Nach dem Umzug immer Hausratversicherer informieren

Zunächst eine gute Nachricht: Fast 82 Prozent der Bundesbürger haben laut einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine Hausratversicherung und damit ihren Hausrat vor Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Einbruchdiebstahl geschützt. Im Rahmen dieser repräsentativen Umfrage untersuchte die GfK im Auftrag der Gothaer Versicherung die Situation von mehr als 1.000 Bundesbürgern. Näheres Hinsehen trübt jedoch das Bild. Denn von all jenen Versicherungsnehmern, die seit dem Abschluss ihrer Hausratpolice umgezogen sind, haben laut Befragung 70 Prozent ihren Wohnungswechsel nicht zum Anlass genommen, sich erneut beraten zu lassen. Doch das ist wichtig, denn man spart möglicherweise bares Geld: “Zieht man etwa von der Stadt aufs Land, fällt häufig eine geringere Versicherungsprämie an, da zum Beispiel das Risiko von Einbruchdiebstählen sinkt”, erläutert Stefan Hilgers, Hausratexperte bei der Gothaer Versicherung.

 

Bei Umzug in eine größere Wohnung Police anpassen


Sollte die neue Wohnung deutlich größer als die alte sein, ist ebenfalls eine Anpassung des Vertrages nötig. Denn die Versicherungssumme richtet sich bei den meisten Verträgen nach der Quadratmeterzahl. Wird diese nicht angepasst, droht eine sogenannte “Unterversicherung”. Das bedeutet, dass im Falle eines Totalschadens – etwa wenn die gesamte Wohnung ausbrennt – nicht der gesamte Schaden erstattet wird. Aber auch bei kleineren Schäden wird dann nur anteilig erstattet.

 

Police anpassen, wenn der Hausrat wächst


In diesem Zusammenhang fällt auch auf: Rund 17 Prozent aller Befragten haben seit Vertragsabschluss höherwertigen Hausrat dazu gekauft oder sind mit ihrem Partner zusammengezogen, der seinen Hausrat mitgebracht hat, ohne ihre Hausratversicherung überprüfen zu lassen Weitere 13 Prozent können sich nicht genau daran erinnern, ob sie es getan haben. “Ohne eine entsprechende Überprüfung laufen sie Gefahr, bei einem Totalschaden ohne ausreichenden Schutz dazustehen und erhebliche Abzüge bei der Erstattung zu riskieren”, warnt Gothaer Experte Hilgers.

ÖKO-TEST Vergleichsportale für Hausratversicherungen

Vergleichsrechner im Internet sollten eigentlich helfen, die richtige Hausratversicherung zu finden. Leider sind die meisten Vergleiche, die die Online-Portale bieten, unsäglich. Das kritisiert das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST. So kürten die 17 getesteten Webpages nicht nur acht unterschiedliche Tarife zum Sieger, sie gaben dabei auch unterschiedliche Preise für die gleichen Tarife an. Ein Portal macht sogar wissentlich falsche Angaben. Die unterschiedlichen Rankings von Hausratversicherungen kommen unter anderem deshalb zustande, weil manche Portale nicht jede Versicherung berücksichtigen. Das kann daran liegen, dass nicht alle Assekuranzen jedem Portal die benötigten Daten zur Verfügung stellen. Teilweise sind technische Schwierigkeiten schuld. Vor allem aber nehmen viele Portale nur Versicherungen auf, von denen sie Vermittlungsprovisionen erhalten. Besonders ärgerlich ist es aber, dass Verbraucher den Preisangaben der Portale teilweise nicht trauen können. Oftmals sind die Tarife schlichtweg falsch berechnet. Außerdem ist ÖKO-TEST aufgefallen, dass ein Portal im Test für fast alle Tarife einen niedrigeren Preis ausweist als die anderen und die Versicherungen selbst. Hier liegt der Verdacht nahe, dass dieses Portal bewusst falsche Niedrigpreise angibt, damit Kunden einen Vertrag abschließen und eine Provision fällig wird. Erfahrungsgemäß macht sich kaum ein Kunde die Mühe, den Vertrag zu stornieren, wenn er die Unterlagen und die Mitteilung bekommt, dass der Preis höher als erwartet ist. 

Unterschätzte Schätze: Spezialversicherer Hiscox warnt vor Unterversicherung in der Gebäude- und Hausratversicherung

Experten des Spezialversicherers Hiscox gehen davon aus, dass deutsche Haushalte im Durchschnitt um mehr als zwei Drittel unterversichert sind. Wesentliche Gründe dafür sind die Preisentwicklung von Kunst- und Wertgegenständen, Neuanschaffungen sowie Qualitätsverbesserungen der Einrichtung. Auch vermeintliche Prämienersparnisse oder mangelnde Kenntnis der tatsächlichen Werte können zu Unterversicherungen führen. Meist werden dieselben Bereiche unterschätzt oder bei der Ermittlung der Versicherungssummen schlichtweg vergessen: Kleidung (Anzüge, Schuhe, Handtaschen, Gürtel etc.), Dekoration (Vorhänge, Kissen, Läufer oder Vasen), Elektrotechnik (Dolby Surround, TV, Einbruchmeldeanlage bzw. Schwimmbadtechnik), Kücheneinrichtungen (hochwertige und individuell angefertigte Einbauküchen) oder Einbauten (zum Beispiel Vertäfelungen, Marmorbad, Einbauschränke).

 

Im Fall einer Unterversicherung erlebt der Kunde im Schadenfall eine böse Überraschung, wenn der Versicherer aufgrund der Unterversicherung nicht den vollen Wert erstattet. So zum Beispiel möchte ein Kunde eine Hausratversicherung abschließen und gibt seinem Makler als Versicherungssumme einen Wert von circa 180.000 Euro an. Nach einer Gutachter-Besichtigung vor Ort und Überprüfung der Werte wird ein Gesamtwert von circa 650.000 Euro ermittelt. Aufgrund der Unterschätzung des eigenen Hausrats würde im Schadenfall eine Unterversicherung von mehr als 70 Prozent entstehen. Bedrohlich wird der Zustand der Unterversicherung vor allem im Totalschadenfall. Im genannten Beispiel benötigt der Kunde 650.000 Euro, um seinen Hausrat gleichwertig zu ersetzen. Da seine Versicherungssumme jedoch auf 180.000 Euro beschränkt ist, wird die Versicherung lediglich diesen maximalen Betrag ausbezahlen. Die Differenz von 470.000 Euro zum Ersatz des Hausrates trägt der Versicherungsnehmer selbst.

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