Schönheitsreparaturen: Müssen Mieter das Parkett abschleifen?

 

Das Abschleifen eines Parkettbodens gehört nicht zu den sogenannten Schönheitsreparaturen, die der Vermieter dem Mieter auferlegen kann. Verpflichtet der Mietvertrag den Mieter dennoch dazu, ist sogar die gesamte Schönheitsreparaturklausel unwirksam und Mieter müssen beispielsweise auch keine Malerarbeiten bezahlen. Dies hat laut Michaela Rassat, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH, das Amtsgericht Nürnberg entschieden.

 

Worum ging es bei Gericht?

 

Der Vermieter einer Nürnberger Wohnung hatte seinen Mietern nach deren Auszug einen Teil ihrer Mietkaution zurückgezahlt. Weitere 2.049 Euro für Malerarbeiten und 62 Euro für Fahrtkosten behielt er jedoch ein. Die Mieter klagten daraufhin und forderten die komplette Kaution zurück. Sie waren der Meinung, dass der Vermieter diese Beträge unzulässigerweise einbehalten hatte. Die Schönheitsreparaturklausel im Mietvertrag sei unwirksam, da sie ihnen die Pflicht auferlege, das Parkett abzuschleifen und zu ölen. Dies sei keine Schönheitsreparatur. Der Vermieter wiederum behauptete das Gegenteil. Die Vereinbarung über die Parkettinstandsetzung sei zulässig, weil er sie individuell mit den Mietern getroffen habe und es sich nicht um Allgemeine Geschäftsbedingungen handle.

 

Das Urteil

 

Das Amtsgericht Nürnberg sah die Schönheitsreparaturklausel als unwirksam an und gestand den Mietern den geforderten Betrag zu. Das Gericht erklärte, dass das Abschleifen des Parketts zu den Instandsetzungsarbeiten gehöre, für die der Vermieter zuständig sei. Es gehöre nicht zu den Schönheitsreparaturen wie beispielsweise das Anstreichen von Wänden, da es besondere Fachkenntnisse und Werkzeuge erfordere. Eine Klausel, die dem Mieter das Abschleifen des Parketts auferlege, stelle eine unangemessene Benachteiligung dar und sei nach den Regeln über Allgemeine Geschäftsbedingungen in Verträgen unwirksam. „Das Gericht betonte, dass es sich hier nicht um eine individuell ausgehandelte Absprache, sondern um ein einseitig vom Vermieter vorgegebenes Vertragsformular gehandelt habe. Die Regeln über Allgemeine Geschäftsbedingungen waren also anwendbar“, so Michaela Rassat. Der Passus zum Abschleifen des Parketts sei damit nicht nur für sich genommen ungültig, sondern mache die gesamte Schönheitsreparaturklausel im Mietvertrag unwirksam. Dies führe dazu, dass die Mieter auch keinerlei Kosten für Malerarbeiten tragen müssten und die entsprechenden 2.049 Euro zurückbekämen. „Das Gericht ergänzte, dass der Vermieter auch keine Erstattung seiner Fahrtkosten verlangen könne, weil er zum Vertragsende die Immobilie aufgesucht habe. Diese Kosten entstünden ihm in jedem Fall. Zudem war völlig unklar, woher der Betrag von 62 Euro komme“, erklärt die Rechtsexpertin.

 

Was bedeutet das für Mieter?

 

Die Gerichte haben bereits viele Schönheitsreparaturklauseln in Mietverträgen für unwirksam erklärt. Vermieter können nicht einfach alles nach Belieben in Rechnung stellen. „Mieter sollten daher gerade bei Auszug genau hinschauen, was im Vertrag steht und sich im Zweifel beraten lassen. Denn hier geht es schnell um vierstellige Beträge“, so der Tipp der D.A.S. Expertin.

 

Amtsgericht Nürnberg, Urteil vom 18. Januar 2019, Az. 29 C 6568/18

 

 

Schäden am Parkett: Wann haften Mieter?

 

Wohnen hinterlässt Spuren auf Holzböden oder Laminat. Doch nicht immer müssen Mieter beim Auszug dafür geradestehen. „Entscheidend ist, ob es sich um normale Abnutzung handelt oder ob die Schäden darüber hinausgehen“, sagt Michael Rempel, Jurist bei der R+V Versicherung. Das bedeutet: Oberflächliche Kratzer und kleine Kerben sind auf Dauer unvermeidbar. Dasselbe gilt für hellere Flächen oder Abdrücke an Stellen, wo ein Möbelstück gestanden hat. Tiefe Kratzspuren etwa von Tieren, Wasserflecken oder starker Abrieb von Stuhlrollen sind hingegen vermeidbar. „Der Mieter ist dazu verpflichtet, das Parkett schonend zu behandeln, zumindest in einem zumutbaren Umfang“, erklärt R+V-Experte Rempel.

 

 

Haftung hängt von Art und Alter ab

 

Weist der Boden mehr als nur oberflächliche Gebrauchsspuren auf, kann der Vermieter Schadenersatz fordern. Allerdings haftet der Mieter nur anteilig, abhängig von der Mietzeit. Auch das Alter des Bodens spielt eine Rolle. Ein Parkettboden hat gewöhnlich eine Lebenszeit von zehn bis zwölf Jahren und muss anschließend mindestens abgeschliffen und versiegelt werden. „Solche Maßnahmen sind aber grundsätzlich Sache des Vermieters und gehören nicht zu den Schönheitsreparaturen“, sagt Rempel. Nur wenn sich der Mieter per Vertrag verpflichtet hat, umfangreiche Renovierungen durchzuführen, können andere Regeln gelten. „Oft zahlt der Mieter im Gegenzug weniger Miete und profitiert so ebenfalls von dieser Absprache.“

 

 

Je nach Vereinbarung gehört das Streichen oder eine gründliche Reinigung der Böden während der Mietzeit oder bei Auszug zu den Schönheitsreparaturen. Die Erneuerung von Bodenbelägen ist hingegen keine notwendige Schönheitsreparatur. Steht im Mietvertrag, dass das Parkett bei Auszug abgeschliffen oder neu versiegelt werden muss, ist damit die gesamte Klausel zu Schönheitsreparaturen unwirksam.

Ein Übergabeprotokoll bei Einzug sichert Mieter und Vermieter ab. Denn hier können bereits vorhandene Schäden am Parkett oder Laminat festgehalten werden – am besten schriftlich und mit Beweisfoto.

 

Wer Tiere in der Wohnung hält, sollte über eine Tierhaftpflichtversicherung nachdenken. Diese deckt auch Mietsachschäden ab. Schäden durch Abnutzung oder übermäßige Beanspruchung sind jedoch ausgeschlossen.

Das gleiche gilt für die private Haftpflichtversicherung. Sie springt bei Mietsachschäden ein, wenn diese durch einen einmaligen Vorfall hervorgerufen wurden, also beispielsweise wenn dem Mieter eine volle Blumenvase aus der Hand gefallen ist.

 

Nebenkostenabrechnungen fehlerhaft: Experte warnt vor zu niedrigen Rückzahlungen

 

Weist Ihre aktuelle Mietnebenkostenabrechnung eine Gutschrift und keine Nachzahlung auf? Glückwunsch! Vor allem aber: Vorsicht! Denn 77 Prozent der Gutschriften sind fehlerhaft berechnet und müssten eigentlich höher ausfallen. Das geht aus einer Analyse des Mietrechtsexperten Mineko hervor, der knapp 30.000 Nebenkostenabrechnungen auf ihre Richtigkeit überprüft hat.

 

Mieter könnten im Schnitt 48 Prozent mehr Geld zurückerhalten Demnach fallen Rückzahlungen im Schnitt 110 Euro zu gering aus. Mieter erhalten somit durchschnittlich 48 Prozent weniger Geld zurück, als ihnen zusteht. Doch nur die wenigsten Gutschriften werden angezweifelt: Gerade einmal 13 Prozent der bei Mineko zur Überprüfung eingereichten Abrechnungen wiesen eine Rückzahlung seitens der Vermieter oder Hausverwaltungen auf.

 

Chris Möller, Gründer und Geschäftsführer von Mineko, kommentiert: "Gutschriften auf Nebenkostenabrechnungen können für Mieter eine Falle sein: Diese freuen sich über zurückerstattetes Geld, anstatt die Richtigkeit der Gutschrift zu hinterfragen. Unsere Untersuchung zeigt, dass sich die Überprüfung der Nebenkostenabrechnung auszahlt: In 77 Prozent der kontrollierten Fälle stünde den Mietern eine im Schnitt mehr als 100 Euro höhere Rückzahlung zu, als ihnen über die Abrechnung angekündigt wurde."

 

11 Prozent der Bescheide sind aufgrund ihrer Form oder Frist ungültig Nicht nur die Höhe der festgelegten Summe der Gutschrift oder Nachzahlungsaufforderung erwies sich in den meisten Fällen als fehlerhaft. 11 Prozent der eingereichten Abrechnungen waren aus formalen Fehlern oder aufgrund falscher Fristen ungültig. In dieser Situation sind Mieter nicht verpflichtet, einer Zahlungsaufforderung nachzukommen. So können Verbraucher durchschnittlich sogar 487 Euro an Nachzahlungen einsparen.

 

Nebenkosten für leere Nachbarwohnung: Wer zahlt?

 

Grundsteuer, Flurbeleuchtung oder Straßenreinigung: Ein Teil der allgemeinen Nebenkosten wird in der Regel auf die Mieter umgelegt. Doch wenn eine Wohnung leer steht, muss der Eigentümer viele der laufenden Kosten übernehmen - nicht die Nachbarn. Darauf macht das Infocenter der R+V Versicherung aufmerksam.

 

Bei Leerstand: Betriebskosten Sache des Eigentümers

 

In jedem Mehrfamilienhaus fallen allgemeine Betriebskosten an, die sich alle Parteien teilen - und die auch bei Leerstand weiterhin bezahlt werden müssen. "Der Vermieter ist verpflichtet, alle umlagefähigen Betriebskosten zu begleichen. Selbst wenn eine Wohnung in seinem Haus nur kurzzeitig nicht vermietet ist, darf er diese normalerweise nicht auf die anderen Mieter des Hauses abwälzen", sagt Michael Rempel, Jurist bei der R+V Versicherung. "Nur in begründeten Ausnahmefällen kann der Vermieter hiervon abweichen - etwa bei Müllgebühren, die pro Person abgerechnet werden." Hinzu kommt: Wenn in der freien Wohnung Strom, Wasser oder Heizung verbraucht wird, etwa für Renovierungsarbeiten, ist dies ebenfalls Sache des Vermieters.

 

Weitere Tipps 

 

- Zu Betriebskosten, die der Vermieter für eine leerstehende Wohnung anteilig zahlen muss, gehören in der Regel Kosten für die Straßenreinigung, die Hausreinigung, Versicherungen, den Betrieb des Aufzugs, Steuern und Allgemeinstrom.

- Mieter sollten die Nebenkostenabrechnung besonders dann prüfen, wenn Wohnungen im Haus leer stehen: Wurde die nicht vermietete Wohnung mit in die Umlage einbezogen?

- Mieter sollten grundsätzlich darauf achten, dass die umlagefähigen Betriebskosten exakt aufgeschlüsselt sind und der vereinbarte Verteilschlüssel eingehalten wird.

 

Dächer sicher von der Schneelast befreien

 

Gesetzliche Unfallversicherung gibt Hinweise

 

Wer Schnee auf Dächern räumt, sollte unbedingt auf eine fachgerechte Absturzsicherung achten. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hin. Was ist zu beachten, damit die Einsatzkräfte von THW, Feuerwehr, Hilfeleistungsorganisationen, Bundeswehr, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von entsprechenden Firmen und Privatpersonen sicher sind bei ihrer Arbeit auf den Dächern? Die gesetzliche Unfallversicherung gibt dazu Tipps und weiterführende Hinweise.

 

Wird die Schneedecke auf einem Dach zu schwer, ist die Statik des Gebäudes gefährdet. Um einer möglichen Einsturzgefahr zuvor zu kommen, werden die Dächer geräumt. Ob eine Räumung geboten ist, ergibt eine Prüfung durch eine fachkundige Person. Sie prüft sowohl die Statik und den Zustand des Gebäudes als auch das Gewicht der Schneelast. Die hierzu erforderlichen Lastannahmen sind in Normen geregelt*. Für die direkte, manuelle Ermittlung der Schneelast können Schneemessrohre verwendet werden. Dabei wird mit einem Rohr eine Schneemenge ausgestochen, gewogen und als Flächenlast umgerechnet. Nachdem der Eigentümer bzw. Gebäudebetreiber so ermittelt hat, ob eine Schneeräumung erforderlich ist, müssen die verantwortlichen Einsatzkräfte vor Beginn der Arbeiten ein Räumkonzept und eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. Eine Person mit hierfür ausreichenden Kenntnissen sollte dann die Räumarbeiten koordinieren und überwachen.

 

"Eine gute Vorbereitung ist das A und O für einen sicheren Einsatz", sagt Martin Sobottke von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). "Ebenso wichtig ist eine gute Kommunikation aller Beteiligten und die Identifizierung möglicher Gefahrenquellen. Ein besonderes Augenmerk muss auf die Absturzgefahr und entsprechende Schutzmaßnahmen gelegt werden."

 

Worauf müssen Einsatzkräfte achten?

 

Um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten, müssen vor der Schneeräumung eines Daches einige Rahmenbedingungen geprüft werden.

 

- Wie sehen die Wetterprognosen aus? Ist weiterer Schneefall angekündigt?

- Welche Arbeitsmittel werden auf der Dachfläche benötigt und wie können sie dorthin transportiert werden?

- Wie weit erhöht sich die Last auf dem Dach durch die Einsatzkräfte und ihr Material?

- Gibt es einen sicheren Zugang zur Dachfläche?

- Gibt es sichere Abwurfstellen für den Schnee?

- Wie sehen die Absturz- und Durchsturzsicherungsmaßnahmen für die Einsatzkräfte aus?

 

Auf Flachdächern sollten die Einsatzkräfte möglichst durch eine Umwehrung gesichert sein. Ist diese nicht vorhanden und es besteht Absturzgefahr, müssen die Einsatzkräfte durch persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz gesichert werden. An Steildächern müssen temporäre Auffangeinrichtungen eingerichtet werden. Wenn dies nicht möglich ist, muss ebenfalls eine Sicherung durch persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz erfolgen. Dazu müssen geeignete Anschlageinrichtungen, möglichst am Dachfirst, montiert werden oder mit einem Kran oder der Drehleiter der Feuerwehr geschaffen werden.

 

Neue Rechte und Pflichten für Vermieter 2019

 

Die Auskunftspflicht für Vermieter wird verschärft

 

Mit der Anpassung des Mietrechts wird vor allem die Auskunftspflicht für Vermieter strenger, falls eine Ausnahme von der Mietpreisbremse in Anspruch genommen wird. Jeder ab dem 01.01.2019 geschlossene Mietvertrag nimmt den Vermieter in die Pflicht, dem Mieter vor Vertragsabschluss schriftlich mitzuteilen, dass eine solche Ausnahme in Anspruch genommen wird. Der Grund der Ausnahme muss dem Mieter gegenüber mit Nachweisen untermauert werden.

 

Unterlässt der Vermieter das, kann eine Ausnahme für zwei Jahre nicht mehr beansprucht werden. Zudem haben Mieter dann Anspruch auf die Erstattung von zu viel gezahlter Miete.

 

Exkurs: Was ist die Mietpreisbremse, wo gilt sie und gibt es Ausnahmen?

 

Die Mietpreisbremse reguliert die Erhöhung der Miete bei Wiedervermietungen. Diese darf maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Sie gilt für Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt, in anderen Worten: in jeder deutschen Großstadt. Die Bundesländer entscheiden darüber, welche Gebiete unter die Mietpreisbremse fallen. Vermieter können sich jedoch auf folgende Ausnahmen berufen:

 

Neu errichtete Wohnungen bei Erstvermietung

 

Erstmalige Vermietung nach umfangreicher Modernisierung

Vormieter hat bereits mehr gezahlt, als bei der Mietpreisbremse zulässig wäre. In diesem Fall muss der Vermieter nicht auf den eigentlich zulässigen Wert runter gehen bei einer Weitervermietung.

 

Die Modernisierungsumlage auf die Miete sinkt

 

Die Modernisierungskosten können jährlich nur noch in Höhe von 8 Prozent anstatt wie bisher 11 Prozent auf den Mietpreis umgelegt werden. Diese Absenkung gilt bundesweit für Modernisierungen, die ab dem 01.01.2019 angekündigt werden.

Darüber hinaus tritt eine Kappungsgrenze bei der Umlage von Modernisierungen in Kraft: Innerhalb von 6 Jahren dürfen maximal 3€ pro Quadratmeter umgelegt werden. Sollte die Miete unter 7€ pro Quadratmeter liegen, darf diese innerhalb von 6 Jahren nur um maximal 2€ steigen.

 

Vereinfachte Kostenaufstellung bei Modernisierungen

 

Die Gesetzesnovelle bringt auch eine Vereinfachung für Vermieter mit, die ihre Immobilie modernisieren. Bei Modernisierungskosten von bis zu 10.000€ lässt sich die Kostenaufstellung in einer vereinfachten Weise umsetzen. Dabei werden 30% der Gesamtkosten pauschal abgezogen, wodurch die übrigen 70% als Modernisierung auf die Miete umgelegt werden können. Im vereinfachten Verfahren müssen keine Angaben zu künftigen Betriebskosten gemacht werden.

Es dürfen allerdings für fünf Jahre maximal 10.000€ im vereinfachten Verfahren angesetzt werden – weitere Mietpreiserhöhungen aufgrund von Modernisierungen sind in diesem Zeitfenster in der Regel ausgeschlossen. Darüber hinaus muss in der Mieterhöhungserklärung und der Modernisierungsankündigung festgehalten sein, dass das vereinfachte Verfahren angewendet wird.

 

Ordnungswidrigkeit und Bußgeld bei „Herausmodernisieren“

 

Mit der Gesetzesänderung wird es Vermietern erschwert, Mieter durch umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen zur Kündigung zu veranlassen. Es wird eine Pflichtverletzung des Vermieters vermutet, falls er die Maßnahmen nach der Ankündigung nicht innerhalb von zwölf Monaten beginnt oder wenn die Arbeiten nach Beginn mehr als zwölf Monate ruhen, sodass der Mieter erheblich und unnötig belastet wird. Der Vermieter kann sich von der Vermutung entlasten, wenn ein nachvollziehbarer Grund vorgebracht wird.

Das gezielte „Herausmodernisieren“ ist mit dem neuen Gesetz eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 100.000€ geahndet werden kann. Mieter können zudem auf Schadensersatz klagen.

 

Mieter können einfacher eine Rüge aussprechen

 

Mit dem neuen Gesetz werden die Rechte als Mieter gestärkt: Verstöße gegen die Mietpreisbremse können nun einfacher gerügt werden. Nach alter Rechtslage war eine qualifizierte Rüge notwendig, die Nachweise und Begründungen enthielt. Jetzt reicht eine formlose und einfache Rüge aus, damit die Miethöhe beanstandet wird. Falls der Vermieter sich auf eine Ausnahme beruft und in Folge dessen Angaben zur Begründung macht, muss die Rüge sich auf diese Angaben berufen. In allen anderen Fällen reicht eine Rüge ohne Begründung aus.

Mieter können weiterhin nur die Mieten zurückfordern, die nach der Rüge fällig werden. Diese Änderungen betreffen nur Mietverträge, die ab 2019 geschlossen werden. Auf diese Änderungen weist die Grundeigentümer-Versicherung hin.

 

 

Immobilienbranche rechnet auch 2019 mit weiteren Mietsteigerungen in Berlin

 

Berlin steht bei Immobilieninvestoren auch im Jahr 2019 hoch im Kurs - das zeigen die Ergebnisse der Studie "Emerging Trends in Real Estate: Creating an impact. Europe 2019" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit dem Urban Land Institute, die heute in der Hauptstadt vorgestellt wird. Zwar konnte im Gesamtranking der europäischen Städte mit den besten Investitionsaussichten Lissabon an Berlin vorbeiziehen, dennoch gehört die Stadt auch 2019 zu den begehrtesten Standorten. Die für die Studie befragten 818 Immobilienexperten rechnen zudem in Berlin noch vor allen anderen Städten mit weiteren Mietsteigerungen.

 

"Die Preise in allen deutschen Städten sind kräftig gestiegen. Auch Berlin wird von vielen Investoren als überteuert angesehen. Allerdings muss sich der Markt darauf einstellen, dass dies so weitergeht: Die Popularität der Stadt bleibt ungebrochen, Investoren schauen in Europa nach wie vor auf Berlin", sagt Susanne Eickermann-Riepe, Partnerin und Leiterin Real Estate bei PwC Deutschland.

 

"Der Wirtschaftsstandort Berlin hat in den Jahren seit der Wiedervereinigung auch von vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten profitiert: Nicht umsonst ist die deutsche Hauptstadt ein Magnet für junge Talente aus dem In- und Ausland geworden", ergänzt Thomas Kieper, Leiter des PwC-Standorts in Berlin. "Gerade für junge Unternehmen und kleinere Betriebe könnten die steigenden Kosten auf dem Wohnungsmarkt mittelfristig zu einem Nachwuchsproblem führen.

 

Bis zu 45 Prozent vom Einkommen: So hoch sind die Wohnkosten für Mittelschicht-Familien

 

Die Mieten in Deutschlands Großstädten steigen weiter an. Vor allem auch junge Familien mit Kindern aus der Mittelschicht haben derzeit Probleme, bezahlbare Wohnungen in Ballungsgebieten zu finden. Eine Analyse der 14 größten Städte von immowelt.de, verdeutlicht das Problem. Dafür wurde aus dem mittleren Einkommen und den Kosten für die Warmmiete die Wohnkostenquote einer Modellfamilie berechnet.

 

Spitzenreiter bei dieser Quote ist München mit 45 Prozent. Dort müssen Familien mit mittlerem Einkommen fast die Hälfte ihrer Einkünfte von im Schnitt 4.242 Euro (netto) für Warmmiete (1.907 Euro) ausgeben. Angesichts dieser hohen Quote bleibt Paaren mit zwei Kindern häufig nur die Wohnungswahl am preiswerteren Stadtrand oder im Umland. Die zentralen Lagen von München dürften für viele Durchschnittsverdiener längst zu hochpreisig sein.

 

Bankenmetropole liegt bei Einkommen vor Berlin

 

Die traditionell teure Banken-Stadt Frankfurt am Main und Berlin folgen mit einer Wohnkostenquote für Mittelschicht-Familien von jeweils 39 Prozent auf dem zweiten Platz. Zwar liegt Frankfurt mit 4.122 Euro beim Gesamteinkommen deutlich vor Berlin (3.559 Euro). Allerdings ist in der Mainmetropole das Mietniveau mit 1.607 Euro Warmmiete höher als in der Bundeshauptstadt mit 1.387 Euro.

 

Dresdner Wohnquote höher als in Stuttgart

 

Mit Dresden liegt eine ostdeutsche Stadt auf dem geteilten Rang 4. Familien mit mittlerem Einkommen müssen dort 32 Prozent ihres monatlichen Budgets von 3.444 Euro für das Wohnen ausgeben. Die Quote in Dresden ist damit so hoch wie die in Nürnberg und um einen Prozentpunkt höher als die in Stuttgart mit 31 Prozent. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs schlägt bei den mittleren Einkommen mit 4.249 Euro sogar knapp München. Die Warmmieten für eine familientaugliche Wohnung betragen in Stuttgart 1.327 Euro. Das ergibt Platz 5 im Vergleich.

 

Das beste Verhältnis von Warmmiete und Einkommen aller deutschen Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern bieten Dortmund und Essen mit je 22 Prozent. In Dortmund kostet eine Wohnung zwischen 80 und 120 Quadratmetern 817 Euro, das mittlere Netto-Einkommen einer Familie beläuft sich dort auf 3.646 Euro. In Essen sind die Mieten mit 847 Euro zwar etwas teurer, doch dafür sind die Einkommen der Modellfamilie mit 3.775 Euro ein wenig besser als in Dortmund.

 

Für die Analyse von Immowelt wurde das Durchschnittsgehalt für die jeweilige Stadt zugrunde gelegt (Median des Einkommens am Wohnort) und mit 150 Prozent pro Paar veranschlagt (ein Partner arbeitet demnach Vollzeit, der andere in 50-Prozent-Teilzeit). Hinzugerechnet wurde die Zahlung von Kindergeld für zwei Kinder. Dieses Einkommen entspricht dem, was gemeinhin als Mittelschicht angesehen wird. Aus dem Verhältnis von Gesamteinkommen sowie Miet- und Nebenkosten der jeweiligen Stadt für eine familientaugliche Wohnung zwischen 80 und 120 Quadratmetern ergibt sich schließlich die sogenannte Wohnkostenquote.

 

Einkommen minus Miete: In Dortmund bleibt bundesweit am meisten in der Tasche, in München am wenigsten

Teure Trend-Städte: Miete zehrt in München, Berlin und Hamburg das Einkommen auf 

Ruhrgebietsstädte punkten beim Verhältnis von Einkommen und Miete, Dortmund mit bestem Wert

Solides Mittelfeld: Wirtschaftlich starke Städte wie Nürnberg und Düsseldorf mit ausgeglichenem Verhältnis

 

In deutschen Trend-Städten zehren die hohen Mieten die Einkommen für Fach- und Führungskräfte auf. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Analyse der Online-Jobplattform StepStone und des Immobilienportals immowelt.de. Das Verhältnis zwischen Durchschnittsgehältern der Jahre 2017 und 2018 und den aktuellen Mietpreisen zeigt: Wer in München, Berlin und Hamburg wohnen und arbeiten will, zahlt dafür einen hohen Preis. München bildet dabei das Extrem: Fach- und Führungskräfte können dort im Schnitt ein Jahresgehalt von 66.800 Euro erwarten. Eine Wohnung mit 80 bis 100 Quadratmeter kostet jedoch auch 1.500 Euro im Monat. Vom hohen Brutto-Einkommen gehen damit 27 Prozent für die Miete drauf. Auch in Hamburg und Berlin bleibt nach Abzug der jährlichen Mietkosten verhältnismäßig wenig im Portemonnaie: 24 Prozent (Berlin) beziehungsweise 22 Prozent (Hamburg) des Brutto-Einkommens wandern in beiden Städten pro Jahr im Schnitt an den Vermieter.

 

Die traditionell hochpreisige Banker-Stadt Frankfurt am Main landet bei den Mietpreisen hinter München auf Platz 2. Die hohen Gehälter in der Finanzbranche heben das durchschnittliche Brutto-Jahresgehalt aber auf 67.700 Euro und damit auf den höchsten Wert unter den größten deutschen Städten. Für die Miete müssen 21 Prozent eingeplant werden.

 

Ausgeglichenes Verhältnis abseits der klassischen Trend-Städte

 

Ein bereits deutlich besseres Verhältnis von Einkommen und Mietpreisen finden Jobsuchende in Dresden und Stuttgart. Zwar trennen diese Städte beim durchschnittlichen Brutto-Jahreseinkommen mehr als 20.000 Euro, gemeinsam ist beiden aber ein Anteil von 19 Prozent für die Miete. In Nürnberg müssen 18 Prozent vom durchschnittlichen Brutto-Jahresgehalt für die Miete eingeplant werden. "Das Leben in Trend-Städten wie Berlin, Hamburg und München ist begehrt, aber auch sehr teuer", sagt Immowelt-CEO Carsten Schlabritz. "Arbeitgeber aus mittleren Großstädten mit günstigeren Mieten können diesen Standortfaktor nutzen, um hochqualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen."

 

Das beste Verhältnis aller deutschen Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern bietet Dortmund: 580 Euro kostet dort im Median eine Wohnung. Das entspricht einem Wohnkostenanteil von nur 12 Prozent am mittleren Brutto-Einkommen für Fach- und Führungskräfte von 56.200 Euro. Auch in Essen ist das Wohnen günstig: Hier steht einer mittleren Monatsmiete von 590 Euro ein Durchschnittsgehalt von 55.600 Euro gegenüber, ein Anteil von 13 Prozent.

 

Laut StepStone Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers sollten Fachkräfte bei der Jobsuche nicht nur nach dem besten Verhältnis von Gehalt und Wohnkosten Ausschau halten: "Wer aus mehreren Jobangeboten wählen kann, sollte alle Faktoren einkalkulieren. Dazu gehört die Höhe des Gehalts genauso wie die Lebenshaltungskosten, vor allem aber die Frage, ob ich mich beim neuen Arbeitgeber wirklich wohlfühle und der Job zu mir passt."

 

Mietermagnet Großstadt: Ostdeutsche Ballungszentren um bis zu 104 Prozent teurer als vor 10 Jahren

Die Landflucht zeigt in Ostdeutschland deutliche Spuren: Während die Mietpreise in den Ballungszentren seit 2008 kräftig steigen, bleiben sie in ländlichen Regionen weitestgehend auf unverändertem Niveau. Das zeigt eine Analyse von immowelt.de, für die in einem 10-Jahresvergleich die Kaltmieten in allen Stadt- und Landkreisen der ostdeutschen Bundesländer untersucht wurden. Die stärkste Preisentwicklung verzeichnet Berlin. Wer in der Hauptstadt wohnt, muss mittlerweile mehr als doppelt so viel Miete (+104 Prozent) zahlen als vor 10 Jahren. Der Quadratmeter kostet aktuell im Median 11,40 Euro. Die Strahlkraft der Bundeshauptstadt reicht bis in den umliegenden Speckgürtel: In den Landkreisen Dahme-Spreewald (+50 Prozent) und Oberhavel (+48 Prozent) haben die Mietpreise ebenfalls kräftig angezogen. Nach Berlin verzeichnen diese beiden Landkreise die zweit- und drittgrößte Steigerung in Ostdeutschland. Mieter müssen für ihre Wohnung in Dahme-Spreewald 9,00 Euro pro Quadratmeter bezahlen, in Oberhavel 8,90 Euro. Damit lebt es sich dort noch deutlich günstiger als in der Hauptstadt. Viele Jobs und das positive Image der Stadt wirken wie ein Magnet auf jährlich tausende Berliner Zuzügler, die den Kampf um bezahlbare Wohnungen zunehmend verschärfen. Grund für viele, sich in den naheliegenden Landkreisen niederzulassen und für den Job in die Großstadt zu pendeln.

 

Günstige Mieten locken Studenten in den Osten

 

Neben Berlin erleben derzeit auch weitere Großstädte in Ostdeutschland einen regelrechten Boom. Doch nicht alleine die Zuzügler aus den ländlichen Regionen treiben die Preise in den Ballungszentren in die Höhe. Die vergleichsweise günstigen Mieten und modernen Universitäten lockten in den vergangenen 10 Jahren viele Studenten in den Osten. Mittlerweile macht sich dies auf dem Wohnungsmarkt deutlich bemerkbar: Am stärksten ist die Preissteigerung in Leipzig. Der Quadratmeter kostet aktuell 6,50 Euro - das sind 35 Prozent mehr als 2008. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich in Dresden, Erfurt oder Jena beobachten: Dort sind die Mieten ebenfalls um rund ein Drittel angestiegen. In Jena ist das Preisniveau mittlerweile deutlich erhöht: Eine Wohnung kostet dort 9,00 Euro pro Quadratmeter, was die Stadt zur drittteuersten Ostdeutschlands macht.

 

Landflucht und Strukturprobleme: kaum Mietpreissteigerung in Sachsen

 

Das Wohnen, Arbeiten und Leben zentralisiert sich in Ostdeutschland auf die größeren Städte mit guter Infrastruktur, Bildungsangeboten und Jobs. Seit vielen Jahren kämpft besonders das Bundesland Sachsen mit starken Strukturproblemen. Sachsens ländliche Regionen vereinsamen und altern. Die jungen Menschen zieht es wegen der guten Arbeitsmarktsituation in die Großstädte. Die Analyse von immowelt.de bestätigt diesen Trend. Während die Städte Leipzig und Dresden steigende Mieten verzeichnen, bleibt die Preisentwicklung in den umliegenden Kreisen fast ganz aus. In 7 sächsischen Stadt- und Landkreisen sind die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um maximal 10 Prozent gestiegen - ein Wert, der sogar deutlich unter der Inflation von 15 Prozent seit 2008 liegt.

 

Nicht alle Großstädte vom Preisanstieg betroffen

 

Während die Mieten in den meisten Großstädten seit 2008 deutlich teurer geworden sind, gibt es Orte, die von dieser Entwicklung ausgenommen sind. In Chemnitz sind die Mietpreise lediglich um 6 Prozent angestiegen. In Rostock lässt sich im 10-Jahresvergleich sogar eine Stagnation der Mietpreise erkennen. Dort zahlen die Mieter 6,80 Euro pro Quadratmeter - und damit genauso viel wie 2008. Trotz guter wirtschaftlicher Lage und einer großen Universität blieb eine Preissteigerung in der Hansestadt aus. Grund könnte die schwankende Bevölkerungsentwicklung sein. Denn lange hatte die Stadt an der Ostsee mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen. Erst seit kurzem erlebt sie wieder einen Aufschwung - der die Mietpreisspirale künftig wieder ankurbeln könnte. Das zeigt sich auch daran, dass neben Plattenbauten vermehrt Neubauten in Warnemünde auf den Markt kommen.

 

3 Jahre Mietpreisbremse: In den meisten Millionenstädten hält sie explodierende Wohnkosten nicht auf

Trotz Mietpreisbremse schnellen die Preise in den meisten Millionenstädten weiter in die Höhe. Jetzt diskutiert die Große Koalition über eine Verschärfung des Gesetzes, um Mietsteigerungen effektiver zu begrenzen. Denn knapper Wohnraum und stetiges Bevölkerungswachstum zeigen deutliche Auswirkungen: In Berlin sind die Mieten seit Inkrafttreten des Gesetzes vor 3 Jahren noch stärker gestiegen als vorher. In München dreht sich die Mietpreisschraube ebenfalls weiter nach oben, wie eine aktuelle Analyse von immowelt.de zeigt.

 

Ungebremste Mietsteigerungen in Berlin

 

Seit 2015 kletterten die Mieten in Berlin von 8,50 Euro pro Quadratmeter (Median) auf 11,40 Euro. Die Steigerungsrate von 34 Prozent liegt damit deutlich über den 25 Prozent, mit denen die Preise in den 3 Jahren vor der Einführung der Mietpreisbremse zugenommen haben.

 

In München hat die Mietpreisbremse ihre Wirkung ebenfalls verfehlt. Derzeit liegen die Mietpreise in der bayrischen Landeshauptstadt auf einem Rekordhoch von 17,90 Euro pro Quadratmeter. Seit Einführung der Mietpreisbremse im August 2015 haben sie sich um 19 Prozent nach oben entwickelt. Damit zeichnet sich beinahe dasselbe Bild ab wie im 3-Jahreszeitraum vor 2015. Schon damals haben sich die Mieten mit einer Steigerungsrate von 20 Prozent kräftig erhöht.

 

"Die rasante Preisentwicklung in Berlin und München ist nicht verwunderlich", erklärt Immowelt-CEO Carsten Schlabritz. "Bezahlbarer Wohnraum ist in beiden Städten immer noch Mangelware. Um einen weiteren Preisanstieg zu verhindern, muss der soziale Wohnungsbau für Investoren so rentabel werden wie der frei finanzierte. Das geht nur, wenn die Städte und Kommunen marktgerechte Anreize bereitstellen." Die aktuelle Situation sieht allerdings anders aus: Die wenigen, freien Bauflächen sind extrem teuer und werden zu Höchstpreisen verkauft. Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen, auch wegen neuer Bauvorschriften. Viele Neubauten sind dadurch im Luxuspreissegment angesiedelt und für viele Wohnungssuchende unerschwinglich. Das Nachsehen haben die Gering- und immer mehr auch die Normalverdiener. Durch die Ausnahmeregelungen der Mietpreisbremse - sie greift nicht bei Neubauten oder umfassender Sanierung von Bestandsimmobilien - wird diese Entwicklung sogar noch begünstigt. Wohnungen, die bereits vor der Einführung des Gesetzes über der ortsüblichen Vergleichsmiete lagen, haben zudem Bestandsschutz.

 

Entspannter Wohnungsmarkt in Köln und Hamburg

 

Alternative Lösungen wie beschleunigte Baugenehmigungen und Wohnraumförderungen zeigen in anderen Städten bereits Wirkung: In Hamburg und Köln steigen die Preise zwar an - allerdings im moderaten Bereich. In Köln sind die Mieten in den vergangenen 3 Jahren um 7 Prozent auf 10,70 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Von 2012 bis zur Einführung der Mietpreisbremse im Jahr 2015 lag die Steigerungsrate dagegen noch bei 15 Prozent. In Hamburg ist der rasante Mietpreisanstieg ebenfalls gebremst: Von 2015 bis 2018 haben sich die Preise um 9 Prozent auf 11,90 Euro pro Quadratmeter entwickelt. Im 3-Jahreszeitraum zuvor lag die Steigerungsrate noch bei 14 Prozent.

 

Köln und Hamburg arbeiten aktiv daran, die Ursache der steigenden Preise zu bekämpfen. Trotz rasanter Bevölkerungsentwicklung versucht auch Hamburg seit 2011 mit dem "Bündnis für das Wohnen" gegen die Wohnungsknappheit vorzugehen. Jährlich entstehen dadurch 10.000 neue Wohnungen - davon 3.000 für Menschen mit geringerem Einkommen in der Hansestadt. Köln treibt die Schaffung von Wohnraum ebenfalls voran: 2014 hat die Domstadt das Stadtentwicklungskonzept Wohnen ins Leben gerufen, durch das bis 2029 66.000 neue Wohnungen entstehen sollen.

 

Die Entwicklungen in Köln und Hamburg zeigen, dass die Ursache steigender Preise bekämpft werden muss. Auch die Rechtsprechung beschäftigt sich bereits mit der Problematik der Mietpreisbremse. Das Landgericht München und aktuell auch das Oberlandesgericht München haben die Mietpreisbremse bereits für ungültig erklärt. Für den Mieter ändert sich dadurch aber nichts - die Mietpreisspirale schraubt sich weiter in die Höhe.

 

Große Anstiege auch abseits der Großstädte: So haben sich die Mieten seit 2008 in Süddeutschland verändert

Nicht in München und nicht in Stuttgart - in den vergangenen 10 Jahren haben sich die Mieten in Bayreuth prozentual am stärksten verteuert. 63 Prozent müssen Mieter mehr zahlen als noch 2008. Zu diesem Ergebnis kommt eine Markt-Analyse von immowelt.de, für die die Mieten in allen Stadt- und Landkreisen Bayerns und Baden-Württembergs untersucht wurden. Das Preisniveau in Bayreuth liegt mit 9,10 Euro pro Quadratmeter allerdings noch deutlich unter dem der Großstädte oder auch württembergischen Studentenstädten. Die steigenden Mieten in Bayreuth sind die Folge des Bevölkerungszuwachses der letzten Jahre - zahlreiche Studienanfänger ziehen jedes Semester nach Bayreuth. Rund 75.000 Menschen schätzen inzwischen die Lebensqualität und das gute Arbeitsplatzangebot der kreisfreien Stadt. Darüber hinaus ist Bayreuth dank der Lage an der A9 gut angebunden.

 

Gleiches gilt für die Landkreise rund um Ingolstadt (+53 Prozent). Sowohl Eichstätt (+62 Prozent) als auch Neuburg-Schrobenhausen (+56 Prozent) und Pfaffenhofen (+51 Prozent) verzeichnen deutliche Anstiege. Neben der guten Anbindung macht sich die Nähe zum Wirtschaftsstandort Ingolstadt bemerkbar. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch im weiter westlich gelegenen Landkreis Donau-Ries (+60 Prozent) ab, wenngleich Mieter hier nach wie vor günstiger wohnen als im direkten Umfeld von Ingolstadt.

 

Preistreiber A8

 

Wie stark sich eine gute Verkehrsanbindung auf die Wohnpreise auswirkt, verdeutlicht das Beispiel der Autobahn A8, die München und Stuttgart verbindet. Die größten Preissprünge seit 2008 unter den Landkreisen, die an dieser Verbindung liegen, verzeichnen Dachau (+45 Prozent) und Aichach-Friedberg (+43 Prozent). Direkt in Augsburg (+51 Prozent) haben die Preise sogar noch mehr angezogen.

 

Die Verteuerungen führen dazu, dass in allen Stadt- und Landkreisen zwischen Stuttgart und München die Mietpreise aktuell über der 8-Euro-Marke liegen. Einzige Ausnahme: der schwäbische Landkreis Günzburg, der mittig zwischen beiden Großstädten liegt. Hier können Mieter nach der vergleichsweise geringen Steigerung (22 Prozent) mit 6,60 Euro pro Quadratmeter noch günstig wohnen und sind trotzdem gut ans Autobahnnetz angebunden.

 

München und Umland am teuersten

 

In München und den angrenzenden Landkreisen fungiert weniger die Autobahn als Preistreiber, vielmehr ist die Strahlkraft der Landeshauptstadt und der stetige Zuzug Grund für die teuren Mieten. Mit Preisen von 17,10 Euro pro Quadratmeter ist die Stadt München unangefochten auf Platz 1 aller Stadt- und Landkreise. Erst mit großem Abstand folgen die umliegenden Landkreise München (13,70 Euro), Starnberg (12,90 Euro), Dachau (11,90 Euro) und Fürstenfeldbruck (11,90 Euro). In allen Kreisen machen sich die hohe Preise in München und die damit verbundene Ausweichbewegung ins Umland bemerkbar.

 

Neben den Regionen in der Nähe von München befinden sich vor allem wirtschaftlich starke Städte wie Stuttgart (11,80 Euro) oder Ingolstadt (11,50 Euro) preislich am oberen Ende. Mit Freiburg (11,30 Euro) oder Heidelberg (10,60 Euro) sind dort auch teure Studentenstädte vertreten.

 

Niedrigste Preise direkt an der tschechischen Grenze

 

Ein komplett anderes Preisgefüge finden Mieter in den östlichsten Landkreisen der Oberpfalz und Oberfrankens vor. Mit Quadratmeterpreisen von 4,20 Euro ist der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge am günstigsten - nur bedingt teurer sind die Landkreise Hof (4,80 Euro) und Freyung-Grafenau (5 Euro). Im Gegensatz zu den teuren Landkreisen rund um die Großstädte gelten die Regionen an der tschechischen Grenze eher als strukturschwach.

 

Wissenswertes zum Rundfunkbeitrag

Der Rundfunkbeitrag wird pro Wohnung erhoben 

 

•    Wer Post bekommt sollte reagieren

•    Schriftliche Anmeldung beim Beitragsservice ist Pflicht

•    Ermäßigung oder Gebührenbefreiung in Einzelfällen möglich

 

„Wer in diesen Tagen Post vom Beitragsservice ARD, ZDF und Deutschlandradio (umgangssprachlich GEZ) bekommt, sollte darauf reagieren“ empfiehlt Nicole Mertgen von der Verbraucherzentrale in Bremen.

Jeder Wohnungsinhaber ist grundsätzlich gesetzlich verpflichtet, sich beim Beitragsservice anzumelden. Es genügt, dass eine einzige, in der Wohnung lebende Person sich anmeldet und den Rundfunkbeitrag zahlt. Da dem Beitragsservice manchmal nicht bekannt ist, wie viele Personen in einer Wohnung leben, stimmt er sich regelmäßig mit den Einwohnermeldeämtern ab. Dieser Abgleich wird derzeit durchgeführt. Lassen sich Einwohner keiner bereits beim Beitragsservice angemeldeten Wohnung zuordnen, werden sie angeschrieben. „Dieser Datenabgleich ist gesetzlich geregelt und daher rechtmäßig“, sagt Nicole Mertgen.

 

An-, Ab und Ummeldungen und Anträge auf Ermäßigung oder Befreiung sind stets schriftlich auf den Formularen der Beitragsservices zu stellen. Privat genutzte Zweit- oder Ferienwohnungen müssen auch angemeldet werden Hier wird ein separater Beitrag erhoben. Eventuell besteht die Möglichkeit der Beitragsbefreiung oder Ermäßigung.

 

Rundfunkbeitrag: Zweitwohnung zukünftig frei

Verbraucher müssen aktiv Freistellungsantrag stellen

 

•Rundfunkbeitrag verfassungsgemäß, Zweitwohnungen zukünftig beitragsfrei

•Neuregelung muss bis 2020 erfolgen – bis dahin gilt formal die alte Regelung

•Verbraucher können Antrag auf Freistellung für die Zweitwohnung stellen

 

Der Rundfunkbeitrag ist verfassungsgemäß – das hat das Bundesverfassungsgericht am 18. Juli 2018 entschieden. Pro Monat und Wohnung müssen weiterhin 17,50 Euro als Rundfunkbeitrag bezahlt werden. Allerdings hat das Gericht die Beitragspflicht für Zweitwohnungen gekippt. Bis zum 30. Juni 2020 hat der Gesetzgeber jetzt Zeit, eine Neuregelung vorzunehmen. Das heißt: Noch sind Zweitwohnungen nicht automatisch von der Beitragspflicht befreit. Betroffene, die bereits nachweislich für eine Wohnung zahlen, können aber einen Freistellungsantrag für die Zweitwohnung stellen.

 

In der Rundfunkbeitragsberatung der Verbraucherzentrale Niedersachsen häufen sich derzeit Fragen zur Beitragsfreistellung für Zweitwohnungen. Viele Verbraucher meinen, der Beitragsservice müsse nun von selbst die Zweitwohnungen abmelden, andere möchten das Lastschriftverfahren rückgängig machen oder Daueraufträge stornieren. „Es ist verständlich, wenn Betroffene so schnell wie möglich die Beitragspflicht für ihre Zweitwohnung klären wollen. Bis zur Neuregelung bleibt aber formal die alte Regelung in Kraft“, erklärt Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Jede Wohnung müsse angemeldet bleiben oder werden.

 

Beitragszahler können jedoch einen formlosen Antrag auf Freistellung von der Rundfunkbeitragspflicht für ihre Zweitwohnung stellen und sich auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 18. Juli 2018 (BVerfG, Az. 1 BvR 1675/16 u.a.) beziehen. „Im Antrag sollten sie unbedingt die Beitragsnummer und Adresse der Hauptwohnung, also der angemeldeten Erstwohnung, und auch die Beitragsnummer und Adresse der Zweitwohnung angeben“, empfiehlt Körber. Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist eine Befreiung auch rückwirkend möglich – in der Regel ab dem Tag der Urteilsverkündung. „Wer jedoch schon vor dem Urteil Wider­spruch oder Kla­ge gegen den Beitragsbescheid ein­gelegt hatte, kann auch für diese Zeit befreit werden, sofern noch keine rechtkräftige Entscheidung vorliegt“, sagt Körber.

 

Deutlich weniger Ehescheidungen im Jahr 2017

2017 wurden in Deutschland durch richterlichen Beschluss 153 500 Ehen geschieden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war die Anzahl zuletzt im Jahr 1992 mit 135 000 niedriger gewesen. Gegenüber 2016 ist die Zahl der Scheidungen um knapp 9 000 oder 5,5 % zurückgegangen. Einen stärkeren prozentualen Rückgang gegenüber dem Vorjahr hatte es nach der deutschen Einheit nur 2005 mit - 5,6 % gegeben.

 

Die meisten der 2017 geschiedenen Ehen (82,6 % der Fälle) wurden nach einer vorherigen Trennungszeit von einem Jahr geschieden. Am häufigsten wurden Ehen geschieden, die im Jahr 2011 geschlossen wurden (knapp 8 000 oder 5,1 %). Etwa 27 000 oder 17,5 % aller geschiedenen Paare waren bereits mindestens im 25. Jahr verheiratet. Im Durchschnitt blickten die Paare auf 15 Jahre Ehedauer zurück.

 

Etwa die Hälfte der geschiedenen Ehepaare hatte minderjährige Kinder und von diesen wiederum 52,5 % ein Kind, 37,5 % zwei und 9,9 % drei oder mehr Kinder. Insgesamt waren knapp 124 000 Minderjährige von der Scheidung ihrer Eltern im Jahr 2017 betroffen.

 

Die Ehefrauen stellten 51,5 % der Scheidungsanträge. Sie waren bei der Scheidung im Jahr 2017 durchschnittlich 43 Jahre und 9 Monate alt. Ihre Partner waren mit 46 Jahren und 10 Monaten durchschnittlich 3 Jahre älter und stellten 40,9 % der Anträge. 7,6 % der Trennungsverfahren wurden von beiden Ehepartnern gemeinsam beantragt.

 

Vor 25 Jahren waren Ehen bereits nach durchschnittlich nur 11 Jahren und 6 Monaten geschieden worden. Mitverantwortlich hierfür war der niedrigere Anteil geschiedener Langzeitehen: 1992 wurden mit 14 000 nur gut halb so viele Paare im Jahr ihrer Silberhochzeit oder danach geschieden. Ehen wurden damals in jüngerem Alter geschlossen und auch deshalb hatte das Durchschnittsalter der Geschiedenen noch um fast 8 Jahre niedriger gelegen (Männer: etwa 39 Jahre, Frauen: etwa 36 Jahre).

 

Der endgültige Anteil an Scheidungen für einen Eheschließungsjahrgang kann erst nach Ablauf einer sehr langen Zeitspanne bestimmt werden. So beträgt die Scheidungsrate für die im Jahr 1992 geschlossenen Ehen im Jahr 2017 - also nach 25 Jahren Ehedauer - bisher 393,2 Scheidungen je 1 000 Ehen. Da aber auch in den Folgejahren noch Ehen dieser Kohorte geschieden werden, wird dieser Anteil noch ansteigen.

 

Die zusammengefasste ehedauerspezifische Scheidungsziffer beschreibt dagegen die aktuellen Scheidungsverhältnisse. Dabei werden die Ehen einbezogen, die in den letzten 25 Jahren geschlossen und im aktuellen Jahr geschieden wurden. Nur wenn das Scheidungsverhalten über 25 Jahre hinweg genauso gewesen wäre wie im betrachteten Jahr, würde nach 25 Jahren ein entsprechender Anteil an Ehen geschieden sein. 2017 lag diese Ziffer bei 328,6.

 

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