Betriebliche Gesundheitsförderung: Bis zu 600 Euro jährlich steuerfrei vom Chef

 

Arbeitgeber können ihren Angestellten bestimmte Gesundheitskurse finanzieren - steuerfrei. Früher lag die Grenze bei 500 Euro im Jahr, seit 2020 sind bis zu 600 Euro möglich. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen.

 

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist der Schutz der Gesundheit noch mehr zu einem der wichtigsten Themen geworden - auch für Arbeitgeber. Unterstützt werden sie dabei von Krankenkassen, die verschiedene Gesundheitskurse für Arbeitnehmer anbieten. Und von der Finanzverwaltung, die seit 1. Januar 2020 Arbeitgeberzuschüsse von bis zu 600 Euro pro Jahr und Mitarbeiter steuer- und sozialversicherungsfrei anerkennt. Betriebliche Gesundheitsförderung nennt sich dieses Prinzip.

 

Zwei Voraussetzungen gelten für die betriebliche Gesundheitsförderung

 

Folgende Bedingungen sind an die steuer- und sozialversicherungsfreie betriebliche Gesundheitsförderung geknüpft - erste Bedingung: Der Arbeitgeber überweist dem Mitarbeitenden die Zuschüsse zusätzlich zum Arbeitslohn.

 

Die zweite Bedingung ist, dass Mitarbeitende nur Zuschüsse für Kurse erhalten, die den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern. Dazu gehören:

 

-  Bewegungsprogramme, zum Beispiel Rückenkurse

-  Ernährungsangebote, zum Beispiel zur Reduktion von Übergewicht

-  Aufklärungskurse zum Suchtmittelkonsum, zum Beispiel Rauchentwöhnung

-  Kurse zur Stressbewältigung, zum Beispiel autogenes Training 

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht den Mitarbeitenden ein Freibetrag von bis zu 600 Euro pro Jahr zu. Erhält ein Mitarbeitender mehr Geld von seinem Arbeitgeber, muss er nur den Teil der Zuschüsse versteuern, der über dem Freibetrag liegt. Beispiel: Zahlt der Arbeitgeber 650 Euro für die Gesundheitsförderung, werden nur auf 50 Euro Steuern fällig.

 

Kurse im Unternehmen sind Sachleistungen

 

In großen Firmen fanden Kurse zur Gesundheitsförderung vor Ausbruch der Corona-Pandemie häufig im eigenen Gebäude statt. Unter Wahrung der aktuell geltenden Abstands- und Hygiene-Regeln ist das prinzipiell auch jetzt wieder möglich. Der Arbeitgeber übernimmt dann die Kosten direkt. Steuerlich gesehen erhalten Mitarbeitende eine Sachleistung - und genau wie bei der Geldleistung gilt: Die Gesundheitsförderung ist bis zu 600 Euro steuerfrei. Und alles, was darüber liegt, muss versteuert werden.

 

Bestimmte Maßnahmen werden nicht gefördert

 

Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) hat aufgelistet, welche Kosten und Maßnahmen nicht zur betrieblichen Gesundheitsförderung zählen und deshalb keine Steuererleichterung bringen:

 

-  Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen, Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen

-  Maßnahmen ausschließlich zum Erlernen einer Sportart

-  Trainingsprogramme mit einseitigen körperlichen Belastungen

-  Massagen

-  Maßnahmen von Anbietern, die ein wirtschaftliches Interesse am Verkauf von Begleitprodukten haben - zum Beispiel Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel

-  Maßnahmen, die den Einsatz von Medikamenten zur Gewichtsabnahme, Formula-Diäten (Nahrungsersatz oder Nahrungsergänzungsmittel) sowie extrem kalorienreduzierter Kost propagieren 

Auf den Internetseiten der Krankenkassen finden Interessierte die förderfähigen Kursangebote in ihrer Region.

 

Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld

 

Die globale Verbreitung des Corona-Virus macht der Wirtschaft zu schaffen. Lieferengpässe bei Zulieferunternehmen, die ihre Komponenten international beziehen, führen in der Produktion an unseren Standorten zu Stillständen. Unternehmen, die von massiven Lieferengpässen oder ausbleibenden Aufträgen betroffen sind oder behördlich vorübergehend geschlossen werden mussten, können Kurzarbeit einführen. Die Kurzarbeit hat das Ziel, Auftragsengpässe zu überbrücken, die Lohnkosten vorübergehend zu senken und dadurch den Betrieb wirtschaftlich zu entlasten und die Arbeitsplätze zu erhalten.

 

Aufgrund der Corona-Krise lockerte die Bundesregierung die Regeln für das Kurzarbeitergeld in einem Eilverfahren, berichtet die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Das ändert sich für Unternehmen

 

Die gesetzlichen Voraussetzungen für Unternehmen wurden befristet vereinfacht und die Leistungen erweitert. Statt wie bisher müssen nicht 30 Prozent der Beschäftigten im Betrieb von Arbeitsausfall betroffen sein, sondern es reichen schon zehn Prozent aus. Auf den üblicherweise gesetzlichen Zwang zum Aufbau negativer Arbeitszeitsalden wird derzeit verzichtet. Den Antrag auf Kurzarbeitergeld stellt der Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit. Neu ist ebenfalls, dass die Sozialversicherungsbeiträge, die auch bei Kurzarbeit zu entrichten sind, den Arbeitgebern in voller Höhe erstattet werden. Die neuen Regelungen gelten auch für Zeitarbeitsfirmen.

 

Das sollten Arbeitnehmer wissen

 

Für Arbeitnehmer bedeutet Kurzarbeit in der Regel eine Reduzierung des Arbeitsentgelts. Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter oder eine Zeitarbeitsfirma seine Leiharbeiter in Kurzarbeit schickt, besteht ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns für jeden Kurzarbeitstag. Bis Jahresende gibt es Corona bedingt Erhöhungen, sofern die Kurzarbeit mindestens 50 Prozent ausmacht. Ab dem vierten Monat gibt es dann 70 Prozent und ab dem siebten Monat 80 Prozent. Bei Arbeitnehmern mit mindestens einem kindergeldberechtigten Kind sind es jeweils 7 Prozent mehr. Die Mitgliedschaft in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung bleibt erhalten und die gesetzlichen Urlaubsansprüche bestehen.

 

Steuerabzugsmerkmale unbedingt prüfen

 

Kinder über 18 sind nicht automatisch in den Steuerabzugsmerkmalen enthalten. In vielen Fällen wird das nicht beantragt, obwohl ein Kindergeldanspruch weiterhin besteht, da die Auswirkung auf den Lohnsteuerabzug sehr gering ist. Auswirkungen gibt es nur beim Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer und dieser Steuernachteil kann über die Einkommensteuererklärung später wieder reingeholt werden. Wenn die Aussicht auf Kurzarbeit besteht, sollte man aber handeln und sein volljähriges, kindergeldberechtigtes Kind eintragen lassen, wenn kein Kind unter 18 im Haushalt lebt. Denn nur, wenn das Kind bei den Steuerabzugsmerkmalen hinterlegt ist, gibt es die sieben Prozent mehr.

 

Ist das Kind nicht in den Steuerabzugsmerkmalen eingetragen, weil Steuerklasse V bzw. VI vorliegt, reicht auch die Gehaltsabrechnung des Hauptarbeitgebers oder die des Ehepartners mit der Steuerklasse III, auf der dann ein Kinderfreibetrag ausgewiesen ist. Hält sich das Kind im Ausland auf, kann eine Bescheinigung bei der Agentur für Arbeit als Nachweis für den erhöhten Kurzarbeitersatz beantragt werden. Die Änderung der Lohnsteuerabzugsmerkmale, hier die Aufnahme des Kindes, greift leider erst ab dem Folgemonat.

 

Nebenbeschäftigung wirkt sich nicht mehr aus

 

Bisher wurde nur das Entgelt von bereits bestehenden Nebenbeschäftigungen nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Wurde während der Kurzarbeit eine neue Nebenbeschäftigung angefangen, wurde dieses Einkommen in voller Höhe auf die Lohnersatzleistung angerechnet und das Kurzarbeitergeld fiel geringer aus. Im Zuge der Corona-Krise hat die Bundesregierung nun diese Regelung vorübergehend fallen gelassen.

 

Ab sofort haben Kurzarbeiter die Möglichkeit, zusätzliches Geld zu verdienen, ohne dass es sich auf das Kurzarbeitergeld auswirkt. Unsere Regierung will so einen Anreiz schaffen, dass vorübergehend Tätigkeiten in aktuell wichtigen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, der Landwirtschaft und der Versorgung mit Lebensmitteln freiwillig aufgenommen werden.

 

Bezug verpflichtet zur Steuererklärung

 

Von den verbesserten Regeln zur Kurzarbeit insgesamt profitieren Arbeitnehmer dahingehend, dass das Kurzarbeitergeld rückwirkend zum 1. März 2020 beantragt und kurzfristig ausbezahlt werden kann. Es handelt sich dabei um eine Lohnersatzleistung. Damit ist das Kurzarbeitergeld selbst zwar von der Lohnsteuer befreit, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Konkret heißt das, es wird für die Ermittlung des individuellen Steuersatzes, der für den normalen Arbeitslohn gilt, herangezogen und erhöht diesen. Infolgedessen kann es zu Steuernachzahlungen kommen. Weiterhin wird man durch den Bezug der Lohnersatzleistung über 410 Euro im Jahr dazu verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen, so die Lohnsteuerhilfe Bayern.

 

Corona-Hilfen für Familien

 

Familien trifft die Corona-Krise besonders hart, das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Postbank Umfrage.

 

Gut, dass der Staat ihnen finanziell unter die Arme greift. Hier ein Überblick.

 

Jede zweite Familie (57 Prozent) erleidet durch die Folgen der Pandemie Einkommensverluste, so das Ergebnis einer repräsentativen Kantar-Umfrage im Auftrag der Postbank. Jeder Neunte (11 Prozent), der in einem Haushalt mit mehr als zwei Personen lebt, beschreibt die Verluste sogar als erheblich. Einpersonenhaushalte verbuchen im Vergleich dazu deutlich seltener Einbußen: Jeder sechste Single (18 Prozent) verdient im Zuge der Krise weniger, ebenso jeder sechste Befragte aus einem Zweipersonenhaushalt (17 Prozent). „Durch die zeitweilige Schließung von Schulen und Kindertagesstätten sowie die Kürzung der Betreuungsdauer sind viele Eltern mit kleinen Kindern gezwungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder ihre Tätigkeit zeitweise ganz einzustellen“, erklärt Iris Laduch von der Postbank. Zumindest einen Teil der finanziellen Verluste will der Staat mit Hilfsprogrammen für Familien ausgleichen:

 

Kinderbonus

 

Alle Familien und Alleinerziehenden erhalten einmalig einen Bonus von 300 Euro pro Kind, der im September und Oktober in zwei Raten zu je 150 Euro pro Kind ausgezahlt wird. Auch Ungeborene sollen vom Bonus profitieren, vorausgesetzt, sie kommen noch in diesem Jahr zur Welt. „Bei besser verdienenden Familien wird der Bonus im nächsten Jahr in der Steuererklärung mit dem Kinderfreibetrag verrechnet“, erläutert die Postbank Expertin. Zum Hintergrund: Eltern steht für jedes Kind entweder Kindergeld oder ein jährlicher Freibetrag bei der Einkommensteuer zu. Das Finanzamt prüft automatisch, welche Variante günstiger ist. Bei höherem Einkommen überwiegt der steuerliche Vorteil des Kinderfreibetrags. Ist dies der Fall, wird der Freibetrag im Rahmen der Steuererklärung vom zu versteuernden Einkommen abgezogen und im Gegenzug der Anspruch auf Kindergeld der tariflichen Einkommensteuer hinzugerechnet. Auf die Grundsicherung wird der Kinderbonus nicht angerechnet; Empfängern von Sozialleistungen wie Hartz IV kommt der gesamte Zuschuss zugute.

 

Lohnfortzahlung wegen Schul- und Kita-Schließung

 

Eltern, die wegen der Pandemie ihre Kinder mangels anderer zumutbarer Möglichkeiten zu Hause betreuen müssen und deshalb nicht oder nur eingeschränkt arbeiten gehen können, haben Anspruch auf eine staatliche Lohnfortzahlung. Dieser besteht zehn Wochen für jeden Sorgeberechtigten, Alleinerziehenden stehen bis zu 20 Wochen zu. Ersetzt werden 67 Prozent des Verdienstausfalles, maximal jedoch 2.016 Euro monatlich. Die Regelung soll rückwirkend zum 30. März in Kraft treten. Voraussetzung ist, dass das zu betreuende Kind unter zwölf Jahre alt ist oder eine Behinderung hat.

 

Notfall-Kinderzuschlag

 

Bedürftige Eltern erhalten einen monatlichen Notfall-Zuschuss in Höhe von bis zu 185 Euro pro Kind zusätzlich zum Kindergeld. Ob und in welcher Höhe der Zuschlag gezahlt wird, ist vor allem abhängig von der Höhe des Einkommens, den Wohnkosten, der Familiengröße und dem Alter der Kinder. „Berechnungsgrundlage ist das Einkommen des letzten Monats vor Antragstellung, sodass auch Familien unterstützt werden, die kurzfristig in einen finanziellen Engpass geraten“, sagt Iris Laduch. Anspruch auf den Notfall-Zuschlag haben nicht nur Mittellose. Denn verwertbare Vermögenswerte werden nur dann berücksichtigt, wenn sie als erheblich eingestuft werden. Bei einer vierköpfigen Familie wäre dies ab einer Summe von über 150.000 Euro der Fall.

 

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