Millionen Riester-Sparer fordern ihre Zulagen nicht ab

Staat spart hunderte Millionen Euro

 

Wegen des komplizierten Antragsverfahren lassen viele Riester-Sparer ihre staatlichen Zulagen verfallen. Wie das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 5/2018) anhand zuletzt verfügbarer Ministeriumszahlen ermittelte, waren es allein 2014 mehr als zwei Millionen Riester-Sparer, die ihre Zulagen nicht abforderten. Das spart dem Staat jedes Jahr hunderte von Millionen Euro.

 

Von den rund 13 Millionen Riester-Sparern, die regelmäßig in ihren Vertrag einzahlten, erhielten laut 'Capital' zuletzt nur 5,9 Millionen den vollen Bonus. Insgesamt 10,9 Millionen erhielten überhaupt irgendeine Zulage zu ihrem Sparbeitrag. Wie komplex und betreuungsintensiv das Zulagensystem ist, verdeutlicht die extra dafür geschaffene Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen im märkischen Brandenburg mit über 1.300 Mitarbeitern.

 

Dabei beinhaltet die Riester-Zulage nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zugleich auch einen Pfändungsschutz im Fall einer Privatinsolvenz. Wer seine staatliche Zulage jedoch nicht abruft, ist nicht vor einer Pfändung geschützt. Denn das Riester-Kapital ist zwar grundsätzlich vor dem Zugriff von Gläubigern sicher, aber eben nur, wenn für die staatliche Zulage tatsächlich wenigstens ein Antrag vorliegt.

 

Sutor Bank: Mehrheit der Riester-Verträge reduziert Vorsorgelücke nicht

Diese lässt sich nur mit anfangs hoher Aktienquote schließen

 

Die Riester-Rente ist in der Krise: zu geringe Renditen, wenig Produktauswahl, immer weniger Neuabschlüsse. Wie erst kürzlich eine Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung offenbarte, liegt gerade bei den fondsgebundenen Riester-Produkten, die per se höhere Renditechancen haben sollten als klassische Riester-Verträge mit Garantieverzinsung, einiges im Argen: Demnach bekommen Sparer überwiegend Verträge mit niedrigem Risiko und entsprechend geringen Ertragschancen angeboten, obwohl der Anlagezeitraum sehr lang ist.

 

Doch nur mit einer zumindest anfangs hohen Aktienquote lässt sich sinnvoll fürs Alter vorsorgen. „Die überwiegende Zahl der Riester-Produkte sorgt nicht dafür, dass Anleger beruhigt ihrem Renteneintritt entgegensehen können“, sagt Michael Gott, Vertriebsleiter bei der Hamburger Sutor Bank. Das eigentliche Ziel der Riester-Rente, nämlich die Vorsorgelücke der Sparer deutlich zu verringern, werde ansonsten nicht erreicht.

 

Nicht die Zulage, sondern die Rendite zählt

 

„Die niedrigen Zinsen lassen Erträge aus der Riester-Rente derzeit bescheiden aussehen“, erklärt Michael Gott. Dabei steuert der Staat schon gegen und hat ab 2018 seine Förderung erhöht: Die jährliche Grundzulage stieg von 154 Euro auf 175 Euro, Familien mit Kindern erhalten weiterhin eine Zulage von bis zu 300 Euro für jedes nach 2008 geborene Kind, für ältere Kinder immerhin noch 185 Euro. „Es kann allerdings nicht Sinn des Riesterns sein, dass die einzige Rendite die staatliche Zulage ist“, so Gott.

 

Ein wirklicher Vermögensaufbau ist erst möglich, wenn auch das gewählte Produkt aus sich heraus eine gute Rendite erzielt und die Sparbeiträge – immerhin vier Prozent des Bruttoeinkommens – sinnvoll arbeiten und wachsen können. Der Weg zu mehr Rendite führt derzeit jedoch nur über Aktien. Statistisch gesehen erzielen Aktien langfristig eine Durchschnittsrendite zwischen sieben und acht Prozent pro Jahr, bei Anlagehorizonten von mehr als 20 Jahren sinkt auch das Verlustrisiko gegen Null. Passive Produkte wie ETFs oder Indexfonds sind besonders geeignet – denn deren Kostenquoten sind deutlich geringer als bei aktiven Fonds und es ist damit sehr gut möglich, besonders nah an die Durchschnittsrendite der Aktienmärkte heranzukommen.

 

Lebenszyklus-Modell beim Riestern

 

„Natürlich schwanken Aktien stärker als Rentenpapiere“, erläutert Michael Gott. Die Angst, bei einem Aktieninvestment genau dann einen Einbruch zu erleben, wenn das Geld zur Auszahlung kommen soll, ist also durchaus berechtigt – selbst wenn vorher über viele Jahre eine gute Rendite erzielt werden konnte. „Aber auch dies lässt sich steuern – nämlich indem am Anfang der Sparphase möglichst viel Geld in Aktien fließt und gute Gewinne bringt. Im Laufe der Zeit wird dann – gleich einem Lebenszyklus-Modell – immer stärker in schwankungsarme, aber auch weniger renditeträchtige Rentenpapiere umgeschichtet“. Je höher der Aktienanteil am Anfang, desto größer das Renditepolster, mit dem der Anleger in die Zukunft geht.

 

Riestern fast immer zu teuer

vzbv-Erhebung zu Kosten bei Riester-Rentenversicherungen

 

Von wenigen Ausnahmen abgesehen werden in Deutschland Riester-Versicherungsprodukte angeboten, die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen. So das Ergebnis einer Untersuchung des vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband.

 

Seit 1. Januar 2017 müssen Produktanbieter auf ihren Produktinformationsblättern darüber aufklären, welche Wertminderung sie durch Kosten (Effektivkosten) bei Riester-Verträgen annehmen. Der Gesetzgeber erhofft sich dadurch, dass sich der Markt selbst reguliert und die Kosten der angebotenen Riester-Produkte letztlich sinken.

 

Um dies zu überprüfen, hat der vzbv eine rechnerische Basis geschaffen, um ausgewählte Produkte im Verhältnis zu einem Referenzwert vergleichen zu können. Der Referenzwert nutzt die Annahmen des ergänzenden Berichts der Bundesregierung zum Rentenversicherungsbericht (Alterssicherungsbericht)

 

Der Vergleich des vzbv zeigt, dass es kaum Angebote gibt, die günstiger sind als die Vorgabe des Alterssicherungsberichts. Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffache höher als der Soll-Wert. Der vzbv fordert ein Basisprodukt für die Altersvorsorge (Non-Profit-Vorsorgefonds). Es soll Verbrauchern die Möglichkeit bieten, eine einfache und kosteneffiziente kapitalgedeckte Altersvorsorge aufzubauen.

 

Rentiert sich die geförderte Altersvorsorge?

Die Rentenlücke steigt. Nach neuesten Studien gehen jedem Rentner rund 700 Euro monatlich ab. Viele Menschen haben eine private Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen, doch diese erwirtschaften aufgrund der niedrigen Zinsen zur Wiederanlage immer weniger Rendite. Was soll man als Verbraucher tun? Wie rechnet sich die geförderte Altersversorgung wie Riester oder Rürup-Rente wirklich?

 

Zu diesen Themen diskutieren Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Morgen&Morgen, bekannt aus einer Vielzahl medialer Veröffentlichungen von Versicherungsvergleichen und Ansgar Eckert, Geschäftsleitungsmitglied der WWK Versicherungen aus München. Moderiert wird die Diskussionsrunde von Friedrich A. Wanschka, Chefredakteur Verbraucherfinanzen-Deutschland.de.

Einheitliches Produktinformationsblatt für Riester- und Basis-Produkte

Seit 2017 gibt es ein einheitliches Produktinformationsblatt für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte. Es enthält auf zwei Seiten die wichtigsten Angaben zu den Produkteigenschaften von Riester- oder Basisrenten. Dazu gehören neben dem Chance-Risiko-Profil die Höhe der Effektivkosten, die erwartete Ablaufleistung beziehungsweise Rentenhöhe sowie die Kosten bei vorzeitiger Vertragsauflösung oder Anbieterwechsel.

 

Das Produktinformationsblatt erlaubt damit einen Vergleich verschiedener Produkte, bei Riester beispielsweise von Versicherungen, Fonds, Banksparplänen oder Wohnriester. Es wird den Kunden vor Vertragsabschluss ausgehändigt und auf Basis ihrer Angaben individuell erstellt. Zusätzlich müssen die Unternehmen allgemeine Musterinformationsblätter veröffentlichen, die einen Modellkunden zugrunde legen.

 

Riester-Rente – Höchste Rendite mit 7,34 Prozent bei der Debeka

Das „Institut für Transparenz in der Altersvorsorge“ (ITA) hat für die Zeitschrift „Guter Rat“ die Riester-Rente unter die Lupe genommen. Es kommt zum eindeutigen Ergebnis, dass das Sparen in Riester-Renten sinnvoll ist und sich lohnt. Kunden, die beim Testsieger, der Koblenzer Debeka, zehn Jahre lang „geriestert“ haben, erzielten eine jährliche Rendite auf ihre eingezahlten Beiträge von bis zu 7,34 Prozent – und das nicht zuletzt durch die staatlichen Zulagen. Damit widerlegt die Studie die immer wieder geäußerte Kritik, wonach sich die Riester-Rente grundsätzlich nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen lohne.

 

Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende der Debeka-Versicherungsgruppe, kommentiert das Studienergebnis wie folgt: „Die Riester-Rente entwickelt sich immer mehr zu einer Erfolgsstory. Über 15 Millionen Riesterverträge, davon allein bei der Debeka mehr als 750.000, sprechen für sich. Die aktuelle Studie des ITA belegt eindrucksvoll, dass „Riestern“ entgegen aller Unkenrufe ein sinnvolles Instrument der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ist. Aus der Studie geht aber auch hervor, dass es große Unterschiede beim Preis-Leistungs-Verhältnis der einzelnen Anbieter gibt. Unsere Philosophie als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit trägt maßgeblich dazu bei, ausschließlich die Interessen unserer Mitglieder vertreten zu können. Nicht ohne Grund nimmt die Debeka aufgrund ihrer Leistungsstärke regelmäßig Spitzenplätze bei Tests und Vergleichen ein.“

 

Konkret betrachtete das ITA Verträge, die im Jahr 2002 zum Start der Riester-Rente abgeschlossen und bis Ende 2011 jährlich mit den gesetzlichen Höchstbeiträgen und Zulagen bespart wurden. Gute Anbieter wie die Debeka glänzen dabei mit hohen Überschussbeteiligungen und niedrigen Kostensätzen. Beide Faktoren sorgen dafür, dass für die Riester-Kunden bereits in der Ansparphase eine solide Basis für die späteren lebenslangen Rentenleistungen geschaffen wird.



In diesem Zusammenhang räumt Laue auch mit dem Vorurteil auf, die Riester-Rente komme in erster Linie Besserverdienenden zu Gute: „56 Prozent aller Riester-Sparer bei der Debeka haben ein Einkommen von unter 20.000 Euro im Jahr. Das Produkt kommt also wirklich bei denjenigen Menschen an, die ihre gesetzliche Rente im Alter durch garantierte, lebenslange Leistungen aufstocken wollen und müssen. Dafür wurde die Riester-Rente ja auch eingeführt.“

 

Riestern in der Elternzeit – Staatliche Förderung gibt es weiter

Nach der Geburt eines Kindes fällt in der Familie meist erst einmal ein Einkommen weg. Dennoch sollten Eltern das Sparen auch in der Elternzeit nicht gänzlich auf Eis legen. Besondere Vorteile bietet ihnen ein Riester-Vertrag. Darauf weist die Initiative Finanzwissen für alle der Fondsgesellschaften hin. Denn eine Sonderregelung ermöglicht es ihnen, wenig einzuzahlen und dennoch die volle Förderung zu kassieren. In der bis zu dreijährigen Erziehungszeit muss der Elternteil ohne eigenes Einkommen ab dem zweiten Jahr nur den sogenannten Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr einzahlen. Mittelbar zulagenberechtigte Personenkreise, beispielsweise Selbständige oder Ehepartner ohne Einkommen, zahlen den Sockelbetrag ab dem ersten Jahr – und dennoch gibt es die volle Förderungen. In den Riester-Vertrag fließen von staatlicher Seite also pro Jahr 154 Euro Grundförderung und 300 Euro für das Kind, wenn es ab 2008 geboren wurde. Für frühere Jahrgänge gibt es 185 Euro pro Kind.

 

Im Grundsatz bemisst sich die Einzahlung im ersten Jahr der Elternzeit wie gewohnt nach dem Vorjahresbruttoeinkommen – war der Elternteil also berufstätig, liegt der Betrag voraussichtlich höher als 60 Euro. Im Gegenzug reicht im ersten Jahr nach der Elternzeit auch bei wieder aufgenommener beruflicher Tätigkeit die Zahlung des Sockelbetrags aus. Ausführliche Informationen zum richtigen Sparmix und Wissenswertes rund ums Geldanlegen bietet die Initiative Investmentfonds. 

 

Vermögenswirksame Leistungen: Auf Finanzspritze vom Chef und Staat nicht verzichten

Bankenverband Tipp: Ein großes Vermögen lässt sich mit ihnen zwar nicht machen, ein kleines aber schon ansammeln: die vermögenswirksamen Leistungen (VL). Je nach Tarifvertrag oder betrieblicher Vereinbarung übernimmt der Chef einen Teil oder sogar die gesamte Sparrate von bis zu 40 Euro im Monat, also 480 Euro im Jahr. VL-Sparen ist auch für Teilzeitkräfte möglich, die von ihrem Arbeitgeber anteilig VL-Leistungen bekommen. Sogar Studierende können profitieren – vorausgesetzt, sie jobben neben der Uni und ihr Arbeitgeber zahlt VL. Wer diese Finanzspritze nicht nutzt, verschenkt also bares Geld. Gerade Berufsanfänger sollten deshalb beim Arbeitgeber nachfragen. Aber selbst, wenn der Chef nichts dazugibt, kann man einen VL-Vertrag abschließen und in diesen regelmäßig einzahlen. Und spendiert er nur einen Teil der der möglichen Rate von 40 Euro, kann man den Rest aus eigener Tasche dazulegen. Anlagemöglichkeiten für VL-Sparverträge gibt es viele: Beispielsweise Banksparpläne, Bausparverträge oder Unternehmensbeteiligungen - etwa über Aktienfonds. Letztere bieten erfahrungsgemäß auf lange Sicht die besten Renditechancen, unterliegen aber Wertschwankungen. Wer möchte, kann seine VL-Leistungen auch für die betriebliche Altersvorsorge nutzen. Den Zuschuss vom Staat - die sogenannte Arbeitnehmer-Sparzulage - gibt es allerdings nur für Bau- und Beteiligungssparpläne. Zudem dürfen bestimmte Einkommensgrenzen bei Abschluss des Vertrages nicht überschritten werden: Für Alleinstehende liegt die Grenze bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 20.000 Euro für Beteiligungssparen wie Aktienfonds bzw. bei 17.900 Euro für Bausparen. Für Ehepaare gelten jeweils die doppelten Beträge. Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten VL-Bausparer vom Staat jährlich eine Förderung von neun Prozent für ihre Einzahlungen von 470 Euro - also bis zu 42 Euro. Alternativ oder auch zusätzlich können VL-Sparer einen Fondssparplan abschließen und bekommen 20 Prozent auf Spareinlagen von maximal 400 Euro - also bis zu 80 Euro im Jahr.

 

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