Tagesgeld und Festgeld: Keine Angst vor Minuszinsen

 

Der Hype um Minuszinsen ist stark übertrieben. Strafzinsen lassen sich für Anleger leicht vermeiden. Derzeit gibt es in der Stichprobe von Finanztest bei fast 200 Banken kaum eine Bank, die Strafzinsen auf Tagesgeld oder Festgeld kassiert.

 

Bei der Hausbank kann man sich die Frage nach dem Zins meist schenken. Immer mehr Filialbanken stellen Sparbuch, Sparbrief und Festgeldanlagen ein. Andere zahlen jämmerliche 0,01 Prozent pro Jahr.

 

Erste Wahl für Sparer sind daher Direktbanken. Ein Großteil der besser verzinsten Festgeld-Angebote stammt dabei von Zinsportalen wie Weltsparen, Zinspilot und Check24. Diese vermitteln die Angebote ausländischer Banken an Anleger in Deutschland.

 

Doch hier ist Vorsicht geboten: Von mehr als der Hälfte aller Anlagebanken auf Zinsportalen rät Finanztest ab, weil sie aus Ländern mit schwacher Wirtschaftskraft kommen. Die Tester bezweifeln, dass Sparer dort bei einer Bankpleite zeitnah entschädigt werden. Auch Anbieter aus Ländern, bei denen sich der Abzug einer Quellensteuer nicht vermeiden lässt, empfiehlt Finanztest nicht. Ebenso wie Kreditinstitute, die mit dem Zinseszins tricksen.

 

Erste große Direktbank führt Negativzinsen für Privatkunden ein

 

Die erste große Direktbank will hohe Einlagen von Privatkunden mit Strafzinsen belegen: die Comdirect mit Sitz in Quickborn. Entsprechende Schreiben hat die Commerzbank-Tochter bereits im November an sehr vermögende Privatkunden verschickt. Darin fordert die Bank die betreffenden Kunden auf, eine Zusatzvereinbarung zu unterschreiben, womit ihr das Recht erteilt wird, ab dem 1. Januar 2020 ein "Verwahrentgelt" in Höhe von 0,5 Prozent für Einlagen über 250.000 Euro zu erheben.

 

"Wir wollen ein Verwahrentgelt im breiten Privatkundengeschäft weiterhin vermeiden. Daher haben wir uns bewusst dafür entschieden, ein solches Entgelt nur individuell mit ausgewählten Bestandskunden zu vereinbaren", sagt Comdirect-Pressesprecherin Christiane Rehländer gegenüber biallo.de. Bislang habe man mit weniger als 300 Kunden gesprochen, "die über Sichteinlagen in deutlich größerer Höhe als 250.000 Euro verfügen". Der Freibetrag gelte auch für Firmenkunden. "Die Bank ist im engen Austausch mit den betreffenden Kunden, um Alternativen auszuloten, wie man das Geld anderweitig besser anlegen kann", so Rehländer weiter.

 

Mit der Maßnahme folgt die Comdirect dem Beispiel ihrer Mutter Commerzbank, die ebenfalls mit sehr vermögenden Privat- und Firmenkunden individuelle Vereinbarungen über die Einführung eines Verwahrentgelts trifft. Kleinsparer sind davon bislang nicht betroffen. Als erste Direktbank hatte die Ethikbank bereits 2017 ein Verwahrentgelt für hohe Einlagen von Privatkunden eingeführt - ebenfalls nach individueller Vereinbarung.

 

Die Zahl der Banken und Sparkassen, die Negativzinsen an Privat- und/oder Geschäftskunden weiterreichen, ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen. Das Verbraucherportal biallo.de zählt aktuell mehr als 150 Geldinstitute. Gut 50 davon erheben Strafzinsen im Privatkundenbereich. Dabei gilt meist ein bestimmter Freibetrag, zum Beispiel in Höhe von 100.000 Euro. Die Strafzinsen werden dann nur für den übersteigenden Betrag berechnet. Vier Banken langen bei Privatkunden bereits ab dem ersten Euro zu.

 

Zinstest: Renditechance trotz Niedrigzinsen

 

Selbst die besten Zinsangebote gleichen aktuell nicht einmal die Inflation aus. Sparer können ihre Renditeaussichten aber deutlich verbessern, wenn sie Tages- und Festgeld mit Aktien-ETF kombinieren. Wie das am sinnvollsten zu machen ist, erklärt die Zeitschrift Finanztest in ihrer Januar-Ausgabe.

 

Finanztest hat bei 134 Banken die Zinsangebote für Einmalanlagen ermittelt: Selbst mit den besten Angeboten, z.B. 1,15 Prozent für eine zweijährige Laufzeit, verlieren Anleger Kaufkraft, denn die aktuelle Inflationsrate ist höher. Nur wer den sicheren Zinsanlagen etwas riskantere Anlagen wie Aktienfonds beimischt, kann mehr erwirtschaften. Ideal für diesen Zweck sind ETF auf den MSCI World. Der Weltaktienindex repräsentiert mehr als 1600 Unternehmen aus 23 Ländern. Damit ist das Risiko breit gestreut. Weil es bei Aktienanlagen jedoch zu zwischenzeitlichen Verlusten kommen kann, empfiehlt Finanztest einen Anlagezeitraum von mindestens 10 Jahren. Welche Aktien-ETF sich am besten eignen und was Anleger beachten sollten, zeigt Finanztest in Texten und Tabellen.

 

Die besten Zinsen für Tages- und Festgeld finden Sparer häufig auf Zinsportalen. Die Stiftung Warentest warnt aber vor 43 namentlich genannten ausländischen Banken, die über Zinsportale Tages- oder Festgelder anbieten. Finanztest hat Zweifel an den nationalen Einlagensicherungssystemen der Heimatländer dieser Banken, weil sich viele noch im Aufbau befinden und die Wirtschaftskraft der Länder nicht ausreichen könnte, um alle Sparer bei einer Bankpleite zeitnah zu entschädigen.Der Zinstest findet sich  online unter www.test.de/zinsen.

 

Tagesgeld Test: Testsieger im Langzeitvergleich seit 2009

 

Die besten Tagesgeldzinsen der letzten 1, 3 und 5 Jahre - Test von 74 Tagesgeldangeboten des Finanzportals Tagesgeldvergleich.net

 

 

 

Das Finanzportal Tagesgeldvergleich.net hat 2014 erneut untersucht, welche Banken in den letzten Jahren die besten Zinsen für Neukunden aufs Tagesgeld geboten haben. Für den alljährlichen Test wurden die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen von 74 Banken über Zeiträume von 1, 3 und 5 Jahren analysiert. Alle getesteten Angebote mussten über den gesamten Testzeitraum am Markt gewesen sein und auch heute abschließbar sein. Verglichen wurden die Zinssätze für Einlagebeträge von 5.000 und 50.000 Euro bei jeweils einem Monat Laufzeit. In der 5-Jahreswertung wiederholte die 1822direkt ihren Testsieg vom Vorjahr. Die Direktbank der Frankfurter Sparkasse bot ihren Kunden zwischen 01.01.2009 und 01.01.2014 durchschnittlich 2,115% Zinsen pro Jahr. Damit sicherte sich die 1822direkt den 1. Platz im Vergleich von insgesamt 11 Finanzinstituten. Die 3-Jahreswertung führt erstmals Cortal Consors an. Mit einem Durchschnittszins von 2,05% p. a. zwischen dem 01.01.2011 und 01.01.2014 setzt sich die Direktbank der BNP Paribas knapp vor den Vorjahressieger Bank of Scotland. Der 3-Jahres-Vergleich umfasst insgesamt 18 Banken und Sparkassen. Für die 1-Jahreswertung für den Zeitraum vom 01.01.2013 bis 01.01.2014 wurden erstmals separate Auszeichnungen für Banken mit und ohne erweiterte Einlagensicherung vergeben: In der Kategorie für "Finanzinstitute mit beschränkter Einlagensicherung (bis 100.000 Euro)" gingen die niederländische RaboDirect und die Yapi Kredi Bank Nederland N. V. als Testsieger hervor. Kunden erhielten bei beiden Banken im Jahr 2013 durchschnittlich 1,63% Zinsen. Der nachfolgende Platz wanderte ebenfalls in die Niederlande: MoneYou, das Online-Angebot der bekannten ABN AMRO Bank N. V. punktete mit einer Durchschnittsverzinsung von 1,58%. In dieser Kategorie waren insgesamt 17 Banken im Vergleich. In der "1-Jahres-Kategorie mit erweiterter Einlagensicherung" wurde die ING-DiBa mit einem Zinssatz von durchschnittlich 1,55% als "Bestes Tagesgeldkonto" ausgezeichnet. Diesen Wert erzielte die ING-DiBa für Anlagebeträge von 5.000 und 50.000 Euro. Der 1-Jahres-Test mit erweiterter Einlagensicherung umfasste 57 Finanzinstitute. Der Gesamtvergleich für 1 Jahr umfasste 74 Tagesgeldkonten.

 

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