Steuerbelastung ist in Deutschland relativ gleichmäßig über die Einkommensgruppen verteilt

Geringverdienende sind relativ stark mit indirekten Steuern belastet

 

Die prozentuale Belastung mit Steuern und Sozialbeiträgen in Deutschland ist erstaunlich gleichmäßig über alle Einkommensgruppen verteilt und wirkt nur wenig progressiv. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Lediglich die Einkommen- und Unternehmenssteuern sind stark progressiv und belasten vorwiegend Haushalte mit höheren Einkommen“, sagt DIW-Steuerexperte Stefan Bach. „Knapp die Hälfte des Steueraufkommens entfällt aber auf indirekte Steuern wie Mehrwertsteuer, Energiesteuern oder Genussmittelsteuern, die Haushalte mit niedrigen Einkommen deutlich stärker belasten als Haushalte mit hohen Einkommen.“ Berücksichtige man auch die Sozialbeiträge, so falle die gesamte relative Belastung der mittleren Einkommen nicht viel geringer als die der sehr hohen Einkommen aus.

 

Geordnet nach der Höhe des Bruttoeinkommens, tragen die obersten zehn Prozent der Einkommensverteilung 42 Prozent des gesamten Steueraufkommens beziehungsweise 33 Prozent des gesamten Steuer- und Sozialbeitragsaufkommens, das oberste eine Prozent trägt 16 beziehungsweise zehn Prozent. Die untersten zehn Prozent tragen gut zwei Prozent des gesamten Steueraufkommens beziehungsweise knapp zwei Prozent des gesamten Steuer- und Sozialbeitragsaufkommens, so die Studie.

 

Steuerfreie Fortbewegung

Wer sein Elektroauto an der „Tankstelle“ des Arbeitgebers mit Strom auflädt und künftig dadurch eigene Stromkosten spart, muss die „Tankfüllung“ nicht als geldwerten Vorteil versteuern, anders als etwa bei Essensgutscheinen, die als geldwerter Vorteil vom Begünstigten versteuert werden müssen.

 

Aber auch Arbeitgeber, die Ladestationen zur Verfügung stellen, profitieren: sie können den Aufbau von Ladestationen auf dem Firmengelände bezuschussen lassen. Mit diesen Regelungen sollen der Absatz und die Akzeptanz für E-Fahrzeuge erhöht werden.

 

Einkommensteuererklärung leicht gemacht - Hilfe bei der Einkommenssteuererklärung direkt von der Steuerverwaltung

Für Millionen Bürger gehört die Erstellung der jährlichen Einkommensteuererklärung zu den Dingen, die von Wochenende zu Wochenende hinausgeschoben werden. Das Ende der Zettelwirtschaft aber ist in Sicht! Ein neuer Service der Steuerverwaltung erleichtert und vereinfacht diese ungeliebte Arbeit: Seit Jahresbeginn wird den Bürgern die "vorausgefüllte Steuererklärung" zur Verfügung gestellt. Damit kann man die bei der Steuerverwaltung z.B. von Arbeitgebern oder Versicherungen zur eigenen Person übermittelten Daten elektronisch abrufen. Bereitgestellt werden beispielsweise die Lohnsteuerbescheinigungen, Mitteilungen über den Bezug von Rentenleistungen und die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Auf diese Weise verringert sich das nervenaufreibende Suchen der Belege. Zudem werden Eingabefehler vermieden, da die abgerufenen Daten einfach und an der richtigen Stelle in die eigene Einkommensteuererklärung übernommen werden können.Voraussetzung für die Nutzung des neuen Services ist die einmalige und kostenlose Registrierung im ElsterOnline-Portal mit der persönlichen Identifikationsnummer sowie die Anmeldung zum Belegabruf.Weitere Informationen zu allen Themen rund um die vorausgefüllte Steuererklärung und den Belegabruf erhalten Sie im Internet unter www.elster.de/Belegabruf, so die Steuerverwaltungen von Bund und Ländern.

 

Steuerklasse optimieren - wer rechtzeitig handelt, kann beim Elterngeld profitieren

Die Steuerberaterkammer Stuttgart informiert: Grundsätzlich können verheiratete Arbeitnehmer und eingetragene Lebenspartner ihre Steuerklasse frei wählen. So bestimmen sie mit, wie viel Lohnsteuer der Arbeitgeber jeden Monat an das Finanzamt abführt. Zur Wahl stehen derzeit drei Kombinationen und als Faustregel gilt: Die Kombination IV / IV ist erste Wahl, wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen. Die Kombination III / V bringt mehr Netto im Monat, wenn der Gehaltsunterschied zwischen den Ehepartnern hoch ist. Dabei wird das höhere Einkommen mit der Klasse III relativ niedrig, das geringe Einkommen mit der Klasse V relativ hoch besteuert. Und die Kombination IV Faktor / IV Faktor, das sog. Faktorverfahren, soll einen gerechteren Ausgleich zwischen Verdienst und Lohnsteuerabzug bei Paaren mit einem größeren Gehaltsunterschied sicherstellen.

 

Ein Steuerklassenwechsel ist prinzipiell nur einmal im Jahr möglich und spätestens bis zum 30. November des laufenden Jahres beim zuständigen Finanzamt einzureichen. Beruhigend zu wissen: Selbst wenn nicht die günstigste Steuerklassenkombination gewählt wurde, zahlen die Betroffenen letztlich insgesamt nicht mehr Steuern. Abgerechnet wird mit der jährlichen Einkommensteuererklärung und da spielen die Steuerklassen für die Höhe der festzusetzenden Steuersumme keine Rolle. Eine falsche Wahl kann sich hier insofern auswirken, als entweder zu wenig oder zu viel Steuern im Jahresverlauf entrichtet wurden, wofür eine Nachzahlung fällig wird oder erfreulicherweise eine Erstattung vom Finanzamt erfolgt.

 

Elterngeld und Steuerklasse

 

Die Wahl der Steuerklasse hat aber sehr konkrete Auswirkungen auf die Höhe von Lohnersatzleistungen, zu denen auch das Elterngeld gehört, denn sie kann bares Geld bedeuten. Eine günstige Steuerklasse in diesem Zusammenhang ist eine, die mehr Netto vom Brutto übrig lässt, also die Bewertungsbasis für das zu zahlende Elterngeld positiv beeinflusst. Aber Achtung: Der Steuerklassenwechsel vor der Geburt ist vom Gesetzgeber erschwert worden. Seit 2013 spielt der Zeitpunkt des Wechsels eine entscheidende Rolle, denn die Berechnung der Höhe des Elterngeldes erfolgt auf Basis der Steuerklasse, die mindestens sieben Monate vor der Geburt eingetragen war. Nach erkannter Schwangerschaft sollte also schnell gehandelt werden, um die für die Betroffenen beste Berechnungsbasis sicherzustellen. Wobei außer der 7-Monatsfrist auch noch daran zu denken ist, dass ein beantragter Steuerklassenwechsel erst ab dem Folgemonat gültig ist. Für die Änderung der Steuerklassen gibt es einen amtlichen Vordruck, der von beiden Ehe- bzw. Lebenspartnern unterschrieben an das Finanzamt geschickt werden muss.

 

Sonstige Auswirkungen eines Steuerklassenwechsels

 

Bei allen möglichen Vorteilen sollte jedoch auch bedacht werden, dass sich bei einem Wechsel der Steuerklassen auch die steuerlichen Koordinaten des Partners verschieben. Wechselt beispielsweise die Ehefrau von Steuerklasse V zu Steuerklasse III, so wechselt der Ehepartner zwangsläufig in die Steuerklasse V. Dann hat der Ehepartner, also in der Regel der Ehemann, einen geringeren Nettoverdienst, somit auch eine geringere Bewertungsbasis für Lohnersatzleistungen. Dies kann sich negativ auswirken auf den evtl. Bezug von Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld, von Krankengeld oder dergleichen. Und weiterhin ist zu berücksichtigen, dass das Elterngeld zwar steuerfrei gezahlt wird, aber dem Progressionsvorbehalt unterliegt, d.h. zum Einkommen hinzugerechnet wird, wenn der individuelle Steuersatz vom Finanzamt nach Abgabe der Steuererklärung festgelegt wird.

 

Höhe des Elterngelds

 

Für die Berechnung des Elterngeldes ist grundsätzlich seit 2013 das pauschal ermittelte durchschnittliche Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit vor der Geburt des Kindes relevant, und zwar maßgeblich die letzten zwölf Kalendermonate. Klingt einfach, aber wirft in der Praxis immer wieder Fragen auf, z.B. im Zusammenhang mit Provisionen. Ohne hier ins Detail gehen zu können, bleibt festzuhalten, dass diese gemäß aktueller Entscheidungen des Bundessozialgerichtes unter bestimmten Voraussetzungen bei der Elterngeldberechnung zu berücksichtigen sind. Anders verhält es sich u.U. mit Zahlungen, die nicht regelmäßig im Jahresverlauf erfolgen. Aber unabhängig von diesen speziellen Fällen liegt das Elterngeld zwischen 100 % und 65 % der positiven Einkünfte sowohl aus selbstständiger als auch aus nichtselbstständiger Erwerbstätigkeit, gekürzt um Abzüge für Steuern und Sozialabgaben. Das Elterngeld beträgt höchstens 1.800 Euro und mindestens 300 Euro. Wobei der letztere Betrag prinzipiell auch denjenigen zusteht, die zuvor keine eigenen Einkünfte hatten. Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich der jeweilige Betrag um 300 Euro je weiterem Kind. In bestimmten Fällen sieht das Gesetz auch einen Geschwisterbonus vor. Dieser erhöht das Elterngeld um 10 %, mindestens jedoch um 75 Euro.

 

Fazit

 

Auf jeden Fall sollte vor einem Steuerklassenwechsel eine sorgfältige Überprüfung der persönlichen Situation erfolgen, am besten mit Hilfe von Steuerexperten, damit vermeintliche Vorteile sich nicht ins Gegenteil verkehren. Der bundesweite Steuerberater-Suchdienst bietet die Möglichkeit, einen oder mehrere seinen Anforderungen entsprechende Steuerberater nach den Kriterien Ort (bzw. Postleitzahl), Arbeitsgebiete (z.B. Einkommensteuer), Branchenkenntnisse und/oder Fremdsprachenkenntnisse in ganz Deutschland zu suchen.

Sieben teure Fehler in der Steuererklärung

Handwerker-Rechnungen bar zahlen, Riester-Rente nicht angeben, Werbungskosten falsch eintragen, außergewöhnliche Belastungen außen vor lassen: Immer wieder verlieren Steuerzahler Geld durch Fehler in ihrer Einkommensteuererklärung. Ein Überblick.

 

Steuerfehler Nummer 1: Ausgaben vergessen

 

Beiträge zum Beispiel für die Riester- oder Rürup-Rente können Arbeitnehmer von der Steuer absetzen. Weil genau das beim Abschluss dieser Verträge meist als Verkaufsargument genannt wird, ist es vielen Bürgern bekannt - aber nicht bewusst. Aus der Praxis wissen wir, dass Steuerzahler oft vergessen, ihre Riester- und Rürup-Kosten in der Steuererklärung anzugeben.

 

Steuerfehler Nummer 2: Rechnungen bar zahlen

 

Handwerker, Putzfrauen oder auch Au-pairs haben gemeinsam, dass man die Kosten in vielen Fällen von der Steuer absetzen kann - entweder als sogenannte Handwerkerleistung oder als haushaltsnahe Dienstleistung. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass Steuerzahler voll auf den Kosten sitzen bleiben, wenn sie das Geld bar bezahlen. Da hilft es auch nichts, die Rechnungen aufzuheben. Ohne Kontonachweis keine Steuervorteile.

 

Steuerfehler Nummer 3: Hintertür zuschlagen und außergewöhnliche Belastungen nicht angeben

 

Dieses Jahr erwarten Steuerexperten ein wichtiges Urteil des obersten Finanzgerichts, dem Bundesfinanzhof (BFH). Der BFH wird in Bezug auf außergewöhnliche Belastungen entscheiden, ob die Regel zur zumutbaren Eigenbelastung fällt. Bislang gilt: Nur die Krankheits-, Pflegeheim- oder Scheidungskosten, die über der eigenen zumutbaren Belastungsgrenze liegen, kann man absetzen. Wie hoch die Grenze für jeden Einzelnen ausfällt, richtet sich momentan vor allem nach dem Einkommen: Je mehr Sie verdienen, desto mehr Ausgaben gelten derzeit als zumutbar. Viele Bürger sammeln deshalb gar nicht erst die Belege für das Zahnimplantat oder die Brille, weil sie denken, dass sie mit den Kosten sowieso nicht über die Zumutbarkeitsgrenze kommen. Der Clou: Weil das Verfahren beim BFH läuft, können Sie schon jetzt jeden Cent Ihrer außergewöhnlichen Belastungen in der Steuererklärung angeben. Werden die BFH-Richter die Belastungsgrenze tatsächlich kippen, haben Sie sich damit größere Steuervorteile gesichert. Denn dann können Sie die vollen Kosten für das Zahnimplantat oder die Brille absetzen. Das gilt auch, wenn bis zu Ihrem Steuerbescheid kein Urteil gesprochen wird. Sie erhalten den vollen Steuervorteil bezüglich Ihrer außergewöhnlichen Belastungen dann nachträglich.

 

Steuerfehler Nummer 4: Mietvertrag mit Angehörigen nicht wasserdicht gestalten

 

Vermietungen unter Verwandten sind nicht ungewöhnlich. Der Mieter bekommt eine Immobilie zum günstigen Preis, der Vermieter kann - trotz geringerer Miete - seine Kosten für das Objekt voll absetzen. Das geht aber nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens, die monatliche Miete beträgt mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete. Das heißt so viel wie: Zu günstig geht nicht. Zweitens hält die Durchführung des Mietvertrags einem Fremdvergleich stand. Das bedeutet: Die Miete wird überwiesen und nicht bar ausgezahlt, sie wird außerdem pünktlich überwiesen, es gibt eine jährliche Nebenkostenabrechnung und ähnliches mehr.

 

Steuerfehler Nummer 5: Einträge vertauschen

 

Sie haben eine Fortbildung selbst bezahlt, die Kosten dafür aber nicht bei Weiterbildung sondern bei allgemeinen Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben? Oder Sie haben Handwerkerleistungen bei den außergewöhnlichen Belastungen eingetragen? So etwas passiert Laien immer wieder. Das Finanzamt streicht dann zwar die geltend gemachten Kosten aus den falschen Zeilen raus, trägt sie aber nicht in die richtigen ein. Die Rückzahlung, die Ihnen zustehen würde, bleibt einfach aus.

 

Steuerfehler Nummer 6: Fristen verstreichen lassen

 

Das Finanzamt schickt Ihnen den Steuerbescheid und Sie sind froh, dass Sie keine Steuern nachzahlen müssen? Oder Sie bekommen eine Rückzahlung, die aber geringer ausfällt als von Ihnen erwartet? Die meisten unternehmen in solchen Fällen nichts. Das könnte allerdings ein teurer Fehler sein. Denn vier Wochen nach dem Bescheid verstreicht die Einspruchsfrist. So lange können Sie den Bescheid genauer unter die Lupe nehmen oder einen Profi engagieren, der nachträglich für Sie gegenüber dem Finanzamt eintritt und etwaige Fehler behebt.

 

Steuerfehler Nummer 7: Steuererklärung nicht machen

 

Eine Steuererklärung lohnt sich und wer keine macht, verschenkt sein Geld. Das Statistische Bundesamt hat die Verluste ausgerechnet. Demnach bekommen Menschen durchschnittlich mehr als 400 Euro zurück, die ihre Steuererklärung selbst machen. Wer zum Steuerberater geht, erhält durchschnittlich ca. 800 Euro zurück. Und Mitglieder der VLH konnten sich im letzten Jahr durchschnittlich über 1.117 Euro Rückerstattung freuen.

 

Arbeitnehmer und Rentner müssen ihre Steuererklärung bis 31. Mai abgeben. Wer einen Steuerprofi - Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein - beauftragt, hat mehr Zeit. Dann kann die Steuererklärung bis zum Jahresende abgegeben werden. 

Überblick über die Besteuerung der privaten Kapitalerträge

Ob die Besteuerung der Erträge aus der privaten Kapitalanlage nach der seit dem 01.01.2009 geltenden Neuregelung stets zu einer steuerlichen Vereinfachung geführt hat, darf jeder Steuerbürger selbst beurteilen“, meint Gerhard Gunsenheimer, Steuerberater bei der Ottobrunner Steuerberater- und Rechtsanwaltspartnerschaft WW+KN Krinninger Neubert. Seit dem 01.01.2009 brauchen laufende Erträge aus privaten Geldanlagen, insbesondere Zinsen, und Veräußerungsgewinne, z. B. aus Aktiengeschäften, grundsätzlich nicht mehr in der Einkommensteuererklärung angegeben zu werden, da sie mit Einbehaltung der Kapitalertragsteuer und des Solidaritätszuschlags durch die auszahlende Stelle abschließend besteuert werden. Kirchensteuerpflichtige Anleger haben allerdings ihre bis zum 31.12.2014 zufließenden Kapitalerträge in ihrer Einkommensteuererklärung anzugeben. Künftig, und zwar ab dem 01.01.2015 entfällt diese Verpflichtung, da nunmehr ebenfalls Kirchensteuer einzuhalten ist, falls der Anleger nicht widerspricht. Bei Vorlage eines Freistellungsauftrags, zu dessen Vorlage StB Gunsenheimer stets rät, behält die auszahlende Institution bis zur Höhe des mitgeteilten Betrages, der maximal 801 € pro Person beträgt, keine Steuerabzugsbeträge ein. Legt der Kapitalanleger eine von seinem Finanzamt antragsgemäß ausgestellte Nichtveranlagungsbescheinigung vor, erhält er alle Kapitalerträge, die er innerhalb eines Jahres bezieht, in voller Höhe, also ohne Kürzung um Steuerabzugsbeträge, gutgeschrieben.

 

Hervorzuheben ist zusätzlich, dass der Steuerbürger bei dieser Alternative keine Einkommensteuererklärung abzugeben braucht, da aufgrund der voraussichtlich anfallenden Einkünfte keine Einkommensteuer festzusetzen sein wird. Allerdings kann ihn das Finanzamt zur Überprüfung der tatsächlich eingetretenen Verhältnisse im Nachhinein zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung auffordern. Die Angabe der Kapitalerträge in der Einkommensteuererklärung kann allerdings auch vorteilhaft sein. Hierzu rät StB Gunsenheimer Kapitalanlegern beispielsweise dann, wenn sie ihrer Bank keinen Freistellungsauftrag erteilt und damit im Laufe des Jahres noch nicht den steuerfreien Betrag von 801 € ausgeschöpft haben, oder wenn für sie das „Teileinkünfteverfahren“ günstiger ist. Für Rentner kann sich eine weitere Steuerminderung durch den Altersentlastungsbetrag ergeben. Werden dem Anleger die Kapitalerträge bei einer im Ausland, beispielsweise in Luxemburg, ansässigen Bank, gutgeschrieben, muss er sie generell in seiner Einkommensteuererklärung angeben, damit die darauf entfallenden Steuern (nach-)erhoben werden. Wurden bei der Auszahlung auch ausländische Steuerabzugsbeträge einbehalten, sind sie in der Regel anzurechnen und bewirken eine niedrigere (Nach-)Versteuerung.

 

Da inzwischen aufgrund zahlreicher zwischenstaatlicher Abkommen, insbesondere durch Doppelbesteuerungsabkommen bzw. durch die Zinsinformationsverordnung das Bankgeheimnis ausgehöhlt wurde und wird und damit die Finanzämter immer mehr über alle ausländischen Kapitalerträge Kenntnis erlangen, empfiehlt StB Gunsenheimer generell die Inanspruchnahme fachlicher Hilfe bei der Erstellung der Einkommensteuererklärung. Dies gilt umso mehr, zumal im Falle des Unterlassens der anzugebenden ausländischen Kapitalerträge, sei es aus steuerlicher Unkenntnis oder bewusst, das Finanzamt nicht nur von erklärten Angaben abweichen darf, sondern sich der Steuerbürger darüber hinaus dem Vorwurf einer Steuerordnungswidrigkeit oder sogar einer Steuerhinterziehung aussetzt und ihm folglich die Einleitung eines Bußgeld- oder Strafverfahrens droht.

Regeln zur strafbefreienden Selbstanzeige werden verschärft

Das Bundeskabinett hat am 24. September 2014 den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der Abgabenordnung und des Einführungsgesetzes zur Abgabenordnung beschlossen. Mit diesem Gesetz sollen die Regelungen der strafbefreienden Selbstanzeige und des Absehens von Verfolgung in besonderen Fällen angepasst werden. Bundesfinanzminister Schäuble: „Straftaten werden in Deutschland konsequent verfolgt. Das gilt für Steuerhinterziehung genauso wie für andere Delikte. Mit den noch einmal verschärften Regeln für die strafbefreiende Selbstanzeige ist klar: Steuerhinterziehung kann nur unter besonderen Voraussetzungen und in sehr engen Grenzen straffrei bleiben.“ Das Rechtsinstitut der strafbefreienden Selbstanzeige bleibt grundsätzlich erhalten. Die Voraussetzungen und insbesondere die finanziellen Konsequenzen werden aber deutlich verschärft: Die Grenze, bis zu der eine Steuerhinterziehung ohne Zahlung eines zusätzlichen Geldbetrags bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt, wird von 50.000 Euro auf 25.000 Euro abgesenkt. Der zu zahlende Geldbetrag wird abhängig vom Hinterziehungsvolumen gestaffelt. Bestimmte, nicht erklärte ausländische Kapitalerträge können für noch weiter zurückliegende Zeiträume als bisher besteuert werden. Zudem wird die Zahlung der Hinterziehungszinsen Tatbestandsvoraussetzung für eine wirksame strafbefreiende Selbstanzeige. Das Gesetz folgt der Linie der Eckpunkte, die die Finanzministerkonferenz am 9. Mai 2014 beschlossen hat. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2015 in Kraft treten, so das Bundesministerium der Finanzen.

Aufbewahrungspflicht: Akten rechtzeitig vernichten

Alle Jahre wieder zum Jahresanfang stellt sich in den Unternehmen und bei Freiberuflern von neuem die Frage nach den Aufbewahrungspflichten: Welche Geschäftsdokumente müssen weiter aufbewahrt, welche können mit Beginn des neuen Jahres vernichtet werden? Einer aktuellen Studie von Blitzarchiv zufolge gehen 76 Prozent der mittelständischen Firmen davon aus, dass eine Vielzahl von Betrieben in Deutschland ihre Dokumente unnötig lange aufheben. Dies liegt daran, dass die Unternehmen sich unsicher sind, wie lange die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten sind und darüber hinaus gar nicht wissen, wie lange bestimmte Unterlagen schon im eigenen Archiv lagern.

 

Grundsätzlich gilt, dass Unterlagen in der Regel entweder sechs oder zehn Jahre aufbewahrt werden müssen. Akten, die beispielsweise in 2013 archiviert wurden, müssen dementsprechend bis 2019 bzw. 2023 aufbewahrt werden. Um genau zu wissen, wie lange Geschäftsakten schon lagern oder gelagert werden müssen, rät der Blitzarchiv-Geschäftsführer Benedikt Steinmetz zu folgendem Vorgehen:

 

1. Akten sollten strikt nach Entstehungsjahr getrennt aufbewahrt werden.

2. Direkt bei der Einlagerung im Unternehmens- oder externen Archiv sollten die Akten zudem gleich mit der Aufbewahrungszeit bzw. mit dem Vernichtungsdatum gekennzeichnet werden.

3. Dokumente, die gesonderten Aufbewahrungsfristen unterliegen, sollten von den übrigen getrennt verwaltet werden.

 

 "Wer in seinem Aktenlager noch Dokumente seit 2003 oder älter aufbewahrt, kann diese zum Jahresende vernichten, da die Aufbewahrungspflicht - bis auf einige Ausnahmen - erloschen ist", fügt der Blitzarchiv-Geschäftsführer hinzu. "Akten sollten rechtzeitig vernichtet werden, um den Datenschutzbestimmungen zu entsprechen und um die Nutzfläche nicht unnötig mit Aktenbergen zuzustellen. Ganz zu schweigen davon, dass in einem großen Aktenlager die Suche nach bestimmten Dokumenten sehr viel länger dauern würde." Zu den Dokumenten mit gesonderten Aufbewahrungsfristen gehören zum Beispiel Verträge, die sich verlängern wie Mietverträge, behördliche Genehmigungen, Akten aus noch laufenden Verfahren, Baupläne und Gerichtsurteile oder einfach Dokumente, die für ein Unternehmen einen ideellen Wert haben oder bei denen gesonderte Branchenvorschriften (wie bspw. Patientenakten) zu beachten sind.

 

Von diesen Ausnahmen abgesehen kann man laut Steinmetz grundsätzlich aufbewahrungspflichtige Dokumente in zwei Zeiträume einteilen. Zu den Unterlagen, die zehn Jahre aufbewahrt werden müssen, zählen u. a. Ausgangsrechnungen, Gehaltslisten, Bankbelege, Bewirtungsbelege, Eingangsrechnungen, Fahrtenbücher, Gewinn- und Verlustrechnung (Jahresbilanz), Grundbuchauszüge sowie Buchungsbelege und Steuererklärungen. Hingegen nur sechs Jahre aufbewahrt werden müssen Unterlagen wie Bürgschaften, Bestellungen, Geschäftsbriefe, Darlehensunterlagen, Kassenzettel, Geschenknachweise, Preislisten sowie Einfuhr- und Exportunterlagen.  

Haushaltshilfen besser anmelden - Kein großer Papierkram für Minijobs in Privathaushalten

Wer für Aushilfen im Privathaushalt einen Minijob vergeben möchte, muss keinen lästigen Papierkram fürchten: Beim sogenannten Haushaltsscheckverfahren füllt man nur ein einfaches Anmeldeformular aus, unterschreibt und schickt es an die Minijob-Zentrale, die dann alles Weitere erledigt, berichtet das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber". Auch wenn die Helferin aus Polen, Tschechien oder anderen osteuropäischen EU-Ländern stammt, ist die Anmeldung inzwischen legal und kein Problem. Der Auftraggeber muss gut 14 Prozent des Lohns als Pauschalabgabe bezahlen. Wer das aus Kostengründen umgeht, kann böse überrascht werden, wenn die Hilfe etwa einen Arbeitsunfall erleidet. Die Unfallkasse kann die gesamten Behandlungskosten vom Auftraggeber verlangen. Ordnungsgemäß gemeldete Minijobber aber sind gesetzlich unfallversichert. 

Steuersparmodell für Familien – Wie Sie Kinderbetreuung durch Angehörige richtig absetzen

Viele Eltern sind berufstätig und können der Aufgabe der Kinderbetreuung nicht ganztägig nachkommen. Diese Aufgaben übernimmt dann oft ein Angehöriger. “Löhne” für die Kinderbetreuung durch Angehörige sind grundsätzlich nicht abziehbar. Ein Kostenersatz, z. B. für Fahrtkosten kann aber steuerlich abgezogen werden. Oft sind in Familien beide Elternteile ganz oder teilweise berufstätig. Der erforderlichen Betreuung ihrer Kinder können sie daher nur teilweise nachkommen. Da für diese Zwecke fremde Personen oft als nicht geeignet oder ggf. zu teuer empfunden werden, behelfen sich viele Familien so, dass sie Angehörige für die Kinderbetreuung einsetzen. Der Gesetzgeber hat aufgrund dieser häufigen Konstellation in den Familien schon seit Jahrzehnten den Abzug von Betreuungskosten für Kinder unter 14 Jahren in der Weise zugelassen, dass 2/3 der Kosten, jedoch max. 4.000 EUR pro Kind, steuerlich abgezogen werden können.

Grundsätzlich können Aufwendungen für einen Babysitter, Erzieher, eine Tages- und Wochenmutter, einen Kindergarten bzw. Kinderhort, eine Kindertagesstätte etc. abgezogen werden. Ein Abzug von Betreuungskosten ist prinzipiell dann ausgeschlossen, wenn die Betreuung durch nahe Angehörige erfolgt. “Hierbei hat sich der Gesetzgeber gedacht, dass möglicherweise bei nahen Angehörigen eine Abgrenzung zu bloßen Gefälligkeitsleistungen schwierig ist”, so Jörg Strötzel, Vorsitzender der VLH. “Daher wollte der Gesetzgeber von vornherein trickreiche, vertragliche Gestaltungen mit Angehörigen ausschließen, um den Abzug bloßer Gefälligkeitsleistungen auf familiärer Grundlage auszuschließen.”

 

Allerdings hat nun das Finanzgericht Baden-Württemberg mit seinem Urteil vom 09.05.2012, Az. 4 K 3278/11 klargestellt, dass in den Fällen der Kinderbetreuung durch Angehörige, wie z. B. Großeltern, Bruder oder Schwester etc. die Betreuung als solche nicht abziehbar bleibt. Wird jedoch mit den Angehörigen eine unentgeltliche Kinderbetreuung vereinbart und tatsächlich entstehende Fahrtkosten ersetzt, kann dieser tatsächlich gezahlte Fahrtkostenersatz von den Eltern steuerlich als Kinderbetreuungskosten abgesetzt werden. Die VLH empfiehlt daher allen Familien, welche ihre Kinder durch Angehörige betreuen lassen, ggf. durch entsprechende Vereinbarungen mit diesen die Fahrtkosten zu ersetzen. Sie haben dann die Möglichkeit, entweder 2/3 dieser Kosten als Sonderausgaben abzuziehen oder 20 % dieser Aufwendungen direkt von der angefallenen Einkommensteuer abzuziehen. 

Steuern sparen mit Handwerkerrechnungen

Nur gut zehn Prozent der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland zahlen bisher Steuern

Nach einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums, die der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post” vorliegt, lag die Zahl der steuerbelasteten Rentner im Jahr 2007 – jüngere Daten aus der Einkommensteuerstatistik liegen dem Ministerium noch nicht vor – bei 2,6 Millionen.

Steuerpflichtige Rentner zahlten demnach 19,3 Milliarden Euro an den Fiskus, gut 6,5 Milliarden Euro mehr als 2004. Der größte Teil davon entfiel auf zusätzliche Einkünfte neben der gesetzlichen Rente. Rentner, die überwiegend von der Rente leben, zahlten 2007 im Durchschnitt nur 180 Euro Einkommensteuer. Wer ausschließlich auf die Rente angewiesen war, entrichtete im Schnitt nur 36 Euro. Seit der Reform der Alterseinkünftebesteuerung 2005 beträgt der Prozentsatz der steuerpflichtigen Anteile der Renten mindestens 50 Prozent. Dies gilt auch für die, die 2005 bereits Rentner waren. Für alle Neurentner erhöhen sich jährlich bis 2040 die Prozentsätze der zu versteuernden Rentenbezüge.

Das Bundesfinanzministerium geht deshalb davon aus, dass die Zahl der steuerbelasteten Rentner seit 2007 zugenommen hat. “Mit der steigenden Berücksichtigung der Vorsorgeaufwendungen steigt naturgemäß auch der Anteil der nachgelagerten Besteuerung”, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. “Deutsche Rentner sollten inzwischen durch die Medien, durch die Finanzämter, aber auch durch Arbeit der Steuerberaterkammern Kenntnis über ihre mögliche Steuerpflicht haben”, sagte der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Horst Vinken, der Zeitung. “Steuerhinterziehung dürfte bei normalen Rentnern, die durch die Gesetzesänderung im Jahr 2005 wieder der Einkommensteuerpflicht unterworfen worden sind, eher nicht gegeben sein, schon in Ermangelung eines subjektiven Tatvorsatzes”, sagte Vinken.

Den Fiskus “enterben” – Freibetrag alle zehn Jahre nutzen

Die Deutschen sind wohlhabend wie nie zuvor. Auf etwa zehn Billionen Euro beläuft sich das Geld- und Immobilienvermögen der privaten Haushalte in Deutschland. Die Generation der Erben kann demnach mit beträchtlichen Vermögensübertragungen rechnen. Doch auch der Fiskus hält die Hand auf. Allerdings erst, wenn Freibeträge bei Schenkung oder Erbschaft überschritten werden, die je nach Verwandtschaftsgrad unterschiedlich hoch sind.

So gelten nach § 16 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz grundsätzlich unter anderem folgende Freibeträge für Schenkungen und Erbschaften:



Erst darüber hinaus gehende Vermögensbeträge sind grundsätzlich steuerpflichtig. Je nach Verwandtschaftsgrad wird dann auch ein unterschiedlich hoher Steuersatz angesetzt. Wichtig zu wissen: Die genannten Freibeträge können nach Ablauf von zehn Jahren erneut in Anspruch genommen werden. Bei größeren Familienvermögen kann es also ratsam sein, Schenkungen zu Lebzeiten rechtzeitig zu planen.

Dabei ist zu beachten, dass Vermögensübertragungen zu Lebzeiten innerhalb der Familie vom Finanzamt nur anerkannt werden, wenn sie formalen rechtlichen Vorschriften entsprechen. Im Zweifel kann es sich auszahlen, einen Notar, Steuerberater oder Steuerjuristen zu Rate zu ziehen. 

Aufwendungen für einen Telearbeitsplatz in Steuererklärung voll abziehbar

Aufwendungen für einen in der eigenen Wohnung befindlichen Raum unterliegen nicht zwingend dem Abzugsverbot für ein häusliches Arbeitszimmer. Hat sich ein Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber verpflichtet, an mehreren Arbeitstagen von zu Hause an seinem Telearbeitsplatz zu arbeiten, kann er die ihm hierfür entstehenden Erwerbsaufwendungen in voller Höhe abziehen. Arbeitgeber wünschen sich von ihren Mitarbeitern immer mehr Flexibilität, Dies führt mittlerweile dazu, dass immer mehr Arbeitnehmer sowohl beim Arbeitgeber als auch zuhause für diesen arbeiten. Kosten für in der eigenen Wohnung befindliche Räume sind aber grundsätzlich steuerlich nicht abziehbar. Entstehen jedoch Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer, können diese bis 1.250 EUR abgezogen werden, wenn ansonsten kein beruflicher Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Stellt das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit dar, sind alle dafür entstehenden Kosten abziehbar.

 

Nach einem Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 19.01.2012, Az. 4 K 1270/09, gegen das die Revision zugelassen wurde, sind die im Zusammenhang mit der Nutzung eines Telearbeitsplatzes entstehenden Kosten steuerlich in voller Höhe abziehbar. Ein Oberregierungsrat war aufgrund der arbeitszeitvertraglichen Vereinbarung wöchentlich drei Tage beim Arbeitgeber und an zwei Tagen von zu Hause aus tätig. Dafür sollte er einen Raum vorhalten, für den der Arbeitgeber die Telefonkosten übernahm und die EDV-Einrichtung mit der Absicht stellte, Einsparmöglichkeiten in seinem Dienstgebäude zu nutzen.

 

Da der Arbeitnehmer arbeitsvertraglich und damit erwerbsbedingt verpflichtet war, einen Telearbeitsplatz in einem separaten Raum bei sich einzurichten, war das Finanzgericht nach Würdigung der besonderen Umstände der Meinung, dass der beruflich genutzte Raum nicht dem Typus eines häuslichen Arbeitszimmers gleichzustellen ist und insofern alle dafür entstandenen Kosten abziehbar seien.

 

“Auch wenn ein häusliches Arbeitszimmer in diesem Fall anzunehmen sei, hätte der Abzug von maximal 1.250 EUR erfolgen müssen”, so Jörg Strötzel, VLH-Vorsitzender. “Denn da für die Zeiten, in denen der Steuerbürger von zu Hause arbeiten sollte, kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand, hätte dieser Werbungskostenabzug gewährt werden müssen”, so Strötzel weiter.

Die VLH rät daher allen Personen, welche im Einvernehmen mit ihrem Arbeitgeber teilweise oder ganz von zu Hause aus arbeiten, die dafür entstehenden Erwerbsaufwendungen für den Tätigkeitsraum und den Telearbeitsplatz in voller Höhe zu beantragen. Lehnt das Finanzamt dies ab, sollte hiergegen Einspruch eingelegt und die Aussetzung der Entscheidung hierüber mit Hinweis auf das mittlerweile beim BFH unter dem Aktenzeichen VI R 40/12 anhängige Revisionsverfahren beantragt werden. 

Durch Weiterverschenken die Schenkungssteuer vermeiden

Schenkungen werden häufig aus folgenden zwei Gründen als vorgezogene Erbfolge in Betracht gezogen. Zum einen, um Erbschaftssteuern zu minimieren und zum anderen, da bei Schenkungen unter Lebenden die Vermögensübertragung mit “warmer Hand” erfolgt. Die steuerlichen Schenkungsfreibeträge, die in gleicher Höhe wie die Erbschaftssteuerfreibeträge bestehen, können alle 10 Jahre in voller Höhe neu genutzt werden. Carsten Graf von Rex, Rechtsanwalt in der Steuerberatungs- und Rechtsanwaltskanzlei Roland Franz und Partner in Essen, rät aber von Versuchen ab, Weiterverschenkungen zur Schenkungssteuerminimierung zu nutzen, bzw. rät dazu, sich bei einem solchen Vorhaben gut beraten lassen. “Für die Höhe der Freibeträge kommt es auf das jeweilige Verwandtschaftsverhältnis an. Mit Ausnahme des Verhältnisses zwischen Eheleuten folgt die Steuergesetzgebung bei den Freibeträgen grob dem Grundsatz “wie das Blut so rinnt das Gut”, erklärt Rechtsanwalt Carsten Graf von Rex. So betragen die Freibeträge bei Schenkungen für Ehepartner 500.000,- EUR, für Kinder, Stief- und Adoptivkinder sowie für Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind, 400.000,- EUR und für Enkel, deren Eltern noch leben sowie für Urenkel 200.000,- EUR. Eltern, Großeltern, Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder und -eltern sowie geschiedene Ehegatten werden beim Schenkungssteuerfreibetrag wie Nichtverwandte behandelt und haben nur einen Freibetrag in Höhe von 20.000,- EUR. Im Gegensatz zu Nichtverwandten gilt für sie jedoch eine andere Schenkungssteuerklasse und damit geringere Schenkungssteuersätze, die nach der großen Erbschaftssteuerreform zum 01.01.2010 nochmals verbessert worden sind.

 

“Um die Freibeträge optimal auszunutzen, könnten Schenkungen mit anschließender Weiterverschenkung ins Auge gefasst werden. Dem Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten hat der Gesetzgeber in § 42 der Abgabenordnung jedoch einen Riegel vorgeschoben. So sind bei Missbrauch in Form einer unangemessenen rechtlichen Gestaltung die Steuern wie bei einer angemessenen rechtlichen Gestaltung fällig. Ein besonderes Augenmerk legt die Finanzverwaltung dabei auf sogenannte Kettenschenkungen”, so Rechtsanwalt Graf von Rex. Der Bundesfinanzhof hat hier jüngst in einem solchen Fall der Kettenschenkung eine missbräuchliche Gestaltung abgelehnt. In diesem Fall hatte ein Vater seinem Sohn einen Grundstücksanteil unentgeltlich übereignet. Dieser schenkte kurze Zeit darauf die Hälfte seines hälftigen Miteigentumsanteils seiner Frau. Das zuständige Finanzamt nahm daraufhin eine Schenkung des Vaters an die Schwiegertochter an und setzte die Schenkungssteuer in ihrem Bescheid auf 23.200,- EUR fest, da für die Schwiegertochter nur ein Freibetrag von 20.000,- EUR gegolten hätte.

 

Der Bundesfinanzhof (BFH) lehnte in diesem Fall eine rechtsmissbräuchliche Kettenschenkung ab, da dem Finanzamt kein Beweis für einen schenkungssteuerpflichtigen Vorgang gelang. Entscheidend war hierbei, dass der Sohn nicht aufgrund einer ausdrücklichen Vereinbarung im Schenkungsvertrag oder aus einer sich den Umständen ergebenden Vereinbarung zur Weitergabe verpflichtet war. Wenn der Sohn als Beschenkter den ihm zugewendeten Gegenstand ohne Veranlassung seines Vaters als Schenker und ohne rechtliche Verpflichtung freigiebig seiner Frau weitergibt, scheidet die Annahme einer Schenkung des Vaters an die Schwiegertochter aus. Dieses ist laut einer älteren BFH-Entscheidung auch der Fall, wenn der Schenker weiß oder damit einverstanden ist, dass der Beschenkte den zugewendeten Gegenstand unmittelbar im Anschluss an die Schenkung an einen Dritten weiterschenkt. Im vorliegenden Fall führte der BFH darüber hinaus aus, dass eine Schenkung an die Schwiegertochter an sich schon ungewöhnlich gewesen wäre. Außerdem war bei der Schenkung an die Ehefrau festgelegt worden, dass diese ihren Miteigentumsanteil im Falle der Scheidung von dem Sohn oder dessen Vorversterbens an ihren Schwiegervater hätte rückübereignen müssen.


 

“Der Fall zeigt, wie intensiv Kettenschenkungen auf Missbrauch hin überprüft werden”, so Rechtsanwalt Graf von Rex.



KPMG-Studie: Vermögensbesteuerung in Deutschland entspricht internationalen Standards

In Zeiten von Finanz-, Wirtschafts- und Haushaltskrisen besteht für Staaten die Notwendigkeit, weitere Einnahmequellen zu erschließen. In Deutschland fordern deshalb viele Politiker ein Comeback der Vermögensteuer, die seit 1997 ausgesetzt ist. Auch in anderen europäischen Ländern sollen Reiche stärker zur Kasse gebeten werden. Eine aktuelle KPMG-Studie vergleicht deshalb die bestehenden deutschen Regelungen zur Besteuerung von Vermögen mit denen in Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und den USA. Die Publikation, die den Titel "Vermögensteuer - wer besteuert wie?" trägt, betrachtet dabei nicht nur die allgemeine Vermögensteuer, sondern durchleuchtet auch andere vermögensbezogene Steuern wie die Grundsteuer und die Erbschaft- und Schenkungsteuer.

Die Studie kommt zum Schluss, dass in allen untersuchten europäischen Staaten das Aufkommen der Vermögensteuer im Vergleich zu den gesamten Steuereinnahmen von geringerer Bedeutung ist. So machen die vermögensabhängigen Abgaben lediglich zwischen 0,07 und 5 Prozent der gesamten Steuereinnahmen des jeweiligen Landes aus. Einzige Ausnahme und damit absoluter Spitzenreiter ist Frankreich mit 8,6 Prozent. Deutschland liegt im Mittelfeld. Hier machen die Einnahmen aus Vermögen 2,8 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus.

Die Betrachtung der einzelnen vermögensbezogenen Steuerarten bringt ein ähnliches Ergebnis zu Tage: Der Anteil der Grundsteuer an den gesamten Steuereinnahmen in Europa liegt zwischen 0,5 Prozent in Österreich und 5 Prozent in Frankreich. Deutschland belegt mit rund 2 Prozent einen mittleren Platz. Das Aufkommen aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer spielt in allen Staaten eine eher geringe Rolle. Die Steuereinnahmen betragen zwischen 0,07 Prozent in Italien und 0,8 Prozent in Deutschland. Nur Frankreich nimmt mit 2,4 Prozent eine Sonderrolle ein.

Dr. Martin Lenz, Tax-Partner bei KPMG und verantwortlich für die Studie: "Die derzeitige Vermögensbesteuerung in Deutschland entspricht internationalem Standard. Wir sollten aus diesem europäischen Trend nicht ausscheren, zumal die Verwaltungs- und Erhebungskosten sowohl bei den Finanzbehörden als auch bei den Steuerpflichtigen erheblich sein werden. Insbesondere sollte darauf geachtet werden, dass auch in Krisenzeiten der Fortbestand von Unternehmen nicht gefährdet wird."

 

Ehegattensplitting - steuerlich nicht immer die beste Lösung

Steuerberaterkammer Stuttgart informiert: Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften, die beide unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben, gilt grundsätzlich, dass die Partner wählen dürfen, welche Art der steuerlichen Veranlagung sie bevorzugen. Dabei können sie sich seit 2013 zwischen der Einzelveranlagung mit Grundtarif und der Zusammenveranlagung mit Splittingtarif entscheiden. Der Hinweis auf "nicht dauernd getrennt lebend" hat nicht zwangsläufig etwas mit einem gemeinsamen Wohnsitz zu tun. Unterhält der eine Partner beispielsweise aus beruflichen Gründen einen anderen Wohnsitz, so ist das steuerlich unschädlich für die gemeinsame Veranlagung. Grundsätzlich geht es um die Abwägung, welche Variante unter welchen Umständen die steuerlich günstigere darstellt.

 

Veranlagung beantragen

 

Die von den Steuerpflichtigen gewählte Veranlagungsart ist prinzipiell für ein Steuerjahr gültig. Sie kann in aller Regel nur bis zu dem Zeitpunkt geändert werden, an dem der Steuerbescheid in Kraft tritt. Falls kein Antrag auf Einzelveranlagung gestellt wird, geht das Finanzamt normalerweise davon aus, dass eine Zusammenveranlagung der Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartner gewünscht wird. Allgemein wird angenommen, dass eine Zusammenveranlagung aufgrund der eintretenden Progressionsmilderung für Ehegatten die günstigere Veranlagungsvariante darstellt. Aber das ist nicht immer so. Wenn also einer der Partner der Meinung ist, die getrennte Veranlagung sei - aus welchen Gründen auch immer - für ihn günstiger, dann kann er, auch einseitig, diese beantragen. Auf die Zustimmung des jeweiligen Partners kommt es in solch einem Fall meistens nicht zwingend an. Bei der Einzelveranlagung findet die Einkommensteuer-Grundtabelle Anwendung, während für die Zusammenveranlagung die sog. Splittingtabelle herangezogen wird.

 

Zusammenveranlagung

 

Bei dieser Art der Veranlagung werden die Einkommen der Partner jeweils getrennt ermittelt und dann, vereinfacht dargestellt, gemeinsam bewertet. Die Ermittlung des zu versteuernden Betrages ergibt sich also aus der Summe der beiden Einkommen. Sie bilden insofern die Besteuerungsbasis, als sie zunächst durch zwei geteilt werden, um die Steuer für den hälftigen Betrag zu ermitteln. Der wird dann wieder verdoppelt, um die fälligen Steuern festzulegen. Beispielhaft sei das wie folgt dargestellt: Person A hat ein Einkommen von 40.000 Euro, Person B eines von 20.000 Euro. Gemeinsam verfügen sie also über 60.000 Euro. Davon werden 30.000 Euro als Besteuerungsbasis herangezogen. Der dafür fällige Steuerbetrag liegt bei etwa 5.600 Euro, der dann zu einer Gesamtsteuer von 11.200 Euro führt. Würde jeder sein Einkommen einzeln versteuern, so würde für Person A ein Betrag von knapp 9.000 Euro anfallen, während Person B mit gut 2.600 Euro rechnen müsste. Der zu zahlende Betrag würde somit bei 11.600 Euro und über dem der gemeinsamen Veranlagung liegen. Vereinfacht gilt: Je größer die Einkommensunterschiede, je mehr profitieren die Partner von der gemeinsamen Veranlagung bzw. vom Splittingvorteil.

 

Einzelveranlagung

 

Zunächst ist festzuhalten, dass die frühere "getrennte Veranlagung" und die seit 2013 gültige Einzelveranlagung zwar häufig synonym gebraucht werden, sich aber inhaltlich durchaus unterscheiden. So fällt die freie Zuordnung bestimmter steuermindernder Kosten bei der Einzelveranlagung weg. Dies gilt z.B. für die Sonderausgaben, die außergewöhnlichen Belastungen oder die Steuerermäßigungen im Zusammenhang mit haushaltsnahen Dienstleistungen. Sie werden im Gegensatz zur früheren Praxis generell dem Ehegatten zugerechnet, der sie auch wirtschaftlich getragen, sprich bezahlt hat. So wird der zumutbare Anteil bei den außergewöhnlichen Belastungen bei der Einzelveranlagung künftig nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte des betroffenen einzelnen Partners und nicht mehr - wie ehemals bei der getrennten Veranlagung - auf Basis der Gesamteinkünfte beider Ehepartner bestimmt. Das kann sich u.U. positiv bei geringem Einkommen eines Partners auswirken, der hohe außergewöhnliche Belastungen zu tragen hat. Es gibt weitere Situationen, in denen die Einzelveranlagung durchaus sinnvoll sein kann. Dabei spielt häufig der sog. Progressionsvorbehalt eine entscheidende Rolle. Er kommt dann ins Spiel, wenn einer der Partner beispielsweise hohe steuerfreie Einkünfte hat, die allerdings bei der Berechnung des Steuersatzes für die gesamten Einkünfte eines Paares nach der Splittingtabelle Berücksichtigung finden. Sie können zu einer höheren Besteuerung führen, als das bei einer Einzelveranlagung der Fall wäre. Dazu gehören Entgelt-, Lohn- und Einkommensersatzleistungen wie etwa Arbeitslosen-, Kranken-, Mutterschafts- oder Elterngeld. Im Detail regelt § 32b EStG, welche Leistungen und Einkünfte dem Progressionsvorbehalt unterliegen und in welcher Größenordnung sie, ggf. unter Abzug von Werbungskosten, steuerrelevant sind. Generell gibt es eine Reihe von Vorteilen, die eine Einzelveranlagung mit sich bringen kann, z.B. bei Verlustvorträgen oder Kirchensteuer, so dass stets im Einzelfall zu prüfen ist, welche Veranlagungsart für die individuelle Lebenssituation die günstigere ist.

 

Fazit

 

Die Wahl der Veranlagungsarten kann diverse steuerliche Konsequenzen mit sich bringen, die für den Laien nicht ohne weiteres durchschaubar sind. Zur Beurteilung der vielfältigen Aspekte und der Wahl einer individuell optimalen Lösung empfiehlt es sich deshalb, einen Steuerberater hinzuzuziehen. 

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