Zahnersatz:  Wie man beim Zahnarzt sparen kann

Ein Implantat für fast 4.000 Euro, eine Krone für 600 Euro – solche Zahnarztrechnungen können schmerzhafter sein als die Behandlung selbst, denn die Krankenkasse zahlt für die gesetzliche Regelleistung nur etwa die Hälfte, die andere Hälfte muss der Patient aus eigener Tasche beisteuern. Wünschen Patienten mehr als die Kassenleistung, müssen sie diese Kosten zusätzlich zahlen. Was man tun kann, um die eigenen Kosten so gering wie möglich zu halten, erläutern die Versicherungsexperten der Stiftung Warentest.

 

Kassenpatienten können viel tun, um die eigenen Ausgaben zu senken. Dazu gehört, dass sie jedes Jahr zur Vorsorge gehen und ihr Bonusheft lückenlos führen. Das kann den Zuschuss der Kasse erhöhen und den eigenen Anteil auf 35 Prozent senken. Dann sollte man sich den vom Zahnarzt zu erstellenden Heil- und Kostenplan erläutern und Alternativen erklären lassen. Auch das Einholen einer Zweitmeinung bei einem unabhängigen Zahnarzt kann sinnvoll sein. Unter bestimmten Voraussetzungen können gesetzlich Krankenversicherte mithilfe ihrer Kasse zusätzlich Zahnarztkosten einsparen, teilweise gibt es sogar bis zu 100 Prozent der Regelversorgung. Dazu bieten zahlreiche Kassen ihren Mitgliedern durch Verträge mit bestimmten Zahnärzten besondere Konditionen beim Zahnersatz an.

 

Hohe Ausgaben für Zahnersatz können Patienten auch mit einer Zahnzusatzversicherung vermeiden. Damit können sie sich auch teure Implantate, Kronen oder Brücken leisten. Finanztest hat 220 Zahnzusatzversicherungen getestet, 70 davon schneiden sehr gut ab. Das günstigste Angebot mit sehr guten Zahnersatzleistungen kostet für den 43-jährigen Kunden 9 Euro Monatsbeitrag.

 

Das Lächeln versichern: Wann sich die Zahnzusatzversicherung lohnt

Zahnersatz geht ins Geld: 3.000 Euro kann ein neues Implantat für gesetzlich Versicherte kosten – selbst mit Zuzahlung der Krankenkasse. Jeder fünfte Kassenpatient sichert sich mit einer Zahnzusatzversicherung gegen solche Kosten ab. Das geht aus aktuellen Zahlen der Krankenversicherungsverbände hervor. Der gemeinnützige Verbraucher-Ratgeber Finanztip hat untersucht, für wen sich die Versicherung lohnt und welche Alternativen Verbraucher haben.

 

Bei den Zahnzusatzversicherungen sind die Preisunterschiede erheblich. Ein 43-Jähriger beispielsweise muss für einen Tarif zwischen 40 und 760 Euro im Jahr zahlen. Das Problem: „Gerade die besonders billigen Versicherungen enthalten viele Fallstricke“, sagt Julia Rieder, Versicherungsexpertin bei Finanztip. „Tarife mit besonders umfangreichen Leistungen sind hingegen sehr teuer.“ Wer genug Geld auf dem Konto hat, sollte den Eigenanteil bei Zahnersatz deshalb am besten selbst zahlen. „Die Versicherung ist keinesfalls ein Muss. Fangen Sie schon früh an, regelmäßig Geld für die Behandlungen zurückzulegen.“ Um nicht unnötig draufzuzahlen, rät Rieder bei größeren Maßnahmen, den Heil- und Kostenplan des Zahnarztes zu vergleichen – mit dem Angebot eines anderen Zahnarztes oder mit Hilfe der Patientenberatung der Zahnärztekammern.

 

Viele Versicherungen zahlen erst acht Monate nach Abschluss

 

Wer doch lieber eine Versicherung abschließt – beispielsweise wegen anfälliger Zähne im Familienkreis – vereinbart am besten einen Eigenanteil von 10 bis 20 Prozent. Das macht die Versicherung günstiger. Empfehlenswert sind laut Finanztip die Gothaer MediZ Premium, die DKV Kombi Med Zahn KDT85, die Hallesche Megadent, die Janitos Ja dental plus und die Inter Z90. Entscheidend ist der Zeitpunkt des Abschlusses: „Hat der Zahnarzt schon vor Vertragsschluss eine Behandlung angeraten, zahlt die Versicherung dafür nicht“, warnt Rieder. „Viele Tarife haben außerdem eine Wartezeit und zahlen für Behandlungen erst nach acht Monaten.“

 

Günstigeren Zahnersatz im Ausland bekommen

 

Wer beim Zahnersatz sparen möchte, kann sich im Ausland behandeln lassen oder Rabatt durch ein zehn Jahre lückenlos geführtes Bonusheft bekommen. Bei Versicherten mit Bruttoeinnahmen von weniger als 1.218 Euro im Monat greift eine Härtefallregelung: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt in diesem Fall die Kosten für die Regelversorgung vollständig.

 

Krankentagegeld: Tarife von gut bis mangelhaft

Privates Krankentagegeld bietet Schutz gegen Verdienstausfall bei langer Krankheit und ist sinnvoll für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer und Selbstständige, wenn die Lücke zum Nettogehalt besonders groß oder das Gehalt jeden Monat fest verplant ist - zum Beispiel für einen Kredit. Finanztest hat für die Juni-Ausgabe 76 Tarife aller privaten Krankenversicherer untersucht untersucht, die für gesetzlich Versicherte zugänglich sind. Die Ergebnisse reichen von gut bis mangelhaft.

 

Der Test zeigt, je früher Kunden den Vertrag abschließen, desto günstiger können sie ein privates Krankentagegeld versichern. Der 32-jährige Modell-Arbeitnehmer zahlt für einen der drei besten Tarife zwischen 10 und 13 Euro monatlich und bekommt ab der siebenten Krankheitswoche als Ergänzung zum gesetzlichen Krankengeld dafür 40 Euro täglich privates Krankentagegeld. Ist der Kunde bei Abschluss 52 Jahre alt, zahlt er dafür zwischen 24 und 28 Euro monatlich, also mehr als doppelt so viel.

 

Bei Selbstständigen, die freiwillig Mitglied einer Krankenkasse sind, ist es komplizierter. Sie haben nicht automatisch Anspruch auf gesetzliches Krankengeld. Sie können wählen, ob sie das Krankengeld ihrer Kasse erhalten wollen oder finanzielle Risiken bei längerer Arbeitsunfähigkeit lieber komplett über einen privaten Versicherer absichern oder beides kombinieren.

 

Reisekrankenversicherung: Das sollten Sie beachten

Jeder, der regelmäßig verreist, sollte eine Reisekrankenversicherung haben. Die gesetzlichen Kassen zahlen im Fall von Krankheit oder Unfall im Ausland nicht den Rücktransport. Bei der Wahl der Versicherung sollten die Kunden darauf achten, dass "im medizinisch sinnvollen Fall" gezahlt wird, nicht nur im "medizinisch notwendigen", wie der Finanzexperte Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern im Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" rät. "Medizinisch notwendig" bedeutet, dass der Transport nur bezahlt wird, wenn die Verletzung oder Krankheit am Urlaubsort nicht adäquat versorgt werden kann. In den meisten europäischen Ländern ist das nicht der Fall. "Medizinisch sinnvoll" hingegen meint, dass die Aussicht auf Heilung zu Hause als besser erachtet wird, weil Patienten etwa keinen Dolmetscher im Krankenhaus brauchen und Angehörige sich kümmern können.

Aktuelle Vergleichsstudie 2017

Die leistungsstärksten privaten Krankenzusatzversicherungen im Vergleich! Wo Gesetzlich Krankenversicherte die besten Zusatzleistungen erhalten?

Wie sind Kassenpatienten im Krankheitsfall tatsächlich abgesichert? Wie hoch sind die privaten Zuzahlungen bei Medikamenten, Arzt- oder Krankenhausbehandlungen? Wie viel kostet es, wenn man sich alternativ behandeln lassen will? Was können gesetzlich Versicherte dagegen tun? Mehr zu diesem Thema hier im Online-RatgeberMagazin "Private Krankenzusatzversicherung 2017" von Verbraucherfinanzen-Deutschland.de!

 

Zahl privater Zusatzkrankenversicherungen steigt rasant

Immer mehr gesetzlich Krankenversicherte schließen eine private Zusatzversicherung ab: Verfügten nach den Daten des Sozio-oekonomischen Panels SOEP im Jahr 2000 knapp 10 Prozent der Versicherten über eine private Zusatzversicherung, so waren es 2012 fast 22 Prozent oder rund 13 Millionen Menschen. Etwa 17 Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten verfügten über eine Zusatzversicherung für Leistungen beim Zahnersatz, knapp elf Prozent schlossen Zusatzversicherungen für Krankenhausbehandlungen ab, etwa neun Prozent sicherten sich zusätzlich im Bereich Heil- und Hilfsmittel ab. In etwa verdoppelt hat sich auch der Anteil der erwachsenen gesetzlich Krankenversicherten mit einer Auslandskrankenversicherung (auf knapp 8 Prozent).

Besonders häufig werden die privaten Zusatzversicherungen von Frauen, Personen mittleren Alters, mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss und überdurchschnittlichen Einkommen abgeschlossen. Auch verfügen sie häufiger über einen guten oder sehr guten Gesundheitszustand. „Angesichts der starken Zunahme von privaten Zusatzversicherungen stellt sich die Frage, ob dies langfristig zu Versorgungsdefiziten führen kann, da die Verbreitung der Zusatzversicherung offensichtlich mit der Höhe des Haushaltseinkommens korreliert“, warnt Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin.

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