Zu geringe Zinsen bei Riester Verträgen von Sparkassen

 

Bei zahlreichen Geldinstituten finden sich unzulässige Zinsanpassungsklauseln in diversen Varianten von Sparverträgen, darunter auch in Riester-Verträgen

 

Viele Institute bieten Nachzahlungen an, allerdings nur den Kunden, die sich beschweren

 

Mit mehreren Abmahnungen und Unterlassungsklagen unterstützt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Rechte

Trotz klarer Vorgaben des Bundesgerichtshofs an die Transparenz von Zinsänderungsklauseln in langfristigen Sparverträgen berechnen etliche Geldinstitute Zinsen weiterhin falsch. Gegen die Klauseln mehrerer Banken und Sparkassen geht die Verbraucherzentrale rechtlich mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen vor.

 

 „Die fehlerhafte Berechnung von Zinsen basiert auf der Verwendung unzulässiger Zinsänderungsklauseln. Dadurch werden auch Kunden von Riester Verträgen um die ihnen zustehenden Zinsen gebracht,“ sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat bislang in 90 VorsorgePlus Riester-Verträgen von 16 Sparkassen fehlerhafte Zinsänderungsklauseln gefunden. Dadurch sind den Riester-Sparern nach Auffassung der Verbraucherzentrale Zinsgutschriften von im Mittel rund 1.880 Euro pro Sparvertrag vorenthalten worden. Nach Veröffentlichung einer Marktbeobachtung zum Thema Zinsanpassungsklauseln der Verbraucherzentrale im vergangenen Jahr hat die Anzahl der Verbraucherbeschwerden deutlich zugenommen.

 

Einsicht oft nur nach Abmahnung

 

„Unsere Abmahnungen und Klagen helfen Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Wir fordern die Institute auf, von sich aus aktiv auf ihre Kunden zuzugehen, fehlende Zinsen nachzuzahlen und geltendes Recht endlich umzusetzen“, so Nauhauser weiter. Aktuell laufen mehrere rechtliche Verfahren der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen verschiedene Institute. Lenken die Banken und Sparkassen nach einer Abmahnung nicht mit einer Unterlassungserklärung ein, reicht die Verbraucherzentrale Unterlassungsklage ein. In drei Fällen wurden diese bereits zu Gunsten der Verbraucherzentrale entschieden, zwei weitere Verfahren müssen noch gerichtlich entschieden werden. Eine Übersicht über die laufenden Verfahren können Verbraucher hier einsehen: https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/node/44307.

 

„In etlichen Urteilen hat sich der BGH bereits seit 16 Jahren mit rechtswidrigen Zinsanpassungsklauseln befasst,“ sagt Nauhauser, „umso unverständlicher ist es, dass die Banken ihr Verhalten nicht längst korrigiert haben. Wir werden uns weiterhin für betroffene Verbraucher einsetzen, damit sie bisher nicht gewährte Zinszahlungen endlich ausgezahlt bekommen.“ Rückenwind erhalten Verbraucher nun auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die im BaFin Journal 02/2020 mitteilte, gegen Missstände bei Zinsanpassungen vorgehen zu wollen. 

 

Weniger Riester-Rente wegen intransparenter Klausel

 

Wer einen Riester-Vertrag abschließt, darf erwarten, auch eine Leistung in Form einer Rente zu erhalten. Mit einer unzulässigen Klausel behielt sich die Sparkasse Ulm aber das Recht vor, angehenden Rentnern „Abschluss- und/oder Vermittlungskosten“ in Rechnung zu stellen. Eine besondere Gegenleistung erhalten die Rentner dafür nicht. Im Gegenteil, die Kosten schmälern ihre Rente. Nach erfolgreicher Abmahnung durch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg darf die Sparkasse sich auf diese Klausel nicht mehr berufen. Kunden von Riester Banksparplänen, Riester Fondssparplänen sowie Riester-Bausparverträgen sollten Ihre Ansprüche prüfen und eventuell zu Unrecht kassierte Entgelte zurückverlangen.

 

„Im Rahmen unserer Beratung beschweren sich zunehmend Verbraucher, dass sie bei bereits laufenden Riester-Verträgen Abschluss- und Vermittlungskosten zahlen sollen, um die versprochene Rente zu erhalten“, so Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Grund: Mit Ende der Ansparphase des Riester-Vertrags und dem Übergang in die Rentenbezugsphase erhalten Verbraucher ein oder mehrere Vertragsangebote über die Rentenleistungen. „Die Anbieter haben es versäumt, die Phase des Rentenbezugs in ihren Verträgen klar zu regeln und wälzen nun Kosten auf ihre Kunden ab, die sie aber selbst tragen müssen. Schließlich müssen sie ihre Verträge erfüllen und eine Rente zahlen!“, so Nauhauser. 

 

Konkret erhielten Verbraucher, die bei der Sparkasse Ulm einen als „Vorsorge Plus“ bezeichneten Riester-Banksparplan abgeschlossen hatten, zum Ende der Ansparphase ein Angebot der Bank: bis zum 85. Lebensjahr würde das angesparte Guthaben ausgezahlt werden, danach würde die Rente aus einer Rentenversicherung bezahlt werden, die als Bestandteil des Riester-Vertrags extra abgeschlossen werden sollte. Der Beitrag für die Rentenversicherung würde vom aktuellen Guthaben abgezogen werden. Obwohl der Riester-Banksparplan schon vor Jahren abgeschlossen wurde, sollten die Verbraucher für die Auszahlung und Verwaltung nun „Abschluss- und Vermittlungskosten“ zahlen. Bis zum 85. Lebensjahr würden sich die Kosten auf rund 12,7% der Summe summieren, welche als Beitrag für die Rentenversicherung benötigt wird, um die Rente ab dem 85. Lebensjahr zu bezahlen. Wer dafür 6000 Euro an Beiträgen zu zahlen hat, sollte nun 750 Euro Abschluss-, Vermittlungs- und Verwaltungskosten zahlen – Geld, das sonst für die Auszahlung einer Rente zur Verfügung stünde.

 

Als die Verbraucher den Vertrag abschlossen, wurden sie nur darüber informiert, dass „im Falle der Vereinbarung einer Leibrente dem Sparer ggfs. Abschluss- und/oder Vermittlungskosten belastet werden“, so der Wortlaut der abgemahnten Klausel der Sparkasse Ulm. Die Verbraucherzentrale ist der Auffassung, dass Entgelte, die vor Vertragsabschluss nicht klar beziffert und offengelegt wurden, vom Verbraucher nicht verlangt werden dürfen. 

 

Gleichlautende Klauseln sind in den von Sparkassen vertriebenen Vorsorge Plus Verträgen bundesweit verbreitet. Die Verbraucherzentrale hat deshalb zur endgültigen Klärung im Interesse der Verbraucher auch  gegen die Sparkassen Westmünsterland, Günzburg-Krumbach und Kaiserslautern jeweils Klage eingereicht. 

 

Auch Riester Verträge von Volksbanken betroffen

 

Bei einem der Verbraucherzentrale vorliegenden „VR-RentePlus“ Vertrag einer Volksbank wurden dem Sparer beim Übergang in die Auszahlungsphase Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe von rund 4 Prozent belastet. Diese waren im Vertragstext jedoch explizit ausgeschlossen worden. Dort heißt es unter Ziffer 5 Entgelt: „Abschluss- und Vertriebskosten werden für den Altersvorsorgevertrag nicht berechnet.“ Nach Beschwerde bei der Verbraucherzentrale und beim zuständigen Ombudsmann lenkte die Volksbank ein und erstattete die belasteten Kosten für den „VR-RentePlus-Sofortrente“-Vertrag.

 

Die Verbraucherzentrale rät Riester-Sparern, ihre Verträge vor Beginn der Rente zu überprüfen. Finanzinstitute dürfen bei Riester Verträgen nur Kosten verlangen, auf die sie vorvertraglich hingewiesen und die sie klar beziffert haben. 

 

Vorsorgefonds als Alternative zu Riester gefordert

 

„Erneut  zeigt sich, dass das an eigenen Interessen ausgerichtete Verhalten der Anbieter von Riester-Sparverträgen direkt zu Lasten der Renten der Sparer geht,“ kritisiert Nauhauser. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg setzt sich daher bereits seit 2011 für ein standardisiertes Basisprodukt in der privaten Altersvorsorge ein, das sich ausschließlich an Verbraucherinteressen ausrichtet. 

 

Doppelprovisionen: Riester-Sparer können Geld zurückfordern

 

Verbraucherzentrale Hamburg stellt kostenlosen Musterbrief zur Verfügung

 

Mit Hilfe eines Musterbriefs der Verbraucherzentrale Hamburg können Verbraucherinnen und Verbraucher mehrfach gezahlte Abschluss- und Vertriebskosten auf Riester-Rentenversicherungen von ihrer Versicherung zurückerhalten. Jahrelang hatten viele Versicherer eine falsche Rechtsauffassung vertreten und doppelte Provisionen erhoben. Nach Einschätzung der Hamburger Verbraucherschützer sind zehntausende Kunden davon betroffen. Vor allem Riester-Sparer mit Kindern und Verbraucher, die ihre Riester-Eigenbeiträge etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Verringerung der Arbeitszeit schon einmal gesenkt und wieder angehoben haben. Das Bundesfinanzministerium hat klargestellt, dass die doppelte Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten auf Riester-Rentenversicherungsverträge verboten ist.

 

Millionen Euro von Verbrauchern zu viel gezahlt

 

„Wir gehen davon aus, dass Riester-Sparer in den letzten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag zu viel an die Versicherungswirtschaft gezahlt haben“, sagt Christian Biernoth, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Sämtliche Riester-Rentenversicherungsverträge, auf die noch Beiträge entrichtet werden, können mit höheren Kosten belegt worden sein. Aber auch für bereits gekündigte, beitragsfrei gestellte oder sich in der Rentenphase befindende Verträge können Versicherer zu viel Geld verlangt haben. „Besonders ärgert uns, dass Verbraucher gar nicht erkennen können, ob sie betroffen sind.“ Die doppelte Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten findet praktisch im Verborgenen statt. Die Doppelprovisionen werden weder im Versicherungsvertrag noch in sonstigen Vertragsunterlagen erwähnt.

 

Verbraucher sollten Versicherer anschreiben

 

Betroffene müssen zu viel gezahlte Provisionen selbst von den Versicherungsgesellschaften zurückfordern. „Wir begrüßen das Verbot des Ministeriums“, lobt Biernoth. „Es geht aber nicht weit genug. Wir hätten uns von der Aufsicht gewünscht, dass sie die Unternehmen dazu verpflichtet, alle betroffenen Kunden unaufgefordert zu informieren und zu entschädigen.“

 

Dass sich eine Beschwerde lohnt, zeigt ein Fall aus dem Saarland: Herr H. hatte, als er arbeitslos wurde, den Eigenbeitrag seiner Riester-Rentenversicherung vorübergehend gesenkt und noch im gleichen Jahr wieder auf den ursprünglichen Betrag erhöht. Daraufhin verlangte die Versicherungsgesellschaft erneut Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe von über 3.500 Euro. Der Betrag wurde Herrn H. mittlerweile wieder gutgeschrieben.

 

„Wir raten allen Verbrauchern, die den Eigenbetrag ihrer Riester-Rentenversicherung verändert haben, ihre Versicherung aufzufordern, mögliche Ansprüche zu prüfen und zurückzuzahlen“, so Biernoth.

 

Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg hatten die Praxis der Doppelprovisionen aufgedeckt und öffentlich gemacht.

 

Weitere Informationen zum Thema und der dazugehörige Musterbrief sind veröffentlicht auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg unter: www.vzhh.de/riester-abzocke

 

So klappt die Altersvorsorge mit dem Eigenheim - Fragen und Antworten zur Wohnriester-Förderung

 

Gerade weil die Zinsen niedrig sind, ist es wichtig, für das Alter vorzusorgen. Dabei bietet sich besonders ein Eigenheim an. Die Finanzierung ist im jetzigen Umfeld günstig. Statt von Zinsen profitieren Immobilienfinanzierer im Ruhestand von der ersparten Miete. Und auf dem Weg in die eigenen vier Wände gibt es dank Wohnriester Geld vom Staat - sowohl beim Ansparen von Eigenkapital als auch beim Abzahlen eines Darlehens. Wie die Förderung funktioniert, erklärt die LBS Bayern.

 

Bei einem Immobilienkauf geht es um große Summen. Bringt die Wohnriester-Förderung da einen spürbaren Vorteil? Die Wohnriester-Förderung kann bei einer Immobilienfinanzierung Vorteile von mehreren zehntausend Euro bringen. Jeder förderberechtigte Erwachsene erhält 175 Euro Grundzulage im Jahr vom Staat, erklärt die Bayerische Landesbausparkasse. Das gilt für diejenigen, die Eigenkapital für eine selbstgenutzte Immobilie ansparen, genauso wie für diejenigen, die ihr Darlehen abzahlen. Zusätzlich gibt es für jedes Kind 185 Euro und für ab 2008 Geborene sogar jeweils 300 Euro Kinderzulage oben drauf. In vielen Fällen kommen Steuervorteile dazu. Das alles trägt dazu bei, dass der Immobilienkredit schneller abbezahlt werden kann. So spart man Zinsen und ist früher schuldenfrei. Die geförderten Spar- und Tilgungsbeiträge müssen zwar ab dem Renteneintritt versteuert werden. Doch das zahlt sich aus. Denn in der Regel liegt der Steuersatz im Ruhestand weit unter dem der Berufstätigkeit. Und dafür fällt die Belastung durch die Miete komplett weg.

 

Was muss man tun, um an die Förderung zu kommen?

 

Die Wohnriester-Förderung ist nicht an Einkommensgrenzen gebunden. Sie bekommt, wer vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Brutto-Vorjahreseinkommens in den Wohnriester-Vertrag einzahlt, maximal 2100 Euro inklusive Zulagen. Teilweise reichen auch schon 60 Euro eigene Einzahlungen pro Jahr aus, um die Förderung zu erhalten. Die Berater in den Geschäftsstellen von LBS und Sparkassen klären im Einzelfall, wie Wohnriester optimal genutzt werden kann.

 

Kann man Wohnriester auch nutzen, wenn man schon eine laufende Finanzierung hat?

 

Mittlerweile können auch Immobilienbesitzer profitieren, die schon vor 2008 ihr Haus oder ihre Wohnung erworben haben - also bevor es Wohnriester überhaupt gab, erklärt die LBS Bayern. Bei einer Anschlussfinanzierung können sie ebenfalls die Förderung einbinden.

 

Riester-Rentenversicherungen: Doppelte Kosten wegen Kinderzulage

 

Marktwächter-Umfrage: Fast die Hälfte der befragten Versicherer belastet Riester-Sparer mit Kindern mit doppelten Abschluss- und Vertriebskosten.

 

Verbraucher mit Riester-Rentenversicherungen, die zulagenbedingt ihre Beiträge senken oder wieder erhöhen, zahlen doppelt: Laut einer Umfrage des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg geben 15 von 34 Versicherern an, bei zulagenbedingten Beitragsänderungen erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu erheben – entweder auf Zulagen und/oder auf Beitragswiedererhöhungen.

 

Betroffen sind insbesondere Riester-Sparer, die für bereits laufende Verträge Kinderzulagen erhalten und entsprechend ihren Eigenbeitrag senken. Wenn sie nach dem Wegfall der Kinderzulagen den Eigenbeitrag wieder erhöhen, werden sie ein weiteres Mail zur Kasse gebeten. Die Gesamtbeitragssumme bleibt dabei gleich. Die Versicherer verlangen zuerst für die Zulagen nochmals Abschluss- und Vertriebskosten, später für die Beitragswiedererhöhungen, obwohl das alles bereits zu Beginn bezahlt worden war.

 

Das Problem: Lebensversicherer interpretieren eine Senkung des Eigenbeitrags als Teilbeitragsfreistellungen nach § 165 VVG. Jede Wiedererhöhung des Beitrags wird dann wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt und führt zu neuen Kosten. Das steht im Widerspruch zu der politisch intendierten Flexibilität der Altersvorsorge mit Riester-Verträgen.

 

BELASTUNG FÜR RIESTER-SPARER MIT KINDERN

 

„Riester-Verträge sollen vor allem für Sparer mit Kindern lukrativ sein. Diese Gruppe wird vom Gesetzgeber daher zu Recht besonders gefördert. Die doppelte Berechnung von Abschluss- und Vertriebskosten belastet aber vor allem Riester-Sparer mit Kindern“, kritisiert Sandra Klug, Teamleiterin Versicherungen beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hamburg.

 

„Diese Praxis zeigt, wie ungeeignet versicherungsförmige Altersvorsorge ist, angemessen auf Veränderungen in der Lebenswirklichkeit zu reagieren. Das Standardprodukt Extrarente wäre in der Ansparphase demgegenüber völlig flexibel und würde solche absurden und verbraucherschädigenden Kosten nicht erzeugen“, ergänzt Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt im Verbraucherzentrale Bundesverband.

 

ÜBER 360 EURO MEHRKOSTEN PRO KIND

 

Ausgangspunkt der Marktwächterumfrage war der Fall eines Verbrauchers mit einem Riester-Rentenversicherungsvertrag bei der Württembergischen Versicherung. Hier hätten sich die Mehrkosten für die Kinderzulage und anschließender Wiedererhöhung des Eigenbeitrages auf mehr als 360 Euro belaufen .

Ziel der Marktwächter-Experten war es, mit einer Umfrage unter Versicherern mit Riester-Rentenangeboten herauszufinden, wie verbreitet dieses Vorgehen in der Branche tatsächlich ist. Von den 34 Versicherern, die solche Verträge anbieten und dem Marktwächter geantwortet haben, räumten 15 ein, erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu erheben.

 

Ähnliche Doppelbelastungen ergeben sich auch für Riester-Sparer mit schwankenden Einkünften und sich entsprechend ändernden Riester-Eigenbeiträgen sowie für alle Riester-Sparer, sofern sie nach der jüngst erhöhten Grundzulage ihren Eigenbeitrag entsprechend abgesenkt haben.

 

Riesterrente: Rückforderung von Altersvorsorgezulagen vom Zulageempfänger

 

Bundesfinanzhof -Urteil vom 9.7.2019 - X R 35/17

 

Ist ein Altersvorsorgevertrag über eine sog. Riesterrente vom Anbieter abgewickelt worden, kann die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) rechtsgrundlos geleistete Zulagebeträge vom Zulageempfänger zurückfordern. Nach dem zu § 37 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO) ergangenen Urteil des Bundesfinanzhof s(BFH) vom 9. Juli 2019 - X R 35/17 kommt es auf ein Verschulden des Zulageempfängers nicht an.

 

Im Streitfall hatte die Klägerin bei einem Anbieter einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag abgeschlossen. Aufgrund der Angabe des Anbieters, die Klägerin sei unmittelbar zulageberechtigt, zahlte die ZfA jährlich Zulagebeträge, die der Anbieter dem Konto der Klägerin gutschrieb. Nach Beendigung des Altersvorsorgevertrages stellte die ZfA im Rahmen einer Überprüfung die fehlende Zulageberechtigung der Klägerin für drei Beitragsjahre fest und forderte die insoweit gewährten Altersvorsorgezulagen von ihr zurück. Den Einwand der Klägerin, sie treffe kein Verschulden, da die unzutreffenden Zulageanträge von ihrem Anbieter herrührten und die ZfA die Auszahlungen ohne inhaltliche Prüfung vorgenommen habe, ließ das FG nicht gelten. Es war vielmehr der Ansicht, die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Klägerin auf Rückzahlung lägen vor.

 

Der BFH hat die Vorentscheidung bestätigt. § 37 Abs. 2 AO über die Erstattung rechtsgrundlos gezahlter Leistungen sei auch bei Altersvorsorgezulagen anzuwenden, da speziellere Regelungen - jedenfalls nach der bis zum 31.12.2017 geltenden Rechtslage - nicht eingriffen. Insbesondere komme eine Rückforderung über den Anbieter (vgl. § 90 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes) nicht in Betracht, da das Konto der Klägerin beim Anbieter infolge der Beendigung des Altersvorsorgevertrages nicht mehr existiert habe und damit auch nicht mehr belastet werden konnte. Ob die Klägerin oder - wie sie behaupte - ihr Anbieter die fehlerhafte Mitteilung über die Zulageberechtigung zu vertreten habe, sei für § 37 Abs. 2 AO unerheblich, da die Vorschrift kein Verschulden voraussetze. Der Umstand, dass die ZfA über mehrere Jahre hinweg eine Auszahlung von Zulagen allein aufgrund der ihr vom Anbieter übermittelten Daten veranlasst und erst nachträglich eine Prüfung der Zulageberechtigung der Klägerin vorgenommen habe, führe auch nicht zur Verwirkung des Rückforderungsanspruchs. Denn dieser Geschehensablauf entspreche in typischer Weise der gesetzlichen Ausgestaltung des Zulageverfahrens. Die Klägerin sei daher in ihrem Vertrauen auf das Behaltendürfen der unberechtigt erhaltenen Zulagen nicht schutzwürdig.

 

Verbesserte Förderung der Rürup-Rente

 

Die staatlich geförderte Rürup-Rente gewinnt weiter an Attraktivität. Seit 1. Januar 2019 können 88 Prozent der Beiträge als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Dies gilt sowohl für bestehende Verträge wie auch für Neuabschlüsse. Der Wert steigt bis 2025 jährlich um zwei Prozent auf 100 Prozent an. Angehoben wurde auch der Höchstbetrag, bis zu dem Altersvorsorgeaufwendungen zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu berufsständischen Versorgungswerken und für eine Rürup-Rente absetzbar sind. Er beträgt seit Jahresbeginn insgesamt 24.305 Euro (Vorjahr: 23.712) für Alleinstehende sowie für Ehepaare das Doppelte. Das Finanzamt erkennt davon 88 Prozent als Sonderausgaben an. Wer beispielsweise 100 Euro monatlich mit einer Rürup-Rente für das Alter spart, kann bei einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent in diesem Jahr einen Steuervorteil von 369,60 Euro erzielen, berechnete die uniVersa. Beim Abschluss des Vertrages sollte man darauf achten, dass die Beiträge und der Rentenbeginn flexibel angepasst werden können. Zudem sollten variable Sonderzahlungen möglich sein, über die man die eigene Steuerersparnis und Altersvorsorge jährlich individuell optimieren kann.

 

Millionen Riester-Sparer fordern ihre Zulagen nicht ab

Staat spart hunderte Millionen Euro

 

Wegen des komplizierten Antragsverfahren lassen viele Riester-Sparer ihre staatlichen Zulagen verfallen. Wie das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 5/2018) anhand zuletzt verfügbarer Ministeriumszahlen ermittelte, waren es allein 2014 mehr als zwei Millionen Riester-Sparer, die ihre Zulagen nicht abforderten. Das spart dem Staat jedes Jahr hunderte von Millionen Euro.

 

Von den rund 13 Millionen Riester-Sparern, die regelmäßig in ihren Vertrag einzahlten, erhielten laut 'Capital' zuletzt nur 5,9 Millionen den vollen Bonus. Insgesamt 10,9 Millionen erhielten überhaupt irgendeine Zulage zu ihrem Sparbeitrag. Wie komplex und betreuungsintensiv das Zulagensystem ist, verdeutlicht die extra dafür geschaffene Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen im märkischen Brandenburg mit über 1.300 Mitarbeitern.

 

Dabei beinhaltet die Riester-Zulage nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zugleich auch einen Pfändungsschutz im Fall einer Privatinsolvenz. Wer seine staatliche Zulage jedoch nicht abruft, ist nicht vor einer Pfändung geschützt. Denn das Riester-Kapital ist zwar grundsätzlich vor dem Zugriff von Gläubigern sicher, aber eben nur, wenn für die staatliche Zulage tatsächlich wenigstens ein Antrag vorliegt.

 

Sutor Bank: Mehrheit der Riester-Verträge reduziert Vorsorgelücke nicht

Diese lässt sich nur mit anfangs hoher Aktienquote schließen

 

Die Riester-Rente ist in der Krise: zu geringe Renditen, wenig Produktauswahl, immer weniger Neuabschlüsse. Wie erst kürzlich eine Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung offenbarte, liegt gerade bei den fondsgebundenen Riester-Produkten, die per se höhere Renditechancen haben sollten als klassische Riester-Verträge mit Garantieverzinsung, einiges im Argen: Demnach bekommen Sparer überwiegend Verträge mit niedrigem Risiko und entsprechend geringen Ertragschancen angeboten, obwohl der Anlagezeitraum sehr lang ist.

 

Doch nur mit einer zumindest anfangs hohen Aktienquote lässt sich sinnvoll fürs Alter vorsorgen. „Die überwiegende Zahl der Riester-Produkte sorgt nicht dafür, dass Anleger beruhigt ihrem Renteneintritt entgegensehen können“, sagt Michael Gott, Vertriebsleiter bei der Hamburger Sutor Bank. Das eigentliche Ziel der Riester-Rente, nämlich die Vorsorgelücke der Sparer deutlich zu verringern, werde ansonsten nicht erreicht.

 

Nicht die Zulage, sondern die Rendite zählt

 

„Die niedrigen Zinsen lassen Erträge aus der Riester-Rente derzeit bescheiden aussehen“, erklärt Michael Gott. Dabei steuert der Staat schon gegen und hat ab 2018 seine Förderung erhöht: Die jährliche Grundzulage stieg von 154 Euro auf 175 Euro, Familien mit Kindern erhalten weiterhin eine Zulage von bis zu 300 Euro für jedes nach 2008 geborene Kind, für ältere Kinder immerhin noch 185 Euro. „Es kann allerdings nicht Sinn des Riesterns sein, dass die einzige Rendite die staatliche Zulage ist“, so Gott.

 

Ein wirklicher Vermögensaufbau ist erst möglich, wenn auch das gewählte Produkt aus sich heraus eine gute Rendite erzielt und die Sparbeiträge – immerhin vier Prozent des Bruttoeinkommens – sinnvoll arbeiten und wachsen können. Der Weg zu mehr Rendite führt derzeit jedoch nur über Aktien. Statistisch gesehen erzielen Aktien langfristig eine Durchschnittsrendite zwischen sieben und acht Prozent pro Jahr, bei Anlagehorizonten von mehr als 20 Jahren sinkt auch das Verlustrisiko gegen Null. Passive Produkte wie ETFs oder Indexfonds sind besonders geeignet – denn deren Kostenquoten sind deutlich geringer als bei aktiven Fonds und es ist damit sehr gut möglich, besonders nah an die Durchschnittsrendite der Aktienmärkte heranzukommen.

 

Lebenszyklus-Modell beim Riestern

 

„Natürlich schwanken Aktien stärker als Rentenpapiere“, erläutert Michael Gott. Die Angst, bei einem Aktieninvestment genau dann einen Einbruch zu erleben, wenn das Geld zur Auszahlung kommen soll, ist also durchaus berechtigt – selbst wenn vorher über viele Jahre eine gute Rendite erzielt werden konnte. „Aber auch dies lässt sich steuern – nämlich indem am Anfang der Sparphase möglichst viel Geld in Aktien fließt und gute Gewinne bringt. Im Laufe der Zeit wird dann – gleich einem Lebenszyklus-Modell – immer stärker in schwankungsarme, aber auch weniger renditeträchtige Rentenpapiere umgeschichtet“. Je höher der Aktienanteil am Anfang, desto größer das Renditepolster, mit dem der Anleger in die Zukunft geht.

 

Riestern fast immer zu teuer

vzbv-Erhebung zu Kosten bei Riester-Rentenversicherungen

 

Von wenigen Ausnahmen abgesehen werden in Deutschland Riester-Versicherungsprodukte angeboten, die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen. So das Ergebnis einer Untersuchung des vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband.

 

Seit 1. Januar 2017 müssen Produktanbieter auf ihren Produktinformationsblättern darüber aufklären, welche Wertminderung sie durch Kosten (Effektivkosten) bei Riester-Verträgen annehmen. Der Gesetzgeber erhofft sich dadurch, dass sich der Markt selbst reguliert und die Kosten der angebotenen Riester-Produkte letztlich sinken.

 

Um dies zu überprüfen, hat der vzbv eine rechnerische Basis geschaffen, um ausgewählte Produkte im Verhältnis zu einem Referenzwert vergleichen zu können. Der Referenzwert nutzt die Annahmen des ergänzenden Berichts der Bundesregierung zum Rentenversicherungsbericht (Alterssicherungsbericht)

 

Der Vergleich des vzbv zeigt, dass es kaum Angebote gibt, die günstiger sind als die Vorgabe des Alterssicherungsberichts. Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffache höher als der Soll-Wert. Der vzbv fordert ein Basisprodukt für die Altersvorsorge (Non-Profit-Vorsorgefonds). Es soll Verbrauchern die Möglichkeit bieten, eine einfache und kosteneffiziente kapitalgedeckte Altersvorsorge aufzubauen.

 

Rentiert sich die geförderte Altersvorsorge?

Die Rentenlücke steigt. Nach neuesten Studien gehen jedem Rentner rund 700 Euro monatlich ab. Viele Menschen haben eine private Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen, doch diese erwirtschaften aufgrund der niedrigen Zinsen zur Wiederanlage immer weniger Rendite. Was soll man als Verbraucher tun? Wie rechnet sich die geförderte Altersversorgung wie Riester oder Rürup-Rente wirklich?

 

Zu diesen Themen diskutieren Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Morgen&Morgen, bekannt aus einer Vielzahl medialer Veröffentlichungen von Versicherungsvergleichen und Ansgar Eckert, Geschäftsleitungsmitglied der WWK Versicherungen aus München. Moderiert wird die Diskussionsrunde von Friedrich A. Wanschka, Chefredakteur Verbraucherfinanzen-Deutschland.de.

Einheitliches Produktinformationsblatt für Riester- und Basis-Produkte

Seit 2017 gibt es ein einheitliches Produktinformationsblatt für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte. Es enthält auf zwei Seiten die wichtigsten Angaben zu den Produkteigenschaften von Riester- oder Basisrenten. Dazu gehören neben dem Chance-Risiko-Profil die Höhe der Effektivkosten, die erwartete Ablaufleistung beziehungsweise Rentenhöhe sowie die Kosten bei vorzeitiger Vertragsauflösung oder Anbieterwechsel.

 

Das Produktinformationsblatt erlaubt damit einen Vergleich verschiedener Produkte, bei Riester beispielsweise von Versicherungen, Fonds, Banksparplänen oder Wohnriester. Es wird den Kunden vor Vertragsabschluss ausgehändigt und auf Basis ihrer Angaben individuell erstellt. Zusätzlich müssen die Unternehmen allgemeine Musterinformationsblätter veröffentlichen, die einen Modellkunden zugrunde legen.

 

Riester-Rente – Höchste Rendite mit 7,34 Prozent bei der Debeka

Das „Institut für Transparenz in der Altersvorsorge“ (ITA) hat für die Zeitschrift „Guter Rat“ die Riester-Rente unter die Lupe genommen. Es kommt zum eindeutigen Ergebnis, dass das Sparen in Riester-Renten sinnvoll ist und sich lohnt. Kunden, die beim Testsieger, der Koblenzer Debeka, zehn Jahre lang „geriestert“ haben, erzielten eine jährliche Rendite auf ihre eingezahlten Beiträge von bis zu 7,34 Prozent – und das nicht zuletzt durch die staatlichen Zulagen. Damit widerlegt die Studie die immer wieder geäußerte Kritik, wonach sich die Riester-Rente grundsätzlich nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen lohne.

 

Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende der Debeka-Versicherungsgruppe, kommentiert das Studienergebnis wie folgt: „Die Riester-Rente entwickelt sich immer mehr zu einer Erfolgsstory. Über 15 Millionen Riesterverträge, davon allein bei der Debeka mehr als 750.000, sprechen für sich. Die aktuelle Studie des ITA belegt eindrucksvoll, dass „Riestern“ entgegen aller Unkenrufe ein sinnvolles Instrument der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ist. Aus der Studie geht aber auch hervor, dass es große Unterschiede beim Preis-Leistungs-Verhältnis der einzelnen Anbieter gibt. Unsere Philosophie als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit trägt maßgeblich dazu bei, ausschließlich die Interessen unserer Mitglieder vertreten zu können. Nicht ohne Grund nimmt die Debeka aufgrund ihrer Leistungsstärke regelmäßig Spitzenplätze bei Tests und Vergleichen ein.“

 

Konkret betrachtete das ITA Verträge, die im Jahr 2002 zum Start der Riester-Rente abgeschlossen und bis Ende 2011 jährlich mit den gesetzlichen Höchstbeiträgen und Zulagen bespart wurden. Gute Anbieter wie die Debeka glänzen dabei mit hohen Überschussbeteiligungen und niedrigen Kostensätzen. Beide Faktoren sorgen dafür, dass für die Riester-Kunden bereits in der Ansparphase eine solide Basis für die späteren lebenslangen Rentenleistungen geschaffen wird.



In diesem Zusammenhang räumt Laue auch mit dem Vorurteil auf, die Riester-Rente komme in erster Linie Besserverdienenden zu Gute: „56 Prozent aller Riester-Sparer bei der Debeka haben ein Einkommen von unter 20.000 Euro im Jahr. Das Produkt kommt also wirklich bei denjenigen Menschen an, die ihre gesetzliche Rente im Alter durch garantierte, lebenslange Leistungen aufstocken wollen und müssen. Dafür wurde die Riester-Rente ja auch eingeführt.“

 

Riestern in der Elternzeit – Staatliche Förderung gibt es weiter

Nach der Geburt eines Kindes fällt in der Familie meist erst einmal ein Einkommen weg. Dennoch sollten Eltern das Sparen auch in der Elternzeit nicht gänzlich auf Eis legen. Besondere Vorteile bietet ihnen ein Riester-Vertrag. Darauf weist die Initiative Finanzwissen für alle der Fondsgesellschaften hin. Denn eine Sonderregelung ermöglicht es ihnen, wenig einzuzahlen und dennoch die volle Förderung zu kassieren. In der bis zu dreijährigen Erziehungszeit muss der Elternteil ohne eigenes Einkommen ab dem zweiten Jahr nur den sogenannten Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr einzahlen. Mittelbar zulagenberechtigte Personenkreise, beispielsweise Selbständige oder Ehepartner ohne Einkommen, zahlen den Sockelbetrag ab dem ersten Jahr – und dennoch gibt es die volle Förderungen. In den Riester-Vertrag fließen von staatlicher Seite also pro Jahr 154 Euro Grundförderung und 300 Euro für das Kind, wenn es ab 2008 geboren wurde. Für frühere Jahrgänge gibt es 185 Euro pro Kind.

 

Im Grundsatz bemisst sich die Einzahlung im ersten Jahr der Elternzeit wie gewohnt nach dem Vorjahresbruttoeinkommen – war der Elternteil also berufstätig, liegt der Betrag voraussichtlich höher als 60 Euro. Im Gegenzug reicht im ersten Jahr nach der Elternzeit auch bei wieder aufgenommener beruflicher Tätigkeit die Zahlung des Sockelbetrags aus. Ausführliche Informationen zum richtigen Sparmix und Wissenswertes rund ums Geldanlegen bietet die Initiative Investmentfonds. 

 

Vermögenswirksame Leistungen: Auf Finanzspritze vom Chef und Staat nicht verzichten

Bankenverband Tipp: Ein großes Vermögen lässt sich mit ihnen zwar nicht machen, ein kleines aber schon ansammeln: die vermögenswirksamen Leistungen (VL). Je nach Tarifvertrag oder betrieblicher Vereinbarung übernimmt der Chef einen Teil oder sogar die gesamte Sparrate von bis zu 40 Euro im Monat, also 480 Euro im Jahr. VL-Sparen ist auch für Teilzeitkräfte möglich, die von ihrem Arbeitgeber anteilig VL-Leistungen bekommen. Sogar Studierende können profitieren – vorausgesetzt, sie jobben neben der Uni und ihr Arbeitgeber zahlt VL. Wer diese Finanzspritze nicht nutzt, verschenkt also bares Geld. Gerade Berufsanfänger sollten deshalb beim Arbeitgeber nachfragen. Aber selbst, wenn der Chef nichts dazugibt, kann man einen VL-Vertrag abschließen und in diesen regelmäßig einzahlen. Und spendiert er nur einen Teil der der möglichen Rate von 40 Euro, kann man den Rest aus eigener Tasche dazulegen. Anlagemöglichkeiten für VL-Sparverträge gibt es viele: Beispielsweise Banksparpläne, Bausparverträge oder Unternehmensbeteiligungen - etwa über Aktienfonds. Letztere bieten erfahrungsgemäß auf lange Sicht die besten Renditechancen, unterliegen aber Wertschwankungen. Wer möchte, kann seine VL-Leistungen auch für die betriebliche Altersvorsorge nutzen. Den Zuschuss vom Staat - die sogenannte Arbeitnehmer-Sparzulage - gibt es allerdings nur für Bau- und Beteiligungssparpläne. Zudem dürfen bestimmte Einkommensgrenzen bei Abschluss des Vertrages nicht überschritten werden: Für Alleinstehende liegt die Grenze bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 20.000 Euro für Beteiligungssparen wie Aktienfonds bzw. bei 17.900 Euro für Bausparen. Für Ehepaare gelten jeweils die doppelten Beträge. Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten VL-Bausparer vom Staat jährlich eine Förderung von neun Prozent für ihre Einzahlungen von 470 Euro - also bis zu 42 Euro. Alternativ oder auch zusätzlich können VL-Sparer einen Fondssparplan abschließen und bekommen 20 Prozent auf Spareinlagen von maximal 400 Euro - also bis zu 80 Euro im Jahr.

 

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