Jeder zweite Deutsche fürchtet Pflegebedürftigkeit

Jeder zweite Deutsche hat Angst davor, im Alter auf Pflege angewiesen zu sein. Bei Frauen ist die Furcht vor Pflegebedürftigkeit jedoch deutlich ausgeprägter als bei Männern. Seit 1992 befragt das R+V-Infocenter jährlich rund 2.400 Menschen nach ihren größten Ängsten rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit. Das Thema Pflegebedürftigkeit ist in der Studie "Die Ängste der Deutschen" ein "Dauerbrenner" unter den größten Sorgen. "Etwa jeder zweite Deutsche hat große Angst vor Pflegebedürftigkeit. Diese Angst lag in den vergangenen 26 Jahren nahezu konstant bei rund 50 Prozent", sagt Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters. "Diese Befürchtung hat einen sehr realen Hintergrund angesichts der rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland - Tendenz steigend."

 

Frauen haben mehr Angst

 

Dass diese Sorge bei Frauen deutlich ausgeprägter ist als bei Männern, verwundert dabei nicht: Während "nur" 48 Prozent der Männer große Angst vor Pflegebedürftigkeit haben, sind es bei den Frauen 57 Prozent. "Pflege ist weiblich", so Brigitte Römstedt. "Zum einen sind zwei Drittel der Pflegebedürftigen Frauen. Zum anderen kümmern sie sich in den meisten Fällen um die häusliche Pflege von Angehörigen."

 

Angst steigt mit dem Alter

 

Die R+V-Studie zeigt zudem deutlich, dass die Angst mit wachsendem Alter stetig steigt. Teenager bis 19 Jahre sind noch recht entspannt (23 Prozent). Ab 20 Jahre haben schon 40 Prozent große Angst, ab 40 Jahre sind es 57 Prozent. Den höchsten Wert erreicht die Angst bei den Menschen ab 60 Jahre: Fast zwei Drittel (64 Prozent) fürchten sich davor, im Alter zum Pflegefall zu werden.

 

Die Finanzierungslücke der Pflegeversicherung ist erneut gewachsen Private Pflegevorsorge gewinnt an Bedeutung

Der Trend bei den Pflegekosten in Deutschland hält an: Für die Unterbringung in einem Pflegeheim müssen Pflegebedürftige auch 2018 wieder tiefer in die eigene Tasche greifen.

 

Seit Jahresbeginn ist der durchschnittliche Eigenanteil bei den Pfleggeheimkosten auf jetzt 1.831 Euro gestiegen. Das zeigt eine Auswertung des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). Ihr liegen die Vergütungsvereinbarungen von bundesweit ca. 11.000 vollstationären Pflegeeinrichtungen zum Stichtag 1. Juni 2018 zu Grunde.

 

„Die gesetzliche Pflegeversicherung kann nur einen ‚Teilkasko‘-Schutz bieten. Im Ernstfall bleibt also eine Pflegelücke, die mehrere tausend Euro im Monat betragen kann,“ erklärt PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach. Neben den Leistungen der Pflegeversicherung müssen die Versicherten monatliche Zusatzkosten für die Pflege (den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE)) sowie die Unterkunft und die Verpflegung selbst zahlen. Hinzu kommt außerdem eine einrichtungsabhängige Investitionskostenpauschale. Die Vereinbarungen zwischen den Pflegekassen und den Heimen gelten für privat und gesetzlich Versicherte gleichermaßen. Denn anders als in der Krankenversicherung ist der Leistungsanspruch bei der Pflege in beiden Systemen gleich.

 

Private Pflegevorsorge gewinnt an Bedeutung

 

Die gewachsene Finanzierungslücke der Pflegeversicherung zeigt die Bedeutung der privaten Pflegevorsorge. „Immer mehr Menschen erkennen den Bedarf einer privaten, kapitalgedeckten Vorsorge“, berichtet PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach. „Je früher man anfängt, desto günstiger ist es. Viele Pflegezusatzversicherungen werden sogar gefördert, da gibt es bis zu 33 Prozent Zuschuss vom Staat.“

 

Pflegebedürftige müssen durchschnittlich über 1.750 Euro selbst zahlen

Im Bundesdurchschnitt beträgt der Anteil, den Pflegebedürftige bzw. ihre Angehörigen bei Unterbringung in einem Pflegeheim selbst tragen müssen, mehr als 1.750 Euro monatlich. Tendenz: steigend. Denn im Mai 2017 lag der Wert noch bei unter 1.700 Euro. Das zeigt eine Auswertung der PKV-Pflegedatenbank. Darin sind die Daten von rund 11.400 vollstationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland erfasst, was einer nahezu vollständigen Abdeckung entspricht. In der Datenbank sind die Vergütungsvereinbarungen zwischen den Pflegekassen und den Heimen hinterlegt. Diese Vereinbarungen gelten für privat und gesetzlich Versicherte gleichermaßen. Denn anders als in der Krankenversicherung ist der Leistungsanspruch bei der Pflege in beiden Systemen gleich.

 

Was ist der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE)?

 

Im Gegensatz zu der Regelung vor der Pflegereform, die in westentlichen Teilen Anfang 2017 in Kraft trat, ist der zu zahlenden Eigenanteil nun nicht mehr abhängig vom Pflegegrad (zuvor: Pflegestufe), sondern setzt sich zusammen aus dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für die pflegebedingten Kosten der Pflegerade 2 bis 5, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten.

 

Die Einrichtungen finanzieren also die rein pflegebedingten Aufwendungen mit den Zuschüssen der Pflegeversicherung und dem EEE. Diese Aufwendungen setzen sich zu 80 Prozent aus Personal- und zu 20 Prozent aus Sachkosten zusammen. Je höher also der Pflegegrad der Heimbewohner ist, desto höher ist der Zuschuss der Pflegeversicherung. So zahlt die Pflegeversicherung zum Beispiel 2.005 Euro monatlich für einen Pflegegrad 5 und 770 Euro für einen Pflegegrad 2. Welche Einnahmen eine Pflegeeinrichtung insgesamt aus den Zuschüssen der Versicherung erzielt, ist somit von der individuellen Zusammensetzung der Pflegegrade in der jeweiligen Einrichtung abhängig.

 

Gleichzeitig richtet sich auch die erforderliche personelle Ausstattung nach diesem Schlüssel. Konkret wird sie in den Rahmenverträgen nach dem Sozialgesetzbuch XI festgelegt. Diese Verträge werden je nach Bundesland geschlossen, so dass es hier durchaus Unterschiede gibt. So ist zum Beispiel in Berlin eine Vollkraft für durchschnittlich 3,9 Pflegebedürftige in Pflegegrad 2 zuständig, in Schleswig-Holstein aber für 5,4. Neben dem Umfang der personellen Ausstattung spielt natürlich auch die Höhe der Personalkosten eine wesentliche Rolle für die Kosten der Pflegeeinrichtung. Auch hier kommt es in der Regel auf unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern an.

 

Die Kombination dieser drei Gründe erklärt die möglichen regionalen Unterschiede in der Höhe des EEE. So fällt die durchschnittliche Finanzierungslücke für Pflegebedürftige in den einzelnen Bundeländern auch recht unterschiedlich aus. Sie reicht von monatlich rund 1.1030 Euro in Sachsen-Anhalt bis zu über 2.250 Euro in Nordrhein-Westfalen.

 

Pflegezusatzversicherungen können helfen.

 

Angesichts dieser Zahlen ist es sinnvoll, sich möglichst frühzeitig über das Risiko Pflegebedürftigkeit Gedanken zu machen. Denn im Fall der Fälle reicht die eigene Rente oder das Ersparte oft nicht aus, um die Eigenbeteiligung dauerhaft selbst zu finanzieren. Im Zweifel droht die Abhängigkeit vom Sozialamt und damit verbunden eine mögliche Heranziehung der Kinder zur Finanzierung.

 

Eine sinnvolle Möglichkeit, etwas gegen die drohende Finanzierungslücke zu tun, ist daher der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung. Den Bedarf dieser privaten, kapitalgedeckten Vorsorge erkennen immer mehr Menschen. Ende 2017 gab es in Deutschland schon mehr als 3,5 Millionen entsprechende Verträge. Mehr als 810.000 Menschen hatten eine entsprechende Versicherung mit einer staatlichen Förderung abgeschlossen. Denn an vielen Policen beteiligt sich der der Staat ab einem Eigenbeitrag von monatlich 10 Euro mit einem Zuschuss von 5 Euro. Für alle Zusatzversicherungen gilt aber: Je früher man sich dafür entscheidet, desto geringer ist dauerhaft der Beitrag.

 

Beratungsbedarf zu Pflege ist in Deutschland erheblich

Die Leistungen der Pflegeversicherung wurden zwischen 2015 und 2017 deutlich ausgeweitet. Laut einer aktuellen repräsentativen Untersuchung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) fühlt sich allerdings etwa ein Drittel der befragten pflegenden Angehörigen über die Ansprüche des von ihnen umsorgten Pflegebedürftigen nicht sehr gut informiert - bei den Leistungen für sich selbst sind es sogar über 40 Prozent. Einem Viertel ist zudem nicht vollkommen klar, wie Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragt werden können.

 

Um bei diesen und anderen Themen rund um die Pflege helfen zu können, gibt es für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige einen Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung bzw. Pflegeschulung. Diese Angebote werden jedoch häufig nicht genutzt. So zeigt die Analyse, dass an einer Pflegeberatung deutlich weniger als die Hälfte der Befragten, an einem Pflegekurs sogar weniger als zehn Prozent teilgenommen haben.

 

Zwar gibt es viele verschiedene Beratungsformen und -organisationen mit Pflegebezug in Deutschland, allerdings ist diese Angebotsvielfalt schwer zu überschauen. Um in dieser unübersichtlichen Landschaft Orientierung zu geben und passende Unterstützungsangebote besser auffindbar zu machen, hat das ZQP eine Datenbank mit über 4.500 Beratungsangeboten im Kontext Pflege aufgebaut. Darin können Ratsuchende deutschlandweit kostenlos, schnell und einfach nach nicht kommerziellen Beratungsmöglichkeiten in ihrer Nähe suchen - zum Beispiel von Pflegestützpunkten, Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, Verbraucherverbänden, kommunalen Einrichtungen oder compass private pflegeberatung.

 

"Es ist wichtig, dass die Menschen durch kompetente Beratung dabei unterstützt werden, möglichst weitgehend selbst über die Gestaltung der Pflege zu entscheiden. Gute Beratung führt wie ein Lotse durch ein Pflegesystem, das nicht immer leicht zu verstehen und regional häufig sehr unterschiedlich ist. Mit unserer Datenbank möchten wir darum Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen den Zugang zu Beratung erleichtern", erläutert der Vorstandsvorsitzende des ZQP, Dr. Ralf Suhr.

 

Weil in unterschiedlichen Phasen der Pflegebedürftigkeit und in den individuellen Lebenssituationen zu verschiedenen Pflege-Themen Beratungsbedarf bestehen kann, können die Nutzer der Datenbank Informationsschwerpunkte über Filter gezielt und für sich selbst passend auswählen: etwa zur Finanzierung oder Organisation der Pflege, zu Vorsorgeregelungen und rechtlicher Betreuung, zu Möglichkeiten der Wohnraumanpassung, zu Alltagshilfen für pflegebedürftige Menschen oder zu Krisen und Konflikten in der Pflege. Besonders häufig wird in der Datenbank nach Beratungsangeboten zu Demenz, zur Pflege-Organisation und zu Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige recherchiert - Themen, zu denen zum Beispiel auch in den sogenannten Pflegestützpunkten umfassend beraten wird. Diese sind ebenfalls mit einem Klick in der Suchmaske auszuwählen.

 

Mit keinem von den in der Datenbank aufgeführten Beratungsangeboten ist das ZQP organisatorisch verbunden. Daher hat die Stiftung keinen Einfluss auf die Qualität der jeweiligen Beratungen. Da für Ratsuchende jedoch das Beratungsniveau einerseits wichtig, andererseits häufig schwer einzuschätzen ist, bietet das ZQP ergänzend zur Datenbank ein Faltblatt mit den zehn wichtigsten Kriterien für eine gute, umfassende Beratung zum Thema Pflege an. Dieses kann ebenfalls kostenfrei über die ZQP-Beratungsdatenbank heruntergeladen werden. Anhand der darin aufgeführten Merkmale können Verbraucher sich orientieren, was Sie insbesondere von einer Pflegeberatung erwarten dürfen.

 

Die Datenbank ist systematisch recherchiert, wird laufend qualitätsgesichert und aktualisiert. Mehr Informationen dazu unter www.zqp.de/beratungsdatenbank.

 

Pflegeservices werden immer wichtiger

Haben Sie sich auch schon gefragt, wer kann mir helfen, wenn es zu einem Pflegefall kommt? Wer kann dann einem bei den zu trffenden Entscheidungen helfen, fachgerecht beraten und unterstützen? 

 

Dafür gibt es Pflegedienstleister die als Ansprechpartner und Berater unterstützend tätig sind. Einige private Pflegeversicherungen bieten auch solche Dienstleistungsberatungen im Rahmen ihrer Versicherungspolicen an. Auf was Verbraucher achten sollten? Sehen Sie dazu mehr in den folgenden, aktuellen Ratgeber-Filmbeiträgen von Verbraucherfinanzen-Deutschland.de:

 

TIPP zur Pflegeabsicherung: Pflegeservices werden immer wichtiger!

 

Pflegeplatzgarantie – gibt es die?

 

Nie ins Heim!

 

Neue Pflegebegutachtung: Medizinische Dienste ziehen erste positive Bilanz

Den umfassenden Blick auf die Pflegebedürftigkeit eines Menschen bei der Begutachtung bewerten sowohl die Betroffenen als auch die Gutachter positiv. „Das neue Verfahren ist für die Versicherten und Angehörigen transparent und nachvollziehbar, denn alle elementaren Lebensbereiche werden angesprochen“, sagt Bernhard Fleer, Seniorberater Pflege beim MDS. Pflegebedürftige mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen wie zum Beispiel Demenz können nun besser begutachtet werden: „Sie sind vor allem im Anfangsstadium ihrer Erkrankung zwar meistens noch körperlich fit, aber in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt oder sie zeigen belastendes Verhalten. Das wird nun besser berücksichtigt“, erläutert Fleer. Auch die Gutachter bestätigen, dass sie mit dem neuen Verfahren viel besser erkennen können, mit welchen Maßnahmen die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen erhalten und gefördert werden kann. Mit dem neuen Verfahren schätzen sie den Grad der Selbstständigkeit in sechs elementaren Lebensbereichen ein – von Mobilität, Selbstversorgung über Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, kognitive und kommunikative Fähigkeiten bis hin zu Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und Gestaltung des Alltagslebens. 

 

Dringende Fälle werden trotz erhöhtem Auftragsvolumen fristgerecht bearbeitet

 

Aufgrund des hohen Auftragsvolumens müssen Versicherte mit einer Bearbeitungsdauer von vier bis zu acht Wochen rechnen. Für dringliche Fälle gibt das Gesetz Fristen vor, in denen der gesamte Vorgang vom Antrag bis zum Leistungsbescheid durch die Pflegekasse erfolgt sein muss. So gilt für Pflegebedürftige beim Übergang vom Krankenhaus oder von der Reha-Einrichtung in die Pflege eine Ein-Wochen-Frist. Das heißt: Innerhalb von einer Woche stellt ein MDK-Gutachter die Pflegebedürftigkeit fest und die Krankenkasse erteilt einen entsprechenden Leistungsbescheid. Diese Ein-Wochen-Frist gilt auch für Begutachtungen bei Versicherten, die in der Palliativpflege sind. Wenn Angehörige eine Pflegezeit beantragen, so gilt eine Zwei-Wochen-Frist. Und bei Erstanträgen auf Heimpflege oder Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst gilt eine 25-Arbeitstage-Frist. All diese Fristen werden aktuell vom MDK in rund 96 Prozent aller Fälle eingehalten. Für alle Begutachtungsfälle gilt: Der Leistungsanspruch gilt ab dem Tag, an dem jemand seinen Antrag gestellt hat. Die Leistungen werden auch nachträglich gewährt. Pflegegeld und andere Leistungen werden bei der Zuerkennung eines Pflegegrades nachgezahlt.

 

 

Die 115 als Wegweiser für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige

Wo erhalten Pflegebedürftige und pflegende Angehörige Informationen und Unterstützung? Wann besteht beispielsweise ein Anspruch auf Pflegezeit oder Familienpflegezeit? Welche Pflegegrade und welche Leistungen der Pflegeversicherung und Hilfe zur Pflege gibt es?

Im Pflegefall kommen viele Fragen auf pflegende Angehörige und Pflegebedürftige zu. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Ab sofort hilft nun auch die Behördennummer 115 schnell und zuverlässig bei allen Fragen rund um das Thema Pflege.

Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit: "Wir haben in den letzten Jahren viel für die Pflege bewegt. Fünf Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr bedeuten spürbar mehr Leistungen und Unterstützung für die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen. Jetzt ist es wichtig, dass diese Hilfe aber dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Deshalb haben wir die Pflegeberatung deutlich ausgeweitet und die Zusammenarbeit der Verantwortlichen in den Kommunen gestärkt.

Auch pflegende Angehörige haben nun einen eigenständigen Anspruch auf Beratung. Das neue Angebot der 115 ist hier ein weiterer hilfreicher Baustein, um Antworten auf Fragen rund um die Pflege direkt am Telefon zu erhalten."

"Gute Pflege verdient höchsten Respekt. Das weiß jeder, der schon einmal auf die Unterstützung anderer angewiesen war, ob als Betroffener oder als Angehöriger. Es ist wichtig und gut, dass Fragen zur Pflege auch bei der 115 beantwortet werden", so Gabriele Lösekrug-Möller, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Dr. Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern macht deutlich: "Die einheitliche Behördennummer 115 steht beispielhaft für eine partnerschaftliche ebenenübergreifende Zusammenarbeit und eine intelligente Vernetzung von Kommunen, Ländern und Bund - praktisch gelebter Bürgerservice. Die 115 erweitert ihr Angebot für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige und ist für sie eine echte Hilfe bei zahlreichen Verwaltungsanliegen. Sie können ihre Fragen unkompliziert telefonisch klären, unabhängig von Zuständigkeiten oder Öffnungszeiten in den Ämtern."Beider 115 sind pflegende Angehörige und Pflegebedürftige immer richtig. Jeden Wochentag von 8 bis 18 Uhr informieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Themen wie:

  • Pflegegeld
  • Sach- und Kombileistungen der Pflegeversicherung
  • Pflegehilfsmittel
  • wohnumfeldverbessernde Maßnahmen und Förderung des altersgerechten Wohnens
  • Pflegeunterstützungsgeld der Pflegeversicherung bei Arbeitsbefreiung in einer akuten Pflegesituation
  • zinslose Darlehen bei Freistellung oder Reduzierung der Arbeit zur Pflege eines nahen Angehörigen
  • Leistungen der Hilfe zur Pflege

 

Gelder aus der gesetzlichen Pflegeversicherung werden oft nicht abgerufen

Es ist vielen Pflegebedürftigen und deren Angehörigen nicht bekannt, welche Kosten die gesetzliche Pflegeversicherung für die ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden übernimmt. Jörg Veil, Geschäftsführer von Home Instead Seniorenbetreuung Deutschland, gibt einen Überblick.

 

Entlastungsleistungen

 

Jedem Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 stehen 125 Euro pro Monat zur Verfügung. Das Geld kann für Hilfe im Alltag in Anspruch genommen werden. Dazu zählen beispielsweise gemeinsames Einkaufen und Kochen, Unterstützung im Haushalt oder die Begleitung zum Arzt, ein Spaziergang oder gemeinsames Spielen. Dieser Betrag wird nicht bar ausgezahlt. Wer im vergangenen Jahr die Leistungen nicht in Anspruch genommen hat, kann diese noch bis Juni 2018 für die Betreuung nutzen.

 

Verhinderungspflege

 

Bis zu 1.612 Euro jährlich stehen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 für die Entlastung der pflegenden Angehörigen zur Verfügung. Wer noch kein Geld aus der Kurzzeitpflege beansprucht hat, kann diesen Betrag um bis zu 806 Euro aufstocken. Diese Gelder können nicht ins folgende Jahr übertragen werden. Insgesamt unterstützt die Pflegekasse also jeden Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 für die Betreuung im eigenen Zuhause mit jährlich bis zu knapp 4.000 Euro. Zugelassene Dienstleister, wie beispielsweise von Home Instead, können für Betreuungs- und Entlastungsleistungen eingesetzt werden. Die Betreuungskräfte und Alltagsbegleiter kommen ins Haus und sind bei Bedarf auch im Umgang mit demenziell veränderten Menschen geschult.

 

Pflegehilfsmittel

 

Bis zu 40 Euro im Monat stellt die Pflegekasse für sogenannte "zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel" zur Verfügung. Das können zum Beispiel Einmalhandschuhe oder Inkontinenzvorlagen sein. Bei notwendigen Pflegehilfsmitteln, wie zum Beispiel Rollstühlen, Rollatoren oder Pflegebetten, trägt die Pflegekasse die gesamten Kosten.

 

Umbauten

 

Für sogenannte "Wohnumfeld-verbessernde" Maßnahmen, wie zum Beispiel der Einbau eines Treppenliftes, die Türverbreiterung oder auch der Umbau des Bades, stehen pro Projekt bis zu 4.000 Euro und maximal 16.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Wichtig ist, dass der Antrag vor dem Umbau gestellt wird.

 

Pflegeberatung

 

Jeder pflegende Angehörige hat einen Anspruch auf eine individuelle und kostenlose Pflegeberatung. In diesem Gespräch wird auch geklärt, ob der Pflegegrad noch stimmt oder ob eine andere Einstufung gegeben ist. 

 

Pflegeversicherung: Leistungen zu erhalten ist mühsam

Die Leistungen der Pflegeversicherung haben sich verbessert. Sie zu erhalten, ist nach wie vor mühsam. Das ist das Ergebnis einer qualitativen Studie, die das Umfrageinstitut Forsa im Auftrag der Verbraucherzentralen erstellt hat. „Wir haben vor allem zwei wichtige Erkenn tnisse gewonnen“, sagtSascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. „Pflegende Angehörige erleben die Antragstellung und die Phase, bis der Pflegegrad festgestellt ist, als sehr belastend. Sie fühlen sich unsicher und wenig informiert. Zum anderen nutzen sie Beratungsangebote eher selten.“

 

Mit der Pflegereform vor gut einem Jahr wurden die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt. Seitdem wird der Pflegegrad anhand von Punktwerten ermittelt. Welche Erfahrungen pflegende Angehörige und Fachleute aus ambulanter und stationärer Pflege damit machen, untersuchte Forsa im Auftrag der Verbraucherzentralen. Die meisten Teilnehmer gaben an, dass sie dringenden Informations- und Aufklärungsbedarf haben.

 

Informationen oft verwirrend

 

Als wichtige Informationsquelle nannten zahlreiche Befragte das Internet. Allerdings schätzten sie die dort bereitgestellten Informationen als unüberschaubar und eher verwirrend ein. Übereinstimmend äußerten Angehörige von Pflegebedürftigen den Wunsch, von Pflegekassen und Krankenhäusern aktiv beraten und informiert zu werden.

 

Beratungsangebote wenig bekannt

 

Die Studie macht auch deutlich, dass bestehende Beratungsangebote ihre Zielgruppe häufig nicht erreichen. Die Mehrheit der befragten Angehörigen kannte Pflegeberatungsstellen und Pflegestützpunkte entweder nicht oder nutzte sie nicht. Auch Beratungsgutscheine der Pflegekassen für eine Beratung waren unbekannt.

 

Eigentliches Begutachtungsverfahren positiv bewertet

 

Sehr viel Unsicherheit besteht rund um die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Viele Befragte befürchteten, in diesem Prozess in eine Prüfungssituation zu geraten. Die Angehörigen wussten nicht, wie sie sich und die Pflegebedürftigen auf den Termin vorbereiten sollten. Den Begutachtungstermin selbst und das Gespräch mit den Gutachtern erlebte die Mehrheit der Befragten jedoch als angenehm. Auch das neue Begutachtungsverfahren bewerteten sie positiv. Das neue Verfahren berücksichtigt beim Ermitteln des Pflegegrades die individuellen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen und nicht mehr den Pflegeaufwand in Minuten.

 

Fazit aus Verbrauchersicht

 

Wer bei der Antragstellung und bei der Begutachtung von Pflegeexperten unterstützt wurde, ist deutlich weniger belastet und konnte mit dem Verfahren besser umgehen als Menschen ohne Unterstützung. Wer eine Beratung genutzt hatte, empfand diese als wichtige Orientierungshilfe.  Die Verbraucherzentrale Bayern rät deshalb Pflegebedürftigen oder ihren Angehörigen, rechtzeitig Unterstützung und Hilfe einzuholen und Beratungsmöglichkeiten zu nutzen.

 

Antrag auf Pflegeleistungen: Frist wieder 25 Tage

Bei Antrag auf Pflegeleistungen: Entscheidung der Pflegekasse innerhalb von 25 Arbeitstagen

 

Gesetzliche Pflegekassen müssen Pflegebedürftigen seit Anfang des Jahres wieder innerhalb von 25 Arbeitstagen mitteilen, wie sie über ihren Antrag auf Pflegeleistungen entschieden haben, darauf weist die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hin. In besonders eiligen Fällen muss es sogar noch schneller gehen. Aufgrund der Umstellungen von Pflegestufen auf Pflegegrade durch die Pflegereform war diese Frist im vergangenen Jahr ausgesetzt, sofern keine besonders dringende Entscheidung nötig war.

 

Erfolgt der Bescheid der Pflegekasse nicht innerhalb dieser Frist und ist die Kasse für die Verzögerung verantwortlich, muss sie für jede Woche nach Fristablauf 70 Euro an den Antragsteller zahlen. Dies gilt nicht, wenn der Versicherte im Pflegeheim lebt und bereits mindestens Pflegegrad 2 hat.

 

„Bei uns haben sich viele Betroffene gemeldet, die teilweise monatelang auf die Begutachtung und die Entscheidung warten mussten“, so Gisela Rohmann, juristische Fachberaterin für Pflege bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Es ist gut, dass die langen Wartezeiten nun vorbei sind und die Versicherten schnell wissen, wieviel Geld sie zur Verfügung haben und wie sie die Pflege organisieren können.“

 

Ob nach einem Sturz, einem Schlaganfall oder weil ein Mensch zunehmend Unterstützung im Alltag benötigt, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sind auf eine schnelle Entscheidung der Pflegekasse zum Pflegegrad und den damit verbundenen finanziellen Zuwendungen angewiesen.

 

Pflegezusatzversicherung – nicht für jeden das Richtige

Wird jemand pflegebedürftig, übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten. Die verbleibenden Kosten müssen die Betroffenen selbst übernehmen. Um diese Lücke zu schließen, kann eine private Pflegezusatzversicherung helfen. „Interessierte sollten sich jedoch stets individuell beraten lassen, ob ein Vertragsabschluss in ihrer Lebenssituation überhaupt sinnvoll ist“, so Rechtsexpertin Sabine Weiß-Gränzer von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Denn der Beitrag der Pflegezusatzversicherung ist abhängig vom Gesundheitszustand, dem Alter bei Vertragsbeginn sowie den gewünschten Leistungen. „Hinzu kommt, dass der monatliche Beitrag für die Versicherung häufig auch im Pflegefall weiterhin bezahlt werden muss“, warnt die Verbraucherschützerin.

 

Im Wesentlichen gibt es drei Formen der privaten Pflegeversicherung: Die Pflegetagegeld-, die Pflegekosten- und die Pflegerentenversicherung.

 

Bei der Pflegetagegeldversicherung erhält der Versicherte einen bestimmten Betrag pro Tag zur freien Verfügung, unabhängig davon, ob er zu Hause von Angehörigen, von einem professionellen Pflegedienst oder im Heim gepflegt wird. Die Höhe richtet sich meist nach dem Pflegegrad. Das volle Pflegegeld wird erst ab Pflegegrad 4 oder 5 gezahlt. In den unteren Pflegegraden erhält der Versicherte nur einen anteiligen Tagessatz. Der Beitrag kann im Laufe der Zeit steigen.

 

Eine Pflegekostenversicherung erstattet bis zu einer vereinbarten Höchstgrenze die nachgewiesenen Pflegerestkosten einer professionellen Pflege zu Hause oder im Heim. Pflegen nur Familienangehörige, zahlt der Versicherer einen monatlichen Betrag. Rechnungen müssen dann nicht vorgelegt werden. Gezahlt wird in der Regel erst ab Pflegegrad 2. Auch bei dieser Versicherungsform können die Beiträge im Laufe der Zeit steigen.

 

Bei der Pflegerentenversicherung zahlt der Versicherer beim Vorliegen der Pflegebedürftigkeit eine bei Vertragsbeginn festgelegte monatliche Rente. Die Höhe der Rente richtet sich nach dem Pflegegrad. Sie wird meist ab Pflegegrad 2 gezahlt. Die Rente steht auch hier zur freien Verfügung. Die Beiträge sind bei dieser Form der Zusatzversicherung stabil, dafür ist die Versicherung aber deutlich teurer. 

 

Kommt die eine oder andere Versicherung für Verbraucher in Betracht, kann ein Abschluss auch an Gesundheitsfragen scheitern. Denn bei bestehenden Erkrankungen kann der Versicherer den Vertragsabschluss ganz ablehnen oder zumindest Risikozuschläge erheben oder Leistungen für bestimmte Situationen ausschließen. In diesen Fällen ist es wichtig, zu prüfen, ob die Versicherung sich überhaupt noch lohnt.

 

Eine Alternative kann manchmal der sogenannte „Pflege-Bahr“ sein, eine staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung. Im Unterschied zu rein privaten Versicherungen fällt hierfür keine Gesundheitsprüfung an, der Versicherer darf Interessenten also nicht abweisen. Die Versicherung wird mit fünf Euro im Monat staatlich gefördert. Der Schutz greift jedoch nur bis zu relativ niedrigen Summen. Deshalb lohnt sich der Pflege-Bahr meist nur als Zusatz zu einem nicht geförderten Tarif.

 

Kommt eine Pflegezusatzversicherung in Frage, sollten Verbraucher diese vor Vertragsschluss genau prüfen und auf folgende Mindestanforderungen achten:

 

• Die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit sollte sich an der Einstufung der gesetzlichen Pflegekassen orientieren

• Bei stationärer Pflege sollte der Vertrag für den Pflegegrad 2 bis 5 stets den gleichen Leistungsbetrag vorsehen – denn der Eigenanteil im Pflegeheim ist ab Pflegegrad 2 immer der gleiche

• Bei der Pflege zu Hause sollten die Leistungen identisch sein, egal ob die Pflege durch Angehörige oder professionelle Pflegedienste erfolgt

• Der Vertrag sollte keine Warte- und Karenzzeiten vorsehen

• Im Leistungsfall sollte eine Beitragsbefreiung vorgesehen sein

 

Vergleichsstudie Pflegeabsicherung: Die leistungsstärksten Anbieter 

Die leistungsstärksten privaten Pflegetagegeldversicherungen im Vergleich! Kostenfreie Onlineversion von Verbraucherfinanzen-Deutschland.de!

 

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den nächsten Jahren erheblich steigen. So werden rund 27 Millionen Menschen in Deutschland voraussichtlich in spätestens zehn Jahren einen Pflegefall in der Familie haben. Dabei kann ein Pflegeplatz mehrere tausend Euro im Monat kosten und durch die Pflegepflichtversicherung ist nur rund die Hälfte der Kosten gedeckt. Wer kann sich das leisten? Nach neuesten Berechnungen des Bundesgesundheitsministerium kann es jeden zweiten Bundesbürger treffen! Wir von der Redaktion Verbraucherfinanzen-Deutschland.de haben uns zusammen mit dem renommierten Analysehaus kvpro aktuell die Marktangebote ergänzender privater Pflegetagegeldversicherungen angesehen und daraus die absolut leistungsstärksten Angebote 2016 zur persönlichen Orientierung unserer Leser, ermittelt. Auf was sollte bei der Auswahl geachtet werden? Welche Versicherungsangebote bieten mehr Leistungen, mit welchen Kosten sollte man kalkulieren? Die Antworten darauf finden Sie in der neuen Studie!

 

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Pflegefall kann jeder werden! Was dann?

Wie ist man gegenüber einem Pflegefall abgesichert? Reicht die staatliche Pflegeversicherung nicht aus? Muss man für seine Eltern zahlen wenn es nicht reicht? Mehr dazu in diesem Videobeitrag zur Studie Pflegeabsicherung.

Risiko Pflegefall: Kann ich mir das als Rentner leisten?

Video-Diskussionsrunde zu den Themen: Wie hoch ist das Risiko dass man zu einem Pflegefall wird? Wie alt werden die Deutschen künftig werden? Gibt es dann ausreichend Pflegeplätze? Ist das Pflegerisiko eines der am meisten unterschätzten Risiken der Deutschen? Wie teuer sind Pflegeplätze und was bieten Versicherungsgesellschaften an Absicherung an?

 

Es diskutieren Lars Georg Volkmann, Vorstandsmitglied der VPV Versicherungen, Gerd Güssler, Geschäftsführer des Versicherungs - Analysehauses KVPro, Prof.Dr. Jochen Ruß, Geschäftsführer IFA, Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, und Friedrich A. Wanschka, Chefredakteur Verbraucherfinanzen-Deutschland.de.

Studie: Anzahl Pflegebedürftiger nimmt stark zu

Der Anteil der Neuzugänge im Pflegeheim, welche direkt aus dem Krankenhaus überwiesen werden, hat sich innerhalb von zehn Jahren auf über 70 Prozent mehr als verdoppelt. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Pflegebedürftigen der leichtesten Stufe 1 in den Pflegeheimen kontinuierlich zu (von ca. 30 auf nahezu 40%).

 

Beide Entwicklungen seien besorgniserregend, so die Autoren der Studie, doch durch Maßnahmen wie Reha vor Pflege, Kurzzeitpflege, Einbindung von Sozialdiensten und Einsatz von Technologie zum besseren Informationsaustausch oder im Rahmen von Ambient Assisted Living könnten viele dieser Heimbewohner in ihrem gewohnten Umfeld bleiben.

 

Angehörige oder Betroffene sind in den akuten Situationen oft maßlos überfordert, hier wird von der Politik deutlich mehr erwartet fordern die Autoren der Studie „Pflegeheim Rating Report 2017 .

 

Kinder müssen für ihre Eltern zahlen - BGH-Urteil macht deutlich: Pflegezusatzversicherungen sind unbedingt notwendig

Ohne Pflegezusatzversicherung geht fast nichts mehr. Das zeigt auch die jetzt veröffentlichte Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen XII ZR 148/09) in Karlsruhe. Die Bundesrichter entschieden, dass ein 48jähriger Mann die Pflegekosten für seine schizophrene Mutter übernehmen müsse, selbst wenn das Mutter-Kind-Verhältnis schon seit frühester Jugend zerrüttet gewesen ist. Im vorliegenden Fall muss der Mann, der seine Mutter in seiner Kindheit nur selten sah, deutlich mehr als 40.000 Euro für die Pflegekosten-Nachzahlungen aufbringen.

 

"Die Gefahr, durch die Pflegebedürftigkeit der Eltern das eigene Vermögen zu verlieren, ist sehr groß: Heute sind schon 30 Prozent - fast jeder Dritte - aller über 80Jährigen pflegebedürftig", sagt Regina Weihrauch, FinanzFachFrau in Göttingen und verweist darauf, dass für die Kosten von Pflegefällen - wie im Urteil des BGH - auch Sohn oder Tochter des Pflegepatienten herangezogen werden.

 

Fakt ist, wenn Eltern pflegebedürftig werden, reicht ihre Rente meist nicht für die Pflegekosten aus. Dabei kann sehr schnell ihr ganzes Vermögen drauf gehen - ganz gleich, ob durch Kosten für das Pflegeheim oder für die Betreuung rund um die Uhr zu Hause. Ist das Vermögen aufgebraucht, werden die Kinder zum Unterhalt herangezogen. Nach Paragraph (§) 1601 BGB sind Verwandte in gerader Linie verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Das bedeutet, dass Eltern und Kinder und mittelbar auch Schwiegereltern und "Schwiegerkinder" für die finanzielle Lücke aufkommen müssen.

 

Im Notfall verlangt der Sozialstaat für die noch offen stehenden Pflegekosten Zahlungen aus dem laufenden Einkommen der Kinder. Reicht das nicht aus, werden auch die finanziellen Rücklagen von Sohn und/oder Tochter belastet. Die durchschnittlichen stationären Pflegekosten in der Pflegestufe II belaufen sich heutzutage auf geschätzte 2.812 Euro pro Monat. Da die gesetzliche Pflegepflichtversicherung hier aber nur 1.279 Euro zahlt, verbleiben monatlich 1.533 Euro Kostenanteil, für die Kinder und andere direkte Verwandte aufkommen müssen.

 

"Diese Lücke kann nur durch eine private Pflegezusatzversicherung geschlossen werden", sagt die FinanzFachFrau Weihrauch. Kinder sollten für ihre Eltern eine solche Versicherung abschließen. Nur so können sie sich vor den finanziellen Risiken schützen, denen sie ausgesetzt sind. Wenn beispielsweise nur fünf Jahre Pflegebedürftigkeit besteht, entsteht eine Leistungslücke von 91.980 Euro (siehe Kasten), für die Kinder aufkommen müssten. Die durchschnittliche Pflegebedürftigkeit beträgt übrigens sieben Jahre.

 

5 Jahre Dauer der Pflegebedürftigkeit

Pflegeheimkosten (Pflegestufe II): 168.720 Euro

Zuschuss der gesetzlichen Pflegeversicherung: 76.740 Euro

Verbleibende Finanzierungslücke: 91.980 Euro

 

Es gibt Pflegerenten-, Pflegekosten- oder Pflegetagegeld-Versicherungen, um die finanzielle Lücke zur gesetzlichen Pflegeversicherung auszugleichen. Die FinanzFachFrauen raten, sich unbedingt unabhängig beraten zu lassen. Jeder müsse selbst entscheiden, welche Vorsorge-Form in der jeweils individuellen Situation am besten passt.

 

"Es ist nicht nur sinnvoll, die Eltern noch rechtzeitig in Sachen Pflegekosten abzusichern. Auch selbst sollte man an eine eigene Pflegezusatzversicherung denken", macht Regina Weihrauch deutlich. Nur so könne man auch die eigenen Kinder vor dem Finanzdebakel mit Pflegekosten im Alter schützen. "Damit helfen Sie Ihren Kindern mehr als mit einer Ausbildungsversicherung", weiß Regina Weihrauch, 48 und selbst Mutter von zwei Kindern. Sie hat schon vor sechs Jahren eine Pflegetagegeld-Versicherung abgeschlossen.

 

Für Frauen, die heute 50 Jahre sind, besteht zu 69 Prozent die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit 95 pflegebedürftig sind (siehe Kasten). Das unterstreicht die Dringlichkeit, rechtzeitig eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen.

 

Lebenserwartung und Pflegebedürftigkeit für den Geburtsjahrgang 1960:

Statistische Lebenserwartung für Frauen 95 Jahre, für Männer 91 Jahre;

statistisch gesehen werden 31 Prozent dieser Frauen und 13 Prozent dieser Männer im Alter von 85 Jahren pflegebedürftig sein. Zu 69 Prozent bei Frauen und zu 34 Prozent bei Männern besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit 95 Jahren pflegebedürftig sind.

 

Die FinanzFachFrauen weisen darauf hin, dass jeder selbst vorsorgen muss, wenn das mühsam angesparte Vermögen und alle Rücklagen nicht von den Pflegekosten (für die eigene Pflegebedürftigkeit oder die der Eltern) "aufgefressen" werden soll.

 

Repräsentative Umfrage: Bereitschaft zur Pflege von Familienangehörigen geht zurück

Jeder Fünfte Bundesbürger würde ein Familienmitglied rund um die Uhr pflegen. Allerdings hat die Bereitschaft der Deutschen zur umfassenden Betreuung ihrer Angehörigen stark nachgelassen. So wollten vor fünf Jahren noch doppelt so viele die Rundumpflege übernehmen. Auch der Anteil derer, die ihren Familienmitgliedern die Unterstützung im Pflegefall komplett verweigern, ist von rund sechs auf elf Prozent gestiegen. Dies ergab die Studie "Kundenkompass Selbstbestimmung im Alter" der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut auf der Basis zweier repräsentativer Bürgerbefragungen.

 

Vor allem bei den Beschäftigten in der Privatwirtschaft ist die Bereitschaft gering, sich intensiv um ihre pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern - hier würden lediglich 15 Prozent eine Rundumpflege übernehmen. "Offensichtlich fällt es dieser Gruppe immer schwerer, Beruf und Pflege miteinander in Einklang zu bringen", sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. "Es ist daher richtig, dass der Gesetzgeber hier aktiv werden will. Ein erster Ansatz ist es, Berufstätigen durch eine Pflegeauszeit die Möglichkeit einzuräumen, sich um ihre Angehörigen zu kümmern." So ist bei Hausfrauen und -männern die Bereitschaft zur Pflege mit 27 Prozent deutlich höher.

 

Konkrete Hilfsleistungen gefragt

 

Insgesamt werden in der Zukunft angesichts der demografischen Entwicklung und sich verändernder Familienstrukturen immer weniger Pflegebedürftige überhaupt auf die Unterstützung von Angehörigen zurückgreifen können - darüber machen sich die Befragten keine Illusionen. Sie wollen daher vorsorgen - und zwar vor allem, um sich im Pflegefall Assistance-Leistungen finanzieren zu können. Dabei rangiert die Haushaltshilfe mit 60 Prozent an erster Stelle. Mehr als jeder Zweite will außerdem sparen, um sich eine bedarfsgerechte Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch ein Nicht-Familienmitglied leisten zu können. "Diese Zahlen beweisen: Die Bundesbürger wissen, dass sie in der Zukunft auch im Pflegefall immer häufiger auf sich allein gestellt sein werden. Es gilt nun, das Angebot an Unterstützungsleistungen zu diversifizieren. Wir benötigen in der ambulanten Pflege neue und kreative Angebote, die den unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen gerecht werden und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Betreuung sicherstellen", so der ZQP-Vorstandsvorsitzende.

 

Pflege: Bei Qualitätssiegeln und Zertifikaten den Durchblick behalten

Neue Checkliste des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) bietet Pflegebedürftigen und Angehörigen schnelle Übersicht zu Siegeln und Zertifikaten in der Langzeitpflege

 

In Deutschland gibt es verschiedene Qualitätssiegel und Zertifikate, mit denen sich Pflegeeinrichtungen und -dienste die Umsetzung bestimmter Maßnahmen zur Qualitätssicherung bescheinigen lassen können. Dazu gehören zum Beispiel Bereiche wie Hygienestandards oder das Medikamenten- und Fehlermanagement. Die Prüfung erfolgt freiwillig und in der Regel durch eine externe Stelle. Jedoch ist der Markt für diese Nachweise nur schwer zu durchschauen. Vor allem für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist es schwierig, die Bedeutung von derzeit etwa 20 gebräuchlichen Siegeln und Zertifikaten einschätzen zu können.

 

Um die Orientierung hierbei zu erleichtern, hat das ZQP zentrale Informationen zu Siegeln und Zertifikaten, die in der Langzeitpflege in Deutschland häufig Anwendung finden, in einer Übersicht zusammengefasst. Interessierte können sich so zum Beispiel einen Überblick darüber verschaffen, was die einzelnen Siegel bzw. Zertifikate bedeuten, wer die Prüfungen der Kriterien durchführt und vor allem wo man weiterführende Auskünfte bekommen kann.

 

Als Basis für die Entscheidung, welches Heim oder welcher Dienst gut pflegt, taugen die Prüfbescheinigungen jedoch kaum. Denn über die tatsächliche Pflegequalität sagen diese eher nichts aus. Allerdings können sie Hinweise zu bestimmten Strukturen und Prozessen der Pflegeangebote geben. Siegel und Zertifikate sind meist nicht miteinander vergleichbar, da Prüfverfahren und konkrete Prüfinhalte unterschiedlich und zudem nicht immer transparent sind.

 

Da also Siegel und Zertifikate - sowie auch die offiziellen Pflegenoten - für Pflegebedürftige und Angehörige keine hinreichenden Aufschlüsse über die Pflegequalität bieten und schon gar nicht Auskunft darüber geben können, ob ein Angebot zu den persönlichen Bedürfnissen passt, ist es wichtig, sich selbst ein Bild zu machen.

 

Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, erklärt dazu: "Gerade wenn ein Pflegeheim gesucht wird, ist es wichtig, selbst vor Ort einen Eindruck zu gewinnen: Wie ist die Personalausstattung? Wirken die Pflegekräfte freundlich oder gehetzt? Zudem sollte man sich erkundigen, ob das Leistungsspektrum und die Atmosphäre zu den individuellen Bedürfnissen des Pflegebedürftigen passen. Gespräche mit dem Personal, wenn möglich auch mit den Pflegebedürftigen oder dem Heimbeirat, können helfen, ein Gefühl für die Einrichtung zu entwickeln." Die ZQP-Übersicht Siegel und Zertifikate ist das Ergebnis einer systematischen, stiftungseigenen Recherche und unter www.zqp.de kostenlos zugänglich.

 

Seniorenheim: Darauf sollten Sie bei der Suche achten

Bei der Wahl der Pflegeheims gibt es einige Dinge zu beachten. Das fängt beim eigenen Zimmer an, kann aber auch die Verpflegung und die Pflegeleistung des jeweiligen Heimes betreffen. Die ARAG Experten zeigen auf, worauf Sie bei der Wahl des neuen Ruhesitzes ankommt.

 

Auf die Bedürfnisse kommt es an
Wenn plötzlich das Leben im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich ist, entscheiden sich viele Senioren, in ein Heim zu ziehen. Oft treffen auch die Verwandten diese Entscheidung, nämlich dann, wenn sie die Pflege der Familienangehörigen nicht selbst leisten können. Die Frage, welches Pflegeheim das richtige ist, stellt die meisten vor eine große Herausforderung. Was viele bei der Wahl nicht bedenken ist, dass sich die Bedürfnisse der Betroffenen mit der Zeit ändern können.
 
Auf die Pflegeleistung achten
Eine gute und ausreichende Pflegeleistung des Heims sollte bei der Entscheidungsfindung unbedingt eine Rolle spielen. Die meisten Beschwerden von Heimbesuchern betreffen nämlich Unzulänglichkeiten in diesem Sektor. ARAG Experten empfehlen, sich bei der Wahl des Heims ausreichend Zeit zu lassen und dort auch mal einen "Überraschungsbesuch" abzustatten. Sprechen Sie mit den Heimbewohnern und machen Sie sich einen Eindruck vom Pflegepersonal. Wie geht dieses mit den Bewohnern um? Wie ist die Atmosphäre? Auch sollten Sie sich erkundigen, ob das Pflegepersonal häufig wechselt oder ob die Heimbewohner nach Möglichkeit immer von der selben Person versorgt werden. Was viele nicht wissen: Die Pflegeheime unterstehen Qualitätskontrollen, die seit 2009 auch im Internet oder im Pflegeheim selbst veröffentlicht werden müssen. ARAG Experten weisen in diesem Zusammenhang auf den Service der Krankenkassen hin, die nicht nur geeignete Pflegeheime heraussuchen, sondern auch gleich die Pflegenote der einzelnen Unterkunft mitliefern.
 
Unterschreiben Sie nichts ungelesen
Viele Heime behalten sich zum Beispiel vor, ihren Bewohnern nach Bedarf ein anderes Zimmer zuzuweisen. Auf solche Klauseln sollten Sie unbedingt achten und diese gegebenenfalls aus dem Vertrag streichen lassen. Davon auszunehmen ist natürlich ein erforderlicher Zimmerwechsel beispielsweise durch eine geänderte Pflegestufe. Auch sollten Sie genau darauf achten, welche Zimmerausstattung im Vertrag vorgegeben ist und wie der tatsächliche Zustand ist. Das gilt auch bei der Verpflegung. Kommt alles frisch auf den Tisch oder doch eher aus der Konserve? Auch hier geben die Pflegenoten eine gute Übersicht über die Gesamtleistung. Bewertet werden nämlich laut ARAG Experten nicht nur die Qualität der Pflege, sondern auch der Umgang mit den Bewohnern, die Betreuung bzw. das soziale Angebot, der Wohnungs- und Hygienezustand sowie die Verpflegung.
 

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