349 Banken mit Negativzinsen – fast doppelt so viele wie vor einem halben Jahr

 

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hat sich die Zahl der Banken und Sparkassen mit Negativzinsen beinahe verdoppelt. Wie eine aktuelle Verivox-Auswertung zeigt, verlangen derzeit 349 Banken und Sparkassen Negativzinsen von ihren Privatkundinnen und -kunden. Das sind 171 mehr als noch zum Jahresende 2020. Außerdem haben viele Banken im Laufe des Jahres bestehende Negativzins-Regelungen verschärft.

 

Trend zu Negativzinsen reißt nicht ab

 

Verivox beobachtet fortlaufend die online ausgewiesenen Konditionen für Tagesgeld-, Giro- und Verrechnungskonten auf den Internetseiten von rund 1.300 Banken und Sparkassen. 349 dieser Institute weisen aktuell Negativzinsen im Privatkundengeschäft aus. Ende 2020 waren es erst 178.

 

„Der Trend zu Negativzinsen reißt nicht ab“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „In den letzten sechs Monaten hat sich die Zahl der Banken mit Negativzinsen beinahe verdoppelt. Aktuell kommen nahezu täglich weitere Geldhäuser hinzu.“

 

41 Banken haben Negativzins-Regelungen verschärft

 

Es führen aber nicht nur immer mehr Banken ein sogenanntes Verwahrentgelt ein. Im laufenden Jahr haben auch schon 41 Institute ihre bestehenden Negativzins-Regelungen verschärft oder eine Verschärfung angekündigt. Entweder die Geldhäuser senken den Zinssatz noch tiefer ins Minus oder sie reduzieren die Freibeträge, so dass Negativzinsen schon bei geringeren Guthaben fällig werden.

 

Gerade erst hat mit der ING Deutschlands größte Direktbank angekündigt, den Freibetrag von 100.000 Euro auf 50.000 Euro pro Konto zu halbieren. Andere große Institute haben ähnliche Schritte angekündigt oder bereits vollzogen. „Wenn große Häuser ihre Negativzins-Regelungen verschärfen, besteht für Sparer immer die Gefahr, dass das zur Blaupause für andere Marktteilnehmer wird“, sagt Oliver Maier. „Gut möglich, dass sich künftig noch mehr Bankkunden auf niedrigere Freibeträge einstellen müssen.“

 

Bereits beschlossene Sache ist die Halbierung des Freibetrags auf nur noch 50.000 Euro für Kunden der Commerzbank. Die Änderung greift zum 1. August und gilt für alle Konten, die nach dem 10. Mai 2021 eröffnet wurden. Mit der Postbank ist ein weiteres Kreditinstitut mit vielen Kunden gerade erst aktiv geworden. Hier wurden zum 21. Juni die Freibeträge gesenkt. Postbank-Kunden können jetzt nur noch 50.000 Euro auf dem Girokonto und 25.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto deponieren, ohne ein Verwahrentgelt zu zahlen. Vorher lag die Grenze auch hier bei 100.000 Euro.

 

Tagesgeld-Gebühren wirken faktisch wie Negativzinsen

 

Nicht immer werden Negativzinsen als solche ausgewiesen. Insgesamt 20 Banken und Sparkassen berechnen eine Gebühr für das üblicherweise kostenfrei geführte Tagesgeldkonto. Aus Kundenperspektive entstehen so faktisch Negativzinsen. Das Geld auf dem Konto wird weniger, auch wenn die Bank als Zinssatz 0,00 oder 0,01 Prozent ausweist. 11 dieser 20 Banken belassen es nicht bei der Gebühr, sondern verlangen zusätzlich auch noch nominell Negativzinsen.

 

Negativzinsen gelten zunächst nur für Neukunden

 

„Eines sollten Sparer wissen: In laufenden Verträgen können Banken Negativzinsen nicht einseitig einführen“, sagt Oliver Maier. „Mit der Veröffentlichung im Preisaushang gelten die Verwahrentgelte zunächst nur für Neukunden.“ Will eine Bank auch ihren Bestandskunden Negativzinsen berechnen, muss sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren.

 

In diesem Fall können Sparer ihr Geld entweder auf mehrere Banken verteilen, so dass sie unter den Freigrenzen bleiben. Oder sie halten Ausschau nach Angeboten ohne Negativzinsen. „Auch im aktuellen Marktumfeld haben Verbraucher noch Alternativen“, sagt Oliver Maier. „Top-Banken mit Sitz im europäischen Ausland zahlen Anlegern bis zu 0,4 Prozent Guthabenzinsen aufs Tagesgeld. Bei Anbietern mit deutscher Einlagensicherung gibt es in der Spitze 0,15 Prozent.“

 

Umfrage: Fünf Millionen Deutsche überziehen Konto für ihren Urlaub

 

Nach den Lockerungen der Corona-Reisebestimmungen ist die Urlaubssehnsucht vieler Deutscher groß. Laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag von CHECK24 werden 45 Prozent der Befragten in diesem Jahr Urlaub machen und dafür Geld ausgeben oder haben dies schon getan. Finanzielle Engpässe stellen dabei kein Hindernis dar: 17 Prozent der Urlauber*innen sind bereit, für die Urlaubskosten ihr Konto mit einem Dispositionskredit zu überziehen - das entspricht einem Bevölkerungsanteil von fünf Millionen Deutschen. Dabei nutzen zehn Prozent der Verbraucher*innen, die für Urlaub Geld ausgeben, den Überziehungsrahmen für einen Teil der Urlaubskosten. Sieben Prozent finanzieren die kompletten Ausgaben per Dispo. Vier Prozent nutzen für den Urlaub einen Ratenkredit.

 

"Viele Verbraucher*innen können den ersehnten Urlaub nach dem Abklingen der Corona-Krise nicht allein mit den Ersparnissen bestreiten", sagt Christian Nau, Geschäftsführer Kredite bei CHECK24. "Den Urlaub per Dispo zu finanzieren hat teure Folgen, denn Überziehungszinsen von über zehn Prozent sind nicht selten. So steigt das Minus auf dem Konto Monat für Monat an."

 

39 Prozent der Urlauber*innen überziehen das Konto mit mehr als 1.000 Euro

 

Mehr als ein Drittel der Disponutzer*innen (39 Prozent) benötigt eine vierstellige Summe für die Urlaubsfinanzierung. 17 Prozent über 1.500 Euro. Etwas mehr als die Hälfte der Befragen gab an, mit bis zu 500 Euro (21 Prozent) bzw. 501-1.000 Euro (36 Prozent) ins Minus zu rutschen. Das kostet durchschnittlich 9,61 Prozent Zinsen. Für acht Prozent der Befragten sind das längerfristige Kosten, denn sie nutzen den Dispo für mehr als zwölf Monate (4 Prozent) oder sind dauerhaft im Minus (4 Prozent).

 

"Besonders langfristige Disponutzer*innen sollten ihr Konto mit einem Ratenkredit ausgleichen und die teure Dauernutzung beenden", sagt Christian Nau. "Für solche Kredite fallen online nur etwa die Hälfte an Zinsen an und eine geregelte Rückzahlung in monatlichen Raten bringt Ordnung in die eigenen Finanzen."

 

Pfändungsschutzkonten im Visier der Banken

 

Nach dem BGH-Urteil zu Bankentgelten beschweren sich zunehmend Verbraucher:innen über Kontokündigungen durch ihre Bank. Jetzt trifft es auch Pfändungsschutzkonten. Dagegen können sich Betroffene wehren.

 

Seit zehn Jahren war Michael R. Kunde der Commerzbank. Nun wurde ihm plötzlich sein Konto gekündigt. Ohne Angabe von Gründen, wie der arbeitslose Mann aus dem Ruhrgebiet in seiner Beschwerde an die Verbraucherzentrale NRW schreibt. Sein Konto ist ein so genanntes Pfändungsschutzkonto (P-Konto), auf dem der gesetzliche Freibetrag, der das Existenzminimum sichern soll, vor der Pfändung durch Gläubiger geschützt ist. „Für mich ist dies besonders kritisch, da es das einzige Konto ist, das ich führe“, schreibt R.

 

Auch wenn die Bank keine konkreten Gründe genannt hat: Auslöser für die Kontokündigung kann ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH, AZ XI ZR 26/20) vom 27. April sein, das Rechte von Bankkund:innen grundsätzlich stärken soll. Danach reicht es für Preiserhöhungen oder sonstige aus Sicht der Verbraucher:innen ungünstige Veränderungen der Geschäftsbedingungen von Banken und Sparkassen nicht aus, wenn Kund:innen nicht widersprechen. Das von vielen Kreditinstituten genutzte Prinzip „Schweigen bedeutet Zustimmung“ funktioniert damit nicht mehr, Gebührenerhöhungen werden erschwert. Seitdem gehen bei den Verbraucherzentralen zunehmend Beschwerden ein, dass Banken Girokonten ohne ersichtlichen Grund kündigen.

 

Michael R. meint, dass er für seine Bank als Kunde nicht mehr attraktiv gewesen ist. Denn noch vor dem BGH-Urteil hatte er ein Schreiben von dieser erhalten, dass seine Kontoführungsgebühr erhöht wird, wenn er nicht widerspricht. R. hatte daraufhin die Bank kontaktiert, um auf ein kostenfreies Kontomodell umzusteigen. Mitte Mai, also nach dem Urteil, kam die Kündigung. Beschwerden zu ähnlich gelagerten Fällen mit P-Konten liegen der Verbraucherzentrale NRW auch von Kund:innen anderer Kreditinstitute vor.

 

„Grundsätzlich kann eine Bank ein Girokonto ohne Angaben von Gründen kündigen. Im Fall von Pfändungsschutzkonten halten wir dies jedoch für unzulässig, wenn es das einzige Konto ist, das jemand unterhält“, sagt Silke Rey Romero, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. Zumal es für Menschen mit P-Konto oft schwierig sei, zu einer anderen Bank zu wechseln.

 

Bleibt die Bank trotzdem hart, brauchen Verbraucher:innen keinen langen Rechtsstreit abzuwarten, sondern haben Anspruch darauf, bei derselben oder einer anderen Bank sofort ein Basiskonto („Girokonto für alle“) zu eröffnen und dieses dann auch als Pfändungsschutzkonto führen zu lassen. Damit ist das Existenzminimum dann weiter gesichert.

 

Nach BGH-Urteil: 82 Prozent der Deutschen würden zu viel gezahlte Kontogebühren zurückverlangen

 

Nach dem Kontogebühren-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) würden vier von fünf Verbrauchern zu viel gezahlte Bankgebühren zurückfordern, wenn sie darauf einen Anspruch haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Verivox-Umfrage. Auch bei künftigen Preisrunden dürften es die Geldinstitute schwerer haben. Für jeden Dritten wären schon Gebührenerhöhungen bis 20 Euro im Jahr Grund genug für einen Wechsel.

 

82 Prozent würden Rückerstattung verlangen

 

Insgesamt würden 82 Prozent der Befragten zu viel gezahlte Entgelte zurückfordern, sofern ein Anrecht darauf besteht. Nur eine kleine Minderheit von 6 Prozent schließt das für sich aus, 12 Prozent sind unentschlossen. Allerdings hat bislang nur gut die Hälfte der Befragten (56%) überhaupt etwas vom BGH-Urteil mitbekommen, über ein Drittel (36%) hat davon noch nichts gehört oder gelesen.

 

Der BGH hatte in einem jüngst ergangenen Urteil den Banken hohe Hürden gesetzt, wenn sie höhere Gebühren auf das Girokonto einführen möchten. Sie benötigen dafür die Zustimmung ihrer Kundinnen und Kunden. Weit verbreitete Klauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, wonach Gebührenerhöhungen automatisch wirksam werden, wenn Kunden nicht widersprechen, erklärten die Richter für unwirksam (Az.: XI ZR 26/20).

 

BGH-Urteil schafft Kostentransparenz

 

Wie die Verivox-Umfrage zeigt, haben in den letzten Jahren viele Banken an der Preisschraube gedreht. Bei 40 Prozent der Befragten wurden die Kontogebühren erhöht. Nach Einschätzung der Stiftung Warentest dürften fast alle Gebührenerhöhungen der letzten Jahre unrechtmäßig gewesen sein. Demnach könnten sich Betroffene zu viel gezahlte Kontoentgelte seit Anfang 2018 zurückerstatten lassen. Ältere Ansprüche wären inzwischen verjährt.

 

„Auch unabhängig von möglichen Erstattungsansprüchen profitieren Verbraucher von dem Urteil des Bundesgerichtshofs“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Es schafft mehr Kostentransparenz und die ist auch nötig.“

 

Bei der bislang gängigen Praxis der stillschweigenden Zustimmung haben viele Bankkunden von angekündigten Gebührenerhöhungen oft gar nichts bemerkt. Jeder Fünfte (21%) in der Verivox-Umfrage hatte keine Ahnung, ob die eigene Bank in den letzten Jahren die Kontogebühren erhöht hat. Auch bei der Frage nach den Gesamtkosten fürs Konto mussten 20 Prozent der Befragten passen. Sie hatten keine Vorstellung davon, wie viel sie im Jahr für ihr Konto ausgeben.

 

Wie weit können Banken jetzt noch gehen?

 

An einem Umstand wird die neue Transparenz zunächst nichts ändern: Viele Verbraucher scheuen einen Bankwechsel, weil sie ihn für aufwendig halten. „Das werden sich die Banken zunutze machen“, sagt Oliver Maier. „Aber in Zukunft müssen die Geldinstitute die Schmerzgrenze ihrer Kunden genau ausloten, wenn sie Gebühren erhöhen oder neu einführen wollen.“

 

Verivox wollte wissen, wie weit die Institute dabei gehen können. Mehr als jeder Dritte (37%) würde schon bei Gebührenerhöhungen bis 20 Euro pro Jahr einen Bankwechsel ins Auge fassen. Rund ein Viertel (26%) der Befragten würde bei einer Erhöhung zwischen 21 und 40 Euro wechseln und zusammengenommen ebenfalls gut ein Viertel bei Erhöhungen von 41 bis 60 Euro (16%) oder gar über 60 Euro (11%) pro Jahr. Nur für etwa jeden Zehnten (11%) wären Gebührenerhöhungen generell kein Grund, die Bank zu wechseln.

 

Kostenlose Kreditkarten: So vermeiden Urlauber*innen hohe Gebühren

 

Durch flächendeckende Lockerungen der Reisebeschränkungen ist Urlaub für viele Verbraucher*innen wieder möglich. Mit einer kostenlosen Kreditkarte lassen sich Gebühren für das Bargeld abheben und Bezahlen im Ausland sparen. Eine Auswertung der Stiftung Warentest (Finanztest Ausgabe 3/2021) von insgesamt 33 Kreditkarten zeigt, dass dafür durchschnittliche Zusatzkosten in Höhe von 57 Euro für Alleinreisende, bzw. sogar 79 Euro für Familien anfallen. Dieses Geld lässt sich sparen: Drei Kreditkartenanbieter bieten weltweit gebührenfreies Geldabheben und Bezahlen ohne eine Jahresgebühr.

 

"Bei vielen Kreditkarten droht bei Einsatz im Ausland die Kostenfalle", sagt Dr. Tim Koniarski, Geschäftsführer Karten und Konten bei CHECK24. "Neben der Jahresgebühr schlagen dann die Transaktionsgebühren zu Buche. Wer diese Kosten im Urlaub vermeiden möchte, findet mit einem Vergleich passende kostenlose Kreditkarten."

 

Passenden Kreditkartentyp zum eigenen Nutzungsverhalten finden

 

Je nach Kreditkartentyp unterscheidet sich die Art der Abrechnung. Die Umsätze einer Charge-Karte werden monatlich vollständig vom bestehenden Girokonto abgebucht. Bei Zahlungen mit der klassischen Kreditkarte (Credit) gewährt die Bank einen verzinsten Kredit. Das ermöglicht Teilrückzahlungen.

 

Bezahlen Kund*innen die Kreditkartenrechnung jedoch nicht innerhalb des vereinbarten Zeitraums, fallen bei allen Banken hohe Zinsen an. Um das zu vermeiden, können sie auf einen Rechnungsausgleich per Überweisung verzichten und eine Karte wählen, bei der ausstehende Beträge automatisch per Lastschrift eingezogen werden.

 

Negativzinsen: Wie sich Strafzinsen umgehen lassen

 

Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen schon für kleine Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten Negativzinsen. Doch Sparwillige können Strafzinsen vermeiden und sogar noch etwas Zins bekommen. Das zeigen die Bestenlisten von Finanztest.

 

Die Degussa Bank berechnet vom 1. Juli an zum Beispiel schon für Kontoguthaben ab 5.000 Euro ein so genanntes Verwahrentgelt von 0,5 Prozent jährlich. Die Commerzbank hat angekündigt, dass sie ab 1. August für Beträge über 50.000 Euro Negativzinsen von Neukunden verlangen will.

 

Dass es auch noch anders geht, zeigen die Bestenlisten von Finanztest. Bei Tagesgeld ist noch eine Verzinsung von bis zu 0,2 Prozent drin. Wer nicht täglich über sein Geld verfügen muss, kann eine Festzinsanlage wählen: Für ein einjähriges Festgeld gibt es bis zu 0,55 Prozent, bei zwei Jahren Laufzeit sind es bis zu 0,65 Prozent jährlich.

 

Bei sehr hohen Anlagebeträgen wird das Angebot dünner. Hier sollten Interessierte auch auf die Höhe der Einlagensicherung achten, rät Finanztest. Unter www.test.de/festgeld können sie im Rechner „Einlagensicherung“ prüfen, bis zu welchem Betrag die eigene Bank Spargeld im Pleitefall schützt. Übersteigt der Anlagebetrag die Sicherungsgrenze, sollten sie das Geld auf mehrere Banken verteilen.

 

Der Zinstest findet sich online und in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest, die Konditionen der Banken laufend aktualisiert unter www.test.de/zinsen.

 

Vergleich: Diese Kreditkarten können viel und kosten fast nichts

 

Einige Kreditkarten kosten 100 Euro Grundgebühr im Jahr. Doch es geht auch kostenlos. Und diese Gratis-Angebote können alles, was eine gute Kreditkarte können muss. 52 Karten hat der unabhängige Geldratgeber Finanztip jetzt näher unter die Lupe genommen. Ergebnis: Finanztip empfiehlt vier Karten, die einen Kredit bei der Bank gewähren sowie zwei Debitkarten, bei denen der Betrag zeitnah vom Konto gebucht wird. Ideal findet Finanztip sogenannte Charge-Karten, bei denen die Schulden der Verbraucher rechtzeitig von der Bank abgebucht werden.

 

Laut Bundesbank sind in Deutschland mehr als 37 Millionen Kreditkarten im Einsatz. Für Kunden kann so eine Karte teuer werden. "Banken verlangen für die Kreditkarte oft eine Grundgebühr und auch beim Geldabheben oder Bezahlen fallen mitunter Kosten an", erklärt Josefine Lietzau, Payment-Expertin bei Finanztip. "Dieses Geld können sich Verbraucher aber sparen. Es gibt kostenlose Karten, die beim Bezahlen und Abheben genauso gut funktionieren wie teure Karten." Finanztip hat sich in einer aktuellen Untersuchung 52 preiswerte Kreditkarten angeschaut: Sechs Karten sind empfehlenswert, da keine Grundgebühr anfällt und Geldabheben mit den Karten in Deutschland sowie der Euro-Zone kostenlos ist. Die Karten unterscheiden sich aber in der Art der Abbuchung.

 

Beträge am Monatsende vollständig begleichen

 

"Charge-Karten buchen den gesamten Betrag am Ende des Abrechnungszeitraums automatisch ab", erklärt Lietzau. "So entstehen dem Karteninhaber keine teuren Kreditkosten." Hier empfiehlt Finanztip die Visa Card der DKB, die es zum kostenlosen Girokonto der Bank dazu gibt. "Revolving-Karten hingehen gewähren den Kunden einen Kredit, der am Monatsende nicht komplett zurückbezahlt werden muss." Diese flexible Rückzahlung kann aber teuer werden: "Die Zinsen sind meist höher als die Dispozinsen der Banken. Wir raten deshalb, den Betrag unbedingt immer gleich zum Ende der Abrechnungszeit komplett zu begleichen." Finanztip empfiehlt aktuell folgende Revolving-Karten: die Genialcard der Hanseatic Bank, die Barclaycard Visa und die Visa Flex+ von Payback. Der Vorteil: Alle drei Karten können auch ohne ein Girokonto genutzt werden.

 

Probleme bei Mietwagen- oder Hotelbuchungen möglich

 

Neben diesen Karten gibt es Debit-Karten, bei denen der Umsatz zeitnah abgebucht wird. "Debit-Karten bieten eine gute Kostenkontrolle, können aber Probleme machen, wenn man mit der Karte einen Mietwagen oder ein Hotelzimmer buchen möchte", erläutert Lietzau. Für Menschen, denen diese Kostenkontrolle wichtig ist, empfiehlt Finanztip zurzeit die Karten von Bitwala und der Consorsbank*, die es zu den Girokonten der beiden Anbieter gibt. Bei Bitwala handelt es sich um ein Startup, dessen Fokus weniger auf dem Girokonto und der Karte liegt, sondern im Investieren in Kryptowährungen. Diese Funktionen hat Finanztip bei der Bewertung der Karte nicht untersucht, die Karte selbst erfüllt aber die Kriterien von Finanztip.

 

So hat Finanztip untersucht

 

Insgesamt hat Finanztip 52 Kreditkarten untersucht. Alle Karten mussten ohne Grundgebühr und für jeden zugänglich sein. Wenn ein Konto zur Karte gehört, musste die Kontoführung uneingeschränkt kostenlos sein. Zudem durfte das Abheben von Beträgen über 50 Euro (zumindest in Deutschland und der Eurozone) nichts kosten. So blieben von ursprünglich 52 Karten noch14 Karten übrig. Finanztip empfiehlt nur Karten, bei denen das kostenlose Abheben nicht auf eine bestimmte Anzahl oder eine Maximalsumme im Monat begrenzt ist. Das erfüllten sechs Karten. Grundsätzlich bevorzugt Finanztip Charge-Karten, da hier das Abbuchen automatisch erfolgt. An zweiter Stelle kommen die Revolving-Kreditkarten. Debit-Karten sind wegen möglicher Probleme beim Buchen von Mietwagen- oder Hotelzimmern dritte Wahl.

 

*Die guten Konditionen für die Debit-Karte der Consorsbank gelten nur für Abschlüsse bis zum 26. März 2021.

 

Basiskonto: Girokonto für alle – immer noch zu teuer

 

Basiskonto: Girokonto für alle – immer noch zu teuer

 

Wer arm ist und kein regelmäßiges Einkommen hat, zahlt für ein Girokonto meist viel mehr als Gehalts- und Rentenempfänger. Rund 250 Euro im Jahr kostet die Kontoführung in der Filiale bei der teuersten Bank. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest nach einem aktuellen Vergleich der Kontoführung für Basiskonten bei 128 Banken und 203 Kontomodellen.

 

Alle Menschen, auch die ohne geregeltes Einkommen, zum Beispiel Sozialhilfeempfänger, Wohnungslose und Geflüchtete, haben seit 2016 einen gesetzlichen Anspruch auf ein Girokonto. Der Test zeigt, dass sie dafür nicht nur besonders viel zahlen, sondern teilweise sogar mehr als beim Vorgänger-Test der Stiftung vor zwei Jahren.

 

Für Filialkontoführung gibt es keine Gratis-Basiskonten mehr. Bei insgesamt 38 Banken müssen zahlungsschwache Kunden weniger als 100 Euro im Jahr zahlen.

Banken begründen den hohen Preis meist mit einem Mehraufwand für Beratung und Eröffnung im Vergleich zum herkömmlichen Girokonto. Der Bundesgerichtshof hat aber am 30. Juni 2020 gegen die Deutsche Bank geurteilt: Ein monatlicher Grundpreis von 8,99 Euro sowie 1,50 Euro für eine beleghafte Überweisung im Rahmen eines Basiskontos sind zu hoch und damit unwirksam (Az. XI ZR 119/19).

 

Der Test Basiskonten ist online unter www.test.de/basiskonten abrufbar.

 

Konditionen-Wirrwarr bei gebührenfreien Gehaltskonten

 

Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei zehn Banken

 

Ein kostenloses Girokonto erfordert bei vielen Geldinstituten, dass Kunden das Konto als Haupt- oder als Gehaltskonto mit regelmäßig eingehenden Beträgen führen. Andernfalls fallen teils deftige Gebühren an. Die Verbraucherzentrale NRW hat zehn Banken gefragt, wie hoch der monatliche Geldeingang sein muss und ob neben der Gehaltsüberweisung auch andere Gutschriften anerkannt werden: etwa Arbeitslosengeld, Mieten oder Eigenüberweisungen.

 

Das Ergebnis: Heftige Unterschiede gab es bei der Höhe des Mindestgeldeingangs. So forderte die Targobank beim Online-Konto 600 Euro pro Monat; alternativ konnte ein Gesamtguthaben von mindestens 10.000 Euro die Strafgebühr abwenden. Monatlich 700 Euro wollten DKB, ING und 1.822direkt sehen.

 

Kunden der Commerzbank und Stadtsparkasse Düsseldorf mussten dagegen schon 1.200, bzw. 1.250 Euro aufbringen. Selbst innerhalb einer Bankengruppe herrschte keine Einigkeit. Während die PSD Westfalen-Lippe auf mindestens 1.000 Euro bestand, akzeptierte die PSD Rhein-Ruhr jeglichen Geldeingang: vorausgesetzt er stammte aus einer Gehalts- oder Rentenzahlung. So hielt es auch die Sparda West.

 

"Wer hat, der muss nicht zahlen" - unter diesem Motto stand das "Extra plus"-Girokonto der Postbank. 3.000 Euro monatlich brauchte es hier, um von Kosten für die Kontoführung verschont zu bleiben. Wer die nicht aufbrachte, zahlte satte 10,90 Euro pro Monat. Oder wechselte zum einfachen Online-Girokonto, für das die Postbank 1,90 Euro pro Monat kassierte.

 

Happige Strafen waren auch bei der Konkurrenz üblich, wenn Bedingungen nicht eingehalten wurde. Das "0-Euro-Konto" der Commerzbank verteuerte sich dann mal eben auf 9,90 Euro im Monat. Die PSD Rhein-Ruhr rief monatlich 7,50 Euro auf. Moderat wirkten da die drei Euro, die auf Sparda-West-Kunden zukamen.

 

Kurios waren die Konsequenzen bei der DKB. Statt mit schnöden Kontoführungsgebühren ärgerte die Bank subtiler: etwa mit der Erhöhung des Dispozinses von 6,74 auf 7,34 Prozent. Und wer die DKB-Kreditkarte in Ländern außerhalb der Euro-Zone zückte, durfte über eine 2,2-Prozent- Gebühr auf seiner Abrechnung staunen.

 

Willkür fand sich auch beim zweiten Punkt der Verbraucherzentralen-Stichprobe: Wo die Quelle des Geldeingangs entspringen muss? Ob außer dem Gehalt auch Mieteinnahmen, Privatrente oder Arbeitslosengeld akzeptiert werden? Oder ob das Hauptkonto bei einer anderen Bank geführt werden darf, von wo aus der erforderliche Betrag zufließt?

 

Commerzbank, DKB, ING, Postbank und die Stadtsparkasse Düsseldorf fuhren in diesem Punkt eine großzügige Linie. Sie interessierte das Woher nicht.

 

Strenger agierten Sparda West und PSD Rhein-Ruhr. Zum Mindesteingang zählten bei beiden neben Gehalt und gesetzlicher Rente nur Lohnersatzleistungen wie Kranken- und Arbeitslosengeld. Mietzahlungen und Eigenüberweisungen wurden hingegen ebenso ausgeklammert wie Privatrenten und Zahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge.

 

Bei der PSD Westfalen-Lippe reichte Arbeitslosengeld nicht als Entree fürs 0-Euro-Konto. Rigeros in der Stichprobe war auch die Ansage der Targobank. Hier zählten allein Gehalt und gesetzliche Rente. Kunden, die hier oder bei der PSD Westfalen-Lippe ein kostenloses Gehaltskonto führen und von Arbeitslosigkeit bedroht sind, sollten das gut im Hinterkopf behalten.

 

Fazit: Viele kostenlose Girokonten warten mit einem Dschungel an Einzelbedingungen auf. Den zu durchforsten, wird Kunden allerdings erschwert: Kein Geldinstitut im Verbraucherzentralen-Check bot im Preisverzeichnis eine detaillierte Auflistung von anerkannten und nicht akzeptierten Geldzuflüssen. Ein Mangel an Transparenz, der zu bösen Überraschungen führen kann, so dieVerbraucherzentrale NRW.

 

Fast jede zweite Bank in Ostdeutschland erhebt Negativzinsen

 

Der Trend zu Negativzinsen reißt nicht ab. Eine aktuelle Verivox-Auswertung von über 700 Banken zeigt: Schon mehr als jedes fünfte Kreditinstitut bittet private Sparer zur Kasse. Allein in Bayern sind es 44 - so viele wie in keinem anderen Bundesland. In Ostdeutschland verlangt fast jedes zweite Geldhaus Negativzinsen.

 

Ostdeutsche Banken verlangen besonders häufig Negativzinsen

 

Für die Analyse hat Verivox die Preisverzeichnisse von über 700 Banken und Sparkassen ausgewertet. Dabei zeigten sich deutliche regionale Unterschiede. Im Verhältnis zur Anzahl der dort ansässigen Kreditinstitute verlangen Banken und Sparkassen in Ostdeutschland mit Abstand am häufigsten Negativzinsen. Zu dieser Region wurden für die Auswertung die neuen Bundesländer und Berlin zusammengefasst. Während bundesweit 22 Prozent der Banken ihre Privatkunden mit Negativzinsen belasten, fordert im Osten fast jede zweite (45 Prozent) ein sogenanntes Verwahrentgelt.

 

Allerdings trifft die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Kreditinstitute in Ostdeutschland auch besonders hart. "Viele Geldhäuser der Region haben hohe Einlagenüberschüsse. Das bedeutet, sie verwahren deutlich mehr Spargelder als sie auf der anderen Seite in Form von Krediten an ihre Kunden ausgeben können", erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Seit der letzten EZB-Zinssenkung im September 2019 müssen Banken auf überschüssige Einlagen, die sie bei der Zentralbank parken, selbst 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen.

 

In Bayern und Nordrhein-Westfalen sitzen die meisten Banken

 

Immer mehr Institute geben diesen Negativzins an ihre Sparer weiter. Im Bundesländer-Vergleich fordern in Bayern (44) und Nordrhein-Westfalen (26) die meisten Banken ein sogenanntes Verwahrentgelt. Allerdings gibt es hier auch insgesamt sehr viele Banken. Der Anteil von Instituten mit Negativzinsen ist in Bayern deshalb nur leicht überdurchschnittlich (26 Prozent). In Nordrhein-Westfalen entspricht er dem Gesamtschnitt (22 Prozent).

 

159 Banken und Sparkassen mit Negativzinsen

 

Von den insgesamt 709 Banken in der Verivox-Auswertung berechnen 149 ihren Privatkunden unter bestimmten Voraussetzungen Negativzinsen. 10 weitere erheben eine Gebühr auf das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto. "Aus Sicht der Kunden entstehen so faktisch Negativzinsen. Das Geld auf dem Konto wird weniger, auch wenn nominal ein Zinssatz von 0,00 oder 0,01 Prozent ausgewiesen ist", sagt Oliver Maier. Zusammen mit diesen 10 Banken verlangen insgesamt 159 Geldhäuser Negativzinsen.

 

Lange Zeit wurden ausschließlich sehr hohe Guthaben von 100.000 Euro und mehr mit Negativzinsen belastet. Doch diese Bastion ist gefallen. 38 Institute räumen ihren Sparern deutlich weniger als 100.000 Euro Freibetrag ein, fünf verlangen ab dem ersten Euro Negativzinsen.

 

Negativzinsen sind kein Naturgesetz

 

In bestehenden Verträgen können Banken Negativzinsen nicht einseitig einführen. Deshalb gilt ein neu eingeführter Negativzins zunächst nur für Neukunden. Will eine Bank auch ihren Bestandskunden Negativzinsen berechnen, muss sie dies mit den Betroffenen individuell vereinbaren.

 

"In diesem Fall raten wir Verbrauchern zum Wechsel", sagt Oliver Maier. "Auch im aktuellen Marktumfeld sind Null- und Negativzinsen kein Naturgesetz." Top-Banken mit deutscher Einlagensicherung zahlen in der Spitze 0,4 Prozent aufs Tagesgeld. Anbieter im europäischen Ausland zahlen teilweise noch höhere Zinsen. Langfristig orientierte Anleger sollten aber auch Alternativen am Aktienmarkt ins Auge fassen. Wer in einen breit gestreuten Index wie den MSCI World investiert und seine Anteile mindestens 15 Jahre lang gehalten hat, war noch nie im Minus und konnte sich im Schnitt über mehr als 7 Prozent Rendite im Jahr freuen.

 

 

Girokonten: Commerzbank schafft kostenloses Konto ab

 

Wer von der Commerzbank noch ein gebührenfreies Girokonto haben will, sollte sich wirklich beeilen. Denn ab 1. Oktober gibt es dieses Konto nicht mehr wie bisher. Noch zahlt niemand eine Monatspauschale, nichts für Überweisungen und die Girocard. Künftig sind diese Privilegien nur den Kunden vorbehalten, die über einen regelmäßigen Geldeingang von mindestens 700 Euro verfügen. Verbraucher, die weniger Geld haben, zahlen dagegen 9,90 Euro im Monat.

 

"Für Bestandskunden", so Commerzbank-Pressesprecherin Ines Henning, "ergibt sich per 1. Oktober aktuell keine Änderung." Eine Bestandsgarantie gibt die Bank aber nicht.

 

Vor der Commerzbank hatten schon Geldhäuser wie ING, BBBank oder die Sparda-Bank München die Gebührenfreiheit abgeschafft oder eingeschränkt.

 

"Es besteht kein Grund zur Panik", sagt Horst Biallo vom gleichnamigen Verbraucherportal. Noch gebe es 38 kostenlose Girokonten, welche die strengen Kriterien der Verbraucherschützer erfüllen:

 

-  keine Kontoführungsgebühr

-  kein Mindestgeldeingang in bestimmter Höhe

-  keine Gebühren für die Girocard (EC-Karte)

-  kostenlose Überweisungen 

 

Es gibt auch Geldhäuser, die in diesem Jahr Gratiskonten neu eingeführt haben. Die Hypovereinsbank (HVB) gewährt für ihr kostenloses "PlusKonto" sogar eine Preisgarantie von fünf Jahren. Das kann für Commerzbank-Wechsler besonders interessant sein, weil man es ebenso in der Filiale führen kann. Onlinebanking ist keine Pflicht.

 

Mit dem "OnlineOnly-Konto" wirbt die Raiffeisenbank im Hochtaunus bundesweit um Kunden. Im Paket enthalten ist sogar eine weltweite kostenlose Bargeldversorgung. Zudem bietet sie Interessenten an, bei ihr Mitglied zu werden. Bis 25.000 Euro sind 2,5 Prozent Dividende drin, zeigt die jüngste Biallo-Untersuchung "Dividenden bei Genossenschaftsbanken".

 

Wer Banking via Smartphone oder Tablet bevorzugt, ist bei der spanischen Openbank richtig. Die Tochter der Santander-Bank bietet auch kostenloses Bargeld weltweit. Eine Schwäche: Noch kann man dort sein Konto nicht überziehen.

 

Ganz neu: Seit ein paar Tagen bietet die Volksbank BraWo (Braunschweig/Wolfsburg) ebenfalls ein kostenloses Konto an. Aber das können nur Kunden aus der Region abschließen, so Horst Biallo.

 

Geld zurück von der Deutschen Bank: Basiskonto-Inhaber können sich nach BGH-Urteil Gebühren erstatten lassen

 

Kundinnen und Kunden, die ein Basiskonto bei der Deutschen Bank haben, können die bis Ende Juni gezahlten Kontogebühren nun in vollem Umfang zurückfordern. Dazu rät die Verbraucherzentrale NRW, die hierfür einen Musterbrief anbietet. Grundlage für die Erstattung ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH, Az. XI ZR 119/19), das der Verbraucherzentrale Bundesverband erstritten hat. Demnach war das Basiskonto der Deutschen Bank überteuert.

 

Jedes Kreditinstitut, das Girokonten anbietet, muss seit 2016 auch ein Basiskonto anbieten. Dieses so genannte „Girokonto für alle“ soll allen Verbrauchern ermöglichen, am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilzunehmen. Zuvor hatten immer wieder Banken vermeintlich problematischen Kundengruppen ein Konto verweigert - etwa Geflüchteten, Wohnungslosen oder Menschen mit Kontopfändung. Allerdings hat der Gesetzgeber nicht klar geregelt, wie viel ein Basiskonto kosten darf. Im Gesetz ist nur von „angemessen“ die Rede. Dies führt häufig zu überteuerten Basiskonten, die sich die oftmals einkommensschwachen Kunden kaum leisten können.

 

Die Deutsche Bank hatte für ihr Basiskonto 8,99 Euro im Monat verlangt plus weitere Entgelte für beleghafte Buchungen. Das vergleichbare Standardkonto „db Aktiv“ kostete zu diesem Zeitpunkt dagegen nur 4,99 Euro. Der BGH hat dieses Basiskontoentgelt für unzulässig erklärt. Die Deutsche Bank hat entsprechend zum 1. Juli 2020 ihre Preise angepasst. „Die bis dahin gezahlten Entgelte für das überteuerte Basiskonto können die Deutsche Bank-Kunden jetzt komplett zurückfordern“, sagt Silke Rey Romero, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. „Da die Entgeltklausel für das Basiskonto unwirksam war, müssen die Kunden für den Zeitraum bis Ende Juni überhaupt keine Kontogebühren mehr zahlen.“

 

Doch automatisch wird das Geldhaus offenbar kein Geld erstatten: Die Bank erklärte in der Presse, sie werde „im Fall von berechtigten Ansprüchen Erstattungen an die betroffenen Kunden leisten“. Betroffene müssen also ihren Anspruch aktiv geltend machen. Sie können hierzu einen Musterbrief der Verbraucherzentrale NRW nutzen: verbraucherzentrale.nrw/MB_Basiskonto_Deutsche_Bank.pdf

 

Falls die Deutsche Bank die Erstattung dennoch ganz oder teilweise ablehnt, können sich Betroffene bei der Verbraucherzentrale NRW beraten lassen. Auch Kunden anderer Banken mit teuren Basiskonto-Entgelten können diese dort auf mögliche Erstattungsansprüche prüfen lassen.

 

Wie Sprach- und Hörgeschädigte ihre Zahlungskarten sperren können

 

Wer nur eingeschränkt sprechen oder hören kann, steht in vielen Alltagssituationen vor großen Herausforderungen, so die Euro Kassensysteme GmbH. Vermeintlich einfache Dinge, wie zum Beispiel ein Telefonat, sind oftmals schwierig. Doch gerade bei Verlust oder Diebstahl von Zahlungskarten ist eine schnelle Reaktion wichtig, um finanzielle Schäden zu vermeiden. Praktische Hilfe bietet Sprach- und Hörgeschädigten die klassische Faxfunktion. Durch einen speziellen Service können sie girocards und Kreditkarten auch per Faxformular sperren. Die entsprechenden Vordrucke sind auf kartensicherheit.de unter der Kategorie "Kartensperrung" erhältlich. Wie auch der telefonische Sperr-Notruf lautet die Faxnummer 116 116.

Bundesweit sind 40 Girokonten noch kostenlos

 

Nach einer aktuellen Untersuchung des Verbraucherportals biallo.de sind bundesweit noch 40 Girokonten kostenlos. Das zeigt ein e Auswertung der Konten von knapp 1.300 Banken und Sparkassen. Verbraucher zahlen in diesem Fall keine monatliche Grundgebühr und müssen dafür auch keinen bestimmten Geldeingang vorweisen. Überweisungen und Girocard sind ebenfalls gratis.

Diese Banken berechnen ihren Kunden auch nichts, wenn sie in Corona-Zeiten lieber mit der Girocard zahlen. Anders ist das bei über 500 Geldhäusern: Sie verlangen bis zu 0,70 Euro je Zahlvorgang. Das betrifft vor allem Kunden, die ein Klassik- beziehungsweise Online-Kontomodell gewählt haben oder ein Basiskonto, das Verbraucher nicht überziehen können.

 

"Wer davon betroffen ist, sollte lieber bar zahlen", rät Sebastian Schick vom Verbraucherportal biallo.de. Aber auch hier heißt es aufpassen. Denn die Hälfte aller Banken und Sparkassen nimmt mittlerweile Gebühren, selbst wenn man bei der eigenen Bank oder im Bankenverbund Geld abhebt. Größere Summen auf einmal abheben, koste weniger als viele kleine Beträge.

 

Taschengeld-Report 2020: Deutsche Eltern setzen auf regelmäßige Beträge

 

Mit Geld umzugehen gehört zu den wichtigsten Lektionen, die ein junger Mensch fürs Leben lernen sollte. Das wissen auch die Eltern in Deutschland, die ihren Kindern in der Regel ab der ersten Klasse ein eigenes Taschengeld zur Verfügung stellen. Wieviel das ist und wovon der Betrag abhängt, hat CosmosDirekt, der Direktversicherer der Generali in Deutschland, in Zusammenarbeit mit forsa herausgefunden.

 

Viele Eltern wissen, wie hartnäckig ihre Sprösslinge sein können, wenn es um die Erfüllung großer und kleiner Kinderwünsche geht. Ein Besuch im Spaßbad, der neue Roller oder ein großer Eisbecher mit Sahne - "Bitte Mama!" und "Papa, darf ich das haben?" schallt es durch den Erziehungsalltag. Dabei können sich viele Kinder diese Wünsche selbst erfüllen, wenn sie den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Finanzen möglichst früh lernen. Mit einem regelmäßigen Taschengeld können Eltern sie dabei unterstützen. Wie es die Eltern in Deutschland mit dem Taschengeld im Jahr 2020 halten, zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von CosmosDirekt.

 

Die durchschnittliche Höhe des Taschengeldes, welches sechs- bis neunjährigen Kindern regelmäßig zur freien Verfügung steht, beträgt demnach in diesem Jahr 3,30 Euro pro Woche bzw. 14,30 Euro pro Monat. 2018 bekamen die Kinder noch durchschnittlich 20 Cent mehr pro Woche bzw. 87 Cent mehr pro Monat. Positiv: Für Mädchen und Jungen ist das durchschnittliche Taschengeld genau gleich hoch. Dagegen haben 45 Prozent der Kinder kein eigenes Geld zur Verfügung - das ist der höchste Stand seit 2013.

 

Befragt nach den Kriterien für diese Höhe, orientierten sich 67 Prozent der Eltern am Alter ihres Kindes. Weitere Faktoren sind die Klassenstufe (17 Prozent) und das Verhalten der Kinder (zwölf Prozent). Die Taschengeldhöhe von den Schulnoten abhängig zu machen - was früher durchaus üblich war - scheint der Vergangenheit anzugehören: Nur sechs Prozent der Eltern entschieden sich für diese Antwortmöglichkeit. Damit folgen die meisten Eltern den Empfehlungen von Erziehungsexperten, Taschengeld nicht als Erziehungsmittel in Form von Belohnung oder Bestrafung zu nutzen.

 

Seit 2013 untersucht CosmosDirekt neben der Höhe und der Kriterien auch die Frequenz, mit der die Kinder neues Futter für ihr Sparschwein erwarten können. Lediglich ein Prozent der Kinder zwischen sechs und neun Jahren bekommen in 2020 ihr Taschengeld täglich ausbezahlt. Fast drei Viertel (74 Prozent) haben ein wöchentliches Budget und 24 Prozent der Kids dürfen sich einmal im Monat auf Taschengeld freuen. "Die wöchentliche Auszahlung ist ideal für Kinder im Grundschulalter", weiß Nicole Canbaz, Vorsorgeexpertin bei CosmosDirekt. "Dadurch lernen sie, sich ihr Geld einzuteilen und damit auszukommen. Gleichzeitig ist eine Woche ein überschaubarer Zeitraum, für den auch die jüngsten ABC-Schützen gut planen können."

 

 

Giro-Guthaben der Deutschen überschreitet erstmals Ein-Billionen-Euro-Marke

 

42 Prozent des Geldes auf deutschen Konten liegt auf unverzinsten Girokonten statt auf zinsbringenden Tagesgeld-, Festgeld- und Sparkonten

 

Die Deutschen halten mehr Geld als je zuvor auf dem Girokonto. Mit mehr als einer Billion Euro erreichte das Girovolumen im April 2020 hierzulande ein historisches Rekordhoch und hat sich damit seit dem Jahr 2013 verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute erschienene Analyse des Fintech-Unternehmens Deposit Solutions. Mindestens 42 Prozent des Gesamt-Geldvolumens auf deutschen Konten - über 14.000 Euro pro Bundesbürger - bleiben damit unverzinst.

 

"Ein großer Teil der Ersparnisse der Deutschen bleibt unverzinst auf dem Girokonto liegen, statt zinsbringend auf Tages- oder Festgeldkonten angelegt zu werden. Damit entgehen den Sparern Jahr für Jahr Erträge - auch in Zeiten von Niedrigzinsen.", sagt Dr. Tim Sievers, CEO und Gründer von Deposit Solutions. "Klar im Vorteil sind Kunden, deren Bank es ihnen ermöglicht, höher verzinste Tages- und Festgeldprodukte anderer Institute ganz einfach über das bestehende Konto zu nutzen." In Deutschland bieten unter anderem Institute wie Deutsche Bank, Hamburger Sparkasse und zahlreiche genossenschaftliche Banken ihren Kunden eine solche Lösung an.

 

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit seinem Giro-Anteil im Mittelfeld. Während Niederländer und Franzosen mit 17 bzw. 33 Prozent wesentlich weniger Geld auf Girokonten halten, ist der Giroanteil in Italien und Spanien mit 67 bzw. 80 Prozent am höchsten.

 

Auch bei der Nutzung von Sicht- gegenüber Termineinlagen lassen sich zwei Lager in Europa unterscheiden: Deutsche, Italiener und Briten tendieren dazu, ihr Geld flexibel auf Giro- oder Tagesgeldkonten zu halten. Nur rund ein Drittel ihres Geldes liegt an Fristen gebunden auf Festgeld- oder Sparkonten. Franzosen dagegen legen zwei Drittel ihres Geldes fest an und halten nur ein Drittel flexibel abrufbar auf Giro- oder Tagesgeldkonten.

 

Die Analyse von Deposit Solutions zeigt, dass die Verteilung der Ersparnisse zwischen verzinslichen und unverzinslichen Konten in den einzelnen Ländern stabil bleibt, im Vergleich von Land zu Land jedoch stark variiert.

 

Unterschiedliche Sparpräferenzen wirken sich dabei auch auf die Einlagenfinanzierung der Banken in Europa aus. "Für Banken aus Ländern, in denen die Menschen nicht von sich aus auf Sparkonten setzen, ist die Finanzierung über Einlagen teurer als sie sein müsste. Um diese Herausforderung zu lösen, treiben wir die Entwicklung hin zu einem europäischen Einlagenmarkt weiter voran - damit Banken Kundeneinlagen über Ländergrenzen hinweg einsammeln und Sparer über ihre heimische Hausbank europaweit Zinsangebote nutzen können. Als neue Infrastruktur für einen offenen Einlagenmarkt verbindet unsere Plattform schon heute mehr als 150 Banken aus 20 europäischen Ländern", so Tim Sievers. "Damit füllen wir die Idee eines einheitlichen europäischen Marktes mit neuem Leben."

 

Corona-Virus: Tipps fürs Geldabheben am Automaten

 

Laut Deutscher Bundesbank heben die Deutschen derzeit deutlich mehr Bargeld ab als gewöhnlich. Immer schon war es wichtig, bei der Bedienung von Geldautomaten auf ausreichend Abstand zu anderen Personen zu achten. In Zeiten des Corona-Virus ist jedoch ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern unbedingt einzuhalten und gegebenenfalls einzufordern. Um den direkten Kontakt mit bloßen Händen zu vermeiden, können Karteninhaber Schutzhandschuhe, ein Taschentuch oder einen Stift für die Bedienung des Automaten nutzen. Dabei ist es besonders wichtig, die PIN-Eingabe zu verdecken. Falls die Eingangstür der Bank oder Sparkasse nicht bereits geöffnet ist, kann mit den genannten Hilfsmitteln auch der automatische Türöffner betätigt werden. Bei Verlust oder Diebstahl der girocard verhindert ein schnelles Sperren größere Schäden. Der zentrale Sperr-Notruf 116 116* für girocards und die meisten Kreditkarten ist auch in Zeiten von COVID-19 weiterhin rund um die Uhr telefonisch erreichbar.

 

* Sperr-Notruf 116 116 aus Deutschland kostenfrei. Aus dem Ausland mit jeweiliger Landesvorwahl von Deutschland vorweg (meist +49). Sollte der Sperr-Notruf in seltenen Fällen aus dem Ausland nicht geroutet werden können, gibt es alternativ die Rufnummer +49 (0) 30 4050 4050; Gebühren für Anrufe aus dem Ausland abhängig vom ausländischen Anbieter/Netzbetreiber.

 

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