Robo-Advisor: Geldanlage per Internet ist nicht ohne Risiken  

Modern, unkompliziert und vor allem kostengünstig: so soll sie sein, diese Form der Geldanlage, bei der Computer den Anlegern Vorschläge unterbreiten und das Depot auch managen. Zumindest modern sind sie wirklich, die Robo-Advisor. Bei unkompliziert und kostengünstig sollten Anleger Abstriche machen. Die Stiftung Warentest hat für die Januar 2017-Ausgabe von Finanztest 18 sogenannte Robos untersucht und zeigt, was die digitalen Anlagevorschläge taugen.

 

Digitale Geldanlage ist ein junger Markt in Bewegung. Es kommen neue Robos hinzu, alte wechseln ihre Ausrichtung: Bei den Full-Service-Angeboten übernimmt der Robo die komplette Vermögensverwaltung. Der Half-Service-Robo macht Anlagevorschläge und hält Rücksprache, bevor er Wertpapiere kauft und die Depotmischung verändert. Der Self-Service-Robo ist nur ein Tippgeber: Anleger bekommen Vorschläge, haben ihre Geldanlage aber vollständig in der eigenen Hand.

 

Ganz so einfach wie versprochen ist die Geldanlage per Computer jedoch nicht. Um alles zu verstehen, sollten Nutzer sich mit Fonds auskennen und Anlagevorschläge einschätzen können. Robos verlangen für eine Vermögensverwaltung zwar deutlich weniger als eine Bank, aber bei jährlichen Kosten jenseits von 0,5 Prozent wird es auf Dauer doch teuer. Außerdem mischen ein paar Anbieter dem Portfolio recht riskante Produkte bei. Blind verlassen sollte sich also niemand auf die neuen Berater, so die Stiftung Warentest.

 

Fondsanleger erzielen zu wenig Rendite

2012 und 2013 waren gute Aktienjahre, der Dax legte jeweils mehr als 20 Prozent zu. Wer als Anleger daran teilhaben wollte, durfte sich allerdings nicht auf aktiv gemanagte Investmentfonds verlassen. Diese schafften es nicht, mit dem Index Schritt zu halten. Von 28 ausgewerteten Fonds mit Schwerpunkt Deutschland Blue Chips und mehr als fünf Millionen Euro Fondsvolumen schafften es 2012 nur zwölf Fonds, besser abzuschneiden als der Dax. 2013 waren es nur elf. Im Schnitt lagen die Fondsmanager 2012 um 0,45 Prozent zurück, 2013 um 0,84 Prozent. "Was zunächst nur wie ein geringer Abstand aussieht, kostet über die Jahre aber deutlich Rendite: In der Betrachtung über fünf Jahre liegen die Fondsmanager im Schnitt bereits 7,54 Prozent hinter dem Dax, über ein und drei Jahre sind es jeweils rund drei Prozent", sagt Professor Stefan May, Leiter Vermögensverwaltung der auf Honorarberatung spezialisierten quirin bank. Beim Anleger kommt also im Schnitt deutlich weniger Rendite an, als der Markt liefert. Verantwortlich dafür sind neben der schwer nachweisbaren Leistung der Fondsmanager vor allem die Kosten, die für einen aktiv gemanagten Fonds berechnet werden. Rund zwei Prozent betragen die Kostenquoten bei Aktienfonds im Schnitt, deutliche Abweichungen nach oben sind möglich, vor allem wenn noch zusätzliche Performance-Gebühren anfallen. "Dabei sind in der Rechnung Ausgabeaufschläge, die die Anlegerrendite noch einmal um bis zu fünf Prozent im Jahr des Kaufs schmälern, nicht berücksichtigt, da sie nicht von jeder Bank oder jedem Berater in voller Höhe erhoben werden", sagt Professor May von der quirin bank. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind die Auswirkungen der Ein- und Ausstiegszeitpunkte. Finanzwissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass vor allem private Anleger tendenziell bei höheren Kursen einsteigen und bei fallenden wieder aussteigen. Auf diese Weise sinkt die reale Rendite noch einmal deutlich.

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Verbraucherfinanzen-Deutschland.de