altersvorsorgemöglichkeiten unterstützt der Staat den Sparer somit aktiv beim Aufbau der eigenen Altersvorsorge. Insgesamt können Arbeitnehmer von ihrem Bruttogehalt monatlich bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (2010: jährlich 2.640 Euro) steuerfrei in ihre Altervorsorge investieren. Interessant: Anders als bei der Riester- oder Basis-Rente hat der Arbeitnehmer bei Ablauf des Vertrages zudem die Möglichkeit, neben der Rente eine einmalige Kapitalabfindung zu wählen.

 

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