Turbulente Zeiten an der Börse – 5 Tipps für Anleger

Die letzte Woche im Februar war nichts für Anleger mit schwachen Nerven: Der US-Leitindex Dow Jones verlor an einem einzigen Tag 1.600 Punkte – so viel wie noch nie zuvor. Die Folge: Kurseinbrüche an den Börsen weltweit, auch in Frankfurt. Mittlerweile hat sich die Wall Street wieder gefangen, und auch der DAX erholt sich von den Turbulenzen. Was bleibt, ist bei vielen Anlegern Unsicherheit – und so mancher Börsen-Neuling fragt sich vielleicht, ob ein Investment in Aktien das Richtige ist. der Bankenverband gibt fünf Tipps für jeden Anleger.

 

1.Zeit mitbringen: Für eine lohnende Aktienanlage ist ein langfristiger Anlagehorizont wichtiger als der Zeitpunkt des Aktienkaufs. Auf kurze bis mittlere Sicht besteht für Aktienanleger dagegen ein erhebliches Risiko. Klar ist: Ein historischer Rückblick bietet keine Gewähr für künftige Wertentwicklungen. Doch die Vorteile einer langfristigen Aktienanlage – einer Beteiligung an ertragsstarken Unternehmen und damit am Produktivkapital der Wirtschaft – bestehen nach wie vor.

 

2.Breite Streuung im Depot: In einem Depot sollte nie nur eine Aktie liegen. Wer nicht selbst einzelne Aktien auswählen und beobachten will, sollte auf Fonds setzen. Zum Beispiel bilden börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) einen zugrunde liegenden Index möglichst genau nach. Fonds sind für kleinere Anlagebeträge besser geeignet als Einzelaktien. Zudem kann man in Aktienfonds auch mit kleineren Beträgen regelmäßig investieren.

 

3.Ruhe bewahren: Die jüngsten Schwankungen an der Börse haben es wieder deutlich gemacht: Wer an der Börse langfristig investiert, muss die Nerven bewahren. Wer als Verbraucher zu schnell handelt, erzielt oft nicht den gewünschten Gewinn, wohl aber hohe Kosten.

 

4.Risikobereitschaft festlegen: Höhere Renditechancen sind auch immer mit höheren Risiken verbunden. Deshalb müssen Kunden sich vor einer Anlageentscheidung über ihre eigene Risikobereitschaft im Klaren sein.

 

5.Kosten vergleichen: Für den Kauf und Verkauf von Aktien entstehen Kosten, für kleine Kaufaufträge gelten meist Mindestgebühren. Die Banken bieten zumeist verschiedene Depotvarianten an – hier sollten Anleger die Kosten vergleichen und die auf sie abgestimmte Variante wählen.  

 

Aktien: Finanzamt an Verlusten beteiligen

So mancher Anleger fürchtet DAX Verluste. Da kann es trösten, dass man den Fiskus an Veräußerungsverlusten beteiligen kann, wenn die Aktien nach 2008 erworben wurden, weist der Bankenverband hin. Denn mit Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge (pauschal 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) seit dem 1. Januar 2009 lassen sich sämtliche Verluste aus Kapitalanlagen mit abgeltungsteuerpflichtigen Gewinnen verrechnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Anleger die Wertpapiere wenige Tage oder mehrere Jahre gehalten hat. Allerdings sind Kursverluste aus Aktien, die ab Anfang 2009 gekauft wurden, auch nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechenbar. Auf Verluste aus allen anderen Wertpapieranlagen können dagegen nicht nur Kursgewinne, sondern auch Zinsen und Dividenden angerechnet werden. Wenn es sich um Geldanlagen im Inland handelt, übernehmen die Banken für den Anleger die Verlustrechnung. Bleibt am Jahresende mangels verrechenbarer Erträge ein Überhang, überträgt die Bank diesen auf das nächste Jahr und verrechnet die Verluste dann. Es sei denn, der Kunde will seine Verluste im Rahmen der steuerlichen Veranlagung geltend machen. Dann muss er bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung beantragen. Wer seine Aktien vor dem Jahr 2009 gekauft hat, kann Veräußerungsverluste nicht mit Gewinnen verrechnen. Umgekehrt gilt hier aber auch: Werden solche „Altbestände“ nun verkauft, bleiben Kursgewinne steuerfrei, so der Tipp des Bankenverbandes.

 

Augen auf beim Aktienkauf – Nur ein gut informierter Anleger hat Aussicht auf Erfolg

Aktien sind so beliebt wie seit Jahren nicht mehr. Die Börse Stuttgart hat wertvolle Tipps für Anleger, die den Einstieg am Aktienmarkt wagen wollen. Aktien erleben einen neuen Aufschwung. Rekordverdächtig niedrige Zinsen für sichere Bundesanleihen und die hohe Unsicherheit über die weitere Entwicklung der europäischen Staatsschuldenkrise lassen Sachwerte derzeit für viele Investoren attraktiv erscheinen. Mitten in der Krise steigt deshalb das Interesse von Privatanlegern an Aktien. „Wir stellen fest, dass sich Privatanleger momentan wieder stärker in Aktien engagieren“, sagt Richard Dittrich, Leiter der Kundenbetreuung an der Börse Stuttgart.

Diesen Trend bestätigt eine Statistik, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) veröffentlicht hatte. Somit besitzen nun 10,2 Millionen Menschen direkt oder indirekt über Fonds Aktien – so viele wie seit dem Boomjahr 2007 nicht mehr. Tatsächlich erscheinen die Bedingungen für Aktionäre mit längerfristigem Anlagehorizont derzeit günstig. Viele Titel aus dem deutschen Standardwerte-Index DAX weisen Dividendenrenditen zwischen 3 und 7 Prozent auf und sind mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen im einstelligen Bereich günstig bewertet. Hinzu kommt, dass Aktien Sachanlagen sind, wie Dittrich erklärt: „Jeder, der ein Investment in Aktien tätigt, kauft damit auch einen Anteil am Anlagevermögen des Unternehmens. Dieser Vorteil spielt für Privatanleger angesichts möglicher Inflationsrisiken eine immer wichtigere Rolle.“

 

Nur ein gut informierter Anleger hat Aussicht auf Erfolg 



Wer einsteigen will, sollte laut Dittrich allerdings einige Punkte beachten: „Es ist wichtig, sich vor dem Kauf umfassend zu informieren. Privatanleger sollten nur in Firmen investieren, deren Geschäftsmodell sie durchdrungen haben.“ Dittrich vergleicht dies mit dem Autokauf: So wie sich viele Deutsche vor der Entscheidung für ein neues Auto intensiv mit Details wie der Motorisierung und den Ausstattungsvarianten beschäftigten, sollten sich Anleger vor dem Aktienkauf mit den Kennzahlen des Unternehmens, den angebotenen Produkten und Dienstleistungen sowie der Konkurrenzsituation im Umfeld des Unternehmens auseinandersetzen. Denn immer noch gelte die Grundregel, dass man nur in Unternehmen investieren soll, deren Risikoprofil dem eigenen entspricht. „Darüber hinaus sollten Anleger auch nur Geld investieren, auf das sie in den nächsten Jahren nicht angewiesen sind“, so Dittrich weiter. „Denn wer in Aktien investiert, hat in der Regel einen Anlagehorizont zwischen fünf und zehn Jahren und ist eher mittelfristig orientiert.“ Einer der Gründe dafür: Längere Halteperioden können starke Verluste in einzelnen schlechten Jahren ausgleichen und dadurch das mit Aktien verbundene Risiko abmildern.

 

Risikostreuung ist der Schlüssel zu einer ausgewogenen Geldanlage

 

Misstrauisch sollten Anleger immer dann werden, wenn sie mit unrealistisch hohen Renditeversprechen gelockt werden. Oft handelt es sich bei den entsprechenden Aktien um Pennystocks mit Kursen im Centbereich. „Solche Papiere sind hochspekulativ und nur für erfahrene, risikoaffine Anleger geeignet“, sagt Dittrich. Dies sei schon darin begründet, dass sich die Beschaffung valider Informationen zu solchen Unternehmen häufig sehr schwierig gestalte. Anleger sollten sich daher immer fragen, wer von solchen dubiosen Anlageempfehlungen profitieren könnte, so Dittrich weiter. Grundsätzlich gelte, dass ausreichendes Wissen über Börse und Finanzen der beste Schutz für Anleger sei.

 

Altersvorsorge mit Aktien - unverstanden, ungeliebt und ungenutzt

Eine relative Mehrheit der Deutschen (43 Prozent) hält Altersvorsorge mit Aktien für zu unsicher und deren Kursschwankungen für zu gefährlich. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), die von INSA Consulere durchgeführt worden ist. Vor allem unter Frauen ist die Auffassung verbreitet, dass sich Aktien für die Altersvorsorge nicht eignen: 47 Prozent schätzen Aktien als zu unsicher für die Anlage von Altersvorsorgevermögen ein. Unter den Männern vertreten 39 Prozent diese Auffassung. Dieses Vorurteil, das sich nicht mit Fakten belegen lässt, ist demnach weit unter den deutschen Sparern verbreitet.

 

Vor allem Ältere treffen diese Einschätzung. Die Umfrage zeigte eine fast schon lineare Abhängigkeit vom Alter. Während unter den 18- bis 24-Jährigen lediglich 27 Prozent Aktien für die Altersvorsorge für problematisch halten, sind es in der Altersgruppe ab 65 Jahren mit 53 Prozent nahezu doppelt so viele. Ein klarer Zusammenhang zeigt sich auch mit dem Einkommen. Je höher das Einkommen, desto eher werden Aktien als geeignetes Mittel für die Altersvorsorge angesehen. Aktien in der Altersvorsorge sind also am ehesten bei jüngeren Männern mit höherem Einkommen anzutreffen.

 

„Obwohl sich die Experten einig sind, dass Aktien wegen der langfristigen Anlagedauer für die Altersvorsorge sehr gut geeignet sind, herrscht unter den Deutschen verbreitet eine gegenteilige Auffassung. Sie lehnen mehrheitlich Aktien in der Altersvorsorge ab. Die Anbieter von Altersvorsorgeprodukten werden noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen“, erklärt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern nach Auswertung der jüngsten DIA-Umfrage.

 

Großes West-Ost-Gefälle beim Aktienbesitz

Auch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Deutschland ein geteiltes Land, zumindest was die Aktienquote angeht: In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besitzen in keinem Kreis mehr als fünf Prozent der Bevölkerung Aktien oder Fonds. Einen so geringen Wertpapierbesitz findet man in den westlichen Bundesländern nur im Saarland. Dies sind Ergebnisse des aktuellen comdirect Anlage-Atlas. Die soziodemografische Analyse zum Anlageverhalten der Deutschen wurde im Mai 2018 durchgeführt.

 

Fonds besitzen nur 1,6 Prozent der Ostdeutschen (inklusive Berlin). In den westlichen Bundesländern sind es dagegen 15,3 Prozent. Auch wenn dies bereits eine deutlich höhere Quote als im Osten ist, zeigen die Ergebnisse, dass die Deutschen insgesamt Wertpapier-Muffel sind. Nur jeder achte Bundesbürger investiert in Fonds, bei Aktien ist es sogar nur knapp jeder Dreizehnte. Das wirkt sich negativ auf den Sparerfolg der Deutschen aus, erklärt Matthias Hach, Vorstandsmitglied der comdirect bank AG: „Allein im ersten Quartal 2018 haben deutsche Sparer 7,1 Milliarden Euro verloren, weil sie auf Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen setzen. Deren Verzinsung liegt zum Teil deutlich unter der Inflationsrate. Das zeigt: An Wertpapieren führt beim langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei.“

 

Mehr Aktionäre auf dem Land als in der Stadt

 

Auch zwischen Land und Stadt wird ein Gefälle sichtbar: Menschen in ländlichen Gebieten setzen stärker auf Aktien und Fonds als Großstädter. In den 401 Kreisen und kreisfreien Städten besitzen im Durchschnitt 7,5 Prozent der Bevölkerung Aktien. Bei den 50 größten Städten Deutschlands liegt der Schnitt dagegen nur bei rund vier Prozent, so zum Beispiel in Heidelberg (4,3 Prozent) und Nürnberg (3,8 Prozent).

 

Auch beim Fondsbesitz zeigt sich eine deutliche Diskrepanz: Mit knapp 13 Prozent entspricht Düren in Nordrhein-Westfalen dem Durchschnitt unter den Kreisen und kreisfreien Städten. Unter den größten Städten liegt dieser bei nur rund sieben Prozent – so in Augsburg (7,4 Prozent) und Karlsruhe (6,9 Prozent).

 

„Das Ergebnis überrascht auf den ersten Blick, bei unserer letzten Befragung vor zwei Jahren war es noch umgekehrt“, sagt comdirect-Vorstand Hach. Ein Grund könnte sein, dass Menschen aus ländlicheren Gebieten im Schnitt über ein höheres Haushaltsnettoeinkommen als Großstädter verfügen. „Es gibt nach wie vor einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Aktienbesitz. Dabei ist die Geldanlage mit Wertpapieren schon ab 25 Euro im Monat möglich. Gerade für diejenigen, die weniger Geld zur Verfügung haben, bieten Wertpapiere die Chance, sich langfristig ein finanzielles Polster aufzubauen“, sagt Hach.

 

München und Bayern insgesamt sind Vorreiter

 

Im Bundesvergleich ist der Süden Deutschlands Spitzenreiter in Sachen Aktien und Fonds. Hier legen deutlich mehr Menschen ihr Geld in Wertpapiere an als in anderen Regionen. Unter den größten Städten führt München mit beachtlichem Abstand die Liste an: Fast jeder zweite Münchner (49,9 Prozent) hat in einen Fonds investiert. Auf Platz zwei folgt das niedersächsische Oldenburg mit 20,5 Prozent. Aktien besitzt etwa jeder sechste Münchner (16,7 Prozent). Zum Vergleich: In Erfurt sind es nur 0,2 Prozent. Auch im restlichen Bayern setzt sich dieser Trend fort. Neun der zehn Kreise und Städte mit dem höchsten Fondsbesitzanteil liegen in Bayern. Bei Aktien sind es sieben von zehn Kreisen beziehungsweise Städte.

Aber auch in Hessen und Baden-Württemberg leben überdurchschnittlich viele Aktien- oder Fondsbesitzer. In Hessen ist Offenbach (0,9 Prozent) unter allen Kreisen und kreisfreien Städten die einzige mit einem Aktien- und Fondsbesitzanteil von unter fünf Prozent.

 

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