Start der Heizsaison am 1. Oktober: Was Hauseigentümer jetzt für geringere Heizkosten und mehr Klimaschutz tun können

 

Drei Maßnahmen fürs Optimieren der Heizung / 30 Prozent Förderung sichern

 

 

Wer als Hauseigentümer seine Heizkosten und CO2-Emissionen senken will, sollte den Start der Heizsaison nutzen. Darauf macht die Kampagne "Meine Heizung kann mehr" (www.meine-heizung.de) der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online aufmerksam. Mehr als 80 Prozent des Energieverbrauchs im Privathaushalt entfallen auf Heizung und Warmwasser. Entsprechend groß ist das Potenzial, um jetzt Geld zu sparen und CO2 zu vermeiden.

 

Für Hauseigentümer zählt zum Beispiel das Erneuern der Heizungspumpe zu den Maßnahmen, die sich besonders schnell rechnen. In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus macht sich der Pumpentausch bereits nach drei Jahren bezahlt - und es gibt 30 Prozent Zuschuss vom Staat.

 

In drei Schritten zu weniger Heizkosten und CO2

 

Für das vergleichsweise einfache und günstige Optimieren der Heizung in Ein- und Zweifamilienhäusern bieten sich drei Dinge an - alle lassen sich jetzt angehen, um schon im Herbst und Winter davon zu profitieren:

 

1. Heizungsrohre dämmen

 

In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus sind etwa 20 Meter Rohr im Keller nicht gedämmt. Das nötige Material gibt es für 50 bis 200 Euro im Baumarkt und kann selbst angebracht werden. So lassen sich im Schnitt 1.000 kg CO2 vermeiden und 315 Euro pro Jahr sparen. Die Maßnahme kann sich also innerhalb eines Jahres rechnen. Worauf dabei zu achten ist, zeigt, die Anleitung auf www.meine-heizung.de/rohre.

 

2. Heizungspumpe tauschen

 

Alte Heizungspumpen verbrauchen unnötig viel Strom. Eine hocheffiziente Pumpe kostet inklusive Einbau durchschnittlich 300 Euro. Damit lassen sich die CO2-Emissionen um fast 190 kg pro Jahr und die Kosten um rund 100 Euro senken. Es dauert also im Schnitt drei Jahre, bis sich der Pumpentausch rechnet. Die Förderung von 30 Prozent ist bei diesem Beispiel bereits berücksichtigt. Ob sich ein Pumpentausch lohnt, zeigt der Online-Rechner auf www.meine-heizung.de/pumpencheck.

 

3. hydraulischer Abgleich

 

Mit einem hydraulischen Abgleich wird die Heizanlage optimal auf das Gebäude eingestellt. So gelangt genügend Warmwasser zu jedem einzelnen Heizkörper: nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Kosten liegen bei etwa 690 Euro. Die CO2-Emissionen sinken im Schnitt um fast 300 kg, die Heizkosten um 90 Euro pro Jahr. So rechnet sich der hydraulische Abgleich innerhalb von acht Jahren. Auch hier ist die Förderung von 30 Prozent bereits berücksichtigt. Wie sich Hauseigentümer die Fördermittel sichern, zeigt eine Checkliste auf www.meine-heizung.de/foerderung.

 

Heizkosten vergleichen: neuer "Heizspiegel" ab Ende Oktober

 

Für Verbraucher, die ihre Heizkosten prüfen wollen, gibt es am 30. Oktober neue Vergleichswerte von co2online. Dann erscheint der "Heizspiegel für Deutschland 2019" mit aktualisiertem Online-Rechner und kostenlosem Flyer; erstmals auch mit Werten für das Heizen mit Wärmepumpen.

 

Stromsparen lohnt sich immer weniger: Verbraucher mit niedrigen Verbräuchen zahlen mehr

 

Die Strompreise der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren für Verbraucher mit niedrigen Verbräuchen fast doppelt so stark gestiegen wie die Preise für Kunden mit höherem Stromverbrauch. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

 

Grundpreis und Arbeitspreis driften auseinander

 

Der Grund für die ungleiche Preisentwicklung bei unterschiedlichen Verbräuchen liegt in der Struktur der meisten Stromtarife. Sie bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Während die Arbeitspreise im Fünf-Jahres-Vergleich nur um rund 3 Prozent gestiegen sind, wurden die Grundpreise im gleichen Zeitraum um über 30 Prozent erhöht.

 

Die Folge: Je höher der Stromverbrauch eines Haushaltes ist, desto niedriger fällt die Strompreissteigerung aus. „Diese Entwicklung macht das Stromsparen aus Kostengründen immer weniger attraktiv“, sagt Valerian Vogel, Energieexperte von Verivox. „Um stromsparendes Verhalten effektiv zu belohnen, müsste gerade der Preis pro Kilowattstunde im Vergleich zum monatlichen Festpreis deutlich ansteigen.“

 

Ein-Personen-Haushalte von stärkstem Strompreisanstieg betroffen

 

Die gesamten Stromkosten für einen Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) stiegen im Grundversorgungtarif zwischen 2014 und 2019 um 8,4 Prozent. Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) sind die Gesamtkosten im selben Zeitraum nur um 4,8 Prozent gestiegen. Bei einem hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (beispielsweise eine Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool) sinkt die Steigerungsrate auf 4,5 Prozent.

 

Stromkostenentwicklung: Warum steigen vor allem die Grundkosten?

 

Der Anstieg der festen monatlichen Grundkosten geht vor allem auf die Entwicklung der Stromnetzgebühren zurück, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Bei diesen Gebühren stieg der Preis pro Kilowattstunde zwischen 2014 und 2019 um 1 Prozent, der feste Grundpreis stieg um rund 62 Prozent.

 

„Durch die Gebührenänderung sollen Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden“, sagt Valerian Vogel. „Doch dadurch werden Haushalte mit geringen Verbräuchen insgesamt benachteiligt, unabhängig davon ob sie selbst Strom produzieren oder einfach sparsam sind.“

 

Wie können sich Verbraucher wehren?

 

Den Netzgebühren können sich private Verbraucher nicht entziehen. Sie können jedoch zu einem insgesamt günstigeren Stromtarif wechseln. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt hat, spart mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 207 Euro ein.

 

Methodik

Die Datengrundlage sind Preisdaten der jeweils über 800 Netzbetreiber und Grundversorger (Stand: August 2014/2019). Laut Bundesnetzagentur beziehen rund 28 Prozent der privaten Haushalte den örtlichen Grundversorgungstarif. Alle Preise wurden entsprechend der Größe der Vertriebsgebiete gewichtet.

 

Teurer Winter: Gaspreise steigen 2019 weiter an

 

Private Verbraucher bezahlen 2019 deutlich mehr für Erdgas als im Vorjahr. Der Preistrend hält an: 34 örtliche Gasversorger erhöhen die Preise im Herbst um durchschnittlich 8,4 Prozent. Im nächsten Jahr könnten die Gaspreise wieder sinken.

 

Deutlicher Anstieg seit der letzten Heizperiode

 

Nach jahrelangem Sinkflug sind die Gaspreise seit dem Herbst des Jahres 2018 für private Verbraucher stark angestiegen. Ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bezahlte im Oktober 2018 durchschnittlich 1.120 Euro. Im August 2019 liegen die durchschnittlichen Kosten bei 1.216 Euro, was einem Anstieg von knapp 9 Prozent entspricht.

 

Der kommende Winter wird noch teurer. Für September und Oktober haben 34 örtliche Gasversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 8,4 Prozent angekündigt. Ein Musterhaushalt muss mit Mehrkosten von rund 109 Euro rechnen.

 

„In der kommenden Heizperiode wird das Preisniveau von Erdgas weiter hoch bleiben“, sagt Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. „Daher sollten sich Verbraucher bereits jetzt einen günstigen Gastarif wählen. Dieser sollte eine Preisgarantie von mindestens 12 Monaten haben. So sind die Kunden vor Preiserhöhungen während des Winters geschützt.“

 

Langfristig könnten die Gaspreise sinken

 

Bei den Großhandelspreisen hat sich der Preistrend seit Beginn des Jahres 2019 gedreht. Der Preis an der deutschen Grenze, der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhoben wird, ist seit Januar 2019 um rund ein Drittel gesunken. Daher könnten die Gaspreise für private Verbraucher langfristig wieder sinken.

 

„Sinkende Großhandelspreise haben in der Vergangenheit allerdings deutlich länger als ein Jahr gebraucht, um bei den Endkunden anzukommen“, sagt Valerian Vogel. „Sinkende Erdgaspreise für private Verbraucher erwarten wir daher erst in der übernächsten Heizperiode – falls die Großhandelspreise weiter so günstig bleiben.“

 

Photovoltaik-Anlagen lohnen sich für Eigentümer

 

Private Haus- und Wohnungseigentümer, die eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen, sparen Kohlenstoffdioxid (CO2) und können sogar einen finanziellen Gewinn damit erzielen, so die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

 

Jede erzeugte Kilowattstunde (kWh) Strom setzt im Durchschnitt 474 Gramm CO2 frei. Anders ist es bei der Photovoltaik. Umweltfreundlicher Solarstrom ist fast CO2-frei. Wenn Verbraucher Photovoltaik-Strom selbst erzeugen und im eigenen Haushalt verbrauchen, sparen sie zudem die Bezugskosten ein. Aktuell betragen diese etwa 30 Cent pro kWh. Der überschüssige Strom wird ins Stromnetz eingespeist und der Anlagenbetreiber bekommt dafür „nur“ etwa 10 Cent pro kWh. Maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage ist deshalb ein möglichst hoher Eigenverbrauchsanteil.

 

Photovoltaik-Anlagen mit Batteriespeichern derzeit nicht wirtschaftlicher

 

Mit einem Batteriespeicher können Verbraucher der Eigenverbrauchsanteil des Solarstroms erheblich erhöhen. Dennoch wird die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik-Anlagen oft schlechter, wenn ein Batteriespeicher eingesetzt wird. Gründe hierfür sind die Anschaffungskosten für Batteriespeicher sowie die begrenzte Lebensdauer der Batterien. Wer sich dennoch einen Batteriespeicher anschaffen will, sollte auf die richtige Dimensionierung achten. Maßstäbe für die Größe eines Batteriespeichers sind die Höhe des Strombedarfs sowie die Größe der Photovoltaik-Anlage. Ist der Speicher überdimensioniert, entstehen unnötig hohe Kosten, denen ein bestenfalls geringer Nutzen gegenübersteht.

 

Förderdeckel für Photovoltaik-Anlagen wird voraussichtlich 2020 erreicht

 

Verbraucher sollten mit der Inbetriebnahme einer Photovoltaik-Anlage nicht zu lange warten, wenn sie noch eine Einspeisevergütung für Solarstrom nach den aktuell geltenden Regeln erhalten wollen. Denn nach Erreichen der Obergrenze sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz keine Einspeisevergütung für Solarstrom mehr vor. Es soll zwar eine Anschlussreglung geben – wie diese aussehen wird, ist aber noch offen. Bei Verbrauchern ergeben sich daraus viele Fragen, die die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beantwortet. 

 

Zusatzinformation: Rechenbeispiel

 

Kosten und Erträge einer 4-Kilowatt-Peak-Photovoltaikanlage

 

Kosten

Investitionskosten, einmalig         ca. 4.800 Euro

Laufende Kosten pro Jahr             ca. 150 Euro

(Wartung, Stromzähler, Versicherung)               

 

Erträge

bei einer Jahresstromproduktion von 3.600 kWh mit 70 Prozent Einspeisung und

30 Prozent Eigenverbrauch

 

Verbrauchseinsparung pro Jahr:        324 Euro

Einspeisevergütung pro Jahr:             250 Euro

 

 

Verbraucherzentrale rät beim Bau von Photovoltaik-Anlagen zur Eile

 

Beim Bau privater Solarstromanlagen mahnen Verbraucherschützer zur Eile. "Betreiber neuer Solarstromanlagen erhalten nach aktueller Rechtslage keine Einspeisevergütung mehr, wenn alle bestehenden Anlagen zusammen eine bestimmte Leistungsgrenze überschreiten. Das passiert aller Voraussicht nach im kommenden Jahr", sagte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Hintergrund ist der Passus im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), der einen Förderstopp vorsieht, sobald alle in Deutschland geförderten Photovoltaik-Anlagen zusammen 52 Gigawatt Strom produzieren können. "Verbrauchern, die mit dem Gedanken an eine eigene Solarstromanlage spielen, können wir in der jetzigen Unsicherheit nur raten: Lieber jetzt aktiv werden als zu lange warten", sagte Sieverding. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte: "Aktuell sind rund 47,8 Gigawatt Solarleistung installiert." Seit Anfang des Jahres wurden rund zwei Gigawatt Leistung zugebaut.

 

Photovoltaik für Privatleute nicht generell günstiger geworden

 

Modulpreise zwar gesunken, Spanne der Endpreise aber breit

 

Dass Photovoltaik immer günstiger wird, stimmt für kleine Anlagen so pauschal nicht. Das belegt eine aktuelle Auswertung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW. Zumindest für Anlagen bis zu einer Leistung von 6 kWp sind die Endpreise pro kWp demnach von 2017 bis 2018 sogar leicht gestiegen. Oberhalb dieser Grenze sind allerdings Preisrückgänge zu verzeichnen – und zwar umso stärkere, je größer die Anlagen werden. Die Wissenschaftler werteten circa 2.500 Original-Angebote von privaten Nutzern aus.

 

Demnach zahlte, wer 4 kWp aufs Dach brachte, 2018 im Schnitt gut zwei Prozent mehr, als im Vorjahr fällig geworden wäre, nämlich 1.854 Euro brutto pro kWp. Die Installation einer 10-kWp-Anlage wurde hingegen um 1,5 Prozent günstiger, kostete noch rund 1.568 Euro pro kWp. Die Einkaufspreise für Module sanken unterdessen um 20 Prozent und mehr.

 

„Je größer die Anlage, desto stärker ist der Einfluss der Materialkosten auf den Preis pro kWp“, sagt Thomas Wennmacher, Experte für Finanzierungsmodelle in der Energiewende bei der Verbraucherzentrale NRW. Auf Gründe für die Steigerungen bei den kleinen Anlagen lasse sich aus den Daten aber nicht schließen.

 

Die wichtigste Schlussfolgerung ist dem Experten zufolge ohnehin eine rein praktische: „Wer eine PV-Anlage kaufen will, sollte sich an realistischen Endpreisen der angestrebten Anlagengröße orientieren. Oft wird fälschlich aber mit dem gleichen Preis pro kWp für verschiedene Anlagengrößen kalkuliert. Hier bieten die für uns erhobenen Werte eine solide Basis. Und vor allem gilt die Devise: Angebote vergleichen!“ Denn bereits die im März veröffentlichte HTW-Studie zur Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW hatte extrem breite Preisstreuungen gezeigt. Teils seien diese sicherlich auf unterschiedlichen Installationsaufwand am Objekt zurückzuführen, so Wennmacher. Doch manch exorbitanter Preis deute auf zu wenig Wettbewerb unter den Installateuren und deshalb höhere Margen hin. Hier sollten Interessenten vorab prüfen, ob andere Betriebe ein günstigeres Preis-Leistungsverhältnis bieten. Schließlich riskiere, wer zu viel bezahle, letztlich die Wirtschaftlichkeit seiner Anlage.

 

Strompreis für Verbraucher seit 2007 um 50 Prozent gestiegen

 

Der durchschnittliche Strompreis für Verbraucher hat im Juli 2019 erneut ein Rekordhoch erreicht. 5.000 kWh kosteten im Schnitt 1.473 Euro.Das entspricht einem nominalen Anstieg von 50 Prozent seit Juli 2007. Vor zwölf Jahren zahlten Endkunden für dieselbe Menge Strom noch durchschnittlich 981 Euro. "Der Strompreis jagt von einem Rekord zum nächsten", sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. "Jeden Monat wird Strom für Verbraucher ein bisschen teurer. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht."

 

Zeitgleich mit dem Rekordpreis für Strom hat auch der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland ein Hoch erreicht. Im ersten Halbjahr 2019 wurde in Summe erstmals mehr Strom aus Solar, Wind, Wasser und Biomasse produziert als aus Kohle- und Atomkraft.

 

Bundesgerichtshof-Urteil zu Strompreisen: Ein Sieg für die Verbraucher

 

Verbraucher können in Zukunft mit niedrigeren Netzentgelten rechnen. Der Bundesgerichtshof hat in einem eben verkündeten Urteil die Absicht der Bundesnetzagentur bestätigt, die staatlichen Garantierenditen für die rund 900 Betreiber von Elektrizitätsnetzen von 2019 bis 2023 um rund 2,1 Milliarden Euro zu kappen. Gegen die Pläne der Behörde hatten fast alle betroffenen Konzerne und Stadtwerke geklagt.

 

Die Garantierenditen sind Teil der Netzentgelte, die Haushalte und Unternehmen für die Nutzung der Stromleitungen zahlen. Die Netzentgelte sind mit durchschnittlich 287 Euro im Jahr der teuerste Posten auf der Stromrechnung eines Familienhaushaltes.

 

"Das Urteil ist ein Sieg der Verbraucher über die Netzlobby. Das ist ein erster Schritt gegen staatlich garantierte Traumrenditen für Konzerne und Stadtwerke", so Gero Lücking vom Ökostrom-Marktführer LichtBlick.

 

Fünf Tipps zur Heizungsoptimierung

 

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bremen erklärt, welche fünf Maßnahmen bei der Modernisierung der Heizungsanlage am wichtigsten sind.

Ein effizienter Heizkessel: Allein der Austausch eines alten Heizkessels gegen einen modernen Kessel kann den Brennstoffverbrauch um bis zu 15 Prozent reduzieren. In Kombination mit zusätzlichen Maßnahmen kann das Einsparpotenzial um bis zu weitere 15 Prozent gesteigert werden. Daher sollte beim Einbau eines neuen Heizkessels stets die gesamte Anlage optimiert werden.

Der hydraulische Abgleich: Mit dem hydraulischen Abgleich passt der Fachmann den Warmwasserdurchfluss in den Heizkörpern an. Das spart Heizenergie und Pumpenstrom.

Eine effiziente Umwälzpumpe: Der Einbau von Hocheffizienzpumpen verringert den Energieverbrauch weiter. Werden alte Umwälzpumpen ersetzt, reduziert das den Stromverbrauch der Heizung um bis zu 80 Prozent.

Die richtige Einstellung: Ist der Fachmann einmal im Haus, sollte er auch die Regelungseinstellungen optimieren. Statt die Heizung mit Werkseinstellungen laufen zu lassen, sollte die Heiz- und Warmwassertemperatur und die Nachtabsenkung richtig eingestellt werden. Dadurch wird deutlicher weniger Energie verbraucht.

Gut eingepackt: Eine vollständige und ausreichend dicke Dämmung der Rohre und Armaturen erhöht die Effizienz der Heizung ebenfalls. Ist die Dämmung nicht schon beim Einbau der Heizanlage erfolgt, muss nachträglich gedämmt werden. Es gibt Anlagen, bei denen der Wärmeverlust die Hälfte des eingesetzten Brennstoffs ausmacht.

 

So gelingt der Klimaschutz zu Hause

 

Klimaschutz ist ein Thema, das viele Menschen bewegt. Etwa ein Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland fällt in privaten Haushalten an. Und davon wiederum werden laut Umweltbundsamt mehr als zwei Drittel zum Heizen verwendet. Wer sein Zuhause modernisiert, kann Heizkosten sparen, seine Wohnqualität erhöhen, die Energiewende in Deutschland voranbringen und so das Klima schonen. Mit welchen Kosten Hausbesitzer rechnen sollten und welche Energieeinsparung unterschiedliche Maßnahmen bringen können, erklärt die LBS Bayern.

 

Bei neuen Häusern gehört es mittlerweile zum Standard, erneuerbare Energien einzubinden. In vielen älteren Gebäuden ist das nicht der Fall. Wer eine Solaranlage zur Unterstützung der Heizung nachrüsten möchte, muss - je nach Fläche - mit Kosten bis zu etwa 10.000 Euro rechnen. Dafür lassen sich etwa zehn bis 20 Prozent Energie einsparen. Soll auch die zugehörige Heizung erneuert werden, müssen ebenfalls rund 10.000 Euro kalkuliert werden. Gegenüber einer veralteten Anlage kann das aber eine Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent bringen, wie die LBS Bayern erläutert.

 

Damit die Wärme im Haus bleibt, bietet sich ein Austausch der Fenster an, für den eine Größenordnung von etwa 500 Euro pro Fenster anfällt. Dem stehen ungefähr fünf Prozent Energieeinsparung gegenüber. Einen großen Effekt hat die Dämmung der Außenwand, die etwa 160 Euro pro Quadratmeter kostet und bis zu 20 Prozent Energie einsparen kann.

 

Stromstudie: Das kostet Strom in Deutschland 

 

Was kostet Strom in Deutschland? Wie haben sich die Strompreise in den letzten Monaten entwickelt? Und wo zahlen Haushalte am meisten bzw. am wenigsten für Strom?

 

Regelmäßig analysiert das Verbraucherportal StromAuskunft (www.stromauskunft.de) die Strompreise für 6400 Städte in Deutschland und veröffentlicht diese in der Studie "Strompreise in Deutschland". Dabei werden die Erkenntnisse tabellarisch sowie grafisch ausgewertet und auf der Seite https://www.stromauskunft.de/strompreise/ veröffentlicht.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse:

 

1. Verbraucher zahlen in der Grundversorgung im bundesweiten Durchschnitt 32,2 Cent pro kWh. Damit sind die Strompreise für Haushalte so hoch wie nie und die teuersten in ganz Europa.

 

2. Die Stromkosten für Verbraucher sind regional sehr unterschiedlich. Haushalte in Düsseldorf zahlen z.B. rund 200 Euro weniger für Strom als Haushalte in Frankfurt oder Berlin. Zwischen der günstigsten Stadt (Lippstadt) und der teuersten Stadt (Hersbruck) beträgt der Preisunterschied 444 Euro.

 

zu 1: Strompreisentwicklung in Deutschland

 

Die Strompreise für Privathaushalte in Deutschland sind so hoch wie noch nie. In der Grundversorgung zahlen Verbraucher in Deutschland im Durchschnitt 32,2 Cent pro kWh. Beim günstigsten Alternativanbieter kostet die kWh 27,5 Cent. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres haben etwa zwei Drittel der 826 Grundversorger in Deutschland die Strompreise erhöht - und zwar um durchschnittlich rund 5 Prozent.

 

"Mittlerweile haben wir in Deutschland die höchsten Strompreise in Europa. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die hohen Umlagen und Steuern. Die reine Stromerzeugung ist nicht die Ursache für die hohen Kosten. Auch wenn die Preise gestiegen sind, kostet eine Kilowattstunde im Großhandel weniger als fünf Cent," sagt Dr. Jörg Heidjann, Herausgeber der Strompreis Studie.

 

zu 2: Atlas für Strompreise zeigt regionale Preisunterschiede

 

Wie viel Geld Verbraucher für Strom in Deutschland ausgeben hängt neben dem Verbrauch auch vom Wohnort ab. Im Durchschnitt bezahlt ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh 1127 Euro pro Jahr in der Grundversorgung und 959,- Euro beim günstigsten Alternativanbieter. Deutlich sichtbar werden die regionalen Preisunterschiede im Atlas für Strompreise. Dort werden deutschlandweit die aktuellen monatlichen Strompreise für 6400 Städte, Landkreise und kreisfreie Städte visualisiert. Die Strompreise sind farblich unterschiedlich dargestellt (rot = teuer, grün = günstig), so dass die Karte auf einen Blick zeigt, wo Strom in Deutschland eher günstig oder teurer ist. Grundlage ist ein Jahresverbrauch von 3500 kWh.

 

Analyse der Stromkosten nach Bundesländern

 

Betrachtet man die Strompreise nach Bundesland, so zahlen Verbraucher in Thüringen (1217 EUR), Schleswig Holstein (1207 EUR), Hamburg (1197 EUR) , Mecklenburg - Vorpommern (1184 EUR) und Brandenburg (1164 EUR) besonders viel für Strom. Günstiger hingegen sind die Strompreise in Bremen (1020 EUR), Niedersachsen (1080 EUR), Sachsen (1098 EUR), Rheinland - Pfalz (1106 EUR) und Nordrhein Westfalen (1107 EUR). Einwohner in Bremen zahlen also im Durchschnitt 200 Euro weniger für Strom als Einwohner in Thüringen.

 

Analyse der Stromkosten in den Großstädten

 

Betrachtet man die Strompreise der 20 größten Städte in Deutschland, so ergibt sich folgendes Bild:

 

Stadt       Kosten Oktober 2018    Kosten April 2019    Veränderung

Berlin                             1141                   1141                 keine

Hamburg                       1122                   1197                +6,9%

München                       1069                   1091                +2,1%

Köln                              1026                   1109                +8,1%

Frankfurt                       1142                   1186                +3,9%

Stuttgart                        1132                   1176                +3,9%

Dortmund                      1114                   1156                +3,8%

Düsseldorf                       943                   1003                +6,3%

Essen                            1099                   1099                keine

Leipzig                           1122                   1128                +0,5%

Hannover                       1068                   1086                +1,7%

Haushalte in Düsseldorf zahlen also im Durchschnitt rund 200 EUR weniger für Strom als Haushalte in Frankfurt oder Berlin.

 

Besonders deutlich wird der regionale Unterschied der Strompreise in Deutschland, wenn man die Strompreise der günstigsten Stadt Lippstadt mit 940 EUR und der teuersten Stadt Hersbruck mit 1384 EUR betrachtet. Das ist ein Preisunterschied von 444 EUR.

 

Eine Übersicht für alle Städte in Deutschland gibt es auf dieser Seite: https://www.stromauskunft.de/strompreise/stromkosten-vergleich/

 

Strom- und Gaspreise im ersten Quartal 2019 auf Rekordniveau

 

Der durchschnittliche Strompreis ist im März 2019 den siebten Monat in Folge gestiegen und erreicht erneut einen Rekordwert. Verbraucher zahlen für 5.000 kWh im Schnitt 1.459 Euro.

 

Für April und Mai haben weitere 59 Grundversorger Preiserhöhungen angekündigt. Damit haben 2019 insgesamt 607 Grundversorger ihre Preise erhöht. Im Schnitt betragen die Anpassungen 5,2 Prozent und betreffen rund 6,8 Mio. Haushalte.

 

"Seit einigen Wochen sinken die Börsenstrompreise", sagt Dr. Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. "Vor allem alternative Versorger haben dadurch wieder mehr Luft bei der Preisgestaltung. Ob und wann diese Entwicklung bei Endkunden ankommt, ist allerdings ungewiss. Für die Grundversorgung gehen wir zunächst von weiter steigenden Strompreisen aus. Daher raten wir nach wie vor zu einem Anbieterwechsel."

 

Gaspreis erreicht im März Dreijahreshoch

 

Auch der Gaspreis steigt weiter. 20.000 kWh kosten im März 2019 durchschnittlich 1.263 Euro - so viel wie seit drei Jahren nicht mehr. Zu den 316 Grundversorgern, die 2019 bereits ihre Preise erhöht haben, kommen im April und Mai noch 32 weitere hinzu. Insgesamt betragen die Preiserhöhungen 8,6 Prozent und betreffen rund vier Mio. Haushalte.

 

"Auch bei Gas sind die Beschaffungspreise 2019 wieder gesunken", sagt Dr. Oliver Bohr. "Bei den alternativen Gasversorgern macht sich das bereits bemerkbar. Die Preise sanken im März leicht. Mit Preissenkungen auf breiter Front sollten Verbraucher aber nicht rechnen."

 

Anbieterwettbewerb senkt Strom- und Gaspreis - Gesamtersparnis von 481 Mio. Euro im Jahr

 

Die Tarife der alternativen Strom- und Gasversorger sind deutlich günstiger als die Grundversorgung. So sparten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 311 Mio. Euro bei Strom und 170 Mio. Euro bei Gas. Das ergab eine repräsentative Studie der WIK-Consult, einer Tochter des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK).

 

Heizen mit Öl kostet 20 Prozent mehr als vor einem Jahr

 

Verbraucher mit Ölheizung mussten bislang in der aktuellen Heizperiode so viel zahlen wie lange nicht. Eine Musterfamilie, die ihr Reihenhaus mit Öl heizte, zahlte dafür von September 2018 bis Januar 2019 insgesamt 804 Euro. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (672 Euro). Grund: Im Herbst 2018 war Heizöl außergewöhnlich teuer.

 

Der Heizbedarf spielt in der Veränderung der Kosten kaum eine Rolle. Trotz des kalten Januars 2019 mussten Verbraucher in der Heizperiode 2018/2019 im Durchschnitt ein Prozent weniger Energie fürs Heizen aufwenden als in der Vorjahresheizperiode.

 

„Zwar befindet sich der Heizölpreis nicht mehr auf Rekordniveau, trotzdem ist Heizöl nach wie vor teurer als vor einem Jahr“, sagt Dr. Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. „Verbraucher sollten sich außerdem auf steigende Gaspreise einstellen.“

Für Gaskunden blieben die Heizkosten in den betrachteten Monaten konstant. Die Musterfamilie mit Gasheizung zahlte 2018/2019 bisher 659 Euro. Damit war das Heizen mit Gas für Verbraucher 18 Prozent günstiger als Heizen mit Öl (804 Euro).

 

Alternativtarife günstiger als Grundversorgung – Gesamtersparnis von 170 Mio. Euro im Jahr

 

Seit 2014 unterschreiten die Tarife der Alternativanbieter die allgemeine Preisentwicklung deutlich. Damit sparten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 170 Mio. Euro. Das ergab eine repräsentative Studie der WIK-Consult, einer Tochter des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK).

 

Babylonische Preisverwirrung auf dem Fernwärmemarkt

 

Preis- und Vertragsänderungen sind für Kunden laut einer neuen Studie des Marktwächters Energie weder verständlich noch nachvollziehbar

 

 

Der deutsche Fernwärmemarkt ist ein bunter Flickenteppich, der aus hunderten lokalen Monopolen besteht. Vor allem bei Preiserhöhungen stehen Kunden einem verwirrenden Kaleidoskop von Begriffsdefinitionen und Preisgestaltungen gegenüber. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert daher eine bundesweit einheitliche Terminologie und eine Veröffentlichungspflicht für Preisregelungen und Preislisten.

 

Experten des Marktwächters Energie haben bundesweit öffentlich zugängliche Vertragsunterlagen von Fernwärmeversorgern untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es fast so viele Formeln und Indizes für die Kalkulation der Preise gibt wie Anbieter. In einigen Fällen gilt das sogar für verschiedene Netze des gleichen Unternehmens.

 

„Die Anbieter sprechen noch nicht einmal die gleiche Sprache“, sagt Svenja Gesemann, Projektleiterin des Marktwächters Energie beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Was bei dem einen der Grundpreis ist, heißt anderswo Leistungspreis, der Messpreis erscheint auch als Verrechnungspreis oder Messdienstleistung und der Arbeitspreis taucht auch als Verbrauchspreis auf. Die meisten Kunden verstehen da nur Bahnhof und können die Begründungen der Preiserhöhungen so nicht nachvollziehen.“

 

Im Rahmen einer Online-Befragung von betroffenen Fernwärmekunden gab die überwiegende Mehrheit an, die von den Lieferanten erhaltenen Informationen zu Preisanpassungen nur schlecht oder sehr schlecht verstanden zu haben. Nur etwa jeder Zehnte war mit den erhaltenen Erklärungen einigermaßen zufrieden.

 

Auch die formale Begründung der Preisanpassungen erfolgt je nach Anbieter unterschiedlich. Die Untersuchung zeigt, dass Preisanpassungen in 118 von 325 untersuchten Fällen mit Hilfe einer Preisänderungsklausel vorgenommen werden. In 31 Fällen enthielt das Schreiben an die Kunden nur einen Verweis auf die Fernwärme-Verordnung (AVBFernwärmeV) oder die Versorger teilten gar nicht mit, worauf sie ihr vermeintliches Recht zur Preisanpassung stützten. Bei 149 der 325 untersuchten Unternehmen war die Vorgehensweise anhand von öffentlich zugänglichen Informationen nicht erkennbar.

 

„Eine transparente Preisgestaltung ist eine Grundbedingung für das Vertrauen der Verbraucher, die Fernwärme nutzen wollen“, unterstreicht Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen beim vzbv. „Daher fordert der vzbv eine bundesweite Pflicht zur Veröffentlichung der allgemeinen Versorgungsbedingungen sowie der dazugehörigen Preisregelungen und Preislisten im Internet, zum Beispiel nach dem Muster des Gesetzes zur Energiewende und zum Klimaschutz in Schleswig-Holstein, welches diese Praxis seit März 2017 vorschreibt. Außerdem müssen auch einheitliche Begrifflichkeiten für die Faktoren in den Preisänderungsklauseln etabliert werden.“

 

Analog der Stromkennzeichnung muss nach Ansicht des vzbv auch die Angabe der eingesetzten Brennstoffe, der Emissionen und der Netzverluste für jedes Fernwärmenetz neben der Darstellung eines bundesweiten Mixes zur Pflicht gemacht werden. Diese Informationen wären auf der Rechnung und im Internet anzugeben.

 

Aktuelle Stichprobe zeigt: Vier von fünf Heizkostenabrechnungen enthalten Mängel oder Auffälligkeiten

 

Bei vier von fünf Heizkostenabrechnungen gibt es Auffälligkeiten oder Mängel. Das zeigt eine Stichprobe, bei der die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online rund 100 aktuelle Heizkostenabrechnungen von Finanztip-Lesern geprüft hat. Zudem wird in mehr als der Hälfte der Häuser deutlich mehr Heizenergie verbraucht als nötig. So entstehen unnötig hohe CO2-Emissionen und Kosten.

 

Besonders bei der Abrechnung des Warmwasserverbrauchs und beim Betriebsstrom gab es Unregelmäßigkeiten. „Bei 60 Prozent aller untersuchten Abrechnungen wird der Energieanteil für Warmwasser nicht korrekt, also nach den Vorgaben der Heizkostenverordnung, gemessen“, erklärt Energie-Expertin Ines Rutschmann von Finanztip. „In solchen Fällen können Mieter die Kosten fürs warme Wasser pauschal um 15 Prozent kürzen.“

 

Ein weiterer Mangel, der häufig auftritt: Bei jeder fünften Abrechnung überschreiten die Kosten für Betriebsstrom vertretbare Werte. „Mieter haben dann das Recht, die entsprechenden Belege einzusehen“, erklärt Rutschmann. „Als Faustregel gilt: Kostet der Betriebsstrom mehr als fünf Prozent der Brennstoffkosten, muss der Vermieter die hohen Ausgaben nachweisen können.“ Macht er das nicht, können Mieter der Abrechnung widersprechen.

 

Heizenergieverbrauch ist oft deutlich zu hoch

 

In vielen untersuchten Gebäuden wird zudem deutlich zu viel Heizenergie verbraucht. Nur bei 13 Prozent der Gebäude entspricht der Verbrauch den Schulnoten „sehr gut“ oder „gut“. Das sind Werte, die im Hinblick auf die zugrunde liegende Gebäudeklasse erreicht werden können. Knapp zwei Drittel der Gebäude waren hingegen nur „ausreichend“, „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

 

Besonders auffällig ist: In einem Drittel der untersuchten Wohnungen liegt der Verbrauch deutlich höher, als es der eigentlichen Wohnungslage entsprechen sollte. Haushalte sollten deshalb immer ihren eigenen Verbrauch online prüfen – zum Beispiel mit dem kostenlosen Heizkostenrechner auf www.heizspiegel.de.

 

„Der hohe Verbrauch zeigt deutlich, dass viele Gebäude ein hohes Sparpotenzial haben – bei den Kosten und bei den CO2-Emissionen“, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. „Die Bewohner können mit Änderungen ihres Nutzerverhaltes den Verbrauch und die Kosten senken. Vermieter und Verwalter sollten stets ihrer Instandhaltungspflicht nachkommen, zusätzlich geringinvestive Maßnahmen umsetzen und energetisch sanieren – im eigenen Interesse und im Interesse ihrer Mieter.“

 

Brennstoff wird zu teuer eingekauft

 

Die Stichprobe zeigt weiter, dass viele Haushalte zu viel fürs Heizen bezahlen, weil der Einkaufspreis des Brennstoffs zu hoch ist. In mehr als einem Drittel der Fälle lagen die Kosten für Erdgas mehr als 10 Prozent über einem günstigen Tarif. Die höchste Abweichung: dreimal so teuer wie in einem günstigen Tarif. Bei Fernwärme gab es noch häufiger hohe Einkaufskosten. Mehr als die Hälfte der untersuchten Gebäude mit Fernwärme beziehen den Brennstoff zu Kosten, die mehr als 10 Prozent über dem Durchschnitt der jeweiligen Region liegen. Die Ursache: eine zu hohe Anschlussleistung. Durch eine Korrektur könnten die Bewohner eines Gebäudes jedes Jahr mehrere Hundert Euro sparen, bezogen auf eine Wohnung etwa 50 bis 100 Euro jährlich.

 

Betroffene Verbraucher sollten ihren Verwalter oder Vermieter deshalb auffordern, den Brennstoff günstiger einzukaufen oder die Fernwärme-Anschlussleistung anzupassen. Schließlich untersagt das Wirtschaftlichkeitsgebot im Bürgerlichen Gesetzbuch Vermietern und Hausverwaltungen, unnötig hohe Kosten an die Mieter weiterzugeben.

 

Die Heiznebenkosten steigen

 

Die Heiznebenkosten der untersuchten Haushalte liegen im Durchschnitt bei 156 Euro pro Jahr. Vor fünf Jahren waren es noch gut 40 Euro weniger. Zu den Heiznebenkosten gehören zum Beispiel die Kosten für die Heizungswartung, die Gebühren für den Messdienstleister sowie die Betriebsstromkosten der Anlage. Ein Grund für die steigenden Kosten: Immer mehr Hausverwaltungen leasen Messgeräte, statt diese zu kaufen. Das ist zwar zulässig, für die Mieter allerdings meist teurer. In der Stichprobe waren drei Viertel aller Geräte geleast.

 

420 Grundversorger erhöhen Strompreis - Anbieterwechsel spart bis zu 569 Euro p. a.

 

Fast die Hälfte der Stromgrundversorger hat im vierten Quartal 2018 Preise erhöht oder Erhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt - im Schnitt um 5,2 Prozent. Betroffen sind rund vier Millionen Haushalte.

 

"Verbraucher sollten jetzt aktiv werden und den Anbieter wechseln, gerade wenn sie noch teuren Strom aus der Grundversorgung beziehen", sagt Dr. Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. "Andernfalls verschenken sie mehrere hundert Euro. In den 100 größten deutschen Städten spart eine Familie durchschnittlich 354 Euro im Jahr."

 

Besonders hoch ist das Sparpotenzial bei einem Wechsel aus der Grundversorgung zum günstigsten Alternativanbieter mit 569 Euro für einen Musterhaushalt (5.000 kWh Jahresverbrauch) in Fürth. Auch in Pforzheim und Mannheim sind über 500 Euro 

 

Wer der Umwelt etwas Gutes tun will, wechselt in einen nachhaltigen Ökostromtarif. Auch diese Tarife sind oft deutlich günstiger als die des Grundversorgers. Im Schnitt der 100 betrachteten Städte spart der Wechsel aus der Grundversorgung zum günstigsten nachhaltigen Ökostromanbieter 320 Euro im Jahr.

 

Anbieterwettbewerb senkt Strompreis - Gesamtersparnis von 311 Mio. Euro im Jahr

 

Die Tarife der alternativen Stromversorger unterschreiten die allgemeine Preisentwicklung deutlich. So sparten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 311 Mio. Euro. Das ergab eine repräsentative Studie der WIK-Consult, einer Tochter des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK).

 

Heizkosten-Prognose 2018: Heizen mit Heizöl teurer als Heizen mit Erdgas

 

790 Euro - so hoch waren die durchschnittlichen Heizkosten in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung mit Erdgas-Zentralheizung im vergangenen Jahr. Während in energetisch guten Häusern 520 Euro gezahlt wurden, mussten Bewohner von energetisch schlechteren Wohnungen 1.110 Euro zahlen. Das zeigt der Heizspiegel für Deutschland 2018, den die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online heute im Auftrag des Bundesumweltministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Mieterbund e. V. im Rahmen der Kampagne "Mein Klimaschutz" veröffentlicht hat.

 

Verbraucher können auf www.heizspiegel.de und www.mieterbund.de kostenlos prüfen, wo sie mit ihren Heizkosten im Vergleich zu ähnlichen Haushalten stehen. Der Heizspiegel-Flyer ist ab Mitte Oktober bundesweit bei vielen Mietervereinen sowie Städten und Gemeinden erhältlich.

 

Prognose: Heizen mit Heizöl teurer als mit Erdgas

 

Die Heizkosten haben sich im vergangenen Jahr je nach Energieträger uneinheitlich entwickelt. In einer 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit Heizöl-Zentralheizung sind die Kosten wegen höherer Heizöl-Preise im Schnitt um 85 Euro gestiegen - auf 750 Euro pro Jahr. In einer Wohnung mit Erdgas-Zentralheizung sanken die durchschnittlichen Kosten auf 790 Euro (minus 20 Euro). Bei Fernwärme waren es 895 Euro (minus 35 Euro).

 

Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich auch in diesem Jahr fortsetzen: Bewohner von ölbeheizten Häusern müssen aufgrund steigender Preise wahrscheinlich mit 8 Prozent Mehrkosten rechnen. In Häusern mit Erdgas- und Fernwärmeheizung dürften die Kosten um etwa 3 Prozent sinken. Damit würde das Heizen mit Heizöl seinen Kostenvorteil verlieren und wieder teurer sein als das Heizen mit Erdgas.

 

Sanierungsstand: wichtigster Faktor für Heizkosten und Klimaschutz

 

Der Heizspiegel macht deutlich: Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Heizkosten zwar auf den ersten Blick relevant - wesentlich wichtiger ist jedoch der Sanierungsstand eines Hauses.

 

"Der Sanierungsstand ist der meistunterschätzte Faktor für Heizkosten. In einem energetisch schlechteren Haus sind die Heizkosten im Schnitt doppelt so hoch wie in einem energetisch besseren Haus", sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. "Auch die CO2-Emissionen sind in besser sanierten Gebäuden deutlich geringer." In einem energetisch besseren Mehrfamilienhaus mit Erdgas-Zentralheizung entstehen in einer 70-Quadratmeter-Wohnung pro Jahr etwa 1,5 Tonnen klimaschädliches CO2 durchs Heizen. In einem energetisch schlechteren Gebäude sind es 4,1 Tonnen. Um diesen CO2-Unterschied zu kompensieren, müssten rund 200 Bäume gepflanzt werden.

 

Mieterbund: Mieter können Heizkosten senken

 

Die Höhe der Heizkosten hängt maßgeblich vom Witterungsverlauf, dem Sanierungsstand des Hauses, aber auch vom konkreten Verbrauchsverhalten der Mieter ab. Das bestätigt Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten: "Der Heizspiegel gibt Mietern einen Überblick über die Verbräuche und Heizkosten des eigenen Wohngebäudes. Online können Sie sogar ihre eigene Wohnung vergleichen und herausfinden, wie hoch ihr persönliches Sparpotenzial ist. Viele Mieter können durch ein anderes Verhalten ihre Heizkosten deutlich senken - ohne auf Komfort zu verzichten."

 

Rechner für Heizkosten und Tipps zum Sparen

 

Mit einem kostenlosen Heizkostenrechner erfahren Mieter und Eigentümer auf www.heizspiegel.de, wie ihre Wohnung oder ihr Haus bei Heizkosten und Heizenergieverbrauch abschneidet. Außerdem finden sie dort zahlreiche Tipps zum Senken ihrer Heizkosten.

 

Weitere Daten und Hintergründe aus dem Heizspiegel

 

Was ist eine "durchschnittliche Wohnung"?

 

Als durchschnittliche Wohnung wird eine 70 Quadratmeter große Wohnung bezeichnet, die in einem 501 bis 1.000 Quadratmeter großen Mehrfamilienhaus liegt. Sofern nicht anders bezeichnet, wird sie zentral mit Erdgas beheizt.

 

Wie hoch waren die durchschnittlichen Heizkosten 2017?

 

In einer durchschnittlichen Wohnung zahlten die Bewohner mit Erdgas-Zentralheizung 2017 im Schnitt rund 790 Euro. In Wohnungen mit Heizöl-Zentralheizung waren es etwa 750 Euro, bei Fernwärme rund 895 Euro. Andere Energieträger wie Strom oder Biomasse werden nur in etwa elf Prozent aller Haushalte genutzt. Deswegen sind sie bisher nicht Teil der Heizspiegel-Auswertung.

 

Prognose: Welche Heizkosten sind für das Abrechnungsjahr 2018 zu erwarten?

 

In erdgas- und fernwärmebeheizten Gebäuden werden die Heizkosten 2017 voraussichtlich um etwa 3 Prozent sinken. Bewohner von Häusern mit Heizöl-Zentralheizung müssen mit einem Anstieg der Heizkosten um 8 Prozent rechnen.

 

EU-Vergleich: Strom in Deutschland am teuersten

In keinem anderen Land der EU war Strom im vergangenen Jahr so teuer wie in Deutschland. Das liegt in erster Linie an den fälligen Steuern und Umlagen. Mit 57 Prozent ist die Abgabenlast auf Strom hierzulande derzeit so hoch wie nie. Das zeigt eine Auswertung des Verbraucherportals Verivox.

 

Deutscher Strompreis 49 Prozent über EU-Durchschnitt

 

2017 zahlte ein Haushalt in Deutschland laut Eurostat durchschnittlich 30,48 Cent je Kilowattstunde Strom – so viel wie in keinem anderen Mitgliedsland der Europäischen Union. Auf Platz zwei folgt Dänemark mit 30,30 Cent. Überdurchschnittlich hohe Preise wurden auch in Belgien (28,38 Cent), Irland (23,30 Cent), Portugal (22,57 Cent), Spanien (22,37 Cent) und Italien (21,11 Cent) fällig.

 

Im günstigsten Mitgliedsstaat der EU, Bulgarien, zahlten die Einwohner durchschnittlich 9,69 Cent je verbrauchter Kilowattstunde und damit nicht mal ein Drittel so viel wie deutsche Stromkunden. Sehr günstigen Strom gibt es auch in Litauen (11,12 Cent) und in Ungarn (11,30 Cent).

Im europäischen Durchschnitt belief sich der Kilowattstundenpreis auf 20,45 Cent. Demnach zahlten deutsche Verbraucher knapp die Hälfte (49 Prozent) mehr.

 

Steuern und Abgaben in Deutschland erreichen 57 Prozent

 

Die Stromkosten für einen Dreipersonenhaushalt (4.000 Kilowattstunden) belaufen sich gemäß Verivox Verbraucherpreisindex aktuell auf 1.104 Euro pro Jahr. Davon entfallen 274 Euro (25 Prozent) auf die Netznutzungsentgelte, 203 Euro (18 Prozent) bleiben den Stromversorgern für Beschaffung, Marge und Vertrieb. Die restlichen 628 Euro (57 Prozent) machen Steuern und Umlagen aus. 2009 lag dieser Anteil noch bei 39 Prozent, 2012 waren es schon 46 Prozent und in 2013 überschritt die Abgabenlast erstmals die 50-Prozent-Marke.

 

„Auf Strom lasten derzeit acht unterschiedliche Steuern und Umlagen. Neben der Mehrwertsteuer und der EEG-Umlage werden die Stromkunden auch für die Konzessionsabgabe, die Stromsteuer, die KWKG-Umlage, die §19-NEV-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage und für die Umlage für abschaltbare Lasten zur Kasse gebeten“ erklärt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Damit dürfte Strom neben Tabak, Benzin und Branntwein eines der am stärksten besteuerten Güter in Deutschland sein.“

 

Kunden mit niedrigen Stromverbräuchen zahlen mehr

Die Strompreise in der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren in Deutschland gestiegen. Dabei ist bemerkenswert: Haushalte mit einem geringen Stromverbrauch werden deutlich stärker belastet, als Haushalte mit höheren Verbräuchen. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

 

Unterschiedliche Entwicklung von Grundpreis und Arbeitspreis

 

Die meisten Stromtarife bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh). Der Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: Der feste Grundpreis, der immer fällig wird, ist für alle Verbrauchstufen um etwa 25 Prozent angestiegen. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde ist hingegen nur um rund 5 Prozent gestiegen. Das heißt: Je mehr Strom ein Haushalt verbraucht, desto geringer fällt die Steigerungsrate aus, da der teure Grundpreis weniger ins Gewicht fällt. Das wird anhand der Auswertung verschiedener Verbrauchsstufen in der Grundversorgung deutlich. Aktuell wird rund ein Drittel der deutschen Haushalte zu den Bedingungen der Grundversorgung beliefert.

 

Ein-Personen-Haushalte haben stärksten Strompreisanstieg

 

Bei einem Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) beträgt der Arbeitspreis im örtlichen Grundversorgungstarif heute im bundesweiten Durchschnitt 28,20 Cent pro Kilowattstunde. Anfang 2013 lag dieser Preis noch bei 26,98 Cent/kWh. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 5 Prozent. Der durchschnittliche Grundpreis hingegen ist im gleichen Zeitraum von jährlichen 86,35 Euro auf heute 108,12 Euro gestiegen. Das entspricht einer Erhöhung von rund 25 Prozent. Heute zahlt ein Single-Haushalt damit etwa 531 Euro für Strom – 8,2 Prozent mehr als noch im Januar 2013.

 

Je größer der Verbrauch, desto geringer die Teuerung

 

Der Anstieg der Grundkosten fällt weniger ins Gewicht, je höher der Verbrauch ist: Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) stiegen die Gesamtkosten seit Januar 2013 nur um 5,6 Prozent. Noch deutlicher wird das Phänomen bei einem sehr hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool). Hier stiegen die Stromkosten von 2.868 Euro im Januar 2013 auf heute 2.933 Euro gerade einmal um 2,3 Prozent.

 

Warum steigen die Grundkosten? Netzbetreiber verändern ihre Gebührenstruktur

 

Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die Gebühren der Stromnetzbetreiber, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Sie geben den Trend vor, den Grundpreis stärker zu erhöhen als den Arbeitspreis, wie eine weitere Auswertung zeigt. Die Grundkosten der Netzbetreiber sind in den letzten fünf Jahren um 62 Prozent gestiegen, während die Arbeitspreise nur um 3 Prozent gestiegen sind. Entsprechend ist die Preisentwicklung die verschiedenen Verbrauchsstufen: Die Netzgebühren der Geringabnehmer (1.500 kWh) stiegen seit 2013 um rund 22 Prozent, während die Preise für Großabnehmer (10.000 kWh) nur um 7 Prozent zulegten. „Als Grund wird angegeben, dass so die Kosten gerechter verteilt werden würden. Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, sollen über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Doch gleichzeitig werden dadurch Haushalte mit geringen Verbräuchen gegenüber Großverbrauchern benachteiligt.“

 

Wie können sich Verbraucher gegen diese Entwicklung wehren?

 

Da die Netzbetreiber eine regulierte Monopolstellung haben, können sich private Verbraucher diesen Gebühren nicht entziehen. Sie können sich jedoch für einen Stromtarif entscheiden, der insgesamt günstiger ist. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt hat, spart mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 458 Euro ein. 

 

Lohnt sich die Investition in die Sonne noch?

Solarstrom lohnt sich nicht mehr, glauben viele Hausbesitzer. Die Anschaffung sei zu teuer, der Umbau zu aufwändig. Im Interview erklärt Jochen Schäfenacker, Energieberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warum das so nicht stimmt und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Photovoltaik.

 

Die staatliche Förderung im Bereich Solarenergie wurde ja in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt. Lohnt sich Photovoltaik (PV) für Otto-Normal-Eigenheimbesitzer heute noch?

Jochen Schäfenacker: Ganz bestimmt! Denn die Preise für die Anschaffung der Module sind in den letzten Jahren deutlich gesunken, so dass sich Photovoltaik nach wie vor lohnt - vor allem durch die verstärkte Nutzung des Solar-Eigenstroms.

 

Ist es generell besser, den Strom selbst zu nutzen als ihn ins Netz einzuspeisen?

 Ja genau! Da die Einspeisevergütung sich auf niedrigem Niveau eingependelt hat, ist es tatsächlich sinnvoller, den Strom selbst zu nutzen. Momentan bringt die Einspeisung einer Kilowattstunde bei Neuanlagen etwas mehr als 12 Cent, garantiert für 20 Jahre. Eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz kostet mindestens 25 Cent. Der Direktverbrauch spart also deutlich mehr ein, als der Verkauf einbringt.

 

Wie kann ich mehr von dem Strom nutzen, den ich selbst erzeuge?

Mit einer PV-Anlage auf dem Dach kann ich im Durchschnitt 15 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selber nutzen. Abends und nachts, wenn ich beispielsweise für Licht, Fernseher oder Waschmaschine viel Strom brauche, scheint aber keine Sonne. Mit einer Batterie kann ich aber den tagsüber produzierten Strom speichern und so den Anteil an selbstgenutzten Strom auf 30 und 60 Prozent hochschrauben. Die Anschaffung von Speichern wird übrigens staatlich gefördert.

 

Wie groß sollte denn eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus sein und wie teuer ist das?

 Je größer desto besser! Für je 1.000 Kilowattstunden Strom, die ein Haushalt pro Jahr verbraucht, sollte mindestens ein Kilowatt Nennleistung (1 kWp, ausgesprochen: Kilowatt Peak) eingeplant werden. Das kostet inklusive Installation jeweils etwa 1.200 bis 1.600 Euro netto. Mehr als 10 kWp sollten Privatleute nicht einplanen. Jenseits dieser Grenze gelten andere Vorgaben, die den Betrieb komplizierter und weniger wirtschaftlich machen.

 

Kann eine PV-Anlage auf jedem Dach installiert werden?

 Auch, wenn sich hier einige Mythen halten: Flachdächer sind ebenso geeignet wie Dächer mit Neigung. Und auch auf Ost- und Westdächern können Anlagen wirtschaftlich sein. An Fläche benötigt eine Photovoltaikanlage rund acht Quadratmeter pro Kilowatt Nennleistung. Wichtig ist, dass eine eventuell nötige Dachsanierung vorab erledigt wird.

 

PV-Anlagen werden meisten von Eigenheimbesitzern genutzt. Mieter gehen in der Regel leer aus. Eine Alternative bieten Kleinstanlagen, die man zum Beispiel auf Balkonen aufstellen kann. Als Plug-and-Play-Anlagen speisen sie grünen Strom direkt über die nächste Steckdose ins Hausnetz ein und lassen Stromzähler entsprechend langsamer laufen. Sind solche „Guerilla“-Anlagen technisch ausgereift?

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von ausgereiften Kleinstanlagen. Im letzten Jahr wurden die technischen Randbedingungen durch die Norm VDE 0100-551 geklärt. Allerdings wird in diesem Jahr noch eine Produktnorm veröffentlicht, die den Stecker festlegt, über den man dann in eine Steckdose einspeisen darf. Dies sollte man aus meiner Sicht abwarten.

 

Prognose EEG-Umlage: 2019 kaum Entlastung für Stromkunden

Mögliche Senkung der EEG-Umlage entlastet Familie um maximal fünf Euro p. a.

Echte Ersparnis nur durch Anbieterwechsel

Familie senkt Stromkosten um bis zu 664 Euro p. a.

 

Nach einer ersten Prognose bleibt die EEG-Umlage im kommenden Jahr weitgehend konstant. Laut Agora Energiewende beträgt die Umlage für Strom aus Erneuerbaren Energien 2019 zwischen 6,7 und 6,9 Cent/kWh. Aktuell zahlen Verbraucher 6,79 Cent/kWh. Familien mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh pro Jahr würden dadurch nur um maximal 4,50 Euro entlastet. Die möglichen zusätzlichen Kosten liegen bei 5,50 Euro pro Jahr. Verbraucher sollten daher selbst aktiv werden, um ihre Stromkosten zu senken. Die Höhe der EEG-Umlage geben die vier deutschen Netzbetreiber jährlich am 15. Oktober auf Basis der Prognose von Einnahmen und Ausgaben für das Folgejahr bekannt. 

 

Je nach Wohnort zahlen Familien bis zu 664 Euro weniger durch Wechsel des Stromanbieters

 

"Hohe Stromkosten senken Verbraucher am einfachsten mit einem Anbieterwechsel - vor allem wenn sie noch teuren Strom aus der Grundversorgung beziehen", sagt Dr. Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie bei CHECK24. In den 100 größten deutschen Städten spart eine Familie mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh im Durchschnitt 487 Euro oder 32 Prozent, wenn sie aus der Grundversorgung zum günstigsten Alternativversorger wechselt. In Ludwigsburg und Pforzheim beträgt die mögliche Ersparnis sogar mehr als 650 Euro pro Jahr. Selbst in Bremerhaven, wo das Sparpotenzial am niedrigsten ist, sind 236 Euro möglich.

 

Anbieterwettbewerb senkt Strompreis - Gesamtersparnis von 311 Mio. Euro im Jahr

 

Tarife von Alternativanbietern sind günstiger als Grundversorgungstarife. Der intensive Wettbewerb zwischen den Anbietern führt zu sinkenden Strompreisen. So konnten Verbraucher innerhalb eines Jahres insgesamt 311 Mio. Euro einsparen. Das ergab eine repräsentative Studie von WIK-Consult.

 

Vorsicht Bonusfalle: Stromtarife im Folgejahr oft teurer als Grundversorgung

Bundesweit konkurrieren rund 800 Stromanbieter um die Gunst der Verbraucher. Um in diesem Wettbewerb neue Kunden zu gewinnen, zahlen viele Stromanbieter im ersten Jahr Boni, die den Stromtarif senken. Fallen diese Boni im zweiten Jahr weg, liegen die Kosten für Verbraucher jedoch oft über denen des teuren Grundversorgertarifs. Das hat eine aktuelle Untersuchung von rund 250 Tarifen in zwölf Städten des Verbraucher-Ratgebers Finanztip ergeben.

 

Stromtarife weichen in vielen Orten um bis zu 35 Prozent voneinander ab. Eigentlich bildet der sogenannte Grundversorgertarif das obere Ende des Preisspektrums. Das ist jedoch nicht grundsätzlich so: Viele Stromtarife, die im ersten Jahr sehr hohe Rabatte oder Boni enthalten, mit denen neue Kunden angelockt werden sollen, sind im Folgejahr teurer als der örtliche Grundversorgertarif. „In diesen Tarifen ist der Grund- und Arbeitspreis enorm hoch“, sagt Ines Rutschmann, Energie-Expertin bei Finanztip. „Bei einem angenommenen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr überstieg in einem Fall der Tarif den örtlichen Grundversorger um 220 Euro.“ Knapp die Hälfte der von Finanztip untersuchten Angebote wären im Folgejahr mindestens 50 Euro teurer als in der Grundversorgung.

 

Kein Sonderkündigungsrecht, wenn Bonus wegfällt

 

Da es für Verbraucher physikalisch keinen Unterschied macht, wer den Strom liefert, kommt dem Strompreis eine entscheidende Bedeutung zu. „Viele Unternehmen versuchen, über möglichst günstige Angebote neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Rutschmann. Dieser Wettbewerb findet meist auf Vergleichsportalen statt. „Durch die Boni werden die Tarife günstiger und so ganz oben im Portal angezeigt.“ Wer unbedarft zuschlägt, kann leicht in die Bonusfalle tappen. Denn viele Tarife verlängern sich nach Ablauf der Vertragslauzeit automatisch um ein weiteres Jahr. „Da es sich beim Wegfall eines Bonus‘ nicht um eine Preiserhöhung im rechtlichen Sinn handelt, haben Verbraucher kein Sonderkündigungsrecht.“ Wer nicht kündigt, hängt im teuren Tarif fest.

 

Tarife immer ohne Bonus vergleichen

 

Verbraucher sollten Stromtarife immer ohne Boni und Rabatte vergleichen. Das geht zum Beispiel auf den Vergleichsportalen. „In den Tarifdetails zeigen Check24 und Verivox die Kosten eines Tarifs ohne Boni und Rabatte an“, sagt Rutschmann. „Liegen diese Kosten über denen des örtlichen Grundversorgers, sollten Verbraucher die Finger davonlassen.“ Um dieses Problem zu verhindern, hat Finanztip einen eigenen Strom-Vergleichsrechner gebaut, der sämtliche Tarife mit Boni auf Wunsch aussortiert. Wer sich trotzdem entscheidet, den Bonus mitzunehmen, sollte den Tarif auf alle Fälle rechtzeitig kündigen. „Oft beträgt die Kündigungsfrist drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit“, so Rutschmann. „Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte den Vertrag nach Ablauf des Widerrufsrechts unmittelbar wieder kündigen.“

 

Immer wieder rätselhaft: die Heizkostenabrechnung 

Der Schock sitzt, wenn Vermieter oder Energieanbieter mit der Jahresabrechnung gleich mehrere Hundert Euro Heizkosten erstattet haben will. Für Viele ein Grund, sich die Zahlen etwas genauer anzusehen. „Manchmal zahlen Mieter zu viel, weil Heizungsanlagen veraltet oder Häuser nicht ausreichend wärmegedämmt sind“, so Meike Militz von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Egal, welche Fehlerquelle Mieter auch vermuten: „Bei Unklarheiten in der Heizkostenabrechnung sollten Verbraucher sich unabhängigen Rat holen“, so die Expertin.

 

Bevor sie unklare Rechnungen begleichen, können Verbraucher alle Fragen zu Kosten und Heizungstechnik von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klären lassen. Die Energieexperten prüfen zunächst, ob die Abrechnungen auch sachlich richtig sind, also ob es Abrechnungsfehler gibt und ob die einzelnen Kosten zulässig und plausibel sind. Oft finden die Experten dabei fehlerhafte Ablesedaten, falsche Verteilerschlüssel oder fehlende Angaben zu Schätzverfahren. Mit diesem Wissen können Verbraucher die falsche Abrechnung reklamieren.

 

Nach Analyse der Heizkostenabrechnung helfen die Experten, Sparpotenziale im Verbrauchsverhalten zu finden. Fast immer finden sich dabei Wege, wie Verbraucher ihre Heizkosten senken können, ohne dass der Wohnkomfort dabei verloren geht. Dies gelingt zum Beispiel mithilfe leicht umsetzbarer Tipps zum effektiven Heizen und Lüften. Je nach Gegebenheit der Wohnung erhalten Verbraucher von den Beratern auch Ratschläge zur passenden Heiztechnik, zu sinnvollen bautechnischen Maßnahmen oder zum richtigen Heiz- und Lüftungsverhalten.

 

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