Energiekosten: Stärkster Anstieg seit über 10 Jahren

 

Die Energiekosten in Deutschland sind innerhalb eines Monats so stark gestiegen wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox. Die Kosten für Heizung, Strom und Sprit legten zum Jahreswechsel um knapp 7 Prozent zu.

 

Private Verbraucher in Deutschland mussten im neuen Jahr einen deutlichen Anstieg der Energiepreise hinnehmen. Insgesamt lagen die Energiekosten für einen Musterhaushalt im Dezember 2020 bei 3.429 Euro pro Jahr. Im Januar 2021 kostete die gleiche Menge Energie bereits 3.665 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von 6,9 Prozent (236 Euro) innerhalb eines Monats.

 

„Preistreiber waren vor allem das Auslaufen der befristeten Mehrwertsteuersenkung, die Einführung des CO2-Preises sowie Großhandelspreise, die im Zuge der Corona-Pandemie zunächst deutlich in den Keller sackten und nun wieder anziehen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

 

7 Prozent Preisplus bei den Heizkosten

 

Heizöl verteuerte sich auf Monatssicht um 12 Prozent. Wurden für 20 Hektoliter Heizöl im Dezember noch 966 Euro fällig, waren es im Januar 1.082 Euro.

 

Auch bei Gas ist ein Preisplus zu verzeichnen. Hier stiegen die Kosten für 20.000 Kilowattstunden von 1.106 Euro auf 1.162 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 5 Prozent. Da mehr Haushalte mit Gas als mit Heizöl heizen, sind die Heizkosten im mengengewichteten Durchschnitt um 7,2 Prozent gestiegen.

 

10 Prozent höhere Kosten an der Tankstelle

 

Die Kosten für Benzin (+ 9,8 Prozent) und Diesel (+ 11,2 Prozent) sind ebenfalls deutlich gestiegen. Im mengengewichteten Durchschnitt mussten Verbraucher im Januar 10,2 Prozent mehr fürs Tanken ausgeben.

 

Strom verteuert sich trotz gedeckelter EEG-Umlage

 

Mit der Einführung der CO2-Steuer auf klimaschädliche Brennstoffe hat sich das Heizen und Tanken stark verteuert. Als Ausgleich sollen Verbraucher beim Strom entlastet werden. Die Bundesregierung hat dafür die Umlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien gedeckelt.

 

Die durchschnittlichen Stromkosten eines Privathaushalts mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh sind dennoch von 1.136 Euro im Dezember auf 1.171 Euro im Januar gestiegen. Das ist ein Plus von 2,5 Prozent. Rechnet man die Erhöhung der Mehrwertsteuer heraus, bleibt ein Preisplus bei Strom von 0,5 Prozent.

 

Strom- und Gaspreise der Grundversorgung erreichen Höchststände

 

Die Strompreise im örtlichen Grundversorgungstarif sind im Januar 2021 im bundesweiten Durchschnitt auf ein Allzeithoch gestiegen. Mit 33,77 Cent pro Kilowattstunde (kWh) ist Strom im Basistarif teurer als jemals zuvor. In der Gas-Grundversorgung ist der Durchschnittspreis mit 7,54 Cent/kWh auf den höchsten Stand seit 12 Jahren geklettert. Das hat eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox ergeben.

 

Strom-Grundversorgungstarif binnen 12 Monaten 4 Prozent teurer

 

Im Januar 2020 lag der durchschnittliche Strompreis im örtlichen Grundversorgungstarif noch bei 32,51 Cent/kWh. Innerhalb von 12 Monaten ist er um rund 4 Prozent auf 33,77 Cent/kWh angestiegen. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh hat dadurch höhere Stromkosten von rund 50 Euro pro Jahr.

 

„Die Bundesregierung möchte die Haushalte bei den Strompreisen entlasten. Darum wurde die EEG-Umlage, die rund ein Viertel des Strompreises ausmacht, auf 6,5 Cent/kWh gedeckelt. Doch diese Entlastung ist bei vielen Haushalten nicht angekommen. Im Gegenteil: Bei den Strompreisen ist Deutschland nach wie vor Weltspitze“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

 

Gas-Grundversorgung im Aufwärtstrend

 

Die Entwicklung in den Grundversorgungstarifen für Gas verläuft ähnlich. Im Januar 2020 lag der durchschnittliche Gaspreis in diesen Tarifen noch bei 7,29 Cent/kWh. Innerhalb von 12 Monaten ist er auf 7,54 Cent/kWh angestiegen. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh werden so höhere Gaskosten von rund 50 Euro pro Jahr fällig.

 

„Die Kosten im Gas-Grundversorgungstarif sind so hoch wie seit März 2009 nicht mehr. Neben den leicht gestiegenen Netzkosten haben viele Gasversorger den ab diesem Jahr gültigen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne direkt an ihre Kunden weitergegeben“, sagt Thorsten Storck.

 

Preisänderungen im neuen Jahr

 

Im neuen Jahr halten sich die Strompreisänderungen der örtlichen Grundversorger in etwa die Waage. Für Januar und Februar 2021 haben insgesamt 111 der rund 800 regionalen Stromversorger Strompreissenkungen von rund 2 Prozent angekündigt. Die durchschnittliche Entlastung liegt bei 25 Euro pro Jahr. Gleichzeitig melden 96 Grundversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 3 Prozent, was Mehrkosten von rund 34 Euro pro Jahr entspricht.

 

Im Bereich Gas stehen zahlreiche Preiserhöhungen an. Für Januar und Februar 2021 haben insgesamt 347 der rund 700 regionalen Gasversorger Preiserhöhungen von rund 7 Prozent angekündigt. Die durchschnittlichen Mehrkosten liegen bei 95 Euro pro Jahr. Für den gleichen Zeitraum melden 14 Grundversorger Preissenkungen von durchschnittlich 6 Prozent, was einer Entlastung von rund 84 Euro pro Jahr entspricht.

 

Über ein Viertel der Stromkunden sind im teuersten Tarif

 

Der örtliche Grundversorgungstarif ist das Produkt, das die Energieversorger bei Neueinzug standardmäßig zuteilen. Außerdem handelt es sich dabei um den Basistarif, der allen Kunden zur Verfügung gestellt werden muss. Laut Bundesnetzagentur bezieht noch über ein Viertel (27 Prozent) der privaten Stromkunden den örtlichen Grundversorgungstarif. 42 Prozent der Stromkunden haben einen anderen Tarif ihres örtlichen Grundversorgers. 31 Prozent der Haushalte werden von einem überregionalen Stromversorger beliefert.

 

Im Bereich Gas sind noch 18 Prozent der Privatkunden im örtlichen Grundversorgungstarif. 50 Prozent beziehen einen anderen Tarif des örtlichen Grundversorgers und 32 Prozent der Haushalte sind zu einem überregionalen Gasanbieter gewechselt.

 

Überregionale Anbieter drücken Durchschnittspreise

 

Werden die günstigeren Stromtarife der örtlichen Grundversorgung und die Angebote der überregionalen Versorger berücksichtigt, ist der durchschnittliche Strompreis für private Verbraucher in den letzten 12 Monaten um rund 2 Prozent gesunken. Lag der Durchschnittspreis im Januar 2020 noch bei 30,01 Cent/kWh, steht er aktuell bei 29,40 Cent/kWh. Bei einem Verbrauch von 4.000 kWh entspricht das einer jährlichen Entlastung von rund 25 Euro.

 

Bei den Gastarifen ist der preisdämpfende Effekt noch deutlicher. Der durchschnittliche Gaspreis ist hier innerhalb der letzten 12 Monate um 3 Prozent gesunken. Im Januar 2020 lag er bei 6,03 Cent/kWh, aktuell notiert er bei 5,85 Cent/kWh. Bei einem Verbrauch von 20.000 kWh entspricht das einer jährlichen Entlastung von rund 35 Euro.

 

„Aufgrund der großen Preisunterschiede zwischen den Stromtarifen raten wir allen Verbrauchern, ihren aktuellen Tarif zu prüfen und ein möglichst günstiges Angebot mit fairen Konditionen zu wählen“, sagt Thorsten Storck.

 

Teurer Strom: Zum Jahreswechsel sind die Strompreise im Schnitt um 2,6 Prozent gestiegen

 

Das kostet Strom in Deutschland...

 

Der aktuelle Strompreis in Deutschland beträgt laut stromauskunft.de nach aktuellen Stand von Anfang Januar 2021 34,71 Cent pro kWh in der Grundversorgung. Damit zahlt ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh 1.215 Euro pro Jahr, wenn er Strom vom Grundversorger bezieht. Im Vergleich zum Dezember 2020 sind die Preise damit um 0,89 Cent pro kWh oder 2,6 % gestiegen.

 

Beim günstigsten Stromanbieter kostet die Kilowattstunde dagegen "nur" 23,39 Cent. Damit zahlt der Vergleichshaushalt beim günstigsten Anbieter 819 Euro pro Jahr. Auch hier sind die Preise gestiegen, und zwar um 0,62 Cent pro kWh oder 2,7 %.

 

...und so viel können Verbraucher sparen.

 

Durch einen Wechsel vom Grundversorger zum günstigsten Stromanbieter spart ein Haushalt in Deutschland im bundesweiten Schnitt 397 Euro. Im Dezember 2020 lag die durchschnittliche Wechselersparnis bei 386 Euro.

 

Aber: Es gibt sehr große regionale Unterschiede. So zahlen z.B. Verbraucher in Schleswig-Holstein mit 38,75 Cent pro kWh die höchsten Strompreise. In Bremen dagegen sind die Strompreise mit 30,10 Cent pro kWh am günstigsten.

 

Das Verbraucherportal StromAuskunft.de hat in Zusammenarbeit mit der Universität Münster ein Dashboard für Strompreise entwickelt, welches die aktuellen Strompreise sowie die Wechselersparnis für Verbraucher in Deutschland visualisiert. Durch die Ermittlung der Strompreise für insgesamt 6309 Städte und Gemeinden sind die Preisdarstellungen erstmals auch auf Länder-, Kreis- und Städteebene möglich.

 

So werden die Strompreise berechnet

 

Der Strompreisvergleich zeigt die aktuellen Strompreise für Bundesländer, Landkreise und Städte in Deutschland an. Grundlage für die Berechnung der Strompreise ist ein Jahresverbrauch von 3500 kWh. Stromtarife mit Kaution und/oder Vorauskasse werden nicht berücksichtigt.

 

Weitere Kriterien für die Preisberechnung bei den Alternativtarifen

 

- Vertragslaufzeit: bis 12 Monate

 

- Preisgarantie: mind. 12 Monate

 

- Kündigungsfrist: max. 6 Wochen

 

Hinweis zur Berechnung der Ersparnis

 

Die mögliche Ersparnis wird in Bezug zu dem Tarif des lokalen Anbieters berechnet. Falls es sich bei dem Vergleichstarif um einen Grundversorgungstarif handelt, wird Ihnen gesetzlich für diesen Tarif eine Kündigungsfrist von 2 Wochen garantiert.

 

Solarstrom: Bestehende Anlagen eintragen

 

Wer privat Strom erzeugt und ins Netz einspeist, muss seine Photovoltaikanlage, sein Blockheizkraftwerk und gegebenenfalls seinen Batteriespeicher in das Marktstammdatenregister eintragen. Darauf weist die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern hin. Dabei ist es egal, ob es sich um neue oder bestehende Anlagen handelt. Das gilt auch, wenn eine bestehende Anlage bereits an anderen Stellen registriert ist. Wird zusätzlich ein Batteriespeicher für die Eigenversorgung genutzt, muss auch dieser erfasst werden.

 

„Eine neu in Betrieb genommene Anlage muss innerhalb eines Monats online in das Marktstammdatenregister eingetragen werden", erläutert die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern. Für bereits laufende Anlagen gilt eine Frist bis Ende Januar 2021. Je nach Anlagenart werden unterschiedliche technische Daten abgefragt. Damit schon bei der Registrierung alle benötigten Daten zur Hand sind, stellt die Bundesnetzagentur zur Vorbereitung Registrierungshilfen bereit. Einige Angaben können auch noch nach der Registrierung gemacht werden.

 

„Wer seine Anlage nicht fristgerecht einträgt, verliert einen Teil seines Anspruchs auf EEG-Vergütung und erhält nicht das komplette Geld für den eingespeisten Strom", so die Verbraucherzentrale Bayern. „Deshalb ist der Eintrag unverzichtbar." Auch Anlagen, deren Strom nicht vergütet wird, sind einzutragen. Sonst kann ein Bußgeld drohen. Das Register ist unter www.marktstammdatenregister.de zu finden.

 

Energetische Sanierung: Die fünf wichtigsten Fakten

 

Neue Heizung, neue Fenster, Wärmedämmung: Wer sein Haus energetisch saniert, schont die Umwelt – und spart Steuern. Denn seit dem 1. Januar 2020 lassen sich für energetische Sanierungsmaßnahmen am eigenen Haus bis zu 40.000 Euro steuerlich absetzen. Doch welche Bau-Maßnahmen gelten als energetische Sanierung? Wie viel Energie kann man durch eine energetische Sanierung sparen? Und wie setzt man die Kosten dafür ab? Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) mit fünf wichtigen Fakten.

 

 

Energetische Sanierung: Die fünf wichtigsten Fakten

 

 

 

1. Die energetische Sanierung eines Hauses bedeutet…

… erstens, dass der Energieverbrauch für Heizung, Warmwasseraufbereitung oder Stromversorgung durch bestimmte Baumaßnahmen gesenkt wird. Und zweitens, dass weniger konventionelle und mehr erneuerbare Energien genutzt werden. Insgesamt sinkt damit nicht nur der CO2-Ausstoß, sondern es verringern sich auch die Kosten für Immobilienbesitzer und Mieter.

 

2. Als energetische Sanierungsmaßnahmen gelten:

•    Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken,

•    Erneuerung der Fenster oder Außentüren,

•    Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage,

•    Erneuerung einer Heizungsanlage oder Optimierung bestehender Heizungsanlagen,

•    Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung.

 

3. Mit energetischer Sanierung Energiekosten sparen

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat berechnet, dass der Energieverbrauch durch energetische Modernisierung um 22 Prozent sinkt. Die KfW bezieht sich bei ihren Berechnungen auf die Energie-Einsparung in 275.000 Wohnungen, die im Jahr 2017 durch KfW-Förderkredite energetisch saniert wurden.

 

Konkret konnten 1.441 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a) eingespart werden. Eine GWh entspricht einer Millionen Kilowattstunden (KWh). Zum Vergleich: Mit der Energiemenge einer KWh kann man zum Beispiel ungefähr 25 Minuten Staubsaugen oder etwa eine Pizza im Backofen zubereiten.

 

Wie viel Energie in einem Haus oder einer Wohnung durch energetische Sanierungsmaßnahmen gespart werden kann, liegt unter anderem am Zustand, an der Bausubstanz und an der Größe. Das Bundeswirtschaftsministerium bietet einen Sanierungskonfigurator an, um anhand dieser und anderer Faktoren die individuellen Energie-Einsparungsmöglichkeiten für Ihre Immobilie zu berechnen: www.sanierungskonfigurator.de.

 

4. Insgesamt 40.000 Euro für energetische Sanierung lassen sich absetzen…

… und zwar verteilt über drei Jahre: In dem Jahr, in dem die energetische Gebäudesanierungsmaßnahme erfolgt, sowie im darauffolgenden Kalenderjahr sind maximal sieben Prozent der Kosten und höchstens 14.000 Euro absetzbar; im zweiten darauffolgenden Kalenderjahr maximal sechs Prozent der Aufwendungen und höchstens 12.000 Euro.

 

Wichtig: Wer eine energetische Gebäudesanierungsmaßnahme von der Steuer nach Paragraf 35c Abs. 1 Einkommensteuergesetz absetzen will, benötigt dafür eine Rechnung. Darin müssen in deutscher Sprache die förderungsfähige energetische Maßnahme, die Arbeitsleistung des Fachunternehmens und die Adresse des Gebäudes beschrieben sein.

 

Außerdem muss die energetische Sanierungsmaßnahme durch eine Bescheinigung des Fachunternehmens oder eines Energieberater (eine Person mit Ausstellungsberechtigung nach § 21 Energieeinsparverordnung) bestätigt sein. Für die Bescheinigung ist ein amtliches Muster zu verwenden, das der Einkommenssteuererklärung beigefügt werden muss.

 

Und: Das Finanzamt erkennt lediglich per Überweisung gezahlte Rechnungen an, keine Barzahlungen.

 

5. Die KfW bietet alternativ Fördermittel zur energetischen Sanierung

Die KfW hat verschiedene Fördermöglichkeiten für die energetische Sanierung einer Wohnung oder eines Hauses:

 

Zinsverbilligte Förderdarlehen mit Tilgungszuschuss können über die KfW-Programmlinie "Energieeffizient Sanieren" (151/152) beantragt werden.

Investitionszuschüsse gibt es in folgenden Programmen:

 

KfW-Programmlinie "Energieeffizient Sanieren" (430),

Marktanreizprogramm "Wärme aus erneuerbaren Energien" (BAFA),

Heizungsoptimierungsprogramm (BAFA).

Wichtig: Eine Steuerermäßigung für energetische Sanierungsmaßnahmen kann nicht in Anspruch genommen werden, wenn dafür zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse gewährt werden oder die Sanierungsmaßnahme öffentlich gefördert ist.

 

Rekordniveau: Stromnetzgebühren steigen 2021 leicht an

 

Die Netznutzungsentgelte im Bereich Strom steigen im kommenden Jahr im bundesweiten Durchschnitt um rund 1 Prozent an und erreichen ein neues Rekordniveau. Bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr liegen die Stromnetzgebühren im Jahr 2020 bei durchschnittlich 289 Euro (netto). Laut aktuellem Stand wird dieser Wert geringfügig um 3 Euro auf 292 Euro (netto) pro Jahr ansteigen. Allerdings gibt es regional starke Unterschiede. Das hat eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergeben.

 

In Berlin, Saarland und Rheinland-Pfalz bis zu 9 Prozent mehr

 

Netzentgelte machen rund ein Viertel des Strompreises aus. Allerdings werden Verbraucher regional unterschiedlich stark belastet: Den stärksten Anstieg gibt es in Berlin mit einem Plus von 9 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Mehrbelastung von 21 Euro. Im Saarland steigen die Stromnetzgebühren um 7 Prozent, in Rheinland-Pfalz um 5 Prozent.

 

Entlastet werden Verbraucher in Bremen und Bayern (-6 Prozent), Schleswig-Holstein; Niedersachsen und Hessen (-1 Prozent). Im Vergleich zwischen alten und neuen Bundesländern ergeben sich nur geringe Unterschiede.

 

Stromnetzentgelte erreichen neuen Rekordwert

 

"Die Stromnetzgebühren erhöhen sich im kommenden Jahr nur leicht. Das ist eine gute Nachricht, zumal sie im Vorjahr um rund 6 Prozent gestiegen sind. Dennoch kostet das Stromnetz die privaten Verbraucher mehr als jemals zuvor. Innerhalb der letzten zehn Jahre sind die Gebühren um insgesamt 30 Prozent angestiegen", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

 

Strompreise entwickeln sich regional unterschiedlich

 

Die von der Bundesregierung beschlossene Deckelung der EEG-Umlage, die für rund ein Viertel des Strompreises verantwortlich ist, senkt den durchschnittlichen Strompreis um rund 1 Prozent.

 

"Da die Netzgebühren im Bundesschnitt ansteigen, werden die Strompreise 2021 trotz EEG-Umlagen-Deckelung voraussichtlich auf hohem Niveau stagnieren. Verbraucher in Gebieten mit stark steigenden Netzentgelten müssen sogar mit Preiserhöhungen rechnen", so Storck.

 

Stromanbieter haben noch bis Mitte November Zeit, um zu entscheiden, ob sie Preiserhöhungen oder -senkungen an ihre Kunden weitergeben. Gibt es eine Preisänderung, haben Verbraucher immer ein Sonderkündigungsrecht. Wer dann den Anbieter vergleicht, spart derzeit bei einem Wechsel aus der Grundversorgung zum günstigsten, fairen Tarif durchschnittlich 450 Euro im Jahr ein.

 

Analyse: Deutsche zahlen weltweit den höchsten Strompreis

 

Deutsche Verbraucher zahlen im internationalen Vergleich die höchsten Strompreise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Preisanalyse von 135 Ländern, die das Vergleichsportal Verivox mit den Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices durchgeführt hat. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Strompreis hierzulande mehr als verdoppelt.

 

Strompreise in Deutschland über 2,5 Mal teurer als im internationalen Durchschnitt

Die Preisdaten zeigen: Strom ist in Deutschland durchschnittlich 163 Prozent teurer als im Rest der Welt. 32,10 Cent pro Kilowattstunde müssen Verbraucher hierzulande aufbringen – im internationalen Durchschnitt sind es nur 12,22 Cent. Auf Platz zwei folgt unser Nachbarland Dänemark. Hier kostet die Kilowattstunde 27,81 Cent. Auf den weiteren Plätzen liegen die Bahamas (27,73 Cent), Belgien (26,60 Cent), Portugal (26,40 Cent), Kap Verde (24,94 Cent), Japan (24,65 Cent), Barbados (24,48 Cent), Ruanda (23,86 Cent) und Irland (23,70 Cent).

 

Im weltweiten Vergleich am günstigsten ist Strom im Sudan. Hier kostet eine Kilowattstunde 0,24 Cent, gefolgt von Äthiopien (0,90 Cent). In Kirgisistan (1,03 Cent), Simbabwe (1,22 Cent), Libyen (1,24 Cent), Angola (1,77 Cent), Oman (2,30 Cent), Irak und Kuwait (je 2,59 Cent) sowie Usbekistan (2,66 Cent) liegen die Kosten ebenfalls im niedrigen Centbereich.

 

Auch in anderen großen Industriestaaten ist Strom zum Teil erheblich günstiger als in Deutschland. So müssen private Verbraucher in den USA mit 13,03 Cent für eine Kilowattstunde nicht einmal die Hälfte dessen zahlen, was Verbraucher hierzulande schultern. In Saudi-Arabien, Russland, Mexiko, China, Indien, Argentinien, Indonesien, der Türkei, in Kanada und Südkorea werden weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde Strom fällig.

 

Kaufkraftbereinigt: Deutschland teuerster G-20-Staat

 

Selbst wenn das unterschiedliche Preisniveau zwischen den Ländern berücksichtigt wird, liegt Deutschland im weltweiten, kaufkraftbereinigten Strompreisvergleich auf Platz 16 und ist damit der teuerste G-20-Staat. Dahinter folgen mit Abstand Italien und die Türkei. Im kaufkraftbereinigten Vergleich am teuersten ist Strom in Ruanda, gefolgt von Nicaragua und Burkina Faso. Am günstigsten ist es im Sudan, in Äthiopien und in Simbabwe.

 

Deutscher Strompreis hat sich mehr als verdoppelt

 

Verivox erhebt seit dem Jahr 2004 Strompreisdaten für Deutschland und berücksichtigt neben den Grundversorgungspreisen auch die Preise der 30 wichtigsten überregionalen Versorger, gewichtet nach den Wechselquoten der Bundesnetzagentur. Nach Verivox-Berechnungen fällt der Wert für Deutschland im März 2020 mit 30,14 Cent/kWh etwas geringer aus, von Platz 1 der teuersten Stromländer ist Deutschland aber auch nach dieser Berechnung nicht zu verdrängen.

 

„Seit der Jahrtausendwende haben sich die Stromkosten hierzulande mehr als verdoppelt“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte von Verivox. „Das liegt vor allem am hohen Anteil von Steuern, Umlagen und Abgaben, der mittlerweile mehr als 50 Prozent des Strompreises ausmacht.“ So hat sich beispielsweise die EEG-Umlage, die den Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert, seit 2004 mehr als verzehnfacht.

 

Alte Kaminöfen: Stichtag beachten!

 

Ab 31. Dezember 2020 gelten strengere Feinstaubregeln für Kaminöfen.

Alle Öfen, die zwischen 1985 und 1994 eingebaut wurden, müssen mit Feinstaubfiltern nachgerüstet, komplett ausgetauscht oder außer Betrieb genommen werden.

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gibt Tipps zur umweltschonenden und energieeffizienten Nutzung von Kaminöfen.

Alte Kaminöfen geben neben wohliger Wärme auch eine erhebliche Menge Feinstaub ab. Neue Feuerstätten verbrennen effizienter als alte Kaminöfen, sie sparen somit Brennholz und produzieren weniger Feinstaub. Ab 2021 müssen daher Öfen, die zwischen 1985 und 1994 eingebaut wurden, mit Feinstaubfiltern nachgerüstet, komplett ausgetauscht oder außer Betrieb genommen werden. Für ältere Anlagen gilt diese Vorgabe schon länger. Darüber hinaus können Gemeinden und Kommunen je nach Luftqualität zeitweise Betriebsverbote für Feuerstätten aussprechen.

 

Jede Verbraucherin und jeder Verbraucher kann selbst etwas tun, um die Feinstaubemission zu verringern. Zu beachten ist:

 

nur unbehandeltes, gut abgelagertes, trockenes Brennholz verwenden

auf sehr hohe Raumtemperaturen verzichten

Wenn Holz als Brennstoff für eine komplette Heizanlage verwendet werden soll, eignen sich Holzpellets am besten, da sie erheblich weniger Feinstaubemissionen erzeugen. Außerdem werden Holzpellet-Anlagen mit bis zu 45 Prozent Zuschüssen gefördert.

 

Bei einer Neuanschaffung sollten Verbraucher auf eine gute Energieeffizienz achten. Sparsame Kaminöfen erreichen die Energieeffizienzklasse A+, die effizientesten Pelletöfen sogar A++. Wer eine Neuanschaffung plant, sollte auch bedenken, dass Heizen mit Brennholz häufig teurer ist, als gedacht. Der Brennstoff selbst ist zwar meist preiswerter als Erdgas oder Heizöl, Kamine und Öfen haben jedoch oft höhere Wärmeverluste, da sie den Brennstoff schlechter ausnutzen. Somit wird mehr Brennstoff benötigt. Inwiefern es sich lohnt, eine Holzfeuerstätte an das zentrale Heizungsnetz anzuschließen, beantworten die Energieberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und geben darüber hinaus viele generelle Empfehlungen zum Einbau einer Holzfeuerstätte. Weitere Informationen gibt es auf verbraucherzentrale-energieberatung.de oder kostenlos unter 0800 – 809 802 400.

 

Heizöl und Gas günstig wie nie – Inflation stagniert

 

Heizöl ist aktuell historisch günstig. Im August kosteten 2.000 Liter im Schnitt 814 Euro – so wenig, wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Allein 2020 sank der durchschnittliche Heizölpreis um 36 Prozent.

 

Auch der Gaspreis erreicht im August den niedrigsten Wert seit zehn Jahren: 20.000 kWh kosteten im Schnitt 1.154 Euro.

 

Das hatte einen starken Effekt auf die Inflation, die zuletzt stagnierte. Im August 2020 hat sich das Preisniveau in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat nicht verändert. Die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe gingen in diesem Zeitraum deutlich zurück – um 6,3 Prozent.

 

„Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden schwachen Weltkonjunktur sind die Energiepreise 2020 deutlich gesunken, dazu kommt seit Juli der niedrigere Mehrwertsteuersatz“, sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. „Deshalb sind Heizöl und Gas aktuell so günstig.“

 

Mehrbelastung durch CO2-Bepreisung ab Januar 2021: jährlich 158 Euro für Heizöl, 119 Euro für Gas

 

Ab Januar 2021 kommen wieder höhere Energiepreise auf Verbraucher zu. Dann werden für den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid (CO2) 25 Euro fällig. Ein Musterhaushalt mit 20.000 kWh Energieverbrauch wird dann um 158 Euro (Heizöl) bzw. 119 Euro (Gas) pro Jahr zusätzlich belastet.

 

„Weil für Heizöl höhere Emissionen veranschlagt werden als für Gas, kommen auf Verbraucher mit Ölheizung höhere zusätzliche Kosten zu“, sagt Lasse Schmid. „Bei 20.000 kWh Verbrauch müssen Haushalte mit Gasheizung 119 Euro Mehrkosten pro Jahr einplanen, Ölkunden werden mit 158 Euro zusätzlich belastet.“

 

Bis 2025 steigt der CO2-Preis schrittweise auf 55 Euro je Tonne. Die Mehrkosten liegen dann bei 347 Euro (Heizöl) bzw. 262 Euro (Gas) jährlich.

 

„Gegen eine zu hohe Energierechnung hilft nur ein Anbieterwechsel“, sagt Lasse Schmid. „Verbraucher sparen dabei leicht einige Hundert Euro.“

 

Anbieterwettbewerb senkt Gaspreis – Gesamtersparnis von 170 Mio. Euro im Jahr

 

Die Tarife der alternativen Gasanbieter unterschreiten die allgemeine Preisentwicklung deutlich. Der intensive Wettbewerb unter den Anbietern führt zu sinkenden Gaspreisen. So sparten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 170 Mio. Euro. Das ergab eine repräsentative Studie der WIK-Consult, einer Tochter des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK).

 

Steuern sparen bei der energetischen Sanierung

 

Die Bundesregierung hat 2020 neue steuerliche Förderungen für die energetische Sanierung eingeführt. Immobilienbesitzer können im Rahmen des „Klimapakets“ Aufwendungen für energetische Sanierungen von selbstgenutztem Wohneigentum in beträchtlicher Höhe steuerlich geltend machen – sofern dem Finanzamt eine Bescheinigung vom ausführenden Fachbetrieb zur Durchführung der Maßnahmen vorgelegt wird. Darauf weist die Wüstenrot Bausparkasse AG hin.

 

Energetische Sanierungen am selbstgenutzten Wohneigentum können – sofern dieses älter als zehn Jahre ist – die Steuerlast eines Immobilienbesitzers um maximal 40.000 Euro senken. Voraussetzung dafür sind eigene Investitionen von bis zu 200.000 Euro – und eine Bescheinigung über die Durchführung der baulichen Maßnahmen durch den ausführenden Fachbetrieb. Dies geschieht auf einem behördlich vorgegebenen Musterformular – gegebenenfalls auch elektronisch. Ohne die Bescheinigung, die dem Finanzamt im Rahmen der Steuererklärung vorgelegt wird, gibt es keine Steuerermäßigung.

 

Einen Steuervorteil können Wohneigentümer übrigens auch dann erhalten, wenn sie die Immobilie, die energetisch saniert wird, nur in Teilen selbst bewohnen – etwa bei einem Mehrfamilienhaus. Die Steuerermäßigung fällt dann anteilig aus.

 

Auch im Rahmen einer Wohnungseigentums-gemeinschaft (WEG) können Immobilienbesitzer von Steuererleichterungen profitieren. Bauliche Maßnahmen zur energetischen Sanierung kann hier der WEG-Verwalter für alle beteiligten Wohnungseigentümer zentral beauftragen – nicht jeder Besitzer muss also gesondert tätig werden. Die ihnen zustehende Steuerförderung aus den Maßnahmen der WEG zur energetischen Sanierung können die einzelnen Wohnungseigentümer dann entsprechend ihrem Miteigentumsanteil prozentual steuerlich geltend machen. Dafür kann der Verwalter den Eigentümern Abschriften der Bescheinigungen zur Verfügung stellen und darauf deren Eigentumsanteil vermerken.

 

Wer die selbstgenutzte Eigentumswohnung allein saniert, profitiert auch allein. Aufwendungen zur energetischen Sanierung, die innerhalb einer WEG klar einer bestimmten Wohnung zugeordnet werden können, kommen steuerlich auch nur dem Eigentümer dieser Wohnung zugute. Dessen Steuerlast verringert sich entsprechend.

 

Preistief: Heizöl-Kunden sollten sich rechtzeitig eindecken

 

Für Verbraucher mit Ölheizung lohnt es sich, den Tank in diesem Jahr so voll wie möglich füllen zu lassen. So können sie noch von der niedrigeren Mehrwertsteuer profitieren und vermeiden für eine Weile den CO2-Preis, der ab 2021 Heizöl zusätzlich verteuern wird. Darauf weisen die Energieexperten des Vergleichsportals Verivox hin.

 

Heizölpreis war im Mai am niedrigsten

 

Laut Statistischem Bundesamt ist der durchschnittliche Heizölpreis für private Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr stetig gesunken. Im Januar 2020 lag er bei brutto 65,10 Euro pro Hektoliter (hl). Im Zuge von Corona- und Wirtschaftskrise erreichte er im Mai einen Tiefstand von brutto 41,38 Euro/hl.

 

Seither haben die Ölpreise wieder leicht angezogen. Im Juli lag der durchschnittliche Bruttopreis trotz der verringerten Mehrwertsteuer bei 44,09 Euro/hl.

 

"Heizölkunden, die noch nennenswerten Platz in ihrem Tank haben, sollten ihn möglichst bald auffüllen lassen", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. "Unabhängig von der weiteren Entwicklung des Nettopreises können sie so die geringere Mehrwertsteuer nutzen und den kommenden CO2-Preis zumindest hinauszögern."

 

CO2-Preis verteuert Heizöl deutlich

 

Ab 1. Januar 2021 kostet der Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid 25 Euro. Dieser CO2-Preis steigt bis 2025 auf 55 Euro an. Ein Liter Heizöl kostet durch den CO2-Preis im kommenden Jahr rund 8 Cent mehr, im Jahr 2025 sind es dann schon rund 17 Cent.

 

Dadurch steigen die zusätzlichen Kosten für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 2.000 Litern Heizöl von 158 Euro im Jahr 2021 auf 348 Euro im Jahr 2025.

 

"Ölheizungen sind Auslaufmodelle, auch wenn sie nach wie vor weit verbreitet sind", sagt Thorsten Storck. "Wer eine veraltete Ölheizung betreibt, sollte sich über Möglichkeiten zur Modernisierung informieren. Die Fördermittel dafür wurden in diesem Jahr noch weiter ausgebaut. Beim Austausch einer Ölheizung werden bis zu 45 Prozent der Kosten erstattet."

 

100 Städte: Anbieterwechsel senkt Gaskosten um mehr als die Hälfte

 

Ein Gasanbieterwechsel lohnt sich laut Check24 mehr denn je: Ein Musterhaushalt (20.000 kWh Jahresverbrauch) spart bis zu 56 Prozent seiner Gaskosten, wenn er beispielsweise in Schwerin aus der Grundversorgung zum günstigsten Alternativanbieter wechselt. Auf ein Jahr gesehen entspricht das 1.109 Euro. Im Schnitt der 100 größten deutschen Städte zahlt eine Familie beim günstigsten Alternativanbieter jährlich 44 Prozent bzw. 636 Euro weniger als in der Grundversorgung.

 

Preise für alternative Gastarife auf niedrigstem Stand der vergangenen zehn Jahre

 

Ein Grund für das große Sparpotenzial: Die Preise der alternativen Gasanbieter fallen seit Februar 2019 kontinuierlich. Im Juli 2020 kosteten 20.000 kWh im Schnitt der zehn günstigsten Alternativanbieter 879 Euro. Das ist der niedrigste Stand der vergangenen zehn Jahre.

 

"Die alternativen Anbieter haben ihre Gaspreise in der Vergangenheit deutlich gesenkt, sodass die Preisschere zwischen Grundversorgung und Alternativtarifen immer größer wird", sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. "Mit einem Wechsel aus der Grundversorgung reduzieren Kunden ihre Gasrechnung um mehr als die Hälfte."

 

Anbieterwettbewerb senkt Gaspreis - Gesamtersparnis von 170 Mio. Euro im Jahr

 

Die Tarife der alternativen Gasversorger sind deutlich günstiger als die Grundversorgung. So sparten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 170. Mio Euro. Das ergab eine repräsentative Studie der WIK-Consult, einer Tochter des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK).

 

Kosten für energetische Sanierungen absetzen: Bis zu 40.000 Euro Steuervorteil möglich

 

Die Modernisierung des Eigenheims erhöht die Wohnqualität, dient dem Werterhalt des Objekts und kann Energiekosten sparen sowie die Umwelt schützen. Und dank der staatlichen Förderung kann ein spürbarer Teil der Kosten bei der Steuererklärung zurückgeholt werden, erklärt die LBS Bayern.

 

Bei Maßnahmen, die der energetischen Sanierung einer selbstgenutzten, eigenen Wohnimmobilie dienen, können 20 Prozent der gesamten Aufwendungen - also Arbeits- und Materialkosten - verteilt über drei Jahre von der Einkommensteuerschuld abgezogen werden. Dies gilt für Kosten bis zu 200.000 Euro. Also werden maximal 40.000 Euro vom Staat erstattet. Die Kosten für die Planung und Begleitung entsprechender Maßnahmen durch einen Fachmann, können sogar zu 50 Prozent berücksichtigt werden.

 

Zu den geförderten Maßnahmen zählen zum Beispiel die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken, die Erneuerung von Fenstern oder Außentüren, der Einbau einer Lüftungsanlage, die Erneuerung oder Optimierung der Heizungsanlage oder auch der Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung.

 

Um in den Genuss der Förderung zu kommen, ist kein Antrag erforderlich. Die steuerliche Förderung wird mit der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt geltend gemacht, erstmalig für das Steuerjahr 2020 im Jahr 2021, so die LBS Bayern. Die Maßnahmen müssen aber durch eine spezielle Bescheinigung des ausführenden Betriebs oder eines Energieberaters bestätigt werden. Bei Handwerkerleistungen, die nicht der energetischen Gebäudesanierung dienen, sind nach wie vor 20 Prozent der Arbeitskosten steuerlich absetzbar. Das gilt für Arbeitskosten von bis zu 6000 Euro pro Jahr. Maximal gibt es hierfür also 1200 Euro bei der Steuererklärung zurück.

 

Mehrwertsteuer-Entlastung kommt bei vielen Stromkunden nicht an

 

Ausgerechnet da, wo Strom ohnehin teuer ist, haben Versorger seit Jahresbeginn kräftig erhöht: In der Grundversorgung sind die Strompreise um 3,5 Prozent gestiegen. Selbst die Senkung der Mehrwertsteuer schafft hier keinen Ausgleich mehr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox. Dass es auch anders geht, zeigen die Alternativanbieter.

 

Trotz reduzierter Mehrwertsteuer: Mehrkosten in der Grundversorgung

 

Rund jeder vierte Haushalt in Deutschland bezieht laut Bundesnetzagentur noch Strom über den örtlichen Grundversorgungstarif. Hier stiegen die Stromkosten zwischen Januar und Juni von 32,51 auf 33,66 Cent pro Kilowattstunde (kWh) – ein Anstieg um 3,5 Prozent. Durch die reduzierte Mehrwertsteuer sank der Strompreis im Juli zwar auf 32,81 Cent pro kWh – liegt damit aber immer noch knapp ein Prozent höher als zu Jahresbeginn.

 

„Trotz überdurchschnittlich hoher Stromkosten in der Grundversorgung haben die Versorger im Jahresverlauf weiter kräftig an der Preisschraube gedreht“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Die durch die Senkung der Mehrwertsteuer erhoffte Entlastung kommt deshalb bei vielen Stromkunden gar nicht an“, so Storck weiter.

 

Preise der Alternativanbieter sinken

 

Dabei geht es auch anders. Das zeigen die Stromanbieter, die in Konkurrenz zu den Grundversorgern stehen. Die günstigsten Tarife der Wettbewerber sind von Januar bis Juli bundesweit um 11 Prozent gesunken, unter Berücksichtigung der reduzierten Mehrwertsteuer sogar um 13 Prozent.

 

Ein Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden kann durch den Wechsel von der Grundversorgung hin zum günstigsten verfügbaren Angebot mit fairen Vertragsbedingungen im bundesweiten Schnitt aktuell 407 Euro pro Jahr einsparen.

 

„Viele Verbraucher haben die Befürchtung, dass der Anbieterwechsel kompliziert ist. Dabei dauert er nur wenige Minuten. Es sind keine technischen Änderungen notwendig, die Kündigung übernimmt der neue Anbieter und die unterbrechungsfreie Belieferung ist gesetzlich garantiert“, so Storck.

 

Photovoltaik-Anlagen lohnen sich weiter – 52-Gigawatt-Deckel kommt nicht

 

Das befürchtete Ende der Einspeisevergütung für Solarstrom kommt nun doch nicht. Der Bundestag hat die Abschaffung des so genannten 52-Gigawatt-Deckels beschlossen. Damit kann die private Stromerzeugung durch Photovoltaik-Anlagen weiter durch die Einspeisevergütung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetztes gefördert werden.

 

Großes Potenzial für den Klimaschutz

 

Eine private Photovoltaik-Anlage kann rund 30 Prozent des eigenen Strombedarfs decken, teilt die Verbraucherzentrale Bayern mit. Bei einem Haushalt mit vier Personen und einem jährlichen Verbrauch von 3.000 Kilowattstunden sinkt die jährliche CO2-Emission um etwa 500 Kilogramm. Obwohl die Einspeisevergütung weiter sinkt, kann eine neue Photovoltaik-Anlage auch heute noch kostendeckend oder mit Gewinn betrieben werden. Grund sind die in den vergangenen Jahren immer preisgünstiger gewordenen Solarmodule.

 

Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern wird oft überschätzt

 

Ein Batteriespeicher im Haus kann den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms deutlich erhöhen. Allerdings verschlechtern die Batterien in der Regel die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Anlagen. Dies liegt an den hohen Anschaffungskosten für die Batterien und deren begrenzter Lebensdauer. Wer sein Elektrofahrzeug mit eigenem Solarstrom betankt, kann den Eigenverbrauchsanteil ebenfalls erhöhen. „Oft reichen Kapazität und Ladestrom eines Batteriespeichers nicht zum vollständigen Laden der Fahrzeugbatterie aus. Wenn möglich sollte man tagsüber direkt aus dem Überschuss der Photovoltaik-Anlage laden. Photovoltaik-Anlage, Speicher und intelligente Ladestation müssen aufeinander abgestimmt sein“, empfiehlt die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern.

 

Vor der Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage sollte eine unabhängige Beratung stattfinden. Hierfür bietet sich der Eignungs-Check Solar der Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern an. Termine können unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 - 809 802 400 vereinbart werden. Weitere Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

 

Solarstromanlagen: "Schwarze Schafe" erkennen

 

Immer mehr Eigenheimbesitzer sehen die Vorteile einer Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach: selbst produzierten Strom verbrauchen, Geld sparen und dazu noch das Klima schützen. Doch das gestiegene Interesse an der Solarenergie lockt auch unseriöse Geschäftemacher an. Diese versuchen vermehrt mit dubiosen Methoden Hausbesitzer zu schnellen Geschäftsabschlüssen bei Photovoltaikanlagen zu bewegen.

 

In den vergangenen Wochen sind vermehrt Beschwerden über Firmen eingegangen, die Verbraucher am Telefon oder an der Haustür Solaranlagen verkaufen wollen. „In unseren Beratungsgesprächen hören wir immer öfter von grenzwertigen Vertriebsmaschen, Verweigerung von Widerrufsrechten und falsch eingebauten Komponenten“, sagt Matthias Bauer, Abteilungsleiter Bauen, Wohnen, Energie bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Besondere Vorsicht ist geboten, da die Unternehmen oft vorgeben, im Auftrag von lokalen Stadtwerken oder gar der Landesregierung Baden-Württemberg anzurufen. Das ist aber gar nicht der Fall, solche Firmen sind nicht seriös.

 

Es ist daher wichtig keine sensiblen Daten wie Zählerstände, Informationen zu bestehenden Verträgen oder Kontoverbindungen weiterzugeben. „Wer einen Vertrag am Telefon abschließt, es sich aber anschließend anders überlegt, muss schnell handeln. Denn nur innerhalb von 14 Tagen kann der Vertrag widerrufen werden. Zudem gibt es seit einigen Jahren das „Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“, welches Telefonwerbung und damit zusammenhängende Telefonabzocke verhindern soll. So ist ein Anruf bei fehlender Einwilligung ein unerlaubter Werbeanruf, der von der Verbraucherzentrale abgemahnt werden und den die Bundesnetzagentur mit bis zu 300.000 EUR Bußgeld ahnden kann.“, so Bauer weiter.

Generell empfiehlt es sich beim Thema Photovoltaik mehrere Angebote von verschiedenen Anbietern einzuholen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bietet anbieterunabhängige Hilfe bei der Beurteilung von Angeboten an. Termine können unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 809 802 400 vereinbart werden. Mehr Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de.

 

BDH: Jede zweite Heizung in Deutschland ist veraltet

 

56 Prozent der insgesamt ca. 21 Millionen in Deutschland installierten Heizungen sind technisch veraltet und damit unzureichend effizient. Das ist das zentrale Ergebnis der Erhebungen, die der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) und der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) jährlich durchführen. "Über die Hälfte der Heizungsanlagen ist 20 Jahre alt und älter. Wir sollten unsere Kunden darauf hinweisen, dass diese Anlagen mittlerweile als energetisch ineffizient anzusehen sind", so Oswald Wilhelm, Präsident des ZIV. Dem Stand der Technik entsprechen gerade einmal 5,1 Millionen Gas- oder Öl-Brennwertanlagen sowie die Anlagen, die erneuerbare Energien einkoppeln. Dies trifft auf die rund 0,9 Millionen Biomassekessel, eine Million Wärmepumpen sowie 2,4 Millionen Brennwertgeräte in Kombination mit einer solarthermischen Anlage zu. "Der Blick auf den Anlagenbestand macht deutlich, dass die dringend benötigte Wärmewende noch in weiter Ferne liegt", kommentiert BDH-Präsident Uwe Glock. "Im Sinne des Klimaschutzes und der Erreichung der Klimaziele müssen die enormen Potenziale des Wärmemarktes beschleunigt gehoben werden."

 

Weiterfinanzierung der Förderung sicherstellen

 

Der Klimaschutzplan der Bundesregierung sieht vor, dass im Gebäudesektor die Treibhausgasemissionen von 119 Mio. Tonnen (Referenzjahr 2014) bis zum Jahr 2030 auf 72 Millionen Tonnen reduziert werden müssen. Im Rahmen des Green Deal der EU werden diese Ziele gegebenenfalls weiter verschärft. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung zu Beginn des Jahres im Rahmen des Klimapakets die Förderung für effiziente Heizsysteme vereinfacht und aufgestockt. "Die neue Förderung zeigt erste positive Markteffekte", erläutert BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke. "Wir brauchen eine verlässliche Ausfinanzierung der beschlossenen Förderprogramme von KfW und BAFA. Ein Förderstopp würde den derzeit noch positiven Marktverlauf abrupt unterbrechen", so Lücke weiter.

 

Studie: Unabhängige Ökostromanbieter 2020

 

In den Ökostromtarifen der Versorger steckt häufig nicht nur "grüner Strom". Für klimabewusste Verbraucher sind besonders unabhängige Anbieter interessant: Diese beziehen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Und gegenüber der Grundversorgung können diese Tarife sogar ein Preistipp sein: Durch einen Wechsel lassen sich die Kosten im Schnitt um fast sechs Prozent senken. Das zeigt die Studie des Deutschen Instituts für Service-Qualität, welches im Auftrag des Nachrichtensenders ntv sechs unabhängige Ökostromanbieter getestet hat.

 

Ökostrom kein Kostentreiber

 

Mit der Wahl eines unabhängigen Anbieters entscheidet sich der Kunde bewusst für einen Stromtarif, der nicht der allergünstigste auf dem Markt ist. Dennoch kann auch "grüner Strom" preislich attraktiv sein, vor allem für Verbraucher, die einen teuren Grundversorger-Tarif nutzen: Mit dem jeweils günstigsten Ökostromanbieter lassen sich die jährlichen Kosten um durchschnittlich 5,6 Prozent senken. In Hamburg liegt das Sparpotenzial gegenüber der Grundversorgung in allen Verbrauchszenarien sogar bei über zehn Prozent. Die Preisunterschiede fallen zwischen den sechs getesteten Ökostrom-Unternehmen in den einzelnen Metropolen insgesamt relativ gering aus. Überregional gibt es beim Preisniveau allerdings Unterschiede: Der Strom ist in Hamburg deutlich teurer als in Berlin und München.

 

Service als Entscheidungshilfe

 

Die getesteten Ökostromversorger bieten einen befriedigenden Service, der aber besser ausfällt als die Leistungen der gesamten Branche der Stromanbieter; immerhin jedes zweite Unternehmen erzielt das Qualitätsurteil "gut". Positiv schneiden die Internetauftritte ab, die oft mit einem hohen Informationswert und Nutzerfreundlichkeit punkten können. Einen guten Service am Telefon oder per E-Mail bieten aber nur jeweils zwei Unternehmen. Auffällig: Die Vertragsbedingungen der unabhängigen Ökostromanbieter sind gegenüber der Gesamtbranche kundenfreundlicher; Mindestlaufzeiten von nur einem Monat sind beispielsweise Standard.

 

Markus Hamer, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Service-Qualität: "Massive Preisunterschiede sind zwischen den Ökostrom-Spezialisten nicht zu verzeichnen. Umso mehr Gewicht haben die Serviceleistungen der Anbieter, die bei einem geplanten Wechsel mitbedacht werden sollten."

 

Die besten unabhängigen Ökostromanbieter

 

Testsieger der unabhängigen Ökostromanbieter ist Polarstern (Qualitätsurteil: "sehr gut"). Der Versorger erzielt sowohl im Service als auch bei den Konditionen das jeweils beste Ergebnis. Im Schnitt müssen Anrufer nur drei Sekunden auf die Gesprächsannahme warten und somit um ein Vielfaches kürzer als branchenüblich (fast 50 Sekunden). Die Antworten auf E-Mail-Anfragen sind strukturiert und inhaltlich stets korrekt. Polarstern bietet zudem ausgesprochen preisgünstige Konditionen und die im Anbietervergleich kundenfreundlichsten Vertragsbedingungen.

 

Den zweiten Rang belegt Naturstrom (Qualitätsurteil: "gut"). Vor allem die Konditionen überzeugen: Die Tarifpreise liegen stets unter dem Branchenschnitt - gegenüber dem teuersten Mitbewerber sparen Kunden bei Naturstrom bis zu 10,3 Prozent (Szenario: 2.000 kWh, Hamburg). Auch die Vertragsbedingungen fallen aus Verbrauchersicht positiv aus. Im Bereich Service punktet der Versorger mit einem guten Internetauftritt.

 

Bürgerwerke positioniert sich auf Rang drei, ebenfalls mit einem guten Gesamtergebnis. Ausschlaggebend für das positive Abschneiden sind die sehr guten Konditionen und der bester E-Mail-Service im Test. 75 Prozent aller Antworten gehen bereits innerhalb eines Tages beim Kunden ein; die Auskünfte per E-Mail fallen zudem sehr kompetent aus.

 

Das Deutsche Institut für Service-Qualität testete sechs unabhängige Ökostromanbieter. Die Servicequalität wurde bei jedem Unternehmen anhand von je zehn verdeckten Telefon- und E-Mail-Tests, je zehn Prüfungen der Internetauftritte durch geschulte Testnutzer und einer detaillierten Inhaltsanalyse der Website ermittelt. Es flossen 186 Servicekontakte mit den Unternehmen in die Auswertung ein. Die Serviceresultate wurden im Rahmen der vorgeschalteten DISQ-Studie "Stromanbieter 2020" ermittelt (Erhebungszeitraum: 14.11.2019-13.01.2020). Zudem erfolgte eine Analyse der Konditionen mit umfassender Bewertung der Vertragsbedingungen und der Preise/Kosten der jeweils günstigsten Ökostromtarife (Datenstand: 17.03.2020). Die Erhebung wurde in den drei Großstädten Berlin, Hamburg und München auf der Basis verschiedener Nutzerprofile durchgeführt.

 

Tarif-Hopper sind für Energieanbieter oft unerwünschte Kunden

 

Verbraucher, die aus Kostengründen ihren Energieanbieter wechseln wollen, werden immer häufiger als Neukunden abgelehnt.

 

Nach Untersuchungen des Internetportals "Wechselpilot" machen besonders häufig Vattenfall und GASAG von ihrem Recht Gebrauch, Kunden einen Vertrag zu verweigern. "Wechselpilot" hat sich aktuell 20.000 Verträge angeschaut. Demnach lehnt Vattenfall 22 Prozent und die GASAG 27 Prozent der Kunden ab.

 

"Es betrifft vermehrt Kunden, die von sogenannten Billig Energieanbietern kommen und die wenig Energie verbrauchen", sagt der Gründer des Wechselportals "Wechselpilot", Jan Rabe, gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin "SUPER.MARKT" .

 

Für Firmen sind die Bonuszahlungen im ersten Jahr nur ein Lockmittel für Kunden. Gewinne machen sie mit ihnen erst im zweiten und dritten Jahr. "Ein Kunde, der dauernd wechselt, ist nicht der Attraktivste. Der Fokus liegt vielmehr darauf, einen Kunden zu gewinnen, der lange bleibt", so Rabe weiter.

 

Vattenfall betont auf Nachfrage des rbb-Verbrauchermagazins "SUPER.MARKT" , dass es sich nur um Einzelfälle handle, die in der Vertragsführung oder dem Zahlungsverhalten der Kunden begründet seien. Auch die GASAG spricht von nur 15 Prozent Ablehnung. Grund sei, dass man nicht als Discounter am Markt auftreten wolle.

 

Jan Rabe von Wechselpilot hingegen fordert vor allem eine schnellere Information an die Kunden, ob der angestrebte Wechsel des Energieanbieters klappt. Denn zurzeit würden die Unternehmen erst nach bis zu zwei Monaten erklären, ob der neue Vertrag zu Stande kommt. Dann sei der alte Anbieter aber oft schon gekündigt und eine Rückkehr mitunter mit finanziellen Nachteilen verbunden.

 

Deutsche Haushalte bezahlen 39 Milliarden Euro für Strom

 

Im Jahr 2020 werden die Haushalte in Deutschland rund 39 Milliarden Euro für Strom bezahlen. Laut einer Analyse der Energieexperten von Verivox sind das rund 3 Milliarden Euro mehr als noch zwei Jahre zuvor.

 

Höhere Strompreise führen zu Mehrausgaben

 

Der private Stromverbrauch in Deutschland lag laut der AG Energiebilanzen im Jahr 2018 bei knapp 130 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Damals lag der bundesweite Durchschnittspreis für eine Kilowattstunde Strom bei rund 28 Cent, was Gesamtkosten von 36 Milliarden Euro für die deutschen Haushalte entspricht. Im Jahr 2020 ist der Strompreis auf durchschnittlich 30 Cent angestiegen. Bei gleichbleibendem Stromverbrauch steigt die Belastung der Haushalte dadurch um 3 Milliarden Euro auf insgesamt rund 39 Milliarden Euro. "Über die Stromrechnungen der Deutschen kommt eine gewaltige Summe zusammen", sagt Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. "Zuletzt haben höhere Netzgebühren und die gestiegene EEG-Umlage die Preise auf ein neues Allzeithoch gehoben. Nirgendwo sonst in Europa ist der Strompreis so hoch."

 

Der meiste Strom wird in der Küche verbraucht

 

Fast ein Drittel des Stromverbrauches der deutschen Haushalte entfällt auf Kochen und sonstige Prozesswärme. Darauf folgen Kühlschränke und Gefriergeräte, die ein knappes Viertel des gesamten Stromverbrauchs ausmachen. Die Geräte im Arbeits- und Wohnzimmer kommen auf einen Anteil von rund 17 Prozent. Die Beleuchtung der Wohnung verursacht nur 8 Prozent des gesamten Stromverbrauchs eines Haushaltes. "Natürlich sollte man Lichter löschen, die nicht benötigt werden. Mehr Strom lässt sich jedoch durch klugen Umgang mit Herd, Ofen und Kühlschrank sparen", sagt Valerian Vogel. "Hier können kleine Verhaltensänderungen im Alltag große Auswirkungen auf die Stromrechnung haben."

 

Krise von Energielieferanten: Gibt es Anzeichen?

 

Marktwächter Energie untersucht Vorgehensweise von wirtschaftlich in eine Schieflage geratenen Energielieferanten

 

Energieunternehmen in der Krise

 

Teldafax, Care Energy, BEV sind nur drei Energie-unternehmen, die einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen mussten – die gesamte Liste betroffener Energieunternehmen ist viel länger. Für Kundinnen und Kunden der insolventen Anbieter kann es teuer werden, denn häufig verlieren sie in diesen Fällen Geld. Der Marktwächter Energie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hat daher untersucht, ob es bestimmte Vorgehensweisen von Energielieferanten gibt, an denen Verbraucherinnen und Verbraucher eine Unternehmenskrise erkennen können.

 

Zuletzt hat es der Fall Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) gezeigt: Meldet ein Energielieferant Insolvenz an, ist es für Kunden gegebenenfalls schon zu spät: Guthaben und Boni werden nicht mehr oder nur noch in geringem Umfang ausbezahlt, die Kunden verlieren dadurch Geld. Häufig geht der Insolvenz eine Unternehmenskrise voraus. Für Verbraucher ist es allerdings schwierig zu erkennen, ob sich ein Unternehmen gerade in einer existenzgefährdenden Situation befindet.

 

Jede Krise verläuft unterschiedlich. Auch die Maßnahmen, die die Unternehmen einleiten, um eine akute, schwierige Geschäftssituation zu bewältigen, unterschei-den sich. „Es gibt keine bestimmten Vorgehensweisen von Energielieferanten, an-hand derer Verbraucher eine Unternehmenskrise eindeutig ausmachen können“, sagt Fabian Tief, Referent beim Marktwächter Energie. „Häufen sich allerdings bestimmte Vorgehensweisen, könnte dies ein Anzeichen dafür sein, dass sich das Unternehmen in einer Schieflage befindet.“

 

Im Rahmen der Untersuchung haben die Experten des Marktwächter Energie verschiedene ihnen vorliegende Fälle von Kunden der zwischenzeitlich insolventen Unternehmen BEV und e:veen ausgewertet. Neben der verzögerten Auszahlung von Geldern wie Guthaben und Boni beschwerten sich betroffene Verbraucher auch über nicht rechtzeitig erstellte Rechnungen und einen schlecht erreichbaren Kundenservice. Weitere Beschwerden bezogen sich auf versteckte Preiserhöhungen oder eine Erhöhung der Abschlagszahlung, obwohl der Verbrauch nicht abgelesen wurde. Keines dieser Anzeichen ist allerdings für sich allein betrachtet ein eindeutiger Hinweis auf eine Krise, da beispielsweise für einzelne Vorgehensweisen auch technische Probleme im Unternehmensablauf ursächlich sein könnten.

 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht hier auch die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde in der Pflicht. Denn bei der Bundesnetzagentur laufen alle Marktinformationen zusammen. Sie ist zudem berechtigt, Auskünfte von Energieunternehmen einzufordern und somit in der Lage, Krisen frühzeitig zu erkennen. „Im Interesse der Verbraucher sollte die Bundesnetzagentur ihre Aufsichtsrechte rechtzeitig und umfänglich nutzen“, so Philipp von Bremen, Geschäftsbereichsleiter des Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. Aus Sicht des vzbv könnte sie Verbraucher rechtzeitig über auffällige Energieanbieter informieren.

 

Smart Meter: Tipps für Verbraucher - Vergleich von Kosten und Sparpotenzial

 

Mieter und Eigentümer können mit Smart Metern ihren Energieverbrauch und ihre CO2-Emssionen deutlich senken. Darauf weist die Kampagne "Meine Heizung kann mehr" der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online hin. Beim Einsatz von Smart Metern ist allerdings einiges zu beachten. Wichtig ist vor allem, die laufenden und einmaligen Kosten für ein Smart Meter zu prüfen - und mit dem persönlichen Sparpotenzial zu vergleichen.

 

Sparpotenzial bei Strom übersteigt Kosten für Smart Meter häufig

 

Ein Strom-Smart-Meter für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen im Einfamilienhaus kostet pro Jahr in der Regel maximal 60 Euro. Das Sparpotenzial liegt laut Studien im Schnitt bei 60 bis 150 Euro. Pro Haushalt können zwischen 100 und 260 kg CO2 vermieden werden.

 

Das persönliche Sparpotenzial beim Stromverbrauch kann allerdings auch kleiner sein. Dann rechnet sich ein Smart Meter womöglich nicht. Prüfen können Mieter und Eigentümer ihr Stromsparpotenzial zum Beispiel auf https://www.co2online.de/smart-meter. Außerdem sind zusätzliche Kosten möglich: vor allem durch einen Umbau des Zählerkastens. Das ist laut Verbraucherzentrale bei etwa einem Viertel aller Haushalte nötig.

 

Mit flexiblen Stromtarifen ist das Sparpotenzial von Smart Metern noch größer - vor allem für Nutzer von Wärmepumpen, Elektroautos, Stromspeichern oder anderen Geräten, die viel Strom verbrauchen. Solche Tarife sind allerdings noch vergleichsweise selten und nicht alle Smart Meter dafür geeignet.

 

Mieter können Smart Meter bis Ende 2020 frei wählen

 

Wer Eigentümer oder Mieter einer Wohnung oder eines Hauses ist, kann auch freiwillig ein Smart Meter einbauen lassen. Mieter können das für Strom noch bis Ende des Jahres selbst entscheiden. Danach ist es Sache des Vermieters.

 

Für den freiwilligen Einbau eines Smart Meters gibt es zwei Ansprechpartner:

   - Messstellenbetreiber mit Smart-Meter-Angebot oder

   - Stromanbieter mit Tarifen inklusive Smart Meter.

Allerdings gelten bei einem solchen freiwilligen Wechsel keine gesetzlichen Preisobergrenzen für Smart Meter. Für Umbauten am Zählerkasten oder andere Zusatzleistungen gelten generell keine Preisobergrenzen.

 

Smart Meter: Schnittstellen wichtig - auch Option für Erdgas

 

Bei der Auswahl eines Messstellenbetreibers oder Stromtarifs mit Smart Meter sollten Eigentümer und Mieter auch auf Schnittstellen achten. Denn nur wenige Smart Meter lassen sich bisher mit anderen Geräten wie privaten Ladesäulen für Elektroautos, Wärmepumpen oder Smart-Home-Zentralen verbinden.

Möglich ist der Einsatz von Smart Metern auch für Erdgas. Die Kosten für deren Einbau sind höher, das durchschnittliche Sparpotenzial allerdings auch. Für Wasser und Fernwärme sind Smart-Meter-Angebote für Privathaushalte dagegen noch selten.

 

Smart Meter selber machen

 

Für mehr Überblick beim Strom- oder Gasverbrauch ist ein Smart Meter nicht unbedingt nötig. Die Daten können auch auf anderen Wegen erfasst und ausgewertet werden.

   - Am einfachsten ist das Ablesen per Hand. Voraussetzung dafür ist ein Zugang zum Stromzähler. Apps wie der EnergieCheck von co2online erleichtern das Ablesen, Speichern und Auswerten der Zählerstände.

   - Für das automatische Ablesen an einem herkömmlichen oder digitalen Stromzähler können Sensoren mit Übertragungseinheit angebracht werden. Die Daten landen dann auf einem Display, in einem Speicher oder direkt in einer Online-Anwendung. Bei nach 2008 installierten Gaszählern gibt es eine entsprechende Schnittstelle.

   - Wer keinen Zugang zum Stromzähler hat, kann den Sicherungskasten nutzen: Elektriker können darin manuelle oder automatische Lösungen installieren - zum Beispiel Stromkabel-Sensoren oder Hutschienenzähler.

   - Für das Auswerten von Zählerständen bieten sich auch unabhängige Online-Portale wie das Energiesparkonto (https://www.energiesparkonto.de) an. Dort lassen sich Daten importieren und Veränderungen beim Stromverbrauch sichtbar

     machen.

 

Hintergrund: Pflicht für Strom-Smart-Meter

 

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wird die allgemeine Zulassung für Smart Meter erteilen. Damit greift die gesetzliche Pflicht zum Einbau von Smart Metern für Strom. Sie gilt

 

   - für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr,

   - für Betreiber von stromerzeugenden Anlagen wie Solaranlagen mit einer Nennleistung von über 7 Kilowatt (kW)

   - für Nutzer von Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung mit verringertem Netzentgelt.

 

Ab 2020 liegt die Entscheidung über den Einbau von digitalen Stromzählern (Smart Meter ohne Kommunikationsmodul) bei den Messstellenbetreibern, ab 2021 auch bei den Vermietern. Dann ist der Einbau zu dulden, so co2online.

 

Stromverbrauch von E-Mails senken

 

Jonas Weinknecht, Umwelt- und Klimaschutz-Experte von ERGO: Ohne E-Mails ist Kommunikation heute kaum mehr vorstellbar – ob im Job oder privat. Weltweit soll der Mailverkehr sogar noch weiter wachsen. Auf den ersten Blick sind die digitalen Nachrichten ressourcenschonend: kein Papier, kein Stift, keine Post-Logistik.

 

Energiesparen E-Mail-Postfach

 

Für die Übermittlung einer E-Mail ist stattdessen aber Energie notwendig. Zudem benötigen die Server, auf denen die E-Mails aus dem Postfach gespeichert sind, sehr viel Strom – und sind damit für die Produktion von viel CO2 verantwortlich. Aktuellen Forschungen zufolge sind die CO2-Emissionen von Rechenzentren, Computern und auch Smartphones weltweit schon heute höher als die von Flugreisen. Die gute Nachricht:

 

Mit wenigen Handgriffen können die Nutzer von E-Mail-Postfächern dazu beitragen, Energie und damit CO2 einzusparen:

 

Löschen: Das Postfach regelmäßig von Altlasten befreien. Das heißt: Alte Mails löschen und anschließend den Papierkorb leeren. Dabei auch den sogenannten Junk- oder Spam-Ordner nicht vergessen.

 

Keine E-Mails mit großen Anhängen: Sowohl der Versand selbst als auch die Speicherung von Mails mit großen Datei-Anhängen sind sehr energieaufwändig. Im Büro sind die Pfadnamen zu Ordnern auf dem Server eine speicherplatzsparende Alternative. Transferdienste sind eine weitere Möglichkeit: Hier können Nutzer große Dateien einfach an einen oder mehrere Empfänger senden. Die Dateien werden dort nach einer Woche wieder gelöscht.

 

E-Mail-Flut eindämmen: Wer viele Newsletter empfängt, sollte überprüfen, ob er wirklich alle benötigt oder nicht doch einige abbestellen könnte.

 

Umweltfreundliche Anbieter: Manche E-Mail-Anbieter achten besonders auf Nachhaltigkeit und betreiben ihre Rechenzentren mit Ökostrom.

 

Das gute alte Telefon: Manchmal ist es schneller und sparsamer, einfach zum Telefonhörer zu greifen.

 

 

Stromtarife mit Bonus lohnen sich nur bedingt

 

Eine Untersuchung des Marktwächters Energie zeigt: Verbraucher sparen bei Stromverträgen mit Bonuszahlung nur im ersten Jahr

 

Wer einen Stromvertrag abschließt, schaut fast immer auf den Preis. Ein Vertrag mit Bonuszahlung erscheint da mitunter auf den ersten Blick besonders günstig. Doch Verbraucher sparen bei solchen Tarifen nur im ersten Jahr, zeigt eine Untersuchung des Marktwächter Energie. Ab dem zweiten Jahr waren die untersuchten Tarife fast immer teurer als verbraucherfreundliche Vergleichstarife, meist sogar im Vergleich zur Grundversorgung. Außerdem erhält nicht jeder Kunde den Bonus, da dessen Auszahlung teilweise an bestimmte Bedingungen geknüpft wird.

 

Verbrauchern erscheinen Bonustarife von Stromanbietern in Vergleichsportalen oft besonders günstig. Doch die Einsparungen sind überschaubar. „Die jährliche Ersparnis im Vergleich zu verbraucherfreundlichen Tarifen betrug im Durchschnitt nur 44 Euro“, sagt Marie Barz, Referentin beim Marktwächter Energie. Im zweiten Vertragsjahr rentierten sich die untersuchten Tarife nicht mehr. Sie waren meist sogar teurer als die Grundversorgung. Auch wenn die durchschnittlichen Kosten über einen Zeitraum von zwei Vertragsjahren verglichen werden, waren die Bonustarife immer teurer als die verbraucherfreundlichen Vergleichstarife. Die bonusbedingte Ersparnis im ersten Vertragsjahr wiegt also die Mehrkosten im zweiten Vertragsjahr nicht auf.

 

Die Berechnung der tatsächlichen Ersparnis ist ebenfalls nicht einfach, denn die Informationen über die Bonuszahlungen und deren Bedingungen sind auf den Vergleichsportalen an unterschiedlichen Stellen zu finden. Beispielsweise werden die Bonuszahlungen manchmal verbrauchsabhängig berechnet und manchmal nicht – was auf den Vergleichsportalen nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen ist.

 

Vergleichsportale sollten mehr Transparenz schaffen

 

„Um mehr Preistransparenz für Verbraucher und keine weiteren Anreize für zweifelhafte Tarifangebote zu schaffen, sollten Vergleichsportale den Bonus bei der Ermittlung des Gesamtpreises nicht berücksichtigen“, fordert Philipp von Bremen, Geschäftsbereichsleiter Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Zudem sollten sämtliche Informationen über den Bonus in einem einzigen, druckfähigen Dokument enthalten sein, das sich Verbraucher herunterladen können.“

 

Besondere Fallstricke lauern auch bei der Auszahlung der Boni. Im Frühwarnnetzwerk des Marktwächter Energie gingen Fälle ein, bei denen die Stromanbieter die Boni erst nach Aufforderung durch den Kunden zahlten. Einige Anbieter schließen die Auszahlung in bestimmten Fällen aus, beispielsweise wenn der Kunde umzieht, selbst dann, wenn er den Vertrag am neuen Wohnort fortführt. Auch diese Information ist manchmal nur im Kleingedruckten zu finden. Insgesamt zeigte die Untersuchung: Sofortboni sind sicherer als Neukundenboni. Denn Letztere werden später ausgezahlt – manchmal erst nach Ende der Vertragslaufzeit.

 

Stromsparen lohnt sich immer weniger: Verbraucher mit niedrigen Verbräuchen zahlen mehr

 

Die Strompreise der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren für Verbraucher mit niedrigen Verbräuchen fast doppelt so stark gestiegen wie die Preise für Kunden mit höherem Stromverbrauch. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

 

Grundpreis und Arbeitspreis driften auseinander

 

Der Grund für die ungleiche Preisentwicklung bei unterschiedlichen Verbräuchen liegt in der Struktur der meisten Stromtarife. Sie bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Während die Arbeitspreise im Fünf-Jahres-Vergleich nur um rund 3 Prozent gestiegen sind, wurden die Grundpreise im gleichen Zeitraum um über 30 Prozent erhöht.

 

Die Folge: Je höher der Stromverbrauch eines Haushaltes ist, desto niedriger fällt die Strompreissteigerung aus. „Diese Entwicklung macht das Stromsparen aus Kostengründen immer weniger attraktiv“, sagt Valerian Vogel, Energieexperte von Verivox. „Um stromsparendes Verhalten effektiv zu belohnen, müsste gerade der Preis pro Kilowattstunde im Vergleich zum monatlichen Festpreis deutlich ansteigen.“

 

Ein-Personen-Haushalte von stärkstem Strompreisanstieg betroffen

 

Die gesamten Stromkosten für einen Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) stiegen im Grundversorgungtarif zwischen 2014 und 2019 um 8,4 Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) sind die Gesamtkosten im selben Zeitraum nur um 4,8 Prozent gestiegen. Bei einem hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (beispielsweise eine Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool) sinkt die Steigerungsrate auf 4,5 Prozent.

 

Stromkostenentwicklung: Warum steigen vor allem die Grundkosten?

 

Der Anstieg der festen monatlichen Grundkosten geht vor allem auf die Entwicklung der Stromnetzgebühren zurück, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Bei diesen Gebühren stieg der Preis pro Kilowattstunde zwischen 2014 und 2019 um 1 Prozent, der feste Grundpreis stieg um rund 62 Prozent.

 

„Durch die Gebührenänderung sollen Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden“, sagt Valerian Vogel. „Doch dadurch werden Haushalte mit geringen Verbräuchen insgesamt benachteiligt, unabhängig davon ob sie selbst Strom produzieren oder einfach sparsam sind.“

 

Wie können sich Verbraucher wehren?

 

Den Netzgebühren können sich private Verbraucher nicht entziehen. Sie können jedoch zu einem insgesamt günstigeren Stromtarif wechseln. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt hat, spart mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 207 Euro ein.

 

Methodik

Die Datengrundlage sind Preisdaten der jeweils über 800 Netzbetreiber und Grundversorger (Stand: August 2014/2019). Laut Bundesnetzagentur beziehen rund 28 Prozent der privaten Haushalte den örtlichen Grundversorgungstarif. Alle Preise wurden entsprechend der Größe der Vertriebsgebiete gewichtet.

 

Bundesgerichtshof-Urteil zu Strompreisen: Ein Sieg für die Verbraucher

 

Verbraucher können in Zukunft mit niedrigeren Netzentgelten rechnen. Der Bundesgerichtshof hat in einem eben verkündeten Urteil die Absicht der Bundesnetzagentur bestätigt, die staatlichen Garantierenditen für die rund 900 Betreiber von Elektrizitätsnetzen von 2019 bis 2023 um rund 2,1 Milliarden Euro zu kappen. Gegen die Pläne der Behörde hatten fast alle betroffenen Konzerne und Stadtwerke geklagt.

 

Die Garantierenditen sind Teil der Netzentgelte, die Haushalte und Unternehmen für die Nutzung der Stromleitungen zahlen. Die Netzentgelte sind mit durchschnittlich 287 Euro im Jahr der teuerste Posten auf der Stromrechnung eines Familienhaushaltes.

 

"Das Urteil ist ein Sieg der Verbraucher über die Netzlobby. Das ist ein erster Schritt gegen staatlich garantierte Traumrenditen für Konzerne und Stadtwerke", so Gero Lücking vom Ökostrom-Marktführer LichtBlick.

 

Fünf Tipps zur Heizungsoptimierung

 

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bremen erklärt, welche fünf Maßnahmen bei der Modernisierung der Heizungsanlage am wichtigsten sind.

Ein effizienter Heizkessel: Allein der Austausch eines alten Heizkessels gegen einen modernen Kessel kann den Brennstoffverbrauch um bis zu 15 Prozent reduzieren. In Kombination mit zusätzlichen Maßnahmen kann das Einsparpotenzial um bis zu weitere 15 Prozent gesteigert werden. Daher sollte beim Einbau eines neuen Heizkessels stets die gesamte Anlage optimiert werden.

Der hydraulische Abgleich: Mit dem hydraulischen Abgleich passt der Fachmann den Warmwasserdurchfluss in den Heizkörpern an. Das spart Heizenergie und Pumpenstrom.

Eine effiziente Umwälzpumpe: Der Einbau von Hocheffizienzpumpen verringert den Energieverbrauch weiter. Werden alte Umwälzpumpen ersetzt, reduziert das den Stromverbrauch der Heizung um bis zu 80 Prozent.

Die richtige Einstellung: Ist der Fachmann einmal im Haus, sollte er auch die Regelungseinstellungen optimieren. Statt die Heizung mit Werkseinstellungen laufen zu lassen, sollte die Heiz- und Warmwassertemperatur und die Nachtabsenkung richtig eingestellt werden. Dadurch wird deutlicher weniger Energie verbraucht.

Gut eingepackt: Eine vollständige und ausreichend dicke Dämmung der Rohre und Armaturen erhöht die Effizienz der Heizung ebenfalls. Ist die Dämmung nicht schon beim Einbau der Heizanlage erfolgt, muss nachträglich gedämmt werden. Es gibt Anlagen, bei denen der Wärmeverlust die Hälfte des eingesetzten Brennstoffs ausmacht.

 

Babylonische Preisverwirrung auf dem Fernwärmemarkt

 

Preis- und Vertragsänderungen sind für Kunden laut einer neuen Studie des Marktwächters Energie weder verständlich noch nachvollziehbar

 

 

Der deutsche Fernwärmemarkt ist ein bunter Flickenteppich, der aus hunderten lokalen Monopolen besteht. Vor allem bei Preiserhöhungen stehen Kunden einem verwirrenden Kaleidoskop von Begriffsdefinitionen und Preisgestaltungen gegenüber. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert daher eine bundesweit einheitliche Terminologie und eine Veröffentlichungspflicht für Preisregelungen und Preislisten.

 

Experten des Marktwächters Energie haben bundesweit öffentlich zugängliche Vertragsunterlagen von Fernwärmeversorgern untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es fast so viele Formeln und Indizes für die Kalkulation der Preise gibt wie Anbieter. In einigen Fällen gilt das sogar für verschiedene Netze des gleichen Unternehmens.

 

„Die Anbieter sprechen noch nicht einmal die gleiche Sprache“, sagt Svenja Gesemann, Projektleiterin des Marktwächters Energie beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Was bei dem einen der Grundpreis ist, heißt anderswo Leistungspreis, der Messpreis erscheint auch als Verrechnungspreis oder Messdienstleistung und der Arbeitspreis taucht auch als Verbrauchspreis auf. Die meisten Kunden verstehen da nur Bahnhof und können die Begründungen der Preiserhöhungen so nicht nachvollziehen.“

 

Im Rahmen einer Online-Befragung von betroffenen Fernwärmekunden gab die überwiegende Mehrheit an, die von den Lieferanten erhaltenen Informationen zu Preisanpassungen nur schlecht oder sehr schlecht verstanden zu haben. Nur etwa jeder Zehnte war mit den erhaltenen Erklärungen einigermaßen zufrieden.

 

Auch die formale Begründung der Preisanpassungen erfolgt je nach Anbieter unterschiedlich. Die Untersuchung zeigt, dass Preisanpassungen in 118 von 325 untersuchten Fällen mit Hilfe einer Preisänderungsklausel vorgenommen werden. In 31 Fällen enthielt das Schreiben an die Kunden nur einen Verweis auf die Fernwärme-Verordnung (AVBFernwärmeV) oder die Versorger teilten gar nicht mit, worauf sie ihr vermeintliches Recht zur Preisanpassung stützten. Bei 149 der 325 untersuchten Unternehmen war die Vorgehensweise anhand von öffentlich zugänglichen Informationen nicht erkennbar.

 

„Eine transparente Preisgestaltung ist eine Grundbedingung für das Vertrauen der Verbraucher, die Fernwärme nutzen wollen“, unterstreicht Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen beim vzbv. „Daher fordert der vzbv eine bundesweite Pflicht zur Veröffentlichung der allgemeinen Versorgungsbedingungen sowie der dazugehörigen Preisregelungen und Preislisten im Internet, zum Beispiel nach dem Muster des Gesetzes zur Energiewende und zum Klimaschutz in Schleswig-Holstein, welches diese Praxis seit März 2017 vorschreibt. Außerdem müssen auch einheitliche Begrifflichkeiten für die Faktoren in den Preisänderungsklauseln etabliert werden.“

 

Analog der Stromkennzeichnung muss nach Ansicht des vzbv auch die Angabe der eingesetzten Brennstoffe, der Emissionen und der Netzverluste für jedes Fernwärmenetz neben der Darstellung eines bundesweiten Mixes zur Pflicht gemacht werden. Diese Informationen wären auf der Rechnung und im Internet anzugeben.

 

Aktuelle Stichprobe zeigt: Vier von fünf Heizkostenabrechnungen enthalten Mängel oder Auffälligkeiten

 

Bei vier von fünf Heizkostenabrechnungen gibt es Auffälligkeiten oder Mängel. Das zeigt eine Stichprobe, bei der die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online rund 100 aktuelle Heizkostenabrechnungen von Finanztip-Lesern geprüft hat. Zudem wird in mehr als der Hälfte der Häuser deutlich mehr Heizenergie verbraucht als nötig. So entstehen unnötig hohe CO2-Emissionen und Kosten.

 

Besonders bei der Abrechnung des Warmwasserverbrauchs und beim Betriebsstrom gab es Unregelmäßigkeiten. „Bei 60 Prozent aller untersuchten Abrechnungen wird der Energieanteil für Warmwasser nicht korrekt, also nach den Vorgaben der Heizkostenverordnung, gemessen“, erklärt Energie-Expertin Ines Rutschmann von Finanztip. „In solchen Fällen können Mieter die Kosten fürs warme Wasser pauschal um 15 Prozent kürzen.“

 

Ein weiterer Mangel, der häufig auftritt: Bei jeder fünften Abrechnung überschreiten die Kosten für Betriebsstrom vertretbare Werte. „Mieter haben dann das Recht, die entsprechenden Belege einzusehen“, erklärt Rutschmann. „Als Faustregel gilt: Kostet der Betriebsstrom mehr als fünf Prozent der Brennstoffkosten, muss der Vermieter die hohen Ausgaben nachweisen können.“ Macht er das nicht, können Mieter der Abrechnung widersprechen.

 

Heizenergieverbrauch ist oft deutlich zu hoch

 

In vielen untersuchten Gebäuden wird zudem deutlich zu viel Heizenergie verbraucht. Nur bei 13 Prozent der Gebäude entspricht der Verbrauch den Schulnoten „sehr gut“ oder „gut“. Das sind Werte, die im Hinblick auf die zugrunde liegende Gebäudeklasse erreicht werden können. Knapp zwei Drittel der Gebäude waren hingegen nur „ausreichend“, „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

 

Besonders auffällig ist: In einem Drittel der untersuchten Wohnungen liegt der Verbrauch deutlich höher, als es der eigentlichen Wohnungslage entsprechen sollte. Haushalte sollten deshalb immer ihren eigenen Verbrauch online prüfen – zum Beispiel mit dem kostenlosen Heizkostenrechner auf www.heizspiegel.de.

 

„Der hohe Verbrauch zeigt deutlich, dass viele Gebäude ein hohes Sparpotenzial haben – bei den Kosten und bei den CO2-Emissionen“, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. „Die Bewohner können mit Änderungen ihres Nutzerverhaltes den Verbrauch und die Kosten senken. Vermieter und Verwalter sollten stets ihrer Instandhaltungspflicht nachkommen, zusätzlich geringinvestive Maßnahmen umsetzen und energetisch sanieren – im eigenen Interesse und im Interesse ihrer Mieter.“

 

Brennstoff wird zu teuer eingekauft

 

Die Stichprobe zeigt weiter, dass viele Haushalte zu viel fürs Heizen bezahlen, weil der Einkaufspreis des Brennstoffs zu hoch ist. In mehr als einem Drittel der Fälle lagen die Kosten für Erdgas mehr als 10 Prozent über einem günstigen Tarif. Die höchste Abweichung: dreimal so teuer wie in einem günstigen Tarif. Bei Fernwärme gab es noch häufiger hohe Einkaufskosten. Mehr als die Hälfte der untersuchten Gebäude mit Fernwärme beziehen den Brennstoff zu Kosten, die mehr als 10 Prozent über dem Durchschnitt der jeweiligen Region liegen. Die Ursache: eine zu hohe Anschlussleistung. Durch eine Korrektur könnten die Bewohner eines Gebäudes jedes Jahr mehrere Hundert Euro sparen, bezogen auf eine Wohnung etwa 50 bis 100 Euro jährlich.

 

Betroffene Verbraucher sollten ihren Verwalter oder Vermieter deshalb auffordern, den Brennstoff günstiger einzukaufen oder die Fernwärme-Anschlussleistung anzupassen. Schließlich untersagt das Wirtschaftlichkeitsgebot im Bürgerlichen Gesetzbuch Vermietern und Hausverwaltungen, unnötig hohe Kosten an die Mieter weiterzugeben.

 

Die Heiznebenkosten steigen

 

Die Heiznebenkosten der untersuchten Haushalte liegen im Durchschnitt bei 156 Euro pro Jahr. Vor fünf Jahren waren es noch gut 40 Euro weniger. Zu den Heiznebenkosten gehören zum Beispiel die Kosten für die Heizungswartung, die Gebühren für den Messdienstleister sowie die Betriebsstromkosten der Anlage. Ein Grund für die steigenden Kosten: Immer mehr Hausverwaltungen leasen Messgeräte, statt diese zu kaufen. Das ist zwar zulässig, für die Mieter allerdings meist teurer. In der Stichprobe waren drei Viertel aller Geräte geleast.

 

EU-Vergleich: Strom in Deutschland am teuersten

In keinem anderen Land der EU war Strom im vergangenen Jahr so teuer wie in Deutschland. Das liegt in erster Linie an den fälligen Steuern und Umlagen. Mit 57 Prozent ist die Abgabenlast auf Strom hierzulande derzeit so hoch wie nie. Das zeigt eine Auswertung des Verbraucherportals Verivox.

 

Deutscher Strompreis 49 Prozent über EU-Durchschnitt

 

2017 zahlte ein Haushalt in Deutschland laut Eurostat durchschnittlich 30,48 Cent je Kilowattstunde Strom – so viel wie in keinem anderen Mitgliedsland der Europäischen Union. Auf Platz zwei folgt Dänemark mit 30,30 Cent. Überdurchschnittlich hohe Preise wurden auch in Belgien (28,38 Cent), Irland (23,30 Cent), Portugal (22,57 Cent), Spanien (22,37 Cent) und Italien (21,11 Cent) fällig.

 

Im günstigsten Mitgliedsstaat der EU, Bulgarien, zahlten die Einwohner durchschnittlich 9,69 Cent je verbrauchter Kilowattstunde und damit nicht mal ein Drittel so viel wie deutsche Stromkunden. Sehr günstigen Strom gibt es auch in Litauen (11,12 Cent) und in Ungarn (11,30 Cent).

Im europäischen Durchschnitt belief sich der Kilowattstundenpreis auf 20,45 Cent. Demnach zahlten deutsche Verbraucher knapp die Hälfte (49 Prozent) mehr.

 

Steuern und Abgaben in Deutschland erreichen 57 Prozent

 

Die Stromkosten für einen Dreipersonenhaushalt (4.000 Kilowattstunden) belaufen sich gemäß Verivox Verbraucherpreisindex aktuell auf 1.104 Euro pro Jahr. Davon entfallen 274 Euro (25 Prozent) auf die Netznutzungsentgelte, 203 Euro (18 Prozent) bleiben den Stromversorgern für Beschaffung, Marge und Vertrieb. Die restlichen 628 Euro (57 Prozent) machen Steuern und Umlagen aus. 2009 lag dieser Anteil noch bei 39 Prozent, 2012 waren es schon 46 Prozent und in 2013 überschritt die Abgabenlast erstmals die 50-Prozent-Marke.

 

„Auf Strom lasten derzeit acht unterschiedliche Steuern und Umlagen. Neben der Mehrwertsteuer und der EEG-Umlage werden die Stromkunden auch für die Konzessionsabgabe, die Stromsteuer, die KWKG-Umlage, die §19-NEV-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage und für die Umlage für abschaltbare Lasten zur Kasse gebeten“ erklärt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Damit dürfte Strom neben Tabak, Benzin und Branntwein eines der am stärksten besteuerten Güter in Deutschland sein.“

 

Vorsicht Bonusfalle: Stromtarife im Folgejahr oft teurer als Grundversorgung

Bundesweit konkurrieren rund 800 Stromanbieter um die Gunst der Verbraucher. Um in diesem Wettbewerb neue Kunden zu gewinnen, zahlen viele Stromanbieter im ersten Jahr Boni, die den Stromtarif senken. Fallen diese Boni im zweiten Jahr weg, liegen die Kosten für Verbraucher jedoch oft über denen des teuren Grundversorgertarifs. Das hat eine aktuelle Untersuchung von rund 250 Tarifen in zwölf Städten des Verbraucher-Ratgebers Finanztip ergeben.

 

Stromtarife weichen in vielen Orten um bis zu 35 Prozent voneinander ab. Eigentlich bildet der sogenannte Grundversorgertarif das obere Ende des Preisspektrums. Das ist jedoch nicht grundsätzlich so: Viele Stromtarife, die im ersten Jahr sehr hohe Rabatte oder Boni enthalten, mit denen neue Kunden angelockt werden sollen, sind im Folgejahr teurer als der örtliche Grundversorgertarif. „In diesen Tarifen ist der Grund- und Arbeitspreis enorm hoch“, sagt Ines Rutschmann, Energie-Expertin bei Finanztip. „Bei einem angenommenen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr überstieg in einem Fall der Tarif den örtlichen Grundversorger um 220 Euro.“ Knapp die Hälfte der von Finanztip untersuchten Angebote wären im Folgejahr mindestens 50 Euro teurer als in der Grundversorgung.

 

Kein Sonderkündigungsrecht, wenn Bonus wegfällt

 

Da es für Verbraucher physikalisch keinen Unterschied macht, wer den Strom liefert, kommt dem Strompreis eine entscheidende Bedeutung zu. „Viele Unternehmen versuchen, über möglichst günstige Angebote neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Rutschmann. Dieser Wettbewerb findet meist auf Vergleichsportalen statt. „Durch die Boni werden die Tarife günstiger und so ganz oben im Portal angezeigt.“ Wer unbedarft zuschlägt, kann leicht in die Bonusfalle tappen. Denn viele Tarife verlängern sich nach Ablauf der Vertragslauzeit automatisch um ein weiteres Jahr. „Da es sich beim Wegfall eines Bonus‘ nicht um eine Preiserhöhung im rechtlichen Sinn handelt, haben Verbraucher kein Sonderkündigungsrecht.“ Wer nicht kündigt, hängt im teuren Tarif fest.

 

Tarife immer ohne Bonus vergleichen

 

Verbraucher sollten Stromtarife immer ohne Boni und Rabatte vergleichen. Das geht zum Beispiel auf den Vergleichsportalen. „In den Tarifdetails zeigen Check24 und Verivox die Kosten eines Tarifs ohne Boni und Rabatte an“, sagt Rutschmann. „Liegen diese Kosten über denen des örtlichen Grundversorgers, sollten Verbraucher die Finger davonlassen.“ Um dieses Problem zu verhindern, hat Finanztip einen eigenen Strom-Vergleichsrechner gebaut, der sämtliche Tarife mit Boni auf Wunsch aussortiert. Wer sich trotzdem entscheidet, den Bonus mitzunehmen, sollte den Tarif auf alle Fälle rechtzeitig kündigen. „Oft beträgt die Kündigungsfrist drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit“, so Rutschmann. „Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte den Vertrag nach Ablauf des Widerrufsrechts unmittelbar wieder kündigen.“

 

Immer wieder rätselhaft: die Heizkostenabrechnung 

Der Schock sitzt, wenn Vermieter oder Energieanbieter mit der Jahresabrechnung gleich mehrere Hundert Euro Heizkosten erstattet haben will. Für Viele ein Grund, sich die Zahlen etwas genauer anzusehen. „Manchmal zahlen Mieter zu viel, weil Heizungsanlagen veraltet oder Häuser nicht ausreichend wärmegedämmt sind“, so Meike Militz von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Egal, welche Fehlerquelle Mieter auch vermuten: „Bei Unklarheiten in der Heizkostenabrechnung sollten Verbraucher sich unabhängigen Rat holen“, so die Expertin.

 

Bevor sie unklare Rechnungen begleichen, können Verbraucher alle Fragen zu Kosten und Heizungstechnik von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klären lassen. Die Energieexperten prüfen zunächst, ob die Abrechnungen auch sachlich richtig sind, also ob es Abrechnungsfehler gibt und ob die einzelnen Kosten zulässig und plausibel sind. Oft finden die Experten dabei fehlerhafte Ablesedaten, falsche Verteilerschlüssel oder fehlende Angaben zu Schätzverfahren. Mit diesem Wissen können Verbraucher die falsche Abrechnung reklamieren.

 

Nach Analyse der Heizkostenabrechnung helfen die Experten, Sparpotenziale im Verbrauchsverhalten zu finden. Fast immer finden sich dabei Wege, wie Verbraucher ihre Heizkosten senken können, ohne dass der Wohnkomfort dabei verloren geht. Dies gelingt zum Beispiel mithilfe leicht umsetzbarer Tipps zum effektiven Heizen und Lüften. Je nach Gegebenheit der Wohnung erhalten Verbraucher von den Beratern auch Ratschläge zur passenden Heiztechnik, zu sinnvollen bautechnischen Maßnahmen oder zum richtigen Heiz- und Lüftungsverhalten.

 

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