Sachwertbeteiligungen üben auf viele Anleger eine große Faszination aus – sie versprechen Inflationsschutz, reale Werte und oft attraktive Renditen. Doch wie bei jeder Geldanlage gilt auch hier: Wer erfolgreich investieren will, braucht Wissen, Strategie und einen kühlen Kopf. Im Folgenden erfahren Sie die fünf wichtigsten Tipps von Verbraucherfinanzen-Deutschland.de, um als Leser klug und sicher in Sachwertbeteiligungen einzusteigen.
1. Verstehen Sie, was Sachwertbeteiligungen sind – und was nicht
Sachwertbeteiligungen sind Investitionen in reale, physisch vorhandene Güter wie Immobilien, erneuerbare Energieanlagen oder auch Unternehmensbeteiligungen. Ihr Wert ist nicht beliebig vermehrbar und kann daher einen gewissen Schutz vor Inflation bieten. Doch nicht jede Sachwertbeteiligung ist automatisch sicher oder rentabel. Es gibt große Unterschiede zwischen einzelnen Anlageformen, etwa zwischen Immobilienfonds, Aktien, Edelmetallen oder alternativen Investmentfonds (AIF). Machen Sie sich mit den Besonderheiten, Chancen und Risiken der jeweiligen Anlageform vertraut, bevor Sie investieren.
2. Diversifikation ist das A und O
Setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Die breite Streuung Ihres Vermögens über verschiedene Sachwerte – etwa Immobilien, Aktien, Edelmetalle und erneuerbare Energien – senkt das Risiko erheblich und erhöht die Chance auf stabile Erträge. Auch innerhalb der Sachwerte sollten Sie auf Vielfalt achten: Immobilienfonds, Aktien-ETFs und vielleicht ein kleiner Anteil an physischem Gold können sich sinnvoll ergänzen. Einzelinvestments, etwa in eine einzelne Immobilie oder ein bestimmtes Unternehmen, sollten Sie nur tätigen, wenn Sie über fundierte Fachkenntnisse verfügen.
3. Prüfen Sie die Sicherheit und Regulierung
Die Sicherheit Ihrer Anlage ist entscheidend. Informieren Sie sich, ob Ihre Sachwertbeteiligung von einer regulierten Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) verwaltet wird und ob es eine kontrollierende Verwahrstelle gibt. Seit der Finanzkrise 2008 sind viele Sachwertfonds – insbesondere geschlossene Fonds – gesetzlich reguliert und unterliegen strengen Vorschriften zum Anlegerschutz. Dennoch bleibt ein Restrisiko, bis hin zum Totalverlust. Lesen Sie die Verkaufsprospekte sorgfältig und achten Sie auf die dargestellten Risiken.
4. Behalten Sie den Anlagehorizont und die Liquidität im Blick
Sachwertbeteiligungen eignen sich vor allem für einen langen Anlagezeitraum. Kurzfristige Schwankungen sollten Sie aushalten können, denn viele Sachwerte entfalten ihr Potenzial erst über mehrere Jahre. Überlegen Sie, wie schnell Sie im Bedarfsfall wieder an Ihr Geld kommen: Geschlossene Fonds oder Direktinvestments in Immobilien sind oft wenig liquide, während börsengehandelte Fonds (ETFs) oder Aktien schneller verkauft werden können.
5. Lassen Sie sich nicht von Emotionen oder Trends leiten
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit werden Sachwerte oft als „sichere Häfen“ angepriesen. Lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Moden oder Versprechungen blenden. Überprüfen Sie die Substanz der Anlage, achten Sie auf einen realistischen Einstiegspreis und analysieren Sie die Rahmenbedingungen wie Standort, Vermietungssituation oder Markttrends.Experten raten, antizyklisch zu investieren – also dann zu kaufen, wenn andere verkaufen und die Preise entsprechend attraktiv sind.
Fazit
Sachwertbeteiligungen bieten Ihnen die Chance, Ihr Vermögen real zu sichern und von langfristigen Wertsteigerungen zu profitieren. Doch wie bei jeder Geldanlage gilt: Informieren Sie sich gründlich, streuen Sie Ihr Risiko, achten Sie auf Sicherheit und Regulierung, denken Sie langfristig und bleiben Sie rational. Mit diesen fünf Schlüsseltipps legen Sie das Fundament für eine erfolgreiche und nachhaltige Sachwertstrategie.
Marktwächter-Experten bemängeln Aufklärung über Verpflichtungen, die für Verbraucher mit dieser Anlageform einhergehen
Schiffscontainer, Baumplantagen oder Solaranlagen - bei Direktinvestments erwerben Anleger Eigentum am jeweiligen Anlageobjekt und vermieten oder verpachten es gleich wieder an den Anbieter zurück. In ihren Informationsunterlagen weisen einige Anbieter jedoch nicht ausreichend auf die Risiken und Verpflichtungen hin, die Anleger gerade mit diesem Eigentümer-Status eingehen. Dies zeigen Beobachtungen der Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen.
"In den vorliegenden Fällen betonen Anbieter von Direktinvestments, wie sicher und solide solche Anlagen seien, und spielen die Risiken herunter", sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen. "Risiken ergeben sich aber oft gerade aus dem Status des Anlegers als Eigentümer oder Miteigentümer. Diese Informationen sind für Anleger extrem wichtig."
Aber auch in den gesetzlich vorgeschriebenen Vermögensanlagen-Informationsblättern und Verkaufsprospekten, die die Anbieter zur Verfügung stellen müssen, erläutern manche Anbieter mögliche Verlustszenarien oder weitergehende Verpflichtungen nur unzureichend oder leugnen sie ganz.
Eigentümer tragen weitreichende Risiken
Ob Direktinvestments in Container oder Wald - nach Beobachtung des Marktwächterteams können für Anleger finanzielle Verpflichtungen verschiedenster Art entstehen:
- Wird bei einem Holzinvestment der Anleger Eigentümer eines Grundstücks, kann er durch Zerstörung der Holzernte einen Totalverlust erleiden. Als Grundstückseigentümer muss er dennoch für Abgaben und Steuern und möglicherweise auch für die Grundstückspflege aufkommen.
- Kommt zum Beispiel bei einem Container der vertraglich vorgesehene Rückkauf nicht zustande, etwa weil das Unternehmen insolvent ist, muss sich der Anleger selbst um den Verkauf bemühen. Braucht er dafür einen Makler oder Vermittler, entstehen zusätzliche Kosten.
- Fällt das Unternehmen aus, so haftet der Anleger für Wartung und Pflege des Anlageobjekts. Bei einer Baumplantage können beispielsweise weitere Kosten durch den Einsatz von Personal entstehen, das die Bewirtschaftung des Grundstücks übernimmt. Bei
Containern können Hafengebühren anfallen.
- Konsequenz aus der Haftung: Als (Mit-)Eigentümer müssen Anleger möglicherweise über das investierte Kapital hinaus Zahlungen leisten. In Verkaufsprospekten und Vermögensanlagen-Blättern stellen Anbieter diese Risiken nicht immer umfassend dar. So fehlte in einem Prospekt zu einem Bauminvestment in Südamerika der Hinweis, dass Anleger nach Laufzeitende den Verkauf ihrer Grundstücke selbst organisieren und bis dahin möglicherweise für Steuern und die Grundstückspflege aufkommen müssen.
Die Marktwächter-Experten fanden auch die Formulierung "Es gibt keine weiteren Umstände, unter denen der Anleger verpflichtet ist, weitere Leistungen zu erbringen. Insbesondere gibt es keine Umstände, unter denen der Anleger haftet". "Diese Aussage ist nicht richtig, da ein Anleger in seiner Eigenschaft als Eigentümer sehr wohl haften kann", kritisiert Brandes. "Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, in ihren Informationsunterlagen über mögliche weitergehende Verpflichtungen und Haftungsrisiken aufzuklären".