Auszahlungen an rund 54.000 P&R Gläubiger angelaufen 

 

In den Insolvenzverfahren der vier deutschen P&R-Containerverwaltungsgesellschaften werden nun die ersten Zahlungen an die insgesamt rund 54.000 Gläubiger geleistet, deren Forderungen festgestellt sind. Diese erste Abschlagsverteilung hat ein Gesamtvolumen von über 200 Millionen Euro. Die Gläubiger werden dabei vom Insolvenzverwalter in den nächsten Tagen direkt schriftlich über die Auszahlung und deren Höhe bezogen auf ihre individuell festgestellte Forderung informiert.

„Abschlagsverteilungen dieser Größenordnung mit insgesamt über 74.000 Einzelzahlungen sind sehr aufwendig und machen nur Sinn, wenn ausreichend Erträge erwirtschaftet worden sind, was nunmehr der Fall ist. Die Abschlagsverteilung setzt zudem voraus, dass die Gläubigerversammlungen der Aufteilung der Erlöse zwischen den vier P&R-Gesellschaften zugestimmt haben. Zudem wurden so viele Forderungsanmeldungen wie möglich bearbeitet, damit möglichst viele Gläubiger an der Abschlagsverteilung teilnehmen können, was ebenfalls, gerade bei Erbfällen, die es leider häufig gibt, sehr zeitaufwendig war. Umso mehr freut es mich deshalb, dass wir jetzt - weniger als drei Jahre nach Eröffnung der Insolvenzverfahren - schon die ersten Abschlagsverteilungen vornehmen können. Die nächste Zahlung kann aller Voraussicht nach dann bis Mitte 2022 geleistet werden“, so Insolvenzverwalter Dr. jur. Michael Jaffé.

 

Die Durchführung der ersten Abschlagsverteilungen erfolgt im Fall P&R zu einem außergewöhnlich frühen Zeitpunkt für Verfahren dieser Größenordnung und Komplexität. In der Regel kann in einem Insolvenzverfahren eine Ausschüttung an die Gläubiger erst stattfinden, wenn die gesamte Masse verwertet ist. Ausnahmsweise erlaubt die Insolvenzordnung unter bestimmten engen Voraussetzungen jedoch eine vorzeitige Ausschüttung eines Teilbetrags an die Gläubiger, eine sogenannte „Abschlagsverteilung“.

 

Im Fall P&R mussten dafür zunächst die Verwertung der vorhandenen Container stabilisiert und die Erlöse für die Gläubiger gesichert werden. Darüber hinaus musste eine rechtssichere Regelung für die Erlösverteilung gefunden werden, die zu einer Gleichbehandlung der Gläubiger führt. Dies konnte coronabedingt nur in einem aufwendigen und langwierigen schriftlichen Verfahren erfolgen, statt wie üblich in einer Präsenz-Gläubigerversammlung. Zudem mussten Daten und Adressen der Gläubiger abgeglichen bzw. aktualisiert werden. Dabei steht in einigen Fällen die Rücksendung etwa von Bestätigungen der Bankverbindung immer noch aus.

 

„Wir wollen natürlich möglichst alle Forderungen von Gläubigern bei den Abschlagsverteilungen berücksichtigen und bitten deshalb in den noch offenen Fällen um eine schnelle Übermittlung der notwendigen Daten, damit wir auch diese zügig abschließen können. Auch ein Abschluss des vorgeschlagenen Vergleichs, der zu einer raschen und unkomplizierten Forderungsfeststellung führt, ist weiterhin möglich“, betont Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé. Der Zahllauf für die Abschlagsverteilung beginnt ab dem 20. Mai 2021 und soll auch in den noch offenen Fällen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

 

Anleger, die bislang keine Hemmungsvereinbarung unterzeichnet haben, werden nochmals angeschrieben

 

Der Insolvenzverwalter wird in den nächsten Tagen die Anleger, die bislang noch keine Hemmungsvereinbarung unterzeichnet haben, nochmals anschreiben. Das betrifft vor allem Anleger, die ihre Gelder - letztlich „auf Kosten“ der Anleger, die heute noch Gläubiger sind - vor der Insolvenz vollständig zurückerhalten haben. Denn bei dieser Anlegergruppe fehlen noch zahlreiche Hemmungsvereinbarungen, während die Anleger, die heute noch Gläubiger sind, nahezu einhellig verstanden haben, dass der Abschluss der Hemmungsvereinbarung in ihrem Interesse liegt und diese akzeptiert haben. Diese bereits ab August 2019 vom Insolvenzverwalter verschickte Hemmungsvereinbarung soll vor allem die Verjährung von möglichen Anfechtungsansprüchen des Insolvenzverwalters hemmen, betrifft aber auch denkbare Ansprüche der Anleger gegen die Gesellschaften.

 

Die Frage der Anfechtbarkeit wird derzeit durch die Gerichte in repräsentativen Fällen geklärt. Eine solche Klärung ist nicht bis zum 31.12.2021, dem Termin für die gesetzliche Verjährung der Anfechtungsansprüche, möglich. Liegt keine Hemmungsvereinbarung vor, muss und wird der Insolvenzverwalter vor Ablauf der Verjährungsfrist Maßnahmen gegen die Anleger ergreifen (Mahnbescheid, Klageerhebung), um die Gesamtgläubigerinteressen zu wahren. Das ist in den Fällen, in denen eine Hemmungsvereinbarung vorliegt, zunächst nicht notwendig und spart für alle Beteiligten Kosten und Aufwand.

 

Informationen zur Abschlagsverteilung, zu den weiteren Schritten in den Insolvenzverfahren sowie zu relevanten aktuellen Entwicklungen können die Gläubiger auf der eigens eingerichteten Info-Seite unter www.frachtcontainer-inso.de im Internet sowie im Gläubiger-Informations-System (GIS) der Kanzlei (www.jaffe-rae.de) finden.

 

P&R  Insolvenz: Vergleichsvereinbarung angenommen - Verwertungserlöse von mehr als einer Milliarde Euro angestrebt

 

In den Insolvenzverfahren über das Vermögen der deutschen P&R Containervertriebsgesellschaften wurde ein weiterer ganz wesentlicher Meilenstein erreicht: Die Insolvenzverwalter haben mit Zustimmung der jeweiligen Gläubigerausschüsse die von den Gläubigern bereits unterzeichneten Vergleichsvereinbarungen angenommen, nachdem sich die Gläubiger zuvor mit einer überragenden Mehrheit für den Abschluss der Vergleichsvereinbarungen ausgesprochen hatten.

„Nahezu alle Gläubiger haben verstanden, dass der Erhalt der Strukturen wesentlich für die Erzielung von Erlösen ist und dass Alleingänge nur der Gläubigergesamtheit schaden, aber keinen individuellen Vorteil bieten. Hierfür und für das fortwährende Vertrauen in unsere Arbeit bedanken wir uns“, so Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé.

 

Über die Annahme des Vergleichs werden die betroffenen Gläubiger nicht noch einmal gesondert informiert. Vielmehr werden auf dieser Grundlage im Prüfungstermin im November die Forderungen festgestellt, für die ordnungsgemäß unterzeichnete Vergleichsvereinbarungen vorliegen.

 

„Wir gehen für die derzeit angemeldeten Forderungen der Anleger von einem feststellbaren Forderungsvolumen von insgesamt etwas über 3 Milliarden Euro in allen vier Insolvenzverfahren aus“, ergänzen die Insolvenzverwalter. Die Feststellung der Forderung ist Voraussetzung für eine Teilnahme am Insolvenzverfahren und an Abschlagsverteilungen. Die Gläubiger können nach dem Prüfungstermin, also voraussichtlich im Dezember, im Gläubigerinformationssystem unter www.jaffe-rae.de/GIS mit ihrer individuellen PIN, die sie in den Anschreiben finden können, überprüfen, ob und in welcher Höhe ihre Forderung festgestellt wurde. Gläubiger, deren Forderungen festgestellt werden, erhalten darüber keine gesonderte Nachricht durch das Insolvenzgericht. Gläubiger, deren Forderungen ganz oder teilweise bestritten werden, werden entsprechend informiert.

 

Insgesamt wurden in den vier Insolvenzverfahren weit über 80.000 Schreiben an rund 54.000 Gläubiger verschickt. Die wenigen Gläubiger, die noch keinen Vergleichsvorschlag erhalten haben, bitten die Insolvenzverwalter weiterhin um Geduld. „Jede berechtigte Forderung wird auch einen Vergleichsvorschlag erhalten“, so Dr. Jaffé. Die Bearbeitung der noch offenen Fälle, in denen oftmals Rückfragen an die Gläubiger gestellt werden müssen, etwa in Erbfällen oder bei Anmeldungen Minderjähriger, wird noch einige Zeit dauern. Für diese Fälle wird voraussichtlich im kommenden Jahr noch ein weiterer Prüfungstermin stattfinden, bevor es zu Ausschüttungen an die Gläubiger kommt, so dass den Gläubigern, deren Forderung jetzt noch nicht geprüft werden kann, insoweit keine Nachteile entstehen. Unabhängig davon werden die wenigen Gläubiger, die die Vergleichsvereinbarung noch nicht unterzeichnet haben, gebeten, diese zeitnah zurückzusenden, wenn sie den Vergleich annehmen möchten. Ohne eine festgestellte Forderung ist eine Teilnahme an der ersten Abschlagsverteilung, die für das kommende Jahr avisiert ist, nicht möglich.

 

„Auch die Verwertung der Containerflotte zeigt ein sehr positives Bild, wenngleich die zukünftigen Erträge natürlich vom Markt und damit der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängen. Wir werden die aufwändige Verwertung der vorhandenen Containerflotte, die im Wesentlichen in der Vermietung der Container besteht, aber auch aus Verkäufen, wo dies zu guten Preisen möglich ist, fortsetzen. Unser Ziel ist es, aus der Verwertung der vorhandenen Container in den kommenden Jahren Ver- wertungserlöse von über einer Milliarde Euro zu erwirtschaften und dann auch in mehreren Abschlagsverteilungen an die Gläubiger zu verteilen. Auch wenn heute niemand die genaue Höhe der Erlöse garantieren kann, lässt sich schon jetzt sagen, dass mehr als 250 Millionen Euro zum Jahresende bereits realisiert sein werden“, so Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé.

 

Er ergänzt: „Es zeigt sich, dass die Entscheidung, hier keinen Notverkauf vorzunehmen, sondern die Gläubiger davon zu überzeugen, die Containerverwertung ungestört fortzusetzen und die Erlöse im Interesse aller Gläubiger - auch gegen Widerstände - zu sichern, absolut richtig war. Diese Strategie werden wir fortsetzen. Wären die Strukturen zusammengebrochen, wären die Gläubiger leer ausgegangen“.

 

Parallel dazu werden auch Ansprüche gegen Dritte mit Nachdruck verfolgt, zum Beispiel gegen die (ehemaligen) Geschäftsführer und Berater, wenngleich hier im Vergleich zu den Forderungsanmeldungen im Milliardenbereich nicht mit Erlösen zu rechnen ist, die die Quote nennenswert erhöhen werden.

 

Die Frage der Anfechtbarkeit der an die Anleger geleisteten Zahlungen soll in Pilotverfahren geklärt werden. Falls Anleger Rückzahlungen leisten müssen, können sie in korrespondierender Höhe Insolvenzforderungen anmelden und erhalten hierauf eine Quote. Die Quote für die heutigen Gläubiger könnte sich hierdurch noch deutlich erhöhen, denn in diesem Fall würden auch Anleger in die Solidargemeinschaft der Gläubiger einbezogen, deren Anlage bereits vor der Insolvenz in voller Höhe zurückgeführt worden war.

 

 

Andere Rechtsfragen im Zusammenhang mit den Insolvenzverfahren sind mittlerweile weitgehend geklärt: So hat sich zwischenzeitlich das Oberlandesgericht München zur Eigentumslage geäußert und einem klagenden Anleger deutlich gemacht, dass die Anleger, denen kein Zertifikat ausgestellt worden ist, weder Eigentum an Containern noch Ansprüche gegen die Schweizer Gesellschaft erworben haben können. Das Landgericht Bonn hatte einem Anleger, der Klage gegen die Schweizer Gesellschaft erhoben hatte, bereits zuvor untersagt, Ansprüche gegen diese geltend zu machen. Die Gerichte haben mehrfach deutlich gemacht, dass die Anleger in einem ersten Schritt darlegen müssten, wo sich die Container zum Zeitpunkt der vermeintlichen Übereignung befunden haben, denn das auf die Übereignung anwendbare Recht richtet sich insoweit nach dem Recht des sogenannten Belegenheitsstaats. Auch für Anleger, die über ein Zertifikat verfügen, ist dies in aller Regel nicht möglich.

 

Vermögensanlagen: Informationen der Anbieter oft undurchsichtig

 

Untersuchung des Marktwächters Finanzen zeigt mangelnde Transparenz bei Vermögensanlagen

Fehlende Warnhinweise, schwammige Formulierungen bei der Beschreibung von Anlageobjekt und Prognosen, Mängel bei der Darstellung der Kosten: Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hessen zur Transparenz von Vermögensanlagen. In mehr als der Hälfte der untersuchten Fälle informierten Anbieter zudem nicht, in welche Anlageobjekte Verbraucher genau ihr Geld investierten, da es sich um Blindpools handelte.

 

Vermögensanlagen in Form von Beteiligungen, Nachrangdarlehen oder Direktinvestments bergen Risiken bis zum Totalverlust. Sie gehören zum Grauen Kapitalmarkt, in dem die Produkte weniger stark reguliert sind. „Dieses Segment ist aus Verbrauchersicht grundsätzlich problematisch. Verbraucher können Chancen und Risiken wegen der häufig komplexen rechtlichen Ausgestaltung schwer abschätzen“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen. „Sie sind deshalb erst recht auf zuverlässige und transparente Informationen durch die Anbieter angewiesen.“

 

Die Marktwächter-Experten prüften deshalb Werbung und Unterlagen von 36 Vermögensanlagen, die im Herbst 2018 öffentlich angeboten wurden. Die Kriterien wurden auf Basis gesetzlicher Vorgaben (VermAnlG und Kommentierungen) von den Marktwächter-Experten entwickelt.*

 

Blindpools: Beispielhaft undurchsichtig

 

In mehr als zwei Drittel der Fälle (26 von 36) beschrieben die Anbieter die Anlageobjekte nicht angemessen. Anhand der Angaben im dreiseitigen Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) wurde nicht klar, worin genau Verbraucher ihr Geld investierten. Als Kriterien für eine transparente Darstellung prüften die Verbraucherschützer hier zum Beispiel bei Containern Angaben zu Alter, Größe und Vermietungsstatus, bei Infrastrukturprojekten Informationen zu Umfang, Lage und Leistung, bei Projekten mit regenerativen Energien Informationen zur Anbindung dieser Anlagen an Netze.

 

Mit allein 21 Angeboten dominierten Blindpools oder Semi-Blindpools die Stichprobe. „Man wird wenigstens erwarten dürfen, dass Blindpool draufsteht, wenn Blindpool drin ist – aber nicht einmal das ist immer der Fall“, kritisiert Brandes. Wird eine Vermögensanlage in Form eines Blindpools angeboten, muss sich der Anbieter noch nicht verbindlich festlegen, in welche Anlageobjekte er die eingesammelten Gelder im Einzelnen investieren will. Von den 21 untersuchten Blindpools erfüllten sechzehn die Transparenzkriterien der Verbraucherschützer nicht.

 

Mehr Durchblick bei Provisionen und Prognosen erforderlich

 

Neun der 36 untersuchten Anbieter setzten die gesetzlichen Vorgaben zur transparenten Darstellung von Kosten und Provisionen nur unzureichend um. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil hierfür erhebliche Summen zusammenkommen können: In sieben Fällen betrugen die Provisionen zehn bis 15 Prozent und in sechs Fällen sogar mehr als 15 Prozent. Der höchste Wert lag bei 31 Prozent. „Bei derart hohen Provisionen, die ja nur ein Teil der Gesamtkosten sind, dürften sich solche Investments nicht mehr lohnen. Das müssen Verbraucher rechtzeitig erkennen können, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Auch die Gesamtkosten können Verbraucher kaum erkennen, selbst wenn die gesetzlichen Vorgaben formal erfüllt sind“, meint Brandes.

 

Nicht nachvollziehbar fanden die Marktwächter-Experten in vielen Fällen auch die Prognosedarstellung. Hier sollen Anbieter im Prospekt Aussagen dazu machen, wie sich unterschiedliche Marktentwicklungen auf die Auszahlungen auswirken, die Verbraucher erwarten können. 26 der 36 untersuchten Vermögensanlagen waren entsprechend dieser Kriterien nicht transparent beschrieben.

 

Werbung: Warnhinweise gesetzlich vorgeschrieben

 

Werbung für Vermögensanlagen muss der Anbieter laut Gesetz mit einem deutlich hervorgehobenen allgemeinen Hinweis versehen, dass die Anlagen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Von den untersuchten Vermögensanlagen prüften die Marktwächter-Experten die 34 Anbieter, die ihre Produkte auf der eigenen Homepage bewarben und für die diese Angaben verpflichtend waren. Der allgemeine Risikohinweis war zwar in 29 Fällen vorhanden – davon jedoch bei 13 Anbietern nicht deutlich hervorgehoben.

 

Fazit: Viel Luft nach oben in puncto Transparenz

 

Die Informationen zu den untersuchten Vermögensanlagen (VIB, Prospekt und Werbung) boten interessierten Verbrauchern insgesamt überwiegend nicht die Möglichkeit, sich angemessen, also mit Blick auf eine bewusste Anlageentscheidung zu informieren, resümieren die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hessen.

 

„Wenn Anbieter verpflichtende Angaben zu Risiken in grauem Text vor hellgrauem Hintergrund darstellen oder Kosten im Fließtext verschwinden lassen, drängt sich uns der Verdacht auf, dass Verbraucher die Hinweise überlesen sollen“, meint Brandes. „Anbieter müssen die gesetzlichen Vorgaben konsequent einhalten. Dazu gehört neben den verpflichtenden deutlichen Warnhinweisen auch, dass sie in den gesetzlich vorgeschriebenen Dokumenten alle wichtigen Informationen klar und verständlich darlegen. Ein Verbraucher muss wissen, in was er investiert, wenn er das dreiseitige Infoblatt gelesen hat.“

 

* Untersuchung zu Vermögensanlagen: Für die Untersuchung wurden an zwei Stichtagen (12.9.2018 und 10.10.2018) alle Vermögensanlagen elektronisch dokumentiert, die zu diesen Zeitpunkten für eine Investition offenstanden. Hierzu wurden die Internetseiten aller Anbieter überprüft, die seit Juli 2015 eine Vermögensanlage in Deutschland emittiert haben (Veröffentlichungen im elektronischen Bundesanzeiger). Im Ergebnis wurden 36 Vermögensanlagen genauer betrachtet, die an mindestens einem der beiden Stichtage für eine Investition offenstanden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr (2018) 59 Vermögensanlagen mit einem prospektierten Gesamtvolumen von rund 776 Millionen Euro emittiert. Damit erfasst die Untersuchung zirka 61 Prozent aller Vermögensanlagen aus dem Jahr 2018. Die in der Stichprobe ermittelten Vermögensanlagen wurden anhand eines Kriterienkatalogs überprüft, der auf Basis gesetzlicher Vorgaben (VermAnlG und Kommentierungen jeweils für die einzelnen Anlagesegmente) von den Marktwächter-Experten entwickelt wurde.

 

Direktinvestments: Haftungsrisiken oft nicht ausreichend erklärt

 

Marktwächter-Experten bemängeln Aufklärung über Verpflichtungen, die für Verbraucher mit dieser Anlageform einhergehen

 

 

Schiffscontainer, Baumplantagen oder Solaranlagen - bei Direktinvestments erwerben Anleger Eigentum am jeweiligen Anlageobjekt und vermieten oder verpachten es gleich wieder an den Anbieter zurück. In ihren Informationsunterlagen weisen einige Anbieter jedoch nicht ausreichend auf die Risiken und Verpflichtungen hin, die Anleger gerade mit diesem Eigentümer-Status eingehen. Dies zeigen Beobachtungen der Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen.

 

"In den vorliegenden Fällen betonen Anbieter von Direktinvestments, wie sicher und solide solche Anlagen seien, und spielen die Risiken herunter", sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen. "Risiken ergeben sich aber oft gerade aus dem Status des Anlegers als Eigentümer oder Miteigentümer. Diese Informationen sind für Anleger extrem wichtig."

 

Aber auch in den gesetzlich vorgeschriebenen Vermögensanlagen-Informationsblättern und Verkaufsprospekten, die die Anbieter zur Verfügung stellen müssen, erläutern manche Anbieter mögliche Verlustszenarien oder weitergehende Verpflichtungen nur unzureichend oder leugnen sie ganz.

 

Eigentümer tragen weitreichende Risiken

 

Ob Direktinvestments in Container oder Wald - nach Beobachtung des Marktwächterteams können für Anleger finanzielle Verpflichtungen verschiedenster Art entstehen:

 

- Wird bei einem Holzinvestment der Anleger Eigentümer eines Grundstücks, kann er durch Zerstörung der Holzernte einen Totalverlust erleiden. Als Grundstückseigentümer muss er dennoch für Abgaben und Steuern und möglicherweise auch für die Grundstückspflege aufkommen.

 

- Kommt zum Beispiel bei einem Container der vertraglich vorgesehene Rückkauf nicht zustande, etwa weil das Unternehmen insolvent ist, muss sich der Anleger selbst um den Verkauf bemühen. Braucht er dafür einen Makler oder Vermittler, entstehen zusätzliche Kosten.

 

- Fällt das Unternehmen aus, so haftet der Anleger für Wartung und Pflege des Anlageobjekts. Bei einer Baumplantage können beispielsweise weitere Kosten durch den Einsatz von Personal entstehen, das die Bewirtschaftung des Grundstücks übernimmt. Bei

Containern können Hafengebühren anfallen.

 

- Konsequenz aus der Haftung: Als (Mit-)Eigentümer müssen Anleger möglicherweise über das investierte Kapital hinaus Zahlungen leisten. In Verkaufsprospekten und Vermögensanlagen-Blättern stellen Anbieter diese Risiken nicht immer umfassend dar. So fehlte in einem Prospekt zu einem Bauminvestment in Südamerika der Hinweis, dass Anleger nach Laufzeitende den Verkauf ihrer Grundstücke selbst organisieren und bis dahin möglicherweise für Steuern und die Grundstückspflege aufkommen müssen.

 

Die Marktwächter-Experten fanden auch die Formulierung "Es gibt keine weiteren Umstände, unter denen der Anleger verpflichtet ist, weitere Leistungen zu erbringen. Insbesondere gibt es keine Umstände, unter denen der Anleger haftet". "Diese Aussage ist nicht richtig, da ein Anleger in seiner Eigenschaft als Eigentümer sehr wohl haften kann", kritisiert Brandes. "Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, in ihren Informationsunterlagen über mögliche weitergehende Verpflichtungen und Haftungsrisiken aufzuklären".

 

Riskante Anlagen: Darum investieren Menschen in Graumarktprodukte

 

Im Rahmen einer nicht-repräsentativen qualitativen Untersuchung haben die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen Entscheidungsgründe von Verbrauchern für Geldanlegen im Grauen Kapitalmarkt näher untersucht. Die Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass gravierende Veränderungen der Lebensumstände der Anlageentscheidung vorausgegangen sind und ein vertrauensvolles Verhältnis zum Finanzvermittler eine wichtige Rolle gespielt hat.

 

Für die Untersuchung führten die Verbraucherschützer ausführliche Interviews mit 16 betroffenen Verbrauchern, die eine Beratung bei der Verbraucherzentrale wahrgenommen haben. Ziel war es herauszufinden, welche Motive, Umstände und Hintergründe bei den Entscheidungen für ein Produkt des Grauen Kapitalmarkts eine Rolle gespielt haben.

 

„Bislang gab es im Hinblick darauf meist nur Vermutungen. Die vorliegende Untersuchung gibt Hinweise dafür, dass bei Geldanlagen am Grauen Kapitalmarkt die Beziehung zwischen Anleger und dem Vermittler besonders wichtig zu sein scheint“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter beim Marktwächter-Schwerpunkt Grauer Kapitalmarkt in der Verbraucherzentrale Hessen.

 

Vorsorge als Motiv, Vertrauen als Basis

 

In den Interviews konnten verschiedene Muster zur Anlageentscheidung erkannt werden:

 

•Lebensumstände: Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Lebensumstände der befragten Verbraucher unmittelbar vor der Investition gravierend geändert haben: die erste Festanstellung, eine Erbschaft, eine Scheidung oder der Tod des Ehepartners oder schwere Krankheiten. In solchen Phasen sind offensichtlich Bereitschaft oder Bedarf groß, neue Verträge abzuschließen, um den neuen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

 

•Beziehung zum Vermittler: Die Beratungspraxis der Verbraucherzentralen zeigt ebenso wie eine Vorgängerstudie der Marktwächter, dass bei Investitionen am Grauen Kapitalmarkt die Beziehung zwischen Verbraucher und dem Anlagenvermittler von besonderer Bedeutung ist. Die aktuelle Untersuchung gibt hierfür weitere Indizien. In den Interviews antworteten Verbraucher auf die Fragen nach dem Vermittler zum Beispiel: „Jemand, den meine Eltern kannten und gute Erfahrungen gemacht hatten. Da bin ich mit einem guten Gefühl reingegangen“, oder „Ich habe dem vertraut, dem Typ, und bin betrogen worden, um es auf den Punkt zu bringen.“

 

•Anlagemotiv Altersvorsorge: Altersvorsorge oder finanzielle Vorsorge allgemein stand bei einer Gruppe der befragten Verbraucher als Anlageziel im Vordergrund. Sie wollten finanzielle Sicherheiten für sich und ihre Angehörigen schaffen. „Es ging mir darum, dass ich etwas mache, damit ich im Alter nicht in die Altersarmut rutsche.“ „Ein Tageskonto erschien mir nicht ausreichend, um meine Angst vor der Altersarmut zu dämpfen“, lautete die Aussage eines anderen Befragten.

 

•Entscheidungsregeln: Bei komplexen Finanzentscheidungen helfen sich Verbraucher oft mit allgemeinen Faustregeln: Man überträgt Wissen und Erfahrungswerte aus anderen Bereichen auf die aktuelle Entscheidung. In den untersuchten Fällen wandten Verbraucher einige dieser Regeln jedoch nicht richtig an – so zum Beispiel die gängige Einschätzung, dass Immobilien eine vergleichsweise sichere Anlage sind. Mit den Worten eines Verbrauchers: „Da weiß man, was man hat. Und in Krisenzeiten bleibt das bestehen. Da kriegt man vielleicht mal nicht so viel Miete, aber gut, das ist eben etwas, was Hand und Fuß hat.“ Im konkreten Fall handelte es sich aber nicht um eine Investition in eine Immobilie im klassischen Sinne, sondern um einen geschlossenen Immobilienfonds, der für den Anleger ein hohes Risiko bis hin zum Totalverlust birgt. Dies war dem Verbraucher bei Abschluss nicht klar.

 

„Mit den Ergebnissen der Untersuchung wollen wir Ansatzpunkte für weitere Forschungen und eine darauf aufbauende zielgenaue Aufklärung sowie eine verbesserte Regulierung im Grauen Kapitalmarkt liefern. Denn es geht um viel Geld – Geld, das den Verbrauchern später bei der Rente fehlen könnte“, resümiert Brandes.

 

Zur Methode: Für die vorliegende Studie wurden 16 leitfadengestützte Tiefeninterviews mit einer durchschnittlichen Befragungsdauer von ca. 90 Minuten durchgeführt. Alle befragten Verbraucher hatten die die Schadensfallberatung der Verbraucherzentrale Hessen aufgesucht. Die qualitativen Interviews wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Erhebungszeitraum: Juli bis Dezember 2017.

 

Geldanlage in Container: Auf was Anleger achten sollten?

In Zeiten der Niedrigzinsphase fragen sich viele Verbraucher, wo kann ich denn mein Geld noch anlegen, damit ich wenigstens etwas mehr Rendite erhalte?

Das ist erfahrungsgemäß immer auch mit entsprechenden Risiken verbunden, die im schlechtesten Fall womöglich sogar bis zum Totalverlust des Anlagebetrages führen können. Deshalb sollte man als Anleger genau hinsehen, bevor man einen Vertrag abschließt.

Von Börsenkursen und Geldpolitik losgelöst, können Direkt-Investments, wie z.B. in Container oder Wechselkoffer, als Sachwertanlage von Privatanleger gezeichnet werden. Wie funktioniert eine solche Anlage, in was investieren Anleger genau, mit welchen Beträgen und wie ist das Chancen-Risikoverhältnis? Mehr dazu im Video.    

Geschlossene Fonds: Kein Durchblick bei den Kosten

Verbraucher haben kaum eine Möglichkeit, die Kosten Geschlossener Fonds zu erfassen und zu vergleichen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen in Auftrag gegeben haben. In vielen Fällen wurden auch inhaltliche Abweichungen zwischen den verpflichtenden Dokumenten zu ein und demselben Fonds festgestellt.

 

„Einzelne Posten werden bei den verschiedenen Fonds häufig ganz unterschiedlich berechnet. Das erschwert Verbrauchern den Vergleich“, kritisiert Wolf Brandes, Teamleiter des Marktwächter-Schwerpunkts Grauer Kapitalmarkt bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Wir haben aber auch innerhalb eines Fonds in den verpflichtenden Dokumenten erhebliche Abweichungen für die gleiche Position festgestellt.“

 

So werden zum Beispiel in 18 von 25 untersuchten Fonds die Angaben für die sogenannten Initialkosten in den analysierten Dokumenten teils mit, teils ohne Ausgabeaufschlag genannt. Auch die Berechnung dieses Aufschlags erfolgte bei den untersuchten Fonds unterschiedlich. Bei den laufenden Kosten finden sich erhebliche Abweichungen: die Unterschiede zwischen den dreiseitigen wesentlichen Anlageinformationen und dem Verkaufsprospekt betragen bis zu 3,85 Prozentpunkte. Auffällig ist auch, dass die erfolgsabhängigen Vergütungen zum Teil hoch ausfallen – bis zu 50 Prozent eines Mehrertrages.

 

Verbraucher können Kosten nicht vergleichen

 

Mit den verfügbaren Dokumenten, so das Gutachten, haben Verbraucher kaum eine Chance, die Kosten komplett zu erfassen und deren Wirkung zu verstehen. Zudem sind die Texte sprachlich schwer verständlich. Kleinanleger haben dabei oft das Nachsehen. „Aus unserer Sicht sollte es Verbrauchern anhand von standardisierten Kostendarstellungen möglich sein, Produkte vergleichen und abschätzen zu können, welcher Fonds niedrige Kosten hat“, fordert Brandes.

 

Die Marktwächter-Experten werden die Kosten geschlossener Fonds sowie deren Darstellung weiter beobachten. Denn seit Anfang 2018 gelten weitergehende Vorschriften zur Kostendarstellung bei Geschlossenen Fonds. Zudem müssen nun nicht nur die Anbieter, sondern auch die Vertriebe Verbraucher separat informieren. Grund dafür sind Umsetzungsregeln von MiFID II. Diese neuen Informationsblätter müssen sich auf den Anlagebetrag in Euro und Cent beziehen.

 

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