ZDF-Magazin Frontal 21: Schutz vor Berufsunfähigkeit nicht ausreichend

SPD fordert schärfere Gesetze für Versicherungen: Schutzniveau bisher nicht erreicht

 

Die SPD will den Schutz vor Berufsunfähigkeit stärken und fordert deshalb schärfere Gesetze. Das Schutzniveau reiche derzeit nicht aus, kritisierte die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sarah Ryglewski im ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag, 17. Juli 2018, 21.00 Uhr. "Bei den Zahlen, die wir jetzt haben, ist das eigentlich eindeutig." Laut Versicherungsbranche haben nur rund 25 Prozent aller Arbeitskräfte in Deutschland eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Dabei halten Experten den Schutz vor Berufsunfähigkeit für existenziell.

 

Konkret fordert die SPD, dass die Gesundheitsfragen bei Antragstellung stärker standardisiert werden. Die Bearbeitungsdauer von Leistungsanträgen soll nach dem Willen der SPD zeitlich begrenzt werden. Außerdem soll jeder das Recht bekommen, eine Versicherung zu bezahlbaren Konditionen abzuschließen. Ryglewski bemängelt, Berufsunfähigkeitsversicherungen seien für viele Menschen gar nicht oder nur zu einem sehr hohen Preis zu haben. Es seien zu große Hoffnungen auf die Privatwirtschaft gesetzt worden. "Deswegen muss man jetzt auch nachsteuern."

 

Der renommierte Branchendienst PremiumCircle Deutschland analysierte jüngst eine zu geringe Marktabdeckung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen. Nach Einschätzung des Geschäftsführers Claus-Dieter Gorr ist die private Vorsorge gegen Berufsunfähigkeit besorgniserregend schlecht. "Wir haben im Endeffekt Marktversagen", sagte Gorr im "Frontal 21"-Interview. Außerdem hätten viele Versicherte im Schadensfall oftmals Probleme, dass Versicherungsgesellschaften vertraglich vereinbarte Leistungen tatsächlich zahlten. Grund seien oftmals intransparente Vertragsbedingungen. Es könne nicht sein, dass bei privaten Versicherungsunternehmen Entscheidungen über Leistungszusagen weit über drei Monate hinausgingen und teilweise ein Jahr oder auch zwei Jahre dauerten. " Hier muss die Politik handeln, ganz klar", sagt Gorr.

 

Die SPD will mit ihrer Forderung offenbar Folgen der Sozialreformen abfedern, die die rot-grüne Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder und Arbeitsminister Walter Riester (beide SPD) im Jahr 2001 beschlossen hatte. Dabei wurde die Berufsunfähigkeitsversicherung aus der gesetzlichen Rentenversicherung herausgelöst und durch eine Erwerbsminderungsrente ersetzt. Die Menschen sollten sich privat gegen Berufsunfähigkeit versichern. Der Sozialwissenschaftler Prof. Stefan Sell von der Universität Koblenz kommt 17 Jahre später zu einem vernichtenden Urteil: "Der Staat hat damals eine funktionierende Absicherung der Berufsunfähigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung gekillt, um Geld zu sparen. Und hat die Menschen verwiesen an die private Versicherungswelt, ohne aber der privaten Versicherungswelt klare Vorschriften zu machen", sagt er gegenüber "Frontal 21".

 

Berufsunfähigkeitsversicherung zählt weiterhin zu den wichtigsten Versicherungen

Alternativprodukte sind wenig präsent

 

Fast jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) oder eine entsprechende Zusatzversicherung (BUZ) zu den wichtigsten drei Versicherungen. Damit zählt die BU neben der privaten Haftpflichtversicherung (51 Prozent) sowie der Kfz- (41 Prozent) und Hausratsversicherung (31 Prozent) erneut zu den relevantesten Versicherungspolicen in der Branche. Dennoch besitzt aktuell lediglich jeder Sechste Deutsche eine BU, womit der Anteil auf dem Niveau von 2015 stagniert. Und das, obwohl durchaus ein Risikobewusstsein in Punkto Berufsunfähigkeit vorhanden ist: 19 Prozent der Befragten stufen die persönliche Gefahr einer Berufsunfähigkeit auf einer 11-stufigen Skala als sehr hoch ein (Top3Box auf der 11-stufigen Skala). Eine Absicherung gegen die finanziellen Folgen wird von einem Drittel der Bevölkerung (34% Top3Box auf der 11-stufigen Skala) als sehr wichtig eingestuft, so die Studie "Berufsunfähigkeitsversicherung 2018“ der internationalen Data and Analytics Group YouGov. 

 

Die junge Zielgruppe vertraut auf Absicherung durch Familie und den Staat

 

Die junge Zielgruppe der unter 33-Jährigen ohne Berufsunfähigkeits- oder BU-Zusatzversicherung nimmt im Vergleich zur Gesamtbevölkerung die Risiken eines möglichen Arbeitsausfalls deutlich geringer wahr. Zudem besteht unter den Jüngeren die Annahme, bei einem längeren beruflichen Ausfall ausreichend durch die Familie abgesichert zu sein. Dieser Ansicht sind 69 Prozent (Top2Box) der Zielgruppe. Ebenfalls sind zwei Fünftel überzeugt, dass der Staat sie im Falle einer Berufsunfähigkeit finanziell auffängt bzw. unterstützt. Trotz der geringeren Risikowahrnehmung und der Annahme, von Familie und Staat unterstützt zu werden, empfindet die junge Zielgruppe unter 33 Jahren die finanzielle Absicherung gegen die Folgen einer möglichen BU als ebenso wichtig wie der Rest der Bevölkerung. Ein knappes Drittel (29 Prozent Top2Box) gibt an, mindestens wahrscheinlich im kommenden Jahr eine BU oder eine entsprechende Zusatzversicherung abschließen zu wollen. Einer der Gründe, warum bisher noch keine BU abgeschlossen wurde ist hier häufig, dass man sich schlichtweg noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat. Das legt die Vermutung nahe, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung ein Verdrängungsthema in der jungen Zielgruppe darstellt.

 

Alternativprodukte zur BU wenig präsent am Markt

 

Als häufigste Alternative zu einer klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung wird in vielen Fällen die Unfallversicherung genannt. Weitere Optionen wie Dread-Disease-, Grundfähigkeits- oder Multi-Risk-Versicherung werden bislang kaum genutzt beziehungsweise gegenwärtig nicht wahrgenommen. Hier zeigt sich deutlich ungenutztes Potenzial, da insbesondere überwiegend körperlich Tätige die Notwendigkeit einer finanziellen Absicherung gegen gesundheitliche Einschränkungen als überdurchschnittlich hoch bewerten, so die YouGov - Studie.

 

Versicherer zahlen bei Berufsunfähigkeit heute deutlich häufiger als noch vor zehn Jahren

Capital: Jeder vierte Antrag auf BU-Rente wird aber nach wie vor abschlägig beschieden

 

Versicherungskunden, die eine private Berufsunfähigkeitsrente beantragen, erhalten diese heute deutlich öfter als früher. Wie das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 6/2018) auf der Basis des aktuellen Ratings des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen von 53 Gesellschaften ausweist, werden im Branchenschnitt rund drei Viertel der BU-Anträge auch genehmigt. Vor gut zehn Jahren lag die Quote bei nur gut 60 Prozent. Damit wird aber nach wie vor jeder vierte Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente abgelehnt. Der häufigste Grund für die Ablehnung ist ein zu niedriger Grad der Berufsunfähigkeit.

 

'Capital' zeigt anhand des Morgen & Morgen-Ratings die Leistungsquoten der Versicherer, also den Anteil der anerkannten Anträge bei jeder Gesellschaft. Danach erzielten 23 Anbieter eine überdurchschnittliche Leistungsquote, zehn von ihnen erreichten sogar den als optimal bewerteten Leistungskorridor. Das sind die Stuttgarter, Württembergische, R+V, HDI, Axa, Sparkassen Versicherung, Allianz, Credit Life, DEVK Eisenbahn und Europa.

 

Neue Umfrageergebnisse zum Leistungsverhalten der Berufsunfähigkeitsversicherer

Bereitschaft zur Transparenz nimmt bei einem Großteil der Unternehmen deutlich ab

 

 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Neue Umfrageergebnisse zum Leistungsverhalten der Berufsunfähigkeitsversicherer zeigen, dass die Bereitschaft zur Transparenz bei einem Großteil der Unternehmen deutlich abnimmt. Allerdings sind bei den diesmal teilnehmenden Versicherern seit der letzten Erhebung Verbesserungen erkennbar. Dennoch besteht zwischen den Unternehmen unverändert eine erhebliche Varianz im Leistungsverhalten. Die PremiumCircle Deutschland GmbH empfiehlt Verbrauchern: Um im Leistungsfall keine Überraschungen zu erleben, sollte nach der Identifizierung der Anbieter mit leistungsstarken AVB kein Vertragsabschluss ohne die Kenntnis von unternehmensindividuellen Leistungskennzahlen erfolgen.

 

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung soll im Ernstfall die Sicherung des Lebensunterhaltes gewährleisten, so die Erwartung der Versicherten. Wie lange sich die Bearbeitung im Leistungsfalls hinzieht, ob gezahlt wird und wie lange, das gleicht für Versicherte und Vermittler jedoch oftmals einem Würfelspiel.

 

Das tatsächliche Leistungsverhalten der Versicherer unterscheidet sich aufgrund der Fülle unbestimmter Begriffe und unverbindlicher Formulierungen in den Vertragswerken so stark, dass Claus-Dieter Gorr, Geschäftsführer der PremiumCircle Deutschland GmbH, nachvollziehbare verbindliche Leitplanken für die Leistungsregulierung fordert: „Schutzbedürftige Verbraucher und Vermittler haben aufgrund hoher Varianzen und fehlender Transparenz derzeit keine Möglichkeit, das tatsächliche unternehmensindividuelle Leistungsverhalten der Versicherer zu identifizieren.“ Er fürchtet, dass ohne verbindliche Leitplanken in den Vertragsbedingungen keine Chance besteht, die unterdurchschnittliche Absicherungsquote von 25 % weiter zu steigern.

 

Gesetzliche Erwerbsminderungsrente verbessert:

Armutsrisiko bleibt

 

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente wird durch eine verbesserte Zurechnungszeit künftig etwas höher ausfallen. Doch nicht jeder Versicherte profitiert davon. Zudem reicht der Zahlbetrag der Rente häufig nicht zum Leben aus.

 

Jährlich müssen etwa 170.000 Menschen frühzeitig in Rente gehen, da sie krankheitsbedingt nicht mehr – oder nur sehr eingeschränkt – arbeiten können. Bisher wurde die Rente für Erwerbsgeminderte so berechnet, als hätten sie fiktiv bis zum 62. Lebensjahr weiter gearbeitet. Von 2018 bis 2024 wird diese Zurechnungszeit schrittweise um drei Jahre verlängert – von 62 auf 65 Jahre. Dadurch erhöht sich die Rente stufenweise. Die verbesserte Regelung gilt allerdings nur für Neurentner. Wer bereits eine Erwerbsminderungsrente bezieht, profitiert nicht davon, erklärt die uniVersa Versicherung. Im Durchschnitt lag der Zahlbetrag bei Neurentnern im Jahr 2016 bei rund 697 Euro monatlich. Ein Grund, weshalb das Armutsrisiko bei Erwerbsgeminderten überproportional hoch ist.

 

Zusammenhänge kaum bekannt

 

Viele Berufstätige sind sich nicht bewusst, dass ihr bisheriger Beruf und ihre Qualifikation nicht berücksichtigt werden, so die uniVersa. Bewertet wird einzig und allein das Restleistungsvermögen am allgemeinen Arbeitsmarkt. Liegt es unter drei Stunden täglich, gibt es die volle Erwerbsminderungsrente. Dieser Wert wird auch in der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung ausgewiesen. Darin steht allerdings nicht, dass es nur die Hälfte gibt, wenn das Restleistungsvermögen nur drei bis sechs Stunden täglich beträgt, so die uniVersa. Ab sechs Stunden entfällt der Anspruch komplett.

 

Arbeitskraft selbst absichern

 

Deutlich komfortabler lässt sich die eigene Arbeitskraft mit einer privaten Berufsunfähigkeitsrente absichern. Sie wird bereits ab einer Berufsunfähigkeit (BU) von 50 Prozent bezahlt. Verbraucher sollten allerdings darauf achten, dass die Rente rückwirkend ab dem ersten Tag gezahlt wird und keine Leistungseinschränkung bei einer verspäteten Meldung erfolgt. Zudem sollte der BU-Prognosezeitraum nicht länger als sechs Monate festgelegt sein und auch keine abstrakte Verweisung auf einen anderen Beruf erfolgen, so die uniVersa.

 

Studie Arbeitskraftabsicherung 2017

Absicherung der Arbeitskraft: Erwerbstätige unterschätzen Risiko

 

Obwohl es seit 2001 keine gesetzliche Absicherung gegen Berufsunfähigkeit mehr gibt, haben sich nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft von derzeit rund 43 Millionen Erwerbstätigen nur 17 Millionen gegen dieses Risiko privat voll oder teilweise versichert. Die staatliche Erwerbsminderungsrente beantragen jährlich um die 400.000 Personen, die derzeit ca. 1,7 Millionen Erwerbsminderungsrentner erhalten laut Deutscher Rentenversicherung eine durchschnittliche monatliche Rentenzahlung die unterhalb des Existenzminimums liegt. Finanziell ein gewaltiges Problem für die Betroffenen.

 

Wie groß ist eigentlich das Risiko des Verlustes der eigenen Arbeitskraft? Fakt ist: Dieses Risiko ist sehr hoch und die Gründe sind vielfältig.

Wer seinen Lebensstandard halten will, wenn er selbst nicht mehr arbeiten kann, kommt um private Vorsorge nicht herum. Was zahlt der Staat, was bieten private Versicherungen an Möglichkeiten? Auf was kommt es an bei der Auswahl?

 

Diese Studie verschafft dem Leser dazu einen aktuellen Überblick.

Druckausgabe: Die Studie ist als Printausgabe für 30 Euro pro Exemplar zzgl. Porto kostenpflichtig erhältlich, solange der Vorrat reicht. Anfragen bitte unter klee@verbraucherfinanzen-deutschland.de

Arbeitskraftverlust - was dann?

Was wäre wenn die eigene Arbeitskraft plötzlich wegfällt - durch Unfall oder schwere Erkrankungen? Wie ist man eigentlich abgesichert und wer sorgt dann für den Lebensunterhalt? Wie ist hier die gesetzliche Absicherung und welche Möglichkeiten hat man mit privaten Versicherungen? Mehr dazu im Video.

 

Psyche ist unverändert Hauptgrund für Berufsunfähigkeit 

Psychische Störungen sind unverändert die Ursache Nummer eins, wenn Menschen berufsunfähig werden. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Debeka hervor. Dafür hat der fünftgrößte Lebensversicherer in Deutschland seinen Bestand von etwa 560.000 gegen Berufsunfähigkeit Versicherten ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei die 2015 rund 1.000 neu eingetretenen Leistungsfälle in der Berufsunfähigkeit.

 

Die drei Hauptgründe: Für 41,7 Prozent waren im Jahr 2015 psychische Störungen Grund für die Berufsunfähigkeit. Als zweiten Grund führt die Debeka mit 17,4 Prozent den Bewegungsapparat – sprich Rücken, Gelenke, etc. an. Mit 13,6 Prozent waren bösartige und gutartige Tumore der drittgrößte Anlass, seinem Broterwerb nicht mehr nachkommen zu können.

 

Fakten zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung

In der Berufsunfähigkeitsversicherung steigt der Frauenanteil langsam, aber stetig. Zudem sichern Frauen ihre Arbeitskraft in jüngeren Jahren ab als Männer, wie aus einer Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor geht. Frauen setzen sich auch früher mit dem Thema Berufsunfähigkeit auseinander als Männer. Dafür spricht zumindest das Eintrittsalter: Frauen schließen eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Durchschnittsalter von gut 28 Jahren ab – und damit rund zwei Jahre eher als Männer. Beide Geschlechter sichern sich bis zum Alter von rund 60 Jahren ab. Im Durchschnitt liegt die versicherte Jahresrente bei gut 10.270 Euro gegenüber durchschnittlich knapp 8.260 Euro im Jahr 2005. Nach Geschlecht differenzierte Daten zur Versicherungssumme liegen nicht vor. Die Statistik beruht auf der Auswertung von rund 6,1 Millionen Versicherungspolicen mit Berufsunfähigkeits- bzw. Erwerbsunfähigkeitsschutz. Die Erhebung deckt damit gut ein Drittel (36 Prozent) des Gesamtbestandes in Deutschland ab.

 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wann lohnt eine Police?

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zählt gerade für Berufsanfänger mit zu den wichtigsten Versicherungsabschlüssen. Denn in der Regel haben sie noch keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Erst wenn Auszubildende oder Studierende wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit vermindert erwerbsfähig geworden sind, wird vor Ablauf der allgemeinen 5-jährigen Wartezeit eine Rente geleistet. "Wer im Falle einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit mit Einkommenslücken rechnen muss, sollte zur Absicherung des Risikos möglichst frühzeitig eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen", empfiehlt Andreas Gernt, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Nicht immer wird in jungen Jahren die richtige Vertragsform oder Entscheidung getroffen wie folgendes Beispiel belegt: Ein lediger junger Mann schließt eine Kapital-Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) ab.
Wenige Jahre später als verheirateter Familienvater und Kreditnehmer einer Immobilienfinanzierung kann er die Beiträge zu dieser teuren Vertragsart nicht mehr aufbringen. Im konkreten Fall musste der bestehende Vertrag beitragsfrei gestellt werden. Der Versicherte hat nur dadurch eine völlig unzureichende BU-Rente zu erwarten. Und wegen seines verschlechterten Gesundheitszustandes wird auch ein neuer Vertragsabschluss zu einem späteren Zeitpunkt erschwert beziehungsweise viel zu teuer. Besser ist es, von vornherein eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, die nicht teuer sein muss.

Die Beratungspraxis zeigt auch, dass immer wieder Verträge mit zu kurzer Laufzeit oder unzureichender Rentenhöhe abgeschlossenen werden. Außerdem gefährden manche Verbraucher ihren Versicherungsschutz durch falsche bzw. unvollständige Angaben zum Gesundheitszustand. Die Verbraucherzentrale empfiehlt:

  • Auf die Vertragsbedingungen achten. Wichtig: die Versicherung sollte darauf verzichten zu prüfen, ob der Versicherte ggf. auch eine andere Tätigkeit als bisher ausüben kann (sog. abstrakte Verweisung).
  • Die Laufzeit des Vertrages möglichst bis zum Eintritt in den Altersruhestand wählen.
  • Alle gestellten Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß beantworten.
  • Wenn ein Vermittler behauptet, dass bestimmte Vorerkrankungen oder Arztbesuche nicht im Antrag angegeben werden müssen, sollte man dies nicht einfach glauben, sondern immer die schriftliche Bestätigung vor Antragsunterzeichnung einfordern.

So mancher Verbraucher hat erst im Leistungsfall erfahren müssen, dass Versicherer wegen Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten leistungsfrei vom Vertrag zurücktreten können und sich mündliche Zusagen oft nur schlecht beweisen lassen. 

ÖKO-TEST Berufsunfähigkeitsversicherungen: Abschreckungskonditionen für bestimmte Berufsgruppen

Viele Verbraucher haben keine Chance auf eine gute und günstige Berufsunfähigkeits-versicherung. Darauf macht das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST aufmerksam, das Policen nicht nur im Hinblick auf Preis und Bedingungen unter die Lupe genommen hat, sondern auch die Annahmepolitik der Versicherer untersucht hat. Das Resümee: Die Assekuranzen picken sich mittlerweile die guten Risiken heraus, bei denen die Gefahr, zahlen zu müssen, eher unwahrscheinlich ist, und weisen Interessenten schon beim kleinsten Zipperlein ab oder schränken den Versicherungsschutz rigide ein. Und nimmt der Kunde die Antragshürde, scheitert der Vertrag oft am Preis.

 

Keine Versicherung im Test ist wirklich spitze. Denn bietet eine Police erstklassige Bedingungen zu bezahlbaren Preisen und sichert obendrein fast alle Berufe wirklich bis zum Rentenalter ab, hakt es bei der Annahmepolitik. Die Beiträge sind vor allem für Berufsgruppen mit körperlicher Belastung geradezu unverschämt teuer, während Akademiker und Führungskräfte den gleichen Schutz oft zum Schnäppchenpreis bekommen. Im Test muss die 30-jährige Krankenschwester zum Beispiel bis zu viermal so viel bezahlen wie die gleichaltrige Krankenhausärztin.

 

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, muss sich schon sehr gut informieren. Die beste Police auf eigene Faust zu finden, kommt einem Glücksspiel gleich. Es gilt, eine Vielzahl von Stolpersteinen zu umgehen. So ist eine Police nur dann empfehlenswert, wenn sie so lange läuft, wie der Kunde auf sein Einkommen angewiesen ist. Doch vor allem für handwerkliche Berufe sind meist nur Verträge erhältlich, die bis zum 60. oder 62. Lebensjahr laufen. Da einen die Berufsunfähigkeitsversicherung ein Berufsleben lang begleitet, ist es zudem wichtig, auf ausreichende Vertragsflexibilität zu achten. 

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wichtige Versicherung nur schwer zu bekommen

 

Den Verlust der Arbeitskraft finanziell abzusichern, ist sehr wichtig. Dafür privaten Schutz zu bekommen, ist für viele Menschen jedoch sehr schwer, wenn nicht unmöglich. Das ist das Ergebnis von Leserumfragen der Stiftung Warentest zu den Erfahrungen bei der Suche nach Berufsunfähigkeitsschutz. In 75 Prozent der über 400 gesammelten Fälle gab es entweder keinen oder nur einen schlechteren Vertrag als gewünscht. Gerade wenn es um psychische Erkrankungen geht, reagieren die Versicherer drastisch. Nur in 25 Prozent der Fälle hatten die Leser keine Probleme und konnten ihren Vertrag wie gewünscht abschließen. Ohne diese Absicherung kann im schlimmsten Fall der finanzielle Ruin drohen, da immer mehr Menschen inzwischen auch praktisch keine staatliche Absicherung mehr für den Fall von Berufsunfähigkeit haben. Denn die gesetzliche Rentenversicherung zahlt Personen, die ab 1961 geboren sind, nur noch dann eine Invaliditätsrente, wenn sie in gar keinem Beruf mehr tätig sein können. Auf dem Papier hat sich das Angebot der privaten Versicherer in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert. Gut ausgebildete, gesunde Interessenten können sich meistens ausreichend versichern. Kunden mit Vorerkrankungen, risikoreichen Berufen oder gefährlichen Hobbys haben es dagegen schwer. Wer eine psychische Vorerkrankung hat, erhält meist gar kein Angebot. Häufig führt schon eine einzige Sitzung beim Psychologen zur Ablehnung. Wer nicht zu schnell aufgibt, kommt manchmal doch noch zum gewünschten Schutz. Wie Kunden vorgehen sollten, zeigt Finanztest in einem ausführlichen Artikel zum Thema, der unter www.test.de/thema/berufsunfaehigkeitsversicherung abrufbar ist.

 

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