Unfalltarife im Test

Mit den steigenden Temperaturen im Frühling beginnt auch wieder die Zeit der Zecken, deren Biss zu schwerwiegenden Infektionen führen kann. Die Gute Nachricht: Viele private Unfallversicherungen versichern inzwischen Infektionskrankheiten durch Zeckenbisse mit.

Eine Analyse von MORGEN & MORGEN zu privaten Unfallversicherungen zeigt, dass fast 70 Prozent der verglichenen Tarife auch bei Borreliose und FSME, der durch Zeckenbisse verursachten Frühsommer-Meningoenzephalitis, leisten. Doch nur 31 Prozent der Tarife leisten sofort ab Versicherungsbeginn, die Mehrzahl sieht eine Wartezeit von bis zu sechs Monaten vor. Kunden in gefährdeten Regionen sollten vor dem Abschluss neben dem Preis auch den Leistungsumfang genau unter die Lupe nehmen.

Enorme Preisunterschiede

Interessanterweise sind die günstigsten Tarife mit Leistung bei Zeckenbissen im Schnitt nicht teurer als ohne. Ein 30-Jähriger beispielweise in Gefahrengruppe A (nicht körperlich tätig) zahlt für 100.000 Euro Invaliditätssumme und einer Progressionsstaffel von mindestens 300 Prozent bei den günstigsten Anbietern (Sofortleistung bei Infektionskrankheiten durch Zeckenbisse) rund 90 Euro pro Jahr. Die Preisunterschiede sind enorm: Der teuerste Tarif im Test lag beispielsweise bei rund 300 Euro pro Jahr. Dies entspricht einem Preisunterschied von gut 330 Prozent.

Berechnungsgrundlage: Mann/Frau 30 Jahre alt; Gefahrengruppe A (nicht körperlich tätig); 100.000 EUR Invaliditätssumme; Progressionsstaffel mindestens 300%.

Senioren-Unfallversicherung: Große Unterschiede bei Preisen und Leistungen

Eine Senioren-Unfallversicherung bietet älteren Menschen eine zuverlässige Unterstützung und Betreuung nach dem Unfall. So vermittelt und bezahlt sie zum Beispiel die Haushaltshilfe, den Menüservice und gegebenenfalls den Pflegedienst. Die Stiftung Warentest hat die Angebote der privaten Unfallversicherungen für Senioren untersucht und fünf empfehlenswerte ermittelt, einige gibt es bereits ab 100 Euro im Jahr.

Die untersuchten Tarife bieten Hilfeleistungen für den Fall, dass jemand durch einen Unfall seinen Alltag für einige Zeit nicht mehr ohne Hilfe bewältigen kann. Besonders alleinstehende Senioren haben es beispielsweise nach einem Sturz schwer, zuhause wieder zurechtzukommen. Stehen weder Freunde noch Familie zur Seite, kann sich jede noch so alltägliche Aufgabe, wie das Putzen oder das Kochen als unmöglich herausstellen. Günstige Angebote sind der Tarif Exklusiv-Aktiv der Signal-Iduna und der Schutzbrief der ARAG. Andere Tarife bieten ebenfalls einen guten Schutz, sind aber teurer. Beim Abschluss sollte man darauf achten, dass der Vertrag tatsächlich die wichtigsten Hilfen bietet.

Finanztest hat deshalb einen Mindestumfang der Leistungen definiert: Innerhalb eines Zeitraums von mindestens sechs Monaten müssen beispielsweise die Begleitung zum Arzt, Einkäufe oder ein Menüservice gewährleistet sein. Daneben gibt es Tarife, die noch zusätzliche Leistungen wie beispielsweise die Haustierbetreuung anbieten oder auch einspringen, wenn der Unfall die Folge einer Erkrankung wie ein Schlaganfall ist. 

Unfallversicherungen: „Sehr gute“ Policen ab 240 Euro pro Jahr

Bei einem Test von mehreren Hundert Tarifen von Unfallversicherungen vergab die Stiftung Warentest nur drei Mal das Qualitätsurteil „Sehr gut“. Die Testsieger sind zwei Tarife der Swiss Life und einer der Interrisk. Männer in ungefährlichen Berufen zahlen für die Testsieger zwischen 236 und 333 Euro im Jahr, Frauen zwischen 221 und 306 Euro. Die Versicherungen zahlen bei Vollinvalidität nach einem Unfall 500.000 Euro an den Kunden aus. Männer in gefährlicheren Berufen, vor allem mit körperlicher oder handwerklicher Tätigkeit, zahlen für die „sehr guten“ Tarife zwischen 363 und 515 Euro. Wer weniger Geld ausgeben will, findet immerhin „gut“ bewertete Angebote für unter 130 Euro pro Jahr. Für die hohe Gefahrengruppe gibt es „gute“ Tarife für weniger als 200 Euro im Jahr.

Eine Unfallversicherung ist sinn­voll für Menschen, die sich vor den finanziellen Folgen unfallbedingter Gesundheitsschäden schützen wollen. Geeignet ist aber nur ein leistungsstarker Tarif, der bei Vollinvalidität mindestens diese 500.000 Euro zahlt und bei dem auch bei niedrigeren Invaliditätsgraden die Leistung stimmt. Außerdem sollten die Versicherungsbedingungen verbraucherfreundlich sein. Wer mit seinem jetzigen Vertrag unzufrieden ist, kann die Police mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres kündigen. Die laufenden Verträge können anhand einer Checkliste in Finanztest überprüft werden.

Wegeunfall und Alkohol - Einstandspflicht der Gesetzlichen Unfallversicherung

Wer einen Arbeitsunfall erleidet, wird aus der Gesetzlichen Unfallversicherung entschädigt. Sie finanziert sich allein aus den Beiträgen der Arbeitgeber. Schon deshalb haften die Berufsgenossenschaften nur bei Unfällen, die durch die Arbeitstätigkeit verursacht sind. Abschlägige Entscheidungen der Unfallversicherungsträger betreffen immer wieder Unfälle auf dem Weg zur und von der Arbeit. Zur Anerkennung eines Wegeunfalls, bei dem über eine alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit als wesentliche Unfallursache zu entscheiden war, hat das Bayerische Landessozialgericht einen instruktiven Fall veröffentlicht.

 

Ausgangspunkt

 

Auf dem Heimweg von der Arbeit im gemeindlichen Bauhof war der Kläger mit seinem Wagen von der Straße abgekommen und verunfallt. Über fünf Stunden später suchte er ein Krankenhaus auf. Dort stellte man einen Bruch der Halswirbelsäule fest - aber auch eine BAK von 1,5 Promille. Die zuständige Berufsgenossenschaft lehnte die Feststellung eines Arbeitsunfalls ab, denn der Unfall sei wesentlich durch alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit verursacht. Der Zusammenhang mit einer versicherten Arbeit trete dahinter zurück. Das Sozialgericht hatte diese Entscheidung bestätigt.

 

Die Entscheidung

 

In der Berufung entschied das Bayer. Landessozialgericht anders. Die Angabe des Klägers, er habe nach dem Unfall Schnaps getrunken, schließe eine Rückrechnung der BAK von 1,5 Promille auf den Unfallzeitpunkt aus. Wie viel Alkohol der Kläger vor und nach dem Unfall getrunken hatte, sei trotz umfangreicher Beweisaufnahme nicht mehr aufklärbar gewesen. Die Aussagen der einvernommenen Arbeitskollegen hätten keinen entsprechenden Nachweis erbracht. Ein medizinisches Sachverständigengutachten habe verneint, dass ein jahrelanger überhöhter Alkoholkonsum die erhebliche Alkoholisierung des Klägers im Unfallzeitpunkt beweise. Allein bewiesen sei deshalb der Unfall auf dem versicherten Nachhauseweg. Für den Einwand, der Unfall sei entscheidend auf die Alkoholisierung des Klägers zurückzuführen, sei die Berufsgenossenschaft im Ergebnis beweislos geblieben. Ein Arbeitsunfall sei deshalb anzuerkennen.

 

Auswirkungen der Entscheidung


Die Entscheidung des Bayerischen Landessozialgerichts zeigt erneut, wer die Verteilung der Feststellungslast bei Wegeunfällen trägt. Unfälle auf dem Wege zur und von der Arbeit sind grundsätzlich unfallversichert. Wird eingewandt, dass ein Wegeunfall alkoholbedingt ausnahmsweise nicht dem gesetzlichen Versicherungsschutz unterfällt, trägt die Beweislast die Berufsgenossenschaft. Ist die alkoholbedingte Verkehrsuntüchtigkeit nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nachweisbar, bleibt es bei der Einstandspflicht des Unfallversicherungsträgers.

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