Steuerfalle Kryptowährungen:                                                                        Was Privatanleger beim Kauf von Bitcoin & Co. wissen müssen

Virtuelle Währungen kein gesetzliches Zahlungsmittel

Spekulationsgewinne können steuerpflichtig sein

Freibetrag pro Jahr in Höhe von 600 Euro

 

Privatanleger mit Aktien, Fondsanteilen und anderen regulierten Anlageprodukten im Depot kommen meist kaum noch mit dem Finanzamt in Berührung – die Banken führen für sie die Abgeltungsteuer ab und verrechnen gegebenenfalls Gewinne mit Verlusten. Ganz anders ist das bei Investitionen in Kryptowährungen. Waren diese bisher ein Nischenphänomen, so hat der steile Kursanstieg von Bitcoin und anderen Kryptowährungen auch andere Anleger zum Kauf animiert. Manche Einzelhändler werben sogar damit, dass man bei ihnen mit dem virtuellen „Geld“ bezahlen kann. Aber: Die Geldbestände in virtuellen Währungen werden rechtlich weder als (Fremd-)Währung, noch als Kapitalanlage, sondern als sonstige Wirtschaftsgüter behandelt. Gewinne und Verluste können daher für die Steuererklärung relevant sein.

 

Werden etwa Bitcoins innerhalb der Jahresfrist mit Gewinn verkauft, handelt es sich dabei um Spekulationsgewinne, die dem regulären Einkommenssteuersatz unterliegen. Ob dieser Veräußerungsgewinn durch Umtausch, beim Einkaufen oder an der Börse entsteht, macht aus Sicht des Finanzamts keinen Unterschied. Wer in eine virtuelle Währung investiert hat, sollte daher den Anschaffungsvorgang dokumentieren. Denn um den zu versteuernden Betrag zu ermitteln, braucht man die Anschaffungskosten. Hier kann zur Vereinfachung die „First-in-first-out“-Methode (Fifo) angewendet werden: Danach wird unterstellt, dass die zuerst erworbenen Coins auch zuerst veräußert werden.

 

Die gute Nachricht: Gewinne können mit Verlusten aus anderen Spekulationsgeschäften im selben Jahr verrechnet werden. Kosten der Geschäfte mindern den Gewinn bzw. erhöhen den Verlust. Und wenn trotzdem noch ein steuerlicher Gewinn entstanden ist, gilt ein Freibetrag von 600 Euro, so der Bundesverband deutscher Banken.

 

Neue Kryptowährungen sind hochriskante Geldanlagen

Im Hype um Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs) reiten auch unseriöse Anbieter auf der Welle mit. Sie locken Verbraucher über die angebliche Neuemission digitaler Währungen in fragwürdige Investments. Den Marktwächterexperten liegen Hinweise auf unseriöse ICOs vor.

 

ICO steht für Initial Coin Offering – eine Variante des Crowdinvestings, bei dem ein Unternehmen von privaten Anlegern Kapital einsammelt. Bei ICOs werden neue digitale „Währungseinheiten“ erzeugt, beispielsweise neu emittierte Kryptowährungen, die interessierte Anleger kaufen können. „Dubiose Anbieter nutzen den Hype um Bitcoin, Ethereum, Ripple und Co. und ködern Anleger mit dem Argument, bei einer neuen, erfolgversprechenden Kryptowährung von Anfang an dabei zu sein“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen.

 

Vorwand für unseriöse Anlagangebote

 

Die Strukturen und Vorgehensweisen mancher zwielichtiger ICOs sind den Marktwächter-Experten nur zu bekannt: „Neben der eigentlichen Funktion eines ICO, der Kapitalaufnahme, bietet man den Anlegern mehrstufige Vergütungspläne an, wenn diese neue Anleger werben. Dabei bleibt das eigentliche Ziel des ICOs meist intransparent und wird nur unzureichend beschrieben“, meint Brandes. Manche Angebote lassen deshalb nach Ansicht des Marktwächterteams vermuten, dass es sich um Schneeballsysteme handeln könnte.

 

Unfaire Geschäftsbedingungen, unvollständige Dokumente

 

Recherchen der Marktwächterexperten zeigten: Oft fehlen auf den Internetseiten der Anbieter konkrete Ansprechpartner, häufig ist ein Firmensitz im Ausland oder gleich in mehreren ausländischen Staaten angegeben.

 

Die verfügbaren Roadmaps, Whitepaper oder Businesspläne – Dokumente, die einen sachlichen Überblick über Risiken und Chancen des Unterfangens geben sollten – sind oft knapp und unvollständig.

 

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden sich Klauseln, die Verbraucher benachteiligen – so zum Beispiel der Hinweis, dass der Anbieter die Gebühren und Bedingungen jederzeit und ohne Hinweis an die Mitglieder ändern kann oder etwa Nutzerkonten nach eigenem Ermessen schließen kann.

 

„Diese Investments bergen ein hohes Potenzial für Missbrauch, da der Verkauf häufig gegen virtuelle Währungen wie Bitcoin oder Ethereum erfolgt“, meint Brandes. Auch die europäische Finanzaufsicht ESMA wies bereits darauf hin, dass ICOs aufgrund ihrer Anonymität und der Möglichkeit, in kurzer Zeit hohe Geldbeträge aufzunehmen, anfällig für Betrug und unerlaubte Tätigkeiten seien.

 

ICO für Anleger immer riskant

 

Aber auch bei vermutlich seriösen Angeboten sollten Verbraucher vorsichtig sein, meint Brandes: „ICOs sind hochspekulative Anlagen mit Totalverlustrisiko. Zudem betätigen sich hier häufig Start-ups, die noch in den Kinderschuhen stecken.“ Nach Einschätzung von Experten entwickelt sich nur sehr wenige dieser Unternehmungen zu einem erfolgreichen und langfristigen Geschäft. Geht ein Start-up in die Insolvenz, haben Verbraucher kaum Chancen, entschädigt zu werden.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt. 

 

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