Nach Einbruch: Belege und Fotos erleichtern Erstattung

 

Wohnung durchwühlt, Laptop gestohlen, Schmuck weg: Wer nach einem Einbruch Kassenzettel und Fotos der gestohlenen Wertgegenstände vorlegen kann, kommt meist schneller an sein Geld, erläutert das Infocenter der R+V Versicherung.

 

Rund 75.000 Mal haben Einbrecher im Corona-Jahr 2020 zugeschlagen - deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Doch mit den geringen Infektionszahlen bekommen die Kriminellen wieder mehr Gelegenheit, ihrer "Arbeit" nachzugehen. Weil sie die Begegnung mit den Bewohnern scheuen, schlagen Einbrecher am liebsten zu, wenn voraussichtlich niemand zuhause ist - tagsüber während der Arbeit oder in der Urlaubszeit.

 

Beweispflicht liegt bei Versicherten

 

Grundsätzlich gilt: Wer eine Hausratversicherung hat, bekommt nach einem Wohnungseinbruch in aller Regel eine finanzielle Entschädigung. Die Bestohlenen müssen jedoch beweisen, dass sie die entwendeten Wertsachen tatsächlich besessen haben. "Wenn sie beispielsweise einen Kassenbon vorlegen, ersetzt die Versicherung meist den Wiederbeschaffungswert", sagt Nicole Günter, Expertin für Sachschäden bei der R+V Versicherung. Sie rät zudem, Wertsachen als zusätzlichen Nachweis zu fotografieren.

 

Fotos, Quittungen und Kassenbons sollten an einem sicheren Ort und getrennt von den Wertsachen liegen - natürlich ohne Hinweis darauf, wo die Gegenstände zu finden sind. "Wenn Geschädigte die Wertgegenstände nicht ausreichend dokumentiert haben, können sie im schlimmsten Fall trotz Hausratversicherung leer ausgehen", warnt R+V-Expertin Günter.

 

Zertifikate anfertigen lassen

 

Auch bei Erbstücken oder Flohmarkt-Schnäppchen sind die Versicherten in der Beweispflicht. "Wer für solche Dinge keine Belege hat, sollte Zertifikate von unabhängigen und zertifizierten Gutachtern anfertigen lassen", so Nicole Günter. Bei Münzen oder Schmuck kann das beispielsweise ein Juwelier übernehmen. Den Wert alter Möbel, Bilder oder Porzellan können Antiquitätenhändler oder Kunstexperten schätzen.

 

Weitere Tipps:

 

Alle wichtigen Gegenstände fotografieren, in einer Liste dokumentieren und sicher verwahren - am besten an mehreren Stellen.

Wer die Originalbelege oder Kopien bei Freunden, Verwandten oder im Bankschließfach hinterlegt, sichert sich auch für den Brandfall ab.

Bei besonders teuren Gegenständen springt die Versicherung oftmals nur ein, wenn diese in einem Tresor aufbewahrt wurden. Wer keinen Tresor hat, kann wertvolle Gegenstände auch in einem Bankschließfach deponieren.

Rechnungen für Wertgegenstände immer aufheben, auch wenn die Garantie bereits abgelaufen ist.

Apps für Smartphones und Tablets fotografieren nicht nur Kassenzettel ab, sie scannen auch den Barcode und speichern alle wichtigen Informationen vom Kaufdatum über Preis des Artikels bis zum Ablauf der Garantie.

Vorsicht bei Bargeld: Die Hausratversicherung deckt zwar auch den Diebstahl von Bargeld ab, das nicht im Tresor liegt - allerdings nur bis etwa 1.500 Euro. Der genaue Betrag hängt vom Versicherungsvertrag ab.

 

Teure Hausratversicherung: Finanztip rät zu Vergleich und Wechsel

 

Viele Hausratversicherungen sind mutmaßlich zu teuer. So haben Hausratversicherer 2015 noch knapp 48 Cent von jedem eingenommenen Euro für Schäden ausgegeben. Bis 2019 sind die Beiträge für den Schadensausgleich auf nur noch 39 Cent gesunken. Und auch 2020 sind die Schadenszahlen weiter zurück gegangen. Alle Daten stammen von der Branche selbst. Der Geldratgeber Finanztip rät deshalb, unbedingt Tarife zu vergleichen und zu einem guten und preiswerten Tarif zu wechseln. Am besten geht das mit dem Portal Mr-Money, wie Finanztip in einer aktuellen Untersuchung festgestellt hat.

 

Drei von vier Haushalte in Deutschland haben eine Hausratversicherung abgeschlossen. Doch wenn diese Verträge unbeachtet in der Schublade liegen, kann es teuer werden, denn sinkende Schäden führen nicht automatisch zu günstigeren Verträgen: "Würden wir insgesamt mehr vergleichen und bei günstigen Angeboten häufiger wechseln, würden ähnlich wie bei der Kfz-Versicherung auch bei der Hausratversicherung die Preise insgesamt purzeln", sagt Henriette Neubert, Versicherungsexpertin bei Finanztip. "Im Vergleich mit neuen Tarifen bieten ältere Verträge oft weniger Schutz und sind teilweise auch teurer." Finanztip empfiehlt deshalb, gerade ältere Verträge regelmäßig zu überprüfen, Tarife zu vergleichen und - wenn es sich lohnt - zu wechseln.

 

Grobe Fahrlässigkeit absichern

 

Eine gute Hausratversicherung sollte bestimmte Bausteine unbedingt enthalten. Hierzu zählt die Absicherung bei grober Fahrlässigkeit. "Wenn ich das Fenster angekippt lasse und bei mir wird eingebrochen, können Versicherungen die Zahlungen verweigern", erklärt Neubert. "Wir empfehlen, die vertraglich auszuschließen." Auch eine Erweiterung des Brandbegriffs ist sehr sinnvoll, da dann bei einem Feuer auch Rauch- oder Sengschäden abgesichert sind. Darüber hinaus gibt es weitere Bausteine, die jeder individuell für sich prüfen sollte, wie etwa eine Fahrradversicherung oder die Absicherung von Elementarschäden. Bei Vertragsabschluss ist es zudem wichtig, eine realistische Versicherungssumme zu wählen. "Ist mein Hausrat 80.000 Euro wert, aber nur mit 40.000 Euro versichert, ersetzt mir meine Versicherung im Schadensfall auch nur die Hälfte."

 

Richtig versichert in der Einbruchsaison

 

Die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche ist in Deutschland seit Jahren rückläufig. Dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr auch aufgrund von Homeoffice, Kurzarbeit und Urlaub zuhause als Folgen der Corona-Pandemie fortgesetzt haben. Doch mit der dunklen Jahreszeit steht die diesjährige Einbruchsaison erst noch bevor. Etwas aufatmen kann laut Bund der Versicherten e. V. (BdV) jedoch, wer eine Hausratversicherung besitzt, denn sie ersetzt gestohlene Gegenstände und übernimmt auch die Kosten der Beseitigung von Einbruchspuren. „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten zudem ihr Hab und Gut auflisten, fotografieren und Rechnungsbelege aufbewahren. So ist im Fall eines Einbruchs die Stehlgutliste schnell erstellt“, sagt Verbraucherschützerin Bianca Boss vom BdV.

 

In der Hausratversicherung ist der komplette Hausrat unter anderem auch gegen Einbruchdiebstahl versichert. Sie deckt den Wiederbeschaffungswert der versicherten Sachen ab. Das heißt: Für alle Gegenstände, die durch einen Einbruchdiebstahl abhandenkommen, zahlt der Versicherer den Wiederbeschaffungspreis von Sachen gleicher Art und Güte. Allerdings gelten für einige Dinge, wie Bargeld und Wertsachen, vertraglich bestimmte Entschädigungsgrenzen. „Wenn Vandalismusschäden beim Einbruch entstanden sind, übernimmt die Hausratversicherung in der Regel auch die Kosten für deren Beseitigung“, erläutert Boss.

 

Nachdem sie einen Einbruch bemerkt haben, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher unverzüglich die Polizei informieren, damit diese den Einbruchschaden aufnehmen und die Spuren dokumentieren kann. Dann sollten sich die Opfer umgehend an ihren Versicherer wenden, um den Schaden zu melden. Bei der Schadenmeldung muss die Tagebuchnummer beziehungsweise das Aktenzeichen der Polizei angegeben werden. Außerdem benötigen der Versicherer und die Polizei eine sogenannte Stehlgutliste, auf der alle gestohlenen Hausratgegenstände verzeichnet sind.

 

BdV-Tipp: Verbraucher*innen sollten regelmäßig überprüfen, ob die vereinbarte Versicherungssumme dem Wiederbeschaffungswert ihres Hausrats entspricht. Bei werterhöhenden Neuanschaffungen oder wertmindernden Verkäufen ist die Versicherungssumme dementsprechend anzupassen. Dabei sollte stets der Neuwert der Gegenstände angesetzt werden.

 

Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt um zehn Prozent

 

Die deutschen Versicherer zählten 95.000 Fälle, 10.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die erfreuliche Bilanz wird jedoch vom höheren Schadendurchschnitt getrübt. Er kletterte auf ein Rekordniveau.

 

Besondere Schwachstellen am Haus sind Türen und Fenster.

 

Die Zahl der versicherten Wohnungseinbrüche ist 2019 das vierte Jahr in Folge gesunken. Die deutschen Versicherer zählten bundesweit 95.000 Einbrüche, rund 10.000 weniger als im Jahr zuvor. „Es hat sich erneut gezeigt, dass es sich für Hausbesitzer lohnt, in bessere Sicherheitstechnik zu investieren, um so Hab und Gut gegen Einbrecher zu schützen“, sagt Bernhard Gause, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

 

Schadendurchschnitt so hoch wie nie

 

Trotz des Rückgangs blieb die Entschädigungsleistung der Versicherer mit rund 300 Millionen Euro auf dem Niveau von 2018. Die durchschnittliche Schadenhöhe kletterte im vergangenen Jahr um 350 Euro (+12 Prozent) auf 3.200 Euro. Der Schadendurchschnitt liegt damit so hoch wie nie zuvor.

 

Einbruchschutz sollte in Bauvorschriften verankert werden

 

Schwachstellen am Haus sind leicht zugängliche Fenster oder Wohnungstüren, die nur unzureichend gesichert sind. Mit besseren Schutzvorkehrungen ließen sich jedoch viele Einbrüche verhindern. Untersuchungen zeigen, dass nahezu jeder zweite Einbruchsversuch abgebrochen wird, wenn die Täter nicht schnell genug ins Haus kommen.

 

Das Problem: Bislang gibt es bei Neubauten keine Verpflichtung, einbruchhemmende Fenster oder Türen einzubauen. Der GDV hätte das gern geändert: „Zur Verbesserung des Einbruchschutzes fordern wir: Moderne Sicherheitstechnik muss als Standard in die Bauvorschriften für Neubauten aufgenommen werden“, sagt Geschäftsführer Gause. Durch Mindestanforderungen für neu eingebaute Fenster und Türen und deren konsequente Umsetzung könnte der Einbruchschutz wirksam erhöht werden.

 

Advent, Advent – die Wohnung brennt: Wann Versicherer Leistungen kürzen können

 

Wer es in der Adventszeit gerne gemütlich hat und seine Abende im Kerzenlicht verbringt, sollte besonders vorsichtig sein. Denn in diesen Wochen kommt es vermehrt zu Brandschäden. Häufige Ursache sind unbeaufsichtigt brennen gelassene Kerzen. Schon eine kurze Abwesenheit kann ausreichen, damit das Verhalten nach der Rechtsprechung als grob fahrlässig gesehen wird.

 

Der Wohngebäude- und Hausratversicherer ist dann berechtigt, die Leistung entsprechend der Schwere des Verschuldens zu kürzen, erklärte Schadenexpertin Margareta Bösl von der uniVersa. Allerdings ist das Verfahren oft langwierig, bis die letztendliche Kürzungsquote feststeht. Auf der sicheren Seite sind Verbraucher, wenn sie beim Verlassen des Raumes die Kerzen ausmachen.

 

Zudem sollten sie darauf achten, dass grobe Fahrlässigkeit in beiden Verträgen bis zur Versicherungssumme mitversichert ist, empfiehlt Bösl. Die sinnvolle Leistungserweiterung kostet oft nur ein paar Euro mehr im Jahr, erspart Versicherten aber viel Zeit und Ärger im Schadenfall. Mitversichert sind dann auch andere grob fahrlässig verursachte Schäden, beispielsweise wenn der Wasserhahn der Waschmaschine ohne Aquastopp nicht abgedreht oder die Herdplatte versehentlich nicht ausgeschaltet wurde.

 

Sinkende Einbruchzahlen: Die besten Tipps für effizienten und smarten Einbruchschutz

 

Die Einbruchszahlen sind 2018 um 16,3 Prozent gesunken. Die Kriminalstatistik weist seit 1997 erstmals eine Zahl von unter 100.000 Einbruchdelikten aus. Das ist in jedem Fall ein Grund zur Freude - aber nicht, um nachlässig zu werden. Im Gegenteil: Viele Experten führen den Rückgang bei den Einbruchzahlen auf den verbesserten Einbruchschutz zurück, in den viele Bürger in den vergangenen Jahren investiert haben. Denn: Gelingt den Langfingern kein schneller und einfacher Zugang zu Haus oder Wohnung, ziehen sie oft unverrichteter Dinge wieder ab und wenden sich anderen, leichteren Zielen zu. "Vorbeugen!", lautet also die Devise. Diese Tipps von Marcel Schüll, Experte des Heimvernetzungsspezialanbieters devolo AG, zeigen wie das Zuhause sicherer wird:

 

Massive Hindernisse für Langfinger: Stabile Türen und Fenster

 

Beim Thema Einbruchschutz geht es vor allem um zwei Schwerpunkte: Abschreckung und Verzögerung. Wenn die potentiellen Zugänge zum Haus entsprechend stabil sind, verhindern sie im ersten Schritt ein Eindringen mit roher Gewalt. Zur Prüfung, ob Fenster und Türen sicher sind, müssen in der Regel keine Gutachter gerufen werden. Oft reicht der gesunde Menschenverstand, um zu beurteilen, ob die dünne, wackelige Wohnungstür sicher ist oder eher nicht. Der Nachteil: Der Einbau einbruchsicherer Türen und Fenster ist teuer und lohnt sich nur im Wohneigentum. Ein günstiger Tipp: Türen und Fenster sollten auch bei kurzer Abwesenheit komplett geschlossen werden, denn ein gekipptes Fenster ist von geübten Einbrechern schnell geöffnet.

 

Wichtig: Widerstandsfähige Schlösser

 

Was nützen eine stabile Tür oder einbruchsichere Fenster, wenn die Einbrecher das Schloss mit Leichtigkeit knacken? Auch hier gilt: Je länger der ungebetene Besucher braucht, um diese Hürde zu überwinden, desto größer ist die Chance, dass er ganz aufgibt. Ein modernes Schloss gehört daher in jede Tür - sogar die Fenster lassen sich mit zusätzlichen Schlössern in punkto Sicherheit aufwerten. Auch hier geben Experten wirkungsvolle Tipps: Beim Verlassen der Wohnung reicht es nicht, die Tür einfach ins Schloss zu ziehen. Stattdessen sollte immer zweimal abgeschlossen werden. Bei Glastüren empfiehlt es sich zudem, den Schlüssel nicht von innen stecken zu lassen. Auch zum Thema "Ersatzschlüssel draußen verstecken" haben Experten eine eindeutige Meinung: Das ist eine unwiderstehliche Einladung für ungebetene Gäste.

 

Smart-Home-Systeme warnen Nachbarn und vertreiben Einbrecher

 

Wenn alle Verzögerungsmaßnahmen nicht ausgereicht haben, kann immer noch die Abschreckung helfen: Klassische Alarmanlagen warnen in der Regel zuverlässig und lautstark, so dass Einbrecher die Flucht ergreifen müssen und aufmerksame Nachbarn die Polizei verständigen können. Wer ein kostengünstigeres System sucht, setzt alternativ auf ein Smart-Home-System mit Alarmfunktionen. Der Vorteil: Durch das Zusammenspiel verschiedener smarter Bausteine wie beispielsweise Bewegungsmelder, Tür-/Fensterkontakte, Rollladensteuerung, Beleuchtungselemente und Alarmsirene, ergibt sich ein ganzheitlicher Schutz der eigenen vier Wände. Zudem warnen bewährte Systeme wie devolo Home Control die Bewohner weltweit: Per SMS, Push-Nachricht oder E-Mail erhalten Smart-Home-Besitzer direkt einen Hinweis auf das Smartphone oder Tablet, wenn zuhause etwas nicht stimmt. So können auch aus der Ferne schnellstmöglich die Nachbarn oder gegebenenfalls die Polizei informiert werden.

 

Anwesenheitssimulation: Keiner zuhause - und niemand merkt es

 

Schutz bietet zudem eine Anwesenheitssimulation, die sich ebenfalls mit einem Smart-Home-System umsetzen lässt: Intelligente Steckdosen machen angeschlossene Lampen oder sogar Musikanlagen smart und schalten diese zum gewünschten Zeitpunkt ein und wieder aus. Einige Hersteller haben neuerdings auch Unterputzmodule in ihr Produktprogramm aufgenommen. Mit diesen können die bestehenden Wand- und Deckenleuchten ins Smart Home eingebunden werden. Zusätzlich bieten Hersteller wie devolo auch Unterputzmodule zur Rollladensteuerung an, damit sich diese nach einem frei wählbaren Zeitprogramm öffnen und schließen. So lässt sich mit relativ geringem Aufwand innerhalb kurzer Zeit eine sichere Anwesenheitssimulation erstellen, selbst wenn die Bewohner in Wirklichkeit gerade an einem fernen Strand ihren Urlaub genießen.

 

Hausratversicherung:  Neue Tarife bieten mehr

Kunden mit alten Verträgen können beim Wechsel der Hausratversicherung viel Geld sparen und sind oft auch besser versichert. Finanztest hat 144 Hausrat-Tarife von 60 Anbietern untersucht und große Preisunterschiede ermittelt. Finanztest empfiehlt Tarife, die auch bei grober Fahrlässigkeit zahlen.

 

Fenster auf Kipp, die Tür nur einmal abgeschlossen oder den Herd angelassen – da kann es Ärger mit der Versicherung geben, wie viele Streitfälle und Urteile zeigen. Deshalb sollten Kunden nur Verträge wählen, die auch bei grober Fahrlässigkeit zahlen. Viele Tarife – vor allem ältere Verträge – sehen das nicht vor.

 

Die Preise der Tarife für eine Hausratversicherung hängen u.a. vom Wohnort ab, denn die Versicherer teilen das Bundesgebiet in Risikozonen auf. Vor allem in Städten mit vielen Einbrüchen ist es teurer. Die Tester fanden enorme Preisunterschiede. Im günstigsten Fall zahlt ein Kunde für dieselbe Wohnung in München 56 Euro im Jahr und im teuersten Fall 277 Euro – fast das Fünffache. In Köln kostet der günstige Tarif 131 Euro im Jahr und der teuerste 516 Euro.

 

Das Fahrrad ist in der Hausratversicherung mitversichert, wenn es aus geschlossenen Räumen gestohlen wird. Wer das Rad auch dann versichern will, wenn es draußen steht, schließt den Zusatz „Fahrraddiebstahl“ ein. Das kostet für ein 1.000-Euro-Rad oft nur 30 bis 40 Euro Aufpreis im Jahr.

 

Nach dem Umzug immer Hausratversicherer informieren

Zunächst eine gute Nachricht: Fast 82 Prozent der Bundesbürger haben laut einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine Hausratversicherung und damit ihren Hausrat vor Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Einbruchdiebstahl geschützt. Im Rahmen dieser repräsentativen Umfrage untersuchte die GfK im Auftrag der Gothaer Versicherung die Situation von mehr als 1.000 Bundesbürgern. Näheres Hinsehen trübt jedoch das Bild. Denn von all jenen Versicherungsnehmern, die seit dem Abschluss ihrer Hausratpolice umgezogen sind, haben laut Befragung 70 Prozent ihren Wohnungswechsel nicht zum Anlass genommen, sich erneut beraten zu lassen. Doch das ist wichtig, denn man spart möglicherweise bares Geld: “Zieht man etwa von der Stadt aufs Land, fällt häufig eine geringere Versicherungsprämie an, da zum Beispiel das Risiko von Einbruchdiebstählen sinkt”, erläutert Stefan Hilgers, Hausratexperte bei der Gothaer Versicherung.

 

Bei Umzug in eine größere Wohnung Police anpassen

 

Sollte die neue Wohnung deutlich größer als die alte sein, ist ebenfalls eine Anpassung des Vertrages nötig. Denn die Versicherungssumme richtet sich bei den meisten Verträgen nach der Quadratmeterzahl. Wird diese nicht angepasst, droht eine sogenannte “Unterversicherung”. Das bedeutet, dass im Falle eines Totalschadens – etwa wenn die gesamte Wohnung ausbrennt – nicht der gesamte Schaden erstattet wird. Aber auch bei kleineren Schäden wird dann nur anteilig erstattet.

 

Police anpassen, wenn der Hausrat wächst

 

In diesem Zusammenhang fällt auch auf: Rund 17 Prozent aller Befragten haben seit Vertragsabschluss höherwertigen Hausrat dazu gekauft oder sind mit ihrem Partner zusammengezogen, der seinen Hausrat mitgebracht hat, ohne ihre Hausratversicherung überprüfen zu lassen Weitere 13 Prozent können sich nicht genau daran erinnern, ob sie es getan haben. “Ohne eine entsprechende Überprüfung laufen sie Gefahr, bei einem Totalschaden ohne ausreichenden Schutz dazustehen und erhebliche Abzüge bei der Erstattung zu riskieren”, warnt Gothaer Experte Hilgers.

 

ÖKO-TEST Vergleichsportale für Hausratversicherungen

Vergleichsrechner im Internet sollten eigentlich helfen, die richtige Hausratversicherung zu finden. Leider sind die meisten Vergleiche, die die Online-Portale bieten, unsäglich. Das kritisiert das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST. So kürten die 17 getesteten Webpages nicht nur acht unterschiedliche Tarife zum Sieger, sie gaben dabei auch unterschiedliche Preise für die gleichen Tarife an. Ein Portal macht sogar wissentlich falsche Angaben. Die unterschiedlichen Rankings von Hausratversicherungen kommen unter anderem deshalb zustande, weil manche Portale nicht jede Versicherung berücksichtigen. Das kann daran liegen, dass nicht alle Assekuranzen jedem Portal die benötigten Daten zur Verfügung stellen. Teilweise sind technische Schwierigkeiten schuld.

 

Vor allem aber nehmen viele Portale nur Versicherungen auf, von denen sie Vermittlungsprovisionen erhalten. Besonders ärgerlich ist es aber, dass Verbraucher den Preisangaben der Portale teilweise nicht trauen können. Oftmals sind die Tarife schlichtweg falsch berechnet. Außerdem ist ÖKO-TEST aufgefallen, dass ein Portal im Test für fast alle Tarife einen niedrigeren Preis ausweist als die anderen und die Versicherungen selbst. Hier liegt der Verdacht nahe, dass dieses Portal bewusst falsche Niedrigpreise angibt, damit Kunden einen Vertrag abschließen und eine Provision fällig wird. Erfahrungsgemäß macht sich kaum ein Kunde die Mühe, den Vertrag zu stornieren, wenn er die Unterlagen und die Mitteilung bekommt, dass der Preis höher als erwartet ist. 

 

Unterschätzte Schätze: Spezialversicherer Hiscox warnt vor Unterversicherung in der Gebäude- und Hausratversicherung

Experten des Spezialversicherers Hiscox gehen davon aus, dass deutsche Haushalte im Durchschnitt um mehr als zwei Drittel unterversichert sind. Wesentliche Gründe dafür sind die Preisentwicklung von Kunst- und Wertgegenständen, Neuanschaffungen sowie Qualitätsverbesserungen der Einrichtung. Auch vermeintliche Prämienersparnisse oder mangelnde Kenntnis der tatsächlichen Werte können zu Unterversicherungen führen. Meist werden dieselben Bereiche unterschätzt oder bei der Ermittlung der Versicherungssummen schlichtweg vergessen: Kleidung (Anzüge, Schuhe, Handtaschen, Gürtel etc.), Dekoration (Vorhänge, Kissen, Läufer oder Vasen), Elektrotechnik (Dolby Surround, TV, Einbruchmeldeanlage bzw. Schwimmbadtechnik), Kücheneinrichtungen (hochwertige und individuell angefertigte Einbauküchen) oder Einbauten (zum Beispiel Vertäfelungen, Marmorbad, Einbauschränke).

 

Im Fall einer Unterversicherung erlebt der Kunde im Schadenfall eine böse Überraschung, wenn der Versicherer aufgrund der Unterversicherung nicht den vollen Wert erstattet. So zum Beispiel möchte ein Kunde eine Hausratversicherung abschließen und gibt seinem Makler als Versicherungssumme einen Wert von circa 180.000 Euro an. Nach einer Gutachter-Besichtigung vor Ort und Überprüfung der Werte wird ein Gesamtwert von circa 650.000 Euro ermittelt. Aufgrund der Unterschätzung des eigenen Hausrats würde im Schadenfall eine Unterversicherung von mehr als 70 Prozent entstehen. Bedrohlich wird der Zustand der Unterversicherung vor allem im Totalschadenfall. Im genannten Beispiel benötigt der Kunde 650.000 Euro, um seinen Hausrat gleichwertig zu ersetzen. Da seine Versicherungssumme jedoch auf 180.000 Euro beschränkt ist, wird die Versicherung lediglich diesen maximalen Betrag ausbezahlen. Die Differenz von 470.000 Euro zum Ersatz des Hausrates trägt der Versicherungsnehmer selbst.

 

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