Europa-Vergleich: Deutschland surft am teuersten

Was kosten Smartphone-Flatrates im europäischen Vergleich? In einer umfassenden Analyse haben die Tarifexperten von Verivox den Mobilfunkmarkt in zehn Ländern unter die Lupe genommen.

 

Das Ergebnis: Für Tarife mit sehr hohem Datenvolumen zahlen deutsche Verbraucher am meisten – obwohl erst kürzlich mit „MagentaMobil XL“ ein neuer Tarif vorgelegt wurde, der ganze 120 Euro günstiger ist als die bisherigen unlimitierten Pauschalen in Deutschland.

 

Vielnutzer kommen in Deutschland am teuersten weg

 

In sechs der zehn untersuchten Länder gibt es unlimitierte Internet-Flatrates – also Angebote, bei denen die Surfgeschwindigkeit nicht nach dem Verbrauch einer bestimmten Datenmenge reduziert wird. Solche „echten“ Flatrates sind in Deutschland am teuersten: Knapp 80 Euro im Monat wird für solch eine Pauschale bei der Deutschen Telekom fällig. Das ist der letzte Platz im Preisranking der zehn Länder. Am wenigsten zahlen Kunden in der Schweiz mit rund 34 Euro, den Niederlanden mit 35 Euro und in Großbritannien mit rund 41 Euro. „In vielen Ländern sind Pauschalangebote ohne Drosselung zu vergleichsweise günstigen Preisen zu bekommen“, sagt Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox. „Unser Vergleich macht deutlich, dass Deutschland bei Tarifen mit großen Datenmengen weiterhin Nachholbedarf hat.“

 

Beispielsweise in Polen sind zwar keine unbegrenzten Flatrates erhältlich, jedoch sehr große Datenpakete zu niedrigen Preisen – zum Beispiel 100 Gigabyte (GB) für rund 19 Euro. In Italien können 100 GB für 25 Euro im Monat gebucht werden. Beide Angebote werden als unlimitiert beworben, sind es aber nicht – die Beschränkungen finden sich im Kleingedruckten.

 

Die Pläne der deutschen Netzbetreiber

 

In Deutschland gibt es bei der Telekom und bei Vodafone noch weitere unlimitierte Pauschalen für rund 200 Euro. „In diesen Tarifen erhalten Kunden jedes Jahr ein neues Top-Handy und weitere Features wie zusätzliche SIM-Karten zur Nutzung in mehreren Geräten. Gleichwohl ist das Preisniveau im europäischen Vergleich hoch,“ sagt Schiele. Deutschlands größter Netzbetreiber Telefonica bietet keine „echten“ Flatrates an und plant das nach Verivox-Recherchen auch künftig nicht: Das Unternehmen sieht sich nach eigenen Angaben mit den o2-Free-Tarifen, die nach Erreichen der Volumengrenze vergleichsweise moderat gedrosselt werden, gut aufgestellt.

 

„Beim Wettbewerber Vodafone hingegen ist ein Konkurrenzangebot zur erst kürzlich aufgelegten unlimitierten Flatrate der Telekom sehr wahrscheinlich zu erwarten. Beide Netzbetreiber haben ihr Mobilfunkangebot in den vergangenen Jahren recht eng aufeinander ausgerichtet“, sagt Christian Schiele.

 

Wie viel Datenvolumen braucht man wirklich?

Mal eben das Wetter per Smartphone checken, Youtube-Videos gucken und im Internet surfen: Dafür braucht man einen Handytarif mit Datenvolumen-Paket. Aber: Viele Handytarife mit viel Datenvolumen sind schlicht überdimensioniert. Darauf weist das Telekommunikations-Portal Smartklar.de hin. Es muss nicht unbedingt ein teurer Tarif mit 10 GB Datenvolumen sein - vielen Nutzern reicht ein günstiges Paket mit 1 bis 3 GB Datenvolumen vollkommen aus.

 

Als Hilfe bei der Wahl des richtigen Handtarifs hat Smartklar.de drei Smartphone-Nutzer-Typen erstellt:

 

Wenignutzer: 400 Megabyte

 

Der Wenignutzer greift nur selten auf das mobile Internet zu. Er hat das Smartphone zwar dabei, nutzt es aber nur, um mal schnell etwas bei Google oder Wikipedia nachzuschlagen. Auch WhatsApp ist auf dem Handy installiert, es wird aber vor allem genutzt, um Textnachrichten zu verschicken. Hin und wieder verschicke der Wenignutzer E-Mails; Facebook nutzt er nicht, und auch Youtube-Videos schaut er auf dem Smartphone nicht. Dem Wenignutzer reicht daher ein Tarif mit etwa 400 Megabyte aus.

 

Normalnutzer: 1-3 Gigabyte

 

Der Normalnutzer nutzt das mobile Internet regelmäßig: Er navigiert mehrmals pro Tag durchs Netz, verschickt E-Mails und nutzt regelmäßig WhatsApp - auch für Fotos. Hin und wieder schaut er bei Facebook nach dem Rechten, und auch Youtube-Videos sind öfters drin. Per Google Maps erreicht der Normalnutzer gerne sein Ziel. Damit benötigt der Normalnutzer ein Paket mit ein bis drei Gigabyte: Wer mehr Videos guckt, braucht eher drei Gigabyte, wer vor allem im Internet surft, dem reichen meist ein Gigabyte.

 

Multimedia-Junkie: mindestens 5 Gigabyte

 

Der Multimedia-Junkie hat sein Smartphone immer dabei - und nutzt es als multimediale Unterhaltungs-Zentrale: Er verschickt oft und gerne Bilder und Videos per WhatsApp, streamt diverse Youtube-Videos und treibt sich stundenlang auf Facebook und Instagram herum. E-Mails, Surfen im Internet und das Navigieren per Google Maps gehören für den Multimedia-Junkie selbstverständlich dazu. Der Multimedia-Junkie braucht damit einen Vertrag mit mindestens 5 Gigabyte Datenvolumen - wer sich sehr oft sehr viele Online-Videos anschauen möchte und dauerhaft bei Instagram Bilder lädt, der braucht eher noch mehr.

 

BGH untersagt Handy-Sperre aus geringfügigem Anlass

Ein Mobilfunkanbieter darf den Handy-Anschluss nicht wegen eines kleinen Zahlungsrückstands oder aus einem anderen geringfügigen Anlass sperren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen das Unternehmen E-Plus entschieden. Das Urteil hat Bedeutung für die gesamte Branche.

 

Der Mobilfunkdienstleister hatte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Reihe von Gründen genannt, die das Unternehmen berechtigt hätten, den Anschluss sofort, ohne Ankündigung und ohne zeitliche Begrenzung zu sperren. Eine sofortige Sperrung drohte Kunden bereits, wenn sie mit einem kleinen Betrag in Zahlungsverzug gerieten oder ihr eingeräumtes Kreditlimit überschritten. Auch eine von E-Plus eingereichte Lastschrift, die wegen fehlender Kontodeckung nicht von der Bank des Kunden eingelöst wurde, konnte eine sofortige Anschluss-Sperrung auslösen.

 

Das Unternehmen behielt sich außerdem vor, vom Kunden nachträglich eine Bankbürgschaft oder Kaution zu verlangen, wenn sich herausstellen sollte, dass er einen Zahlungsrückstand bei irgendeinem anderen Vertragspartner hat. Bei einer missbräuchlichen Anschlussnutzung drohte E-Plus mit einer vollständigen Sperre. Dem Kunden wurde dabei keine Möglichkeit eingeräumt, die Sperre aufzuheben, indem er sich wieder vertragstreu verhält.


BGH erklärt acht Klauseln für unzulässig

 

Der vzbv hatte die Klauseln als überzogen und kundenfeindlich kritisiert. Viele Handy-Nutzer seien darauf angewiesen, ständig erreichbar zu sein. Es sei daher unverhältnismäßig, die vertraglichen Leistungen schon bei geringfügigem Zahlungsverzug und ohne Vorwarnung komplett einzustellen. Der Bundesgerichtshof schloss sich dieser Auffassung überwiegend an und untersagte E-Plus, acht der neun strittigen Klauseln weiter zu verwenden. Zulässig ist dem BGH zufolge eine Klausel, wonach das Unternehmen bei einer missbräuchlichen Nutzung den Vertrag fristlos kündigen kann. Das Urteil ist für die gesamte Branche von Bedeutung. Auch andere Firmen sind nun aufgefordert, ähnlich gestaltete Vertragsklauseln zu ändern.


Unzulässige Geschäftsbedingungen sind kein Einzelfall

 

Im Jahr 2008 hatte der vzbv 19 Mobilfunkunternehmen wegen unzulässiger Geschäftsbedingungen abgemahnt und zum Teil verklagt, größtenteils mit Erfolg. Erst diesen Februar hatte der BGH eine Klausel in den Geschäftsbedingungen von T-Mobile und congstar für unzulässig erklärt, die eine Handy-Sperrung ab einem Zahlungsverzug von 15,50 Euro vorsah.

 

Urteil des BGH vom 09.06.2011- III ZR 157/10

TÜV Rheinland: In fünf Jahren rund 500 vernetzte Geräte in jedem Privathaushalt

Das Smart Home ist längst Realität, aber noch nicht Standard. International führende Experten von TÜV Rheinland gehen davon aus, dass sich das sehr schnell ändern wird: Bereits in fünf Jahren werden sich ihrer Einschätzung nach in jedem Privathaushalt rund 500 Geräte, Produkte, Anwendungen und Komponenten befinden, die internetfähig sind oder bereits mit dem Internet verbunden sind. Dies ist eine Prognose aus den Cybersecurity Trends 2018 von TÜV Rheinland, die der weltweit tätige Prüfdienstleister für Qualität und Sicherheit veröffentlicht hat. Das Problem: Viele dieser "smarten" Produkte und Anwendungen sind nicht ausreichend auf Datensicherheit und Cybersecurity überprüft.

 

Vernetzte Geräte sammeln Daten und tauschen sie aus

 

Zu den "smarten" vernetzten Geräten gehören Online-Steuerungssysteme für Rolladen, Licht oder Heizung ebenso wie Fernseher, Kühlschrank oder Rasenmähroboter, Mobiltelefon, Tablet-PC oder Babyphone. "Vernetzte Geräte müssen Daten sammeln und untereinander austauschen, damit sie funktionieren. Sonst sind diese nicht smart. Gleichzeitig müssen sie in Sachen Datensicherheit und gegen Cyber-Einbrüche gut gesichert sein", so Dr. Daniel Hamburg, als Leiter des "Center of Excellence Testing and Certification" bei TÜV Rheinland führender Experte für Produktprüfung und Cybersecurity. Er fordert unter anderem, dass Standards zur Prüfung von Gerätesicherheit um Prüfungen für Datensicherheit und Cybersecurity erweitert werden. "Sonst öffnen wir mit dem Smart Home einer neuen Art von Einbrechern Tür und Tor."

 

Cyber-Kriminelle: Neue Generation von Einbrechern

 

Tatsächlich gibt es bereits heute immer wieder Zwischenfälle, in denen es mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich ist, in Systeme und Produkte einzudringen, die mit dem Internet verbunden sind. Dies erfolgt beispielsweise über Schadsoftware oder über das WLAN. Zuletzt haben Experten von TÜV Rheinland beispielsweise in einem Versuch einen so genannten Wechselrichter einer Solarstromanlage gehackt. Dadurch wäre es möglich gewesen, verbundene Speichersysteme oder gar das Stromnetz selbst zu beeinträchtigen. Auch Alarmanlagen oder Überwachungssysteme wurden von Einbrechern bereits gehackt und ausgehebelt.

 

Auf Einhaltung von Vorschriften für Datenschutz achten

 

Damit Verbraucher bereits beim Kauf mehr Sicherheit haben können, ob Produkte und Systeme den aktuellen Anforderungen an Datenschutz und Online-Sicherheit entsprechen, fordern Experten unabhängige Prüfungen nach einheitlichen Standards.

 

Dr. Daniel Hamburg: "Seit 40 Jahren gibt es in Deutschland das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit von Produkten. Ähnliche Prüfzeichen benötigen wir jetzt für smarte Produkte, um geprüfte Datensicherheit und Cybersecurity für die Verbraucherinnen und Verbraucher auf einen Blick erkennbar zu machen. Das schafft eine Vergleichsmöglichkeit im Markt und sorgt für Vertrauen in die Hersteller." Entsprechende Prüfungen hat TÜV Rheinland seit 2017 entwickelt: Hierbei kontrollieren die Fachleute den Datenschutz und die Datensicherheit von Produkten beziehungsweise von Anwendungen, die mit diesen Produkten in Verbindung stehen. Denn mit einem internetfähigen Gerät ist fast immer auch ein Service verbunden, zum Beispiel die mobile und flexible Steuerung über ein Smartphone.

 

Beim Kauf neuer smarter Geräte sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher in jedem Fall auch über die Einhaltung von Datenschutzvorschriften informieren und nicht nur auf den Preis achten.

 

Bundesbürger im Schnitt 46,2 Stunden pro Woche online

Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit im Internet: 46,2 Stunden sind sie wöchentlich online. Das sind über drei Stunden mehr als im Vorjahr (2017: 42,8 Stunden) und über fünf Stunden mehr als die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Vollzeitangestellten. Auf der Arbeit wird das World Wide Web im Schnitt nur 2,6 Stunden für berufliche Zwecke genutzt. Dafür wird im Büro immer häufiger ein Blick aufs Smartphone geworfen, um zum Beispiel neue Nachrichten auf WhatsApp, Snapchat und Co. zu prüfen. Jüngere Menschen zwischen 18 und 34 Jahren, die sogenannten Digital Natives, sind sogar noch zwölf Stunden länger im Netz unterwegs als der Durchschnitt und bringen es auf rund 58 Stunden wöchentlich. Dies sind Ergebnisse der Postbank Digitalstudie 2018, für die mehr als 3.000 Bundesbürger repräsentativ gefragt wurden.

 

Im regionalen Vergleich sind die Berliner Spitzenreiter bei der Internetnutzung. 56,4 Stunden verbringen sie pro Woche im Netz und damit fast 13 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Auch die nachfolgenden Top-Plätze belegen Stadtstaaten: Bremen liegt mit 53,4 Stunden vor Hamburg (51,3 Stunden). Schlusslicht im Bundesländer-Ranking ist Thüringen mit 40,5 Stunden Internetnutzung wöchentlich. Aber selbst in diesem Bundesland surfen die Menschen mittlerweile länger als sie arbeiten.

 

Der Bildschirm wird kleiner und mobiler

 

Zum Surfen nutzen die Deutschen meistens ihr Smartphone und ihren Laptop (je 71 Prozent). Zum ersten Mal seit der ersten Erhebung der Studie 2015 liegt der Laptop damit nicht mehr vor dem Smartphone. Schaut man sich die Stunden an, die der Durchschnittsdeutsche je Endgerät im Netz ist, liegt das Smartphone mit 14,6 Stunden pro Woche sogar vor dem Laptop beziehungsweise Notebook (13,4 Stunden). Der klassische Desktop-PC verliert ebenfalls weiter an Relevanz: Nur noch 54 Prozent gehen darüber ins Internet. Das Tablet hat dagegen stark an Bedeutung gewonnen: 42 Prozent sind damit im Netz unterwegs, im Vorjahr waren es lediglich 36 Prozent.

 

"Das Smartphone ist vor allem bei den Jüngeren nicht mehr wegzudenken - ob im Restaurant, in der Bahn oder zuhause auf dem Sofa", sagt Thomas Mangel, Chief Digital Officer von der Postbank. "Sich zu jeder Zeit informieren und miteinander auszutauschen, ist gerade für Digital Natives eine Selbstverständlichkeit. Diese 'smarte' Generation legt daher besonderen Wert auf digitale und mobile Dienstleistungen jederart."

 

Unterschiede zwischen den Generationen zeigen sich auch bei der Gerätenutzung: Junge Deutsche zwischen 18 und 34 Jahre nehmen fast alle (89%) das Smartphone zum Surfen, einen Desktop-PC nutzt weniger als die Hälfte von ihnen. Auch die Älteren ab 35 Jahren, die so genannten Digital Immigrants, sind zunehmend mobil erreichbar. 65 Prozent der Befragten gehen mit ihren Smartphones online. In dieser Generation hat der PC mit Tastatur und Maus noch nicht unbedingt ausgedient, denn 57 Prozent nutzen ihn noch.

 

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