Deutsche erledigen knapp ein Drittel ihrer Einkäufe im Netz

 

Online-Shopping ist weiter auf dem Vormarsch. Fast jeder vierte Deutsche erledigt mehr als die Hälfte seiner Einkäufe online. Im Schnitt erfolgen 29 Prozent der Besorgungen und Anschaffungen der Deutschen im Netz. Bei den jüngeren Bundesbürgern unter 40 Jahren sind es 36 Prozent. Vor allem die bequeme Zustellung nach Hause, die günstigen Preise und die Unabhängigkeit von Ladenöffnungszeiten schätzen die Deutschen am Online-Shopping. Fragen des Umweltschutzes spielen bei den Kunden zunehmend eine Rolle: 46 Prozent sagen, sie würden nur noch Produkte bestellen, die sie wahrscheinlich nicht zurückschicken müssen. 42 Prozent achten darauf, Produkte möglichst gesammelt und in einer Lieferung zu bestellen. Allerdings wollen nur zehn Prozent ihre Online-Käufe künftig der Umwelt zuliebe einschränken. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Postbank-Studie „Die digitalen Deutschen 2019“, für die 3.126 Deutsche befragt wurden.

 

Besonders viele Vorteile im Online-Shopping sehen die unter 40-Jährigen. Dazu zählen die sogenannten Digital Natives mehrheitlich auch die größere Auswahl und die bessere Vergleichbarkeit von Produkten und Angeboten im Netz. Jeder Zweite empfindet es zudem als Vorteil, bei der Online-Bestellung Warteschlangen und Gedränge zu entgehen. Ein gutes Drittel kauft online ein, weil es etwa über Apps auch mobil von unterwegs möglich ist. Diesen Vorteil sehen dagegen nur zwölf Prozent der älteren Deutschen ab 40 Jahren. „Online-Shops kennen keinen Ladenschluss, Smartphones machen das Einkaufen zudem ortsunabhängig. Das kommt vor allem der jüngeren Generation entgegen, deren ständiger Begleiter das Handy ist“, sagt Thomas Brosch, Chief Digital Officer der Postbank. Laut Postbank Studie nutzen die Jüngeren vorzugsweise das Smartphone, um online einzukaufen, während die Älteren lieber den Laptop aufklappen. „Ob unterwegs in Bus und Bahn, in der Mittagspause oder im Park – Einkaufen ist jederzeit auch nebenbei möglich. Die mobile Nutzung verändert Konsumgewohnheiten grundlegend“, sagt Brosch.

 

Bücher und Filme werden überwiegend im Netz bestellt

 

Kaum noch im Laden, sondern überwiegend im Netz kaufen die Deutschen Bücher, DVDs und Videospiele. Zwei Drittel der Bundesbürger geben an, für diese Produkte eher das Internet anzusteuern. Auch Unterhaltungselektronik wie Notebooks oder Spielekonsolen kauft die Mehrheit der Deutschen lieber online. Knapp jeder Zweite shoppt zudem Haushalts- und andere Elektrogeräte eher per Mausklick. Bevorzugt im Geschäft vor Ort kaufen die Menschen dagegen Lebensmittel und Drogerieartikel. Auch Möbel und Wohnaccessoires besorgt eine klare Mehrheit lieber im Laden.

 

Die unter 40-Jährigen sind noch stärker in der Online-Einkaufswelt vertreten: 73 Prozent der Digital Natives kaufen Bücher, Filme und Spiele eher im Internet, 60 Prozent wählt Unterhaltungselektronik online aus. Wenn es um Uhren, Sonnenbrillen und Taschen geht, steuern 42 Prozent der Digital Natives eher einen Webshop an. Dagegen sind es bei den Digital Immigrants nur 30 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei Haushaltswaren wie Porzellan, Besteck oder Staubsaugerbeutel: Während sich 38 Prozent der älteren Deutschen ab 40 Jahren dafür den Gang ins Geschäft sparen und im Netz bestellen, sind es bei den Jüngeren nur 33 Prozent. Auch Gesundheits- und Medizinprodukte kaufen die Älteren eher im Internet als die Jüngeren: 35 Prozent der Generation 40 plus ordert Hilfsmittel oder Medikamente lieber online. Unter den unter 30-Jährigen sind es nur 25 Prozent, die den Onlinehandel der Apotheke oder Drogerie am Ort vorziehen.

 

Amazon dominiert die Online-Einkaufswelt

 

Es gibt kaum jemanden, der nicht bei Amazon einkauft: 85 Prozent der Online-Shopper bestellen zumindest manchmal beim US-Versandhändler, 56 Prozent bei Ebay. Bei den Deutschen unter 40 sind es sogar 92 Prozent, die auf die Dienste von Amazon zurückgreifen. Auch Online-Shops einzelner Marken wie H&M, Esprit oder Apple punkten besonders bei den Jüngeren.

 

Shopping per Mausklick verändert das Konsumverhalten

 

Die Nutzung mobiler Geräte und die einfachen Online-Shopping-Möglichkeiten verändern das Konsumverhalten der Jüngeren, wie die Studie belegt. Jeweils mehr als die Hälfte der Digital Natives gibt an, häufiger in Versuchung zu geraten, etwas zu kaufen, was sie eigentlich nicht brauchen und durch Online-Bezahlverfahren deutlich weniger Bezug zum Geld zu haben. 47 Prozent räumen ein, dass das Rückgaberecht bei Online-Einkäufen sie eher dazu verleitet zu bestellen. Das ökologische Bewusstsein ist in diesem Punkt bei den Jüngeren ganz offensichtlich schwächer ausgeprägt als bei der Generation 40 plus. Nur 38 Prozent der Digital Natives bemühen sich darum, nur noch Produkte zu bestellen, die sie voraussichtlich nicht zurückschicken. Bei den älteren Deutschen sind es 49 Prozent.

 

Vorsicht vor Mahnungen per E-Mail!

 

Woran Verbraucher gefälschte Inkassomails erkennen

 

 „Letzte Mahnung“ – bei diesen Worten in der Betreffzeile oder in einer E-Mail selbst heißt es: Vorsicht! Denn immer häufiger sind gefälschte Inkassomails im Umlauf. Für den Empfänger ist es oft schwer nachzuvollziehen, ob die Zahlungsaufforderung gerechtfertigt ist. Diesen Umstand machen sich Abzocker zunutze: Mit Drohungen und Einschüchterungen wollen sie ihre Opfer zur Zahlung drängen. Woran Betroffene Mails von Betrügern erkennen, erklärt Michaela Rassat, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH.

 

Telefongespräch

 

Besonders ältere Menschen und unerfahrene Internetnutzer fallen schnell auf sie herein: Betrüger, die mit Inkassomails Druck aufbauen. Sie drohen mit Hausbesuchen, Zwangsvollstreckung, Gerichtsvollziehern oder Pfändungen, um an das Geld der Betroffenen zu kommen. In solchen Fällen gilt es, Ruhe zu bewahren. Besonders wichtig: Solange der Verdacht besteht, dass es sich um Betrug handeln könnte, keinesfalls bezahlen. „Zwangsvollstreckungen sind erst mit einem sogenannten vollstreckungsfähigen Titel möglich. Dies kann zum Beispiel ein Vollstreckungsbescheid nach einem gerichtlichen Mahnverfahren oder ein Gerichtsurteil sein“, so Michaela Rassat. „Das Bestehen einer Forderung allein reicht nicht aus. Seriöse Inkassobüros würden im ersten Schreiben auch keine derartigen Drohungen aussprechen.“ So mancher Betrüger behauptet auch, dass ein gerichtlicher Vollstreckungstitel gegen den Empfänger existiert. Bei Nichtzahlung kündigen sie dann den Besuch des Gerichtsvollziehers zu einem bestimmten Termin an. Aber ohne ein gerichtliches Verfahren, bei dem der angebliche Schuldner Gelegenheit zum Einspruch gegen die Forderung hat, gibt es keinen Vollstreckungstitel. Wer nie Post von einem Gericht bekommen hat, gegen den gibt es auch keine Zwangsvollstreckung. Gut zu wissen: Obwohl Inkassoschreiben nach dem Gesetz durchaus per Mail verschickt werden dürfen, wählt die Mehrzahl der seriösen Firmen nach wie vor den Postweg. Manchmal verschicken sie zusätzlich eine SMS oder Mail.

 

Inkassomail bekommen: was tun?

 

Grundsätzlich gilt: Niemals Links anklicken oder Anhänge öffnen. Dahinter könnte sich Schadsoftware verstecken. Auf potenzielle Spam-Mails sollten Empfänger niemals antworten, denn auf diese Weise verifizieren sie die eigene Mailadresse. Das heißt, sie bestätigen dem Absender, dass ihre Mailadresse existiert und machen sich so zur Zielscheibe für weitere Betrugsversuche. Abzocker fordern bevorzugt angeblich angefallene Kosten für Abonnements oder Gewinnspiele ein. „Betroffene sollten in einem ersten Schritt überlegen, ob sie in der Vergangenheit einen Vertrag eingegangen sind, bei dem sie die Rechnung nicht beglichen haben“, so die D.A.S. Expertin. Wer sich unsicher ist, kann seine Kontoauszüge mit den Onlinebestellungen der letzten Zeit abgleichen. In einem vertrauenswürdigen Schreiben muss das Inkassobüro den Auftraggeber sowie den Grund für die Forderung nennen und Angaben zur Höhe der Inkassokosten machen. Inkassobüros, die diese Angaben nicht machen, riskieren ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

 

Hinweise auf Betrüger

 

Manchmal hilft schon eine kurze Internetrecherche nach dem Namen der Firma und den Begriffen „Erfahrungen“ oder „Betrug“, um unseriösen Absendern auf die Schliche zu kommen. Allerdings muss Ärger von Schuldnern über das Eintreiben von Geldforderungen nicht immer heißen, dass diese unberechtigt sind. Auch ein Blick auf die Kontodaten kann aufschlussreich sein: „Hat der Absender sein Konto im Ausland, sollten Empfänger misstrauisch werden“, rät die D.A.S. Juristin. Hierzu genügt es, die IBAN zu kontrollieren. Bei deutschen Konten beginnt diese mit „DE“. Rechtschreibfehler oder inhaltliche Ungereimtheiten sind weitere Hinweise auf einen Betrugsfall. Empfänger sollten zudem prüfen, ob sie namentlich angeschrieben wurden oder etwa mit „Sehr geehrter Kunde von XY“. Ausländische Betrüger können zudem durch falsch dargestellte Umlaute, die unter Umständen auch als “ae”, “oe” und “ue” erscheinen, enttarnt werden.

 

Inkassofirmen überprüfen

 

Unter www.rechtsdienstleistungsregister.de können sich Betroffene informieren, ob die betreffende Firma oder der Rechtsanwalt registriert ist und somit die Berechtigung besitzt, Zahlungen für andere einzutreiben. „Aber auch hier gibt es schwarze Schafe: Viele Betrüger agieren unter dem Namen registrierter Inkassobüros“, warnt Rassat. Um das zu überprüfen, können Betroffene die im Rechtsdienstleistungsregister angegebene Nummer des Inkassobüros anrufen und dort nachfragen. Sobald feststeht, dass es sich um eine Spam-Mail handelt: am besten sofort löschen.

 

Neue Regeln für Onlineshopping mit Kreditkarte

 

Ab dem 14. September 2019 gelten neue Regeln für das Onlineshopping per Kreditkarte. Wie beim Onlinebanking sind zusätzliche Sicherheitschecks vorgesehen. Dabei kommen sogenannte 3D-Secure-Verfahren zum Zuge. Die Kunden müssen Kreditkartenzahlungen ausdrücklich freigeben. In der Regel geschieht das mit einer einmal gültigen Transaktionsnummer (Tan). 

 

Finanztest hat 35 Banken nach ihren geänderten Verfahren befragt. Zunächst müssen Kunden selbst aktiv werden, wenn sie ab dem Stichtag mit der Kreditkarte im Netz shoppen wollen. Sie müssen sich auf der Webseite der Banken für das 3D-Secure-Verfahren registrieren. Welches Tan-Verfahren angeboten wird, hängt von der Bank bzw. dem Kreditkartenherausgeber ab. Am häufigsten angeboten werden die bereits aus dem Onlinebanking bekannten SMS-Tan-, AppTan- und PhotoTan-Verfahren. Das Prinzip dieser Verfahren: Nach Eingabe seiner Kreditkartendaten muss der Kunde eine Tan anfordern und mit dieser die Zahlung bestätigen.

 

Kreditkartenkunden müssen auch bei Nutzung der neuen Tan-Verfahren sorgfältig darauf achten, dass kein Dritter an ihre Daten gelangt. Sie dürfen ihre Kundendaten nur auf verschlüsselten Internetseiten eingeben. Kommt die Kreditkarte abhanden, müssen Kunden sie nach wie vor umgehend sperren lassen. Neu ist, dass sie die Bank benachrichtigen müssen, wenn das Legitimationsgerät abhandenkommt, in den meisten Fällen also das Smartphone. Aber auch einfache Handys, Photo-Tan-, ChipTan- und BestSign-Geräte fallen in diese Kategorie.

 

E-Scooter: Die wichtigsten Tipps vor dem Kauf

 

Die praktischen, bis zu 20 km/h schnellen E-Scooter erobern gerade die deutschen Städte. Doch vor der Anschaffung gibt es einiges zu beachten. Tipps zum E-Scooter-Kauf: 

 

Zulassung

 

Nicht alle E-Scooter verfügen auch über die für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr nötige Straßenzulassung. Zum Problem wird dies vor allem bei E-Scootern, die bereits vor dem Mai 2019 erworben wurden. Daher heißt es: Augen auf beim Kauf gebrauchter Elektroroller.

 

Generell gilt: Um legal am Verkehr teilnehmen zu dürfen, benötigen E-Scooter eine allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), die vom Kraftfahrtbundesamt erteilt wird. Erkundigen Sie sich beim Kauf eines neuen und insbesondere gebrauchten Elektrorollers daher immer nach dem Vorhandensein dieser Erlaubnis. Modelle, die bereits vor Inkrafttreten der Verordnung gekauft wurden, dürfen erst dann legal in der Öffentlichkeit gefahren werden, nachdem die Hersteller eine Erlaubnis nachträglich eingeholt haben.

 

Einen offiziell vom Kraftfahrtbundesamt zugelassenen Elektroroller dürfen Sie in Ortschaften ab einer Minimalgeschwindigkeit von 12 km/h auf normalen Radwegen nutzen. Auf die Straße ausweichen ist nur dann erlaubt, sofern kein Fahrradweg vorhanden ist - dies gilt allerdings nur für verkehrsberuhigte Bereiche. Schnellstraßen sind verständlicherweise tabu. Das Mindestalter liegt bei 14 Jahren. Ein Führerschein ist keine Voraussetzung.

 

Versicherungspflicht

 

E-Scooter unterliegen einer generellen Versicherungspflicht. Eine private Haftpflicht ist nicht ausreichend. Bevor Sie sich auf Ihrem E-Scooter in den Stadttrubel schwingen, benötigt Ihr E-Roller eine Versicherungsplakette. Wie bei einem Mofa wird diese im hinteren Bereich des Vehikels angebracht und besteht aus einer Kombination dreier Ziffern und Buchstaben.

 

Bei den Versicherungen für E-Scooter handelt es sich im Kern um KFZ-Haftpflichtversicherungen, wie sie auch bei Mopeds zum Einsatz kommen. Als einer der Pioniere in der Versicherung von Elektrorollern bietet die Versicherungsgruppe die Bayerische eine spezielle E-Scooter Versicherung, mit der Sie bestens geschützt und zu überaus günstigen Konditionen im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sind.

 

Gewicht

 

Als mobiler Alltagsbegleiter, den man fast überall hin mitnimmt, spielt das Gewicht des jeweiligen Modells eine große Rolle. Einen E-Scooter vom Gewicht einer halben Waschmaschine tragen wohl nur Kraftsportler gerne mehrmals täglich in den vierten Stock. Daher sollten Sie sich vor dem Kauf eines Elektrorollers Gedanken machen, wohin Sie diesen im Alltag regelmäßig mitnehmen möchten. Verfügen Wohnhaus, Arbeitsplatz und andere häufig frequentierte Orte über einen Aufzug, ist das Gewicht weniger entscheidend. Andernfalls lohnt sich ein kleiner Tragetest im Fachgeschäft, um abschätzen zu können, ob sich das Gefährt einigermaßen komfortabel an die von Ihnen bevorzugten Abstellorte transportieren lässt.

 

Reichweite

 

Nehmen wir an, Ihre Arbeitsstätte oder Bahnstation liegt acht Kilometer entfernt. Wenn Sie diese tägliche Strecke zukünftig gerne mit Ihrem neuen Elektroroller zurücklegen wollen, macht ein E-Scooter mit einer maximalen Reichweite von nur fünf Kilometern logischerweise wenig Sinn. Deshalb vor dem Kauf prüfen, für was man den Stadtflitzer verwenden will.

 

Generell gilt: Die Reichweite hängt in erster Linie von der Kapazität des eingesetzten Akkus sowie dem Gewicht des Rollers ab. Während es günstigere Modelle oft nur auf 20 bis 30 Kilometer Reichweite bringen, sind bei den Premium-Modellen durchaus bis zu 100 Kilometer Reichweite realistisch. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Tipp: Eine Checkliste vor dem Kauf hilft bei der Wahl des richtigen Modells.

 

Widerrufsrecht verletzt - Marktwächter mahnen ab

 

Erfolg gegen unzulässige Widerrufsregelungen im Online-Handel

 

Durch Verbraucherbeschwerden spüren die Marktwächterexperten der Verbraucherzentrale Brandenburg regelmäßig Verstöße gegen das gesetzlich festgelegte Widerrufsrecht im Online-Handel auf. Drei Anbieter mahnte das Team nun ab. Sie hatten das Recht ihrer Kunden, gekaufte Waren innerhalb von 14 Tagen zurückzugeben, auf unzulässige Weise beschränkt. Die Abmahnungen zeigten Erfolg: Mittlerweile haben alle drei Online-Händler die fraglichen Passagen in ihren Webshops korrigiert.

 

Schließen Verbraucher Verträge per Telefon oder über das Internet ab, haben sie nach deutschem Recht die Möglichkeit, diese innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zu widerrufen. Der Anbieter muss dann den Kaufbetrag inklusive der Lieferkosten erstatten. Doch immer wieder haben Verbraucher Probleme, ihre Rechte beim Online-Shopping durchzusetzen. So berichteten Verbraucher beispielsweise, dass ein Online-Schuhhändler nach Widerruf lediglich den Artikelpreis, nicht jedoch die Lieferkosten, erstatte - eine klare Verletzung der Käuferrechte, die das Marktwächter-Team nun abmahnte.

 

EINIGE HÄNDLER BERUFEN SICH WIDERRECHTLICH AUF VERMEINTLICHE AUSNAHMEN

 

Nicht für jede Ware gilt das Widerrufsrecht. "Versiegelte Datenträger sind beispielsweise vom Widerrufsrecht ausgeschlossen, wenn der Käufer sie bereits entsiegelt hat", erklärt Dunja Neukamp, Rechtsexpertin der Marktwächter in der Verbraucherzentrale Brandenburg. "Der Gesetzgeber will mit dieser Regelung verhindern, dass die Daten vor der Rückgabe einfach kopiert werden."

 

Doch immer wieder weiten Online-Händler solche Ausnahmen auf eigene Faust aus. So bezeichnete ein Anbieter von Büro- und Elektroartikeln einen Tablet-PC als versiegelten Artikel, dessen Kauf nach dem Öffnen der Verpackung nicht mehr zu widerrufen sei. Auch hier mahnte die Verbraucherzentrale Brandenburg ab. Die Begründung: "In Anlehnung an ein früheres Gerichtsurteil handelt es sich bei Software, wie dem aufgespielten Betriebssystem, nicht um Daten, die vor illegaler Vervielfältigung geschützt werden müssten", so Neukamp.

 

Ein Online-Händler für Motorradzubehör interpretierte eine andere Ausnahme vom Widerrufsrecht entgegen der gesetzlichen Bestimmungen: Diese besagt, dass Verkäufer keine Ware zurücknehmen müssen, die so an die persönlichen Bedürfnisse eines Kunden angepasst wurde, dass sie eigentlich nicht wiederverkäuflich sei. Der Anbieter stufte jedoch selbst solche Artikel als "angepasst" ein, die lediglich zum Bestellungszeitpunkt nicht in seinem Lager verfügbar waren. Auch dieses Vorgehen wurde abgemahnt. Mit Erfolg.

 

Nach den Abmahnungen haben alle drei Online-Händler die unzulässigen Bestimmungen geändert.

 

Garantie und Gewährleistung

 

Im Zeitraum vom 1. Juni bis zum 30. September 2018 haben Berater der Verbraucherzentralen im Rahmen des Projekts „Wirtschaftlicher Verbraucherschutz“ bundesweit 100 Beratungsfälle zu Problemen bei der Durchsetzung von Gewährleistungsrechten ausgewertet.

 

Dabei wurde untersucht, in welchen Fällen Gewährleistungsfälle auftreten und wie Händler mit diesen umgegangen sind. Relevant für die Auswertung waren die Produktart, das Kaufdatum, sowie die Schwierigkeit bei der Durchsetzung der Gewährleistungsrechte. In 92 der 100 Beratungsfälle konnte die Verbraucherzentrale einen Verstoß gegen die gesetzlichen Gewährleistungsrechte feststellen.

 

Größster Ärger mit Elektronikprodukten

 

Den meisten Ärger hatten Verbraucher laut Untersuchung mit großen und kleinen Elektronikprodukten (44%), gefolgt von Möbeln (29%), Fahrzeugen (11%), Sonstigem (12%) und Bekleidung (4%).

 

Händler tauchen ab um Zeit zu schinden

 

Weiter gaben Verbraucher an, dass Händler schwer oder gar nicht erreichbar gewesen seien, um sie mit dieser Verzögerungstaktik davon abzuhalten, ihre Rechte geltend zu machen. Daneben wurden Kunden oft vertröstet oder absurde Mitwirkungspflichten gefordert. Einige Händler gaben an, dass sie erst die Entscheidung des Herstellers abwarten müssten, wie mit dem beschädigten Produkt verfahren werde.

 

Ablehnung von Gewährleistungsansprüchen

 

Rund zwei Drittel der untersuchten Beratungsfälle betraf einen Mangel, der innerhalb der ersten sechs Monate auftrat. Händler behaupten gegenüber Verbrauchern dann häufig, sie hätten den Defekt selbst verursacht und versuchen so, die Gewährleistungsansprüche abzuwenden. Dabei ist im Gewährleistungsrecht klar geregelt, dass in den ersten sechs Monaten der Verkäufer im Zweifelsfall beweisen muss, dass der Mangel vom Käufer verursacht wurde (Beweislastumkehr).

 

Nach sechs Monaten allerdings ist dann der Käufer in der Pflicht, zu beweisen, dass ein Mangel bereits von Anfang an vorhanden war. Doch gerade bei Elektronikprodukten ist es für Verbraucher schwer, zu beweisen, dass sie nichts für einen Schaden können.

 

„Verbraucher sitzen in diesen Fällen oft am „kürzeren Hebel“ – nicht zuletzt aus Gründen der Wirtschaftlichkeit“, sagt Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Einige Anbieter nutzen hier ihren Wissensvorsprung aus und informieren Verbraucher nicht oder falsch über ihre Rechte. Außerdem ist eine Reklamation oftmals sehr zeit- und nervenaufwändig“.

 

Um sich vor Reparaturkosten oder Austausch der Ware zu drücken, verwiesen einige Händler auch auf „abgelaufene Garantien“ oder behaupteten, dass überhaupt kein Gewährleistungsrecht bestünde. Das ist falsch: Verbrauchern steht laut Gesetz eine zweijährige Gewährleistungszeit zu.

 

Mehr Rechtssicherheit durch Verlängerung der Beweislastumkehr

 

Die Verlängerung der Beweislastumkehr zugunsten der Verbraucher auf die gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren würde zu einer echten Gewährleistungsfrist führen und enorm zur Rechtssicherheit für Kunden beitragen. Damit wäre außerdem festgelegt, wie lange ein Produkt mindestens halten muss. So wären Unternehmen auch angehalten, nachhaltiger zu produzieren.

 

Hätten Sie's gewusst? Von diesen Online-Shopping-Rechten wissen die wenigsten

 

Wir alle sind Online-Shopper und kennen uns mit unseren Rechten und Pflichten in der digitalen Welt aus. Regelungen zu Rückgabefristen, Zahlungsbedingungen und Stornierungen sind uns bestens bekannt - denken wir zumindest. Tatsächlich gibt es einige Rechte, die Online-Shoppern zustehen, von denen nur die wenigsten wissen. Hier sind die 5 häufigsten Wissenslücken, vorgestellt von Mustafa Uçar, Trusted Shops GmbH:

 

1. Die gesetzliche Widerrufsfrist beträgt 14 Tage (bei Marktplätzen wie Amazon oder eBay oft 30 Tage), im Anschluss hat man aber noch einmal 14 Tage Zeit, um die Ware zurückzusenden. Der Widerruf (z.B. per E-Mail) und die Rücksendung können also auseinander fallen, so dass man insgesamt noch länger als 14 Tage Zeit hat, die Ware zu testen

 

2. Werden zwei Waren auf einmal bestellt, aber getrennt geliefert, läuft die Widerrufsfrist erst mit Erhalt der zweiten Ware. Erscheint also etwa das zweite bestellte Buch erst in drei Monaten, kann ich auch das erste, sofort gelieferte noch nach drei Monaten und 14 Tagen widerrufen. Anders ist dies aber bei regelmäßiger Lieferung im Rahmen von Abos (z.B. Rasierklingen, Katzenfutter etc.): hier läuft die Frist ab Erhalt der ersten Ware.

 

3. Nur die wenigsten Waren sind Hygieneartikel, die vom Widerruf ausgenommen sind. Auch probegeschlafene Matratzen kann ich laut EuGH zurückgeben, ebenso getragene Badeanzüge oder Schuhe. Aber Achtung: bei Nutzung über eine Prüfung hinaus muss ich u.U. sog. Wertersatz leisten, so dass nicht der volle Kaufpreis erstattet wird. Hierfür ist allerdings eine korrekte Belehrung des Händlers über diesen Wertersatz Voraussetzung.

 

4. Auch wenn die Originalverpackung fehlt, kann ich die Ware im Rahmen des Widerrufs zurücksenden. Die häufig verwendete AGB-Klausel: "Rücksendung nur in Originalverpackung" ist unwirksam. Habe ich den Karton des Toasters nicht mehr, kann ich ihn auch in einem Schuhkarton zurücksenden, ohne dass der Kaufpreis gemindert werden darf. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Verpackung Teil des (hochwertigen) Produktes ist, wie z.B. bei einer Rolex-Uhr oder einem Parfüm. Hier darf ich zwar auch widerrufen, muss aber mit Abzügen bei fehlender Verpackung rechnen.

 

5. Wenn ein Vertrag geschlossen ist, kann der Händler nicht seinerseits einfach die Bestellung "stornieren". Immer wieder wollen Händler, wenn die Ware ausverkauft ist oder ein falscher Preis ausgezeichnet war, von sich aus stornieren. Das geht nur unter engen Voraussetzungen, z.B. bei einem gültigen Selbstbelieferungsvorbehalt oder unverzüglicher Anfechtung nach einem anerkannten Preisirrtum. Grundsätzlich gilt: Verträge sind einzuhalten. Ein Vertrag ist meist schon mit Bestellung geschlossen, wenn diese mit der sofortigen Bezahlung (z.B. Paypal) zusammenfällt, auch wenn der Shop in seinen AGB schreibt, ein Vertrag komme erst mit Lieferung zustanden.

 

Mit dem Kauf eines E-Scooters besser noch warten

 

Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge noch nicht verabschiedet

 

E-Scooter stehen kurz vor der Straßenzulassung. Gut möglich, dass einige Modelle, die derzeit im Handel erhältlich sind, gar nicht auf Straße oder Gehweg dürfen. Denn dafür müssen die E-Flitzer Vorgaben aus der Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge erfüllen. Deshalb sollten Verbraucher noch mit dem Kauf eines E-Scooters warten. Für Käufer lässt sich dann am Typenschild leicht erkennen, ob ein E-Scooter öffentlich genutzt werden darf.

 

E-Scooter erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Wenn der Bundesrat Mitte Mai dem Verordnungsentwurf zustimmt, dürfen E-Scooter in Deutschland auch im öffentlichen Verkehr fahren. Allerdings müssen sie dafür laut Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge bestimmte Vorgaben (z.B. zwei voneinander unabhängige Bremsen) erfüllen.

 

Vor dem Hintergrund anhaltender Klimadiskussionen ist das jetzt für manch einen der geeignete Zeitpunkt, über den Kauf eines E-Rollers nachzudenken. Die letzten Meter zwischen Haltestelle und Büro oder Schule lassen sich dann einfach, schnell und relativ klimaverträglich zurücklegen.

Derzeit sind auch bereits viele Modelle im Handel erhältlich. Doch mit dem Kauf sollten Verbraucher warten, bis die Verordnung verabschiedet ist. Dann erst steht fest, welche Vorgaben ein E-Scooter erfüllen muss, um im öffentlichen Verkehr genutzt werden zu dürfen. Schließlich wäre es ärgerlich, mehrere hundert Euro für ein Fortbewegungsmittel auszugeben, mit dem man später nur auf Privatgrund herumflitzen darf. 

 

An einem sogenannten Typenschild können Käufer dann leicht erkennen, ob ein E-Scooter die Voraussetzungen erfüllt. Dieses Typenschild mit der Bezeichnung „Elektrokleinstfahrzeug“ befindet sich meist auf der Unterseite oder am Rahmen des Fahrzeugs. Dadurch weist der Hersteller nach, dass der E-Scooter die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Fehlt ein solches Typenschild, sollte der Verbraucher, wenn er den E-Scooter im öffentlichen Verkehr nutzen möchte, von einem Kauf absehen.

 

E-Scooter versichern

 

Vor dem Losfahren muss der Roller aber Kfz-versichert werden. Dazu braucht die Versicherung die Identifikationsnummer auf dem Typenschild. Erst dann kann die Versicherungsplakette für das Schutzblech mitgenommen werden. Ignorieren ist unklug: Fahren ohne Plakette ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, für die ein Bußgeld fällig werden kann.

 

Verbraucherzentrale NRW warnt vor Produkttest-Suche

 

Digitale Shopping-Seuche auf Google

 

Sie schöpfen das Wort "link" voll aus - professionell wirkende "Nischen"- und Vergleichsseiten gehen per Google auf Kundenfang: vor allem für Amazon. Eine Armada von vorgeblichen Testern benotet und empfiehlt, zumeist ohne Labor und frei von Fachwissen, zahllose Produkte. Per Link werden unbedarfte Leser zu großen Shops befördert, die die Betreiber für jeden Besuch oder Kauf entlohnen. Die Masche hat sich zur digitalen Shopping-Seuche entwickelt, warnt die Verbraucherzentrale NRW.

 

So viel Test war nie. Wer bei Google "Test" und "Teekanne" eintippt, trifft auf eine Heerschar an Testern. Über sieben Seiten ziehen sich die Ergebnisse. Das Wort "Teekanne" kann auch durch 1000 andere Produkte ersetzt werden: von "Allesreiniger" über "Nasenklammer" bis zu "Zwiebelschneider" - die Checker-Kohorte ist schon da.

 

Das Erstaunliche: Sie verdrängt oft sogar bekannte Platzhirsche wie etwa die Stiftung Warentest oder Ökotest von den Spitzenplätzen. Ganz offensichtlich kennen sie die Algorithmen, die Google liebt.

 

Dabei wäre es weitaus wichtiger, dass Onlineshopper um das dubiose Treiben in der Suchmaschine wissen. Denn getestet wird hier allenfalls, wie leicht Leute zum Kauf verführt werden können.

 

Der Ort dafür ist blendend gewählt: 72 Prozent der deutschen Internetkäufer ziehen laut einem Statistik-Portal einen Produktvergleich zu Rate. Den liefern - natürlich via Google - die vorgeblichen Tester. Nahezu jeder beteuert, "unabhängig" oder "100% neutral" zu sein.

 

Die Auftritte ähneln einem Baukasten. Da laden lange "Ratgeber"-Stücke zum Stöbern. Blogs, Checklisten und aufwändige Tabellen mit Infos zu den Artikeln dürfen durchklickt, Videos geschaut werden.

 

Ziel ist jedoch die Empfehlung: Das können mal drei, mal sechs oder auch 29 Produktvarianten sein, die direkt per Link zum Kauf scharf gemacht sind. Zumeist führt der Klick zum Branchenprimus Amazon, mitunter auch zu Otto, eBay oder kleineren Shops.

 

So was zu bauen ist relativ leicht und billig. Das gilt vor allem für Nischenseiten, die gerade mal eine Handvoll Modelle aus einer Produktgruppe (etwa "Zwiebelschneider") promoten.

 

Amazon verscherbelt Do-it-Yourself-eBooks zum Thema gratis. Auf eBay lassen sich halb eingerichtete Domains für unter 15 Euro kaufen, lediglich Luxusversionen samt kassierfertiger Webseite kosten schon mal über 500 Euro.

 

So richtig ab geht es allerdings auf YouTube. Dort trommeln diverse Coaches für den digitalen Nebenverdienst. Ihre "Schritt für Schritt"-Tutorials zeigen, wie Laien "automatisch Käufe generieren" und mal eben "die ersten 1000" oder gleich "20.000 Euro mit einem Produkt" einsacken können.

 

"Du musst nicht selbst testen", heißt es in den Motivations-Videos, Grundlage für eine Benotung könnten auch "Amazon-Rezensionen" sein.

 

Und so finden sich denn auf den Seiten verschwurbelte Sätze wie: Im "Gegensatz zu den klassischen Test-Magazinen haben wir die Produkte nicht selber in der Hand" oder: "Wir testen die einzelnen Produkte nicht im eigentlichen Sinne".

 

Oder gern mal ganz ohne Sinn und Verstand - wie ein "Milka Schokolade Vergleich" nahelegt. Den letzten Platz im Feld belegte die "Milka Alpenmilch" mit "83,5 Prozent" deutlich hinter der "100-Prozent"-Siegerin "Milka Alpenmilch". Der Unterschied: Statt fünf wie bei der Verliererin waren gleich 24 Tafeln im Sieger-Gebinde.

 

Wichtig, lehren die YouTube-Coaches, sei hingegen die "Suchmaschinenoptimierung" (SEO): Produktadresse finden ("das Wort "Test" sollte unbedingt vorkommen!") und beim "Webhoster" sichern, "Keywort-Dichte" prüfen, "coole Buttons" implementieren, Besucher über Facebook generieren, "Backlinks" setzen und warten... bis die eigene "Test"-Seite nach Wochen im Google-Ranking "unter den Top 10 auftaucht".

 

Dauerhaft befeuert wird dieser Unfug von großen Shops, zuvorderst Amazon. Der Konzern fährt ein großes "Partnerprogramm", das Provisionen von "bis zu 12 Prozent" für Käufe über "Nischenseiten" ausschüttet.

 

"Als Amazon-Partner musst Du kein Webmaster oder Entwickler sein - Dank unserer Tools reicht es schon aus, wenn Du kopieren und einfügen kannst." Auf ein ähnliches Vergütungs-Programm setzt auch Otto, getoppt von bis zu vier Prozent obendrauf für einen Neukunden.

 

Die Folge: Via Google versuchen Nischen- und Vergleichsseiten massenhaft, Reibach zu machen. Unter der Anmutung eines Tests oder Vergleichs sowie durch Aufzählen banaler Infos und Weglassen wichtiger Fakten jubeln sie die von ihnen bespielten Warengruppen regelmäßig hoch.

 

So fand die Verbraucherzentrale bei einem Check von einem Dutzend prominent bei Google platzierter Vergleichsseiten, die mehrere Produktbereiche (etwa "Haushalt", "Kosmetik") ins Visier nehmen, fast ausschließlich "gute" und "sehr gute" Noten. Nur hin und wieder gab es ein "befriedigend". Ganz anders sah das in der Regel der Primus unter den Produktcheckern: die Stiftung Warentest.

 

Drei Beispiele von vielen: Ein Saugroboter, gefeiert als "Beste Empfehlung" ("sehr gut"), musste sich bei der Stiftung mit einem "befriedigend" begnügen. Ein Haarglätter ("befriedigend") fing sich gar ein "mangelhaft" ein. Diese Note pappten die seriösen Profi-Tester auch auf eine Heißluftfritteuse. Das Gerät mit Sicherheitsrisiko wurde auf einer Vergleichsseite dagegen mit "gut" (1,61) bewertet.

 

Bei insgesamt 20 begutachteten Artikeln entdeckte die Verbraucherzentrale überwiegend höher gepuschte Noten gegenüber der Stiftung.

 

Stichprobe im Onlinehandel: Unverbindliche Preisempfehlungen oft falsch

„Sie sparen 100 Euro (50 Prozent) gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers (UVP).“ Wer auf Shoppingtour geht, stößt garantiert auf solche Vergleiche. Dabei haben UVP häufig keinen Wert für Kunden, weil sie gern als Mondpreis kalkuliert werden. Jedes dritte Angebot in einer Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW mochte auf die fragwürdigen Preise nicht verzichten. Besonders ärgerlich: In mehr als jedem vierten Fall war die angegebene UVP falsch.

 

Seit nunmehr 46 Jahren liebt der Handel die Unverbindlichkeit bei Preisen, die der Hersteller empfiehlt. Bei vielen dagegen sind UVP eher als Mondpreise verschrien. Denn die Empfehlungen der Hersteller dienen den Verkäufern zumeist nur dazu, sie sofort durchzustreichen - und so ein attraktives Sonderangebot zu suggerieren.

 

Unverhohlen bekennt beispielsweise der Hersteller eines Sport-Laufbands auf Anfrage, dass der „Marktpreis bei ca. 50 Prozent“ seiner UVP von 399 Euro liege - „um den Händlern hohe Rabatte zu ermöglichen“. Verboten ist solche Kundenverführung nicht - unter zwei Bedingungen: Die UVP muss beim Hersteller existieren, und sie muss richtig sein. Doch selbst an diesen Mini-Hürden scheitern viele Händler. Das belegt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW. Für den Check wurden 20 beliebte Produkte aus verschiedenen Kategorien gewählt, die der Hersteller mit einer UVP versehen hatte.

 

Darunter waren Toaster und TV, Fernglas und Fahrradhelm. Mit Hilfe von Preissuchmaschinen wurden zu jedem Produkt die jeweils zehn günstigsten Onlineshops ermittelt. Und die bekamen virtuellen Besuch der Verbraucherschützer. Das Ergebnis vermittelte das Bild einer geteilten Welt. Auf der einen, größeren Seite waren 129 Offerten, die mit Preisen ohne jeglichen Verweis auf die UVP versehen waren. Auf der anderen Seite standen 71 Angebote mit durchgestrichener UVP. Auffällig war, dass oftmals kleinere Shops zu den UVP-Verweigerern gehörten, während Platzhirsche wie etwa Amazon und Otto auf die Herstellerempfehlung nicht verzichten mochten. Doch ein Blick ins weitere Sortiment zeigte, dass die meisten Shops ihre Angebote offenbar willkürlich einstellten: mal mit, mal ohne UVP-Bezug.

 

Weitere Überraschung der Stichprobe: Mehr als jede vierte benannte UVP (19 von 71) war schlicht falsch. Beispiel: Eine Kühl-/Gefrierkombination des Herstellers AEG mit einer UVP von 1769 Euro. In den Shops von Amazon und Otto, bei den Anbietern AO und Neckermann fand sich hingegen eine UVP von 2229 Euro: satte 460 Euro mehr. So was macht die scheinbaren Preisnachlässe noch spektakulärer. Es lief aber auch umgekehrt: wenn falsche UVP-Angaben unter der korrekten Hersteller-UVP lagen. Das hinderte einige Shops aber nicht daran, gleichwohl Reduzierungen von 50 oder fast 60 Prozent zu feiern.

 

Deshalb sollten Kunden UVP-Werbung besser nicht blind vertrauen. Preise vergleichen zahlt sich aus. Bei jedem zweiten der 20 Stichproben-Produkte, eruierte eine Preissuchmaschine einen Onlineshop ohne UVP-Nennung als billigsten Anbieter. Mal waren es wenige Euro, die sich sparen ließen, mal einige Hundert.

 

Ärgerlich obendrein: Wer die werbewirksamen Preise fix auf Richtigkeit überprüfen will, kann scheitern - wie in einigen Fällen die Verbraucherschützer. Wünschenswert wäre etwa ein Link von der UVP-Angabe des Verkäufers zur Hersteller-Quelle. Doch den suchten die Tester vergeblich.

Das erschwert die Kontrolle. So ist bei Herstellern mit Sitz im Ausland immer wieder mal eine UVP partout nicht aufzutreiben. Aber auch bei heimischen Waren kann Frust aufkommen. Denn Hersteller geben ihre Preisempfehlungen bisweilen nur in Warenkatalogen oder per Pressemitteilung bei der Produkteinführung bekannt. Andere wiederum beschränken die Informationen darüber auf den Handel.

 

Handelsmarke gegen Marke:  Teure Markenprodukte nicht besser als günstige Handelsmarken

Lebensmittel preiswerter Handelsmarken von Aldi, Lidl, Edeka & Co sind im Schnitt genau so gut wie die von klassischen Marken. Große Unterschiede gibt es aber beim Preis. Für den Warenkorb, den die Tester exemplarisch mit je zehn Produkten gefüllt haben, zahlt der Handelsmarken-Käufer etwa die Hälfte weniger als der Marken-Käufer. Das ist die Bilanz aus 72 Tests mit 1739 Lebensmitteln, die die Stiftung Warentest jetzt veröffentlicht hat.

 

 

Schlichtes Design, niedriger Preis: Ja, Gut & Günstig, Tip, aber auch Alnatura und Dennree aus dem Biohandel zählen zu den Handelsmarken. Ihr Marktanteil im Lebensmittelhandel beträgt inzwischen mehr als 40 Prozent. Discounter verkaufen in Deutschland den Großteil der Handelsmarken, den Rest setzen vor allem Supermärkte und Drogeriemärkte ab. Einige Handelsmarken werden von Herstellern traditioneller Marken produziert. Das heißt aber nicht, dass Rezepturen und Rohstoffe identisch mit der bekannten Marke sind.

 

Die test-Qualitätsurteile für 643 Marken- und 627 Handelsmarkenprodukte verteilen sich ähnlich – Marken und Handelsmarken lagen also gleichauf. Große Unterschiede gibt es aber beim Preis. Die Tester addierten die Preise für je zehn Produkte – jeweils die beste sehr gute oder gute Marke bzw. Handelsmarke aus ihren Tests. Während dieser Warenkorb bei den klassischen Markenprodukten 36,03 Euro kostete, bezahlte man für den mit Handelsmarken nur 19,68 Euro und spart 45 Prozent.

 

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