Haushaltsnahe Dienstleistungen: Was Sie künftig noch von der Steuer absetzen können

 

Die Finanzverwaltung hat ihre Vorschriften geändert, wie sich bestimmte haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen absetzen lassen. Ecovis-Steuerberater Kevin Dusel in Volkach erklärt, was jetzt neu ist und worauf Steuerpflichtige beim Thema haushaltsnahe Dienstleistungen grundsätzlich achten sollten.

 

Was ist jetzt neu?

 

Auch wenn Bürgerinnen und Bürger dafür zum Teil tief in die Tasche greifen müssen: Handwerkerleistungen der öffentlichen Hand, wie zum Beispiel der Ausbau des allgemeinen Versorgungsnetzes oder der Erschließung einer Straße, sind nicht begünstigt und damit auch nicht von der Steuer absetzbar. Die Finanzverwaltung hat in ihrem BMF-Schreiben vom 01.09.2021 ihr ursprüngliches Schreiben vom 09.11.2016 nach Urteilen des Bundesfinanzhof (BFH) konkretisiert.

 

Straßenreinigung und Winterdienst hat die Finanzverwaltung nun weiter untergliedert. „Wenn Sie jemanden fürs Fegen Ihrer Gehwege bezahlen, dann können Sie das als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen. Wenn Ihr Reinigungsdienst auch die Fahrbahn fegt, dann können Sie die Kosten dafür nicht absetzen“, sagt Ecovis-Steuerberater Kevin Dusel in Volkach.

 

Was genau zählt zu den haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen?

 

Bürgerinnen und Bürger können Kosten für Arbeiten rund um Haushalt und Garten von der Steuer absetzen, wenn sie dafür ein Unternehmen beauftragen. Zu den Arbeiten gehören:

 

Hausarbeiten, wie reinigen, Fenster putzen oder bügeln

Reinigung im Haus und im Garten

Gärtner und Gartengestaltung (bei Neuanlage des Gartens ist der Einzelfall zu prüfen)

Gehweg-Reinigung und Winterdienst

Aufwendungen im Zusammenhang mit Pflege

Arbeitskosten Handwerker am oder im Haus (bei Neubau Prüfung des Einzelfalls)

Eine detaillierte Aufzählung enthält Anlage 1 des BMF-Schreibens vom 09.11.2016.

 

Wie wirken sich haushaltsnahe Dienstleistungen auf die Steuer aus?

 

Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleitungen sind Steuerermäßigungen. Das bedeutet: Der Betrag mindert nicht die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer, sondern wird von der errechneten Einkommensteuerschuld abgezogen.

 

Bis zu welcher Höhe lassen sich haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen?

 

Bürgerinnen und Bürger können bis zu 20 Prozent der Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen. Aber es gibt eine Deckelung pro Jahr:

 

bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen 510 Euro,

bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen 4.000 Euro und

bei Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen 1.200 Euro.

„Die Höchstbeträge gelten je Haushalt und nicht je Steuerpflichtigem. Wohngemeinschaften oder Familien können die Höchstbeträge also nur einmal geltend machen“, erklärt Dusel. Materialaufwand lässt sich nicht berücksichtigen.

 

Beispiel zur Absetzung der haushaltsnahen Dienstleistungen

Für die erneuerte Elektrik im Haus stellt ein Elektriker eine Rechnung von 10.000 Euro für die Arbeitszeit. Die Materialkosten belaufen sich auf 2.500 Euro.

 

Die Berechnung geht so:

 

20 % der Aufwendungen     20 % von 10.000 € = 2.000 €

Höchstbetrag bei Handwerkerleistungen    1.200 €

Abzusetzender Betrag         1.200 €

„Da in diesem Fall die 20 Prozent der Aufwendungen höher sind als der Höchstbetrag, lässt sich nur der Höchstbetrag von 1.200 Euro ansetzen“, sagt Steuerberater Dusel.

 

Tipp: Geld unbedingt überweisen!

 

„Damit das Finanzamt die Aufwendung in der Steuererklärung akzeptiert, müssen Sie das Geld auf das Konto des Erbringers überweisen“, rät Kevin Dusel, „wer bar bezahlt, kann die Kosten nicht absetzen.“

 

12 teure Fehler in der Steuererklärung

 

Ja, die Steuererklärung für 2020 ist aufgrund etlicher Corona-Sonderregeln für viele komplexer als sonst – und gleichzeitig machen unzählige Steuerzahler immer wieder dieselben folgenschweren Fehler und verlieren dadurch Geld. Immerhin muss die Einkommensteuererklärung erst Ende Oktober beim Finanzamt sein, denn die Bundesregierung hat die Abgabefrist verlängert. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt zwölf teure Steuerfehler.

 

12 teure Fehler in der SteuererklärungSteuerfehler Nummer 1: Nachweise verschlampen

 

Die Rechnung für den Handwerker, der Nachweis über die Zahn-OP, die Quittungen zu den Fachbüchern, das Fahrtenbuch für den Dienstwagen: Wer im Laufe des Jahres keine Nachweise und Belege für seine Ausgaben sammelt, der wird die Kosten schwerlich absetzen können. Denn ohne entsprechende Belege fehlen die exakten absetzbaren Beträge sowie die erforderlichen Nachweise für das Finanzamt, falls das Finanzamt nachfragen sollte.

 

Der einfachste Weg aus dem Chaos: Sammeln Sie alle Quittungen und Belege übers Jahr in einem Ordner oder noch einfacher in einem Schuhkarton. Sitzen Sie an Ihrer Steuererklärung, können Sie die Nachweise sortieren und den richtigen Ausgaben zuordnen – nämlich Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen – und dann an der richtigen Stelle in den Formularen der Steuererklärung eintragen.

 

Steuerfehler Nummer 2: Dauerzulagenantrag für die Riester-Rente vergessen

 

Nicht für jeden rentabel, aber immerhin über 16 Millionen Deutsche haben einen Riestervertrag (Stand erstes Quartal 2021; „Anzahl der abgeschlossenen Riester-Verträge von 2001 bis zum 1. Quartal 2021“, Statista 2021). Die Beiträge für die Riester-Rente lassen sich von der Steuer absetzen. Damit das geschieht, müssen Sie als Riester-Versicherter eine Einwilligung zur Übermittlung Ihrer Einkommensteuerdaten ausfüllen, unterschreiben und an den Anbieter Ihrer Riester-Rente zurückschicken. Das erfolgt meist mit dem sogenannten Dauerzulagenantrag beim Anbieter, womit auch die Zulagen vom Staat beantragt werden.

 

Wichtig ist das Ganze deshalb, weil die Versicherung erst mit Ihrer Einwilligung Ihre Daten an das zuständige Finanzamt sendet. Und erst mit diesen Daten wird das Finanzamt Ihre Riester-Beiträge als absetzbar anerkennen – egal, ob und was Sie selbst in Ihrer Steuererklärung in puncto Riester-Rente eintragen.

 

Steuerfehler Nummer 3: Rechnungen bar zahlen

 

Es ist einer der häufigsten Fehler in Sachen Steuererklärung: Handwerker, Putzfrauen oder auch Au-pairs bar bezahlen. Dabei lassen sich die Rechnungen dafür in vielen Fällen von der Steuer absetzen – entweder als sogenannte Handwerkerleistung oder als haushaltsnahe Dienstleistung. Die Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie die Kosten nicht bar bezahlen, sondern überweisen. Nur mit Rechnung und Überweisungsträger können Sie alle Steuervorteile in Bezug auf Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen ausschöpfen.

 

Steuerfehler Nummer 4: Kosten aus der Jahresverbrauchsabrechnung vergessen

 

Sie sind Mieter oder Eigentümer? Dann können Sie Handwerkerkosten und haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, die in Ihrer Jahresverbrauchsabrechnung angegeben werden. Dazu gehören z.B. die Kosten für die Gartenpflege oder die Hausreinigung, aber auch Gerätewartungen zum Beispiel am Brandmelder, am Aufzug oder an der Heizung. Bei Mietern, die in einem Mehrfamilien- bzw. Hochhaus wohnen, kann da einiges zusammenkommen.

 

Die entsprechende Aufstellung solcher Kosten finden Sie in der Regel in Ihrer Jahresverbrauchsabrechnung unter einer Überschrift wie „Nachweis Aufwendungen gem. § 35a EStG“. Denn die einzelnen Hausverwaltungen bzw. Energiedienstleister sind gesetzlich dazu verpflichtet, Ihren Mietern eine Auflistung aller Handwerkerleistungen bzw. haushaltsnahen Dienstleistungen während eines Jahres zur Verfügung zu stellen.

 

Steuerfehler Nummer 5: Außergewöhnliche Belastungen nicht angeben

 

Bislang galt: Nur die Krankheits- oder Pflegeheimkosten, die über Ihrer eigenen zumutbaren Belastungsgrenze liegen, können Sie absetzen. Wie hoch die Grenze für jeden Einzelnen ausfällt, richtet sich momentan vor allem nach dem Einkommen: Je mehr Sie verdienen, desto mehr Ausgaben gelten derzeit als zumutbar. Viele sammeln deshalb erst gar keine Nachweise für die Brille oder die Zahn-OP, weil sie denken, dass sie mit den Kosten sowieso nicht über die Zumutbarkeitsgrenze kommen.

 

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) prüft allerdings derzeit die Frage, ob bei außergewöhnlichen Belastungen die Regel zur zumutbaren Eigenbelastung gegen das Grundgesetz verstößt. Deshalb sind Pflege- und Krankheitskosten in den Vorläufigkeitskatalog aufgenommen – heißt: Die Steuer wird nicht endgültig festgesetzt. Der Steuerbescheid kann später noch durch das Finanzamt geändert werden, und der Steuerpflichtige muss nicht zwingend notwendig ein Einspruchsverfahren einlegen.

 

VLH-Tipp: Während das Verfahren läuft, tragen Sie jeden Cent Ihrer außergewöhnlichen Belastungen in die Steuererklärung ein. Sollte Ihr Finanzamt Ihre außergewöhnlichen Belastungen im Steuerbescheid nicht aufführen und der Vorläufigkeitsvermerk fehlen, legen Sie Einspruch gegen den entsprechenden Steuerbescheid ein mit Hinweis auf das laufende Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen: 2 BvR 1936/17) und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens. Werden die Richter die Belastungsgrenze tatsächlich kippen, sichern Sie sich damit größere Steuervorteile. Denn dann könnten die vollen Kosten für zum Beispiel das Zahnimplantat oder die Brille nachträglich anerkannt werden.

 

Steuerfehler Nummer 6: Energetische Sanierungsmaßnahmen nicht fördern lassen

 

Insgesamt 40.000 Euro Steuerersparnis für energetische Sanierung lassen sich erzielen und zwar verteilt über drei Jahre: In dem Jahr, in dem die energetische Gebäudesanierungsmaßnahme erfolgt, sowie im darauffolgenden Kalenderjahr sind sieben Prozent der Kosten von der Steuer absetzbar; im dritten Kalenderjahr noch einmal sechs Prozent der Aufwendungen. Die maximale Steuerersparnis beträgt in den 1. beiden Jahren bis zu 14.000 Euro und im 3. Jahr bis zu 12.000 Euro. Als energetische Sanierungsmaßnahmen gelten zum Beispiel die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken, die Erneuerung von Fenstern oder Außentüren oder die Erneuerung einer Heizungsanlage bzw. die Optimierung bestehender Heizungsanlagen.

 

Wer eine energetische Gebäudesanierungsmaßnahme von der Steuer nach Paragraf 35c Abs. 1 Einkommensteuergesetz absetzen will, benötigt dafür eine Rechnung. Darin müssen die förderungsfähige energetische Maßnahme, die Arbeitsleistung des Fachunternehmens und die Adresse des Gebäudes in deutscher Sprache beschrieben sein. Außerdem muss die energetische Sanierungsmaßnahme durch eine Bescheinigung des Fachunternehmens oder eines Energieberater (eine Person mit Ausstellungsberechtigung nach § 21 Energieeinsparverordnung) bestätigt sein. Für die Bescheinigung ist ein amtliches Muster zu verwenden, das der Einkommensteuererklärung beigefügt werden muss. Das Finanzamt erkennt lediglich per Überweisung gezahlte Rechnungen an, keine Barzahlungen.

 

Wichtig: Eine Steuerermäßigung für energetische Sanierungsmaßnahmen kann nur gewährt werden, wenn für die Maßnahme nicht bereits andere steuerfreie Zuschüsse oder öffentlich geförderte Darlehen in Anspruch genommen wurden.

 

Steuerfehler Nummer 7: Corona-Sonderregeln ungenutzt lassen

 

Homeoffice-Pauschale, steuerfreie Corona-Sonderzahlungen, Kurzarbeitergeld: Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung einige Maßnahmen beschlossen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Steuererleichterungen zu verschaffen. So können Arbeitnehmer, die in den heimischen vier Wänden am Esstisch oder in der Arbeitsecke arbeiten, mit der im letzten Winter neu beschlossenen Homeoffice-Pauschale bis zu 600 Euro im Jahr steuerlich geltend machen. Konkret darf ein Arbeitnehmer pro Arbeitstag im Homeoffice eine Pauschale von fünf Euro von der Steuer absetzen, allerdings höchstens 600 Euro im Jahr. Das entspricht 120 Tagen Homeoffice: 120 Tage x 5 Euro = 600 Euro.

 

Ebenfalls neu sind die Corona-Bonuszahlungen: Demnach können Arbeitgeber ihren Beschäftigten entweder eine finanzielle Unterstützung bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei auszahlen oder als Sachleistungen gewähren. Die Regel gilt für Sonderleistungen, die Beschäftigte zwischen 1. März 2020 und 31. März 2022 erhalten. Voraussetzung ist, dass die Sonderzahlungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Zudem muss der Arbeitgeber die steuerfreien Leistungen im Lohnkonto aufzeichnen.

 

Nicht ganz neu, aber seit 2020 verbessert worden sind die Regeln für das Kurzarbeitergeld. Seither bekommen Arbeitnehmer leichter und teilweise auch etwas mehr Kurzarbeitergeld, und zwar zunächst befristet bis 31. Dezember 2021. Das Kurzarbeitergeld gehört zu den sogenannten Lohnersatzleistungen, die grundsätzlich steuerfrei sind. Die Leistung fällt jedoch unter den sogenannten Progressionsvorbehalt und hat somit Auswirkung auf die Steuer(belastung) für das übrige Einkommen. Wichtig: Wer in einem Jahr Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro erhält, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

 

Steuerfehler Nummer 8: Einträge vertauschen

 

Sie haben eine Fortbildung selbst bezahlt, die Kosten dafür aber nicht bei Weiterbildung, sondern bei den Sonderausgaben in der Steuererklärung angegeben? Oder Sie haben Handwerkerleistungen bei den außergewöhnlichen Belastungen eingetragen? So etwas passiert Laien immer wieder. Das Finanzamt streicht dann zwar die geltend gemachten Kosten aus den falschen Zeilen raus, trägt sie aber nicht in die richtigen ein. Die Rückzahlung, die Ihnen zustehen würde, bleibt einfach aus.

 

Steuerfehler Nummer 9: Mietvertrag mit Angehörigen nicht wasserdicht gestalten

 

Vermietungen unter Verwandten sind nicht ungewöhnlich. Der Mieter bekommt eine Immobilie zum günstigen Preis, der Vermieter kann – trotz geringerer Miete – seine Kosten für das Objekt voll absetzen. Das geht bis zum Veranlagungszeitraum 2020 aber nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens, die monatliche Miete beträgt mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete. Das heißt so viel wie: Zu günstig geht nicht. Zweitens, die Handhabung des Mietvertrags hält einem Fremdvergleich stand. Das bedeutet: Die Miete wird überwiesen und nicht bar ausgezahlt, sie wird außerdem pünktlich überwiesen, es gibt eine jährliche Nebenkostenabrechnung und ähnliches mehr. Sind derlei Bedingungen nicht erfüllt, kann das Finanzamt den Steuervorteil für den Vermieter aberkennen.

 

Steuerfehler Nummer 10: Fristen verstreichen lassen

 

Das Finanzamt schickt Ihnen den Steuerbescheid und Sie sind froh, dass Sie keine Steuern nachzahlen müssen? Oder Sie bekommen eine Rückzahlung, die aber geringer ausfällt als von Ihnen errechnet? Statt innerhalb eines Monats nach Eingang des Bescheids Einspruch einzulegen, unternehmen die meisten in solchen Fällen nichts. Das könnte allerdings ein teurer Fehler sein, schließlich sollten Sie prüfen, weshalb das Ergebnis im Steuerbescheid von Ihren Berechnungen abweicht. Nehmen Sie den Bescheid genauer unter die Lupe oder engagieren Sie einen Profi, der nachträglich für Sie gegenüber dem Finanzamt eintritt und etwaige Fehler behebt.

 

Steuerfehler Nummer 11: Bankverbindung falsch angeben

 

Sie haben die Bank gewechselt, ohne auf Ihrer Steuererklärung die neuen Daten anzugeben? Sie haben sich scheiden lassen, doch beim Finanzamt ist noch die Konto-Nummer Ihres Ex-Gatten hinterlegt? Oder es hat sich ganz einfach ein Zahlendreher in Ihre BIC- bzw. IBAN-Angaben eingeschlichen? Dann werden Sie Ihre Steuerrückerstattung verspätet oder gar nicht erhalten. Prüfen Sie deshalb genau Ihre Angaben zu Ihrer Bank- und Kontoverbindung.

 

Steuerfehler Nummer 12: Steuererklärung nicht machen

 

Eine Steuererklärung lohnt sich – und wer keine macht, verschenkt sein Geld. Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, erhielten im Jahr 2017 insgesamt 12,3 Millionen Steuerbürger eine Steuerrückerstattung, nämlich durchschnittlich 1.051 Euro. Im Vergleich dazu mussten mehr als 1,5 Millionen Deutsche an den Staat nachzahlen, im Schnitt 1.175 Euro. Mitglieder der VLH erhalten in Erstattungsfällen durchschnittlich 1.300 Euro vom Finanzamt zurück.

Arbeitnehmer und Rentner müssen ihre Steuererklärung 2020 regulär bis 31. Juli, coronabedingt bis zum 01. November 2021 abgeben. Wer einen Steuerprofi – Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein – beauftragt, hat mehr Zeit. Dann kann die Steuererklärung bis zum 31. Mai 2022 abgegeben werden.

 

Parteimitglied, Wahlkampfhelfer, Parteispender: Politik unterstützen und Steuern sparen

 

Geschönte Lebensläufe, unpassende Lacher, durchsuchte Ministerien einerseits, Coronakrise, Klimafrage, demoskopische Achterbahn andererseits: Der diesjährige Bundestagswahlkampf ist der vielleicht turbulenteste seit langem. Wer sich trotzdem oder gerade deswegen politisch engagieren will, sollte wissen: Parteimitglieder, Wahlkampfhelfer oder Parteispender können Steuern sparen. Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, wie das geht.

 

Parteien finanziell unterstützen: Mitgliedsbeiträge und Geldspenden von der Steuer absetzen

 

Mitglieder einer Partei können ihren Mitgliedsbeitrag von der Steuer absetzen. Auch Spenden an Parteien bringen Steuervorteile. Generell werden finanzielle Zuwendungen an eine Partei - ob Mitgliedsbeitrag oder Geldspende - in zwei Schritten berücksichtigt:

 

Beiträge und Spenden in Höhe von bis zu 1.650 Euro für Singles und 3.300 Euro für Verheiratete bzw. eingetragene Lebenspartner werden zur Hälfte direkt von der Steuerschuld abgezogen, also maximal 825 Euro oder 1.650 Euro.

Jeder Euro, der über den jährlichen Betrag von 1.650 Euro (Singles) bzw. 3.300 Euro (Eheleute und eingetragene Lebenspartner) hinausgeht, kann in der Regel als Sonderausgabe abgesetzt werden - zumindest bis zu einer Höhe von weiteren 1.650 Euro für Singles und 3.300 Euro bei Verheirateten bzw. eingetragenen Lebenspartnern.

Ein Beispiel: Herr Schmidt ist alleinstehend und zahlt in einem Jahr insgesamt 2.000 Euro an eine politische Partei, zusammengesetzt aus seinem Mitgliedsbeitrag und einer Geldspende. Er macht 1.650 Euro als Steuerermäßigung geltend und zahlt im Jahr der Mitgliedsbeitrags- bzw. Spendenzahlung entsprechend 825 Euro - also die Hälfte - weniger an Steuern. Und er kann zusätzlich noch 350 Euro als Sonderausgabe geltend machen (2.000 Euro - 1.650 Euro = 350 Euro). Doch wie und wo bringt er das alles in den Steuerformularen unter? Ganz einfach: Herr Schmidt trägt 2.000 Euro in der Anlage Sonderausgaben ein - alles andere übernimmt das Finanzamt.

 

Fazit: Mitgliedsbeiträge und Spenden an politische Parteien sind also für Singles bis zu einer Höhe von insgesamt 3.300 Euro steuerbegünstigt, bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern bis 6.600 Euro.

 

Gut zu wissen: Bei Spenden und Mitgliedsbeiträge bis zu 200 Euro reicht ein "vereinfachter Nachweis", zum Beispiel ein PC-Ausdruck der Buchungsbestätigung, um den Betrag in der Steuererklärung anzugeben. Ab dem Steuerjahr 2021 sind es sogar 300 Euro. Eine amtliche Spendenquittung - also ein schriftlicher Nachweis über die Spendensumme, umgangssprachlich Spendenbescheinigung oder Spendenquittung genannt - ist nicht nötig. Generell müssen die Nachweise übrigens nur vorgelegt werden, wenn das Finanzamt dazu auffordert.

 

Und: Der Betrag von 200 Euro bzw. 300 Euro gilt für jede Einzelspende, nicht für die Summe der im Jahr geleisteten Spenden.

 

Plakate kleben, Flyer verteilen, Wahlkampfpartys organisieren: Arbeitszeit schenken und mit der Vergütungsspende geltend machen

 

Wer sich ehrenamtlich in einer Partei engagiert, kann die erbrachte Arbeitszeit von der Steuer absetzen. Folgende Voraussetzung muss dafür erfüllt sein:

 

Der Helfer hat im Vorfeld schriftlich mit der Partei eine angemessene Vergütung vereinbart und verzichtet im Anschluss an die Tätigkeit bedingungslos auf das Geld. Dann erhält er eine Zuwendungsbestätigung und kann den Betrag als Sonderausgabe eintragen.

Wahlkabinen aufstellen, Wähler identifizieren, Wahlurnen beaufsichtigen: Ehrenamtliche Wahlhelfer müssen Erfrischungsgeld nicht versteuern

 

Als Anerkennung für einen Einsatz am Tag der Wahl erhalten ehrenamtliche Wahlhelfer das sogenannte Erfrischungsgeld. Bei Bundestags- und Europawahlen sind das bis zu 25 Euro pro Wahlhelfer und bis zu 35 Euro für Wahlvorstände. Zwischen 15 Euro und 50 Euro erhalten ehrenamtliche Wahlhelfer und -vorstände, die bei Landes- und Kommunalwahlen helfen. In bestimmten Gemeinden kann das Erfrischungsgeld auf Kosten der Kommune aufgestockt werden.

 

Wie hoch das Erfrischungsgeld auch ausfällt: Es handelt sich um eine Aufwandsentschädigung für eine begünstigte ehrenamtliche Tätigkeit und ist deshalb steuerfrei. Wahlhelfer müssen das Erfrischungsgeld nicht in ihrer Steuererklärung angeben.

 

Ferienwohnung privat an Urlauber vermieten: Welche steuerlichen Varianten gibt es?

 

Die Nachfrage nach Ferienwohnungen und Ferienhäusern im Inland boomt, nachdem wieder einige EU-Länder in Risikogebiete eingestuft wurden. Viele Objekte in beliebten Regionen an der Küste, in Seengebieten oder den Bergen sind auf Online-Buchungsplattformen rasch ausgebucht. Die Anreise im eigenen Pkw, der Verbleib im deutschen Gesundheitssystem und eine eigene Wohneinheit, bei der kein Speisesaal mit anderen Gästen im Hotel geteilt werden muss, verheißen Sicherheit in einer von Corona geprägten Zeit. Wer darüber nachdenkt, seine vorhandene Ferienwohnung zu vermieten, sollte über die steuerlichen Aspekte genauso Bescheid wissen wie über die speziellen Corona-Auflagen im Bundesland des Feriendomizils, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Wird eine Ferienunterkunft vermietet, ist das meist eine private Angelegenheit und nicht automatisch ein Gewerbe. Jeder darf seinen privaten Besitz verwalten und damit Geld erwirtschaften. Dabei ist es maßgeblich, in welchem Umfang vermietet wird, wie hoch die Mieteinkünfte sind und ob der Vermietung eine Gewinnerzielungsabsicht zugrunde liegt.

 

Liebhaberei interessiert den Fiskus nicht

 

Wird die vorhandene Ferienwohnung in erster Linie selbst genutzt oder nur ab und zu vermietet, sieht das Finanzamt dies normalerweise als Liebhaberei, also als reine Privatangelegenheit an. In diesem Fall bleiben die Mieteinnahmen steuerfrei und der Eigentümer kann vollständig darüber verfügen. Den Fiskus interessieren weder die Einnahmen noch die Ausgaben des Eigentümers. Die Anschaffungskosten können ebenso wenig steuerlich abgeschrieben werden, wie entstandene Verluste. Die üblichen Posten von Privathaushalten bei der Einkommensteuererklärung können natürlich steuerlich geltend gemacht werden. Dazu zählen die Steuerermäßigungen für Handwerkerkosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen.

 

Vermietung als Steuersparmodell

 

Wer alle möglichen Ausgaben im Zusammenhang mit der Immobilie als Werbungskosten geltend machen möchte, muss dem Finanzamt glaubhaft machen, dass die Wohnung fast ausschließlich vermietet wird. Dies ist plausibel, wenn eine Eigennutzung vertraglich ausgeschlossen wird. Verträge können z.B. mit einem Verwalter oder einer Agentur geschlossen werden. Muss der Vermieter in der Wohnung Schönheitsreparaturen durchführen, darf er vorübergehend darin wohnen, aber nur solange die Arbeiten andauern. Liegt die zu vermietende Einliegerwohnung im Haus des Eigentümers, ist nachzuweisen, dass der Eigentümer diese nicht benötigt. Dies kann angenommen werden, wenn die selbst bewohnte Wohnung von der Größe her für den Eigentümer und seine Familie ausreichend ist.

 

Zudem erkennt das Finanzamt eine ausschließliche Vermietung an, wenn die Vermietungszeit mindestens 75 Prozent der ortsüblichen durchschnittlichen Auslastung erreicht. Das kann eine hohe Hürde darstellen. Aber es ist in Deutschland nicht überall ganzjährig Saison. Auskünfte über die Länge der Saison und die durchschnittliche Bettenbelegungszahl können beim regionalen Tourismusverband eingeholt werden. Liegt der Grund des Nichterreichens dieser Quote nicht beim Vermieter, weil z.B. Baulärm in der unmittelbaren Nachbarschaft über einen längeren Zeitraum zu Beeinträchtigungen geführt hat, ist das gegenüber dem Finanzamt zu erklären.

 

Ist eine der Voraussetzungen erfüllt, sind die Mieteinnahmen steuerpflichtig. Sie werden mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Im Gegenzug können alle Kosten der Immobilie abgesetzt werden. Dazu zählen Schuldzinsen der Finanzierung, Grundsteuer, Versicherungen, Abschreibung des Gebäudes, der Küche und der Einrichtungsgegenstände, Nebenkosten, Reparaturen, gebührenpflichtige Annoncen, Vermittlungskosten, Verwaltungskosten und Reinigungskosten. Selbst Kosten, die in der Zeit von Leerständen entstanden sind. Zeitweilige Verluste erkennt das Finanzamt ebenfalls an und verrechnet sie mit späteren Einkünften.

 

Selbstnutzung und trotzdem Steuern sparen

 

Besteht der Wunsch, die Ferienwohnung selbst zu nutzen und die restliche Zeit dennoch zu vermieten, fordert das Finanzamt einen Nachweis der Gewinnerzielungsabsicht durch eine langfristige Gewinnprognose. Alle Einnahmen und Ausgaben müssen in der Regel für einen Zeitraum von 30 Jahren geplant werden. Insgesamt muss am Ende dieses Zeitraums ein Mietüberschuss angefallen sein, damit das Finanzamt die Ausgaben und Verluste anerkennt. So ein Plan kann ebenfalls eingefordert werden, wenn die Eigennutzung ausgeschlossen ist und die Vermietungszeit erheblich von der Vorgabe abweicht.

 

Zudem müssen bei einer gemischten Nutzung die Zeiten der Fremdnutzung und Eigennutzung genau dokumentiert werden. Die Ermittlung der Anteile ist notwendig, um die Kosten bei der Einkommensteuererklärung entsprechend aufzuteilen. Leerstände werden dann nur anteilig berücksichtigt. Zeiträume, in denen die Ferienwohnung Familienangehörigen oder Freunden kostenlos überlassen wird, werden zur Eigennutzung gerechnet. Kann das Nutzungsverhältnis nicht nachvollzogen werden, wird das Finanzamt eine hälftige Aufteilung vornehmen, vorausgesetzt, die Gewinnprognose war positiv. War sie das nicht, gilt die Ferienwohnung wiederum nur als Liebhaberei.

 

Wenn die Vermietung wie geschmiert läuft

 

Während im Einkommensteuergesetz die Liebhaberei existiert, kennt das Umsatzsteuerrecht diesen Sachverhalt nicht. Fallen die jährlichen Einnahmen aus der Vermietung höher als 22.000 Euro aus, wird Umsatzsteuer fällig. Und zwar unabhängig davon, ob ein Gewerbe angemeldet wurde. Wer Umsatzsteuer zahlt, darf die Vorsteuer im Gegenzug abziehen. Liegen die jährlichen Einnahmen darunter, darf von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch gemacht werden. Dann wird die Umsatzsteuer nicht fällig, aber es gibt auch keinen Vorsteuerabzug.

 

So mancher private Vermieter hat gute Geschäftsideen. Aber Vorsicht, gehen die Leistungen über die reine Vermietung einer Ferienwohnung hinaus, ist die Grenze zum Gewerbe mit einem Mal überschritten. Sonderleistungen, wie die tägliche Reinigung der Wäsche, ein Zimmerservice, ein Frühstücksangebot oder der Verleih von Fahrrädern machen aus dem Privatvergnügen einen Gewerbebetrieb. Dann schlagen gesetzliche Buchhaltungs- und Aufbewahrungspflichten sowie ab einem Gewinn von 24.500 Euro die Gewerbesteuer zu.

 

Es ist heutzutage leicht geworden, seine Ferienwohnung fremd zu vermieten. Mit geringem Aufwand und Kosten kann diese über Online-Buchungsportale oder Social-Media-Gruppen angepriesen werden. Damit sind hohe Zugriffszahlen verbunden und mögliche Urlauber finden sie. Die Vermietung kann durchaus lukrativ sein, aber als Vermieter kommt man nicht darum herum, die Steuergesetze zu kennen. Bei Fragen zur steuerlichen Behandlung von Ferienwohnungen sollte unbedingt ein Steuerberater oder eine Steuerberatungsgesellschaft aufgesucht werden. Eine kostengünstige Beratung durch Lohnsteuerhilfevereine ist gesetzlich leider nicht zulässig, so die lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Steuererklärung für das Corona-Jahr: Homeoffice, Pendlerpauschale, Arbeitszimmer

 

Die Steuererklärung für 2020 ist komplexer als sonst. Gut, dass sie erst Ende Oktober beim Finanzamt sein muss, denn die Bundesregierung hat die Abgabefrist verlängert. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, worauf Sie bei Ihrer "Corona-Steuererklärung" besonders achten sollten, wenn es ums Thema Arbeiten geht.

 

Homeoffice-Pauschale und Pendlerpauschale

 

Die meisten Angestellten hatten in der Vergangenheit keine Möglichkeit, ihr Arbeitszimmer oder sogar regelmäßiges Arbeiten von zu Hause steuerlich geltend zu machen. Denn bislang galt: Nur wer zu Hause ein eigenes, abgetrenntes Arbeitszimmer hatte, konnte seine Kosten dafür von der Steuer absetzen. Mit der neuen, im Dezember 2020 beschlossenen Homeoffice-Pauschale ändert sich das: Jetzt können Arbeitnehmer, die in den heimischen vier Wänden am Esstisch oder in der Arbeitsecke arbeiten, bis zu 600 Euro im Jahr steuerlich geltend machen. Pro Arbeitstag im Homeoffice darf ein Arbeitnehmer eine Pauschale von fünf Euro von der Steuer absetzen, allerdings höchstens 600 Euro im Jahr. Das entspricht 120 Tagen Homeoffice: 120 Tage x 5 Euro = 600 Euro. Und auch wer 130 oder 150 Tage von zu Hause arbeitet, darf nicht mehr als 600 Euro absetzen.

 

600 Euro im Jahr, das klingt zunächst viel. Etliche Angestellte werden von der Pauschale aber gar nicht profitieren, denn sie fällt unter die Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro. Und die steht jedem Angestellten schon immer zu. Steuern spart also nur, wer die Grenze von 1.000 Euro überschreitet, weil noch weitere Werbungskosten hinzukommen. Das sind beispielsweise Ausgaben für Büromaterialien, Arbeitsmittel, Telefon- und Internetkosten, eine Weiterbildung oder - und das ist in der Regel der größte Posten - die Fahrtkosten.

 

Da für einen Arbeitnehmer im Homeoffice allerdings für die betreffenden Tage die Fahrten zur Arbeit wegfallen, können ihm auch weniger Kosten für das Pendeln über die Pendlerpauschale abgezogen werden. Das bedeutet: Etliche Arbeitnehmer würden bei ihrer Steuererklärung finanziell besser dastehen, wenn die Homeoffice-Pauschale zusätzlich zum Arbeitnehmer-Pauschbetrag absetzbar wäre und nicht erst, wenn man mit seinen Werbungskosten über die 1.000 Euro kommt. Wenn es sich also sozusagen um einen Homeoffice-Zuschlag handeln würde.

 

Die Homeoffice-Pauschale lohnt sich für alle Arbeitnehmer, die mit ihren gesamten Werbungskosten über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro kommen: Hat ein Arbeitnehmer im Jahr Werbungskosten von beispielweise 1.200 Euro und war mindestens 120 Tage im Homeoffice aktiv, darf er bei seiner Steuererklärung 1.800 Euro als Werbungskosten angeben (1.200 Euro Werbungskosten + 600 Euro Homeoffice-Pauschale = 1.800 Euro).

 

Wichtig: Je länger der Arbeitsweg eines Arbeitnehmers ist, umso mehr steigen die Chancen, dass er - trotz Homeoffice - über die 1.000 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag kommt. Deshalb sollte jeder, der an seiner Steuererklärung sitzt, seine Pendlerpauschale genau nachrechnen und mit der Homeoffice-Pauschale von fünf Euro pro Tag summieren.

 

Ein Arbeitszimmer, zwei Möglichkeiten

 

Für Berufstätige, die zu Hause einen separaten Raum zum Arbeiten nutzen können, gibt es grundsätzlich zwei Varianten, wie viel Kosten sie für das heimische Büro absetzen können. Entscheidend ist dabei die berufliche Tätigkeit:

 

1. Wer angestellt ist und keinen eigenen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung hat, der kann bis zu 1.250 Euro im Jahr für sein Arbeitszimmer zu Hause absetzen - auch zu Corona-Zeiten. Liegen die tatsächlichen Kosten unter dem Höchstbetrag, können Sie auch nur diese Kosten in der Steuererklärung eintragen.

 

Von dieser Regel profitieren zum Beispiel Außendienstmitarbeiter, Handelsvertreter oder Lehrer. Letztere haben in der Schule oft keinen eigenen Arbeitsplatz und müssen dementsprechend das Homeoffice zur Korrektur von Klausuren oder zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts nutzen.

 

Damit das Finanzamt die Kosten für Einrichtung, Strom oder Miete auch tatsächlich anerkennt, muss der Raum büromäßig eingerichtet sein und darf - anders als bei der Homeoffice-Pauschale - nur ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt werden.

 

Wichtig: Der Höchstbetrag von 1.250 Euro ist personenbezogen. Haben Sie eventuell zwei oder mehr Arbeitszimmer an verschiedenen Orten, können Sie dennoch maximal und einmalig den Höchstbetrag in der Steuererklärung angeben. Gleichzeitig gilt: Verschiedene Personen, die dasselbe Arbeitszimmer nutzen, können jeweils 1.250 Euro geltend machen, sofern Sie die jeweiligen Aufwendungen auch getragen haben.

 

2. Wer überwiegend von zu Hause aus arbeitet - dass betrifft manche EDV-Fachleute oder Journalisten -, kann die Kosten für das Arbeitszimmer unbegrenzt von der Steuer absetzen, sofern das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet und der Job nicht an einem anderen Ort außerhalb der häuslichen Sphäre ausgeübt wird.

 

Grundsätzlich sind alle Kosten, die Sie direkt oder anteilig Ihrem Arbeitszimmer zuordnen können, auch von der Steuer absetzbar. So gehören zum Beispiel der Teppich oder das Fensterrollo fraglos zum Arbeitszimmer, sind also direkt zuzuordnen und können in voller Höhe abgesetzt werden. Bei Kosten wie Miete, Strom oder Heizung sieht das etwas anders aus: Diese Kosten fallen für die gesamte Wohnung an - dementsprechend müssen Sie ausrechnen, wie hoch die anteiligen Kosten für das Arbeitszimmer sind. Nur dieser Teil kann in der Steuererklärung eingetragen werden. Schreibtisch, Schreibtischstuhl und Leselampe zählen zu den Arbeitsmitteln und können somit unabhängig und zusätzlich zum Arbeitszimmer berücksichtigt werden.

 

Übrigens: Manche Angestellte haben 2020 mal vor allem im Homeoffice gearbeitet und dann wieder im Büro - dann muss man beides detailliert angeben. Für eine Lehrerin, die für einige Monate mal im Distanz- und einige Monate im Präsenzunterricht ihre Schülerinnen und Schüler unterrichtet hat, kann das so aussehen: Für die Monate, in denen sie voll oder überwiegend im Homeoffice tätig war, kann sie vorübergehend ihr Arbeitszimmer vollständig absetzen. In den Monaten, in denen sie teilweise in Präsenzlehre unterrichtet hat, wählt sie die beschränkte Absetzbarkeit. In der Steuererklärung muss sie monatsweise unterscheiden und die Zeiten der beschränkten und der vollständigen Abziehbarkeit getrennt aufführen.

 

Wichtig: Die Mischung von begrenzter und vollständiger Absetzbarkeit ist nur mit einem eigenen Arbeitszimmer möglich. Hat die Lehrerin lediglich eine Arbeitsecke, wählt sie besser die Homeoffice-Pauschale und führt für die Tage im Präsenzunterricht die Fahrtkosten auf.

 

Steuererklärung: Abgabefrist für 2020 um drei Monate verlängert

 

Keinen Stress mit der Steuererklärung

 

Für Arbeitnehmer gibt es eine gute Nachricht. Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Anti-Steuervermeidungsrichtlinie wurden gleichzeitig die Abgabefristen für das Veranlagungsjahr 2020 geändert. Für die Steuerpflichtigen bedeutet das, dass sie für die oftmals ungebetene Steuererklärung ab sofort drei Monate mehr Zeit haben.

 

Alle, die zu einer Abgabe verpflichtet sind und ihre Steuererklärung für 2020 selbst erstellen, müssen sie statt Ende Juli nun erst bis zum 31. Oktober 2021 abgeben. Da dieser Tag in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, verschiebt sich der Abgabetermin auf den nachfolgenden Montag, den 1. November 2021. Da es sich bei Allerheiligen vielerorts um einen gesetzlichen Feiertag handelt, verschiebt sich die Frist in manchen Gebieten nochmal um einen Tag, auf den 2. November 2021.

 

Wer einen Lohnsteuerhilfeverein oder eine Steuerberatungsfirma beauftragt, bekommt bis zum 31. Mai 2022 Aufschub. Die dreimonatige Fristverlängerung gilt auch für Verspätungszuschläge und verschiebt den Zeitraum, ab dem Verzugszinsen auf Steuerschulden oder die Verzinsung von Steuererstattungen berechnet werden.

 

Einkommensteuerpflicht für kleine Photovoltaik-Anlagen abgeschafft

 

Das Bundesfinanzministerium vereinfachte Anfang Juni die Beurteilung der „Gewinnerzielungsabsicht“ kleiner Photovoltaikanlagen. Seither gilt, dass sich Betreiber kleiner Solaranlagen von der Ermittlung und Abführung der Einkommensteuer befreien lassen können, so die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

 

Steuererleichterung für privat betriebene Solaranlagen

 

Die Regelung gilt für Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von bis zu 10 kWp, die auf zu eigenen Wohnzwecken genutzten oder unentgeltlich überlassenen Ein- und Zweifamilienhausgrundstücken einschließlich Außenanlagen (z. B. Garagen) installiert sind und nach dem 31. Dezember 2003 in Betrieb genommen wurden.

 

 

Einmaliger Antrag auf Steuerbefreiung reicht

 

Besitzer von kleinen Anlagen können nun eine Steuerbefreiung einfach formlos z. B. schriftlich beantragen. Diesem Antrag wird dann ohne weitere Prüfung stattgegeben. Es wird in allen offenen Veranlagungszeiträumen unterstellt, dass die Photovoltaikanlage nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird. Laut Bundesfinanzministerium liegt bei ihnen grundsätzlich eine steuerlich unbeachtliche Liebhaberei vor. Der Antrag wirkt auch für die Folgejahre.

 

Bislang mussten Verbraucher:innen bei ihrer Steuererklärung die Einkünfte aus dem Verkauf des Stroms in Form einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung angeben. Dies fällt nun weg. Das heißt: Sowohl für die Zukunft als auch rückwirkend für Steuerjahre, die noch nicht rechtskräftig abgeschlossen sind, werden Einnahmen, die Verbraucher:innen aus dem Verkauf ihres Solarstroms erzielen, in der Einkommenssteuer nicht mehr berücksichtigt.

 

Steuerpflichtige Photovoltaikanlagen-Besitzer haben Wahlrecht

 

Ob man seine Einkünfte allerdings von der Einkommensteuer befreien möchte, obliegt dem Eigentümer der Photovoltaikanlagen. Denn unabhängig von der Vereinfachungsregelung kann eine steuerpflichtige Person weiterhin die Anlage mit Gewinnerzielungsabsicht betreiben. Zudem gilt der neue Erlass nur für die ertragssteuerliche Behandlung der Photovoltaik-Anlage, nicht für die Behandlung der Umsatzsteuer.

 

Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums kann unter: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2021-06-02-gewinnerzielungsabsicht-bei-kleinen-photovoltaikanlagen-und-vergleichbaren-blockheizkraftwerken.html

heruntergeladen werden.

 

Umzug in 2020? Der Monat entscheidet über die Steuer

 

Im Jahr 2020 wurde die Umzugskostenpauschale mehrfach abgeändert

 

Die Kosten eines Umzugs sind von der Steuer absetzbar, wenn er aus beruflichen Gründen stattfindet. Das kann ein neuer Job, ein anderer Einsatzort oder eine Zeiteinsparung von mindestens einer Stunde am Tag sein. Die Stadt muss dabei nicht unbedingt gewechselt werden, auch innerhalb einer Großstadt von einem Viertel in ein anderes kann der Umzug steuerbegünstigt sein. Arbeitnehmer können zwischen den tatsächlichen Kosten oder einer Umzugspauschale wählen. Doch wer im vergangenen Jahr umgezogen ist, hat es nicht leicht. Die Umzugspauschale wurde unterjährig zweimal geändert, so dass es drei verschiedene Ansätze gibt. Wieviel von der Steuer herausgeholt werden kann, hängt vom Monat des Umzugs ab, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Umzug im Januar oder Februar

 

Fand der Umzug gleich zu Beginn des Jahres 2020 statt, können Singles 811 Euro pauschal absetzen. Verheiratete, Lebenspartner, Geschiedene, Verwitwete oder Alleinerziehende bekommen den doppelten Betrag. Für jedes Kind oder jeden Angehörigen im Haushalt gibt es 357 Euro on top. Eine vierköpfige Familie bekommt für diesen Zeitraum also 2.336 Euro, sofern der letzte Tag des Ausladens des Umzugsgutes noch im Februar lag.

 

Erhöhte Pauschale von März bis Mai

 

Fiel der letzte Umzugstag auf den 1. März 2020 oder später, gelten leicht erhöhte Pauschalen. Singles können dann 820 Euro und Verheiratete, Lebenspartner, Geschiedene, Verwitwete oder Alleinerziehende 1.639 Euro ansetzen. Pro Kind oder Angehörigen im Haushalt kommen 361 Euro hinzu. Für eine vierköpfige Familie werden somit 2.361 Euro anerkannt.

 

Reform der Umzugskostenpauschale

 

Doch seit 1. Juni 2020 sieht es etwas anders aus. Die Umzugspauschalen wurden neu strukturiert und die Bemessungsgrundlagen im Bundesumzugskostengesetz verändert. Maßgeblich für die Gültigkeit der neuen Pauschalen ist jetzt der Tag vor dem Einladen des Umzugsguts. Also für alle Wohnungswechsler, bei denen die Spedition am 1. Juni oder danach angerollt kam, gelten die nachfolgenden Pauschalbeträge.

 

Neue Pauschalen ab Juni gültig

 

Für den Arbeitnehmer, der den Umzug ausgelöst hat, sind 860 Euro anzusetzen, unabhängig vom Familienstand. Für jede weitere Person in seinem Haushalt kommen 573 Euro dazu. Dabei sind jetzt Ehepartner und Lebenspartner mit den Kindern gleichgestellt. Es ist unerheblich, ob die eigenen Kinder, Stiefkinder oder Pflegekinder mit umziehen. Eine vierköpfige Familie wird jetzt mit 2.579 Euro steuerlich berücksichtigt. Das ist ein bisschen mehr als zuvor.

 

Eine Sache ist neu: Wenn vor oder nach dem Umzug keine eigene Wohnung existiert, reduziert sich die Pauschale auf 172 Euro. Dies betrifft beispielsweise junge Leute, die aus ihrem Elternhaus für den ersten Job ausziehen.

 

Pauschale versus Rechnungen

 

Die Umzugspauschale deckt verschiedene Kosten, die eine Folge des Umzugs sind, ab. Dazu zählen die Renovierung oder Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung, Ändern von Vorhängen, Anbringen von Lampen und Anschluss von Herd und Elektrogeräten, Trinkgelder und Verpflegung für Umzugshelfer, Ummelden des Pkw, Umschreiben des Personalausweises oder die Änderung des Telefonanschlusses.

 

Die Nutzung der Pauschale ist einfach und bequem. Sie lohnt vor allen Dingen, wenn die tatsächlichen Kosten darunter lagen. Überstiegen die realen Kosten die Pauschale, sollte überlegt werden, ob nicht besser die tatsächlichen Kosten in der Steuererklärung angeführt werden. Dies setzt allerdings voraus, dass für jede Bezahlung eine Rechnung vorliegt und alle Rechnungen aufgehoben wurden.

 

Noch mehr Umzugskosten absetzbar

 

Die eigentlichen Kosten des Umzugs können ganzjährig zusätzlich zu den Pauschalen abgesetzt werden. Das sind die tatsächlich entstandenen Kosten für eine Spedition, die Fahrtkosten zur Wohnungsbesichtigung und für den Umzugstag mit 30 Cent je km, die Maklerkosten bei einer Mietwohnung, Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe von 14 Euro je Tag, doppelte Mietzahlungen für die alte Wohnung für bis zu sechs Monate und die neue Wohnung für bis zu drei Monate. Bei Umzug bis 31. Mai 2020 gibt es zusätzlich noch eine Pauschale für einen neu gekauften Küchenherd in Höhe von 230 Euro. Diese Pauschale ist ab dem 1. Juni 2020 entfallen. Der Kauf eines Herds für die neue Küche nach einem Umzug wird nicht mehr gefördert, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Kaum Interesse an digitalem Steuerbescheid

 

Nur drei Prozent der Steuerpflichtigen verzichten auf Brief vom Finanzamt - Neues Angebot bislang wenig bekannt

 

Nur ein Bruchteil der Bürger nutzt bisher die neue Möglichkeit, den Steuerbescheid nur noch in digitaler Form zu erhalten. Das geht aus einer Befragung der FDP-Bundestagsfraktion zur Digitalisierung in der Steuerverwaltung hervor, deren Ergebnisse dem Wirtschaftsmagazin Capital (Heft 7/2021, EVT 17. Juni) vorliegen. Demnach verschicken die Finanzämter im Schnitt gerade einmal rund drei Prozent der Steuerbescheide elektronisch. Am höchsten ist die Quote mit 4,5 Prozent in Hamburg, gefolgt von Bayern mit 4,3 Prozent. In Schleswig-Holstein nutzten bisher sogar nur 1,6 Prozent der Steuerpflichtigen die Option. In die Umfrage flossen Daten aus zehn Bundesländern ein.

 

Seit Frühjahr 2020 bieten die Finanzämter einen papierlosen Steuerbescheid an. Steuerpflichtige können diese Variante bei ihrer Steuererklärung über das Programm Elster oder eine andere Steuersoftware wählen. Später wird der Bescheid als digitaler Verwaltungsakt in der genutzten Software bereitgestellt.

 

Die geringe Resonanz dürfte auch daher rühren, dass viele Bürger das Angebot nicht kennen. Bislang werben die Bundesländer kaum dafür - obwohl sich damit Portokosten und Papier sparen lassen. Zudem gibt es für Steuerpflichtige keine Anreize zum Umsteigen, wie es etwa bei der Einführung des Portals Elster ab 2001 der Fall war. Damals hieß es, dass eine elektronische Steuererklärung zügiger bearbeitet wird.

 

Die Steuerverwaltung habe ihre digitale Vorreiterrolle dank Elster längst verspielt, sagte die FDP-Finanzexpertin Katja Hessel dem Magazin. Derzeit werde trotz des hohen Maßes an Standardisierung nur rund jeder zehnte Steuerfall automatisiert bearbeitet. Durch die föderale Struktur mit 17 Entscheidungsträgern aus Bund und Ländern sei die deutsche Steuerverwaltung im internationalen Vergleich "nicht konkurrenzfähig", sagte Hessel. "Deutschland ist geprägt ist durch eine heterogene und zerklüftete IT- und e-Government-Landschaft mit vielen Insel-Lösungen und einsamen Leuchttürmen." Die Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses forderte, dass der Bund die führende Rolle für die Digitalisierungsprozesse in der Steuerverwaltung übernimmt.

 

Die Umfrage der FDP-Bundestagsfraktion ergab auch, dass sich die Steuerbehörden schwertun, externe IT-Experten zu rekrutieren. Um Spezialisten aus der Privatwirtschaft anzulocken, setzen viele Länder auf Zulagen und höhere Eingruppierungen. Dabei variierte die Zahl der neuen IT-Spezialisten je nach Bundesland stark. Seit 2017 stellte Bayern 126 Fachkräfte ein, Baden-Württemberg 71 und Schleswig-Holstein 55. In Rheinland-Pfalz waren es 37, in Niedersachsen 34 und in Hessen 15. Die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin kamen auf 28, 14 und neun Neueinstellungen. Nordrhein-Westfalen und die ostdeutschen Bundesländer lieferten keine Daten für die Befragung.

 

Studie: Einkommensteuerbelastung der Spitzenverdiener seit 1998 deutlich gestiegen

 

Das deutsche Steuersystem sorgt für eine enorme Einkommensumverteilung. Dieses Jahr werden die oberen 1 Prozent der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler voraussichtlich 22,8 Prozent der gesamten Einkommensteuereinnahmen (inkl. Soli) tragen, die oberen 10 Prozent sogar 53,4 Prozent. Verglichen mit der Aufkommensverteilung vor der großen Steuerreform der rot-grünen Bundesregierung ist die Belastung dieser Einkommensgruppen spürbar angestiegen. Der Anteil der restlichen 90 Prozent hat sich entsprechend reduziert. Das führt dazu, dass die unteren 50 Prozent nur noch 6,2 Prozent des Einkommensteueraufkommens (inkl. Soli) zahlen. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

 

Die Analyse mit einer zeitlich konsistenten Datenbasis zur Einkommensverteilung im Zeitraum von 1998 bis 2021 widerlegt eine weitverbreitete Meinung über steuerliche Be- und Entlastungen während der vergangenen zwei Jahrzehnte. Zwar sank die durchschnittliche Steuerbelastung der Bruttoeinkommen durch Einkommensteuer und Soli für die oberen 10 Prozent und die oberen 1 Prozent der Einkommensverteilung unmittelbar nach der Reform Anfang des Jahrtausends. In der Phase wirtschaftlichen Aufschwungs zwischen 2014 und 2019 führten jedoch ausbleibende Anpassungen des Einkommensteuertarifs sowie vieler Freibeträge an die Realeinkommens-entwicklungen dazu, dass im Jahr 2019 die Steuerbelastung der Bruttoeinkommen aller Einkommensgruppen - auch die der oberen 1 Prozent - höher lag als im Jahr 1998. Auch die Gruppe der unternehmerisch Tätigen und Selbstständigen wies im Jahr 2019 eine deutlich höhere Steuerbelastung als 1998 auf.

 

Mit Blick auf die Studienergebnisse fordert der Geschäftsführer der INSM, Hubertus Pellengahr, die schädliche und überflüssige Debatte über Steuererhöhungen umgehend zu beenden. "Wenn mehr als jeder zweite Euro der Lohn- und Einkommensteuer von lediglich zehn Prozent der Steuerzahlerinnen und -zahler erbracht wird, sollten die Politik das anerkennen, statt es kleinzureden. Die Einkommen in Deutschland wurden und werden kräftig umverteilt. Was wir jetzt brauchen, ist neues und zusätzliches Wachstum. Wer Steuererhöhungen androht, bewirkt das Gegenteil. Umso schneller wir wieder zurück zu alter Stärke finden, desto schneller entsteht Spielraum für Steuererleichterungen für alle Einkommensgruppen. Das haben wir uns alle verdient."

 

Steuererklärung 2019: Ein halbes Jahr mehr Zeit zum Abgeben

 

Bestimmte Steuerzahler haben für die Abgabe der Steuererklärung 2019 ein halbes Jahr länger Zeit, nämlich bis zum 31. August 2021. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) erklärt die wichtigsten Details.

 

Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen, Homeoffice, Job-Ticket: Diese und ähnliche Themen beschäftigen Steuerberater und Steuerexperten wie Lohnsteuerhilfevereine im Auftrag ihrer Mandanten und Mitglieder aufgrund der Corona-Pandemie deutlich mehr als sonst.

 

Stichtag in diesem Jahr: 31. August 2021

 

Deshalb hat der Bundestag am 28. Januar beschlossen, die Abgabefrist für die Steuererklärung 2019 um ein halbes Jahr zu verlängern, wenn ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein mit der Erstellung der Steuererklärung beauftragt wurde.

 

Neuer Stichtag für die Steuererklärung 2019 sollte in diesen Fällen zunächst der 31. März werden; inzwischen haben sich Bundestag und Bundesrat auf den 31. August 2021 geeinigt. In der Regel würde die Abgabefrist der Steuererklärung 2019 für beratene Steuerzahler mit Ablauf des Monats Februar enden.

 

Mehr Geld für Familien in 2021

 

Familien stehen im Blickpunkt der Bundesregierung. Sie können sich über mehr Geld in der Haushaltskasse freuen, denn viele Förderungen werden im neuen Jahr angehoben. Überraschenderweise wurde die bessere steuerliche Entlastung Alleinerziehender entfristet und als dauerhaft beschlossen. Die Lohnsteuerhilfe Bayern begrüßt diesen Schritt sehr. Coronabedingte Unterstützungsmaßnahmen wurden über den Jahreswechsel hinaus aufgrund der aktuellen Situation verlängert, denn die Pandemie ist noch nicht vorbei und Familien sind durch den Lockdown oftmals stark belastet.

 

Grundfreibetrag und Kindergeld steigen

 

Der Grundfreibetrag beläuft sich ab dem 1. Januar auf 9.744 Euro bei Alleinerziehenden und auf 19.488 Euro bei Ehepaaren, die ihre Steuererklärung gemeinsam abgeben. Bis zu dieser Grenze bleibt das Einkommen steuerfrei. Dazu gibt das seit dem 1. Januar um 15 Euro erhöhte Kindergeld. Für das erste und zweite Kind erhalten Berechtigte 219 Euro, für das dritte 225 Euro und ab dem vierten Kind 250 Euro im Monat. Für Familien mit einem geringen Einkommen steigt der zusätzliche Kinderzuschlag um 20 Euro monatlich pro Kind.

 

Erhöhung des Kinderfreibetrags

 

Auch der Kinderfreibetrag wird für das Veranlagungsjahr 2021 um 288 Euro auf 2.730 Euro für einen Elternteil bzw. um das Doppelte auf 5.460 für beide Elternteile angehoben. Der zusätzliche Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung steigt für beide Elternteile ebenfalls um 288 Euro auf 2.928 Euro und damit pro Elternteil auf 1.464 Euro. Für Eltern mit einem Kind steigen die Freibeträge insgesamt auf 8.388 Euro, für Familien mit zwei Kindern folglich auf 16.776 Euro. Ob die Freibeträge angewendet werden, prüft das Finanzamt automatisch.

 

Anpassung des Unterhaltshöchstbetrags

 

Der Unterhaltshöchstbetrag für nicht mehr kindergeldberechtigte Kinder wird entsprechend dem Grundfreibetrag auf 9.744 Euro angehoben. Bis zu diesem Betrag können die Eltern Unterhaltsleistungen an ihre Kinder steuerlich geltend machen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein unterhaltsberechtigtes Kind sein Studium noch nicht beendet hat und noch von den Eltern finanziell unterstützt werden muss.

 

Doppelter Alleinerziehendenentlastungsbetrag bleibt

 

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird bei den zusätzlichen 2.100 Euro zu den bisherigen 1.908 Euro belassen. Für jedes weitere Kind kommen nochmal 240 Euro dazu. Der mehr als doppelt so hohe Freibetrag für Alleinerziehende wurde nun nicht über das Jahr 2020 hinaus bis Ende 2021 verlängert, sondern wird dauerhaft auf dem Niveau von 4.008 Euro bleiben. Somit werden nicht nur die erhöhten Haushaltskosten von Alleinerziehenden während der Corona-Pandemie berücksichtigt, sondern Alleinerziehende dauerhaft besser entlastet, da die gesamten Haushaltskosten nur von einer Person gestemmt werden müssen.

 

Hartz-IV-Sätze und Wohngeld angeglichen

 

Die Regelsätze für Sozialhilfe und das Arbeitslosengeld II wurden am 1. Januar an die allgemeine Preissteigerung angeglichen. Eine alleinstehende Alleinerziehende erhält statt 432 nun 446 Euro im Monat. Bei einer Bedarfsgemeinschaft steigt der Satz von 389 auf 401 Euro. Für Kinder bis fünf Jahren gibt es 283 Euro, von 6 bis 13 Jahren 309 Euro und von 14 bis 17 373 Euro. Für volljährige Kinder bis 25, die nicht erwerbstätig sind und im Haushalt der Eltern leben, gibt es 357 Euro. Da die Heizkosten sich verteuern, wird das Wohngeld um durchschnittlich 15 Euro pro Monat angehoben.

 

Ersatzlohn bei Kinderbetreuung ausgeweitet

 

Bleiben Kita oder Schule wegen Covid-19-Fällen oder einem Lockdown geschlossen, erhalten Eltern eine Ausgleichszahlung für den entgangenen Lohn. Die Entschädigung macht 67 Prozent vom Nettogehalt, maximal 2.016 Euro pro Monat, aus. Diese Regelung wurde um ein Vierteljahr bis Ende März verlängert. Gibt es keine alternative Betreuungsmöglichkeit und muss ein Elternteil von der Arbeit fernbleiben, um ein Kind unter 12 Jahren zu betreuen, fließt die Ausgleichszahlung. Sie ist auf 10 Wochen je Elternteil bzw. 20 Wochen für Alleinerziehende beschränkt und betrifft nicht die regulären Ferien. Neu ist, dass das auch für Kinder in amtlich angeordneter Quarantäne zutrifft.

 

Baukindergeld läuft bald aus

 

Das Baukindergeld war ursprünglich bis Ende 2020 befristet. Wegen der Corona-Krise wurde es aber bis zum 31. März 2021 verlängert. Mit dem Baukindergeld soll es für Familien leichter werden, eine Eigentumswohnung oder ein eigenes Haus anzuschaffen. Pro Kind gibt es 12.000 Euro, die in Raten zu 1.200 Euro über zehn Jahre verteilt ausbezahlt werden. Interessenten sollten jetzt schnell handeln, denn die Kaufabwicklung bzw. das Genehmigungsverfahren können einige Zeit beanspruchen. Entscheidend für die Förderung ist das Datum des notariellen Kaufvertrags oder der Baugenehmigung. Bei nicht genehmigungspflichtigen Bauvorhaben gilt der frühestmögliche Baubeginn.

 

Soli fällt für die meisten weg

 

Seit 1. Januar ist der Solidaritätszuschlag für den Großteil der Steuerzahler Vergangenheit. Fünfeinhalb Prozent auf die Einkommensteuer stehen am Monatsende bei vielen auf dem Lohnzettel nun mehr drauf, denen der Soli vorher abgezwackt wurde. Die Kosten der deutschen Einheit wurden über 25 Jahre von der Mehrheit der Steuerzahler getragen. Auch wenn der Soli im Allgemeinen viele Steuerpflichtige betraf, von dem Mehr auf dem Gehaltskonto profitieren Familien natürlich besonders. Nur den richtig gutverdienenden Familien mit einem Einkommen über 151.000 Euro bleibt der Soli weiterhin zum Teil oder ganz erhalten, erklärt die Lohnsteuerhilfe Bayern. 

 

Aktien und Steuererklärung: Mit Verlusten die Steuerlast senken

 

Wirecard, Air Berlin oder SAP: Der Wert von Unternehmens-Aktien kann aus den unterschiedlichsten Gründen einbrechen. Für Anleger bedeutet das: Sie müssen teilweise hohe Verluste hinnehmen. Immerhin lassen sich Verluste aus Aktiengeschäften verrechnen, so dass sich der zu versteuernde Gewinn verringert und der Anleger weniger Steuern zahlt. Wie das funktioniert, welche Neuerungen es seit 2020 gibt und wann Anleger selbst tätig werden sollten, das zeigt der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH).

 

Aktiengewinne müssen versteuert werden

 

Grundsätzlich muss jeder Anleger auf seine Aktiengewinne die Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer zahlen. Das sind in Deutschland üblicherweise zwischen 26,38 Prozent und 27,99 Prozent Steuern - je nachdem, ob der Anleger Mitglied einer Kirche ist und in welchem Bundesland er lebt.

 

Immerhin steht Anlegern ein Freibetrag zu: Singles dürfen Aktiengewinne bis zu einer Höhe von 801 Euro steuerfrei behalten und Verheiratete den doppelten Betrag, also 1.602 Euro. Dafür sollte jeder Anleger seinem Kreditinstitut einen sogenannten Freistellungsauftrag eingeräumt haben. Ansonsten werden die Steuern zunächst abgezogen, können aber über die Steuererklärung wieder zurückgeholt werden.

 

Gewinn oder Verlust berechnen

 

Nur auf Aktiengewinne sind Steuern fällig. Ein Gewinn entsteht, wenn eine Aktie zu einem höheren Kurs verkauft wird, als sie ursprünglich gekostet hat. Machen Anleger mit ihren Aktien Gewinn, müssen sie sich um die Besteuerung nicht selbst kümmern. Das übernimmt das Kreditinstitut und verrechnet direkt Gewinne und Verluste, so dass Anleger nur auf die Differenz Steuern zahlen müssen.

 

Bei Verlusten ist der Verkaufskurs niedriger als der Kaufkurs. Und in manchen Fällen muss der Anleger selbst tätig werden, um Steuern zu sparen. Doch zunächst die Berechnung für den Gewinn oder Verlust bei einem Aktienverkauf:

 

Verkaufserlös der Aktie

 

- minus Veräußerungskosten (wie Bankspesen)

 

- minus Anschaffungskosten

 

- minus Anschaffungsnebenkosten (wie Bearbeitungsgebühren)

 

= Veräußerungsgewinn oder -verlust der Aktie

 

Verlust: Aktien mit Aktien verrechnen

 

Hat ein Anleger seine Aktien mit Verlust verkauft, kann er die Veräußerungsverluste mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen verrechnen - allerdings ausschließlich mit anderen Aktien, nicht mit Dividenden oder Zinsen. Dieses Vorgehen nennt sich "horizontaler Verlustausgleich", da Verluste nur innerhalb derselben Einkunftsart ausgeglichen werden dürfen.

 

Die Verrechnung ist möglich mit Gewinnen aus Aktienverkäufen des gleichen Jahres und auch der Folgejahre. Das Ganze nennt sich "Verlustvortrag". Der Vorteil dabei: Die Verluste, die sich im gegenwärtigen Jahr steuerlich nicht auswirken, werden mit zukünftigen Gewinnen verrechnet.

 

Verlustverrechnung übernimmt bei einem Depot die Bank

 

Die Verlustverrechnung übernimmt in der Regel die Bank oder das Finanzinstitut für den Anleger, ohne dass er sich selbst darum kümmern muss: Von positiven Kapitalerträgen wird keine Abgeltungssteuer einbehalten, bis die Verluste ausgeglichen sind.

 

Bei mehreren Depots muss der Anleger selbst aktiv werden

 

Hat ein Anleger bei mehreren Banken in Aktien investiert, muss er selbst tätig werden. Ist zum Beispiel eine Kapitalanlage für den Anleger zum Verlustgeschäft geworden und eine andere hat Gewinne gebracht, muss er eine Verlustbescheinigung von seiner Bank anfordern, bei der die defizitäre Anlage lag. Diese Bescheinigung muss dem Finanzamt in der Regel vorgelegt werden. Das Finanzamt wird den Verlust von den Gewinnen abziehen und dadurch den steuerpflichtigen Gewinn verkleinern.

 

Wichtig: Die Verlustbescheinigung muss bei der betroffenen Bank bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres beantragt werden. Dafür gibt es Vordrucke, in der Regel erhältlich beim eigenen Kreditinstitut.

 

Neu seit 2020: Aktienverluste bis 10.000 Euro verrechnen

 

Geht ein Unternehmen bankrott oder insolvent, dann ist es an der Börse nicht mehr handelbar - die Aktien sind wertlos. Seit 2020 gibt es die Möglichkeit, solche Verluste mit Aktiengewinnen zu verrechnen, nämlich bis zu einer Höhe von 10.000 Euro. Nicht verrechnete Verluste können auf Folgejahre vorgetragen und jeweils in Höhe von 10.000 Euro mit Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Das Ganze gilt für Aktienverluste, die ab dem 1. Januar 2020 entstanden sind.

 

VLH-Tipp: Wurden die Aktien als wertlos von der Bank ausgebucht, sollten derartige Totalverluste in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Ob die ausgebuchten Aktien zu einem anzuerkennenden Verlust führen, muss der Bundesfinanzhof (BFH) noch entscheiden (Az VIII R 5/19).

 

Steuertipps für Eltern – Wie unterstützt der Fiskus Familien?

 

Die Corona-Krise trifft Familien besonders hart: Schul- und Kitaschließungen haben insbesondere berufstätige Eltern mit kleinen Kindern vor große Herausforderungen gestellt. Hinzu kommen finanzielle Einbußen. Mit den Corona-Steuergesetzen setzte die Bundesregierung alle Hebel in Bewegung, um Verdienstausfälle in Familien abzufedern. „Die getroffenen Maßnahmen, wie z. B. der Kinderbonus, spülen zwar Geld in viele Kassen, davon profitieren aber nicht alle Einkommensgruppen. Der Staat unterstützt Familien auch auf anderen Wegen: Eltern können bspw. die Einkommensteuer durch absetzbare Ausgaben oder Freibeträge reduzieren“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Kindergeld, Kinderbonus und Kinderfreibetrag

 

Der Fiskus berücksichtigt die Ausgaben der Eltern für ihre Kinder beim sogenannten Familienleistungsausgleich nach einem dualen Konzept:

 

1. Der Fiskus unterstützt Eltern monatlich mit dem Kindergeld als direkte Zahlung. Diese beträgt im Jahr 2020 für das erste und zweite Kind jeweils 204 Euro, für das dritte Kind 210 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 235 Euro. Ab dem 1. Januar 2021 wird das Kindergeld jeweils um 15 Euro erhöht. In diesem Jahr erhalten Familien zusätzlich zum Kindergeld einen Bonus von 300 Euro für jedes Kind, für das in mindestens einem Monat im Jahr 2020 ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Der Bonus wird nicht auf Sozialleistungen, wie die Grundsicherung oder den Unterhaltsvorschuss, angerechnet und beim Kinderzuschlag sowie dem Wohngeld nicht als Einkommen berücksichtigt. Die Auszahlung erfolgt automatisch mit dem Kindergeld – in der Regel erhalten Eltern 200 Euro im September 2020 und 100 Euro im Oktober 2020.

 

2. Alternativ gibt es einen Freibetrag für Kinder. Dieser besteht genau genommen aus einem Kinderfreibetrag in Höhe von 5.172 Euro und einem Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf des Kindes in Höhe von 2.640 Euro. Das heißt 7.812 Euro dürfen Eltern pro Kind im Jahr verdienen und einnehmen, ohne dafür Steuern zu zahlen.

 

Kindergeld, Kinderbonus und Kinderfreibetrag gibt es grundsätzlich für alle Kinder bis zum 18., für Kinder in Ausbildung bis zum 25. und für arbeitslose Kinder bis zum 21. Lebensjahr.

 

Eltern erhalten aber nur eine Form der Steuererleichterung: Entweder das Kindergeld inklusive einmaligem Kinderbonus oder den Kinderfreibetrag. Wenn sie ihre Steuererklärung beim Finanzamt einreichen, prüft deshalb die Finanzbehörde, was für die Eltern je Kind günstiger ist und womit sie der Staat finanziell mehr unterstützt. Bei dieser „Günstigerprüfung“ unter Einbeziehung des Kinderbonus profitieren in der Regel die Normalverdiener. Nach Aussagen des Bundesfinanzministeriums erhalten rund 80 Prozent der Kinder die volle Entlastung durch den Kinderbonus, rund 20 Prozent werden nur teilweise oder nicht entlastet. Für diese Kinder ist der Kinderfreibetrag günstiger und die Eltern zahlen den Kinderbonus faktisch mit der Einkommensteuererklärung zurück.

 

Kinderbetreuungskosten

 

Der Fiskus erkennt zwei Drittel der angefallenen Betreuungskosten bis zu maximal 4.000 Euro jährlich pro Kind an, das sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Die Aufwendungen für die Kinderbetreuung sind als Sonderausgaben abziehbar. Für die steuermindernde Anerkennung der Kosten muss diesen eine erkennbare Dienstleistung zugrunde liegen. Demnach können etwa folgende Aufwendungen Berücksichtigung finden: die Unterbringung der Kinder in Kindergärten, -tagesstätten, -horten, -heimen und -krippen sowie bei Tages- oder Wochenmüttern und in Ganztagspflegestellen. Auch Hilfen im Haushalt, wie z. B. Au-pair-Mädchen, soweit sie ein Kind betreuen und die Beaufsichtigung des Kindes bei der Erledigung der Hausaufgaben übernehmen, werden steuermindernd anerkannt. Die Aufwendungen können Eltern nur dann geltend machen, wenn sie eine Rechnung erhalten haben und die Zahlung auf ein Konto erfolgt ist. Hier ist zu beachten, dass die Verpflegungskosten keine Kinderbetreuungskosten im Sinne dieser Vorschrift und daher herauszurechnen sind.

 

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

 

Alleinerziehende werden steuerlich zusätzlich entlastet. Sie konnten bisher einen Entlastungsbetrag in Höhe von 1.908 Euro pro Jahr beantragen. Für jedes weitere Kind erhöhte sich dieser um 240 Euro. Alleinerziehende können den Betrag entweder in ihrer Steuererklärung geltend machen oder sie beantragen die Lohnsteuerklasse II. In diesem Fall berücksichtigt das Finanzamt den Betrag, wenn die Steuer vom Lohn abgezogen wird. Im Sinne des Steuerrechts gilt als alleinerziehend, wer nicht verheiratet ist bzw. dauernd getrennt lebt oder verwitwet ist und in keiner Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen volljährigen Person (Ausnahme: Kinder) lebt. Für die Jahre 2020 und 2021 wird dieser Steuerfreibetrag für das erste Kind auf 4.008 Euro erhöht. Mit der Erhöhung um 2.100 Euro wird die besondere Belastung Alleinerziehender aufgrund der Corona-Krise berücksichtigt.

 

Ausbildungsfreibetrag

 

Für volljährige Kinder, die sich in Berufsausbildung befinden und zudem auswärtig untergebracht sind, können die Eltern zur Abgeltung des entstehenden Sonderbedarfs zusätzlich zum Kinderfreibetrag einen Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro jährlich auf Antrag erhalten. Voraussetzung für diesen Ausbildungsfreibetrag ist, dass die Eltern für das Kind Kindergeld erhalten.

 

Fazit

 

Die steuerliche Berücksichtigung von Kindern hat viele Facetten. Um die steuermindernden Möglichkeiten, die der Fiskus bietet, auszuschöpfen, empfiehlt es sich, einen Steuerexperten zurate zu ziehen. 

 

Abfindungszahlung in 2020 erhalten?

 

Steuerliche Optimierungsmaßnahmen unbedingt noch im IV. Quartal 2020 prüfen und umsetzen, rät die Steuerkanzlei Bauerfeind.

 

Die Abfindungsfälle haben in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Börsennotierte Unternehmen wie Linde, BMW, Daimler und MAN bauen aktuell tausende von Stellen ab. Dieser Personalabbau geht häufig mit Abfindungszahlungen einher.

 

Nach Abzug von Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag (ggf. auch Kirchensteuer) bleibt von der Abfindung oftmals nur noch die Hälfte übrig. Da Abfindungen außerordentliche Einkünfte darstellen, können diese aber nach der sog. Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden. Bei sechsstelligen Abfindungszahlungen lassen sich durch eine steueroptimierte Strategie häufig hohe fünfstellige Steuererstattungen realisieren.

 

Die ermäßigte Besteuerung entfaltet immer dann den größtmöglichen Wirkungsgrad, sofern die anderweitigen laufenden Einkünfte und Bezüge des Abfindungsjahres (z. B. der reguläre Arbeitslohn und das Arbeitslosengeld) durch steuerrelevanten Ausgaben (= vor allem durch Werbungskosten und Sonderausgaben) entscheidend nach unten korrigiert werden können.

 

Als auf Abfindungen spezialisierte Steuerberater (www.abfindung-steuerberater.de) mahnen wir aber hier aus gegebenen Anlass zur Achtsamkeit: Bei Werbungskosten und Sonderausgaben greift das sog. Zufluss- Abflussprinzip des § 11 EStG. Nach § 11 Abs. 2 Satz 1 EStG sind Ausgaben für das Jahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind. Im Zeitpunkt der Erstellung der Einkommensteuererklärung für das Abfindungsjahr im Folgejahr, wäre es demnach schon zu spät!

 

Sofern die Abfindung in 2020 ausgezahlt wurde, sind die steuergestaltenden Maßnahmen spätesten im vierten Quartal 2020 zu prüfen und umzusetzen.

 

Unterhalt an den Ex-Partner – Steuer erfordert Einvernehmen

 

Trennungsunterhalt versteuern: Wenn es um die Steuer geht, ist Kooperation gefragt

 

Die Lohnsteuerhilfe Bayern (lohi) klärt auf: Scheiden tut nicht nur weh, sondern kostet eine Stange Geld. Trennen sich Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner, so zieht meistens einer von beiden aus der gemeinsamen Wohnung aus. Ein Umzug, neue Einrichtung, separate Versicherungen, unumgängliche Gerichtskosten, in vielen Fällen Anwaltskosten und dazu verlorene Steuervorteile durch den wegfallenden Splittingtarif. Verständlicherweise wollen viele nach der Trennung den Kontakt zum Ex-Partner am liebsten abbrechen, das Steuerrecht erfordert aber Einvernehmen, damit die Steuerlast maximal reduziert werden kann.

 

Trennungsunterhalt bis zur Scheidung

 

Ab dem ersten Tag des Getrenntlebens hat der finanziell schlechter gestellte Ehepartner ein Anrecht auf Trennungsunterhalt. Dieses erlischt mit der Scheidung. Verdienen beide Eheleute in etwa gleich viel und blieb die Ehe kinderlos, gibt es keine Unterhaltsansprüche. Unterhalt ist regelmäßig fällig, wenn der Mann der Allein- oder Besserverdiener ist und sich die Frau entweder voll und ganz um den Haushalt und die Kinder kümmert oder deswegen beruflich zurückgesteckt hat und nur mehr in Teilzeit arbeitet. Sind Kleinkinder im Spiel oder hat die Ehe länger angedauert, kann es nach dem verbindlichen Trennungsunterhalt zusätzlich zu einer nachehelichen Unterhaltsverpflichtung des finanziell besser gestellten Ehepartners kommen.

 

Im ersten Trennungsjahr soll der eheliche Lebensstandard trotz Trennung übergangsweise weiter aufrechterhalten werden. Der Trennungsunterhalt ist hierfür gedacht. Gibt es neben der Ehefrau noch unterhaltsberechtigte Kinder, muss geprüft werden, wie es um die finanzielle Leistungsfähigkeit des Ex-Partners steht. Zumal diesem ein Selbstbehalt nach der Düsseldorfer Tabelle zusteht. Von der Rangfolge her sind die Unterhaltsansprüche der Kinder zuerst zu bedienen, erst dann kommt der Ex-Partner, falls nicht alle Ansprüche bedient werden können.

 

Ehegattensplitting in den letzten Monaten nutzen

 

Im Jahr der Trennung ist es für alle Beteiligten meistens vorteilhafter, wenn das sogenannte Ehegattensplitting durch gemeinsame Veranlagung für dieses letzte Jahr beibehalten wird. Sollte der Unterhaltsempfänger auf eine Einzelveranlagung bestehen, kann der Unterhaltszahler einen Sonderausgabenabzug vornehmen. Allerdings ist dafür die Zustimmung des Unterhaltsempfängers notwendig. Im zweiten Kalenderjahr nach der endgültigen Trennung ist dann nur mehr die Einzelveranlagung möglich. Von da an kann der Unterhaltszahlende gezahlten Unterhalt mit der Zustimmung des Ex-Partners steuerlich als Sonderausgabe geltend machen.

 

Unterhaltszahlungen als Sonderausgaben

 

Unterhaltszahlungen können bis zu einem Höchstbetrag von 13.805 Euro jährlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Diese Maximalgrenze erhöht sich um den Betrag, der für die Basiskranken- und Pflegeversicherung des dauernd getrenntlebenden Partners aufgewendet wurde, sofern der Unterhaltszahler diese Kosten noch getragen hat. Er kann diesen Betrag allerdings nur ansetzen, wenn der Unterhaltsempfänger damit einverstanden ist und seinerseits denselben Betrag als sonstige Einkünfte in der Steuererklärung in der Anlage SO angibt und versteuert. In der Praxis ist das durch die Unterschrift des Ex-Partners auf der Anlage U, die der Unterhaltszahler seiner Steuererklärung beifügen muss, nachzuweisen.

 

Der Ex-Partner kann seine Zustimmung nur vor Beginn des Kalenderjahres, für das sie nicht mehr gelten soll, beim Finanzamt widerrufen. Die Zustimmung muss auch nicht bis zum Höchstbetrag erteilt werden, sondern kann auf einen Teilbetrag beschränkt werden. Infolgedessen ist auch nur dieser Teilbetrag zu versteuern, wenn Unterhalt in dieser Höhe bezahlt wurde und der Unterhaltszahler die Sonderausgaben abzieht.

 

Fehlt der Wille zu kooperieren

 

Will der Ex-Ehegatte dem sogenannten steuerlichen Realsplitting nicht zustimmen, kann die Genehmigung gegebenenfalls gerichtlich durchgesetzt werden. Allerdings ist der Unterhaltszahler auch ohne Gerichtsbeschluss bereits dazu verpflichtet, dem Unterhaltsempfänger sämtliche entstandenen finanziellen Nachteile durch die Versteuerung regelmäßig auszugleichen. Dies betrifft nicht nur Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, sondern unter Umständen auch die Kürzung von Sozialleistungen.

 

Der Unterhaltsempfänger hat also keinen finanziellen Nachteil, wenn er dem Ex-Partner das Realsplitting ermöglicht. Es ist eher so, dass der Unterhaltszahlende prüfen sollte, ob sich das für ihn unterm Strich überhaupt lohnt. Rentabel ist es nur dann, wenn die steuerliche Entlastung die Mehrbelastung durch den Nachteilsausgleich übersteigt.

 

Kommt es nach der Scheidung zu einer nachehelichen Unterhaltspflicht, so decken sich die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten im Grundsatz mit denen des Trennungsunterhalts. Sind die Ex-Ehegatten völlig zerstritten, gestaltet sich der steuerliche Abzug also schwierig, so die lohi.

 

E-Daten: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

 

Importierte Daten und die Beträge im Steuerbescheid sollten überprüft werden, da Fehler möglich sind

 

Der Trend zum papierlosen Büro ist bei den Finanzbehörden angekommen. Das Steuermodernisierungsgesetz bringt die Digitalisierung der Steuererklärung richtig in Fahrt. Steuererklärungen werden idealerweise online eingereicht, vorhandene Daten elektronisch verwaltet und eingespeist, Belege in Papierform nur mehr vorgehalten und die Prüfung erfolgt überwiegend automatisiert mittels Software. Der personelle Einsatz beschränkt sich auf Unstimmigkeiten und komplexe Steuerfälle. Viele Daten fließen somit nicht nur an den Sachbearbeitern im Finanzamt vorbei, sondern auch am Steuerpflichtigen, wenn er sich nicht die Mühe macht, sie auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen.

 

Fehler sind nicht nur menschlich, sondern bei jedem automatisiertem Vorgang möglich. Bei der Eingabe, Übermittlung und Einbindung der e-Daten können Fehler passieren. Im Ergebnis ist der Steuerpflichtige jedoch für seine Daten verantwortlich. Zahlen, die Institutionen an das Finanzamt übermitteln, werden so behandelt, als ob sie der Steuerpflichtige selbst in die Erklärung eingetragen hat. Daher sollte der Digitalisierung nicht blindes Vertrauen geschenkt werden, empfiehlt die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Abgabenordnung regelt Informationspflicht

 

Jedes Institut, das e-Daten einer Person an das Finanzamt übermittelt, ist verpflichtet, derjenigen Person diese Daten entweder in Briefform oder online im Kundenportal zukommen zu lassen. Das betrifft auch spätere Änderungen der Daten. Schriftstücke des Arbeitgebers, der Rentenversicherungen, der Krankenkasse, der Agentur für Arbeit, der Elterngeldstelle, der Banken und Bausparkassen sollten also unbedingt aufbewahrt und, falls sie nicht vorliegen, zur Kontrolle eingeholt werden. Sind die Beträge auf den Bescheinigungen falsch, so ist der Fehler zunächst direkt beim Aussteller des Schriftstückes zu reklamieren.

 

Abgleich der importierten e-Daten in ELSTER

 

Die erste Gelegenheit zur Überprüfung der für die Steuer verwendeten Zahlen ist der Datenimport in ELSTER. Die importierten Beträge sollten mit den vorhandenen Schriftstücken abgeglichen werden. Gibt es Differenzen, hat der Steuerzahler sofort die Möglichkeit, die e-Daten zu korrigieren, indem er sie überschreibt. Der manuelle Eintrag in Feldern von e-Daten führt dazu, dass diese Steuererklärung aus dem automatisierten Prozess herausgenommen und von einem Finanzbeamten geprüft wird. e-Daten werden zwar automatisch übernommen, sind aber für das Finanzamt nicht bindend. Bei einer Abweichung der Angabe durch den Steuerpflichtigen ist der Sachverhalt aufzuklären.

 

Prüfung der Daten im Steuerbescheid

 

Wird die Steuererklärung in Papierform beim Finanzamt eingereicht, so muss auf den Bescheid gewartet werden. Aber dann sollten die vom Finanzamt verwendeten e-Daten unbedingt überprüft werden. Auch Elster-Nutzern wird empfohlen, die Daten auf dem Steuerbescheid nochmals dahingehend zu überprüfen, ob die eigenen Eingaben im Steuerformular auch tatsächlich übernommen wurden und die Vorausberechnung mit dem Ergebnis im Bescheid übereinstimmt. Wurde z. B. die Arbeitnehmersparzulage nicht gewährt, kann es daran liegen, dass der Bausparkasse keine Zustimmung zur Datenübermittlung erteilt wurde.

 

Fehlen Daten oder wurden Beträge fehlerhaft übernommen, kann beim Finanzamt ein Einspruch eingelegt oder eine Änderung beantragt werden. Als Nachweis für die beantragte Änderung sind die entsprechenden gesammelten Schriftstücke einzureichen. Der geringere Zeitaufwand bei der Erstellung der Steuererklärung wird so wieder wettgemacht, indem das Prüfen des Steuerbescheids intensiver ausfallen sollte, so die Lohnsteuerhilfe Bayern. 

 

Steuern sparen mit Smartphone, Notebook & Co.

 

Ob dienstliche E-Mails auf dem privaten Smartphone, Webinare zur Weiterbildung auf dem eigenen Notebook oder ein letzter Feinschliff an der Präsentation am Abend vor dem nächsten großen Meeting: Wer private IT-Geräte und Software beruflich nutzt, kann die Ausgaben dafür als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Bei der Einkommensteuererklärung können sowohl die Anschaffungskosten als auch die monatlichen Kosten für die Telefon- und Internetnutzung berücksichtigt werden. Voraussetzung ist, dass der dienstliche Nutzungsanteil zumindest zehn Prozent umfasst. IT-Ausgaben können dabei helfen, die Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro zu überschreiten und die Steuerrückerstattung zu erhöhen. Erstattungsberechtigte Arbeitnehmer erhalten im Durchschnitt nach Daten des Statistischen Bundesamtes 1.027 Euro vom Fiskus zurück. Darauf weist der Digitalverband Bitkom hin.

 

Bitkom gibt Tipps, unter welchen Voraussetzungen die Kosten für IT als Werbungskosten angerechnet werden können:

 

Smartphone, Notebook, Drucker etc.: Wer privat angeschaffte IT-Geräte so gut wie ausschließlich (mindestens 90 Prozent) beruflich nutzt, kann die Kosten dafür in voller Höhe von der Steuer absetzen. Bei geringerer beruflicher Nutzung sind die Kosten in berufliche und private Nutzungsanteile aufzuteilen. Die Aufteilung ist bei einer Nachfrage des Finanzamts nachzuweisen. Hierfür sollte eine schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers vorgelegt werden können oder drei Monate lang die Nutzung des Geräts aufgezeichnet werden. Ist ein Nachweis nicht möglich, geht die Rechtsprechung von einer Aufteilung von 50 zu 50 (beruflich/privat) aus. Anschaffungskosten bis 800 Euro (netto) können im Jahr des Kaufs komplett geltend gemacht werden. Wird diese Wertgrenze überschritten, muss der Nettokaufpreis zusammen mit der gezahlten Umsatzsteuer über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Die 800-Euro-Grenze gilt für Hardware wie PC, Notebook oder Tablet sowie für zugehörige Peripheriegeräte wie Drucker, Monitor oder Maus. Für diese Geräte wird eine gewöhnliche Nutzungsdauer von drei Jahren angenommen. Für Smartphones beträgt die gewöhnliche Nutzungsdauer fünf und für Faxgeräte sechs Jahre. Wenn allerdings ein Zubehörteil kaputt geht oder eine Reparatur nötig wird, können die Ersatzkosten sofort (entsprechend dem beruflichen Nutzungsanteil des zugehörigen Geräts) abgezogen werden. Das Gleiche gilt für die Kosten von Verbrauchsmaterialien, etwa Toner, Tinte und Druckerpapier.

 

Software: Die steuerliche Beurteilung von beruflich genutzter Software orientiert sich an den Grundsätzen für die zugehörige Hardware. So wird als gewöhnliche Nutzungsdauer von Anwendungssoftware wie Textprogrammen drei Jahre angenommen. Ist der Anschaffungspreis der Software nicht höher als 800 Euro (netto), kann er im Jahr der Anschaffung in voller Höhe angesetzt und mit dem beruflichen Nutzungsanteil als Teil der Werbungskosten geltend gemacht werden.

 

Internet- und Telefongebühren: Steuerzahler können auch berufliche Telefon- und Internetkosten (Grundgebühr und Verbindungsentgelte) als Werbungskosten absetzen. Ohne Nachweis erkennt das Finanzamt 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens jedoch 20 Euro pro Monat pauschal als Werbungskosten an. Wer höhere Aufwendungen absetzen will, sollte mindestens drei Monate lang die berufliche Nutzung aufzeichnen. Dabei ist berufliche Nutzung sogar weiter gefasst als es viele Steuerzahler vermuten: Der Bundesfinanzhof erkennt sogar Kosten für rein private Telefonate mit der Familie steuermindernd an, wenn ein Steuerpflichtiger aus beruflichen Gründen länger als eine Woche von seiner Familie getrennt ist. Für Telefongebühren ist ein Einzelverbindungsnachweis über ein- und ausgehende Gespräche hilfreich. Beim Internetzugang ist in der Regel durch die Nutzung von Flatrates kein Einzelnachweis möglich. Daher überträgt die Rechtsprechung die Grundsätze für die Aufteilung von Hardware und nimmt bei fehlenden sonstigen Anhaltspunkten eine Aufteilung von 50 zu 50 (privat/beruflich) an.

 

Fortbildungen: Aufwendungen eines Arbeitnehmers für Computer-Kurse und Software-Schulungen werden in voller Höhe als Werbungskosten anerkannt. Voraussetzung ist, dass ein PC-Kurs mit der beruflichen Tätigkeit im Zusammenhang steht und die erworbenen Kenntnisse im Beruf eingesetzt werden. Das muss der Kursteilnehmer nachweisen. In jedem Fall sollte er eine Teilnahmebescheinigung für den Kurs vorweisen können. Besser ist eine Erklärung des Arbeitgebers, die den beruflichen Anlass der Schulung deutlich macht. Neben den Kursgebühren können die Fahrtkosten zum Kursort (0,30 Euro pro Kilometer bei Fahrten mit dem eigenen Auto oder Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel), Übernachtungskosten und Mehraufwendungen für Verpflegung geltend gemacht werden. Auch Reisekosten zu einer Messe können bei der Besteuerung geltend gemacht werden, soweit sie beruflich veranlasst sind. Aufgrund einer Rechtsänderung in § 3 Nr. 19 EStG sind mit Wirkung ab 1. Januar 2019 Zuschüsse des Arbeitgebers zu einer Fortbildung des Arbeitnehmers (zum Beispiel Computer- oder Programmierkurse) auch dann steuerfrei, wenn die Fortbildung nicht direkt mit der Beschäftigung des Arbeitnehmers in Zusammenhang steht, sondern lediglich seine allgemeine Beschäftigungsfähigkeit erhöht.

 

Private Nutzung der IT des Arbeitgebers: Im umgekehrten Fall, wenn der Arbeitnehmer also nicht eigene Geräte beruflich, sondern vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte IT-Geräte privat nutzt, gibt es übrigens keine steuerlichen Probleme. Die Vorteile, die ein Arbeitnehmer aus dieser Nutzung zieht, unterliegen regelmäßig weder der Einkommen- noch der Mehrwertsteuer. Schon 2012 hat der Gesetzgeber zudem klargestellt, dass sich die Steuerfreiheit auch auf Software und Anwendungen für mobile Endgeräte, also Apps, erstreckt, die vom Arbeitgeber für dienstliche Zwecke überlassen wurden, aber vom Arbeitnehmer auch privat genutzt werden dürfen.

 

Steuerliche Berücksichtigung des Homeoffice: Steht dem Arbeitnehmer in seinem Privathaushalt ein separates Arbeitszimmer zur Verfügung und hat er daneben keinen weiteren Arbeitsplatz – etwa weil der Arbeitgeber wegen der Corona-Epidemie das Büro geschlossen hat –, so können auch die Kosten für das private Arbeitszimmer als Werbungskosten angesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel anteilige Mietkosten, anteilige Finanzierungskosten bei Wohneigentum, anteilige Nebenkosten für Reinigung, Energie, Entsorgung, Versicherung und Grundsteuer sowie Abschreibungen für Schreibtisch und Schreibtischstuhl. Allerdings kann nur der Nutzungsanteil für berufliche Zwecke geltend gemacht werden. In seinen Vorschlägen für einen Digitalpakt Deutschland regt Bitkom eine Vereinfachung und Erweiterung des Werbungskostenabzugs für das Homeoffice an.

 

1.000-Euro-Grenze beachten: Die detaillierte Auflistung von beruflich bedingten Kosten für IT und Fortbildung lohnt sich nur, wenn die insgesamt im Jahr 2019 angefallenen berufsbedingten Kosten (inklusive der Kosten für den Weg zur Arbeit) 1.000 Euro überschreiten. Denn Werbungskosten bis 1.000 Euro erkennt das Finanzamt pauschal, das heißt ohne Einzelauflistung und Nachweis, steuermindernd an.

 

23,8 Millionen Bürger machen Steuererklärung im Internet

 

Steuern sparen ganz ohne Papierkram: Immer mehr Bundesbürger machen Schluss mit der Zettelwirtschaft und reichen ihre Steuerklärung einfach online beim Finanzamt ein. 23,8 Millionen Steuerzahler gaben ihre Einkommenssteuererklärung für das Steuerjahr 2018 über das Internet ab. Das ist ein Anstieg um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 23,1 Millionen Online-Steuererklärungen. Das berichtet der Digitalverband Bitkom auf Basis von Daten der Finanzverwaltung, die den Online-Dienst Elster betreibt. „Während die Digitalisierung der Verwaltung insgesamt nur langsam vorankommt, ist die Online-Steuererklärung ein Vorzeigebeispiel für einen bürgerorientierten digitalen Staat. Wer mit dem Finanzamt elektronisch kommuniziert, spart Aufwand, Zeit und Nerven – so sollte es bei allen Verwaltungsdienstleistungen sein“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Bei Gewerbetreibenden akzeptieren die Finanzbehörden mittlerweile ausschließlich elektronische Steuererklärungen. Bei Privatpersonen ist das dagegen grundsätzlich keine Pflicht. Ein großer Teil nutzt Software-Angebote kommerzieller Anbieter oder schaltet Steuerberater ein. „Um Elster weiter voranzubringen, sollte die Finanzverwaltung intensiver mit privaten Anbietern zusammenarbeiten, insbesondere bei den Schnittstellen zur Datenübermittlung“, ergänzt Berg.

 

Wer zu spät abgibt, muss mit Sanktionen rechnen

 

Ende Juli endet die Abgabefrist für Einkommenssteuererklärungen für das Steuerjahr 2019. Wer seine Steuererklärung durch einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein erstellen lässt, hat bis zum 1. März 2021 Zeit, weil der 28. Februar auf ein Wochenende fällt. Wer die Frist verpasst, dem droht ein Verspätungszuschlag. Wer jedoch aufgrund der Corona-Krise nicht in der Lage ist, die Abgabefrist einzuhalten, kann beim zuständigen Finanzamt mit formlosem Schreiben eine Fristverlängerung beantragen. Das Schreiben sollte die eigene Steuernummer und eine Begründung für die Fristverlängerung enthalten.

 

Belege müssen nur noch auf Nachfrage eingereicht werden

 

Belege und separate Aufstellungen müssen Arbeitnehmer grundsätzlich nicht mehr an das Finanzamt versenden. Es reicht aus, wenn diese für mögliche Rückfragen aufbewahrt werden. Denn die meisten für die Besteuerung wichtigen Nachweise werden von Dritten, etwa Arbeitgebern, Banken und Sozialversicherungen, in digitaler Form an die Finanzverwaltung übermittelt und können automatisch in die Steuererklärung übernommen werden. Damit ist die Bearbeitung der Steuererklärung in der Regel durchgängig elektronisch und automatisch möglich.

 

Verschiedene Wege zur Online-Steuererklärung

 

Bei der Online-Steuererklärung haben Verbraucher die Wahl zwischen Steuerprogrammen, die von klassischer Download-Software über mobile Apps bis zu browserbasierten Lösungen reichen. Privatwirtschaftliche Anbieter legen großen Wert auf Nutzerorientierung und geben zusätzliche Tipps zum Steuersparen. Aktuell können außerdem das Programm Elster-Formular oder Mein Elster von der Finanzverwaltung genutzt werden. Das Programm Elster-Formular bietet die Finanzverwaltung in diesem Jahr zum letzten Mal an. Dieser Service wird eingestellt, so Bitkom.

 

Fehlerhafte oder unvollständige Angaben in der Steuererklärung

 

Korrektur von Steuererklärung: Manchmal stellt man erst nach der Abgabe fest, dass man etwas vergessen hat

 

Die Steuererklärung ist bereits abgegeben und dann stellt man fest, dass einem ein Fehler unterlaufen ist. Beispielsweise wurde eine Stelle zu viel bei einer Zahl angehängt, Einnahmen aus einer Nebentätigkeit vergessen, ein Ausgabenbeleg aus einem anderen Jahr eingerechnet oder zu einem späteren Zeitpunkt sind noch steuerrelevante Einnahmen aufgetaucht. Wird ein Fehler erkannt, ist es die gesetzliche Pflicht des Bürgers, diesen zu melden und richtigzustellen. Das muss nicht ausschließlich die letzte Steuererklärung betreffen, es kann sich auch um frühere Steuererklärungen handeln.

 

Ansprechpartner bei falschen Angaben ist immer das Finanzamt, egal, ob der Fehler versehentlich oder vorsätzlich passiert ist. Werden Angaben absichtlich falsch eingetragen, um einen Steuervorteil zu erlangen, macht sich der Steuerpflichtige strafbar. Wird einem ein Fehler bewusst, sollte diese Information umgehend an die zuständige Finanzbehörde gemeldet werden. Meldet man den erkannten Fehler nicht an das Finanzamt, macht man sich ebenfalls strafbar, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Korrekturen bei einem ausstehenden Steuerbescheid

 

Ist der Steuerbescheid noch nicht zugestellt worden, sind Korrekturen ganz einfach. Nach der Kontaktaufnahme mit dem Finanzamt wird der zuständige Sachbearbeiter die Bearbeitung der Steuererklärung normalerweise auf Eis legen und eine Frist für die Nachbesserung benennen. Die Richtigstellung kann formlos, wie bei einem simplen Zahlendreher, oder komplett als korrigierte Steuererklärung eingereicht werden.

 

Korrekturen bei zugestellten Steuerbescheiden

 

Lag der Steuerbescheid schon im Briefkasten, gilt ab Zustellung eine Frist von vier Wochen, um Einspruch einzulegen. In diesem Zeitraum kann eine Nachbesserung zusammen mit einem Antrag auf Änderung vorgenommen werden. Dies gilt aber nur für Fälle, in denen der Steuerzahler seine Steuerlast nach der Abgabe noch zum eigenen Vorteil mindern möchte, z.B. weil er noch verschollene Rechnungen gefunden hat. Nach Ablauf der vier Wochen kann der Steuerpflichtige keinen vergessenen Steuervorteil mehr geltend machen.

 

Korrekturen von Angaben zum eigenen Nachteil

 

Hat eine fehlerhafte Angabe von vornherein die Steuerschuld gemindert, ist nicht die vierwöchige Einspruchsfrist, sondern die vierjährige Festsetzungsfrist für kleinere Fehler maßgebend. Bei einer leichtfertigen Steuerverkürzung verlängert sich die Frist auf fünf Jahre. Kommt der Finanzbeamte zu dem Entschluss, dass es sich um echte Steuerhinterziehung handelt, weil man die Angaben vorsätzlich falsch gemacht hat, führt das zu einer Verlängerung der Frist auf zehn Jahre. Die Fristen beginnen mit dem auf die jeweilige Steuerklärung folgenden Jahr.

 

Hat ein Steuerbetrüger Angst, dass seine Täuschung auffliegen könnte, wird geraten, die falschen Angaben beim Finanzamt selbst anzuzeigen. Wird die daraufhin festgestellte Steuerschuld nach dem Erlass des geänderten Steuerbescheids unverzüglich beglichen, kann eine Strafe noch abgewendet werden. Dafür ist es entscheidend, dass wirklich alle Fehler berichtigt wurden, sonst kann trotz einer Nacherklärung eine Geldstrafe oder sogar Freiheitsentzug drohen. Bei einer Nacherklärung sollte in jedem Fall fachkundiger Rat eingeholt werden, empfiehlt die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Geänderte Steuerformulare für 2019

 

Dunkelgrüne Felder sind für eDaten und müssen nicht mehr ausgefüllt werden

 

Alle Steuerpflichtigen, die bereits Jahr für Jahr an ihrer Steuererklärung gesessen haben, werden feststellen, dass sich die Papiervordrucke in diesem Jahr stark verändert haben. Zum ersten Mal sind einige Zeilen in einem anderen Grünton hervorgehoben. Für Angaben, die bisher auf dem Mantelbogen zu machen waren, wurden vier neue Anlagen geschaffen.

 

Verkürzter Hauptvordruck

 

Der Hauptvordruck oder ehemals Mantelbogen bestand bisher aus vier Seiten. Das neue Formular wurde auf zwei Seiten reduziert. Die erste Seite blieb unverändert. Auf der zweiten Seite werden nun Angaben erfragt, wie wohin der Steuerbescheid geschickt werden soll, ob ein Antrag auf die Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage gestellt wird oder ob Einkommensersatzleistungen bezogen wurden.

 

Elektronische Daten

 

Das Finanzamt hat bereits alle elektronisch übermittelten Daten von Arbeitgebern, Rentenversicherungen, Krankenkassen und Sozialleistungsträgern für das Steuerjahr 2019 erhalten. Diese Daten müssen erstmals nicht mehr in die Formulare eingetragen werden. Für sie gibt es spezielle dunkelgrüne Felder, die sind zusätzlich mit „e“ im Sinne von eDaten markiert sind. Dunkelgrüne Felder dürfen also leer bleiben, es sei denn es ist bekannt, dass die gemeldeten Daten falsch waren.

 

Neue Anlagen

 

Trotz halbiertem Hauptvordruck wurde die Steuererklärung nicht verkürzt. Im Gegenteil, die neuen Anlagen machen den Packen an Vordrucken dicker. Die neuen Formulare umfassen Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen, haushaltsnahe Aufwendungen inklusive Handwerkerleistungen sowie sonstige Anlagen. Alle weiteren, bisher bekannten Anlagen blieben im Großen und Ganzen unverändert und sind nur bei Bedarf abzugeben.

 

Elektronische Formulare

 

Die Steuerformulare am Bildschirm sind in einem FormsForWeb-Format, das die eingegebenen Werte speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen kann, so dass das Bearbeiten der Steuererklärung fortgesetzt werden kann. Allerdings ist das Speichern und Wiederaufrufen der Daten recht umständlich, weshalb das nicht wirklich empfehlenswert ist. Dazu sind diese Formulare nicht elektronisch an das Finanzamt übermittelbar und müssen postalisch eingereicht werden. Eine elektronische Steuererklärung ist nur über die Plattform ELSTER möglich.

 

Vereinfachte Steuererklärung entfällt

 

Da die eDaten bereits seit Anfang März vorliegen, viele Menschen infolge von Corona über mehr Zeit verfügen und uns einige Feiertage bevorstehen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, sich seiner Steuererklärung zu widmen. Außerdem naht der 31. Juli, die reguläre Abgabefrist für Selbstersteller. Wer keine Anlagen ausfüllen möchte, kann anstatt der bisher „vereinfachten Steuererklärung für Arbeitnehmer“ nun einfach den zweiseitigen Hauptvordruck abgeben. Allerdings ist in diesen Fällen selten eine Erstattung vom Finanzamt zu erwarten.

 

Wird ein Lohnsteuerhilfeverein in Anspruch genommen, verlängert sich nicht nur die Abgabefrist bis Ende Februar 2021. Aufgrund der professionellen Bearbeitung wird in vielen Fällen eine höhere Rückerstattung erfolgen. Für Mitglieder der Lohnsteuerhilfe Bayern e. V. gab es beispielsweise mehr als 1.400 Euro für das Veranlagungsjahr 2018 im Durchschnitt aller Erstattungen zurück.

 

Steuerliche Erleichterungen für Arbeitnehmer in der Corona-Krise

 

Durch die Corona-Krise verschiebt sich einiges am Arbeitsmarkt. Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt oder unter Umständen sogar gekündigt, andere verlieren ihre dringend benötigten Nebenjobs. Wie auch immer, das Einkommen dieser Arbeitnehmer sinkt und es kann zu finanziellen Engpässen kommen. Die laufenden Ausgaben stehen weiterhin an und wenn es ungünstig läuft, dann stellt das Finanzamt auch noch Forderungen. Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer und Rentner in dieser Situation gegenüber dem Finanzamt?

 

Voraussetzung für diverse Steuererleichterungen ist, dass der Steuerpflichtige unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Krise betroffen ist. "Für das Finanzamt ist es ausreichend, wenn kurz begründet wird, dass sich die persönliche Einkommenssituation wegen der Krise, z.B. aufgrund eines Wegfalls des Zweitjobs in der Gastronomie, verschlechtert hat und daraus Zahlungsschwierigkeiten entstanden sind", erklärt die Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. (Lohi).

 

Verspätungszuschläge wegbekommen

 

Wurde die Einkommensteuererklärung für das Kalenderjahr 2018 aufgrund einer Corona-bedingten Überlastung zu spät durch den Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beim Finanzamt eingereicht und deswegen bereits ein Verspätungszuschlag festgesetzt, so kann dieser durch Antrag wieder aufgehoben werden. Darum wird sich normalerweise der Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein kümmern.

 

Einkommensteuervorauszahlungen reduzieren

 

Hat das Finanzamt mit dem letzten Einkommensteuerbescheid eine vierteljährliche Vorauszahlung festgesetzt, so kann die Höhe jetzt angepasst werden, wenn sich das Einkommensniveau gegenüber dem letzten Jahr verschlechtert hat. Auf Antrag durch den Betroffenen ist eine Reduktion bis auf null Euro möglich, da sich die Grundlage der Besteuerung vermindert hat. Zudem können sogar bereits geleistete Vorauszahlungen zurückerstattet werden.

 

Stundung der Lohnsteuer

 

Unternehmen können die Lohnsteuerzahlungen gegenüber dem Finanzamt aufschieben, in dem sie eine Fristverlängerung für die Abgabe der Lohnsteueranmeldung in Anspruch nehmen. Von einer Stundung der Lohnsteuer können Arbeitnehmer aber nicht Gebrauch machen, denn diese wird mit dem Ausbezahlen des Lohns fällig und vom Arbeitgeber automatisch einbehalten und an das Finanzamt, wenn auch später, abgeführt. Erhält der Mitarbeiter wegen der Krise einen geringeren Lohn, so reduziert sich die Lohnsteuer immerhin von selbst.

 

Einkommensteuernachzahlungen aufschieben

 

Wurde mit dem letzten Steuerbescheid mitgeteilt, dass eine Nachzahlung eines höheren Betrags fällig ist, so haben Rentner oder Arbeitnehmer zwei Möglichkeiten. Kann die Nachzahlung aufgrund der aktuellen Einkommenshöhe nicht fristgerecht in voller Höhe geleistet werden, kann mit dem Finanzamt eine Ratenzahlung vereinbart werden.

 

Alternativ kann auch ein Antrag auf Stundung der Nachzahlung gestellt werden. Durch die Stundung verfällt die Nachzahlung zwar nicht, aber sie kann zu einem späteren Zeitpunkt getätigt werden. Wegen der Corona-Krise ist der Aufschub bis zum Jahresende möglich. Daher sollte so bald wie möglich begonnen werden, eine Rücklage dafür zu bilden.

 

Stundungszinsen entfallen

 

Für eine offene Steuerschuld werden ab dem ersten Tag der Stundung Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent pro Monat fällig. Das ist bei den derzeitigen Zinsen am Kapitalmarkt sehr hoch, denn der Zinssatz pro Jahr liegt damit bei 6 Prozent. Eine genehmigte Stundung bringt normalerweise nicht automatisch den Erlass der Zinsen mit sich, es sei denn, der Antrag auf Stundung wird wegen der Corona-Krise gestellt. Dann erfolgt die Stundung zinslos.

 

Säumniszuschläge wegbekommen

 

Ist aufgrund einer noch offenen oder verspäteten Nachzahlung bereits ein Säumniszuschlag, also eine Strafgebühr in Höhe von einem Prozent pro Monat auf die Steuerschuld, systembedingt festgesetzt worden, weil der vom Finanzbeamten gesetzte Termin für die Zahlung längst überschritten wurde, so kann dieser auf Antrag hin ebenfalls erlassen werden.

 

Pfändungen verhindern

 

Unternehmen, denen der Besuch eines Vollstreckungsbeamten vom Finanzamt blüht, weil sie seit Längerem Steuerschulden haben, können dies mit Hinweis auf die Corona-Krise aktuell verhindern. Pfändungen wegen Steuerschulden können bis zum 31. Dezember 2020 auf Antrag wegen Zahlungsschwierigkeiten ausgesetzt werden. Diese Regelung könnte auch bei Privatpersonen funktionieren. Steht der Kuckuck ins Haus, kann es sich lohnen, beim Finanzamt einen Antrag mit Bezug auf die Corona-Unternehmerregelung zu stellen, um die Pfändung hinauszuzögern.

 

Die Finanzämter sind derzeit angehalten, Erleichterungen unbürokratisch und großzügig zu gewähren und Vollstreckungsmaßnahmen auszusetzen, um vorliegende existentielle Bedrohungen nicht zu verschärfen. Als Hilfe gibt es teilweise vorgefertigte Formulare für Anträge auf den Webseiten der einzelnen Bundesländer zum Ausdrucken. Die Anträge können auch formlos oder als Elster-Nachricht, müssen aber in jedem Fall schriftlich, beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden.

 

Versicherungsbeiträge richtig von der Steuer absetzen

 

Für viele Steuerpflichtige bestehen Unklarheiten, welche Versicherungsbeiträge sie wie von der Steuer absetzen können. Beiträge werden daher in der Steuererklärung oft nicht bzw. nicht hinreichend als Sonderausgaben oder Werbungskosten deklariert. „Altersvorsorgeaufwendungen und Beiträge zu anderen Versicherungen haben jedoch das Potenzial, das zu versteuernde Einkommen und damit die individuelle Steuerlast erheblich zu verringern“, so die Steuerberaterkammer Stuttgart.

 

Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung

 

Steuerpflichtige können Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung bis zu einem bestimmten Höchstbetrag als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Unter die Basisversorgung fallen u. a. die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zur landwirtschaftlichen Alterskasse, zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen und zur sogenannten Rürup-Rente. Für das Jahr 2019 erkennt das Finanzamt 88 Prozent dieser Beiträge bis zu einer Bemessungsgrenze von maximal 21.388 Euro als Sonderausgaben an. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Betrag.

 

Beiträge zur Riester-Rente

 

Die Riester-Rente kennen viele. Diese wird in der Ansparphase durch Zulagen und Steuervorteile in Form eines Sonderausgabenabzugs vom Staat gefördert. Der Sonderausgabenabzug in Höhe von maximal 2.100 Euro wird jedoch nur gewährt, wenn er sich für den Steuerpflichtigen gegenüber der Gewährung von Zulagen als günstiger darstellt. Der Betrag verdoppelt sich auch hier bei zusammenveranlagten Ehegatten, wenn beide zum begünstigten Personenkreis gehören. Die jährliche Grundzulage beträgt bis zu 175 Euro. Die Kinderzulage beträgt bei vor 2008 geborenen Kindern 185 Euro pro Kind, bei ab 2008 geborenen Kindern 300 Euro pro Kind. Die sogenannte Günstigerprüfung erfolgt dabei automatisch durch das Finanzamt. Dabei sind die gezahlten Riester-Beiträge, der individuelle Steuersatz und die Anzahl der Kinder von entscheidender Bedeutung.

 

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

 

Dem Steuerpflichtigen steht auch für sonstige Vorsorgeaufwendungen ein Sonderausgabenabzug zu. Neben der Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung fallen darunter auch Beiträge für eine Haftpflicht-, Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung. Lebens- oder Rentenversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind ebenfalls begünstigt.

 

Die absetzbare Höchstgrenze liegt hier bei 1.900 Euro pro Jahr für Arbeitnehmer und Beamte sowie 2.800 Euro für Selbstständige. Bei Verheirateten sind die für die beiden Ehepartner jeweils geltenden Beträge zu addieren. Die Höchstbeträge werden allerdings oftmals durch die Beiträge für die Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung bereits ausgeschöpft. Ein weiterer Entlastungseffekt durch die Beiträge für andere Versicherungen wird daher nur im Einzelfall eintreten.

 

Andere Versicherungen

 

Beiträge für Versicherungen, die ausschließlich berufliche Risiken abdecken, können in der Regel unbegrenzt als Werbungskosten abgesetzt werden. Dazu gehören die Berufshaftpflicht-, die Arbeitsrechtsschutz- oder eine Unfallversicherung, die nur bei Arbeitsunfällen greift.

 

Die Beiträge zu einer Hausrats- oder privat veranlassten Rechtsschutzversicherung sind hingegen nicht von der Steuer absetzbar. Letztlich muss für jede Versicherung individuell geprüft werden, ob eine steuerliche Entlastung möglich ist.

 

Fazit

 

Wer sich nicht sicher ist, ob und wie Versicherungsbeiträge steuerlich zu berücksichtigen sind, sollte sich Unterstützung bei der Erstellung der Steuererklärung besorgen. Bei Fragen und Unsicherheiten rund um die steuerliche Behandlung von Versicherungsbeiträgen stehen Steuerberater als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung. Steuerberater werden dabei immer auch die steuerlichen Auswirkungen in der Auszahlungsphase prüfen. 

 

Corona und Kurzarbeit: Wann Sie eine Steuererklärung abgeben müssen

 

Höher, schneller, leichter: Aufgrund der Corona-Pandemie verbessert die Bundesregierung das Kurzarbeitergeld. Aber: Wer Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten hat, für den besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Außerdem erhöht sich durch den Bezug von Kurzarbeitergeld der Progressionsvorbehalt. Die wichtigsten Informationen samt einem Rechenbeispiel zeigt der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) in einem Überblick.

 

Schneller und einfacher zum Kurzarbeitergeld

 

Bislang waren es 30 Prozent der Beschäftigten, die in einem Betrieb von Arbeitsausfall betroffen sein mussten, jetzt wird Kurzarbeit bereits bei einem Anteil von lediglich zehn Prozent betroffener Beschäftigter anerkannt. Arbeitnehmer sind außerdem derzeit nicht verpflichtet, die ausgefallene Arbeitszeit auf einem Arbeitszeitkonto zu sammeln ("negatives Arbeitszeitsaldo"), bevor Kurzarbeit ermöglicht wird. Die dritte entscheidende Erleichterung ist, dass die Sozialversicherungsbeiträge, wie sie auch bei Kurzarbeit zu entrichten sind, den Arbeitgebern in voller Höhe erstattet werden.

 

Antrag auf Kurzarbeit stellt der Arbeitgeber

 

Unternehmern erhalten Kurzarbeitergeld zu den leichteren Bedingungen dann, wenn ihnen wirtschaftliche Einbußen wegen des Coronavirus und der damit zusammenhängenden Einschränkungen entstehen. Die Beantragung ist Sache des Arbeitgebers. Dieser muss die Details mit der Agentur für Arbeit klären. Arbeitnehmer müssen also nicht aktiv werden.

 

Das Kurzarbeitergeld kann rückwirkend zum 1. März 2020 beantragt und kurzfristig ausbezahlt werden.

 

So viel Kurzarbeitergeld gab es bis dato

 

Für Arbeitnehmer bringt das Kurzarbeitergeld finanzielle Einbußen mit sich. Die Agentur für Arbeit übernimmt bislang nur 60 Prozent des entgangenen Lohns, bei Arbeitnehmern mit einem oder mehreren Kindern zahlt sie bis dato 67 Prozent für maximal zwölf Monate. Die Mitgliedschaft in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bleibt erhalten und die gesetzlichen Urlaubsansprüche bestehen.

 

Neu: Anhebung des Kurzarbeitergeldes

 

Die Koalitionsspitzen heben das Kurzarbeitergeld gestaffelt an. Wer das Kurzarbeitergeld für eine um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit bezieht, erhält ab dem vierten Monat des Bezugs 70 Prozent. Für Haushalte mit Kindern sind es 77 Prozent. Ab dem siebten Monat des Bezuges bekommen Arbeitnehmer ohne Kinder 80 Prozent und Haushalte mit Kindern 87 Prozent - und zwar längstens bis Ende 2020.

 

Außerdem: Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit, die sich etwas hinzuverdienen, werden ab 1. Mai bis Ende 2020 bereits bestehende Hinzuverdienstmöglichkeiten erweitert.

 

Nebenbeschäftigung während Kurzarbeit möglich

 

Bisher galt: Hatten Arbeitnehmer vor ihrer Kurzarbeit eine Nebenbeschäftigung, wurde der Lohn aus dieser Nebenbeschäftigung nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Wer allerdings während der Kurzarbeit eine neue Nebenbeschäftigung anfing, musste damit leben, dass dieses Einkommen in voller Höhe auf die Lohnersatzleistung angerechnet wurde. Das Kurzarbeitergeld fiel entsprechend geringer aus.

 

Im Zuge der Corona-Krise hat die Bundesregierung nun diese Regelung vorübergehend fallen gelassen. Ab sofort haben Kurzarbeiter die Möglichkeit, zusätzliches Geld zu verdienen, ohne dass es sich auf das Kurzarbeitergeld auswirkt.

 

Kurzarbeitergeld erhöht den Progressionsvorbehalt - ein Rechenbeispiel

 

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, da es durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung getragen wird. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Lohnersatzleistung - die allerdings dem steuerlichen Progressionsvorbehalt unterliegt. Dadurch erhöht sich der persönliche Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen versteuert wird.

 

Ein Rechenbeispiel: Ein Arbeitnehmer ist kinderlos und verdient netto normalerweise 1.332 Euro. Sein Arbeitgeber beantragt für einen Monat Kurzarbeit und streicht die Hälfte der Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche. Der Nettolohn des Arbeitnehmers sinkt damit auf beispielsweise 777 Euro, also 555 Euro weniger. Die Bundesagentur übernimmt 60 Prozent des entgangenen Nettolohns, also 333 Euro. Zusammen kommt der Arbeitnehmer auf 1.110 Euro. Somit verdient er 222 Euro weniger. Ohne Kurzarbeitergeld würde er 555 Euro weniger verdienen.Zusammen kommt der Arbeitnehmer auf 1.110 Euro, also dank Kurzarbeitergeld auf 222 Euro weniger, statt 555 Euro.

 

Die 333 Euro Kurzarbeitergeld aus dem Rechenbeispiel sind für den Arbeitnehmer steuerfrei. Aber der persönliche Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen versteuert werden muss, erhöht sich. Je nachdem, wie lange und wie viel ein Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld bezieht, können für ihn dadurch mehr Steuern anfallen als vorher - obwohl er Kurzarbeitergeld erhalten hat, statt den vollen Lohn.

 

Energetische Gebäudesanierung: Bis zu 40.000 Euro von der Steuer absetzen

 

Neue Fenster, neue Heizung, Wärmedämmung: Seit dem 1. Januar 2020 lassen sich für diese und ähnliche Sanierungsmaßnahmen am eigenen Haus bis zu 40.000 Euro steuerlich absetzen. Um welche Maßnahmen es dabei geht und wie es funktioniert, zeigt der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH).

 

Im Herbst 2019 beschloss das Bundeskabinett das Klimaschutzprogramm 2030. Wer eine Immobilie besitzt und selbst bewohnt, kann demnach seit diesem Jahr folgende Maßnahmen steuerlich absetzen:

 

   - Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken,

   - Erneuerung der Fenster oder Außentüren,

   - Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage,

   - Erneuerung einer Heizungsanlage,

   - Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und

     Verbrauchsoptimierung,

   - Optimierung bestehender Heizungsanlagen.

 

Absetzbar sind 20 Prozent der Aufwendungen, maximal insgesamt 40.000 Euro, und zwar verteilt über drei Jahre. In dem Jahr, in dem die energetische Gebäudesanierungsmaßnahme erfolgt, sowie im darauffolgenden Kalenderjahr sind maximal sieben Prozent der Kosten und höchstens 14.000 Euro absetzbar; im zweiten darauffolgenden Kalenderjahr maximal sechs Prozent der Aufwendungen und höchstens 12.000 Euro.

 

Wichtig: Wer eine energetische Gebäudesanierungsmaßnahme von der Steuer absetzen will, benötigt dafür eine Rechnung. Darin müssen in deutscher Sprache die förderungsfähige energetische Maßnahme, die Arbeitsleistung des Fachunternehmens und die Adresse des Gebäudes beschrieben sein. Außerdem erkennt das Finanzamt lediglich per Überweisung gezahlte Rechnungen an, keine Barzahlungen.

 

Drei Viertel der Deutschen zahlen gern Steuern

 

Neue repräsentative Umfrage für das Bundesfinanzministerium

 

Die Einstellung der Deutschen zu Steuern und Steuersystem ist nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesfinanzministeriums deutlich positiver als allgemein angenommen: Drei Viertel oder 76 Prozent der Bürger geben in der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Public an, persönlich gern Steuern zu zahlen und damit einen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten. Die Umfrageergebnisse liegen der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Donnerstag) exklusiv vor. Eine breite Mehrheit von 77 Prozent ist zudem der Meinung, der Staat solle für gute Lebensbedingungen sorgen und seine Bürger absichern, "auch wenn dies mit höheren Steuern verbunden ist".

 

Die breite Mehrheit von 87 Prozent befürwortet die einkommensabhängige Steuerprogression, die Besserverdienende proportional stärker belastet als Geringverdiener. Allerdings ist auch eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der Befragten der Meinung, sie müssten persönlich zu viel Steuern und Abgaben zahlen. Acht von zehn Befragten (82 Prozent) sind der Auffassung, dass es keine Steuergerechtigkeit gebe, "weil die Reichen doch immer einen Weg finden, um weniger Steuern zu zahlen als sie müssten".

 

Steuerhinterziehung müsse hart bestraft werden, findet die überwältigende Mehrheit der Bürger - egal, ob es sich dabei um Unternehmen (97 Prozent) oder Privatpersonen (92 Prozent) handelt. Allerdings sind nur 38 Prozent der Befragten der Meinung, dass Steuergeld im Allgemeinen sinnvoll verwendet wird.

 

Wenn sie selbst entscheiden könnten, würden die Bürger diese Prioritäten setzen: Auf Platz eins der wichtigsten finanzpolitischen Handlungsfelder rangieren mit 90 Prozent Zustimmung mehr Investitionen in Bildung und Erziehung. Auf Platz zwei folgen mit 87 Prozent Mehrausgaben für die Pflege. Investitionen in mehr bezahlbaren Wohnraum nennen 80 Prozent der Befragten. Dagegen rangiert der Schuldenabbau auf dem vorletzten Platz (23 Prozent) und Ausgaben für Rüstung und Verteidigung mit nur acht Prozent Unterstützung sogar auf dem letzten Platz der Skala. Die Befragten sollten jeweils vier finanzpolitische Ziele nennen und diese dann nach ihrer Wichtigkeit einordnen.

 

Gesetzesnovelle ermöglicht mehr Bürgern kostengünstige Einkommensteuerberatung

 

Gute Nachrichten zu Jahresbeginn

 

Das Steuerberatungsgesetz (StBerG) gibt in Deutschland vor, bei welchen Einkunftsarten und bis zu welchen Einkommensgrenzen in einen Veranlagungsjahr ein Lohnsteuerhilfeverein helfend tätig werden darf. Mussten in der Vergangenheit zum Beispiel Steuerpflichtige mit höheren Mieteinnahmen von Lohnsteuerhilfevereinen aufgrund der begrenzten Beratungsbefugnis abgewiesen werden, so bringt das Dritte Bürokratieabbaugesetz ab dem 01.01.2020 für die Bürger Verbesserungen.

 

Die Grenzbeträge für andere Einkunftsarten wurden für Einzelveranlagte um 5.000 Euro jährlich auf 18.000 Euro und für Zusammenveranlagte auf 36.000 Euro erhöht. Sie betreffen in erster Linie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, aber z. B. auch Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften oder Einkünfte aus Kapitalvermögen, soweit diese nicht abgeltend besteuert wurden. Aufgrund der hohen Mietpreise in Großstädten war die gesetzlich beschlossene Erweiterung der Einkommensgrenzen längst überfällig.

 

Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, Unterhaltsleistungen, Renten oder andere Altersbezüge, Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen, Pensionsfonds, Pensionskassen und Direktversicherungen stehen einer Mitgliedschaft in einem Lohnsteuerhilfeverein niemals entgegen. Darüber hinaus dürfen Übungsleiter, ehrenamtliche Helfer und kommunale Mandatsträger auch dann betreut werden, wenn sie selbstständig tätig sind, die Einnahmen aber aufgrund von Freibeträgen steuerfrei sind. Betreiber von Photovoltaikanlagen sind weiterhin ausgeschlossen, da sie steuerlich als Unternehmer gelten.

 

Die neuen Einkommensgrenzen gelten ab sofort auch rückwirkend für Steuerjahre vor 2020. So mancher Arbeitnehmer, Rentner oder Pensionär kann daher ab sofort von den Vorteilen eines Lohnsteuerhilfevereins, die ihm in der Vergangenheit verwehrt blieben, profitieren. Die Gesetzesnovelle macht es möglich, sich z. B. bei der Lohi umfassend, aber kostengünstig steuerlich beraten zu lassen und die lästige Erstellung einer Steuererklärung und Prüfung des Steuerbescheids in die Hand von Profis zu übergeben, die meistens ein paar Euros mehr an steuerlicher Rückerstattung herausholen können.

 

Steuererklärung: So berechnen Berufstätige ihre Arbeitstage

 

Das Jahr hat 365 Tage, doch an wie vielen Tagen hat ein Arbeitnehmer gearbeitet? Die Antwort darauf ist entscheidend für die Berechnung der Pendlerpauschale: Je mehr Arbeitstage umso höher die Pendlerpauschale und umso größer die zu erwartende Steuerrückerstattung. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, wie Arbeitstage korrekt berechnet werden und warum das so wichtig ist.

 

Korrekte Berechnung der Arbeitstage: So geht's

 

   1. Ziehen Sie die Wochenenden von den 365 Tagen ab. Übrig bleiben etwa 260 Arbeitstage.

   2. Rechnen Sie die Feiertage, Urlaube, Krankheitstage, Fortbildungen, Dienstreisen und Betriebsausflüge heraus.

   3. Das Ergebnis ist die Anzahl der Arbeitstage, an denen Sie als Arbeitnehmer gearbeitet haben.

 

Sie sind unsicher, wie viele Wochenend- und Feiertage es in Ihrem Bundesland gibt? Der VLH-Arbeitstage-Rechner hilft weiter: https://www.vlh.de/wissen-service/steuerrechner/arbeitstage-berechnen.html

 

Zu viel oder zu wenig Arbeitstage berechnet: das passiert

 

Finanzbeamte schauen gerne genau hin: Sind in der Steuerklärung zum Beispiel viele Fortbildungskosten eingetragen? Oder etliche Arztrechnungen? Passt das zu der Anzahl der angegebenen Arbeitstage?

 

Im Zweifel kann das zuständige Finanzamt Sie dazu auffordern, die Anzahl Ihrer Arbeitstage nachzuweisen. Zum Beispiel durch ein Schreiben vom Arbeitgeber. Im schlimmsten Fall kann sogar ein Strafverfahren drohen, beispielsweise wenn wiederholt zu viele Arbeitstage angegeben wurden.

 

Umgekehrt gilt: Wer zu wenige Arbeitstage angibt, hat Pech gehabt und erhält für seine Fahrten zur Arbeit weniger Steuern zurück als ihm zustehen.

 

Seit 1. Januar 2020: Steuerklasse kann mehrmals im Jahr gewechselt werden

 

Ehegatten und Lebenspartner konnten bislang einmal im Jahr ihre Steuerklasse wechseln. Nur in Ausnahmefällen war es möglich, die Steuerklassenkombination im gleichen Jahr ein zweites Mal zu wechseln. Neu: Ab sofort können Ehe- und Lebenspartner mehrmals im Jahr ihre Steuerklasse ändern und damit die für sie steuergünstigste Kombination wählen. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) mit den wichtigsten Details im Kurz-Überblick.

 

Steuerklassenwechsel: Das ist neu ab 1. Januar 2020

 

   - Ehepartner und Lebenspartner können ihre Steuerklassen mehrfach pro Jahr wechseln.

   - Das geht über den zweiseitigen "Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern", den es in Papierform bei jedem Finanzamt gibt oder online auf den Internetseiten des Bundesfinanzministerium.

   - Die geänderte Steuerklassenkombination gilt mit Beginn des nächsten Monats, der auf die Antragstellung folgt. Beispiel: Wer seine Steuerklassen am 14. März ändert, für den gilt die neue Kombination ab dem 1. April.

   - Wichtig: Ehepaare und Lebenspartner, die möchten, dass eine bestimmte Steuerklassenkombination noch für das laufende Jahr gilt, müssen sie nach wie vor bis spätestens zum 30. November geändert haben. Damit sind diejenigen gemeint, die im Laufe eines Kalenderjahres ihre Steuerklassenkombination nicht geändert haben, aber für die eine andere Kombination vorteilhaft wäre.

 

Steuerklassenwechsel: So war es früher

 

   - Ehepaare und Lebenspartner konnten einmal im Jahr ihre Steuerklassenkombination wechseln, nämlich 3 und 5 oder 4 und 4  (mit oder ohne Faktor).

   - Ein zweiter Wechsel war nur in folgenden Ausnahmefällen möglich:

o wenn ein Ehegatte bzw. Lebenspartner verstarb,

 

o bei einer dauerhaften Trennung oder

 

o wenn ein Ehepartner bzw. Lebenspartner arbeitslos wurde oder nach einer Arbeitslosigkeit wieder eine Beschäftigung aufgenommen hatte.

 

   - Wer seine Steuerklassen bis zum 30. November änderte, für den galt die neue Kombination rückwirkend fürs ganze Jahr.

 

Auch Sachspenden lassen sich steuerlich absetzen

 

Weihnachtspäckchen für eine wohltätige Organisation können als Sachspende geltend gemacht werden

 

In der Vorweihnachtszeit nehmen die Spendenaufrufe in den Medien und die Anzahl der Aktionen, die für wohltätige Zwecke ins Leben gerufen werden, beachtlich zu. Und auch die Bereitschaft zu geben oder zu helfen ist angesichts des bevorstehenden größten Festes der Christen höher als unterm Jahr. Meistens werden Spenden in Form einer Geldspende getätigt, aber gerade im Advent werden viele Päckchen mit Sachspenden bestückt und z. B. in Konvois in Richtung Rumänien, Ukraine oder Moldawien gefahren. Die Lohnsteuerhilfe Bayern klärt auf wie Sachspenden steuerlich behandelt werden:

 

Geldspende oder Sachspende?

 

Spenden im Sinne des Einkommensteuergesetzes sind sowohl Geld- als auch Sachzuwendungen, die freiwillig und ohne Gegenleistung an zugelassene Organisationen getätigt werden. Ergo sind Sachspenden ebenfalls steuerlich begünstigt! Jedoch muss bei milden Gaben aus dem Privatvermögen in Form von Gegenständen durch die begünstigte Organisation eine Zuwendungsbestätigung als Nachweis für die Spende ausgestellt werden. Diese sollte aufgrund der Belegvorhaltepflicht parat liegen und muss neben dem Empfänger genaue Angaben über den gespendeten Gegenstand und dessen Wert enthalten.

 

Neue gekaufte Sachspenden

 

Als Wert der Spende ist der Marktwert des Gegenstands maßgebend. Die Ermittlung ist bei neu gekauften Gegenständen unkompliziert, da der Marktwert dem Einkaufspreis entspricht, welcher auf dem Kassenbon steht. Dieser muss an die begünstigte Organisation als Nachweis übergeben werden. Nur so darf diese die Zuwendungsbestätigung ausstellen. Damit können Sachspenden als Sonderausgabe in der Steuererklärung berücksichtigt werden.

 

Gebrauchte Sachspenden

 

Bei gebrauchten Artikeln ist der Marktwert schwieriger zu ermitteln. Der Marktwert ist der Preis, zu dem dieser Artikel aktuell verkauft werden könnte. Hierbei spielt der Zustand des Artikels eine Rolle und ob überhaupt eine Nachfrage für diesen existiert. Ob es einen Markt für besagten Artikel gibt kann z. B. über Kleinanzeigen im Internet ermittelt werden. Auch lassen sich so Anhaltspunkte für den Wert finden. Im Zweifelsfall muss die begünstigte Organisation eine Schätzung anhand des historischen Kaufpreises, des Alters und des Zustands vornehmen.

 

Spendenpakete

 

Werden mehrere Gegenstände gespendet, tun es eine Pauschalbewertung oder Sammelzuwendungsbestätigung leider nicht, denn es muss für jeden einzelnen Gegenstand der Marktwert ermittelt und in der Zuwendungsbestätigung festgehalten werden. Eine übersichtliche Aufstellung, die die einzelnen Artikel, den ursprünglichen Kaufpreis, das Kaufdatum, den Zustand und den Marktwert enthält, ist für das Erstellen der Zuwendungsbestätigung erforderlich.

 

Wann lohnt sich ein Steuerabzug?

 

Der Steuerabzug ist also nur bei neu gekauften Artikeln, bei denen der Rechnungsbetrag recht einfach auf der Zuwendungsbestätigung ausgewiesen werden kann, mit einem geringen Aufwand verbunden. Gebrauchte Gegenstände zu spenden rentiert sich – rein steuerlich betrachtet – nur bei teuren Gegenständen, bei denen die Zusammenstellung aller erforderlichen Belege für die begünstigte Organisation die Mühe und den damit verbundenen Zeitaufwand wert sind. Menschlich betrachtet lohnt sich zu spenden natürlich immer, denn es wird anderen Menschen damit geholfen und das sorgt für ein gutes Gefühl.

 

Trotz Baukindergeld können Familien Steuervorteile für Handwerkerleistungen nutzen

 

Gut fürs Familienbudget: Baukindergeld beantragen und Handwerkerleistungen absetzen

 

Viele Familien träumen von einem Eigenheim. In Großstädten bleibt der Wunsch für die Mittelschicht aufgrund der hohen Grundstückspreise auch bei Niedrigzinsen meist unerreichbar. In ländlichen Gebieten ist das Eigenheim eher greifbar, weil dort die Grundstückspreise meist deutlich günstiger sind. Ob in der Stadt oder auf dem Land, der Staat gewährt u. a. über die KfW einen Zuschuss in Form des Baukindergelds. Im Normalfall schließen sich staatliche Bauförderung und Steuervorteile aus. Bei Bezug von Baukindergeld können Familien dennoch Handwerkerleistungen mit der Einkommensteuererklärung geltend machen und somit ihre finanzielle Belastung nach dem Hausbau senken, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Das Baukindergeld unterstützt Familien und Alleinerziehende beim erstmaligen Erwerb von Wohneigentum, indem für jedes kindergeldberechtigte Kind 1.200 Euro pro Jahr zufließen. Die Förderung erstreckt sich über zehn Jahre und ist an das durchschnittliche zu versteuernde Haushaltseinkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres vor dem Antrag gebunden. Dieses darf 75.000 zuzüglich 15.000 je Kind nicht übersteigen. Als Nachweis müssen die Einkommensteuerbescheide der geforderten Vorjahre vorgelegt werden. Sollten keine Einkommensteuererklärungen bis dahin abgegeben worden sein, müssen diese für das Baukindergeld nachträglich erstellt und eingereicht werden.

 

Da die Auszahlung der Fördermittel erst nach dem Einzug in die Immobilie beginnt und in jährlichen Raten erfolgt, ist das Baukindergeld als Eigenkapital zum Erwerb oder für den Bau nicht verwendbar. Vielmehr kann es für die Tilgung des Darlehens eingesetzt werden. Kinder sind förderfähig, wenn sie bei Antragstellung bereits geboren waren und noch nicht volljährig sind. Eine förderberechtigte Familie mit drei Kindern, die zusammen in der Immobilie wohnen, erhält so über zehn Jahre verteilt insgesamt 36.000 Euro von der KfW für ihr Eigenheim.

 

Der Antrag kann ausschließlich online bei der KfW und frühestens nach dem Einzug gestellt werden, da hierfür die Meldebestätigungen der Gemeinde vorliegen müssen. Die Antragsfrist endet bereits sechs Monate nach dem Einzug in das Wohneigentum. Die Baugenehmigung für einen Neubau oder der Kaufvertrag für die eigene Immobilie müssen indes zwischen dem 01.01.2018 und dem 31.12.2020 ausgestellt worden sein. Der Einzug muss spätestens im Jahr 2023 erfolgen, denn letzte Anträge bei der KfW werden nach derzeitigem Stand bis zum 31.12.2023 angenommen.

 

Das Baukindergeld kann mit weiteren der zahlreichen Förderprogrammen des Staates, der KfW oder der einzelnen Bundesländer kombiniert werden, diese können jedoch für die Nutzung von Steuervorteilen schädlich sein. Denn Handwerkerleistungen lassen sich jährlich mit 20 Prozent der Arbeits-, Anfahrts- und Maschinenkosten bis 1.200 Euro absetzen und reduzieren direkt die Steuerlast. Dies ist nicht nur bei Renovierung, Sanierung oder Modernisierung einer gekauften Immobilie möglich, sondern auch bei Neubauten, wenn die Handwerkerleistungen nach dem Einzug in Anspruch genommen werden, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Welche Versicherungen können in die Steuererklärung?

 

Die Deutschen lieben Versicherungen und sichern sich gerne gegen mögliche Risiken ab. Im Durchschnitt zahlte jeder Einwohner 2.438 Euro in private Versicherungen im Jahr 2018 ein. Insgesamt ergibt der Bestand an privaten Versicherungsverträgen ein Volumen von rund 202,4 Milliarden Euro. Das sind knapp 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die in die Versicherungen fließen. Im Interesse jedes einzelnen Steuerzahlers ist es, seine Steuerlast durch die Aufwendungen für Versicherungsbeiträge im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu reduzieren.

 

Welche Versicherungen sind steuerlich absetzbar?

 

Der Fiskus unterscheidet generell zwischen Sachversicherungen und personenbezogenen Versicherungen, die entweder berufliche Risiken ausgleichen oder das Einkommen absichern. "Während berufsbezogene Versicherungen in voller Höhe abgesetzt werden können, können die Ausgaben für Vorsorgeversicherungen nur beschränkt abgesetzt werden", erklärt Mark Weidinger, Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. (Lohi).

 

Überhaupt nicht abgesetzt werden können reine Sachversicherungen, wie eine Hausrat-, Gebäude-, Fahrrad-, KFZ-Kasko- oder Reisegepäckversicherung. Ebenso nicht absetzbar sind der private Rechtsschutz und Kapitallebensversicherungen, die nach 2004 abgeschlossen wurden. Letztere werden als Geldanlage bewertet.

 

Berufsbezogene Versicherungen als Werbungskosten

 

Versicherungen, die für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit abgeschlossen wurden, können in die Anlage N als Werbungskosten eingetragen werden. Hierzu zählen eine Berufshaftpflicht- oder Berufsunfallversicherung sowie ein Rechtsschutz für Arbeitsrecht. Wurde die Versicherung in einem Bündel mit anderen Versicherungen gemeinsam abgeschlossen, ist der berufliche Anteil herauszurechnen und zu belegen.

 

Private Vorsorgeversicherungen als Sonderausgaben

 

Die meisten Versicherungen fallen unter die sonstigen Vorsorgeaufwendungen in der Anlage Vorsorgeaufwand. Jeder Steuerpflichtige kann Kosten bis zur Höchstgrenze von 1.900 Euro, Ehepaare bis 3.800 Euro geltend machen. "Die Krux dabei ist, dass dieser Höchstbetrag oftmals schon mit der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung aufgebraucht ist, so dass weitere private Versicherungsaufwendungen sich leider nicht mehr steuerlich auswirken", so der Steuerexperte der Lohi. Übersteigen die gesetzlichen Versicherungen den Höchstbetrag, werden diese immerhin in voller Höhe anerkannt. Beitragserstattungen privater Krankenversicherungen sind abzuziehen.

 

Lässt der Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen noch Spielraum übrig, können private Versicherungen wie Haftpflicht-, KFZ-Haftpflicht-, Tierhalterhaftplicht-, Zusatzkranken-, Zahn-, Pflege-, Auslandskranken-, Unfall-, Berufsunfähigkeits-, Risikolebens-, Sterbegeld- und Kapitallebensversicherungen, die vor dem Jahr 2005 abgeschlossen wurden, abgesetzt werden.

 

Versicherung von Kindern

 

Die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung von Kindern können, solange ein Anspruch auf Kindergeld besteht, in die Anlage Kind eingetragen werden. Ist der Bezug von Kindergeld beendet, können sie als Sonderausgaben bei den Eltern abgezogen werden, sofern das Kind einen Anspruch auf Unterhalt hat und die Eltern die Versicherungsbeiträge tatsächlich übernommen haben.

 

Weihnachtsgeld ist steuerpflichtig

 

Ob Weihnachtsgeld, Bonuszahlung oder Gewinnbeteiligung: Bestimmte Geldleistungen des Arbeitgebers gelten als Sonderzahlung und sind für den Arbeitnehmer steuerpflichtig. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) informiert.

 

Knapp neun von zehn Tarifbeschäftigten in Deutschland (86,9 Prozent) erhalten im Jahr 2019 Weihnachtsgeld, wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte. Durchschnittlich handle es sich dem Bundesamt zufolge um 2.632 Euro Weihnachtsgeld brutto und damit 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Nach den aktuellen Daten des WSI-Internetportals "Lohnspiegel.de" der Hans-Böckler-Stiftung sind es allerdings nur 76 Prozent der Tarifbeschäftigten und 42 Prozent der übrigen Arbeitnehmer. In der Gesamtheit erhalten der Stiftung zufolge 53 Prozent der Arbeitnehmer Weihnachtsgeld.

 

Sonderzahlung treibt Steuersatz in die Höhe

 

Für alle Arbeitnehmer, die Weihnachtsgeld erhalten, gilt: Durch das höhere Monatsgehalt - Gehalt und Sonderzahlung werden gemeinsam überwiesen - steigt auch der Steuersatz. Das bedeutet, dass in diesem Monat höhere Abzüge bei zum Beispiel der Lohnsteuer, dem Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer fällig werden. Es bleibt unterm Strich weniger Netto vom Brutto.

 

Geld mit Abgabe der Steuererklärung zurückholen

 

Hat ein Arbeitnehmer in einem Monat zu viel Steuern gezahlt, kann er sich unter bestimmten Umständen das Geld über die Steuererklärung im kommenden Jahr vom Finanzamt zurückholen. Der Weg: Rechtzeitung und vollständig die Einkommensteuererklärung ausfüllen und beim zuständigen Finanzamt einreichen.

 

Nobelpreis ist steuerfrei, andere Preisgelder nicht

 

Preisgelder versteuern

Preisgelder für ein Lebenswerk sind steuerfrei

 

Die Lohnsteuerhilfe Bayern informiert:

Seit dem Jahr 1901 werden im Monat Oktober Menschen, die einen großen Beitrag für die Menschheit geleistet haben, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Insgesamt wurden bislang exakt einhundert Deutsche mit einem Nobelpreis belohnt. Zuletzt wurde er im Jahr 2017 an den Deutschen Joachim Frank für die Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie vergeben. Wer diesen Preis bekommt, erhält neben einer hochkarätigen Goldmedaille, einer Urkunde und einer Einladung zu einem Bankett auch in diesem Jahr einen Geldbetrag in Höhe von umgerechnet 830.000 Euro.

 

Von diesem Preisgeld zwackt die Bundesrepublik nichts ab. Der Nobelpreisträger darf das Geld komplett behalten und muss es nicht versteuern. Diese Steuerbefreiung trifft jedoch auf viele andere Preisgelder im wissenschaftlichen und künstlerischen Metier nicht zu. Die Finanzbehörden unterscheiden zwischen nicht steuerpflichtigen und steuerpflichtigen Preisgeldern. Maßgebend sind die Ausschreibungsbedingungen und die Ziele, die eine Preisverleihung verfolgt.

 

Steuerpflichtige Preisgelder

 

Preisgelder müssen immer dann versteuert werden, wenn sie in einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit des Ausgezeichneten stehen. Das ist der Fall, wenn ein spezielles Werk geschaffen wurde, um einen Preis zu gewinnen bzw. der Preis den Charakter eines leistungsbezogenen Entgelts hat. Wird an einem Ideenwettbewerb teilgenommen, bewirbt man sich dafür und erschafft etwas, um zu gewinnen. Auch Angestellte einer Universität, die mit Wissenschaftspreisen ausgezeichnet werden, müssen diese als Arbeitslohn angeben, da ein klarer Zusammenhang mit ihrer beruflichen Forschungstätigkeit an der Universität gegeben ist.

 

Ein wirtschaftlicher Zusammenhang besteht zudem, wenn der Preis die berufliche Tätigkeit fördert oder dadurch Mehreinnahmen generiert. Wird z. B. ein Kunstwerk im Zusammenhang mit der Preisverleihung ausgestellt, stellt der Preis eine positive Werbung dar, so dass ein wirtschaftlicher Nutzen aus der Preisverleihung gezogen werden kann. Erschafft ein Regisseur einen Film, der mit einem Preis ausgezeichnet wird, ist das Preisgeld in der Regel zu versteuern. Denn einerseits ist der Film ein einzelnes Werk aus seiner beruflichen Tätigkeit und andererseits wird die Ehrung publikumswirksam Mehreinnahmen in die Kasse spielen.

 

Steuerfreie Preisgelder

 

Wird jemand für sein Lebenswerk oder gesamtes Schaffen ausgezeichnet oder erfolgt die Ehrung aufgrund seiner Vorbildfunktion, Persönlichkeit oder Grundeinstellung, steht dieses Preisgeld nicht im Zusammenhang mit den steuerbaren Einkünften, die das Einkommensteuergesetz kennt. Daher sind diese Preisgelder steuerfrei. Hierunter fallen die Nobelpreise, denn sie werden für die herausragende Persönlichkeit des Preisträgers im Zusammenhang mit seinen bahnbrechenden Gesamtleistungen vergeben – sei es im Rahmen einer führenden wissenschaftlichen Forschungstätigkeit in Physik, Chemie oder Medizin, des vorbildlichen politischen Engagements für Weltfrieden oder Menschenrechte oder eines literarischen Lebenswerks.

 

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