Heizkosten-Prognose 2018: Heizen mit Heizöl teurer als Heizen mit Erdgas

 

790 Euro - so hoch waren die durchschnittlichen Heizkosten in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung mit Erdgas-Zentralheizung im vergangenen Jahr. Während in energetisch guten Häusern 520 Euro gezahlt wurden, mussten Bewohner von energetisch schlechteren Wohnungen 1.110 Euro zahlen. Das zeigt der Heizspiegel für Deutschland 2018, den die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online heute im Auftrag des Bundesumweltministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Mieterbund e. V. im Rahmen der Kampagne "Mein Klimaschutz" veröffentlicht hat.

 

Verbraucher können auf www.heizspiegel.de und www.mieterbund.de kostenlos prüfen, wo sie mit ihren Heizkosten im Vergleich zu ähnlichen Haushalten stehen. Der Heizspiegel-Flyer ist ab Mitte Oktober bundesweit bei vielen Mietervereinen sowie Städten und Gemeinden erhältlich.

 

Prognose: Heizen mit Heizöl teurer als mit Erdgas

 

Die Heizkosten haben sich im vergangenen Jahr je nach Energieträger uneinheitlich entwickelt. In einer 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit Heizöl-Zentralheizung sind die Kosten wegen höherer Heizöl-Preise im Schnitt um 85 Euro gestiegen - auf 750 Euro pro Jahr. In einer Wohnung mit Erdgas-Zentralheizung sanken die durchschnittlichen Kosten auf 790 Euro (minus 20 Euro). Bei Fernwärme waren es 895 Euro (minus 35 Euro).

 

Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich auch in diesem Jahr fortsetzen: Bewohner von ölbeheizten Häusern müssen aufgrund steigender Preise wahrscheinlich mit 8 Prozent Mehrkosten rechnen. In Häusern mit Erdgas- und Fernwärmeheizung dürften die Kosten um etwa 3 Prozent sinken. Damit würde das Heizen mit Heizöl seinen Kostenvorteil verlieren und wieder teurer sein als das Heizen mit Erdgas.

 

Sanierungsstand: wichtigster Faktor für Heizkosten und Klimaschutz

 

Der Heizspiegel macht deutlich: Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Heizkosten zwar auf den ersten Blick relevant - wesentlich wichtiger ist jedoch der Sanierungsstand eines Hauses.

 

"Der Sanierungsstand ist der meistunterschätzte Faktor für Heizkosten. In einem energetisch schlechteren Haus sind die Heizkosten im Schnitt doppelt so hoch wie in einem energetisch besseren Haus", sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. "Auch die CO2-Emissionen sind in besser sanierten Gebäuden deutlich geringer." In einem energetisch besseren Mehrfamilienhaus mit Erdgas-Zentralheizung entstehen in einer 70-Quadratmeter-Wohnung pro Jahr etwa 1,5 Tonnen klimaschädliches CO2 durchs Heizen. In einem energetisch schlechteren Gebäude sind es 4,1 Tonnen. Um diesen CO2-Unterschied zu kompensieren, müssten rund 200 Bäume gepflanzt werden.

 

Mieterbund: Mieter können Heizkosten senken

 

Die Höhe der Heizkosten hängt maßgeblich vom Witterungsverlauf, dem Sanierungsstand des Hauses, aber auch vom konkreten Verbrauchsverhalten der Mieter ab. Das bestätigt Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten: "Der Heizspiegel gibt Mietern einen Überblick über die Verbräuche und Heizkosten des eigenen Wohngebäudes. Online können Sie sogar ihre eigene Wohnung vergleichen und herausfinden, wie hoch ihr persönliches Sparpotenzial ist. Viele Mieter können durch ein anderes Verhalten ihre Heizkosten deutlich senken - ohne auf Komfort zu verzichten."

 

Rechner für Heizkosten und Tipps zum Sparen

 

Mit einem kostenlosen Heizkostenrechner erfahren Mieter und Eigentümer auf www.heizspiegel.de, wie ihre Wohnung oder ihr Haus bei Heizkosten und Heizenergieverbrauch abschneidet. Außerdem finden sie dort zahlreiche Tipps zum Senken ihrer Heizkosten.

 

Weitere Daten und Hintergründe aus dem Heizspiegel

 

Was ist eine "durchschnittliche Wohnung"?

 

Als durchschnittliche Wohnung wird eine 70 Quadratmeter große Wohnung bezeichnet, die in einem 501 bis 1.000 Quadratmeter großen Mehrfamilienhaus liegt. Sofern nicht anders bezeichnet, wird sie zentral mit Erdgas beheizt.

 

Wie hoch waren die durchschnittlichen Heizkosten 2017?

 

In einer durchschnittlichen Wohnung zahlten die Bewohner mit Erdgas-Zentralheizung 2017 im Schnitt rund 790 Euro. In Wohnungen mit Heizöl-Zentralheizung waren es etwa 750 Euro, bei Fernwärme rund 895 Euro. Andere Energieträger wie Strom oder Biomasse werden nur in etwa elf Prozent aller Haushalte genutzt. Deswegen sind sie bisher nicht Teil der Heizspiegel-Auswertung.

 

Prognose: Welche Heizkosten sind für das Abrechnungsjahr 2018 zu erwarten?

 

In erdgas- und fernwärmebeheizten Gebäuden werden die Heizkosten 2017 voraussichtlich um etwa 3 Prozent sinken. Bewohner von Häusern mit Heizöl-Zentralheizung müssen mit einem Anstieg der Heizkosten um 8 Prozent rechnen.

 

EU-Vergleich: Strom in Deutschland am teuersten

In keinem anderen Land der EU war Strom im vergangenen Jahr so teuer wie in Deutschland. Das liegt in erster Linie an den fälligen Steuern und Umlagen. Mit 57 Prozent ist die Abgabenlast auf Strom hierzulande derzeit so hoch wie nie. Das zeigt eine Auswertung des Verbraucherportals Verivox.

 

Deutscher Strompreis 49 Prozent über EU-Durchschnitt

 

2017 zahlte ein Haushalt in Deutschland laut Eurostat durchschnittlich 30,48 Cent je Kilowattstunde Strom – so viel wie in keinem anderen Mitgliedsland der Europäischen Union. Auf Platz zwei folgt Dänemark mit 30,30 Cent. Überdurchschnittlich hohe Preise wurden auch in Belgien (28,38 Cent), Irland (23,30 Cent), Portugal (22,57 Cent), Spanien (22,37 Cent) und Italien (21,11 Cent) fällig.

 

Im günstigsten Mitgliedsstaat der EU, Bulgarien, zahlten die Einwohner durchschnittlich 9,69 Cent je verbrauchter Kilowattstunde und damit nicht mal ein Drittel so viel wie deutsche Stromkunden. Sehr günstigen Strom gibt es auch in Litauen (11,12 Cent) und in Ungarn (11,30 Cent).

Im europäischen Durchschnitt belief sich der Kilowattstundenpreis auf 20,45 Cent. Demnach zahlten deutsche Verbraucher knapp die Hälfte (49 Prozent) mehr.

 

Steuern und Abgaben in Deutschland erreichen 57 Prozent

 

Die Stromkosten für einen Dreipersonenhaushalt (4.000 Kilowattstunden) belaufen sich gemäß Verivox Verbraucherpreisindex aktuell auf 1.104 Euro pro Jahr. Davon entfallen 274 Euro (25 Prozent) auf die Netznutzungsentgelte, 203 Euro (18 Prozent) bleiben den Stromversorgern für Beschaffung, Marge und Vertrieb. Die restlichen 628 Euro (57 Prozent) machen Steuern und Umlagen aus. 2009 lag dieser Anteil noch bei 39 Prozent, 2012 waren es schon 46 Prozent und in 2013 überschritt die Abgabenlast erstmals die 50-Prozent-Marke.

 

„Auf Strom lasten derzeit acht unterschiedliche Steuern und Umlagen. Neben der Mehrwertsteuer und der EEG-Umlage werden die Stromkunden auch für die Konzessionsabgabe, die Stromsteuer, die KWKG-Umlage, die §19-NEV-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage und für die Umlage für abschaltbare Lasten zur Kasse gebeten“ erklärt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Damit dürfte Strom neben Tabak, Benzin und Branntwein eines der am stärksten besteuerten Güter in Deutschland sein.“

 

Kunden mit niedrigen Stromverbräuchen zahlen mehr

Die Strompreise in der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren in Deutschland gestiegen. Dabei ist bemerkenswert: Haushalte mit einem geringen Stromverbrauch werden deutlich stärker belastet, als Haushalte mit höheren Verbräuchen. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

 

Unterschiedliche Entwicklung von Grundpreis und Arbeitspreis

 

Die meisten Stromtarife bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh). Der Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: Der feste Grundpreis, der immer fällig wird, ist für alle Verbrauchstufen um etwa 25 Prozent angestiegen. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde ist hingegen nur um rund 5 Prozent gestiegen. Das heißt: Je mehr Strom ein Haushalt verbraucht, desto geringer fällt die Steigerungsrate aus, da der teure Grundpreis weniger ins Gewicht fällt. Das wird anhand der Auswertung verschiedener Verbrauchsstufen in der Grundversorgung deutlich. Aktuell wird rund ein Drittel der deutschen Haushalte zu den Bedingungen der Grundversorgung beliefert.

 

Ein-Personen-Haushalte haben stärksten Strompreisanstieg

 

Bei einem Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) beträgt der Arbeitspreis im örtlichen Grundversorgungstarif heute im bundesweiten Durchschnitt 28,20 Cent pro Kilowattstunde. Anfang 2013 lag dieser Preis noch bei 26,98 Cent/kWh. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 5 Prozent. Der durchschnittliche Grundpreis hingegen ist im gleichen Zeitraum von jährlichen 86,35 Euro auf heute 108,12 Euro gestiegen. Das entspricht einer Erhöhung von rund 25 Prozent. Heute zahlt ein Single-Haushalt damit etwa 531 Euro für Strom – 8,2 Prozent mehr als noch im Januar 2013.

 

Je größer der Verbrauch, desto geringer die Teuerung

 

Der Anstieg der Grundkosten fällt weniger ins Gewicht, je höher der Verbrauch ist: Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) stiegen die Gesamtkosten seit Januar 2013 nur um 5,6 Prozent. Noch deutlicher wird das Phänomen bei einem sehr hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool). Hier stiegen die Stromkosten von 2.868 Euro im Januar 2013 auf heute 2.933 Euro gerade einmal um 2,3 Prozent.

 

Warum steigen die Grundkosten? Netzbetreiber verändern ihre Gebührenstruktur

 

Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die Gebühren der Stromnetzbetreiber, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Sie geben den Trend vor, den Grundpreis stärker zu erhöhen als den Arbeitspreis, wie eine weitere Auswertung zeigt. Die Grundkosten der Netzbetreiber sind in den letzten fünf Jahren um 62 Prozent gestiegen, während die Arbeitspreise nur um 3 Prozent gestiegen sind. Entsprechend ist die Preisentwicklung die verschiedenen Verbrauchsstufen: Die Netzgebühren der Geringabnehmer (1.500 kWh) stiegen seit 2013 um rund 22 Prozent, während die Preise für Großabnehmer (10.000 kWh) nur um 7 Prozent zulegten. „Als Grund wird angegeben, dass so die Kosten gerechter verteilt werden würden. Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, sollen über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Doch gleichzeitig werden dadurch Haushalte mit geringen Verbräuchen gegenüber Großverbrauchern benachteiligt.“

 

Wie können sich Verbraucher gegen diese Entwicklung wehren?

 

Da die Netzbetreiber eine regulierte Monopolstellung haben, können sich private Verbraucher diesen Gebühren nicht entziehen. Sie können sich jedoch für einen Stromtarif entscheiden, der insgesamt günstiger ist. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt hat, spart mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 458 Euro ein. 

 

Lohnt sich die Investition in die Sonne noch?

Solarstrom lohnt sich nicht mehr, glauben viele Hausbesitzer. Die Anschaffung sei zu teuer, der Umbau zu aufwändig. Im Interview erklärt Jochen Schäfenacker, Energieberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warum das so nicht stimmt und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Photovoltaik.

 

Die staatliche Förderung im Bereich Solarenergie wurde ja in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt. Lohnt sich Photovoltaik (PV) für Otto-Normal-Eigenheimbesitzer heute noch?

Jochen Schäfenacker: Ganz bestimmt! Denn die Preise für die Anschaffung der Module sind in den letzten Jahren deutlich gesunken, so dass sich Photovoltaik nach wie vor lohnt - vor allem durch die verstärkte Nutzung des Solar-Eigenstroms.

 

Ist es generell besser, den Strom selbst zu nutzen als ihn ins Netz einzuspeisen?

 Ja genau! Da die Einspeisevergütung sich auf niedrigem Niveau eingependelt hat, ist es tatsächlich sinnvoller, den Strom selbst zu nutzen. Momentan bringt die Einspeisung einer Kilowattstunde bei Neuanlagen etwas mehr als 12 Cent, garantiert für 20 Jahre. Eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz kostet mindestens 25 Cent. Der Direktverbrauch spart also deutlich mehr ein, als der Verkauf einbringt.

 

Wie kann ich mehr von dem Strom nutzen, den ich selbst erzeuge?

Mit einer PV-Anlage auf dem Dach kann ich im Durchschnitt 15 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selber nutzen. Abends und nachts, wenn ich beispielsweise für Licht, Fernseher oder Waschmaschine viel Strom brauche, scheint aber keine Sonne. Mit einer Batterie kann ich aber den tagsüber produzierten Strom speichern und so den Anteil an selbstgenutzten Strom auf 30 und 60 Prozent hochschrauben. Die Anschaffung von Speichern wird übrigens staatlich gefördert.

 

Wie groß sollte denn eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus sein und wie teuer ist das?

 Je größer desto besser! Für je 1.000 Kilowattstunden Strom, die ein Haushalt pro Jahr verbraucht, sollte mindestens ein Kilowatt Nennleistung (1 kWp, ausgesprochen: Kilowatt Peak) eingeplant werden. Das kostet inklusive Installation jeweils etwa 1.200 bis 1.600 Euro netto. Mehr als 10 kWp sollten Privatleute nicht einplanen. Jenseits dieser Grenze gelten andere Vorgaben, die den Betrieb komplizierter und weniger wirtschaftlich machen.

 

Kann eine PV-Anlage auf jedem Dach installiert werden?

 Auch, wenn sich hier einige Mythen halten: Flachdächer sind ebenso geeignet wie Dächer mit Neigung. Und auch auf Ost- und Westdächern können Anlagen wirtschaftlich sein. An Fläche benötigt eine Photovoltaikanlage rund acht Quadratmeter pro Kilowatt Nennleistung. Wichtig ist, dass eine eventuell nötige Dachsanierung vorab erledigt wird.

 

PV-Anlagen werden meisten von Eigenheimbesitzern genutzt. Mieter gehen in der Regel leer aus. Eine Alternative bieten Kleinstanlagen, die man zum Beispiel auf Balkonen aufstellen kann. Als Plug-and-Play-Anlagen speisen sie grünen Strom direkt über die nächste Steckdose ins Hausnetz ein und lassen Stromzähler entsprechend langsamer laufen. Sind solche „Guerilla“-Anlagen technisch ausgereift?

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von ausgereiften Kleinstanlagen. Im letzten Jahr wurden die technischen Randbedingungen durch die Norm VDE 0100-551 geklärt. Allerdings wird in diesem Jahr noch eine Produktnorm veröffentlicht, die den Stecker festlegt, über den man dann in eine Steckdose einspeisen darf. Dies sollte man aus meiner Sicht abwarten.

 

Prognose EEG-Umlage: 2019 kaum Entlastung für Stromkunden

Mögliche Senkung der EEG-Umlage entlastet Familie um maximal fünf Euro p. a.

Echte Ersparnis nur durch Anbieterwechsel

Familie senkt Stromkosten um bis zu 664 Euro p. a.

 

Nach einer ersten Prognose bleibt die EEG-Umlage im kommenden Jahr weitgehend konstant. Laut Agora Energiewende beträgt die Umlage für Strom aus Erneuerbaren Energien 2019 zwischen 6,7 und 6,9 Cent/kWh. Aktuell zahlen Verbraucher 6,79 Cent/kWh. Familien mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh pro Jahr würden dadurch nur um maximal 4,50 Euro entlastet. Die möglichen zusätzlichen Kosten liegen bei 5,50 Euro pro Jahr. Verbraucher sollten daher selbst aktiv werden, um ihre Stromkosten zu senken. Die Höhe der EEG-Umlage geben die vier deutschen Netzbetreiber jährlich am 15. Oktober auf Basis der Prognose von Einnahmen und Ausgaben für das Folgejahr bekannt. 

 

Je nach Wohnort zahlen Familien bis zu 664 Euro weniger durch Wechsel des Stromanbieters

 

"Hohe Stromkosten senken Verbraucher am einfachsten mit einem Anbieterwechsel - vor allem wenn sie noch teuren Strom aus der Grundversorgung beziehen", sagt Dr. Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. In den 100 größten deutschen Städten spart eine Familie mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh im Durchschnitt 487 Euro oder 32 Prozent, wenn sie aus der Grundversorgung zum günstigsten Alternativversorger wechselt. In Ludwigsburg und Pforzheim beträgt die mögliche Ersparnis sogar mehr als 650 Euro pro Jahr. Selbst in Bremerhaven, wo das Sparpotenzial am niedrigsten ist, sind 236 Euro möglich.

 

Anbieterwettbewerb senkt Strompreis - Gesamtersparnis von 311 Mio. Euro im Jahr

 

Tarife von Alternativanbietern sind günstiger als Grundversorgungstarife. Der intensive Wettbewerb zwischen den Anbietern führt zu sinkenden Strompreisen. So konnten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 311 Mio. Euro einsparen. Das ergab eine repräsentative Studie von WIK-Consult.

 

Vorsicht Bonusfalle: Stromtarife im Folgejahr oft teurer als Grundversorgung

Bundesweit konkurrieren rund 800 Stromanbieter um die Gunst der Verbraucher. Um in diesem Wettbewerb neue Kunden zu gewinnen, zahlen viele Stromanbieter im ersten Jahr Boni, die den Stromtarif senken. Fallen diese Boni im zweiten Jahr weg, liegen die Kosten für Verbraucher jedoch oft über denen des teuren Grundversorgertarifs. Das hat eine aktuelle Untersuchung von rund 250 Tarifen in zwölf Städten des Verbraucher-Ratgebers Finanztip ergeben.

 

Stromtarife weichen in vielen Orten um bis zu 35 Prozent voneinander ab. Eigentlich bildet der sogenannte Grundversorgertarif das obere Ende des Preisspektrums. Das ist jedoch nicht grundsätzlich so: Viele Stromtarife, die im ersten Jahr sehr hohe Rabatte oder Boni enthalten, mit denen neue Kunden angelockt werden sollen, sind im Folgejahr teurer als der örtliche Grundversorgertarif. „In diesen Tarifen ist der Grund- und Arbeitspreis enorm hoch“, sagt Ines Rutschmann, Energie-Expertin bei Finanztip. „Bei einem angenommenen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr überstieg in einem Fall der Tarif den örtlichen Grundversorger um 220 Euro.“ Knapp die Hälfte der von Finanztip untersuchten Angebote wären im Folgejahr mindestens 50 Euro teurer als in der Grundversorgung.

 

Kein Sonderkündigungsrecht, wenn Bonus wegfällt

 

Da es für Verbraucher physikalisch keinen Unterschied macht, wer den Strom liefert, kommt dem Strompreis eine entscheidende Bedeutung zu. „Viele Unternehmen versuchen, über möglichst günstige Angebote neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Rutschmann. Dieser Wettbewerb findet meist auf Vergleichsportalen statt. „Durch die Boni werden die Tarife günstiger und so ganz oben im Portal angezeigt.“ Wer unbedarft zuschlägt, kann leicht in die Bonusfalle tappen. Denn viele Tarife verlängern sich nach Ablauf der Vertragslauzeit automatisch um ein weiteres Jahr. „Da es sich beim Wegfall eines Bonus‘ nicht um eine Preiserhöhung im rechtlichen Sinn handelt, haben Verbraucher kein Sonderkündigungsrecht.“ Wer nicht kündigt, hängt im teuren Tarif fest.

 

Tarife immer ohne Bonus vergleichen

 

Verbraucher sollten Stromtarife immer ohne Boni und Rabatte vergleichen. Das geht zum Beispiel auf den Vergleichsportalen. „In den Tarifdetails zeigen Check24 und Verivox die Kosten eines Tarifs ohne Boni und Rabatte an“, sagt Rutschmann. „Liegen diese Kosten über denen des örtlichen Grundversorgers, sollten Verbraucher die Finger davonlassen.“ Um dieses Problem zu verhindern, hat Finanztip einen eigenen Strom-Vergleichsrechner gebaut, der sämtliche Tarife mit Boni auf Wunsch aussortiert. Wer sich trotzdem entscheidet, den Bonus mitzunehmen, sollte den Tarif auf alle Fälle rechtzeitig kündigen. „Oft beträgt die Kündigungsfrist drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit“, so Rutschmann. „Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte den Vertrag nach Ablauf des Widerrufsrechts unmittelbar wieder kündigen.“

 

Immer wieder rätselhaft: die Heizkostenabrechnung 

Der Schock sitzt, wenn Vermieter oder Energieanbieter mit der Jahresabrechnung gleich mehrere Hundert Euro Heizkosten erstattet haben will. Für Viele ein Grund, sich die Zahlen etwas genauer anzusehen. „Manchmal zahlen Mieter zu viel, weil Heizungsanlagen veraltet oder Häuser nicht ausreichend wärmegedämmt sind“, so Meike Militz von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Egal, welche Fehlerquelle Mieter auch vermuten: „Bei Unklarheiten in der Heizkostenabrechnung sollten Verbraucher sich unabhängigen Rat holen“, so die Expertin.

 

Bevor sie unklare Rechnungen begleichen, können Verbraucher alle Fragen zu Kosten und Heizungstechnik von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klären lassen. Die Energieexperten prüfen zunächst, ob die Abrechnungen auch sachlich richtig sind, also ob es Abrechnungsfehler gibt und ob die einzelnen Kosten zulässig und plausibel sind. Oft finden die Experten dabei fehlerhafte Ablesedaten, falsche Verteilerschlüssel oder fehlende Angaben zu Schätzverfahren. Mit diesem Wissen können Verbraucher die falsche Abrechnung reklamieren.

 

Nach Analyse der Heizkostenabrechnung helfen die Experten, Sparpotenziale im Verbrauchsverhalten zu finden. Fast immer finden sich dabei Wege, wie Verbraucher ihre Heizkosten senken können, ohne dass der Wohnkomfort dabei verloren geht. Dies gelingt zum Beispiel mithilfe leicht umsetzbarer Tipps zum effektiven Heizen und Lüften. Je nach Gegebenheit der Wohnung erhalten Verbraucher von den Beratern auch Ratschläge zur passenden Heiztechnik, zu sinnvollen bautechnischen Maßnahmen oder zum richtigen Heiz- und Lüftungsverhalten.

 

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